Darum liebe ich deine Gebote mehr als Gold und gediegenes Gold;
Elberfelder 1871 – Psalm 119,127
Aus diesem Grunde (Weil so viele das Gesetz übertreten und deshalb die Gefahr besteht, daß es dahinfalle.) lieb ich deine Gebote / Mehr als Gold und gediegen Gold.
Ludwig Albrecht – Psalm 119:127
Darum liebe ich deine Gebote mehr als Gold und Edelsteine. (Hebr.: mehr als Gold und Feingold.)
Allioli Bibel – Ps 118,127

Die Begriffe תוּד עֵ („Zeugnis“) und קֹח („Satzung“) werden an anderer Stelle verwendet, um sich auf bestimmte Bestimmungen im Gesetzesmaterial des Pentateuch zu beziehen, wie zum Beispiel in Deuteronomium 4:45: „Dies sind die Zeugnisse (עֵדֹת), die Satzungen (חֻקִּים) und die Regeln, die Mose zum Volk Israel sprach“ (ESV). Der Psalmist drückt damit seine Freude über die Bestimmungen des Gesetzes aus. An anderer Stelle sagt der Psalmist: „Wie sehr freue ich mich über deine Gebote! Wie sehr liebe ich sie!“ (Ps. 119:47 NLT) und „Wahrlich, ich liebe deine Gebote mehr als Gold, sogar das feinste Gold“ (Ps. 119:127 NLT). Zumindest für den Verfasser von Psalm 119 waren das Gesetz und seine Vorschriften keine lästige Bürde, sondern ein wunderbares Geschenk Gottes. Das deutet darauf hin, dass das gängige Verständnis des Gesetzes als schwere legalistische Last überdacht werden sollte.
Peter T. Vogt – Die Auslegung des Pentateuch – Ein exegetisches Handbuch
Der Abschnitt V 125–128 steigert die Bitten des vorangehenden Abschnitts. Als »Knecht« JHWHs möchte der Beter eine tiefe Einsicht in die Willensoffenbarung JHWHs (V 125). Vor allem aber setzt er JHWH buchstäblich unter Zeitdruck: Angesichts des vielfältigen öffentlichen Rechtsbruchs (V 126 nimmt die übliche Formulierung vom »Bundesbruch« auf und ersetzt ihn durch »Torabruch«) ist es höchste Zeit, dass JHWH eingreift. Der Missachtung der Tora durch die Rechtsbrecher setzt der Beter seine Hochschätzung und Liebe der Gebote JHWHs entgegen: Sie sind für ihn kostbarer und begehrenswerter als Gold und Feingold (vgl. Ps 19,11; Spr 8,10f.18f.), wobei hier nicht nur an das »Rohmaterial« Gold gedacht sein dürfte, sondern auch an die aus Gold hergestellten oder mit Gold überzogenen Kunstwerke und Schmuckstücke. Für den Beter sind die Gebote JHWHs »sein« Gold, an dem sein Herz hängt, sie sind sein Reichtum und das Objekt seines leidenschaftlichen Begehrens. Er liebt die Lauterkeit und die Geradheit der Tora (V 128a) und hasst alle Pfade der Lüge und des Trugs (V 128b).
Zenger – Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament
Der Herr hat gelehrt, dass die Liebe bei den Vielen erkalten wird, wenn sie sehen, wie die Gesetzlosigkeit überhandnimmt (Mt 24,12), David aber sagt zu Gott: »Darum liebe ich deine Gebote.« Ich liebe sie, weil Du nach Deinem Wort handelst und die Gottlosen richtest; denn Du handelst nach Deiner Gerechtigkeit. Du richtest Sünde ohne Ansehen der Person; Du schlägst die Deinen mit der Rute (Ps 89,33) und züchtigst sie, damit sie Deiner Heiligkeit teilhaftig werden (Hebr 12,10); darum liebe ich Dich – und weil ich Dich liebe, liebe ich Dein Wort; denn Dein Wort lehrt mich Deinen Willen, verrät mir Deine Absichten und enthüllt mir Dein Wesen. Dein Wille ist das ewige Leben (siehe Joh 12,50); Dein Wille ist meine Heiligung (1Thes 4,3); Dein Vorsatz ist meine ewige Herrlichkeit (Joh 17,22; Röm 8,30; 1Thes 2,12; 2Thes 2,14); Dein Wesen ist Licht und Liebe (1Jo 1,5; 4,16). Und werden Deine Gebote von den Gottlosen verachtet und von den Spöttern gelästert, dann liebe ich sie noch immer, ja, liebe ich sie erst recht.
Benedikt Peters – Die Psalmen
»mehr als Gold und gediegenes Gold«: Gottes Wort ist mir mehr als aller irdische Reichtum; denn dieser vergeht, Gottes Wort aber besteht. Vom Gold sagte Goethes Mephisto: »Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.« Der spanische Eroberer Mexikos, Hernando Cortés, ließ dem Aztekenkönig Montezuma melden: »Schickt mir Gold. Denn ich und meine Gefährten leiden an einer Krankheit des Herzens, die nur mit ihm geheilt werden kann.« Was ist denn am Gold, dass es solches Fieber auslösen kann? Es kann in dieser Welt die meisten Wünsche erfüllen. Darum bindet es auch stärker an die Welt als alles andere – aber an was für eine Welt? An eine Welt, die vergeht mitsamt ihrer Lust (1Jo 2,17), an eine Welt, die mitsamt ihren Werken in lautem Getöse untergehen wird (2Petr 3,10–12).
Der Herr ist der letzte Richter (V. 126-128). In unserer Ungeduld wollen wir manchmal, dass Gott sofort handelt und alles in Ordnung bringt, aber seine Wege und Zeiten sind nicht immer dieselben wie unsere. Glaube und Geduld gehören zusammen (Hebr. 6,12), und Gottes Verzögerungen sind keine Verweigerung Gottes. Der Tag wird kommen, an dem die Wahrheit ans Licht kommt und die Sünde gerichtet wird; in der Zwischenzeit sollten wir uns über den Reichtum freuen, den wir in Gottes Wort haben, einen Reichtum, der uns niemals genommen werden kann, anstatt uns darüber zu beklagen, was wir bezahlt oder verloren haben. Alle Gebote Gottes in Bezug auf alle Dinge sind immer richtig, so dass wir uns auf die Heilige Schrift verlassen können und die Führung haben, die wir brauchen. Wenn wir das Wort lieben, werden wir die falschen Wege der Sünder hassen und uns von ihnen fernhalten. Wir setzen nicht einmal einen Fuß auf den Weg der Gottlosen! (Spr 1,13).
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie