Ich muss die Nachricht, dass eine neue Zeit begonnen hat, noch überall weitererzählen.

Er aber sprach zu ihnen: Ich muß auch den anderen Städten das Evangelium vom Reiche Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt worden.
Elberfelder 1871 – Lukas 4,43

Aber er sagte zu ihnen: »Ich muss auch den anderen Städten die Botschaft vom Reich Gottes verkünden, denn dazu bin ich gesandt worden.«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Lukas 4:43

Aber er sagte zu ihnen: „Auch den anderen Städten muss ich die gute Botschaft vom Königreich Gottes sagen, weil ich dazu gesandt bin.“
Jantzen & Jettel – Lk 4,43

Der erklärte ihnen jedoch: „Es tut not, dass ich auch den anderen Städten gute Nachricht bringe; denn dafür bin ich einmal entsandt worden.“
Gottes Agenda – Lk 4:43

Am nächsten Tag zog Jesus sich »an einen einsamen Ort« in der Nähe von Kapernaum zurück. »Die Volksmengen suchten ihn«, bis sie ihn fanden. Sie drängten ihn, nicht zu gehen. »Er aber« erinnerte sie daran, dass er in »den anderen Städten« Galiläas noch eine Aufgabe hatte. So ging er von Synagoge zu Synagoge und »predigte« die Gute Nachricht »vom Reich Gottes«. Jesus selbst war der König. Er wollte die Angehörigen des Volkes gern regieren, doch vorher mussten sie sich bekehren. Er wollte nicht über Menschen herrschen, die an ihren Sünden festhielten. Das war das Hindernis: Sie wollten sich zwar von ihren politischen Problemen erlösen lassen, doch nicht von ihren Sünden.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Jesus sagte den Menschen, daß er einen Auftrag erfüllen mußte (vgl. V. 18): Er war zu dem gläubigen Rest des Volkes Israel gesandt worden. Die Aufnahme, die ihm in Kapernaum zuteil wurde, stand in schroffem Gegensatz zu der Aufnahme, die er in seiner Heimatstadt Nazareth fand. Die Einwohner von Kapernaum baten ihn sogar, ganz bei ihnen zu bleiben, doch er mußte auch den andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes.
Jesu eigentliche Aufgabe war es, das Gottesreich zu verkündigen, nicht, Kranke zu heilen. Er half den Menschen zwar auch, weil er Mitleid mit ihnen hatte, doch in der Regel war seine Tätigkeit als Wunderheiler lediglich eine Bestätigung seines Wirkens als Prediger (vgl. Mt 11,2-6). Unter diesem Aspekt ist sicherlich auch die Angabe zu verstehen, daß er in den Synagogen Judäas predigte. „Judäa“ (Ioudaias) bezieht sich wahrscheinlich auf das ganze Volk (das Land der Juden), nicht nur auf das Südreich. Lukas hebt hervor, daß Jesus überall, wo er hinkam, lehrte, daß er der Messias sei, der gekommen war, um das Gnadenjahr Gottes zu verkündigen (Lk 4,18-19).
Lukas

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Gewöhnlich ist es Lukas, der uns berichtet, wie der Herr betete, hier aber sagt uns Markus, daß Er an einen abgeschiedenen Ort ging, um zu beten (Mk 1,35). Lukas erzählt, wie das Volk sich in Scharen an Seine Fersen hängte und Ihm kaum Zeit für Gebet und Rast gönnte. Sie wollten Ihn nötigen, bei ihnen zu bleiben. Aber Er mußte ihnen antworten, daß Er „auch den anderen Städten das Evangelium verkündigen“ müsse, weil Er ja dazu gesandt war. Für „gesandt“ steht ein passiver Aorist von apostello, was bedeutet, daß man als besonderer Repräsentant gesandt ist. Er war wahrlich der Gesandte Gottes.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Warum? Ganz einfach, weil sie zu seinem Königreich gehören. Das Reich Gottes ist eines der großen Themen von Lukas. Er berichtet, dass Jesus (nach meiner Zählung) dreißigmal vom Reich Gottes spricht und es ankündigt: »Ich muss«, sagt er zu seinen Jüngern, »auch den andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt« (Lk 4,43, Hervorhebung hinzugefügt). Das Reich Gottes war das, was er durch seine Wunder offenbarte. Die Menschen, die sich versammelt hatten, um die Feldrede zu hören, waren gekommen, »ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden« (6,18). Diese Heilungen waren ein Vorgeschmack auf das ewige Reich Jesu Christi – einen Ort, an dem alles, was in diesem Leben falsch ist, in Ordnung gebracht werden wird. Durch seinen Tod und seine Auferstehung öffnete er die Tür zu diesem Reich. Als der Schächer am Kreuz neben dem Herrn erkannte, wer Jesus war und worüber er herrschte, bat er ihn: »Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!« (23,42). Es handelt sich um ein ewiges Reich, das eines Tages in seiner ganzen Fülle kommen wird, das aber schon jetzt in dieser Welt existiert, wo immer seine Untertanen leben (vgl. 17,20–21).

