Als er aber aufhörte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe und lasset eure Netze zu einem Fange hinab.
Elberfelder 1871 – Lukas 5,4
Als er aufgehört hatte zu reden, wandte er sich an Simon und sagte: »Fahr jetzt weiter hinaus auf den See; werft dort eure Netze zum Fang aus!«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Lukas 5:4
Als er mit seiner Predigt fertig war, sagte er zu Simon: »Nun fahr weiter hinaus und wirf dort deine Netze aus, dann wirst du viele Fische fangen.«
Neues Leben – Bibel 2006 – Lk 5,4
Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: »Fahr noch weiter hinaus auf den See! Dort sollt ihr die Netze zum Fang auswerfen!«
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Lk 5:4

Einige Verse zu diesem Thema hatten wir schon – also schau dir diese auch an:
Einzelsprechstunde Geh fort von mit, Herr! Keine Angst!
ἐ-παύσατο Aor. Med. παύω zum Aufhören bringen; Med. aufhören. λαλῶν Ptz. λαλέω, präd. bei Verben des modifizierten Seins u. Tuns (A301); ὡς ἐπαύσατο λαλῶν als er aufgehört hatte zu reden, als er seine Rede beendet hatte. ἐπ-αν-άγαγε Aor. Imp. V. 3. βάθος7 Tiefe; hier tiefes Wasser (B 1). χαλάσατε Aor. Imp. χαλάω25 herunterlassen, (Netze) ins Wasser lassen (B), auswerfen. δίκτυον V. 2. ἄγρα (das) Fangen; Fang, Beute; εἰς ἄγραν um etwas zu fangen (B 1).
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Jesus, der sonst nur in Synagogen lehrte und predigte (Lk 4, 15. 16–37; 6, 6; 13, 10), verkündigt jetzt einer zu Ihm drängenden Volksmenge am Seeufer das Wort Gottes. Auch bei den Rabbinern wurden als Predigtstätten nicht nur die Synagogen, sondern auch die Straßen und freien Plätze benutzt.
Rienecker – Wuppertaler Studienbibel
Welchen Inhalt diese „Seepredigt“ des Herrn gehabt hat, ist uns nicht berichtet worden.) Es heißt nur kurz: „Er setzte sich und lehrte vom Schiff aus die Volksmengen.“
Obgleich Jesus wußte, daß Petrus die ganze Nacht nichts gefangen hatte, sprach Jesus, nachdem Er Seine Rede geendet hatte, zu ihm: „Fahre auf die Hohe des Sees und laßt eure Netze hinunter zum Fang!“ Ein merkwürdiger Befehl, den Simon empfängt, ganz entgegen allen Regeln seines Handwerks.
Jesus hatte unter anderem auch deswegen diesen so eigenartigen Befehl „Fahre auf die Mitte des Sees …“ an Simon ausgegeben, weil Er zugleich beabsichtigte, den Fischer selbst in Seinem Netz zu fangen.
Weil Petrus Dem, der es befohlen hat, nun nicht widersprechen will, antwortet er: „Meister (besser „Vorsteher“) die ganze Nacht haben wir uns abgemüht, aber nichts bekommen. Auf Dein Wort aber werde ich die Netze hinunterlassen.“
Es gilt hier besonders zu achten auf das Wort Meister, das im Griechischen epistates heißt. Das Wort ist besser mit „Vorsteher, Vorgesetzter“ zu übersetzen. Der Vorgesetzte erteilt dem Untergebenen einen Befehl. — Jesus „bittet“ hier nicht, wie das in Vers 3b der Fall war, sondern Jesus befiehlt. Die Antwort des Petrus ist Gehorsam. —
Was besagt das Wort epistata, mit dem Simon den Herrn anredet? Weil „epistata“ die Anrede für einen höheren Aufsichtsbeamten, einen Vorsteher ist, so muß Simon in Jesus den Höheren, den Bevollmächtigten gesehen haben.)
Zu dem, was dem Bevollmächtigten untersteht, gehören, nach dem 8. Psalm, auch die Fische im Meer. Darum kann der epistates einen Fischzug befehlen zu einer Stunde, wo sonst ein Fischfang so gut wie aussichtslos ist.
Darum gehorcht der Fischer Simon dem von Gott Bevollmächtigten nach Überwindung alles dessen, was sein Fischerverstand ihm auch immer sagt. Simon sieht eben in dem Mann von Nazareth nicht den Sohn des Zimmermanns, der vom Fischereigewerbe nichts versteht, sondern den Herrn, der Vollmacht hat auch über die Tiere des Meeres. — (Vgl. dazu Bornhäuser: Studien zum Sondergut des Lukas.) Darum antwortet Simon: „Auf Dein Wort aber werde ich die Netze hinunterlassen“.
