Thomas Pape

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Doch zum Glück vergibst du und nimmst sie weg

Doch bei dir ist Vergebung, (Eig das Vergeben) damit du gefürchtet werdest.
Elberfelder 1871 – Psalm 130,4

Bei dir ja ist die Verzeihung,
damit du gefürchtet werdest.
Buber & Rosenzweig – Psalm 130:4

Doch du schenkst uns Vergebung, damit wir lernen, dich zu fürchten.
Neues Leben – Bibel 2006 – Ps 130,4

Doch bei dir liegt die Kraft der Vergebung.
Dafür begegnet man dir mit Ehrfurcht.
BasisBibel 2021 – Ps 130:4

Doch bei dir gibt es Vergebung (103,3; 2.Mose 34,7; Lk 7,49; Eph 2,4f). Die Vorstellung von Gottes Erbarmen hilft dem Herzen, die Furcht vor dem Herrn recht zu entwickeln.

Reformations-Studien-Bibel

Der Beter vertraut darauf, dass Jahwe den Unheilszusammenhang unterbricht.

Die Bibel: Herder-Übersetzung mit Kommentar und Erläuterungen

Vergebung: Darum bitte ich um Verzeihung meiner Sünden und appelliere vor deinem strengen Gericht zu deiner großen Barmherzigkeit, dieweil ich weiß, dass du gegen bußfertigen Sündern um des Mittlers Messias willen gnädig und versöhnlich bist.
Fürchte: Und die Leute dich in allen Ehren halten. Denn das heißt, dass Wörtlein fürchten, hier und an anderen vielen Orten. (Hierbei haben wir zwei Stücke zu bedenken, erstlich, dass Gott den armen Sündern gnädig sei und sich durch den Glauben an Christus wolle versöhnen lassen. Zum anderen, dass er darum sich mit den Sündern wolle versöhnen, damit sie ihn weiter zu schuldiger Dankbarkeit in allen Ehren halten.)

Luther Studienbibel (2025) – Erklärungen – Osiander, Lucas

Aus der Tiefe seiner Not, in der er sich dem Tode ausgeliefert fühlt (vgl. Jona 2:3–4, 6), ruft der Beter zu Gott. Sein Gebet bezeugt ein Wissen um die Schuldverfallenheit aller Menschen und den einzig möglichen Ausweg daraus, das der neutestamentlichen Sichtweise ähnlich ist (vgl. Röm 3:23–24): Nicht Anrechnung der Schuld ist Gottes Weg, sondern Vergebung. V. 4 kann bedeuten: »Du vergibst, damit man dich fürchte«, d.h.: Wer Vergebung erfahren hat, wird Gott umso mehr ehren und ihm gehorchen. Achtet man jedoch auf die auffallend zurückhaltende (selber ehrfürchtige) Formulierung bei dir ist Vergebung, so fällt der Ton auf die unverdiente, freie Gnade, die dem Gottesfürchtigen zuteil wird: »Du zeigst dich vergebungsbereit, damit man sich dir in Demut naht (um Vergebung zu empfangen).«

Einführungen und Erklärungen aus der Stuttgarter Erklärungsbibel.

Die Tiefen, aus denen heraus ein einzelner mit dem Blick auf seine ihn umgebende Gemeinschaft zu Gott ruft, ist die Realität des Verlassenseins von Gott. Die Unterscheidung zwischen »subjektivem Empfinden« und »objektiver Tatsächlichkeit« ist eine uns zwar mögliche Weise des Empfindens, ist aber für Menschen der Bibel nicht vollziehbar. Die Tiefen sind aufgrund des Zusammenhangs auch die Abgründe des Schuldiggewordenseins eines Volkes, das ansonsten ganz auf der Seite Gottes steht und mit Herausforderungen von außen zu kämpfen hat – in allem Leiden bleibt auch der Frömmste nicht unschuldig. Der Beter bittet – für sich und stellvertretend für sein Volk –: Herr, höre meine Stimme, laß deine Ohren aufmerken auf die Stimme meines Flehens, und wagt es dabei nicht, ausdrücklich um die Vergebung der Sünden zu bitten: »Wie ein geschlagenes Kind, das den Blick des Vaters meidet, wagt er es nicht, die Bitte um Vergebung der Sünden unmittelbar auszusprechen; zu stark empfindet er, wie wenig seine Lage ihm ein Recht zu solcher Bitte gibt« (Weiser).148 Dem Beter, der sich nicht mit der Fülle von einzelnen Sünden beschäftigt, ist die grundsätzliche Verlorenheit allen menschlichen Seins aufgegangen: Sünden werden von Gott immer registriert, aber würde er sie anrechnen, das heißt, würde er sie unauslöschbar in seinem Gedächtnis bewahren und uns schließlich mit ihnen identifizieren, könnte kein Mensch vor Gott bestehendd, wenn er von ihm Rechenschaft fordert. Sofort nach der Frage gibt sich der Beter die Antwort, die Gott selbst ihm eingegeben hat: Doch bei dir ist die Vergebunge. »Vergebung« erscheint hier als Begriff, ja, als Heilsgut. Sie ist »mit« (so wörtl.) Gott, die ihn gleichsam begleitet als eine Macht, bereit, sich Menschen mitzuteilen. Diese Macht, die in Begleitung Gottes ist, wirkt »nicht als Beruhigung und Einschläferung des religiösen Gewissens« (Weiser), sondern als erweckendes und heiligendes Motiv, nämlich, daß man dich fürchte. Die Gottesfurcht kommt zusammen mit der Sündenvergebung in das menschliche Herz hinein. Darum wird aus der Vergebung kein Prinzip, das selbstverständlich und ohne Wenn und Aber von den Menschen in Anspruch genommen werden könnte. Sie kommt aus dem heiligen Herzen Gottes und heiligt darum den, dem Vergebung zuteil wurde; ein leichtsinniges Sündigen auf dem Hintergrund eines immer zum Vergeben bereiten Gottes ist dann nicht mehr möglich. Wer Gott fürchtet, fürchtet die Sünde.