Begg – Das Jesus-Manifest: Authentisch Christ sein im 21. Jahrhundert

Deutlich und liebevoll erklärt Jesus, weshalb er Kapernaum jetzt verlassen muss: »Auch den andern Städten muss ich die frohe Botschaft vom Reich Gottes bringen, denn dazu bin ich gesandt« (V. 43). Keine menschliche Sympathie, kein Erfolgserlebnis kann ihn in Kapernaum festhalten. Als Messias gehört er ganz Israel. Bestimmend für sein Leben ist das göttliche »Muss«, das sich aus dem Heilsplan Gottes ergibt. Aber was er »muss« tut Jesus gern (Joh 4,34). Wozu er »gesandt« ist, weiß er a) aus der Heiligen Schrift, und b) aus dem Gebet, das die Menge ja nicht liebt. Als Inhalt seiner Verkündigung bezeichnet Jesus »die frohe Botschaft vom Reich Gottes«, wörtlich: »das Reich Gottes evangelistisch verkündigen«. Kein Wort von dem, was heute auf christlichen Konferenzen als Thema der Mission verkündigt wird: Befreiung der Völker, bewaffneter Kampf gegen die Unterdrücker, Parteinahme für die Armen, revolutionäre Umverteilung von Macht und Besitz. Jesus hat eine ganz andere Stoßrichtung: die Menschen aus der Verdammnis des ewigen Gerichts zu befreien, sie zu Kindern Gottes zu machen und zu Teilnehmern am ewigen Gottesreich. »Frohe Botschaft« ist seine Verkündigung, weil sie die Chance eröffnet, an diesem ewigen Gottesreich teilzunehmen und das ewige Leben mitsamt der Erlösung zu empfangen. Und nicht um ein irdisches »Reich«, um irdische Herrschaftsverhältnisse geht es, sondern um »Gottes Reich«, das »ohne Zutun von Menschenhänden« kommt (Dan 2,45). Jesus ist ein Messias des Worts, nicht der Waffen.

Gerhard Maier – Edition C

Früh am nächsten Morgen ging Jeschua allein los, um zu beten. Er suchte eine Zeit der Einsamkeit, eine Zeit weg von den Menschenmassen und doch eine Zeit mit dem Vater, um sich auf die nächste Phase seines Dienstes vorzubereiten (Markus 1,35; Lukas 4,42). Als die Apostel ihn fanden, teilte er ihnen mit, dass er nicht in Kapernaum bleiben würde, sondern von Stadt zu Stadt gehen würde, um die gute Nachricht vom Königreich zu verkünden (Markus 1,38; Lukas 4,43). Dies würde Jeschuas zweite große Predigttour sein. Die Evangelienberichte fahren fort, den Ort, den Inhalt und die Beglaubigung seines Dienstes zu beschreiben. Was den Ort betrifft, so verbrachte er hauptsächlich Zeit damit, in ihren Synagogen zu lehren (Matthäus 4:23; Lukas 4:44). Was den Inhalt betrifft, so predigte er das Evangelium [oder die gute Nachricht] des Königreichs (Matthäus 4:23). Zu dieser Zeit war das Evangelium, das er verkündete, nicht, dass er für ihre Sünden gestorben, begraben und auferstanden war, denn diese Ereignisse hatten noch nicht stattgefunden. Wie bereits erwähnt, war der Inhalt der guten Nachricht nicht immer derselbe, sondern musste durch den Kontext bestimmt werden, und das Evangelium in diesem Kontext war die gute Nachricht vom Königreich und die Tatsache, dass Er der messianische König war. Wenn sie Ihn als den Messias annehmen würden, könnten sie das Königreich in ihrer Zeit aufrichten. Was die Beglaubigung betrifft, so beglaubigte er seine Botschaft, indem er alle Arten von Krankheiten heilte (Matthäus 4,23) und Dämonen austrieb (Markus 1,39).

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Wir beginnen mit Jesu eigenem Wirken. In jedem der ersten drei Evangelien befasst sich Jesu öffentliches Wirken mit der Verkündigung des „Reiches Gottes“ („Herrschaft Gottes“) oder, in der Variante im Matthäusevangelium, des „Reiches der Himmel“ (Mk 1,15 ist offensichtlich als zusammenfassende Aussage der Verkündigung Jesu gedacht; siehe auch Mt 4,23; 9,35; Lk 4,43; 8,1).

Im vierten Evangelium spricht Jesus mit Ausnahme von Kapitel 3 (in dem von der Begegnung Jesu mit Nikodemus berichtet wird) und Kapitel 18 (in dem der Dialog zwischen Jesus und Pilatus wiedergegeben wird) nie über das Reich Gottes. Während die synoptischen Evangelien sicherlich Recht haben, wenn sie Jesus über das Reich Gottes sprechen lassen, ist für das vierte Evangelium Jesus die Verkörperung des Reiches Gottes. Deshalb ist die symbolische Sprache der Synoptiker („wie das Himmelreich“) zur „Ich bin“-Sprache des vierten Evangeliums geworden. Alle Evangelien enthalten theologische Überlegungen, aber diese Überlegungen sind in der Sprache, die Jesus im vierten Evangelium verwendet, noch deutlicher.

Jesus beschäftigte sich nicht nur mit dem Reich Gottes, aber es gab besondere Aspekte in seiner Verkündigung, die wir in den zeitgenössischen jüdischen Schriften, die sich mit demselben Thema beschäftigen, nicht finden. Die Vorstellung vom Reich Gottes hat ihre Wurzeln im jüdischen Glauben an die Herrschaft Gottes über die gesamte Schöpfung (Psalm 98). Im Judentum der Zeit vom Beginn des zweiten Jahrhunderts V. CHR. bis zum Beginn des zweiten Jahrhunderts N. CHR. bekam dieser traditionelle Glaube einen neuen Schwerpunkt. Angesichts des Unglücks und der Niederlagen Israels unter einer fremden Macht nach der anderen konzentrierte sich der Glaube an Gottes Reich auf die Zeit, in der sich Gottes Macht nicht nur gegenüber Israel, sondern auch gegenüber allen fremden Nationen, die Israel unterdrückten, zeigen würde. Außerdem kamen viele Juden zu der Überzeugung, dass die gegenwärtige Ordnung der Geschichte nicht mehr zu retten sei und dass der Tag, an dem sich Gottes Herrschaft endgültig manifestieren würde, der letzte Tag der Menschheitsgeschichte sein würde. Darauf würde ein neues Zeitalter folgen, in dem Israel gegen alle Mächte des Bösen und der Unterdrückung gerechtfertigt würde und in dem Gottes göttliche Ordnung über alle Menschen und die gesamte Schöpfung errichtet würde. Bibelwissenschaftler/innen und Theolog/innen bezeichnen dies als die „eschatologische“ Dimension des Reiches Gottes. (Der Begriff kommt von den griechischen Wörtern logos, „Wort“ oder „Begriff“, und eschaton, „Ende“).
Aus jüdischen Dokumenten dieser Zeit – wie dem 1. Henoch (etwa zeitgleich mit Jesus) und dem Testament des Mose (das wahrscheinlich um 170 V. CHR. vor dem Makkabäeraufstand geschrieben und irgendwann zwischen 7 und 30 N. CHR. überarbeitet wurde) – wissen wir, dass diese Lehre über Gottes kommendes Reich in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts ein zentraler Bestandteil des jüdischen Glaubens war. Sicherlich gab es innerhalb dieses allgemeinen Glaubens verschiedene Varianten. Aber diese Hoffnung auf Gottes Herrschaft zu verstehen, ist unerlässlich für das Verständnis der Predigt Jesu und die Praxis seines Dienstes.

Frederick J. Cwiekowski – Die Anfänge der Kirche