und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist; und führe uns nicht in Versuchung
Elberfelder 1871 – Lukas 11,4
Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig sind. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen.‘ “
Luther 2019 – Lukas 11:4
Und schicke weg in unsrem Interesse unsre Sünden; denn auch unsererseits erlassen wir’s jedem, wenn er uns schuldig ist; und nicht führe uns hinein in ein Versuchungsnetz.
Pfleiderer – Lk 11,4
Und nimm fort von uns unsere Verfehlungen! Und auch wir werden denen vergeben, die uns gegenüber Schuld auf sich geladen haben. Und lass uns nicht in Lebenslagen geraten, in denen die Prüfungen überhandnehmen!«
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Lk 11:4

ἄφ-ες Aor. Imp. -ίημι. ἀφ-ίομεν (hier v. -ίω [volkstüml. für -ίημι; BDR § 947; vgl. H-S § 114f]) [Var. ἀφ-ίεμεν]. ὀφείλοντι Ptz. ὀφείλω schulden, schuldig sein (eig. u. übertr.); hier sich einer Sünde schuldig machen, sich verfehlen τινί gegen jmdn. (B 2bβ); subst., hier nach πᾶς ohne Art. (BDR § 4135); καὶ γὰρ αὐτοὶ ἀφίομεν παντὶ ὀφείλοντι ἡμῖν denn auch wir (selbst) vergeben jedem, der an uns schuldig wird. εἰσ-ενέγκῃς Aor. Konj. -φέρω198 hineintragen, -bringen; prohibitiver Konj. (A256). πειρασμός Prüfung, Erprobung; Versuchung, Anfechtung; μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν bring uns nicht in Versuchung (d. h. in die äußerl. od. seelische Lage, die uns Anlass zur Sünde werden kann [B 2b] bzw. in eine solche Versuchung, hinter der die Macht des Bösen steht u. in der wir den Glauben u. das Heil verlieren). [Var. ῥῦσαι Aor. Imp. Med. ῥύομαι8 m. ἀπό (vgl. BDR § 1801) retten/erretten von od. bewahren vor (B). ἀπὸ τοῦ πονηροῦ von/vor dem Bösen (Mask. [= Teufel] od. Ntr.; vgl. BDR § 2634).]
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Zu entschuldigen, was wirklich gute Entschuldigungen vorbringen kann, ist nicht christliche Liebe; es ist nur recht und billig. Ein Christ sein, heißt, das Unentschuldbare vergeben, weil Gott das Unentschuldbare in uns vergeben hat. Das ist hart. Es ist vielleicht nicht so hart, ein einzelnes großes Unrecht zu vergeben. Aber die unablässigen Herausforderungen des täglichen Lebens zu vergeben – immer wieder der herrschsüchtigen Schwiegermutter, dem tyrannischen Ehemann, der nörgelnden Gattin, der selbstsüchtigen Tochter, dem Sohn, der einen hintergeht, vergeben – können wir das? Nur dann vermutlich, wenn wir daran denken, wo wir selbst stehen, wenn wir es jeden Abend beim Beten ernst meinen mit unseren Worten: “Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.” Nur unter dieser Bedingung wird uns Vergebung angeboten. Sie ablehnen, heißt, Gottes Barmherzigkeit für uns ablehnen. Ausnahmen werden keine angedeutet, und Gott meint, was er sagt.
CMV-Materialsammlung
(C. S. Lewis, 1898–1963)
Corrie ten Boom erzählt: Ein Freund fragte mich, als er mich nach langer Zeit wieder einmal besuchte, nach bestimmten Leuten, die mich vor zehn Jahren kräftig übervorteilt hatten. “Das ist erledigt”, sagte ich ein bisschen selbstgefällig. “Es ist alles vergeben.” – “Von dir ja”, nickte er. “Aber die anderen- haben sie deine Vergebung angenommen?”
