Dass aber die Toten wirklich auferweckt werden

Daß aber die Toten auferstehen, hat auch Moses angedeutet „in dem Dornbusch“, wenn er den Herrn „den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs“ nennt. (2Mose 3,6)
Elberfelder 1871 – Lukas 20,37

Aber die andere Frage, ob es überhaupt eine Auferstehung gibt, wird schon von Mose beantwortet. Er beschreibt, wie Gott ihm im brennenden Dornbusch erschien, und er nennt ihn den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. 2. Mose 3,6
Hoffnung für alle – 1996 – Lukas 20:37

Dass aber die Toten wirklich auferweckt werden, hat auch Mose in der Erzählung vom Dornbusch klar zum Ausdruck gebracht; denn er nennt den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs.
Johannes Greber 1936 – Das Neue Testament aus dem Griechischen neu übersetzt – Lk 20,37

Da wir den folgenden Vers schon einmal hatten, hier nur „Ergänzungen“ – also bitte auch den Kommentar zu Vers 38 lesen 😉

ὅτι dass. ἐγείρονται Pass. ἐγείρω. καί (erstes) auch, schon. ἐ-μήνυσεν Aor. μηνύω kundtun, anzeigen. βάτος ἡ u. ὁ Dornbusch; ἐπὶ τῆς βάτου bei (der Geschichte von) dem Dornbusch. λέγω m. doppeltem Akk. (A97,15) nennen; hist. Präs. (A235); ὡς λέγει κύριον τὸν θεὸν Ἀβραάμ … als er den Herrn den Gott Abrahams … nannte. Ἀβραάμ indekl., hier Gen., ebenso die beiden flgd. Namen. Ἰσαάκ 3,34. Ἰακώβ 1,33.

2007 – Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Um die Auferstehung zu beweisen, zitierte Jesus 2. Mose 3,6 (wo »Mose … den Herrn« als »den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs« bezeichnet). Wenn nun die Sadduzäer einen Augenblick lang nachgedacht hätten, hätten sie erkannt:

Gott »ist nicht der Gott der Toten, sondern der Lebenden«;
Abraham, Isaak und Jakob waren tot. Die unumgängliche Schlussfolgerung lautet, dass Gott sie aus den Toten auferwecken muss. Der Herr sagte nicht: »Ich war der Gott Abrahams …«, sondern: »Ich bin der Gott Abrahams. Das Wesen Gottes als ein Gott der Lebenden erfordert die Auferstehung.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

    Mit Vers 37 wendet sich Jesus dem grundsätzlichen Zweifel zu, ob es denn überhaupt eine Auferstehung gäbe. Er löst diesen Zweifel nicht durch logische oder philosophische Darlegungen, sondern durch den Rückgriff auf die Bibel. Und er setzt exakt bei jenem Teil der Bibel ein, den die Sadduzäer am höchsten schätzten, nämlich bei den Mosebüchern:

    »Dass aber die Toten auferstehen, hat auch Mose beim Dornbusch deutlich werden lassen, wenn er den Herrn den Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs nennt« (V. 37). Der Satz »die Toten stehen auf« ist ein klassischer biblischer Lehrsatz. Jesus hätte ihn aus Jes 26,19 oder Hes 37 oder Dan 12,2 entnehmen können. Aber aus Liebe zu den Sadduzäern, die alles auf Mose stützen wollen, geht er mit seinem Schriftbeweis zu Mose zurück. Er nimmt die berühmte, jedem jüdischen Kind geläufige Szene vom »Dornbusch« aus 2 Mo 3, wo Gott sich selbst als »der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs« vorstellt (2 Mo 3,6). Weil Gott dort außerdem dem Mose befiehlt, ihn unter diesem Namen den Israeliten bekanntzumachen (2 Mo 3,15ff.), zieht Jesus alle diese Aussagen von 2 Mo 3 in dem einen Satz zusammen: »Er (Mose) nennt den Herrn den Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs«. Manche Bibelübersetzungen sagen, Mose habe dies beim Dornbusch »angedeutet«. Aber das entsprechende griechische Wort heißt nicht »andeuten«, sondern »kundtun«, »aufdecken«, so dass man hier mit »deutlich werden lassen« oder »offenbaren« übersetzen muss.

    In der christlichen Geschichte hat diese Gottesbezeichnung eine erhebliche Rolle gespielt. Ein Beispiel dafür ist das Glaubensbekenntnis des berühmten französischen Philosophen Blaise Pascal: »Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Nicht der Philosophen Gott«. In der Tat beten wir als Christen keinen Gedanken -Gott an, sondern einen Gott, der real die Geschichte lenkt und in die Menschheitsgeschichte eingreift. Man kann ihn nicht aus menschlichen Gedanken (der Philosophie u. ä.) ableiten, sondern nur in der Geschichte erfahren und ihn durch seine Offenbarung kennen lernen.

