Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr suchet mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und gesättigt worden seid.
Elberfelder 1871 – Johannes 6,26
Jesus entgegnete: »Ich will euch sagen, warum ihr mich sucht: Ihr sucht mich nur, weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Aber was Gott euch durch die Wunder sagen will, wollt ihr nicht verstehen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Johannes 6:26
Das ist die Antwort, die Jesus ihnen gab: »Ich versichere euch: Der wahre Grund dafür, dass ihr mich sucht, sind nicht die Wunderzeichen, die ihr miterlebt habt, sondern dass ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.
Das Buch – 2009 – Joh 6,26

Warum bin ich eigentlich Christ? Will ich etwas für mich erreichen? Oder will ich IHN verherrlichen?
ἀπ-ε-κρίθη V. 7. καὶ εἶπεν pleon. (Hebr.; A297,2). οὐχ ὅτι εἴδετε σημεῖα nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt (d. h. ihr habt meine Wunder nicht in ihrer Bdtg. als Zeichen verstanden; vgl. GNB). ἐ-φάγετε V. 23. ἐ-χορτάσθητε Aor. Pass. χορτάζω (vgl. A3391) satt machen, sättigen; Pass. sich sättigen, satt werden.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
„Es antwortete ihnen Jesus und sprach: Wahrlich, wahrlich ich sage euch, ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen und euch gesättigt habt.“ Sie haben nicht begriffen, daß die Speisung ein „Zeichen“ war, ein Hinweis über die leibliche Hilfe und Sättigung hinaus, ein ausgestreckter Arm, der auf das wahre Brot lockend und mahnend zeigte. Sie bleiben von der Stillung des äußeren Hungers durch dieses Wunder gefangen. Aber solche Speise ist zu wenig. Denn es ist „Speise, die vergeht“. Sicherlich, sie ist nötig, darum gab Jesus sie auch. Aber was hilft es, wenn einer diese Speise Tag um Tag reichlich hat? Sein Leben eilt trotzdem dahin und vergeht. Darum mahnt Jesus: „Wirkt nicht die Speise, die vergeht, sondern die Speise, die bleibt zum ewigen Leben.“ Vergehende Speise kann ein vergehendes Leben nicht vom Tode erretten. Aber „Speise, die zum ewigen Leben bleibt“, gibt dadurch auch dem am Leben teil, der sie empfängt. Darum kommt alles darauf an, daß wir solche Speise „wirken“, d. h. uns verschaffen. Doch wie soll das geschehen? Jesus läßt es nicht bei der Mahnung, die als solche noch nichts helfen würde, sondern macht aus seiner Mahnung „Evangelium“ indem er verspricht: „… die der Menschensohn euch geben wird.“ Sie von sich aus können ja solche Speise nicht „wirken“. Sie müssen sie empfangen von dem, der als „Menschensohn“, als Herrscher der Ewigkeiten (Dan 7!) über solche unaussprechliche Gabe verfügt. Zum „König“, der irdisches Brot austeilt, läßt Jesus sich nicht machen. Aber der „Menschensohn“, der ewiges Leben verleiht, ist er. Kann er das so gewiß Zusagen? Ja, „denn diesen hat der Vater versiegelt, Gott“. Das „Siegel“ eines Herrschers erklärte das Versiegelte zu seinem unantastbaren Eigentum. Das Königssiegel wies aber auch den Gesandten eines Herrschers aus und bevollmächtigte ihn. So gehört Jesus Gott und hat die Vollmacht von seinem Vater. Der Bau des Satzes scheint uns dabei falsch und hölzern zu sein. Das am Satzschluß nachgestellte Wort „Gott“ aber hebt mit besonderer Betonung hervor, wie der Vater, der ihn versiegelt hat, Gott, also der Allmächtige und Ewige ist. Wie wirksam und unzerbrechlich ist sein „Siegel“.