CMV-Materialsammlung
“Sie sagten, da sei nichts zu vergeben. Sie leugneten alles ab. Aber ich kann ihnen beweisen, dass sie falsch gehandelt haben.” Ich ging schnell an meinen Schreibtisch und zog die Schublade auf. “Sieh’, ich habe es schwarz auf weiß. Ich habe alle ihre Briefe aufgehoben und kann es dir zeigen…”
“Corrie!” Mein Freund schlug seinen Arm um mich und holte mich vom Schreibtisch zurück. “Sind deine Sünden nicht ins Meer versenkt worden? Und die Sünden deiner Freunde bewahrst du schwarz auf weiß auf?”
Mir verschlug es die Sprache. “Herr Jesus”, flüsterte ich, “du, der alle meine Sünden weggenommen hat, vergib mir, dass ich die Sünden der anderen die ganzen Jahre über aufgehoben habe. Lass mich dir all das Schwarz-Auf-Weiße als ein lieblich duftendes Brandopfer zu deiner Ehre darbringen.”
Bevor ich an diesem Abend zu Bett ging, räumte ich meinen Schreibtisch aus und warf die schon leicht vergilbten Briefe in den Heizungsofen. In der Asche jener Briefe erkannte ich eine neue Seite seiner Gnade. Seine gute Nachricht hatte mich erreicht. Und ich war gespannt, was er mich in dem Fach Vergebung künftig weiterlehren würde.
Ebenso wie wir beten, dass unsere Sünden vergeben werden möchten, weil wir bekümmert sind über unsere wider Gott begangenen Sünden, beten wir auch für uns, dass wir nicht in die Versuchung zur Sünde hineingebracht werden möchten. Somit heisst es im Gebet des Herrn weiter: „Und bringe uns nicht in Versuchung hinein.“ (Matthäus 6:13, NW; Lukas 11:4) Wie konnte Jesus dies beten, wenn die Schrift uns doch sagt, dass er gleich nach seiner Taufe im Jordan „durch den Geist [Gottes] hinaufgeführt wurde in die Wüste, um von dem Teufel versucht zu werden“ und der Versucher zu ihm herantrat, um ihn von Gott wegzuziehen? Auch wird Jesus der „Sohn Abrahams“ genannt, von dem geschrieben steht: „Und es geschah nach diesen Dingen, dass Gott den Abraham versuchte.“ Dies geschah, indem er ihm gebot, Isaak, seinen geliebten Sohn, den er von Sara erhalten hatte, zu opfern. (1 Mose 22:1) Und dann, als Satan Gott herausforderte, überliess ihm Gott den treuen Hiob, damit er ihn, wenn möglich, dazu versuche, Gott ins Angesicht zu fluchen. Und an dem Abend, da Jesus von Judas verraten wurde, sagte er zu seinen elf treuen Aposteln: „Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen.“ (Hiob 1:1 bis 2:13; Lukas 22:28) Von welchem Standpunkt aus können wir also beten, dass unser himmlischer Vater uns nicht in Versuchung hineinbringe? Als Versuch, die anscheinende Schwierigkeit zu lösen, geben Die Vier Evangelien (engl.) von C. C. Torrey die Bitte wie folgt wieder: „Und lass uns nicht der Versuchung nachgeben“, während The Emphatic Diaglott die Stelle wie folgt wiedergibt: „Und gib uns nicht der Prüfung preis.“ — Matthäus 6:13.
Wachtturm Oktober 1951
Eines ist gewiss: Unser himmlischer Vater unterwirft uns der Prüfung, doch nicht durch Übles oder durch die Versuchung zur Sünde. Folglich schreibt Jakobus: „Wenn in der Prüfung, sage niemand: ‚Ich werde von Gott versucht.‘ Nein, denn Gott kann nicht von üblen Dingen versucht werden, noch versucht er selbst jemand. Sondern jeder wird versucht, indem er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Wenn dann die Begierde befruchtet ist, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, bringt Tod hervor.“ (Jakobus 1:13-15, NW) Als Jehova Gott Adam und Eva vor das Verbot stellte, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen, versuchte er sie dadurch nicht mit dem Bösen, denn der Baum an sich war nicht böse. Jehova warnte sie davor, im Ungehorsam zu essen, und unterrichtete sie von den üblen Folgen. Deshalb konnten sie nicht zufolge von Unwissenheit dazu versucht werden. Als Eva auf die verführerische Rede der Schlange hörte, wurde sie versucht. Gottes Warnung vor dem Essen hatte keinen Appetit oder Wunsch nach dem Baume in ihr geweckt, aber die falsche Schilderung der Schlange hinsichtlich der Folgen des Essens von diesem Baume im Widerspruch mit Gottes Verbot und Warnung weckte ein unrechtes Verlangen in ihr. Dies war es, was sich für sie zur Versuchung auswirkte, wie Jakobus es oben sagt. Weil sie diesen Wunsch nicht als etwas Unrechtes und als etwas, was gegen Gott war, aus dem Sinn schlug, sondern unterhielt, liess sie sich durch die Versuchung in Sünde hineinziehen und betrügen. — 1 Mose 3:1-7; 2 Korinther 11:3.
Indes unterwirft uns Gott der Prüfung oder stellt uns auf die Probe, nicht um unsern Sturz herbeizuführen, sondern um zu beweisen, was wir sind, um das, was wir sind, ans Licht treten zu lassen. Er versucht uns nicht mit Üblem zur Bosheit, sondern wir selbst schaffen uns unter dem Einfluss Satans die Versuchung durch den Gedanken, wie schön es wäre, etwas zu tun oder zu haben, was mit Gottes Willen in Widerspruch ist, und dadurch, dass wir uns dann den durch solch unrechtes Denken erweckten Wunsch nicht aus dem Sinne schlagen, sondern ihn mehr und mehr nähren. Auf diese Weise werden wir fortgezogen und so weit weggelockt, dass wir Gottes Rat und Warnung ausser acht lassen. Wir kommen in die Versuchung hinein.
Durch eine Sünde der Übertretung wider Gottes Gesetz verschulden wir uns ihm gegenüber. „Der Lohn, den Sünde zahlt, ist Tod.“ (Römer 6:23, NW) Gott könnte für unsere Sünde unser Leben verlangen und einfordern; er könnte uns von seiner heiligen Organisation und von der Geselligkeit und Gemeinschaft mit ihr ausschliessen. Er könnte uns seinen Frieden nehmen, indem er alle friedlichen Beziehungen mit uns abbräche. Er könnte uns veranlassen, ihm alles zurückzugeben, was wir von ihm durch seine unverdiente Güte empfangen haben. Wir schulden ihm Liebe, die im Gehorsam zum Ausdruck kommt; und wenn wir sündigen, verfehlen wir, ihm unsere Schuld der Liebe zu zahlen, denn Sünde ist Lieblosigkeit gegen Gott. (Römer 13:8-10) Die Sünde als eine Schuld betrachtend, die bei Gott beglichen werden muss, formulierte Jesus die nächste Bitte im Gebet des Herrn: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben haben unsern Schuldnern.“ (Matthäus 6:12, NW) Als Beweis, dass Schuld hier Sünde bedeutet, drückt Jesus dieselbe Bitte im entsprechenden Gebet in den Worten aus: „Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns verschuldet ist.“ — Lukas 11:4, NW.