Mit dem Wörtlein aber fängt der Glaube des Simon an, und zwar ein Glaube, der sich als Gehorsam darstellt, als Glaubensgehorsam, der wider alle Vernuft und gegen alle Berufspraxis und Berufserfahrung dennoch und trotzdem dem Herrn ganzes und unbedingtes Vertrauen schenkt, ein Vertrauen, das sich in blindem Gehorsam offenbart.
Ludwig Schneller schreibt: „Auf dem See Genezareth wirft man die Netze nur bei Nacht aus; denn am Tage fängt man beinahe nichts. Bei einem meiner Besuche habe ich die Fischer am See Tiberias gefragt, ob sie nicht auch bei Tage Netze auswerfen. Da lachten sie über diese Unwissenheit!“
In der Zeit also, die für das Fischer-Handwerk am geeignetsten war, hatte sich Simon angestrengt und abgemüht, aber ohne Erfolg. Jetzt soll er am hellen Tage weit hinaus vom Land fort auf die Höhe fahren, d. h. dorthin fahren, wo der See sehr tief ist.
Und doch, so verwunderlich des Herrn Wort auch klingt, er sagt kurz: „Aber auf Dein Wort will ich das Netz hinunterlassen.“
In der Geschichte vom wunderbaren Fischzug (Lk 5,1–11) fordert Jesus den Fischer Simon auf, noch einmal die Netze zum Fang auszuwerfen, obwohl alle Versuche des Tages erfolglos geblieben waren. Simon tut, was Jesus sagt und erlebt etwas, was ihn in tiefes Staunen versetzt: Er fängt so viele Fische, dass die Netze zu zerreißen drohen. Daraufhin fällt Simon Jesus zu Füßen und sagt: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.“
Steenbuck – Die 31 beliebtesten Irrtümer der Bibelauslegung: Erhellende Einsichten in die Welt der biblischen Botschaft
Wann erkennt Petrus, dass er ein sündiger Mensch ist? Der Zeitpunkt ist vollkommen überraschend. Er widerspricht unseren Vorstellungen von Sünde. Naheliegend wäre gewesen: Nach den vergeblichen Fangversuchen in der Nacht zweifelt Petrus an sich selbst. Er fragt sich, ob das die Strafe sei für ein unwürdiges Leben oder eine gottlose Tat. Nach der damaligen Auffassung war ein krankhaftes Leiden oder eine Pechsträhne die Strafe für ein vorheriges Vergehen. Man nennt das den „Tun-Ergehen-Zusammenhang“. Auf Petrus trifft das nicht zu. Der berufliche Misserfolg lässt bei ihm keinen Selbstzweifel aufkommen. Im Augenblick des Glücks und des Erfolgs entsteht das Bewusstsein, ein sündiger Mensch zu sein. Es entsteht in der Begegnung mit Jesus, in der Erfahrung von dessen Zuwendung und Wertschätzung.
Die Geschichte vom wunderbaren Fischzug gehört zu den Erzählungen, in denen etwas aufscheint von der Herrlichkeit Jesu, der Schönheit, Pracht und Gnade des Sohnes Gottes. Im Angesicht dieser göttlichen Gnade und Schönheit geht uns etwas auf von unserer Unvollkommenheit, Schwachheit und Sünde. So erklärt sich, dass Ganoven häufig kein Bewusstsein für die Sünde oder Schuld entwickeln, die Heiligen dagegen oft von einem tiefen Sündenbewusstsein erfüllt sind.
Die Erkenntnis der eigenen Sünde ist eine fröhliche Erkenntnis. Ich erkenne die Sünde erst ganz, wenn sie mir vergeben wird. Wir gleichen dem Reiter, der den eis- und schneebedeckten Bodensee überquert, ohne es zu wissen. Erst am anderen Ufer wird ihm klar, welcher Gefahr er gerade entronnen ist. In einem anderen Bild gesprochen: Wer bisher nur in der Dunkelheit lebte, wird diese gar nicht so dunkel finden. Erst wenn er ans Licht kommt, wird ihm das vorherige Dunkel als Elend erscheinen.
Die meisten Menschen in der Bibel haben ein Gespür für Sünde und Schuld. Das hat nichts zu tun mit einem „Wir-sind-alle-arme-Sünder-Bewusstsein“, wie es in manchen christlichen Strömungen gepflegt wird. Die Sünde ist kein Thema, das von sich aus interessant wäre. Als Christen glauben wir nicht an die Sünde oder das Sündersein. Wir glauben an die Überwindung der Sünde. Es ist kein Zufall, dass in den Glaubensbekenntnissen der Alten Kirche nur in der Verbindung „Vergebung der Sünden“ von Sünde geredet wir. Das tiefe Wissen um Sünde ist Ausdruck der wunderbaren und beglückenden Erfahrung, die wir in der Begegnung mit der Barmherzigkeit und Freundlichkeit Gottes machen. Wenn uns heute solch ein Bewusstsein abgeht, müssen wir uns fragen, ob das ein Gewinn ist oder nicht doch Ausdruck eines Mangels.
