Wenn Gott zu einem Propheten geredet hat, wer sagt diese Sachen dann nicht auch weiter?

Ja denn, nicht tut mein Herr, ER, irgendwas,
er habe denn seinen Beschluß offenbart
seinen Knechten, den Kündern.
Der Löwe hat gebrüllt,
wer fürchtete sich nicht!
mein Herr, ER, hat geredet,
wer kündete nicht! –
Buber_Rosenzweig – Amos 3,7–8

Denn der Herr, der Ewige, tut nichts, er hätte denn sein Geheimnis seinen Knechten, den Propheten, offenbart. Brüllt aber ein Löwe, wer fürchtete sich nicht? Redet der Herr, der Ewige, wer prophezeite nicht? –
Die Philippson-Bibel – Amos 3:7–8

Gott tut nichts, es sei denn, er hat es seinen Propheten vorher angekündigt.
Wenn ein Kampfhund vor einem steht, seine Zähne fletscht und laut knurrt, wer sollte da keine Angst haben? Wenn Gott zu einem Propheten geredet hat, wer sagt diese Sachen dann nicht auch weiter?“
VolxBibel – Am 3,7–8

Denn der Herr, der Ewige, tut nichts, es sei denn, er offenbart seinen Ratschluss seinen Knechten, den Propheten. Der Löwe hat gebrüllt – wer fürchtet sich nicht? Der Herr, der Ewige, hat geredet – wer wird nicht weissagen?
Streitenberger – Der Tanach Deutsch – Am 3:7–8

Den Vers hatten wir schon einmal – also nur Ergänzungen.

Tut nichts: Also dass er seinem Volk kein Unglück unversehens zuschickt, sondern ehe er straft, entdeckt er zuvor den Propheten seinen Willen und Meinung, auf dass sie das Volk zur Buße ermahnen. Darum sollt ihr nicht denken, dass wir die Weissagungen aus unserem Hirn vorbringen, sondern aus göttlicher Offenbarung. (Also sollen wir der getreuen Kirchendiener Warnungen und Schelten nicht verachten, denn sie werden von dem Heiligen Geist aufgemuntert, dass sie die herzunahende Strafe verkündigen ).

3,8 Brüllt: Das ist, Gott ist gar sehr wider euch ergrimmt.
Nicht fürchten: Wie sollte es möglich sein, dass ihr nicht erschreckt, wenn ihr von solchem großen Zorn Gottes erinnert werdet, sofern ihr anders noch bei Verstand seid?
Redet: Zu uns Propheten und droht euch euer endliches Verderben.
Nach Luther: Das ist, ich muss wohl predigen, eure Sünde strafen und Gottes Zorn euch ankündigen, Gott heißt mich es und ihr seid die Ursache mit eurem bösen Wesen.
Weissagen: Wie könnten wir es unterlassen, dass wir euch die künftigen Strafen nicht verkündigen sollten und vor so großer Gefahr warnen, sofern wir anders nicht an der Verdammnis eurer Seelen und an allem Unglück, das euch treffen wird, wollen schuldig sein? (Denn wenn Gott dem Gottlosen sagt, er müsse des Todes sterben, der Kirchendiener aber ihm solches nicht anzeigt, so wird zwar der Gottlose in seinen Sünden sterben, aber sein Blut will Gott von des Kirchendieners Hand fordern [Hes 3; 33]. Sollen deswegen die widerspenstigen Zuhörer der Kirchendiener Schelten und Strafpredigten nicht den Kirchendienern, sondern sich selbst zumessen. Denn wenn der Kranke mit Essen und Trinken sich nicht recht halten will, so muss der Arzt auch desto herber Mittel zur Arznei vor die Hand nehmen).

Luther Studienbibel (2025) – Erklärungen

3:7 Diese Klammerbemerkung unterbricht, unterstreicht aber gleichzeitig Amos‘ Aussage, dass Gott souverän ist und tut, was er will: Deshalb war das Gericht über Israel sicher.
3:8 Zwei weitere rhetorische Fragen vervollständigen die Gruppe von neun (V. 3–6). Es würde Israel nichts nützen, Prophezeiungen zu verbieten (2:12; 7:13, 16); der wahre Prophet muss prophezeien, genauso sicher wie Gottes Gericht kommen muss.