Schneider – Wuppertaler Studienbibel

Ob es nun der Sänger war oder ob die Exilgemeinde, die unter dem Druck vergangener und gegenwärtiger Volksschuld stand, – es gab nur eine Lösung: „Bei dir ist viel Vergebung!“ (4). Gott ist größer als jede Schuld, seine Gnade mächtiger als jede Sünde. Hat auch Israel jedes Recht Gott gegenüber verloren, von ihm wieder in ein ursprüngliches Bundesverhältnis aufgenommen zu werden, Gott geht über das Recht hinweg. Er stellt eine betende Exilgemeinde auf den Boden seiner Vergebung und führt sie als „Begnadete“ wieder in die Heimat zurück. Er greift mit seiner Vergebung in das lasterhafte Leben eines Augustin ein und begnadet ihn zu einem der gesegnetsten Zeugen der vorreformatorischen Kirche. Nie hätten Luthers Reden innerhalb des deutschen Volkes je so gezündet, wenn ihr Inhalt nicht immer wieder bestimmt worden wäre von dem Wissen um die Vergebung.
Und all diese Zeugen wussten um die Vergebung, weil sie um Gott wussten und um seine Offenbarung in der Person Jesu Christi. In Jesu Dienst und Leiden, in ihm als Propheten und Opferlamm erschloss sich den neutestamentlichen Zeugen bis heute immer neu, was Vergebung ist. Sie bejahten diese Vergebung der Barmherzigkeit Gottes, die im Sohne zu ihnen kam. Und so viele es wagten, mit ihnen im Glauben dasselbe zu tun, die wussten hinfort von einer Gewissheit der Vergebung ihrer Sünden. Mit Paulus sind sie hinfort Zeugen jener frohen Botschaft: „In seiner Liebe hat er uns durch Jesus Christus vorherbestimmt zur Sohnschaft, und zwar entsprechend seinem freien Willensentschluss, zum Preis der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns in seinem Geliebten (-Sohn) begnadet hat. In ihm besitzen wir nun die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden entsprechend seiner überreichten Gnade“ (Eph-1,5-8).

