Wäre nicht Jehova mir eine Hülfe gewesen, wenig fehlte, so hätte im Schweigen gewohnt meine Seele.
Elberfelder 1871 – Psalm 94,17
Wäre ER mir nicht Hilfe,
um ein kleines wohnte in der Tiefstille meine Seele.
Buber & Rosenzweig – Psalm 94:17
Wäre nicht der Ewige mir Hilfe, wäre mein Leben schon am Ort des Schweigens.
Die Philippson-Bibel – Ps 94,17

Wenn man als Gläubiger auf sein eigenes Leben zurück blickt, kann wohl fast jeder der Aussage des Psalmisten zustimmen. Auch wenn wir an viele Figuren in der Bibel denken, da fallen wohl jedem Bibelleser sofort mehr als eine Handvoll Beispiele ein.
Schon zu Salomos Zeiten hatten Menschen, die missbraucht und ausgebeutet wurden, keinen Rechtsbehelf und fanden niemanden, der in ihrem Namen Recht sprach (Prediger 4:1), also muss es in den Tagen Manasses, kurz vor dem Fall Jerusalems, noch viel schlimmer gewesen sein. Die Frage in Vers 16 ist rhetorisch und der Schreiber beantwortet sie selbst in Vers 17- „der HERR“. Der Psalmist erlebte die hinterhältigen Intrigen der bösen Führer und schrie zu Gott um Hilfe. Er wusste, dass die Richter das Gesetz verdrehten, um die Armen auszubeuten (V. 20), und er war dabei, in eine tiefe und gefährliche Situation zu geraten. Sein Herz war innerlich unruhig, aber der Herr hielt ihn aufrecht, zog ihn heraus und gab ihm inneren Frieden. Er war dankbar für andere Gläubige, die ihm beistanden und mit ihm beteten, denn aus „mein Gott“ in Vers 22 wurde zu „unser Gott“ in Vers 23. Er vertraute darauf, dass der Herr das Gericht herbeiführen würde, das die bösen Führer verdienten. Wie Asaph in Psalm 73 war er in seinem Glauben und seinem Lebenswandel ins Schleudern geraten, aber Gott zeigte ihm, dass die Gottlosen auf schlüpfrigen Wegen waren und schnell auf das Gericht zusteuerten (73:2-3, 18, 27-28).
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie
In bösen Tagen danken wir, dass wir den Herrn als unsere Zuflucht und Festung haben. Aber wir verstecken uns in ihm, nicht um der Verantwortung zu entgehen, sondern um gerüstet zu sein, hinauszugehen und den Feind zu bekämpfen. Als Salz der Erde und Licht der Welt (Mt 5,13-16) sollte das Volk Gottes alles tun, was es kann, um die Gerechtigkeit in dieser Welt zu fördern. Wie Edmund Burke sagte: „Es ist nur notwendig, dass der gute Mensch nichts tut, damit das Böse triumphiert“. Letztlich ist es aber der Herr, der die Herzen der Menschen kennt und der gerecht richten wird.
Wer steht bei mir? usw. Hier führt uns der Prophet sehr anschaulich vor Augen, in welchem Maße er sich von Menschenhilfe verlassen sah. Wie in der äußersten Gefahr ruft er aus: Wer wird sich meinen Feinden entgegenstellen? Und sofort antwortet er sich selbst (V. 17), dass es um ihn geschehen sein würde, hätte Gott ihm nicht Hilfe gebracht. Zu ganz besonderem Lobe der Gnade Gottes muss es dienen, dass er rühmen kann, durch ein Wunder dem Tode entrissen zu sein: denn von der ganzen Welt war er verlassen. Allerdings sind auch Menschen, die uns die Hand reichen, Werkzeuge der göttlichen Gnade: aber wir werden doch nicht leicht Gottes Hand erkennen, wenn uns nur eine solche weniger wunderbare Hilfe begegnet. Dass die Seele in der Stille liegt, dient sonst etwa zur Beschreibung eines Toten, der empfindungslos im Grabe liegt. Darum bekennt der Prophet mit diesen Worten, dass sein Leben überhaupt nicht mehr zu retten gewesen wäre, hätte nicht Gott seine Hand geradeswegs vom Himmel her ausgestreckt.
Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar
Der einzige Trost des Psalmisten war der Herr. Als er gefragt hatte, wer für ihn gegen die Sünder aufstünde, erkannte er, daß sein Schutz vom Herrn kam. Als er schon fast völlig verzweifelt war ( als sein Fuß ausglitt ; vgl. Ps 73,2 ), machte die Gnade Gottes sein verängstigtes Herz ruhig und gab ihm Freude.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
»Wäre der HERR nicht meine Hilfe« klingt wie das Bekenntnis, das David an anderer Stelle gibt: »Wenn der HERR nicht für uns gewesen wäre, … dann hätten sie uns lebendig verschlungen« (Ps 124,1.3). Die Drangsal hatte ihn gelehrt, dass in ihm keine Kraft ist und dass er alles Gute seinem Retter verdankte.
Benedikt Peters – Die Psalmen
»im Schweigen« heißt so viel wie »im Totenreich«, wie wir aus Stellen wie Psalm 115,17 verstehen. Sollte Gott sich schweigend von David abwenden, müsste er wie die Gottlosen in die Grube hinabfahren (Ps 28,1; siehe auch 31,18).