The Nelson Study Bible

Diese Verse sind das Fazit der vorherigen Fragen. Der Herr ist derjenige, der das Urteil fällt, und hat dem Propheten, der Gottes Wort verkünden muss, gnädig sein Geheimnis (seinen Plan oder sein Vorhaben) gezeigt. Dass Gott die Warnung vor dem Urteil durch seinen Diener ausspricht, ist schon ein Zeichen seiner Gnade, die zur Umkehr führen soll (Röm 2,4).

The Reformation Heritage KJV Study Bible

Gott ruft nicht alle dazu auf, Propheten zu sein, aber er ruft uns alle dazu auf, eine enge Beziehung zu ihm zu haben. Wir können dem Herrn so nah kommen, dass er uns seine intimsten Geheimnisse anvertraut. Ihm nahe zu sein, ist eine Entscheidung. Jeder von uns ist dem Herrn so nah, wie er selbst es möchte. Er bittet uns, ihn zu suchen und uns ihm zu nähern, damit er sich uns nähern kann (Jakobus 4,8). Er hat den Vorhang für uns zerrissen, damit wir jederzeit mutig vor seinen Thron treten können (Hebräer 4,16). Wir brauchen Kraft, aber wir dürfen nicht vergessen, dass er uns sogar seine Kraft gibt, um uns näher zu ihm zu bringen. Gott muss das nicht tun, aber seine Propheten sind seine Freunde, und er will nichts tun, ohne sie mit einzubeziehen. Das Ziel der Unterweisung ist Liebe aus reinem Herzen, gutem Gewissen und ungefälschtem Glauben (1. Timotheus 1,5).

The Revival Study Bible

So lieb hat Gott sein Volk, daß er nichts (wörtl. »kein Ding«!) tut, das er ihm nicht zuvor gesagt hat (Ps 103,7). So voll Vertrauen und Barmherzigkeit ist Gott zum Menschen. Erst recht bringt Gott das Gericht nicht ungewarnt über sein Volk! Er läßt zuvor die Erde knarren (2,13), er gibt Vorzeichen: Die Lilien auf dem Feld zeigen Gottes Fürsorge (Mt 6,28); wie das Erntefeld die nahe Ernte zeigt, so gibt es auch Vorzeichen Z.B. Jesu Wiederkunft und das Gericht (Joh 4,35). Gott enthüllt sein Geheimnis: wörtlich: »er offenbart seine Zwiesprache« – Gott zieht uns über seine Propheten ins Vertrauen (Jer 23,18.22; vgl. 1Mo 49,6; Ps 55,15; Jer 6,11; Hes 13,9; beachte Spr 11,13; 20,19); »von Mund zu Mund« sprach Gott mit Mose (4Mo 12,8) und den Propheten offenbart er sich ebenso mit seinem Wort.
[8] Ein Grundgedanke aller Offenbarung ist die Verkündigung des Willens Gottes, ein anderer ist das Angebot der Vergebung, ein dritter die Ankündigung des Gerichtes denen, die seine Liebe ablehnen. Das Gericht haben wir zu fürchten. Gott erzieht auch durch die Angst vor dem Gericht. Es gibt eine heilsame Angst (Hes 33,1–5).
Ein wesentliches Kennzeichnen für echte Verkündigung ist der Hinweis auf den heiligen Ernst des Willens Gottes, auf das Gericht (Jer 28,8f; vgl. Jesu Weherufe Mt 11,2; Offb 2,23; Lk 23,28ff). Der Prophet muß sprechen. Ein Zwang liegt auf ihm, Gottes Wort weiterzusagen’d: Gottes Reden ist wie ein Löwengebrüll. Der Knecht ist auch der hohe königliche Beamte, der Vertraute (Dan 10,17; 1Mo 44,32).

Holland – Wuppertaler Studienbibel