de Boor_2008 – Wuppertaler Studienbibel
An ihrem Verlangen, Wunder auf Wunder zu sehen, hatte Jesus keine Freude. Wären es die Zeichen, die sie schätzten, achteten sie auf Gottes Macht, die sie erlebten, so könnte er sie ähnlich zum festen Glaubensstand, der Gottes in allen Lagen gewiß geworden ist, aufwärts leiten, wie er es mit dem Königlichen tat; aber es ist nicht die göttliche Güte und Hilfe, die sie bewegt, sondern ihr greifbares, nützliches Ergebnis, nur der Vorteil, den sie selbst davon haben, daß sie Brote bekommen hatten und sich satt essen konnten. Auch das Zeichen hat ihren Blick nicht von ihrem eigenen, irdischen Anliegen abgelenkt. Auf den Geber der Gabe achten sie nicht; was göttlich und geistlich an dem ist, was sie erlebt haben, berührt sie nicht. Brote hat er gegeben; das war das große Ereignis des Tages, und darum suchen sie ihn. Deshalb erläutert ihnen Jesus auch nicht, wie er hierhergekommen ist. Das Zeichen ist nur für den eine Hilfe, der Gottes Tat in ihm erkennt und ehrt. Wer nur an sich selbst und sein Bedürfnis und seinen Vorteil denkt, den führt auch das größte Wunder Gottes nur tiefer in die Sünde hinein.
Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament
Der Anfang von Vers 26 lässt sich verschieden übersetzen. Es kann entweder heißen:
Gerhard Maier – Edition C
»Jesus gab ihnen zur Antwort« oder:
»Jesus begann zu ihnen zu sprechen«. Die zweite Übersetzungsmöglichkeit macht noch stärker deutlich, dass jetzt ein neuer Gesprächsgang beginnt. Aber auch bei der ersten Übersetzungsmöglichkeit muss uns klar sein, dass die »Antwort« Jesu jedenfalls nicht direkt – auf die Frage von Vers 25 eingeht, sondern ein neues Thema aufgreift. (Zur einleitenden Wendung »Amen, amen, ich sage euch«, vgl. die Erklärung bei Joh 1,51.)
Der Inhalt der Aussage Jesu ist ein Vorwurf:
»Ihr sucht mich nicht deshalb, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.« Im Heiligen Geist durchschaut »Jesus« die Menschen (vgl. Joh 2,25). Sie sind auf die Dinge dieser Welt hin orientiert, auf »Brote«, die »satt« machen. Sie wünschen einen materiellen Messianismus, eine Messiasherrschaft, in der man nicht mehr hungert, eine heile Welt aber eine diesseitige Welt. Ist das heute anders? Die Versuchung, eine solche Welt herbeizuführen, bevor die Sünde besiegt und getilgt ist, hat Jesus schon in der Versuchungsgeschichte (Mt 4,1ff.) und eben erst bei der Trennung von der messianischbegeisterten Masse (Joh 6,15) abgewehrt. Was aber hätten die Menschen tun sollen? Sie hätten die Speisung und den Gang über den See (»Zeichen« in der Mehrzahl!) als Hinweise auf ihn, den Gottessohn, erkennen und deshalb an ihn, den Geber glauben sollen! Indirekt enthält also der Vorwurf des Verses 26 die Aufforderung zum Glauben. Ein solcher Glaube aber würde dann nicht mehr ein Wunder ums andere, und zwar Wunder zur Befriedigung diesseitiger Bedürfnisse, erwarten, sondern auch ohne dies, Jesus nachfolgen und dienen.
Nun schenken wir einem scheinbar nebensächlichen Umstand unsere Aufmerksamkeit. Jesus spricht in der Synagoge von Kapernaum (V. 59 !) mit dem Volk über sein Wirken und sich selbst und führt dabei eine hochdramatische Diskussion mit den anwesenden Juden. Ist so etwas in einer Synagoge überhaupt denkbar? ja, denn die Synagoge diente nicht nur dem Gottesdienst, sondern auch dem Unterricht und als Stätte für Beratungen und Versammlungen, sogar kommunaler Art. Sie war also nicht nur Gottesdienstgebäude, sondern auch Schulhaus, Lehrhaus, Rathaus und Versammlungshaus. In ihr hielt man Totenklage, wurden Arme gespeist, Diebstähle bekannt gemacht, Gerichtsverhandlungen durchgeführt und Geiselstrafen vollzogen. Wir dürfen uns demnach die in den Versen 26ff. geschilderte Diskussion nicht als Teil eines Gottesdienstes, sondern als Teil eines Lehrgespräches oder einer Versammlung im Schulraum der Synagoge von Kapernaum vorstellen.
Dass »die Speise« (V. 27) ein Bildwort sein kann, haben wir schon in Joh 4,32 gelernt. »Speise, die vergänglich ist« war das Brot bei der Speisung der Fünftausend. Was meint Jesus nun mit der »Speise, die in das ewige Leben hinein bleibt«? Er denkt an das ewige Leben im Heiligen Geist (vgl. Joh 4,14). Das aber kann nur »der Menschensohn geben«, also Jesus. (Zum Begriff »des Menschensohnes« d. h. des nach Dan 7,13ff. erwarteten himmlischen Messias, vgl. die Erklärung zu Joh 1,51.) Dass es sich tatsächlich um einen Messias mit göttlicher Würde handelt, macht auch der Nachsatz klar:
»Den (= den Menschensohn Jesus) nämlich hat Gott der Vater mit seinem Siegel versehen.« Der Menschensohn ist also identisch mit dem Gottessohn. Schwer zu verstehen ist der Ausdruck »mit seinem Siegel versehen«. Manche Ausleger setzen gleich mit »bestätigen«. Dann könnte man an die Werke denken, durch die der Vater Jesus als seinen Sohn bestätigt (vgl. Joh 5,36). In 2Korinther 1,22; Epheser 1,13 und Eph 4,30 geschieht jedoch die Versiegelung durch den Heiligen Geist. »Mit dem Siegel« des Heiligen Geistes »versehen« heißt an diesen Stellen:
Gott macht die Betreffenden durch die Gabe des Geistes als die Seinen erkennbar. In dieser Richtung ist wohl auch Johannes 6,27 zu verstehen. Jesus ist durch die Ausrüstung mit dem Heiligen Geist als Sohn Gottes erkennbar gemacht. In ihm tut Gott seine Werke (vgl. Jes 11,2 und Joh 1,32ff.). Ist diese Deutung richtig, dann enthält Johannes 6,27 eine indirekte Aussage über die göttliche Dreieinigkeit (Trinität).
Doch entlässt uns Jesus in diesem Vers mit einem weiteren Rätsel:
Wie sollen wir das ewige Leben, die unvergängliche Speise »schaffen«? Das griechische Wort ergazesthal erinnert uns an den in der Kirchengeschichte berüchtigten »Synergismus«, an die Lehre, dass Gott und Mensch das ewige Leben »gemeinsam schaffen«. Das ist aber eine unbiblische Vorstellung. Denn, wie wir eben hörten, nur Jesus kann Gnade, Rettung, ewiges Leben geben. Ein Verdienst der Menschen scheidet aus. Und dennoch zwingt Jesus diese Gabe niemandem auf – das ist das Eigentümliche, für unser Denken fast Paradoxe! Der Gleichgültige und Ablehnende empfängt es nicht, sondern nur der Suchende (Mt 6,33), der Wollende (Mt 23,37; Joh 5,6), der gläubig Aufnehmende (Joh 1,12; 5,24). All das strömt in dem Ausdruck »schaffen« zusammen. Ganz ähnlich wie Jesus in Johannes 6,27 sagt später Paulus:
»Schaffet, dass ihr gerettet werdet« (Phil 2,12). Dieses »Schaffen« ist also dem »Suchen« (V. 26) nahe verwandt. Jesus will also, dass die Teilnehmer an der Speisung das ewige Leben im Gottesreich anstreben, nicht aber ihre materielle Sättigung.
Er beantwortete die Frage der Leute nicht direkt. Man vergleiche das mit aufrichtigeren Fragen wie „Wo wohnst du?“, worauf der Herr eine direkte Einladung zur Antwort gab (Joh 1,38-39). Der Herr wirkte stets nach dem von Ihm genannten Grundsatz: „Wer da hat, dem wird gegeben werden […] wer aber nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, genommen werden“ (Mt 13,12). Der Herr wußte, warum die Leute Ihn suchten; Er kannte ihre Herzen (vgl. Joh 1,47; 2,25; 3,20; 4,18; 5,6; 6,61 ). Für sie bedeutete das Zeichen nichts. Wie sie da auf dem Gras saßen, müssen die meisten vom Herrn so weit entfernt gewesen sein, daß sie nicht sehen konnten, was geschah. Das kümmerte sie auch nicht; sie waren nur daran interessant, Essen umsonst und ohne Arbeit zu bekommen. Das ist eine vollständig fleischliche Haltung gegenüber dem Herrn und Seinem Werk, eine sehr niedrige Sicht eines Wunders. Als der Herr zudem sagte: „Ihr suchet mich“, bezog Er sich auf ihre fleischliche Haltung, mehr kostenlose Speise zu suchen. Andere suchten Ihn aus ähnlich niedrigen Beweggründen, wie in 7,34; 8,21; 18,4.8. Wieder andere suchten Ihn hingegen aus geistlichen Motiven wie in 1,38; 13,33.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Indem Er sagte „Wirket nicht […], sondern für […]“ stellte der Herr die rechte Ausgewogenheit in der Motivation vor. Es ist die gleiche Ausgewogenheit, die wir in Mt 6,25-34 finden: Sorge dich nicht um die leiblichen Bedürfnisse, sondern trachte „zuerst“ nach Gottes Reich. Es ist eine Frage der Prioritäten; es geht darum, Schätze im Himmel zu sammeln. Der reiche Kornbauer im Gleichnis von Lk 12,16-21 hortete die Frucht seiner Arbeiten in riesigen neuen Scheunen, aber er war nicht „reich in bezug auf Gott“.
Gewiß meinte der Herr nicht: „Wirket (arbeitet) überhaupt nicht“. Paulus schrieb später, daß jeder, der nicht arbeiten wolle, auch „nicht essen“ solle (2Thes3,10). Anstatt aus Faulheit von der Freigebigkeit anderer zu leben, soll ein jeder „sein eigenes Brot“ essen (V.12), das heißt Brot, für das er eigenhändig gearbeitet hat. Das Beispiel des Paulus sollte beachtet werden (Apg 18,3;20,34 ). Solche Emsigkeit befähigt den Gläubigen, sich „der Schwachen“ anzunehmen (1Thes5,14). Aber die tägliche Arbeit darf nie zulasten des Wirkens „für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben“ gehen. Der Herr erklärte dieses Konzept später. Wir lesen von lebendigem Brot, lebendigem Wasser, dem lebendigen Vater, dem lebendigen Weg, einem lebendigen Opfer und einem lebendigen Stein. Solche Speise bekommt man nur vom Sohn des Menschen. Vom Vater „versiegelt“, ist Er ausgezeichnet als der Alleinige, der solche Speise darreichen kann.
Jochanan begann den Bericht mit dem geschichtlichen Hintergrund (Johannes 6:22-25). Am nächsten Tag suchten dieselben Menschenmengen, die Jeschua aus freien Stücken gespeist hatte und die ihn zum König machen wollten, wieder nach ihm. Sie wussten, dass er nicht mit seinen Jüngern weggesegelt war, also kehrten sie zu dem Ort zurück, an dem das Wunder geschehen war, aber er war nicht dort. Sie fanden ihn in Kapernaum, wo er in der Synagoge lehrte (Johannes 6:59). Als sie Jeschua fragten, wie er nach Kapernaum gekommen sei (sie hatten ihn nicht auf dem Wasser gehen sehen), nutzte er die Gelegenheit, ihre wahren Motive zu offenbaren, die dahinter steckten, dass sie ihn zum König machen wollten: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid (Johannes 6,26). Sie hatten ihn nicht als Messias angenommen. Daher hatten sie die geistlichen Wohltaten, die er anbot, abgelehnt, aber sie wollten immer noch die körperlichen Wohltaten. Im Israel des ersten Jahrhunderts gab es eine weit verbreitete Erwartung, dass die Tage des Messias eine Zeit des Überflusses sein würden, wie der babylonische Talmud zeigt: „Die Juden sind dazu bestimmt, sich in den Tagen des Messias satt zu essen.“ Jeschua bot ihnen jedoch etwas viel Besseres als die vorübergehende Befriedigung ihrer physischen Bedürfnisse.
Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive