Thomas Pape

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alte, frühere, vorige, Welt der Urzeit

und die alte Welt nicht verschonte, sondern nur Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, selbacht erhielt, als er die Flut über die Welt der Gottlosen brachte;
Elberfelder 1871 – 2.Petrus 2,5

Er hat auch die frühere Welt zur Zeit Noachs nicht geschont, sondern hat die große Flut über die Welt der gottlosen Menschen kommen lassen. Nur acht hat er gerettet: Noach, der die Menschen zum Gehorsam gegen Gott aufgerufen hatte, und sieben andere mit ihm.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 2.Petrus 2:5

Und er hat die vorige Welt nicht verschont, sondern bewahrte Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, mit sieben weiteren, und brachte die Sintflut über die Welt der Gottlosen.
Luther 2019 – 2. Petr 2,5

und hat er die Welt der Urzeit nicht verschont, sondern (nur) Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, als achten (ausser sieben andern) am Leben erhalten, als er die Sintflut über die Welt der Gottlosen hereinbrechen liess, – 2Pe 3:6; 1Mo 8:18; 1Pe 3:20
Zürcher 1931 – 2.Petr 2:5

Er hat auch die ehemalige Welt nicht verschont. Nur acht Personen hat er bewahrt, als er die große Flut über jene gottlose Welt hereinbrechen ließ – Noah, den Verkündiger der Gerechtigkeit, ´und sieben andere mit ihm`.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2. Petr 2:5

Ebenso wenig verschonte er die ursprüngliche Welt.
Vielmehr ließ er die große Flut hereinbrechen
über diese von gottlosen Menschen bewohnte Welt.
Aber als einen von acht Menschen bewahrte er Noah.
Der hatte ja dazu aufgerufen,
Gottes Gebote zu halten.
BasisBibel 2012 – 2.Petrus 2:5

καί und (wenn) (setzt Kond.-Satz v. V. 4 fort). ἀρχαῖος ursprünglich, alt, früher. ὄγδοος19 achter (Obj.-Präd., A50) als achten (m. sieben anderen). Νῶε indekl., hier Akk., Noach, atl. Frommer (Gen 6–9). κῆρυξ3 υκος ὁ Herold; Verkündiger, Prediger; App. (A70). ἐ-φύλαξεν Aor. φυλάσσω80 wachen, bewachen; bewahren, beschützen. κατα-κλυσμός Überschwemmung; Sintflut. ἀ-σεβής7 gottlos. ἐπ-άξας Aor. Ptz. -άγω V. 1, temp.; κατακλυσμὸν κόσμῳ ἀσεβῶν ἐπάξας als er die Sintflut über die Welt der Gottlosen hereinbrechen ließ.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Und hat nicht verschonet der vorigen Welt. Nachdem das Menschengeschlecht im Wasser untergegangen war, hat Gott gleichsam eine ganz neue Welt geschaffen. Wie sollten denn die Frevler der Flut des göttlichen Zornes entrinnen, nachdem einmal die ganze Erde verschlungen war? Denn wenn es heißt, acht seien gerettet worden, so sagt das nicht, die Zahl habe wie ein Schild zum Schutz der Bösen vor Gott gestanden, sondern: alle Sünder mussten büßen, mochten es viel oder wenig sein.
Noah heißt ein Prediger der Gerechtigkeit, weil er versuchte, die verderbte Welt zur Gesundung zu führen, nicht bloß durch Lehre und Ermahnung zur Heiligung, sondern auch besonders dadurch, dass er sich einhundertzwanzig Jahre lang (1. Mos. 6, 3) mit dem Bau der Arche mühte. Der Apostel will uns den Zorn Gottes über die Verworfenen so deutlich vor Augen malen, dass wir dadurch desto mehr zur Nachfolge der Heiligen angetrieben werden.

J. Calvin – 2. Petrusbrief

Die Sintflut spielte offenbar im Denken des Apostels eine besondere Rolle, denn er nimmt nicht weniger als dreimal in seinen beiden Briefen Bezug auf dieses Ereignis ( 1 Petrus 3,20; 2 Petrus 2,5;3,6 ). Noah … mit sieben andern heißt im griechischen Urtext eigentlich „Noah, die achte Person“. Die sieben anderen waren seine Frau, seine drei Söhne (Sem, Ham und Jafet) und deren Frauen (1Mo 6,10.18). Noah war ein rechtschaffener und frommer Mann (1Mo 6,9), ein gehorsamer Knecht Gottes, der Erbauer der Arche ( 1Mo 6,13-22 ). Petrus setzt noch hinzu, daß er ein Prediger der Gerechtigkeit gewesen sei, der gegen die Schlechtigkeit und Verdorbenheit um ihn herum anpredigte.
Das Hauptgewicht von 2 Petrus 2,5 liegt auf der Tatsache, daß Gott sich nicht scheute, die vorsintflutliche Zivilisation und ihre Menschen, die frühere Welt … der Gottlosen, zu vernichten. Hoffen die falschen Lehrer zur Zeit des Petrus vielleicht, sie könnten dem göttlichen Gericht entgehen, weil sie so viele sind? Der Apostel tritt solchen irrigen Vorstellungen bei den falschen Lehrern selbst und auch bei denen, auf die sie es abgesehen haben, mit dem unwiderleglichen Hinweis entgegen, daß Gottes Gericht über das Böse nicht einmal vor der Vernichtung der gesamten Menschheit (bis auf acht Menschen) halt machte. Die Verbform brachte (epaxas, Part. Impf. von epagO, „auslösen, herbeiführen, verursachen“) verdeutlicht die Plötzlichkeit des göttlichen Strafgerichts in der Sintflut. Das gleiche Verb verwendet Petrus in Vers 1, als er davon spricht, daß die Häretiker ihr eigenes Verderben „herbeiführen“.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Auch die »Welt« (V. 5), seine Schöpfung, hat Gott dem Gericht nicht entzogen (2 Petrus 3,6; Mt 24,38; 1 Petrus 3,20; 1 Mo 7,13; 8,18), als er die Strafe für notwendig hielt. So ernst ist Gott zu nehmen (Gal 6,7). Aber der Zorn Gottes ist nur die eine Seite. Zu gleicher Zeit ist Gott um Rettung der Seinen bemüht. Das gehört zu seiner Gerechtigkeit. »Noah« wurde gerettet. Er fand Gnade vor Gott (1 Mo 6,8). Dadurch wurde er »ein frommer Mann und ohne Tadel« und »wandelte mit Gott« (1 Mo 6,9). Der Hebräerbrief drückt das so aus: »Er hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt« (Heb 11,7). Noah hat Gott in allem gehorcht, sowohl im Bau der Arche – auf dem Festland ein Schiff! – als auch in der Ankündigung des Gerichts: Er war ein »Prediger (griech. kaeryx, „Herold“) der Gerechtigkeit«. Nach der Sprache seiner Zeit ist der Herold ein hoher Begleiter eines Fürsten, der Bote (nicht der Gesandte, der verhandeln darf!), der mit lauter Stimme die Anordnungen seines Herrn zur Geltung bringen muss, ohne einen Verhandlungsspielraum zu haben; so versteht sich Paulus (1 Tim 2,7; 2 Tim 1,11), der Herold und Apostel. Noah hat also dem verderbten Volk wie ein Prophet den Willen Gottes sagen und den Unbußfertigen das Gericht ankündigen müssen. Die Seinen, die ihm – sicher unter Schmerzen – gehorchten mitten unter Spöttern, errettet Gott durch die Flut, die zugleich den Gottlosen den Tod brachte. Er wird mit den Seinen gerettet: »zu acht«. Es ist ein Geheimnis, dass Gott einerseits sagt, jeder soll für seine eigene Schuld geradestehen (Jer 31,29; Hes 18,2), andererseits aber Menschen rettet wegen ihrer Verbindung mit Frommen (z. B. Lot um Abrahams willen: 1 Mo 19f.; der ungläubige Ehemann ist durch seine fromme Frau geheiligt: 1 Kor 7,14). Der »Gottlose« ist das Gegenstück zu dem, der »fromm« ist (s. 2 Petrus 1,3).

Gerhard Maier – Edition C

Das zweite Beispiel des Petrus zeigt, daß Noah während der Vernichtung der Menschen durch die Flut gerettet wurde. Die in 1Mo 6 beschriebene Situation wurde aufgrund der Sünde unerträglich. Gott hatte durch den Propheten Henoch, einen außergewöhnlichen Diener Gottes (Jud 1,14.15), vor dem Gericht gewarnt. Die in unserer Bibel gegebenen Schilderungen lassen uns seine interessante Geschichte wissen. Petrus bezieht sich nicht namentlich auf ihn. Judas, ein Zeitgenosse des Petrus, bezeichnet bei der Abhandlung des gleichen Themas sein Werk als prophetisch (Jud 14), wogegen Henoch in Hebräer 11,5 ein Mann des Glaubens ist, der (in Gemeinschaft) mit Gott wandelte. Sein Verhalten stand im Gegensatz zum anerkannten Lebensstil. Gott hatte eine Verheißung gegeben und würde sie auch erfüllen. Henoch glaubte Gott, so daß er Ihm wohlgefiel. Er wandelte mit Ihm und erfuhr nie den Fluch des Todes, weil Gott ihn hinwegnahm. Petrus geht es um das schonungslose Wesen Gottes und darum, wie Er eine ganze Welt durch Wasser vernichtete (siehe 2 Petrus 3,6). Diese Welt wird als die alte oder ehemalige (vgl. Konkordante) Welt bezeichnet (2,5), die Welt, die damals war (3,6) – sie endete im Gericht Gottes, denn die Welt der Gottlosen wird nicht verschont werden. Judas sagt uns, daß Henoch der siebente von Adam war, aber Petrus teilt uns mit, daß Noah der achte war. Während die Ruhe Henochs, des siebenten, den Sabbath der Schöpfung verkörpert, beginnt mit Noah, dem achten, der neue Zyklus der Zukunft der Erde. Vielleicht denkt Petrus jedoch an Noah als einen der acht Menschen, die gerettet wurden (1Mo 7,13).
Das Charakteristische, das Petrus Noah zuschreibt, besteht darin, daß er ein „Prediger der Gerechtigkeit“ war. Das mit „Prediger“ übersetzte Wort gleicht dem, das Johannes den Täufer als Herold des kommenden Königs beschreibt (vgl. Konkordante). Demnach verkündigte Noah einen Maßstab der Gerechtigkeit, wovon Gott nicht abgehen kann und nicht wird. Gott handelt immer in Fairneß – Seine Gerechtigkeit ist über jeden Vorwurf erhaben. Im Himmel oder auf Erden ändert sich in jeder Haushaltung dieser Maßstab nie. Gott ist gerecht und handelt in Rechtschaffenheit. Noah war ein verantwortungsbewußter Herold und verkündigte die Botschaft ungeachtet der ausbleibenden Ergebnisse. Ihm war das eigene und das Leben anderer ein Anliegen, so daß er predigte. In jener Zeit führten die Menschen ein Leben, in dem sie aßen, tranken und heirateten (offensichtlich zur Kinderzeugung, um die Menschheit zu erhalten), aber sie beachteten nicht die Predigt Noahs, bis die Flut kam und sie alle hinwegraffte. Dieses Beispiel der vorsintflutlichen Welt will uns sagen, daß Gott gerecht ist, Seine Verheißungen einhält und die Gottlosen vernichtet. Wie Mt 24,39 zeigt, erkannten sie es nicht – nicht aufgrund fehlender Verkündigung oder fehlender Offenbarung, sondern weil sie ihre Augen, Ohren und Herzen vor Gottes Wort verschlossen. Sie hätten lieber auf andere Stimmen als auf Noahs einfache Botschaft gehört. Die Botschaft kommt klar und deutlich: Gott ist gerecht und bestraft Sünde, aber steht treu zu jeder Verheißung.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Alliteration

κατακλυσμὸν κόσμῳ

„die Flut über die Welt“ (2. Petr 2,5, ELB)

Alliterationen entstehen durch die Wiederholung von Konsonanten, die in „die Flut“ (κατακλυσμὸν kataklysmon) verwendet und in „die Welt“ (κόσμῳ kosmō) wiederholt werden.

Wortspiel in der Bibel

Das Leben nach dem Himmel

Wir nähern uns langsam dem Ende, aber es gibt noch eine Sache, die wir besprechen müssen, bevor wir Feierabend machen. Um deine Leselust ein bisschen zu triggern: Dieses Kapitel ist entscheidend – essenziell, lebenswichtig, absolut bedeutsam. Wenn wir das, was jetzt kommt, nicht kapieren, wird das ganze Kartenhaus in sich zusammenfallen.
Der Großteil dieses Buches war bisher rückwärtsgerichtet – auf die Schöpfung, den Garten Eden, Adam und Eva, die Frage, wie wir dahin gekommen sind, wo wir jetzt stehen. Aber der Großteil des Neuen Testaments blickt nach vorn – auf die Stadt, die dem Garten ähnelt.

 Es geht nicht so sehr darum, woher wir kommen, sondern wohin wir gehen.

Es ist fast so, als ob sich die Autoren des Neuen Testaments mit einer pneumatischen Hoffnung ausstrecken und den Hals recken, um zu sehen, was hinter dem Horizont liegt.
Das alles bringt mich zu diesem Buch. Bisher ging es im Wesentlichen um Arbeit und Ruhe und darum, wie zentral beides für unser Menschsein ist.
Aber einige Fragen turnen vielleicht schon eine ganze Weile in deinem Hinterkopf herum. Was hat das alles mit der Ewigkeit zu tun? Gibt es einen Zusammenhang zwischen meiner Arbeit – meinem Job oder Beruf – und dem, was ich im ewigen Leben erleben werde?
Wie heißt es so oft unter Christen: »Diese Welt wird sowieso bald in Flammen aufgehen.« Stimmt’s?
Wenn du so denkst, bist du nicht allein. Viele Christen hier im Westen sind überzeugt davon, dass Jesus wiederkommen, die Welt richten und seine Anhänger in den Himmel mitnehmen wird, wo sie für immer glücklich sein werden.
Das ist im Wesentlichen eine Theologie der Evakuierung. Sie vermittelt ein Gefühl von: »Lasst uns von hier verschwinden und woanders hingehen, wo es besser ist.«
Wenn das wahr ist, wenn das die Hoffnung von Jesus ist, dann stellt sich die Frage: Was ist der Sinn der Arbeit? Ganz zu schweigen vom Sinn der Ruhe?
Warum sollten wir unseren Job oder unsere Karriere oder unsere Berufung oder unsere Kunst oder unsere Musik oder unseren Einsatz für Gerechtigkeit oder unsere Kultur ernst nehmen, wenn am Ende alles in den kosmischen Mülleimer wandert und wir in einer Lichtjahre entfernten Galaxie landen?
Ist es nicht sinnvoller, einfach genug Geld zu verdienen, um so zu leben, wie wir wollen, dann nicht mehr zu arbeiten, viel zum Gottesdienst zu gehen und ein wenig von unserem überschüssigen Geld für christliche Projekte zu spenden, um damit ein paar mehr Menschen in den Himmel zu bringen?
Darum geht es ja schließlich.
Oder?
Nicht ganz.
Der schreckliche Satz »Diese Welt wird sowieso bald in Flammen aufgehen« stammt aus einer falschen Auslegung des Petrusbriefs. Ich würde so weit gehen zu sagen, dieser Satz grenzt an Häresie. Zumindest ist er eine Verdrehung dessen, was Petrus tatsächlich gesagt hat. Hier sind seine Worte:

Der Tag des Herrn wird so unerwartet kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel unter schrecklichem Lärm vergehen, und alles wird sich in Flammen auflösen; und die Erde wird mit allem, was auf ihr ist, verschwunden sein.

Da haben wir’s! Schwarz auf weiß. Himmel und Erde werden vergehen, verschwunden sein.
Klingt ziemlich einfach. Jesus kommt zurück, und es gibt ein weltweites Hiroshima. Game over. Und dann: Einsatz Chor der himmlischen Heerscharen.
Ja. Nur dass Petrus in diesem Zusammenhang die Geschichte der Sintflut nacherzählt, und in dem Absatz direkt vor diesem verwendet er genau dieselbe Sprache. Er sagt, dass die Erde bei der Flut durch Wasser »vernichtet« wurde.
Aber wir kennen diese Geschichte alle. Die Erde wurde nicht in dem Sinn zerstört, dass sie vollständig vernichtet wurde oder aufhörte zu existieren. Sie wurde nur insofern ausgelöscht, wie man eine Schiefertafel abwischt. Es war ein globaler Neustart.

 Am Ende wird unsere Erde nicht vollständig vernichtet, sondern rundum erneuert werden.

Deshalb schreibt Petrus weiter, dass die Erde und alles, was auf ihr getan wurde, »zutage kommen« wird. Im Griechischen heißt das Wort heurisko, was so viel bedeutet wie »entblößt« oder »als das gesehen, was es wirklich ist« oder »enthüllt«. Normalerweise wird das Wort mit »gefunden« übersetzt.
Es wird also ein Tag kommen, an dem alle Schichten von Schmutz und Müll, Ungerechtigkeit, Blut und Ausbeutung verbrannt werden und die Erde »zutage kommen« wird – als das erkannt werden wird, was sie wirklich ist, als das, was Gott von Anfang an beabsichtigt hat.
So wie die Erde einmal durch Wasser vernichtet wurde, wird sie erneut vernichtet werden, aber dieses Mal durch Feuer. Und in den Augen von Petrus ist das eine gute Sache.
Er schließt mit den Worten:

Wir aber erwarten den neuen Himmel und die neue Erde, die [Gott] versprochen hat. Dort wird Gottes Gerechtigkeit herrschen.

Es geht also nicht um das Ende des Zeit-Raum-Universums, sondern vielmehr um dessen radikale Heilung. Die Hoffnung von Jesus richtet sich nicht auf ein Irgendwo-anders. Es geht vielmehr um das Hier, um genau den Planeten, den Gott vor all den Jahren geschaffen und für gut befunden hat.
Und das kann jeden Moment passieren. »Der Tag des Herrn wird so unerwartet kommen wie ein Dieb« – ein Einbrecher mitten in der Nacht. Petrus kann diesen Tag kaum erwarten.
Zugegeben, »Tag des Herrn« klingt für unsere postmodernen Ohren vielleicht etwas seltsam, aber das war im Judentum des ersten Jahrhunderts ein stehender Begriff. Juden wie Petrus und Jesus unterteilten die menschliche Geschichte in zwei Zeitalter oder Zeitabschnitte – dieses Zeitalter und das kommende Zeitalter.
Dieses Zeitalter ist geprägt von menschlicher Sünde und Rebellion – Gewalt, Ungerechtigkeit, Krankheit, Schmerz, Leid, Dämonischem und schließlich dem Tod.
Aber das kommende Zeitalter ist gekennzeichnet von einer Rückkehr nach Eden, einer Rückkehr zu dem, was schon immer sein sollte – Frieden, Gerechtigkeit, Aufblühen und ewiges Leben.
Und zwischen diesem und dem kommenden Zeitalter liegt der Tag des Herrn – eine Nahtstelle zwischen den beiden Epochen, eine drastische, weltverändernde Umwälzung des Status quo.
Der Prophet Joel sagte: »Die Sonne wird finster werden und der Mond blutrot, ehe der große und herrliche Tag des Herrn anbricht.«
Das müssen wir nicht unbedingt wörtlich nehmen. Es stammt aus einer hochsymbolischen Literaturgattung, der Apokalyptik. Vielmehr können wir es so lesen: Es wird so sein, dass es die Grundfesten der Erde erschüttern wird. Alles wird sich verändern.
Und nun das Beste: Das kommende Zeitalter wird hier stattfinden, nicht irgendwo anders.
Hören wir mal die Vision des Propheten Jesaja über das kommende Zeitalter:

Sieh! Ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde – kein Mensch wird noch an das Vergangene denken, niemand wird es sich zu Herzen nehmen.
Freut euch vielmehr; freut euch für immer und ewig an dem, was ich zustande bringen werde:
Denn ich will Jerusalem zu einer Stätte des Glücks und seine Bewohner zu einer Quelle der Freude verwandeln.
Dann leben die Menschen in den Häusern, die sie erbaut haben, und essen die Früchte der Weinberge, die sie gepflanzt haben.
Denn … meine Erwählten werden das genießen, was sie erarbeitet haben.
Sie werden sich nicht vergeblich abmühen und keine Kinder gebären, die gleich danach sterben, denn es sind Kinder von Menschen, die der Herr gesegnet hat.

Ist dir aufgefallen, wie oft hier von Arbeit die Rede ist? (Okay, ich hab’s extra hervorgehoben.)
Wenn Jesaja in die Zukunft blickt, dann sieht er uns bauen und pflanzen, essen und trinken und vor Freude fast platzen.
Das sieht doch deutlich anders aus, als viele von uns sich die Zukunft vorstellen. Die meisten Christen, die ich kenne, sehen die Zukunft »im Himmel« als nichts anderes als ein endloses Nichtstun. Eine Kombination aus ewigem Gottesdienst und ewigem Urlaub. Das ist ein Spiegelbild der heutigen westlichen Kultur, nicht der Heiligen Schrift.

Inzwischen ist deine Vorstellung von Adam im Garten Eden hoffentlich eine andere als endloses Sonnenbaden oder faules Herumlungern im Bademantel – eher so, dass der Mensch einen Urwald in eine wunderschöne Stadt verwandelt.

 Wir wurden geschaffen, um zu arbeiten.
Und wir werden immer arbeiten.

Aber bevor du jetzt darüber in Tränen ausbrichst, mach dir klar, dass diese Arbeit Teil einer Welt ohne den Fluch sein wird. Die schmerzhafte Mühe wird vorbei sein. Wir werden uns nicht mehr vergeblich abrackern. Unsere Arbeit wird anregend, herausfordernd, lohnend, begeisternd, kraftspendend, bedeutsam sein. Sie wird Spaß machen und genau darauf zugeschnitten sein, wer wir sind.
Und das wird nicht nur für unsere Arbeit gelten, sondern auch für unser Ruhen.
Eine andere Prophezeiung über das kommende Zeitalter klingt so:

Hier auf dem Berg Zion wird der Herr, der allmächtige Gott, alle Völker zu einem Festmahl mit köstlichen Speisen und herrlichem Wein einladen, einem Festmahl mit bestem Fleisch und gut gelagertem Wein.

Das kommende Zeitalter ist also ein Fest, eine Party, ein Feiertag mit Familie und Freunden aus der ganzen Welt. Der Prophet Joel geht sogar so weit zu sagen: »An jenem Tag werden die Berge von süßem Wein triefen und die Hügel von Milch überfließen.«
Oh Mann, klingt das gut! Und bei Amos steht es so ähnlich:

»Die Zeit wird kommen«, spricht der Herr, »in der das Korn und die Trauben schneller wachsen, als sie geerntet werden können. Dann werden die Weinberge Israels von süßem Wein triefen und überfließen … Sie werden ihre Städte, die jetzt in Trümmern liegen, wieder aufbauen und darin wohnen. Sie werden Weinberge und Gärten pflanzen; sie werden ihre eigenen Feldfrüchte essen und ihren eigenen Wein trinken.«

Mich beeindruckt die nahtlose Integration von Arbeit und Ruhe, Wiederaufbau und Leben in Städten, Pflanzen und Gärtnern, Essen und Trinken, ohne irgendeinen Mangel – wo die Ernte nicht einmal mit dem Wachstum und Ertrag mithalten kann, weil es so viel Überfluss gibt.
Und so werden wir sehr lange leben. Ewig.
Jesaja sagt es auf diese Weise:

Dann zerreißt er den Trauerschleier, der über allen Menschen liegt, und zieht das Leichentuch weg, das alle Völker bedeckt. Hier auf diesem Berg wird es geschehen! Er wird den Tod für immer und ewig vernichten …