Jakob Kroeker – Ausgewaehlte Psalmen

»Doch bei dir ist Vergebung«: Vergebung ist bei dem, der alle Ungerechtigkeit erkennt und wägt. Wer nicht empfunden hat, wie hoffnungslos sein Fall ist vor dem Gott, der alles weiß und keineswegs für schuldlos erklärt den Schuldigen (2Mo 34,7), wird nie vor Gottes Angesicht gedemütigt sein und wird in der Folge dessen Gnade nie achten und dessen Vergebung nie rühmen. Unbeschreiblich aber ist diese Entdeckung dem Gewissen, das von seinen Sünden geplagt wird: »Bei dir ist Vergebung!« Nicht bei Menschen, nicht bei einem Beichtvater, nicht bei einem irdischen Gericht, sondern bei Gott und vor Gott. Er, der als Einziger die ganze Tiefe der Sünde ermisst, der genau weiß, wie groß ihre Schuld ist, er spricht frei von der Schuld. Wie gewiss ist darum die Vergebung! Hätte ein Mensch, hätte ein Kollegium von gelehrten Männern, hätte eine Synode von Priestern meine Sünde gewogen und entsprechend der vermuteten Schwere die Sühne festgelegt und daraufhin die Vergebung ausgesprochen, wäre mein Herz nie ruhig. Auch Gelehrte, auch in heiligem Amt stehende Männer sind bloße Menschen, Irrende von Mutterleib an (Ps 58,4). Ihr Urteil ist bestenfalls mangelhaft, meistens ganz verkehrt. Gott aber irrt nicht; er ist Licht, und gar keine Finsternis ist in ihm (1Jo 1,5). Kein Winkel unseres Herzens, kein dahintreibendes Stäubchen im Universum, keine Tat im Verborgenen entgeht ihm. Er sieht alles im hellen Licht seiner alles durchdringenden Erkenntnis. Und er wägt alles exakt und gerecht. So schrecklich dieser Gedanke ist, wenn wir der Sünden überführt vor Gott stehen, so große Wonne bereitet er, wenn Gottes Geist uns die Erkenntnis gibt, dass er das exakte Strafmaß festgelegt und dass er von der Hand seines Sohnes das volle Lösegeld eingefordert und erhalten hat. Das Lamm hat meine Sünden getragen, darum ruht nun meine Seele.
»damit du gefürchtet werdest«: Gottesfurcht zu lehren, dazu ließ Gott den Beter in diese Tiefen sinken. Wir lernen Gott fürchten an unserer Sünde, an der Ausweglosigkeit aus ihr, an der Einsicht, dass nur der, gegen den wir gesündigt haben, uns vergeben kann. Wir sind auf seine Gnade angewiesen, auf seine unverdiente Vergebung. Er schuldet sie niemandem; aber er allein vermag zu vergeben. Müssen wir dann den nicht scheuen, der es allein in der Hand hat, uns für immer an unsere Schuld zu binden oder uns von unserer Schuld zu lösen? So begreifen wir denn den inneren Zusammenhang von Vergebung und Gottesfurcht. Dieser Allmächtige, vor dem ich ein Wurm bin, sieht mich an und vergibt mir meine Sünden und erlässt mir eine Schuld, die ich nie hätte bezahlen können, deren Last mich für alle Ewigkeiten in die Fluten des Feuersees herabgezogen hätte. Ich werde es nie begreifen, warum er bereit war, alles auf seinen Sohn zu legen. Ich sinke vor ihm nieder, und stammle ihm, so gut ich kann, meinen Dank. Und ich werde fortan den fürchten, der allein das Recht und die Macht hat, Sünden zu vergeben.

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Wenn einer das göttliche Gericht ernsthaft empfindet und darüber aufwacht, so wird er vor Scham und Furcht sich demütigen müssen; aber mit solchem Missfallen an sich selbst ist es nicht genug, wenn jetzt nicht der Glaube dazukommt, der das gebeugte und erschrockene Herz aufrichtet, dass es Vergebung sucht … Also um sich und anderen Mut zu machen, spricht der Prophet es aus, dass von Gott seine Huld nicht getrennt werden könne, wie wenn er sagte: Sowie ich an dich denke, tritt auch deine Güte vor mich hin, dass ich nicht zweifle, du werdest mir gnädig sein, sintemal du dein Wesen nicht ändern kannst. Und so glaube ich fest, dass du deswegen barmherzig bist, weil du Gott bist … Wie sollte sich jemand freudig an Gott hingeben ohne zuversichtliches Vertrauen auf seine Gnade! Eher wird man mit Entsetzen vor Gott fliehen … Die Empfindung des Gerichtes Gottes ohne Hoffnung auf Vergebung bewirkt Furcht (horrorem), und Furcht erzeugt notwendig Hass« (Calvin).

»Die Sündenvergebung ist die herrlichste Entfaltung der göttlichen Herrlichkeit; die Schätze seiner Liebe, Barmherzigkeit und Treue (er hat den Seinen, von denen allein hier die Rede ist, sie zugesichert) werden in ihr offenbar, und das Gemüt muss durch die Wahrnehmung derselben mit kindlicher Ehrfurcht von der Größe und Heiligkeit Gottes erfüllt werden« (Hengstenberg).

»Es war ein Waliser, der inmitten der Erweckung von 1905 diesen Vers wie folgt übersetzte: Bei Dir ist Vergebung – genug, um uns in Schrecken zu versetzen« (G. Campbell Morgan).

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»Vergebung«: səlîḥah, ein Wort, das nur noch bei Daniel und Nehemia vorkommt (Dan 9,9; Neh 9,17). Hengstenberg meint, dass das »auf eine späte Zeit« führt, d. h. dass der Psalm spät entstanden sei. Das ist ein voreiliger Schluss. Was wollen wir denn über den Sprachgebrauch der Millionen von Israeliten so sicher wissen aus dem verhältnismäßig wenigen, das wir schriftlich von ihrer Sprache besitzen? So kann səlîḥah ein seit Jahrhunderten gebräuchliches Wort sein, auch wenn es in den älteren alttestamentlichen Büchern nicht vorkommt. səlîḥah ist vom Verb sâlaḥ gebildet, das im AT 32-mal belegt ist; es kommt schon in den ältesten alttestamentlichen Büchern vor (z. B. in 2Mo 34,9; 4Mo 14,20; 5Mo 29,19). Wenn es als Verb über diese ganze Zeitspanne verwendet wurde, warum sollte es dann nicht auch als Nomen verwendet worden sein? Im Neuhebräischen verwendet man səlîḥah für das schnell dahergesagte »Verzeihung!«.

Benedikt Peters – Die Psalmen

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