Thomas Pape

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Vergiss nicht, was Gott dir beigebracht hat, bleib die ganze Zeit dabei!

Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre; (O. das Lehren, die Belehrung; wie v 13) beharre in diesen Dingen; (Eig in ihnen) denn wenn du dieses tust, so wirst du sowohl dich selbst erretten als auch die, welche dich hören.
Elberfelder 1871 – 1.Timotheus 4,16

Gib Acht auf dich selbst und auf das, was du lehrst! (- Od und halte an der Lehre ´des Evangeliums` fest. Od und widme dich ganz dem Lehren. -) Halte dich treu an alle diese Anweisungen. (- Od an diese Anweisung -) Wenn du das tust, wirst du sowohl dich selbst retten als auch die, die auf dich hören.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Timotheus 4:16

Pass immer gut auf dich auf und auf das, was du lehrst. Wenn du das tust, wirst du sowohl dich selbst retten als auch die, die dich hören.
Neue evangelistische Übersetzung 2019 – 1.Tim 4,16

Heute kann ja jeder „sein Bibelunwissen“ ins Internet stellen. Videos, Vorträge und Meinungen sind schnell erstellt, hochgeladen – am Besten greift man noch andere Christen an, damit die „Klickzahlen richtig steigen“. Aber worauf sollten sich Christen sich konzentrieren? Auf die gesunde Lehre, und nicht auf die aus „meiner Sicht“ „falsche Lehre der anderen“! Aber damit lässt sich ja kein Geld verdienen 😉


ἔπεχε Imp. -έχω tr. festhalten; intr. losgehen auf; sein Augenmerk richten, Acht geben τινί auf jmdn. ἐπί-μενε Imp. -μένω bleiben; verharren bei, m. Dat.; hier wohl festhalten an; ἐπίμενε αὐτοῖς halte an dem (allem) (s. ταῦτα V. 15) fest. ποιῶν Ptz. ποιέω, kond. wenn du … tust. καί … καί sowohl … als auch. σώσεις Fut. σῴζω. ἀκούοντας Ptz. ἀκούω, m. Gen.; subst.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Mit dem Plural αὐτοῖς („in ihnen“) wird wohl auf die beiden zuvor genannten Dinge Bezug genommen, d.h. auf das Auf-sich-selbst-Achten und das Achten auf die Lehre, beides ist weiterhin beizubehalten. Mit γὰρ („denn“) leitet Paulus den Grund dafür ein, nämlich die Bewahrung von Timotheus und seiner Zuhörer.

P. Streitenberger

Selbstkontrolle (vgl. Apg 20,28!) und Festhalten an der Lehre wird Timotheus empfohlen. Ungewöhnlich erscheint die Zusage: Wenn du dies tust, wirst du dich retten und die dich hören. Ist es denn ein Mensch, der sich selbst oder andere (vgl. 2,15!) retten könnte? Ist es der Gemeindeleiter, der sich und seine Hörer rettet, und nicht mehr der Herr Jesus Christus? Wie für das „Gerettetwerden durch Kindergebären“ gilt auch hier rechtfertigungstheologisch: Gewiss nicht! Der Gedanke, dass das Ergebnis der Arbeit eines Apostels mit σῷζειν beschrieben werden kann, ist Paulus allerdings nicht fremd (1Kor 9,22–27!). Der Satz ist im Licht von 2Kor 5,20f zu lesen.

