Ich laufe daher also, nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe also, nicht wie einer, der die Luft schlägt;
Elberfelder 1871 – 1.Korinther 9,26
Darum laufe ich wie einer, der das Ziel erreichen will. Darum kämpfe ich wie ein Faustkämpfer, der nicht danebenschlägt.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Korinther 9:26
Für mich gibt es daher nur eins: Ich laufe wie ein Läufer, der das Ziel nicht aus den Augen verliert, und kämpfe wie ein Boxer, dessen Schläge nicht ins Leere gehen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Kor 9,26
Deshalb laufe ich für meinen Teil nicht so wie im Geheimen um die Wette; ich bin nicht wie ein Boxkämpfer, der die Luft verprügelt;
Andreas Eichberger – Gottes Agenda – 1.Kor 9:26

Der Apostel Paulus vergleicht die moralischen Kämpfe mit den im antiken Griechenland so berühmten sportlichen Wettkämpfen. Er sagt, dass jeder, der an diesen Kämpfen teilnimmt, in allen Dingen enthaltsam ist. Zehn Monate harten Trainings waren erforderlich. Disziplin in allen Dingen war das Wichtigste. Man konnte nicht einen Tag ausruhen. Sonst würde ein Rivale die Führung übernehmen.
CMV-Materialsammlung
Aber die Kandidaten beklagten sich nicht Tag für Tag, was für ein schweres Los sie doch gezogen hatten. Sie hatten sich schließlich selbst für die Teilnahme an den Wettkämpfen entschlossen. Sie sprachen von dem Preis, den sie gewinnen wollten. Sie sprachen von gewissen Vorteilen, die sie sich durch den Sieg verschaffen würden. Enthaltsamkeit wird leicht und aufregend, wenn wir auf den Siegeskranz sehen – nicht auf den vergänglichen, sondern auf den unvergänglichen.
Paulus bleibt darum auch bei der ganz allgemeinen Aussage: „in jeder Hinsicht enthaltsam“. Was je den einzelnen Christen in seinem Lauf aufzuhalten oder zu hemmen droht, das kann sehr verschieden sein. Was dem einen nichts ausmacht, kann dem andern zur ernstlichen Gefahr werden. Es gibt hier keine allgemeinen Regeln. Aber es muß jeder Christ mit tiefem Ernst und entschlossener Klarheit darauf achten, was gerade ihn am Erreichen des Zieles hindern will. Das muß gelassen werden, wie „harmlos“ oder „wertvoll“ es an sich sein mag.
de Boor – Wuppertaler Studienbibel
Dieser Verzicht ist freilich keine Spielerei. Paulus zeigt das an seinem eigenen Leben. „Ich meinerseits laufe demnach so, nicht wie aufs Ungewisse.“ Das Wort, das Paulus benutzt, heißt eigentlich „auf undeutliche Weise“. Er läuft nicht so, daß man nicht klar erkennen könnte, wohin sein Lauf eigentlich geht. Er gleicht nicht einem Boxer, der ziellos „die Luft schlägt“. Alles ist in seinem Leben gesammelt und zielbestimmt. Bei den Korinthern sah er jene Zweideutigkeit und Halbheit, die unser Christsein heute auch verdirbt. Der Blick geht auf zwei Ziele zugleich. Wohl will man die Ewigkeit nicht verlieren, aber das Verlangen und der Einsatz gilt gleichzeitig und vor allem dem irdischen Gedeihen. Wer aber gleichzeitig nach zwei Zielen läuft, dessen Lauf wird notwendig „undeutlich“, „ungewiß“. Man sieht dem Christen nicht mehr an, wohin er eigentlich läuft. In seinem Kampf schlägt er nicht mehr mit hartem Ernst zu; er sieht nicht mehr den Feind, der ihn ums Leben bringen will; so kämpft der Christ wohl noch, aber oft genug „wie einer, der die Luft schlägt“.
Der Apostel kennt das Ziel seines Lebens und Dienstes. Paulus gebraucht das Bild des Läufers, der auf das Ziel ausgerichtet läuft. So läuft auch er nicht »als aufs Ungewisse«. Sein Ziel ist die ewige Seligkeit, die vollendete Gemeinschaft mit Christus. An all seinem Tun wird das erkennbar, daß er diesem Ziel zustrebt. Er lebt nicht so, daß »unerkennbar« bleibt (so wörtlich), was sein Leben bestimmt. Und das verdeutlicht sein zweites Beispiel vom »Faustkämpfer«. Er führt um dieses Zieles willen einen Kampf, und zwar gegen den eigenen Leib. »Ich schlage meinen Leib (gezielt) unters Auge und versklave ihn«, schreibt Paulus wörtlich. Das sind wahrlich keine »Schläge in die Luft«. Hier meldet sich nicht die Leibfeindlichkeit und Leibabwertung der griechischen Philosophie zu Wort. Der Apostel bleibt ja bei dem Bild eines Wettkämpfers, der einen trainierten Körper will. Aber eben den erlangt er nur durch harte Übung und Verzicht auf Verweichlichung. Paulus bezieht das auf sich. Sein Verzicht auf Unterhalt, seine handwerkliche Arbeit, sein Verzicht auf Wohlleben, sein rastloses Unterwegssein, das alles trifft seinen Leib, weist ihm seinen Ort als Werkzeug zu und bewahrt so den Apostel vor den Gefahren des Müßiggangs, Wohllebens und der Verweichlichung, die allzuoft den »Lauf« aufhalten. Paulus lebt nicht in einer Verdienst-, sondern in einer Dienstaskese.
Edition C Bibelkommentar Neues Testament
Er, der er doch »Heroldsdienst tut«, will nicht so predigen, daß er Christus anderen predigt und selbst »unbewährt wird«. »Verwerflich« ist als Übersetzung des Griechischen mißverständlich, denn es geht nicht um ein moralisches Urteil. Vielmehr erschrickt Paulus vor der Möglichkeit, andere als Herold in die Nachfolge und damit in den Kampf zu rufen und selbst zu erliegen, ja untüchtig und unbrauchbar zu werden. Das sind deutliche Worte gegen die so sicher gewordenen Starken in Korinth. Sie sollen – dem Vorbild des Apostels entsprechend – aus ihrer sich selbst betrügenden Glaubenssicherheit wieder aufwachen und mit ganzem Einsatz laufen »in dem Kampf, der uns verordnet ist« (Hebr 12,1).
Man beachte, daß „nicht wie aufs Ungewisse“ bedeutet, daß Paulus Gewißheit hat. Er weiß, wohin er geht. Er hat seinen Weg nicht verloren. Noch einmal: „Nicht wie einer, der die Luft schlägt“ bedeutet, daß er seinen Gegner nicht verfehlt, sondern seine Schläge so landet, daß sie am meisten bewirken. Läufer und Boxer können es sich nicht leisten, Zeit und Energie zu vergeuden. Die Kürze der Zeit, die für ein Rennen oder einen Boxkampf zur Verfügung steht, lehrt uns, wie nötig es ist, die Zeit auszukaufen und sie so effektiv wie möglich für die Sache des Christus einzusetzen. Wir sollten diese Dinge zu Herzen nehmen. Wie viel Zeit können wir auf der Reise vergeuden. „Nur das, was für Christus getan wurde, wird bleiben.“ Das Leben muß einen Zweck haben. Wie viele Christen haben den Weg verloren? Jedes Wort und jede Handlung soll für Christus und Seine Sache effektiv gemacht werden. Nun wird Paulus uns sagen, daß er selbst die Zielscheibe ist.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
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