    Gerhard Maier – Edition C

    In seiner Argumentation gegen die Sadduzäer berief sich Christus zunächst auf die Macht Gottes. Was Gott wirken würde, war etwas ganz anderes, als sie sich vorstellten: nicht eine bloße Wiedererweckung, sondern eine Verwandlung. Die kommende Welt sollte nicht eine Reproduktion dessen sein, was vergangen war – warum hätte sie sonst vergehen sollen -, sondern eine Erneuerung und Erneuerung; und der Leib, mit dem wir bekleidet werden sollten, würde dem gleichen, den die Engel tragen. Was also in unseren gegenwärtigen Beziehungen von der Erde und von unserem gegenwärtigen Körper der Sünde und der Verderbnis ist, wird vergehen; was darin ewig ist, wird fortbestehen. Aber die Macht Gottes wird alles verwandeln – den gegenwärtigen irdischen in den zukünftigen himmlischen Leib, den Leib der Erniedrigung in einen der Erhöhung. Dies wird die Vervollkommnung aller Dinge durch jene allmächtige Kraft sein, durch die er sich am Tag seiner Macht alles unterwerfen wird, wenn der Tod vom Sieg verschlungen sein wird. Und hierin besteht auch die Würde des Menschen kraft der eingeleiteten und gleichsam beim Sündenfall begonnenen Erlösung, dass der Mensch zu einer solchen Erneuerung und Vollendung fähig ist – und hierin liegt auch „die Kraft Gottes“, dass er uns mit Christus lebendig gemacht hat, so dass die Kirche schon hier in der Taufe in Christus den Keim der Auferstehung empfängt, der nachher durch den Glauben genährt und gespeist werden soll, indem der Gläubige am Sakrament der Gemeinschaft mit seinem Leib und Blut teilnimmt. Auch sollen hier nicht Fragen auftauchen wie dunkle Wolken, etwa nach der Dauerhaftigkeit jener Beziehungen, die uns auf Erden nicht nur so kostbar, sondern auch so heilig sind. Gewiss, sie werden bestehen bleiben, wie alles, was von Gott und gut ist; nur das Irdische in ihnen wird vergehen oder vielmehr mit dem Leib verwandelt werden. Nein, und wir werden uns auch gegenseitig erkennen, nicht nur an der Gemeinschaft der Seele; sondern wie jetzt schon der Geist den Zügen seinen Stempel aufdrückt, so wird dann, wenn alles ganz wahr ist, die Seele gleichsam mit ihrem Körper hervortreten und sich voll auf die äußere Erscheinung auswirken, und wir werden dann zum ersten Mal diejenigen voll erkennen, die wir jetzt voll erkennen werden – mit allem Irdischen, das in ihnen zurückgeblieben war, und mit allem Göttlichen und Guten, das voll entwickelt und zur Vollkommenheit der Schönheit gereift ist.

    Aber es genügte nicht, den fadenscheinigen Vorwurf beiseite zu schieben, der nur unter der Annahme einer grob materialistischen Auffassung von der Auferstehung Bedeutung hatte. Unser Herr wollte nicht nur antworten, er wollte den Sadduzäern antworten; und nie ist ein großartigerer oder edlerer Beweis für die Auferstehung angeboten worden als der, den er gab. Natürlich blieb Er, als Er zu den Sadduzäern sprach, auf dem Boden des Pentateuch; und doch berief Er sich nicht nur auf das Gesetz, sondern auf die ganze Bibel, ja, auf das, was der Offenbarung selbst zugrunde lag: die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Nicht nur diese oder jene isolierte Stelle beweist die Auferstehung; derjenige, der sich nicht nur historisch, sondern im wahrsten Sinne des Wortes der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nennt, kann sie nicht tot lassen. Die Offenbarung bedeutet nicht nur eine Tatsache der Vergangenheit – wie die Vorstellung, die der Traditionalismus damit verbindet -, einen toten Buchstaben, sondern eine lebendige Beziehung. Er ist nicht der Gott der Toten, sondern der Lebenden, denn alle leben für ihn.

    Aldred Edersheim – Das Leben und die Zeiten von Jesus dem Gesalbten

    In Seiner unendlichen Weisheit korrigierte der Herr Jesus vier Irrtümer der Sadduzäer. Sie irrten sich in ihrer Deutung des Auferstehungslebens; denn obwohl die Ehe in dieser Welt zur normalen Ordnung gehört, wird sie in der Auferstehung nicht weiterbestehen: sie „heiraten nicht, noch werden sie verheiratet“. Er korrigierte ihren Unglauben an die Macht Gottes, der die Toten auferwecken kann. Er korrigierte auch ihre Weigerung, an Engel zu glauben, als Er sagte: „Denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind Engeln gleich, und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.“ Er bezieht sich nur auf solche, die im Glauben gestorben sind und spricht daher von der „Auferstehung aus den Toten“, nicht „der Toten“, das heißt der gottlos Verstorbenen. So lehrt der Herr noch nebenbei, daß Engel wirklich und unsterblich sind und daß sie nicht heiraten. Es findet sich hierin kein Hinweis darauf, daß im Himmel die Familienbeziehungen aufgelöst würden. Es ist vielmehr so, daß erst im Himmel ungetrübte Beziehungen und ungeteilte Hingabe auf ewig bestehen werden.
     Und dann legte der Herr eine der in den Synagogen am häufigsten zitierten Stellen des AT korrekt aus: „Und er sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ (2Mo 3,6). Die Worte, die Gott an Moses aus dem brennenden Busch richtete, wurden mehrere hundert Jahre nach dem Tod der Erzväter gesprochen, und doch sagt Gott nicht: „Ich war der Gott Abrahams“, denn Er offenbart Moses die Bedeutung des unumschränkten „Ich bin“. Tote Dinge können einen Schöpfer haben, aber nur lebendige Menschen können den lebendigen Gott kennen. „Ich bin der Gott Abrahams“ bedeutet: „Ich bin sein Gott heute“, und das bedeutet, daß Abraham noch immer lebt, nicht dem Leibe nach, aber als der Geist eines Gerechten. Er lebt mit Gott und erwartet den Tag, da „die Geister der Gerechten“ in der Auferstehung „vollendet“ werden sollen (Hebräer 12,23). Nur Lukas fügt hinzu: „Denn für ihn leben alle“, das heißt, sie leben im Blick auf Gott. In unserer Welt sind sie tot, aber sie leben in Gottes Regionen des Lebens.

    Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt