Lege mich wie einen Siegelring an dein Herz, wie einen Siegelring an deinen Arm! Denn die Liebe ist gewaltsam wie der Tod, hart (d. h. unerweichlich) wie der Scheol ihr Eifer; ihre Gluten sind Feuergluten (Eig ihre Blitze sind feurige Blitzstrahlen,) eine Flamme Jahs. Große Wasser vermögen nicht die Liebe auszulöschen, und Ströme überfluten sie nicht. Wenn ein Mann allen Reichtum seines Hauses um die Liebe geben wollte, man würde ihn nur verachten.
Elberfelder 1871 – Hoheslied 8,6–7
Setze mich wie ein Siegel
dir auf das Herz,
wie einen Siegelreif dir um den Arm,
denn gewaltsam wie der Tod ist die Liebe,
hart wie das Gruftreich das Eifern,
ihre Flitze Feuerflitze, –
eine Lohe oh von Ihm her!
Die vielen Wasser vermögen nicht die Liebe zu löschen,
die Ströme können sie nicht überfluten.
Gäbe ein Mann allen Schatz seines Hauses um die Liebe,
man spottete, spottete sein.
Buber_& Rosenzweig – Hohelied 8,6–7
Oh, leg mich wie einen Siegelring auf dein Herz, wie einen Siegelring auf deinen Arm! Denn stark wie der Tod ist die Liebe, unbezwinglich wie die Scheol. Ihre Leidenschaft, ihre Glut ist wie Feuergluten, Gottesflamme! Nicht vermögen viele Wasser die Liebe zu löschen, Ströme überfluten sie nicht. Gäbe jemand das ganze Gut seines Hauses für die Liebe, man würde ihn schmähen.
Die Philippson-Bibel – Hohelied 8:6–7
Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft hart wie der Sche’ol. Ihre Glut ist Feuerglut, eine Flamme des Ewigen. Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen noch die Ströme sie überfluten. Wenn ein Mann allen Besitz seines Hauses um die Liebe geben wollte, man würde ihn nur verachten.
Streitenberger – Der Tanach Deutsch – Hoheslied 8,6–7

In ihrem Buch “Mein ewiger Frühling” berichtet Schirinai D. von einer Frau, die 20 Jahre in einem sowjetischen Gefängnis verbringen musste. Erst nach der Haftentlassung erzählte sie den Grund: Nach dem Studium arbeitete sie bei der britischen Botschaft. Hier verliebte sich ein englischer Lord in sie und sie heirateten. Doch nach drei Monaten wurde er über Nacht des Landes verwiesen und seine Frau musste zurückbleiben. Was er ahnte, geschah: Sie wurde nach drei Tagen verhaftet. Aber auf seinen Rat hin hat sie sich seine Adresse gemerkt. Man gab ihr den Rat, doch ihrem Mann zu schreiben. Nach 22 Jahren? Sie zweifelte, tat es dann doch, und erhielt prompt die Antwort: “Ich habe dich immer geliebt und dich mein ganzes Leben lang gesucht. Ich warte auf dich!” Dann schickte er jemanden mit einem Privatflugzeug, der sie abholen sollte.
CMV-Materialsammlung
Zwei Menschen, die einander wirklich lieben und nicht einfach als Mittel zur sexuellen Befriedigung, Statussteigerung oder Selbstverwirklichung benutzen, wollen nicht, dass ihre Situation je anders wird. Jeder der beiden will, dass der andere ihn seiner bleibenden Hingabe versichert, und erwidert diese Versicherungen mit Freuden. Das „Gesetz“ der Gelübde und Versprechen passt also bestens zu unseren leidenschaftlichen Gefühlen, die wir hier und jetzt haben. Aber die Liebe in unserem Herz braucht es auch, um sich der Zukunft sicher zu sein.
Timothy und Kathy Keller – Ehe – Gottes Idee für das größte Versprechen des Lebens
Edition C Bibelkommentar Altes Testament
Mit ihren feierlichen Worten bereitet die Frau vor, was im folgenden Vers noch grundsätzlicher über die Macht der Liebe gesagt wird.
6a Archäologische Grabungen im Gebiet Israels haben bisher rund 8000 sogenannte Stempelsiegel zutage gefördert (Keel 246). Sie hatten eine wichtige Funktion im Geschäftsleben, denn sie dienten dazu, Briefe und Verträge zu authentifizieren. Das Siegel war gleichsam die juristische Identität einer Person: Wer es hatte, konnte im Namen der Person frei agieren, wie z.B. Josef für den Pharao (1Mo 41,42–44), Isebel für Ahab (1Kön 21,7–8) oder Haman und später Mordechai für den persischen König (Est 3,10.12; 8,2.10). An einer Stelle spricht Gott in bildlicher Weise davon, Serubbabel zu seinem »Siegel« zu machen, d.h. zu seinem Bevollmächtigten, der wissen darf, dass hinter ihm die Autorität Gottes steht (Hag 2,23; vgl. Jer 22,24). Weil das Siegel Macht bedeutete, musste man es vor Missbrauch schützen, indem man es ständig am Körper trug, entweder an einer Schnur um den Hals (vgl. 1Mo 38,18.25), um das Handgelenk oder als Fingerring (z.B. Jer 22,24). Siegel konnten wegen ihrer Bedeutung auch die Funktion von Amuletten, d.h. Schutzzeichen, übernehmen, wie altorientalische Funde zeigen.
Auf diesem Hintergrund bedeutet die Aussage Lege mich als Siegel an dein Herz Folgendes: Die junge Frau möchte so nah bei ihrem Mann sein wie sein Siegel. Sie möchte fest und andauernd zu ihm gehören, zu einem Teil seiner Identität werden. Im öffentlichen Leben möchte sie im Namen ihres Mannes auftreten bzw. unter seinem Namen bekannt sein. Alle sollen wissen, dass sie jetzt für immer zu ihm gehört (Seybold 117).
Auf eine etwas andere Weise wird das Bild vom Siegelring in der ägyptischen Liebeslyrik verwendet, wo der Liebhaber scherzhaft beschreibt, wie seine Geliebte ihn anlockt, bändigt und dann mit ihrem Siegel brandmarkt, um ihn zu ihrem Eigentum zu machen (nach Schott 63):
Trefflich kennt sich aus im Schlingenwerfen die Geliebte,
ohne für Viehsteuer aufzukommen.
Sie wirft Schlingen gegen mich mit ihrem Haar.
Sie lässt mich eingefangen werden mit ihrem Auge.
Sie lässt mich gebändigt werden mit ihrem Schmuck.
Sie brandmarkt mich mit ihrem Siegelring.
An einer anderen Stelle wünscht sich der Liebhaber, immer in der Nähe der Geliebten zu sein, und ruft aus (Schott 67):
Ach wäre ich ihr Siegelring!
Natürlich ist der Ton der Hohenlied-Stelle wesentlich ernster als bei den ägyptischen Textbeispielen. Die Textbeispiele zeigen aber die Verbreitung des uns heute unbekannten Motivs auf.
In der Urgeschichte wird gesagt, dass Mann und Frau »ein Fleisch« werden, also eine gemeinsame Wesenheit bilden (1Mo 2,24). Auch beim Bild des Siegels geht es darum, dass die beiden Partner miteinander identifiziert werden, dass sie als eins gesehen werden. Über die Urgeschichte hinausgehend schließt das Bild vom Siegel aber, wie gesagt, auch die öffentliche Dimension ein. So war es im alten Israel wie auch in der Umwelt Brauch, einen Ehevertrag zu schließen.
Hinter der Aussage vom Siegel steht also mehr, als man vielleicht zunächst erwarten würde. Doch nur eine solche tiefer gehende Auslegung ist angemessen im Blick auf die folgenden inhaltsschweren Aussagen, die mit dem Wort denn als Begründung anschließen.
6b Mit den Versen 6b und 7 verlassen wir die personale Sprache von »ich« und »du«, die sonst im Hohenlied vorherrscht, und kommen zu einer Reihe von vier allgemeingültigen Aussagen im Stile weisheitlicher Reflexion. Wie in der Sprücheweisheit werden hier Beobachtungen gegeben, aus denen der Einzelne für sein Leben die entsprechenden Schlüsse ziehen soll. Mit dem Wort denn knüpfen die Aussagen begründend und erklärend an den vorangehenden Satz, aber in weiterem Sinne auch an den gesamten vorangehenden Text des Hohenliedes an.
Das Wort Liebe (’ahăvāh) und das zugehörige Verb »lieben« (’āhav) kommen im Alten Testament rund 250 Mal vor. Von der Bedeutung her verteilen sich die Vorkommen relativ gleichmäßig auf fünf Bereiche:
die freundschaftliche Liebe zwischen Menschen (z.B. von Vater zu Sohn, 1Mo 22,2);
die Liebe zwischen Mann und Frau (z.B. 1Mo 29,30);
die Liebe zu Dingen (Isaak liebt Wildbret, 1Mo 27,4; Gott liebt Gerechtigkeit Ps 11,7);
die Liebe von Gott zu Menschen (5Mo 4,37);
die Liebe von Menschen zu Gott (2Mo 20,6).
Alles in allem lässt sich sagen, dass das hebräische Wort ’ahăvāh in seiner Bedeutung weitgehend dem deutschen Wort »Liebe« entspricht.
Stark wie der Tod ist die Liebe: Der kompakte Satz, der im Hebräischen aus nur drei Wörtern besteht (»stark / wie-der-Tod / Liebe«), weist uns an, den Tod und die Liebe gedanklich in Beziehung zu setzen, und als Vergleichspunkt mit dem Wort stark zu beginnen: Der Tod ist eine Urmacht über das menschliche Leben, er trifft jeden, schicksalhaft und unentrinnbar. Gleiches gilt für das Verlangen nach Liebe, als gewaltige Triebkraft im Leben des Menschen, der wir vielleicht ebenso schicksalhaft ausgeliefert sind wie dem Tod.
Doch geht es nicht nur um den abstrakten Vergleich der Macht von Liebe und Tod, sondern mehr noch um ein Kräfte-messen. So meint die Textzeile auch: Die Macht der Liebe steht der Macht des Todes ebenbürtig gegenüber (Heinevetter 190–198; Keel 247). Viele Bilder, die das Hohelied im Zusammenhang mit der Liebe verwendet, stehen für Leben und Lebenserneuerung: etwa der ➛ Lotus, der nach dem Rückgang der alles vernichtenden Nilüberschwemmung als Erster wieder über dem Wasser erblüht, oder die ➛ Gazelle, die in der kargen, scheinbar lebensfeindlichen Steppe ihre Jungen säugt. In mehrfacher Hinsicht besiegt die Liebe den Tod:
Geliebt sein bedeutet erfüllt leben. Liebe ist Lebensglück. Das Gegenteil davon ist Einsamkeit, missachtet werden, Trauer, Tod.
Durch die Liebe entsteht auch ganz konkret neues Leben. Mit der Schöpfung wird Tieren und Menschen der Segen der Fruchtbarkeit zugesprochen (1Mo 1,22.28). Nach der Verstoßung aus dem Garten muss zwar der Einzelne sterben, doch seine Nachkommen leben weiter (1Mo 5). Das Weiterleben der Familie ist nach alttestamentlichem Denken von besonderer Bedeutung. Menschen ringen um Nachkommen, wie z.B. Abraham (1Mo 15ff.) oder Hanna (1Sam 1). Auch gibt es im alttestamentlichen Recht die Institution der »Schwagerehe«, bei der ein Verwandter stellvertretend für den Verstorbenen ein Kind zeugte, um dessen Familienlinie zu erhalten (Rut; 5Mo 25,5–10; 1Mo 38; vgl. 4Mo 27,4; Ri 21).
Wer liebt, setzt sich für das Leben anderer ein. Keel (S. 248) führt Beispiele aus dem Alten Testament an, wo Frauen um der Liebe willen ein Töten verhindern: Michal (1Sam 19,9–17), Abigail (1Sam 25), die Frau aus Maacha (2Sam 20,14–22) und Rizpa (2Sam 21,8–14). Auch in diesem Sinne bedeutet Liebe Leben.
Schließlich und endlich ist es aber die Liebe Gottes, die auf umfassende Weise den Tod besiegt hat und besiegen wird.
Hart wie das Totenreich die Leidenschaft: Die zweite Zeile steht zur ersten parallel und ergänzt sie in ihrer Bedeutung. Das Alte Testament kennt, anders als die Religionen seiner Umwelt, keine Lehre von einem schattenhaften Weiterleben der Verstorbenen in einem Totenreich. Doch wird der Begriff an einigen poetischen Textstellen in einer bildlichen Weise verwendet. Das Totenreich ist hart, weil es keinen Menschen verschont und keinen, der einmal dort gewesen ist, wieder entlässt.
Leidenschaft: Das hebräische Substantiv qin’āh, das zugehörige Verb qānā’ sowie das Adjektiv qannā’ bedeuten »für jemanden oder etwas eifern« oder »auf jemanden eifersüchtig sein«. Es geht um Liebe, die einen Besitzanspruch geltend macht bzw. die sich gegen eine Schmälerung ihres Anspruchs behauptet (Delitzsch 129). Gott selbst ist nach der Bibel ein eifernder Gott (2Mo 20,5), der z.B. durch Israels Götzendienst zu Eifersucht und Zorn gegen sein Volk gereizt wird (Hes 5,11–13), der aber auch mit großem Eifer für sein Volk eintritt (Jes 42,13).
Gegenüber dem allgemeinen und eher statischen Begriff Liebe der ersten Zeile wird mit der Leidenschaft noch konkreter aufgegriffen, wovon das Hohelied handelt: die Liebessehnsucht, das unbändige Verlangen, der Wunsch, einen anderen Menschen ganz zu besitzen und ihm ganz zu gehören. Eine solche Leidenschaft hat auch eine dunkle Seite. Sie kommt vor allem dann zum Tragen, wenn Liebe nicht gelingt, z.B. wenn sich der/die Verschmähte in Eifersucht verzehrt, wenn Liebe den anderen erdrückt oder wenn Leidenschaft so außer Kontrolle gerät, dass Grenzen überschritten werden, wie etwa bei der Vergewaltigung oder anderen Formen von Misshandlung.
Während also in der ersten Zeile ein eindeutiges Gegenüber zwischen der Macht der Liebe und der des Todes angesprochen ist, ist die zweite Zeile mehrdeutig: Leidenschaft und Totenreich können unversehens in eine verhängnisvolle Nähe zueinander rücken. Liebe ist eine Macht, die zum Leben führt, doch sie hat auch eine dunkle Seite, die zum Tod führt – im bildlichen, aber im Extremfall auch im wörtlichen Sinne.
Die dunkle Seite der Leidenschaft ist dem alttestamentlichen Menschenbild nicht fremd, was nicht nur die Gesetzestexte zum Sexualstrafrecht zeigen, sondern auch einige Erzählungen. Zu nennen sind zum Beispiel die versuchte Misshandlung von Männern in Sodom (1Mo 19); die Vergewaltigung der Dina und die Vernichtung der Stadt Sichem (1Mo 34); die Vergewaltigung der Nebenfrau des Leviten und der anschließende Bürgerkrieg (Ri 19); der Ehebruch mit Batseba und die Ermordung ihres Ehemanns (2Sam 11); die Vergewaltigung der Tamar, der »Ehrenmord« und weitere sich daran anschließende Verwicklungen (2Sam 13).
Das Hohelied thematisiert die dunkle Seite der Leidenschaft nicht direkt. Sein Anliegen ist zu zeigen, wie mit der gewaltigen Macht der Liebe auf eine gute, positive Weise umgegangen werden kann.
Ihre Gluten sind Feuergluten: In einem weiteren Bild werden Liebe und Leidenschaft nun mit einem Feuer verglichen. Das Bild hat wieder zwei Seiten: Feuer kann wärmen, aber auch verbrennen. Das dann folgende Wort für göttliche Flamme, hebr. schalhävätjāh, ist in seiner Bedeutung umstritten und muss seiner Wichtigkeit wegen etwas ausführlicher besprochen werden.
Zunächst gibt es einige Ausleger, die das Wort mit einer Aussprachevariante als schalhăvōtêhā lesen, in der Bedeutung »ihre Flammen« (z.B. Stoop-van Paridon 437–439). Die ganze Zeile würde dann lauten: »Ihre Gluten sind Feuergluten, ihre Flammen.« Jedoch wirkt der Satz im Zusammenhang unvollständig.
Die meisten Ausleger folgen daher der von den jüdischen Überlieferern festgehaltenen Aussprache als schalhävätjāh. Es handelt sich dann um eine Zusammensetzung des Wortes schalhävät für »Flamme« und einer Kurzform für den Namen Gottes. Zwar wird gegenüber dieser Deutung kritisiert, dass zwischen schalhävät und jāh ein Bindestrich stehen müsste. Doch auch die häufige Kombination hallәlu-jāh, d.h. »Lobt den HERRN«, erscheint in der Bibel gelegentlich ohne Bindestrich. In der Handschrift Codex Leningradensis nur in Ps 106,1, in anderen hebräischen Handschriften aber weitaus häufiger. So muss der fehlende Bindestrich nicht irritieren.
Einige Ausleger weisen darauf hin, dass die Kombination eines Wortes mit der Bezeichnung Gottes manchmal auch einfach steht, um die Bedeutung des Wortes zu unterstreichen. Dementsprechend übersetzen sie in Hld 8,6 »gewaltige Flamme« und lassen den Gottesbezug in der Übersetzung aus (z.B. Einheitsübersetzung, Gute Nachricht Bibel ). Die Beispielstellen, die eine solche Übersetzung rechtfertigen sollen, sind allerdings rar und meist anders zu verstehen:
Richtig ist z.B., dass das »Gottesfeuer« in Hiob 1,16 nicht im engen Sinne von Gott verursacht ist. Andererseits haftet ihm dennoch etwas Überirdisches (Numinoses) an, da es »vom Himmel fiel« und sicher nicht menschlichen Ursprungs ist. Gemeint ist also nicht einfach ein »gewaltiges Feuer«, sondern eher ein »dämonisches Feuer«.
Ähnliches gilt für den »Gottesschrecken« in 1Sam 14,15: Er tritt in Verbindung mit einem Erdbeben auf, das die Philister als Eingreifen Gottes bzw. der Götter erkennen. Es geht also nicht nur um einen »gewaltigen Schrecken« allein, sondern um ein erschrecktes Bewusstwerden darüber, dass die jenseitige Welt spürbar auf das Kampfgeschehen Einfluss nimmt.
Auch Rahels Aussage in 1Mo 30,8 »Gotteskämpfe habe ich mit meiner Schwester gekämpft« meint nicht einfach »gewaltige Kämpfe«. Weil Jakob sie gegenüber ihrer Schwester vorzieht, macht Gott sie zum Ausgleich eine Zeit lang unfruchtbar. Gegen diese gottgegebene Unfruchtbarkeit kämpft sie an.
Entsprechend kann auch bei den anderen Stellen argumentiert werden, die gelegentlich für dieses Argument angeführt werden (Davidson 2007, S. 624–630).
Ganz bestimmt ist davon auszugehen, dass in den zentralen Versen des Hohenliedes der Name Gottes nicht einfach so »nebenbei« fällt, sondern dass er bewusst gesetzt ist. Liebe und Leidenschaft sind keine rein biologische Gegebenheit, sondern eine Macht aus dem Bereich der Ewigkeit (vgl. Fischer 37; Müller 1992, S. 85), eine Gabe Gottes, der der Ursprung aller Liebe und aller Leidenschaft ist. Die Übersetzung als »Flamme Jahs« oder »Gottesflamme« ist daher durchaus zu rechtfertigen.
Wenn numerologische Zusammenhänge in Hld 8,6b-7 eine Bedeutung haben (siehe oben Kontext und Aufbau), dann ist möglicherweise auch die folgende Beobachtung kein Zufall: Das hebr. Wort für Gottesflamme besteht aus 7 Buchstaben, und der Zahlenwert des Wortes beträgt 77. Die Zahl 7 symbolisiert in der Bibel die göttliche Vollkommenheit. Wurde dieses sehr spezielle Wort also bewusst eingesetzt, um sowohl inhaltlich als auch numerologisch einen Bezug zu Gott und der Vollkommenheit seiner Liebe herzustellen?
Insgesamt sagt der Satz aus, dass die Liebe eine Gabe Gottes ist. Die Liebe zwischen Menschen hat ihren Ausgangspunkt in der Liebe Gottes. Und andersherum: In der Liebe zwischen Mann und Frau nimmt die Liebe Gottes Gestalt an.
Anders als die Liebe Gottes hat menschliche Liebe zwar nicht die Kraft, in einem geistlichen Sinne zu erlösen. Aber sie wird zum wichtigsten Kennzeichen eines Lebens als Erlöste (Joh 13,34f.).
Auch in Vers 6 und 7 spricht Sulamith. Aber wieder so, daß sie vom Geliebten zitiert wird. Er möchte uns ihr Bild in die Seele schreiben.
Wuppertaler Studienbibel
»Lege mich«, sagt sie zu ihrem Geliebten, »wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm!« (V. 6). »Siegel« gehörten zu den wichtigsten Utensilien der alttestamentlichen Zeit. Das Siegel verbürgte die Echtheit eines Gegenstands, trug die ganze Autorität seines Eigentümers und durfte nur von dem Berechtigten beseitigt werden. Man versiegelte z.B. »Bücher, Briefe, Prophezeiungen und Rechtsdokumente«486 (1Kö 21,8; Jes 8,16; 29,11; Jer 32,10ff; Dan 12,4.9). Wer das Siegel eines Königs besaß, übte dessen Macht aus (Josef 1Mo 41,42; Haman Est 3,10). Siegel existierten in zwei Formen: als Zylindersiegel (Rollsiegel) oder als Stempelsiegel. Häufig trug man das Siegel an einer Kordel um den Hals (1Mo 38,18). In einem solchen Falle konnte man das Siegel buchstäblich »auf das Herz legen«: als Ausdruck der Wertschätzung und des Schutzes, als Ausdruck des unbedingten Festhaltenwollens. In anderen Fällen faßte man das Siegel in einen Ring und trug es dann in dieser Form an der Hand oder am »Arm«. Sulamith spielt hier auf beides an: auf »ein Siegel«, das man »auf das Herz legen« konnte, und auf »ein Siegel«, das man am »Arm« trug. Ist sie das »Siegel« des Geliebten, dann spiegelt sich in ihr seine Autorität, seine Wertschätzung, ja geradezu seine Gegenwart. Unwillkürlich wird man daran erinnert, daß die davidischen Könige und die Träger der messianischen Verheißungen als Gottes »Siegelring« galten (Jer 22,24; Hag 2,23; Sir 49,13; Lk 15,22). So nahe also will Sulamith dem »Herzen« Salomos stehen!
Und nun kommt der Satz, auf den das ganze Hohelied zulief: »Denn Liebe ist stark wie der Tod, Leidenschaft unbeugsam wie das Totenreich« (V. 6). Weil Liebe so ist (»Denn«), will sie dem Geliebten nahe sein wie ein Siegel auf Herz und Haut. Mit Recht bemerkt die Neue Jerusalemer Bibel zu unserer Stelle: »Nirgendwo wurde bisher im Hohenlied die Liebe definiert. Das geschieht hier …« (S. 916). Um die »Liebe« zu bestimmen, sagt der Dichter durch Sulamith, sie sei »stark wie der Tod«. »Der Tod« ist so »stark«, daß Jesus seinetwegen weinte (Joh 10,35). Er ist so »stark«, daß er den Sturz des Antichrist, des falschen Propheten und des Teufels überdauern wird (Offb 19,17–20,10). Erst ganz zum Schluß muß er Jesus weichen. Deshalb schreibt Paulus: »Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod« (1Kor 15,26). Doch nicht weniger »stark« ist die »Liebe«. Um es ganz schlicht zu sagen: Wer wirklich liebt, der stirbt lieber, als von seiner Liebe zu lassen. Was das bedeutet, wird im folgenden noch auszuführen sein.
Viele vergessen, daß neben diesem »Liebes«-Satz noch ein zweiter steht: »Leidenschaft ist unbeugsam wie das Totenreich« (V. 6). Für »Totenreich« steht im Hebräischen »Scheol«, im Griechischen »Hades«. Gemeint ist also die Macht, die die Verstorbenen bis zur Auferstehung unter ihrem Verschluß hält (der Genosse des Todes nach Offb 20,13f). Sie ist »hart« – so wörtlich die hebräische und die griechische Bibel. Ja, sie ist »grausam«, »hartnäckig«, von außen unlenkbar – mit einem Wort: »unbeugsam«. Statt »Leidenschaft« könnte man auch, vielleicht noch besser, übersetzen: »Eifer«. Meist wird das entsprechende hebräische Wort für Gottes Eifer zugunsten seines Volkes, aber auch für Gottes Eifer und Zorn gegen seine Feinde gebraucht.491 Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang Hes 16,38.42 und 23,25, wo Gott den Geliebten und Israel die untreue Geliebte darstellt und Gottes »Eifer« gegen Israel entbrennt. So ist es auch hier in Hl 8,6: Der »Eifer«, die »Leidenschaft«, das geliebte Wesen zu besitzen, kennt keine Kompromisse. So wenig »wie das Totenreich« die Toten, so wenig gibt die »Leidenschaft« den Geliebten bzw. die Geliebte wieder heraus. Lieber sterben, als ihn/sie zu verlassen!
»Ihre Glut«, sagt Sulamith weiter, »ist Feuerglut, eine Gottesflamme« (V. 6). Die »Feuerglut« der Liebe verzehrt in ihrer Eifersucht alle Feinde dieser Liebe. Sie verzehrt aber auch alles Unpassende. Liebe reinigt!