Neudorfer – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament

Man beachte hier die Reihenfolge. Timotheus soll zuerst auf sich »selbst« und dann »auf die Lehre« achthaben. Das betont, wie bedeutungsvoll das persönliche Leben des Dieners Christi ist. Wenn sein Leben unaufrichtig ist, dann kann er in seiner Lehre noch so rechtgläubig sein. Es nützt dann überhaupt nichts. A. W. Pink hat sehr schön gesagt: »Der Dienst wird zu einer Falle und zum Bösen, wenn wir ihm erlauben, unsere Anbetung und die Pflege des eigenen geistlichen Lebens zu verdrängen.«
Timotheus soll also in all dem bleiben, worüber Paulus geschrieben hat, nämlich im Lesen, in der Ermahnung und in der Lehre. Wenn es dies tut, wird er sich »selbst« und »auch die, die« ihn »hören«, erretten. Das Wort »erretten« hat in diesem Fall nichts mit der Errettung der Seele zu tun. Das Kapitel begann mit einer Beschreibung von Irrlehrern, die Unheil unter dem Volk Gottes anrichteten. Paulus will Timotheus sagen, dass er durch Hingabe in einem gottesfürchtigen Leben und durch Treue gegenüber dem Wort Gottes sich selbst und seine Zuhörer vor diesen Irrlehren »erretten« kann.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre und sei beharrlich darin. Timotheus soll sich selbst im Auge behalten. Paulus als Herold des Evangeliums hat sich selbst unter Kontrolleu). Viele sind so sehr mit der rechten Lehre beschäftigt, daß sie das rechte Leben, ihr eigenes Leben vor Gott vernachlässigen.
Wieder andere denken, wenn sie erst tätig und mit Aufgaben überhäuft sind, werden sie sich selbst vergessen können, oder es werden sich ihre ungeordneten eigenen Verhältnisse von selbst ändern. Doch kein noch so starker Aktivismus kann das Achthaben auf das eigene Leben ersetzen. Hier ist nicht die Rede von frommem Egoismus, von selbstsüchtiger Seelenpflege um des eigenen Wohlseins willen; unmißverständlich steht jedoch fest, daß das Wächteramt über das eigene Herz vorgeordnet ist und bleibt gegenüber dem der Lehre. Es ist Mode geworden, gegen die persönliche Frömmigkeit und „Innerlichkeit“ zu Felde zu ziehen, doch tut man gut daran, diese Stimmen an der Schrift zu prüfen. Jesus vernachlässigte nicht den persönlichen Umgang mit Gott in der Stille und Abgeschiedenheit. Vor, mitten in und nach allem Dienst für andere zog er sich zurück, oft auch abgesondert von seinen Jüngern, und war allein mit Gott.
Wer aufmerksam vor Gott steht, der ins Verborgene sieht, der vermag auch über die Lehre im rechten Sinn zu wachen.
Sei beharrlich = bleibe darin!
Wenn Timotheus im Glauben und in der Liebe bleibt (wie die Frauen in 2, 15!), wird er sowohl sich selbst erretten wie auch die, welche auf ihn hören. Sich selbst retten — ist damit Gottes Gnade ungültig gemacht? Doch weder hier noch in I 2, 15 denkt der Apostel an Synergismus (ein gleichwertiges und gleichartiges Zusammenwirken von Gott und Mensch), denn den Philippern schreibt er, daß sie ihr Heil mit Furcht und Zittern erwirken sollen, weil Gott Wollen und Vollbringen bewirkt: eben deshalb haben sie keine Entschuldigung, als fehlten ihnen die Kräfte zum Heil; Gott hat ja alles getan und alles bereitet, so daß sie ihrerseits jetzt alles tun können aus Gottes Tun heraus. Ebenso lesen wir, daß die Gläubigen errettet werden sollen, wenn sie im Glauben gegründet bleiben und daran festhalten (dabei bleiben, dasselbe Verb wie hier) und sich nicht von der Hoffnung abbringen lassenw). Das Heil ist nicht an eine Bedingung der Menschen gebunden: durch ihr Bleiben können sie das Heil nicht bewirken, aber durch ihren Abfall könnte die Gnade vergeblich gewesen sein. Paulus selber gibt acht auf sich, damit er nicht unbewährt dasteht, sondern am Evangelium und seiner Erlösung teilhat.
Alle praktischen Anweisungen in den Past haben als Grundlage und Ziel das Heil, das Gott allen Menschen zukommen lassen will. Die Rettung hat Paulus an sich selbst erfahren, zum Vorbild für viele (I 1, 15. 16). Für die Rettung der Menschen soll die Gemeinde beten (2, 1. 4). Die Retterliebe Gottes in Christus soll sie als Mittelpunkt ihres Gottesdienstes und Lebens preisen (3, 16), und dieses Heil sollen die Diener Christi für sich selbst und für die Gemeinde wirksam werden lassen (4, 16).

Bürki – Wuppertaler Studienbibel

Abschließend betont Paulus noch einmal, dass Timotheus alle Aufmerksamkeit sowohl auf seinen eigenen Glaubensstand richten soll als auch auf die Anleitung der andern zum gelebten Glauben. Das bedeutet nicht, dass ein Mensch sich dauernd selbst den Puls fühlen und sich auch in seinem Dienst unablässig verunsichern lassen müsste. Und doch ist es wichtig, dass er immer wieder unter Gottes Wort und im Bewusstsein seiner Gegenwart sein eigenes Glaubens – und Gebetsleben und seine Treue in der Heiligung überprüft und ebenso auch seinen Dienst für andere, vor allem, wie er das Wort Gottes ausrichtet, ob die ganze Fülle zum Zug kommt: die Gnade Gottes für Sünder und demzufolge die Freude im Herrn, der Glaubensgehorsam und die lebendige Hoffnung.

Paulus fügt hinzu: »Beharre in diesen Stücken.« Ein solcher Christenlauf, insbesondere im Dienst, wie er Timotheus aufgetragen ist, gleicht nicht sozusagen einer »Sprinterstrecke«, auf der man sich kurz zusammenreißt und dann sofort durchs Ziel geht, sondern eher einem »Marathonlauf«. So sagt der Hebräer-Brief: »Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist« (Heb 12,1). Und unser Herr spricht: »Wer beharrt bis ans Ende, der wird selig werden« (Mt 24,13).

Warum das alles so entscheidend wichtig ist? Paulus sagt zur Begründung: »Wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören« (V. 16 b)
Wir mögen fragen: Rettet uns denn nicht allein die Gnade Gottes (vgl. Röm 3,21-28)? Redet hier Paulus denn nicht nun doch von einer Rechtfertigung und Rettung des Menschen, etwa des in der Gemeinde Verantwortlichen, durch seine eigenen Werke? Nein, Paulus selbst wurde, vor Damaskus, begnadigt; das ist die Grundlage seines ganzen Christenstandes; in diesem unserem Brief spricht er überaus eindrucksvoll davon (1Tim 1,12-17). Und auch der junge Timotheus wurde seinerzeit begnadigt; auch für ihn galt: »Aus Gnade seid ihr gerettet worden durch Glauben …, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk …« (Eph 2,8-10). Doch zum Glauben gehört auch der Glaubensgehorsam (Röm 1,5; 16,26). Gott hat uns »geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken« (Eph 2,10). Aber was der Mensch hier tut, tut er nicht, um von Gott angenommen zu werden, sondern aus Liebe und Dank, weil er bereits angenommen worden ist. Nun dem Herrn als Begnadigter den Gehorsam zu verweigern, wäre ein Ausbruch aus dem Glauben, weil zu diesem wesentlich auch der Glaubensgehorsam gehört. Das wäre die Sünde Sauls, im Blick auf den Gott feststellte: »Er hat sich von mir abgewandt« (1Sam 15,11). Bei Jesus zu bleiben, zu beharren, schließt unseren Glaubensgehorsam ein, auch den uns für andere aufgetragenen Dienst, damit auch sie bei Jesus bleiben und das Ziel erreichen. Wir können dabei nur einfältig dem Herrn vertrauen, der in uns »wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen« (Phil 2,13).