Wachtturm – Oktober 1951
9 Zu dieser Bitte wären wir nicht ermächtigt, wenn es nicht eine Grundlage gäbe, auf der uns Gottes Vergebung zukommt. Die Grundlage dafür ist nicht einfach seine Liebe und Barmherzigkeit in abstraktem Sinne und ungeachtet seiner vollkommenen Gerechtigkeit, die für Sünde den Tod fordert. Die Grundlage der Vergebung ist seine Liebe und Barmherzigkeit, wie sie im menschlichen Opfer seines Sohnes Jesus Christus zum Ausdruck kommt, welches Opfer in unserem Interesse allen Forderungen der Gerechtigkeit vollständig entspricht. Als Jesus dieses Gebet in der Bergpredigt lehrte, hatte er bereits erklärt, dass einigen, die er geheilt hatte, die Sünden vergeben seien. So war denn zu verstehen, dass Gottes Vergebung durch Christus Jesus komme, und zwar durch sein vollkommenes Loskaufsopfer. Der Apostel Paulus, der sich als der vorderste der Sünder ausgab, sagte zu Gottes Kindern: „Der Sohn seiner Liebe, durch den wir unsere Erlösung durch Loskauf haben, die Vergebung unserer Sünden.“ „Nun hat er sich ein für allemal kundgemacht in der Vollendung der Systeme der Dinge, um Sünde hinwegzutun durch das Opfer seiner selbst.“ Um somit diesen Teil des Gebetes des Herrn wirksam zu beten, müssen wir an das Opfer Christi aufrichtig glauben und es annehmen. — Lukas 5:20-24; 7:47-49; Matthäus 9:1-8; Kolosser 1:13, 14 und Hebräer 9:26, NW; Galater 1:4.
»Und vergib uns unsre Sünden, denn auch wir selbst vergeben allen unseren Schuldnern« (V. 4): Wie bei Matthäus macht der Beter seine eigene Vergebung zur Voraussetzung. Es heißt ja in Mt 6,12 bei genauer Übersetzung: »… wie auch wir vergeben haben (!) unseren Schuldnern«. Das heißt, der Beter will seine Bitte um Vergebung erst dann aussprechen, wenn er selbst seinen »Schuldnern« vergeben hat – und zwar »allen«! »Schuldner«: Das sind die Leute, die ihm selbst etwas schulden bzw. an ihm schuldig geworden sind. Man vergleiche das Gleichnis vom Schalksknecht in Mt 18,21ff Der Weg der Vergebung lässt sich also im Vaterunser wie folgt nachzeichnen: Gottes Wort trifft uns – es bewegt uns zur Vergebung – darauf bitten wir selbst um Vergebung. Die Mehrzahlform »uns« / »unsre« / »wir« deckt noch einmal auf, dass es sich ursprünglich um ein Gemeinschaftsgebet handelt.
Gerhard Maier – Edition C
Übrigens schließt sich Jesus auch hier an die früheren Lehrer Israels an (Sir 28,2).
Der Leser bleibt auch an dieser Stelle mit der nachdenklichen Frage zurück: »Tue ich das, was ich lese?« Wer meint, als Christ nicht mehr zu sündigen, der wird durch das Vaterunser schlagend widerlegt.
Die fünfte Bitte ist eine Bitte um Bewahrung: »und führe uns nicht in Versuchung« (V. 4). Sie deckt sich wörtlich mit der entsprechenden Bitte bei Matthäus (Mt 6,13). Die genaue Übersetzung lautet: »und bringe uns nicht in Versuchung hinein«. Das heißt, man bittet hier Gott darum, dass er den Test nicht zu schwer macht. Nach der Bibel versucht uns Gott ja nicht (Jak 1,13). Aber er lässt es zu, dass der Teufel an uns herantritt, um uns zu versuchen (vgl. Hiob 1,6ff.; Hiob 2,1ff.; Lk 22,31). Dabei sind die Willensrichtungen Gottes und des Teufels einander total entgegengesetzt. Gott will, dass wir die Versuchung bestehen und deshalb unser Glaube bewährt wird (vgl. Jak 1,12). Der Teufel will, dass wir die Versuchung nicht bestehen und deshalb unser Glaube verschwindet. Die fünfte Bitte des Vaterunsers bei Lukas geht also von der Erkenntnis unserer Schwachheit aus (vgl. Mt 26,41 par). Der Jünger weiß, dass er unterliegt, wenn ihn Gott nicht bewahrt. Und Jesus weiß es auch, sonst hätte er uns nicht so zu bitten gelehrt. Darum zielt diese Bitte »und führe uns nicht in Versuchung« darauf hin, dass Gott dem Teufel eine Grenze setzt, bevor wir in der Versuchung unterliegen. Das Wort Gottes schenkt uns übrigens die Gewissheit, dass Gott diese Bitte erhört (vgl. Lk 22,32; Joh 17,15; 1 Kor 10,13; 2 Thess 3,3). In der Endzeit wird diese Bitte noch dringender werden. Denn die Versuchungen werden zunehmen (Mt 24,4ff.; 2 Thess 2,3ff.; Offb 12-13). Aber Gott wird diese grauenhafte Zeit verkürzen (Mt 24,22), so dass jeder wahre Jünger durchkommt. Im Grunde zeugt die Bitte »und führe uns nicht in Versuchung« von der grenzenlosen Zuversicht, dass Gott stärker ist als der Teufel und alles Böse.
Manche haben gedacht, diese Aussage bedeute, daß unsere Bereitschaft, andern zu vergeben, die Grundlage sei, auf der Gott uns vergeben kann. Die Vergebung unserer Sünden vor Gottes Thron ist das Ergebnis der Sühne, die der Herr Jesus am Kreuz erwirkt hat. Das gilt für Sünden, die an einem „vergangenen Tag“ begangen wurden, wie auch für unsere Sünden während des gegenwärtigen Tages der Gnade (Röm 3,22-26). Der Gedanke hier ist: Daß wenn sogar sündige Menschen einander vergeben können, dann wird gewiß ein barmherziger Vater im Himmel uns alle unsere Sünden vergeben, und zwar ausschließlich aufgrund Seiner unumschränkten Gnade. Wir verweisen einmal mehr auf die Zeit, in der dieses Gebet gesprochen wurde und beachten den Gegensatz zwischen ihr und der Zeit, in der wir leben. Wir bitten als Gläubige nicht um Vergebung, sondern „wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1Jo 1,9). Vergessen wir dabei aber nicht den hier und andernorts (Mt 6,14.15) vom Herrn gelehrten und in den Lehrbriefen wiederholten (Eph 4,32) Grundsatz, daß wir nicht im Genuß der Vergebung des Vaters oder der Gemeinschaft mit Ihm stehen können, solange wir andern gegenüber unversöhnlich sind.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
„Führe uns nicht in Versuchung“ hat auch zu mancherlei Mißverständnissen Anlaß gegeben. „Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, und selbst versucht er niemand“ (Jak 1,13) ist göttliche, für alle Zeiten unabänderliche Wahrheit. „Versuchung“, peirasmos, ist das Wort, das stets für die verschiedenen Ausdrücke verwendet wird, die im NT von Versuchung, Anfechtung und Erprobung sprechen. Der Zusammenhang gibt uns Aufschluß darüber, ob es sich um Versuchung zur Sünde, die unserem Fleisch entspringt (Jak 1,14), handelt, oder um von Gott gesandte Versuchung im Sinne von Prüfung (Jak 1,2-4). Das Wort „Böse“ kann sich auf Sündhaftes beziehen, das aus unserem Herz quillt oder auf satanische List zurückgeht, aber es kann auch für Schwierigkeiten an einem Tag der Prüfung stehen wie Unglück oder Krankheit. In dieser Bitte um Bewahrung scheint die „Versuchung“ sich auf Prüfungen zu beziehen, nicht auf Verleitung zur Sünde. Wenn es um Sünde gehen sollte, wie einige meinen, dann hat die Bitte den Sinn, daß man als Jünger von Umständen bewahrt bleibt, die dem Fleisch Anlaß zur Sünde bieten. Wiederum wird die Bitte in den Tagen der großen Drangsal eine besondere Bedeutung bekommen, wenn nämlich die Gläubigen zum Herrn schreien, daß Er sie von dem Bösen und seinen Verbündeten erretten möge.






Neueste Kommentare