Als der Herr Seine Reden an das Volk beendet hatte, sagte er zu Simon: „Fahre auf die Höhe des Sees hinaus und werft eure Netze aus, damit ihre einen Zug tut!“ (Menge). Simon nennt Ihn Meister und sagt, daß er zusammen mit seinen Genossen die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen habe; „aber auf dein Wort will ich das Netz hinablassen“. Das ist bedeutungsvoll. Simon hätte urteilen können, daß ein Zimmermann von Nazareth doch nichts verstehen könne vom Fischen. Da er sein ganzes Leben am See verbracht hatte, konnte er gewiß mit größerer Erfahrung und zuverlässigerem Wissen rechnen. Er hätte dem Herrn sagen können, daß es sinnlos sei, tags zu fischen, besonders mit Netzen, da die Fische bekanntlich nur nachts zur Nahrungssuche an die Oberfläche kommen. Aber er verwarf solch menschliches Räsonieren – vielleicht erst nach anfänglichem Zaudern -, da ihn doch der Meister geheißen hatte, die Netze hinabzulassen.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Nachdem er die Massen gelehrt hatte, sagte Jeschua zu seinen Jüngern: Fahrt hinaus auf die Tiefe und lasst eure Netze zu Wasser (Lukas 5:4). Das widersprach der Erfahrung dieser Berufsfischer, und Petrus antwortete: Meister, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen (Lukas 5:5a). Die Implikation war, dass Petrus mehr über das Fischen wusste als Jeschua, da er der Fischer war und Jeschua ein Zimmermann. Nach der Erfahrung von Petrus wäre es fruchtlos, die Netze nach Sonnenaufgang auszuspannen. Wenn sie in der Nacht keine Fische fangen konnten, war es noch unwahrscheinlicher, dass sie in der Hitze des Tages etwas fangen würden. Sobald die Sonne auf das Wasser trifft, schwimmen die Fische tiefer ins Meer, zu tief für die Netze des Tages, um sie zu fangen. Trotzdem gehorchte Petrus, nachdem er seinen Einwand vorgebracht hatte. Beachten Sie, dass in diesem Fall der Gehorsam vor der Erfahrung kam: „Aber auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen“ (Lukas 5,5b). Entgegen Petrus‘ Erwartung fingen sie eine große Menge an Fischen (Lukas 5,6), so viele, dass die Netze zu zerreißen begannen und sie andere zur Hilfe rufen mussten (Lukas 5,7). Beide Boote waren so voll, dass sie tatsächlich zu sinken begannen!
Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive
Als die Boote zu sinken begannen (Lukas 5,7), erkannte Petrus die Autorität des Messias über die Natur selbst, und er antwortete: Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, o Herr (Lukas 5,8). Die anderen waren ebenso erstaunt (Lukas 5,9-10). Obwohl sie erfahrene Fischer waren, hatten sie so etwas noch nie gesehen:
Tagsüber konnten die Fische die Netze sehen und ihnen ausweichen. Das Wunder war, dass die Fische blind ins Netz schwammen. Außerdem mussten die Fische bei der Trammelnetzfischerei in die Netze gescheucht werden, nachdem die Netze ausgelegt worden waren. Obwohl es möglich ist, geht aus dem Bericht des Lukas nicht hervor, dass die Fischer einen Aufruhr machten, um die Fische zu erschrecken.
Als sie die Einzigartigkeit der messianischen Person erkannten, konnten sie sich dann als das sehen, was sie waren: Sünder. Wenn wir uns mit anderen vergleichen, könnten wir ziemlich gut dastehen, denn es gibt immer jemanden, der schlechter ist als wir. Der richtige Vergleich ist jedoch mit dem einen absoluten Standard, dem Gott-Menschen, dem Messias Jeschua. Wenn wir uns mit Ihm vergleichen, muss unsere Schlussfolgerung die gleiche sein wie die von Petrus: Wir sind in der Tat sündig! Als Antwort auf Petrus‘ Aussage wich Jeschua nicht von ihnen ab, sondern er rief sie auf, das, was sie taten, zu verlassen und ihm zu folgen. Dies war ein Aufruf zur Vollzeitnachfolge: Fürchtet euch nicht; von nun an werdet ihr Menschen fangen (Lukas 5,10). In den Worten von Matthäus 4,19 und Markus 1,17 heißt es: „Folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen. Und in der Tat verließen sie alles und folgten ihm nach (Lukas 5:11). Die Folge dieses Aufrufs war, dass Petrus und die anderen ihr Fischereigewerbe aufgaben (Matthäus 4:20, 22; Markus 1:18, 20). Jeschua nachzufolgen bedeutete eine totale Verpflichtung zur Vollzeitnachfolge. Es bedeutete auch, ihm zu vertrauen, dass er für ihre Bedürfnisse sorgen würde, denn sie hatten ihre Haupteinnahmequelle verlassen.
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