Das letzte Wort von V. 6 ist geheimnisvoll. Liebe als »Gottesflamme« – was ist das? Eigentlich heißt es hier: »Flamme Jahwes«. Aber ist die letzte Silbe, »jah«, wirklich eine Abkürzung des »Jahwe«-Namens? Muß man sie nicht wie die griechische Bibel (LXX) als Herkunftsbezeichnung (»ihre Flammen«) verstehen? Aber das wäre bloße Wiederholung. Man hat vom Zusammenhang her doch viel eher den Eindruck, daß hier eine Steigerung vorliegt: »wie der Tod« – »wie das Totenreich« – »Feuerglut« – »Gott«. Heißt es hier, wie wir annehmen, tatsächlich »Gottesflamme«, dann ist der Sinn: Von »Gott« gesandte »Flamme«.492 Wie Gottes Gerichtsfeuer alles wegsengt, was Gott widerstrebt, so brennt diese Gottesflamme der Liebe alles nieder, was nicht zu ihr paßt und was ihr den Weg versperren will. Schon lange haben die Ausleger bemerkt, daß Hl 8,6 mit dem Ausdruck von der »Gottesflamme« die einzige Stelle im Hohenlied ist, wo der Name »Gottes« vorkommt. Das kann kein »Zufall« sein. Vielmehr lautet die Botschaft dieses Verses: »Gott« und die »Liebe« gehören ganz eng zusammen. Was das bedeutet, wird ebenfalls später noch darzulegen sein.
Auch in V. 7 spricht noch Sulamith, zitiert durch den Geliebten: »Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen, und Ströme sie nicht ersäufen«. »Wasser« ist in der Bibel ein eigenartiges Bildwort. Es bezeichnet einerseits das Lebensnotwendige, sogar den Heiligen Geist. Andrerseits bezeichnet es das Lebensfeindlichesc. Im letzteren Sinne ist es hier gebraucht. Dabei erinnert Hl 8,7 stark em Jes 43,2: »Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht ersäufen sollen«. »Die Liebe« ist also stärker als »viele« Feinde und Zerstörungskräfte. Aber sie ist auch allem Geld und Reichtum überlegen: »Wenn einer alle Güter seines Hauses um die Liebe geben wollte, es träfe ihn nur Spott und Hohn«. Man vgl. damit Bileams Wort in 4Mo 22,18. Es gibt eben Güter, die man nicht mit Geld erkaufen kann: die »Liebe« ebenso wenig wie den Segen. Ob hier auf den Brautkauf angespielt ist, wie manche Ausleger meinen, muß offen bleiben. Viel wuchtiger als der Vergleich mit dem Brautpreis ist der Vergleich mit Salomo. Denn Salomo ist doch »einer«, der im Besitz »aller Güter«, im Besitz unermeßlicher Reichtümer ist! Aber auch Salomo kann sich die »Liebe« nicht kaufen. Mit »Spott und Hohn« würde er abblitzen. Um so schöner ist es – und das unterstreicht der Geliebte mit diesem Zitat –, daß er Sulamiths herrliche Liebe besitzt!
Für die Liebe auf der menschlichen Ebene gehören diese Verse zum Einprägsamsten und Wesentlichsten, was je zu diesem Thema gesagt wurde. Wenn hier die Geliebte ein »Siegel« sein will, dann sucht sie Schutz. Bis heute sind Schutz und Bewahrung der Frau wichtige Aufgaben des Mannes. Daran wird keine Diskussion über die beiderseitigen »Rollen« und keine feministische Ideologie etwas ändern. Aber das Bild vom »Siegel« zielt nicht nur auf Schutz, sondern auch auf Wertschätzung. Ein Mann ohne Siegel war im politischen, juristischen wirtschaftlichen Bereich höchstens begrenzt teilnahmefähig. Für manche Bereiche galt sogar der Satz: Das »Siegel« ist wie der Mann selbst. Und so, gewissermaßen wie der Mann selbst, will die Frau wertgeachtet sein. Von Hl 8,6 ist der Weg nicht mehr weit zu Eph 5,28f. Vermarktung und Verachtung der Frau werden durch Hl 8,6 ausgeschlossen. Weiter ist die Verbindung von »Herz« und Hand (»Arm«) in Hl 8,6 geradezu klassisch. Eine reine »Liebe des Herzens« ohne praktische Fürsorge bleibt platonisch-wertlos, eine praktische Fürsorge mit der Hand ohne die Liebe des Herzens unbefriedigend-kalt. Nicht umsonst pflegte man früher um »Herz und Hemd« der Geliebten »anzuhalten«. Das Dritte, was uns Hl 8,5–7 zu bedenken gibt, ist die Kraft der Liebe. Wahre Liebe ist ausdauernd. Wahre »Liebe« gibt sich sogar in den »Tod«. Sie opfert sich für den andern. Das ist auch eine geistige Wahrheit. Denn oft muß der Egoismus sterben, bevor eine Ehe glücklich werden kann. Aber eine Auswirkung dieser Kraft zeigt sich auch darin, daß die Liebe besitzen will. Sie kann nicht alles mit anderen teilen-und soll es auch nicht. Das Wort von der »unbeugsamen Leidenschaft« verpflichtet vielmehr jeden Partner, keinen Anlaß zur Eifersucht zu geben. Es verpflichtet beide, auf sog. »Dreiecksverhältnisse« zu verzichten. »Stark wie der Tod« und »unbeugsam wie das Totenreich« bedeutet edier auch, daß man sich nicht auseinanderbringen läßt. Hier klingt schon die lebenslange Dauer einer Ehe an. Wie total anders sind jene Verhältnisse, wo man laufend den Partner wechselt, wo man laufend ein- und auszieht! »Liebe« im Sinne des Hohenliedes ist das nicht, nicht einmal »Leidenschaft«, sondern höchstens ein »freier Markt der eheähnlichen Verhältnisse«. Das Vierte, was uns in Hl 5–7 begegnet, ist die Erkenntnis, daß wahre Liebe eine Gottesgabe ist. Nicht umsonst heißt die »Liebe« im Hl 8,6 »eine Gottesflamme«. Gottesgabe aber heißt zweierlei: Freude und Verantwortung. Wir stehen also vor der Frage: Danken wir genug für die menschliche Liebe, die uns geschenkt wird? Und wie gehen wir verantwortlich mit dem geliebten Menschen um? Können wir dafür einmal Rechenschaft geben vor Gott? Fünftens: Liebe ist weder käuflich noch ein Tauschgegenstand. Sie ist auch nicht zu ertrotzen. Sie läßt sich nicht einmal gewaltsam »herbeibeten«. Sie ist frei, sich zu schenken oder nicht. Das ist der Sinn des Satzes: »Wenn einer alle Güter seines Hauses um die Liebe geben wollte, es träfe ihn nur Spott und Hohn«.
Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die alte jüdische Auslegung. Sie war auch an dieser Stelle (V. 5–7) von der geistlichen Deutung bestimmt. Öfters kombinierte man die geistliche Deutung mit der heilsgeschichtlichen. Dafür einige Beispiele: Das »heraufsteigen aus der Wüste« (V. 5) deutete der Midrasch Rabba auf den Exodus aus Ägypten. Eine der Deutungen von V. 6 geht im Midrasch Rabba auf die Freiheit von der Fremdherrschaft, die durch Gottes »Liebe« zu Israel möglich wird. Dementsprechend sieht der Midrasch Rabba in den »Wasserströmen« von V. 7 die Nationen, die Gottes »Liebe« zu Israel »nicht auslöschen können«. Sogar die seltsame Auslegung von Hl 8,5 im Talmud, wonach die hebräischen Frauen in Ägypten unter »Apfelbäumen« gebaren, läßt die heilsgeschichtliche Deutung von Hl 8,5 auf den Exodus erkennen.
Mit diesen Worten wird der Liebesbund erneuert. Der Siegel oder Siegelring war das Zeichen der Macht (beispielsweise in 1. Mose 41,42; 1. Könige 21,8) und wurde an der rechten Hand getragen (Jeremia 22,24) oder auf dem Herzen an einer Schnur um den Hals (1. Mose 38,18). Er war ein Juwel, von dem man sich nicht trennte. Sulamith deutet damit an, dass sie Salomos teuerster und kostbarster Besitz sein will. Er soll sie auf eine Weise besitzen, dass er sich niemals von ihr trennen wird.
Arnold Fruchtenbaum – Das Hohelied – Ein biblisches Konzept der Liebe
Der Grund dafür liegt in der Natur der Liebe, die gerade beschrieben wird. Das Wort hier lautet ahavah, welches die Vorstellungen von dod und ra’eyah enthält und noch darüber hinausgeht. Das Wesen des Liebesbundes zwischen Salomo und Sulamith, der jetzt erneuert wird, fordert von Salomo, sie so anzunehmen, dass die beiden unzertrennlich sind.
Die Energie dieser Liebe wird mit der Energie des Todes und des Scheols verglichen, denn die Liebe und die Leidenschaft der Liebe sind ihr gleich. Das hebräische Wort für »stark« bedeutet mächtig. Einerseits kann es eine Person bezeichnen, die angegriffen wird, aber nicht überwältigt werden kann (z. B. 4. Mose 13,28). Auf der anderen Seite, falls der Mächtige selbst der Angreifer ist, kann man ihm nicht widerstehen (z. B. Richter 14,18). Hier wird der Tod als mächtig betrachtet und nichts kann ihm widerstehen (vgl. Jeremia 9,21). Niemand kann sich gegen den Tod behaupten bzw. ihm entfliehen. Alle müssen sich ihm schließlich unterwerfen. Die Art von Liebe, die Sulamith beschreibt, ist so mächtig wie der Tod, denn auch sie kann die Menschen mit unwiderstehlicher Macht ergreifen. Wen auch immer der Tod angreift, der muss sterben. Und wen auch immer die Liebe angreift, der muss lieben. So wie der Tod alles Lebendige tötet, so tötet auch die Liebe alles, was nicht das Objekt der Liebe ist. Die Leidenschaft der Liebe ist hart wie der Scheol. Leidenschaft, richtig angewandt, macht ihr Recht auf Besitz oder Eigentum geltend. Somit ergreift die Leidenschaft der Liebe voll und ganz Besitz vom Objekt der Liebe, so wie der Scheol voll und ganz die Toten besitzt (Psalm 49,13–15). Die Leidenschaft entbrennt gegen jeden, der den Versuch macht, das Eigentumsrecht zu verletzen.
Weil die Liebe stark ist wie der Tod, gibt sich Sulamith dieser Liebe hin, und zwar unter der Bedingung, dass Salomo nur sie lieben und für all die anderen wie tot sein wird, und alle anderen werden für ihn tot sein. Weil die Leidenschaft der Liebe auch hart wie der Scheol ist, verbirgt sie sich in dieser Leidenschaft als Sicherheit gegen jede Untreue.
Diese Art Liebe ist außerdem die »Flamme Jahs«. Im Hebräischen ist das eine Flamme der heftigsten Art, eine Flamme von hell scheinenden und feurigen Blitzen. Die rechte Liebe ist keine Flamme, die von Menschen angezündet wurde, sondern von Gott. Das ist die einzige Stelle im ganzen Buch, wo Gott erwähnt wird. Er ist die Quelle dieser Liebe, und vor ihm wird der Liebesbund erneuert.
Außerdem kann nach Vers sieben diese Art Liebe nicht durch mächtige Wasser ausgelöscht werden, auch können Flüsse sie nicht überfluten, um sie fortzuschwemmen. Keine widrigen Umstände, seien sie auch noch so groß, können diese Art Liebe auslöschen, denn die Flamme Jahs ist unauslöschlich. Auch kann man diese Liebe nicht kaufen, und jeder Versuch, sie zu kaufen, würde verspottet und als Verrücktheit betrachtet werden.
Somit kann nichts Sulamiths Liebe zum König verändern – weder Umstände noch Geld. Der Liebesbund wird genau an dem Ort erneuert, wo er einst geschlossen wurde.
Zusammenfassung
In Reflexion zwölf (8,5–7) reist das liebende Paar in die Heimat Sulamiths. Der Chor in Schunem fragt nach der Identität derer, die da kommen, und sieht, wie sich das Mädchen an ihren Geliebten lehnt, weil sie von der Reise müde ist (8,5a). Als sie sich dem Dorf nähern, weist Salomo auf den Apfelbaum hin, wo er sie einst schlafend fand und sie aufweckte. Dies kennzeichnet den Beginn ihrer Liebe, und somit begann die Liebe in der Nähe des Hauses, wo Sulamith geboren wurde (8,5b).
Nun wünscht Sulamith die Erneuerung ihres Liebesbundes. Sie bittet Salomo darum, sie so zu besitzen, wie er einen wertvollen Siegelring besitzt, von dem er sich nie trennen will. Sie will sein teuerster Besitz sein, sodass er sich niemals von ihr trennen wird. Die Energie der Liebe wird mit der Energie des Todes und des Scheols verglichen. Wen der Tod überfällt, muss sterben, und wen die Liebe überfällt, muss lieben. Die Liebe ist stark wie der Tod, und so gibt sich Sulamith dieser Liebe hin, unter der Bedingung, dass Salomo nur sie lieben wird und dass er für alle anderen tot sein wird. Leidenschaft ist so unerbittlich wie der Scheol, und Sulamith sucht in der Leidenschaft dieser Liebe Schutz vor jeder Art von Untreue. Diese Art Liebe, die rechte Art von Liebe, ist von Gott. Er allein ist die Quelle dieser Liebe. Vor ihm wird der Liebesbund erneuert (8,6). Diese Art Liebe kann nicht durch widrige Umstände zerstört werden, auch kann man diese Art Liebe nicht mit Geld kaufen. Daher können weder Umstände noch Geld sie von der Liebe zum König trennen (8,7). Und so wird ihr Liebesbund dort erneuert, wo er zuerst geschlossen wurde.
Anwendung
Nur eine Anwendung kann aus dieser Reflexion hergeleitet werden, aber es ist eine wichtige: die Erneuerung des Liebesbundes. Es ist gut, wenn die Liebenden in regelmäßigen Abständen über den Zustand ihrer Verbindung nachdenken, die sie bei der Brautwerbung und Eheschließung eingegangen sind, und diese auf irgendeine Weise erneuern. Manche Paare entscheiden sich dafür, noch einmal Hochzeit zu feiern und Flitterwochen zu verbringen. Andere haben verschiedene Mittel gewählt, die Liebesverpflichtung zu erneuern. Es gibt auch keinen besonderen Zeitpunkt im Leben, wo man dies tun sollte. Sulamith entschied sich, es nach einer hinreichenden Zeit von ehelicher Anpassungsarbeit zu tun. Das ist in der Tat eine gute Zeit, die Bindung zu erneuern, aber man kann das auch zu jeder anderen Zeit tun, wenn das Paar Verlangen danach hat. Ein weiterer guter Zeitpunkt für die Erneuerung des Liebesbundes ist nach der Errettung. Wenn die Eheschließung zu einem Zeitpunkt stattfand, bevor einer der beiden gläubig war, wurde Gott nicht in das Eheversprechen einbezogen. Somit ist es völlig in Ordnung, nach der Errettung, wenn die biblischen Eheprinzipien verstanden wurden, den Liebesbund vor dem Herrn zu erneuern.
Wenn möglich kann die Erneuerung des Eheversprechens am Ort der Brautwerbung stattfinden, so wie Sulamith es zu tun gedachte. Aber das ist nicht immer machbar, und die Erneuerung kann ebenso gut woanders vollzogen werden.
Neueste Kommentare