Doch soll der Betreffende seine Bitte in einer Haltung des Vertrauens vorbringen und nicht in der Haltung des Zweiflers; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die – vom Wind aufgepeitscht – einmal hierhin und dann wieder dorthin getrieben wird.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Jakobus 1:6
Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifelnde ist gleich einer Meereswoge, die vom Winde bewegt und hin und her getrieben wird.
Elberfelder 1871 – Jakobus 1,6
Doch wenn er diese Bitte vorbringt, soll er das mit Gottvertrauen tun und sich keinen Zweifeln hingeben. Ein Zweifler ist nämlich wie eine vom Wind gepeitschte hin- und herwogende Meereswelle.
NeÜ bibel.heute Stand 2020 – Jak 1,6
Doch er soll voller Vertrauen bitten und keinesfalls zweifeln! Denn wer zweifelt, der ist wie eine Welle im Meer, vom Wind aufgepeitscht und hin und her geworfen.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Jak 1:6

Jehovah erhört unsere Gebete – das ist klar. Aber gibt Jakobus 1,6 wirklich her, dass wir alles, worum wir „im Glauben beten“ auch erhalten?? Vers 5 ist hier wichtig, um den Vers nicht aus dem Zusammenhang zu reißen!
Die Gaben Gottes sind jedoch an gewisse Vorbedingungen geknüpft. Um in der Anfechtung der Weisheit Gottes teilhaftig zu werden, muß der Gläubige richtig bitten, d. h. erstens, er muß im Glauben bitten: Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht (diakrinomenos, das Wort für „zweifeln“, versinnbildlicht ein Schwanken). Er darf nicht zu Gott kommen wie eine Meereswoge, die vom Winde getrieben (horizontal) und bewegt (vertikal) wird. Gott hat kein Gefallen an einem Zweifler (dipsychos, wörtlich „ein Mensch mit zwei Seelen“; vgl. Jak 4,8), der unbeständig auf allen seinen Wegen ist wie ein schwankender, strauchelnder Betrunkener. Gottes Antwort hängt auch von der Glaubensfestigkeit des Bittenden ab.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Der folgende sechste Vers ist schwer zu verstehen: „Er soll aber im Glauben bitten, ohne sich Zweifeln hinzugeben.“ Eigentlich heißt es hier: „indem er an nichts zweifelt“. Aber der Kontext macht klar, dass es sich nicht um gelegentliche Anfälle von Zweifeln handeln kann, sondern dass eine innere Grundlinie gemeint ist. Die Bedeutung von „zweifeln“ für das Verb διακρίνεσθαι „ist nicht vor dem NT nachweisbar“, wie Friedrich Büchsel feststellt. Büchsel stellt ferner mit Recht fest, dass Zweifel eine Gespaltenheit bezeichnet, die sich auf unsere Gesamthaltung bezieht. Deshalb haben wir die Übersetzung „sich Zweifeln hinzugeben“ vorgezogen. Die Gegenüberstellung „Glaube“ – „Zweifel“ lässt sich erneut auf Jesus zurückführen (Mt 21,21; Mk 11,23). „Glaube“ bedeutet hier ein ungebrochenes Vertrauen auf Gott – und zwar einen Gott, der sowohl schenken kann als auch schenken will.
Maier – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament
Ist dieses ungebrochene Vertrauen nicht vorhanden, sondern wechselt der Mensch zwischen Vertrauen und Misstrauen, zwischen der Zuflucht zu Gott und der Zuflucht zu anderen Mächten und Voraussetzungen, dann „gleicht“ er „einer Brandung“. Der Vergleich mit der „Brandung, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird“, ist sehr eindrucksvoll. Er findet sich schon im AT (Jes 57,20) und ist im apostolischen Zeitalter beliebt, wie Eph 4,14; Jud 13 zeigen. Man darf dabei nicht vergessen, dass das bewegte Meer für den hebräischen Menschen immer etwas Unberechenbares und Unheimliches darstellte. Schäumende Brandung: Ist der Mensch, der bei sich selbst Halt sucht, oder der sich an anderen Menschen oder gar am Zeitgeist orientieren will, etwas anderes? Die biblische Lehre will zur Festigkeit führen, nicht zum Umhergetriebensein (vgl. I Tim 2,8).