Gerhard Maier – Edition C

Die letzten beiden Imperative des Abschnittes, von V. 11 an, sind in diesem Vers enthalten. Der erste Imperativ ist „habe acht“ (epeeho), der eng mit dem Zeitwort Uroses ho (in 1,4; 4,4.13) verwandt ist. Seine Verwendung in Apostelgeschichte 3,5 („Er aber gab acht auf sie“) beschreibt die totale Konzentration eines Mannes, dem Petrus befahl: Vieh uns an!“. So bedeutet „habe acht auf dich selbst“ einfach, daß „der Lehrer sich selbst vorbereiten muß, ehe er seine Lektion gibt“ (The Expositor’s Greek Testament). Vergleiche den Ausdruck von Apostelgeschichte 20,28 „habet nun acht (prosecho) auf euch selbst“, die Anweisung von Paulus an die Altesten von Ephesus. Der zweite Teil des Prädikats wird durch den Ausdruck „und auf die Lehre“ korrekt wiedergegeben. Die „Lehre“ (didaskaleoia) ist hier nicht so sehr die Gesamtheit der Lehre wie in 1,10 und V. 6, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf die aktuelle Auslegung von Einzelheiten, die in der Gesamtheit die Lehre ausmachen (also eigentlich „das Lehren“). Der Lehrer selbst muß in seinem eigenen persönlichen Leben mit Gott in Ordnung sein; nur dann wird er wirkungsvoll lehren können“. Der Artikel „die“ hat auch die Bedeutung des besitzanzeigenden „seine“. Dieses Lehren fällt unter „deine“ Verantwortung in den Umständen für die Gott „dich“ ausgerüstet hat.
„Beharre“ ist der zweite Imperativ in diesem Vers, der achte von V. 12 an und der letzte in diesem Abschnitt. „Beharre“ (epimeno) ist eine verstärkte Form des Zeitwortes meno, bleiben oder wohnen. Innerhalb des Bereiches der göttlichen Dinge (V. 15) sollte Timotheus mit diesen wichtigen Dingen beschäftigt bleiben und nichts sollte ihn in diesem Bereich stören oder ihn sogar davon wegziehen. Während „in diesen Dingen“ (autois) sich auf die Dinge beziehen könnte auf die Timotheus in V. 16 acht haben sollte“ scheint es besser, sie mit „diesem“ von V. 15 in Verbindung zu bringen. Alford schlägt einen Punkt nach „Lehre“ vor und verbindet den Ausdruck mit dem abschließenden Satz des Verses. Dies gibt einen hervorragenden Sinn, da die letzte imperative Anweisung eine Rekapitulation ist und darüberhinaus die Grundlage für die letzte Verheißung.
Die AV Übersetzung „im Tun dieser Dinge“ ist grammatikalisch und vom Kontext her durchaus am Platz und deutet den Bereich an, in dem Timotheus und seine Hörer errettet werden würden. Errettung erreicht man nicht „durch das Tun“, sondern „im Tun“. Es heißt nicht, daß geistliche Aktivitäten erretten, aber da, wo diese geistlichen Aktivitäten ausgeführt werden, wird Errettung erfahren und genossen. Errettung sollte hier nicht auf Errettung von Schwierigkeiten oder Bewahrung vor falscher Lehre beschränkt werden obwohl diese hier eingeschlossen sind -, sondern sie muß ihre volle Wortbedeutung haben. Dies ist in Übereinstimmung mit V. 10 und weist auf die enge Verbindung zwischen ewiger Errettung und den lehrmäßigen und praktischen Aufgaben eines „guten Dieners Christi Jesu“ hin. Einige haben Schwierigkeiten mit der Tatsache, daß dem Timotheus Errettung zugeschrieben wird und haben die Erklärung in einer hier eingeschränkten Bedeutung der Errettung gesucht. Während wir jedoch wissen, daß die Rettung in ihrer Gesamtheit von Gott kommt, hat es ihm dennoch wohlgefallen, ein menschliches Werkzeug zu verwenden. Calvin, der nicht gerade dafür bekannt ist Gottes Rolle in der Errettung zu unterschätzen, hat dazu eine interessante Anmerkung: „Es ist wahr, daß Gott allein rettet, und nicht der kleinste Teil Seiner Herrlichkeit kann rechtmäßig auf Menschen übertragen werden. Aber Gott gibt nicht den geringsten Teil Seiner Herrlichkeit preis, wenn er Menschen als Werkzeuge verwendet, um diese Errettung zu schenken.“
Paulus betrachtet Timotheus als genau solch ein wirksames Werkzeug Gottes bei der Errettung der Menschen. Die Treue und hingegebene Anwendung dieser Imperative im Leben des „guten Dieners Christi Jesu“ würde ans Licht bringen, daß in diesem Bereich Errettung erlebt wird. Wirksam demonstriert im Diener, breitet sie sich aus, um alle anderen zu erfassen, die bereit sind zu hören. Das Partizip Präsens, das als „die, welche dich hören“ übersetzt ist, umfaßt zuerst einmal alle diejenigen, die physisch hören. Es darf aber nicht auf das Hören beschränkt werden, sondern enthält den weiteren Gedanken einer positiven, willentlichen Reaktion auf die Botschaft, die von dem Diener gebracht wird. Dies ist in der Tat ein wirksamer Rettungsdienst durch den guten Diener Christi Jesu.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

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