Der Tod wird sterben, und wir werden arbeiten und ruhen – für immer. Hey, ich melde mich freiwillig!
Mir fällt auf, wie bodenständig diese prophetische Dichtung ist. Das liegt daran, dass das kommende Zeitalter hier stattfinden wird, auf der Erde.
Falls das alles in deinen Ohren etwas seltsam klingt – kein Grund, dich außen vor zu fühlen oder so, als hättest du was nicht mitgekriegt. Du bist nicht allein. Die meisten Christen, zumindest im postmodernen Westen, stellen sich die Zukunft als einen zweistufigen Prozess vor:

•   Leben, hier auf der Erde, in einem Körper.
•   Gefolgt von: Leben nach dem Tod, im Himmel oder in der Hölle.

Und das ist eine wunderbare Hoffnung für alle, die Jesus folgen.
Während ich dieses Buch schreibe, liegt mein Großvater im Sterben. All die Jahre war er ein starker, energiegeladener, erfolgreicher, naturverbundener Mensch – ein Läufer, Wanderer, Skifahrer, Entdecker. Aber aus heiterem Himmel ist er nun an einer seltenen Lungenkrankheit erkrankt, und sein Körper, für den er all die Jahre so gut gesorgt hat, lässt ihn im Stich. Vor zwei Jahren hat er sich noch von einem Hubschrauber auf den Höhen der Sierra Nevada absetzen lassen, um in Schussfahrt mit seinen Skiern die Berge runterzudüsen. Jetzt kann er nicht mal mehr eine Treppe hochlaufen. Er bekommt so wenig Luft, dass er kaum noch einen Satz flüstern kann. Es ist qualvoll zu sehen, wie er leidet.
Aber mein Opa Jack hat seinen Frieden gefunden. Weil er Jesus folgt. Und für mich ist es so tröstlich zu wissen, dass er, wenn er stirbt, in der Gegenwart Gottes sein wird. Ich muss mich nicht fürchten oder sorgen oder trauern, als ob es ein Abschied für immer wäre, wenn er geht. Denn dieses Leben ist nicht alles. Es gibt mehr. Diese Hoffnung ist von unschätzbarem Wert.
Und zugleich ist sie unvollständig.
Anders als viele von uns denken, beschreiben die biblischen Autoren die Zukunft als einen dreistufigen Prozess:

•   Leben hier auf der Erde, in einem Körper.
•   Gefolgt von: Leben nach dem Tod, im Himmel oder im Hades, mit oder ohne Körper, das ist nicht eindeutig.
•   Gefolgt von: Auferstehung.

Und hier, Freunde, wird es interessant.

 Auferstehung ist das, was nach dem Himmel kommt, wenn wir hierher, auf die Erde, zurückkommen.

Und zwar in einem Körper – und unseren Job, über die Erde zu herrschen, wieder aufnehmen. Ein Bibelausleger nannte es das »Leben nach dem Leben nach dem Tod«.
In der westlichen Kirche legen wir den Schwerpunkt auf die zweite Stufe – den Himmel. Aber – und das überrascht dich vielleicht – das Neue Testament sagt sehr wenig über das Leben nach dem Tod. Die verbreitete Redeweise »Wenn wir sterben, kommen wir in den Himmel« wird in der Bibel nicht verwendet. Nicht ein einziges Mal.
Meistens ist einfach die Rede von Schlaf, eine Art zu sagen, dass die Toten in gewisser Weise noch leben, aber auf die Auferstehung warten.
Aber dann lesen wir an zwei Stellen in den Briefen von Paulus, dass wir nach unserem Tod »bei Christus« beziehungsweise »beim Herrn« sein werden – der Schlaf ist also offenbar eine Metapher. Tatsächlich sind wir wach und sind uns der Gegenwart Gottes bewusst. Aber davon abgesehen sagt Paulus nicht viel, außer dass es eine wirklich gute Erfahrung sein wird.

John Mark Comer – Ruhe. Arbeit. Ewigkeit.: Der göttliche Rhythmus von Ruhe und Arbeit für dein Leben

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