Der rückhaltlosen Gebefreudigkeit Gottes entspricht es, wenn der, der um Weisheit bittet, vertrauensvoll betet und nicht zweifelt. Er bitte aber in vollem Vertrauen und ohne zu zweifeln. Welchen Grund zum Zweifeln hätte er auch? Jak verwendet hier wieder ein Jesuswort (Mt 21,21f). Wer glaubt und nicht zweifeltb, hat eine ungeheure Macht. Er kann sogar Berge versetzen und sie ins Meer stürzen lassen.
Hans-Jürgen Peters – Wuppertaler Studienbibel
LUTHER beschließt seine Auslegung des Vaterunsers – des letzten Wörtchens »Amen« – im Großen Katechismus mit einem Hinweis auf Jak 1,6: »Siehe, soviel ist Gott daran gelegen, daß wir gewiß sollen sein, daß wir nicht ümbsonst bitten und in keinem Wege unsere Gebete verachten.«
Wer aber zweifelt, der ist wie eine Woge, die vom Wind hin- und hergeworfen wird. Er wendet sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Er ist unbeständig und ruhelos. Zweifel entsteht dann, wenn in einem Menschen zwei Bewertungsmaßstäbe miteinander im Streit liegen, wenn ein Mensch sich nicht ungeteilt auf die Zusage Gottes, auf das Urteil Gottes und auf dessen Maßstab verlassen kann. Es ist, als ob sich zwei Stimmen zugleich melden. »Die eine Stimme in ihm sagt: Ruf Gott an, er verdient dein Vertrauen! Die andere Stimme sagt: Du betest umsonst, Gott denkt gar nicht daran, sich mit dir zu beschäftigen – schlimmer noch: so, wie du bist, hast du von ihm nichts zu hoffen.« In diesem Hin und Her ist viel Bewegung, und doch geht es nicht voran – wie beim Spiel der Wellen, die der Wind vor sich her treibt. Es ist eine innere Lebhaftigkeit ohne Ziel.
In der Neuzeit ist der Zweifel zur Tugend geworden. Der Zweifel gilt hier als der Anfang der Weisheit. In der Bibel besteht der Anfang der Weisheit in der Gottesfurcht (Spr 1,7).
Er bitte aber im Glauben“: Gott kann und Gott will geben. Er schenkt in lauterer Güte, ohne seine Willigkeit zu geben durch unser vergangenes Verhalten beeinträchtigen zu lassen. Dem entspricht nun von unserer Seite das lautere, uneingeschränkte Vertrauen. Der grenzenlosen Güte Gottes kann man – will man sie nicht in Frage stellen, beleidigen und verletzen – nur mit grenzenlosem Vertrauen begegnen. – „Und ohne im geringsten zu zweifeln“: Der Zweifel stellt Gott und seine Güte in Frage. Er zerstört unsre Gemeinschaft mit Gott und ist die Ursünde (1 Mo 3,4.5: Gott meint es gar nicht gut mit euch; er will euch bloß „druntenhalten“). – „Denn der Zweifler gleicht der Meereswoge, die vom Wind bewegt und getrieben wird:“: Er ist hin und her gerissen: jetzt vertraut er Gott einen Augenblick lang und dann ist er wieder voll Mißtrauen: „Ich empfang ja doch nichts.“ Luther hat gesagt, der Zweifler gleiche einem Bettler, der einen Augenblick sein Gefäß darbietet und es dann gleich wieder zurückzieht in der Furcht, ja doch nichts zu erhalten; einem solchen Menschen könne man ja nichts ausschöpfen.
F. Grünzweig – Wuppertaler Studienbibel
Nach Weisheit kann man im Glauben streben. Man sollte aufpassen, daß man nicht zweifelnd oder schwankend bittet. Der Glaube bittet zuversichtlich. Wir setzen unsere Zuversicht nicht in die eigene Person, sondern in den allweisen Gott. Unseren Mangel einzugestehen, hat nichts mit Schwäche zu tun. Vielmehr handeln wir im Glauben, wenn wir Gott vertrauen und uns auf Ihn verlassen. Die Schwankenden vertrauen nicht völlig. „Ohne irgend zu zweifeln“ steht im Mittel und sagt daher etwas über den Bittenden aus. Zunächst beschreibt dieser Vers einen Mangel leidenden Bittenden, dessen Haltung und Handlung ihn als Beter erkennen lassen. Er befindet sich nicht in einer öffentlichen Versammlung, sondern ist mit Gott allein. Er ist der Bittende, Gott der Geber. Nichts deutet darauf hin, daß besondere Wendungen gebraucht werden, wodurch andere als Zuhörer aufmerksam gemacht werden könnten. Dieser Mensch ist mit Gott allein, er ist allein, ohne leere Worte zu verwenden. Er als derjenige, der freien Zugang zu Gott hat, wird von einer Not bedrängt. Er bittet daher flehentlich und als von einer persönlichen Not Bewegter. Sowohl die Tatsache, daß er Gott bittet, als auch die Art und Weise seines Bittens heben nachdrücklich hervor, daß hier der Glaube tätig ist. Durch Glauben ist er mit Gott verbunden. Tatsächlich gewinnt der Glaube im gesamten vorliegenden Brief für uns als Gott Nahende große Bedeutung. Was immer uns fehlt – der Glaube erkennt, daß es in Gott volle Genüge gibt, um unserer Not zu begegnen.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
In V.5 verweist Jakobus den bittenden Heiligen an Gott und führt gute Gründe dafür an, warum er seine Bitte an Ihn richten sollte. Gott wird als gebender Gott beschrieben, wobei Seine Gaben stets die gleichen Merkmale aufweisen: unübertroffen, in überreichem Maße dargebboten und anliegenbezogen. Gott erinnert den flehenden Heiligen nicht ständig daran, daß Er ihm bereits gegeben hat. Auch wird Er weder ärgerlich noch ungehalten, wenn Sein Angebot abgelehnt und falsch gebraucht wird. Er gibt weiterhin. Nun wird in V.6 der Flehende belehrt, wie er Gott bitten soll: Es muß mit Zuversicht zu dem Gott geschehen, dem sein Flehen jetzt galt. Wer im Glauben bittet, läßt uneingeschränkte Zuversicht erkennen, bei der es kein Zweifeln und Schwanken mehr geben soll. Uns sollte es weder an Zuversicht fehlen, wenn wir Gott inständig bitten, noch sollte in uns etwas auf den Unglauben ansprechen (was für andere möglicherweise nie sichtbar, uns selbst und Gott aber bekannt wäre). Wir sollten in Einfalt und ohne untergeordnete Motive bitten. Hierin stimmen Paulus und Jakobus miteinander überein (siehe Röm 12,8; 2Kor 9,12.13).
Mit dem anschaulichen Bild einer ruhelosen, von einem starken Wind umhergetriebenen Woge illustriert Jakobus auf einfache Weise das Hin und Her des unbeständigen Herzens. Wer im Glauben bittet, läßt den Anker des Glaubens hinab und befestigt ihn auf sicherem Felsengrund. Der Mensch des Glaubens bittet und bleibt in seinem Glauben an Gott felsenfest. Andere, ungläubige Menschen gleichen dem Auf und Ab des Meeres, ruhelos und unbeständig.
Wenn wir Gott in Verbindung mit Prüfungen um Weisheit bitten, sollten wir dies im Glauben tun. Wir sollten dabei den gleichen Glauben, das gleiche Vertrauen und die gleiche Zuversicht haben, wie man sie gegenüber einem liebevollen Vater haben sollte, der am Wohl seiner Kinder sehr interessiert ist. Wir sollten nicht den geringsten Zweifel daran haben, daß wir Weisheit benötigen und daß Gott sie uns gewähren wird. Der Bittende muß einen unerschütterlichen Glauben an Gott und Jesus Christus haben und davon überzeugt sein, daß sie bereit sind, ihn mit dem Nötigen zu versorgen. Er muß ferner die richtigen Beweggründe haben, das heißt, er muß seinen Sinn ausschließlich auf die Interessen des christlichen Glaubens und die Vorsätze Gottes gerichtet halten. Sein eigenes Wohl ist natürlich eng damit verknüpft, und daher wird ein solches Gebet auch in seinem eigenen Interesse sein (Mark. 11:24).
Kommentar zum Jakobusbrief – jw.org
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Jemand, der unsicher ist, ob Gott seine Bitten erhören wird, ist wirklich wankelmütig. Seine Unsicherheit beraubt ihn seines Herzensfriedens. Manchmal ist er voller Hoffnung und Zuversicht, und dann fällt er wieder in Hoffnungslosigkeit und Zweifel zurück. Er legt nicht all seine Angelegenheiten ganzherzig in Gottes Hand. Ein solcher Zweifler gleicht einer Meereswoge, die hin und her getrieben wird. Weil es ihm an fester Überzeugung fehlt, läßt er sich leicht vom Druck der Verhältnisse beeinflussen. (Vergleiche Epheser 4:14.)
In den Versen 6-8 jedoch stellt Jakobus eine Warnung, eine Art Dämpfer auf. Ein Bittsteller darf zwar Weisheit erbitten, um eine Prüfung durchstehen zu können; aber er muss im Glauben bitten – Er bitte aber im Glauben (V. 6). Bitte steht im Imperativ Präsens: Bitte fortwährend, halte an im Gebet. Der Glaube ist die Sicherheit, dass Gott sowohl willens als auch fähig ist, zu antworten. Die Haltung bei der Bitte: ohne irgend zu zweifeln. Zweifeln ist das Gegenteil von Glauben; es ist ein Wort, das „innere Unentschlossenheit“ ausdrückt. In seinem Gebet soll der Gläubige bitten, „ohne irgend zu zweifeln“. Das ist die Bedingung für die Sicherheit von Vers 5. Wenn er „im Glauben bittet“, wird ihm Weisheit gewährt, weil Gott es versprochen hat. Wer zweifelt, ist wie eine Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Das griechische Wort bezeichnet aufeinander folgende Wellen, eine nach der anderen, vom Wind getrieben. Das Wort finden wir nur hier und in Lukas 8,24. Wie eine Welle wird der Zweifler bewegt und hin und her getrieben. Das Wort bewegt heißt „vom Wind seitlich getrieben werden“; hin und her getrieben bedeutet eigentlich „mit dem Wind steigen und fallen“. Gemeint ist also eine zweidimensionale Instabilität – horizontal und vertikal. Wieder gebraucht Jakobus die Gegenwartsform, um diese konstante Unruhe und Aufregung im Zweifler zu betonen. Die Wogen der See reagieren auf äußere Kräfte, weil Wasser keine innere Stabilität besitzt, um äußeren Kräften zu widerstehen. Das ist die Beschreibung eines Zweiflers: Er hat keine innere Stabilität durch seinen eigenen Willen. Und das ist der Grund für seine andauernde Unruhe, Aufregung und Unentschlossenheit.
Arnold Fruchtenbaum – Der Jakobusbrief
Ein solcher Mensch muss mit der Tatsache in Vers 7 konfrontiert werden: Der Zweifler wird schlicht und einfach keine Weisheit erhalten.
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