Familie Thomas Pape

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„Natan, ich hab richtig großen Mist gebaut! Ich bin schuldig! Ich hab Gott voll abgezogen! Das tut mir echt leid!“

Da sprach David zu Nathan: Ich habe gegen Jehova gesündigt. Und Nathan sprach zu David: So hat auch Jehova deine Sünde hinweggetan, (Eig vorübergehen lassen) du wirst nicht sterben.
Elberfelder 1871 – 2.Samuel 12,13

Da sprach David zu Natan: Ich habe gesündigt gegen den Ewigen! – Und Natan sprach zu David: So hat der Ewige deine Sünde vergeben; sterben sollst du nicht!
Die Philippson-Bibel – 2.Samuel 12:13

Dawid sprach zu Natan:
Ich habe IHM gesündigt.
Natan sprach zu Dawid:
Hat ER auch deine Versündigung vorbeischreiten lassen,
daß du nicht sterben mußt,
Buber & Rosenzweig – 2.Sam 12,13

Nathans Antwort auf all dies war eine Bombe: Du bist der Mann! Der Herr, sagte er, hatte David alles gegeben, aber er hatte sozusagen das zahme Lamm eines armen Nachbarn genommen (V. 9 ). David würde nun unter dem Schwert leiden, so wie er es mit Uria getan hatte, und Davids Frauen würden von ihm genommen, so wie Batseba dem Hetiter gestohlen worden war. Dies wurde durch Absalom (Davids eigenen Sohn!) erfüllt, als er sich zu den Konkubinen Davids legte ( 2Sam 16,22 ). Aber Davids Schande würde sogar noch größer sein, denn im Gegensatz zu Davids Sünde im geheimen, würden all diese Dinge im hellen Schein der Öffentlichkeit geschehen, im vollen Tageslicht.
Eines mag vielleicht verwundern: Warum wurde David nicht mit dem Tod bestraft, wie er selbst so streng über den schuldigen Mann geurteilt hatte? Ehebruch und Mord waren beides ausreichende Gründe für eine Hinrichtung, sogar bei einem König ( 2Mo 21,12; 3Mo 20,10 ). Die Antwort liegt sicherlich in der einmaligen und zerknirschenden Reue, die David zum Ausdruck brachte, nicht nur in der Gegenwart von Nathan, sondern noch mehr in Ps 51 .Davids Sünde war abscheulich, aber die Gnade Gottes, ihm zu vergeben und ihn wiederherzustellen, wie Nathan bezeugen konnte, war mehr als überschwenglich. Und doch, obwohl Davids Beziehung zu seinem Gott wiederhergestellt werden konnte, blieb die gewaltige Wirkung seiner Sünde und würde fortfahren, für Leid in der Nation ebenso wie im Leben des Königs zu sorgen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

David hat jetzt Gottes Wort zum ersten Mal seit seiner Sünde wieder gehört. Was er selbst nicht vermochte, nämlich seine Sünde einzusehen, eben um seiner verstockten Sicherheit willen, das vermag nun das ihm durch einen anderen Menschen gesagte Wort Gottes. David erkennt aus dem ihm verkündigten Wort Gottes und aus ihm allein seine schwere Sünde. Gott wartet lange, er läßt den gefallenen Menschen den Weg seiner Sünde voll zu Ende gehen, er läßt ihn sich verhärten und verstocken – das Wort Gottes hat seine Zeit. Dann schlägt es ein und richtet. Vers 13: „Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt wider den Herrn. Nathan sprach zu David: so hat auch der Herr deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.“ Der König David bekennt seine Sünde unter dem Wort Gottes, und weil es so ein rechtes Bekenntnis und rechte Buße ist, gibt Nathan dem David zu wissen, daß Gott ihm seine Sünde schon vergeben habe. Das: „so“ besagt, daß es das eine Wort Gottes ist, das den David richtet und freispricht. Es ist dasselbe Wort, das in die tiefste Buße und Demütigung treibt und begnadigt; denn es ist der eine Gott, der zu seinem Knecht zurückkehrt und das nur kann durchs Gericht. Gott kommt im Kreuz als der seine Kirche strafende und vergebende. Ist aber Gott wieder da, so kann David nicht sterben an seiner Sünde, sondern er lebt als vor Gott gerechtfertigter Sünder. Gott kommt in Christus zum Sünder. Weil aber Gott ein Gott ist, der die Sünde der Väter heim- | sucht an den Kindern, – darum muß der Sohn des Ehebruches sterben. Er soll nicht der echte Same Davids sein. „Und der Herr schlug das Kind, daß es totkrank ward, und David suchte Gott um des Knäbleins willen“ (Vers 15. 16). David kann jetzt wieder beten, er kann wieder Gott suchen, nachdem er ihn gefunden hat; es ist kein Unrecht, daß David Gott um seines Kindes willen bittet; es ist ein gläubiges sich demütigen vor Gottes Gerichten und sich an ihn halten in seiner Not mit Fasten und Beten. Durch Fasten und Beten aber allein werden die bösen Dämonen ausgetrieben (Mk 9,29). Daß David sich in diesen sieben Tagen der Buße nicht an Gott versündigt, wird daraus deutlich, daß er zu der Stunde, als er von dem Verlust, der Strafe Gottes, vom Tode seines Kindes hört, aufsteht, sich wäscht, salbt, in den Tempel geht und Gott anbetet (Vers 20). Er empfängt Gottes Gericht im Glauben und weiß, es ist ein gerechtes Gericht, und betet seinen Gott an. Er ist wieder mit Gott im Frieden.

Dietrich Bonhoeffer – Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935–1937

Die Antwort Davids klingt verblüffend kurz und unemotional: »Ich habe gesündigt vor Jahwe.« Aber die Dimension des hier gebrauchten hebräischen Wortes für »gesündigt« lässt erkennen, dass nicht nur ein formales Sündenbekenntnis ausgesprochen wurde, sondern dass damit die Einsicht in die Größe und Konsequenz des Fehlverhaltens in allen Dimensionen zum Ausdruck gebracht wird.423 Trotz des verschiedentlich feststellbaren Hangs zur Selbstüberhöhung, die typisch ist für orientalische Herrscher ist, erweist sich David hier zu guter Letzt doch als »Mann nach dem Herzen Gottes« (vgl. Apg 13,22), der seine Schuld einsieht und umkehrt. Nicht der Zeitpunkt der Buße, sondern die Tatsache, dass sie geschieht, ist vor Gott entscheidend. Ob man die folgende Aussage Nathans als einen »zweiten Bescheid« des Propheten oder als eine Fortsetzung, die durch das Sündenbekenntnis Davids eine andere Richtung erhält, auffassen soll, ist umstritten. Je nach Deutung muss die Übersetzung des Satzes ausfallen, der hier möglichst neutral wiedergegeben ist: »Auch Jahwe hat weggetan deine Sünde.« Er kann als Reaktion auf das Bekenntnis verstanden werden und hätte dann den Sinn: Genauso wie du deine Sünde bekannt hast, wird auch Jahwe deine Sünde wegtun. Ebenso kann der Satz auch mit der folgenden Aussage verbunden werden und dann so lauten: auch wenn Jahwe deine Sünde wegtut, um dann die Folge, nämlich den Tod des Kindes, anzuzeigen. Sachlich bleiben sich die Auslegungen gleich. Das Todesurteil, das – ohne es zu wissen – David über sich selbst ausgesprochen hat (V. 5), wird nicht an ihm (!) vollstreckt: »Du wirst nicht sterben!«

Wuppertaler Studienbibel

Sowohl David als auch Gott handeln und sprechen in dieser Geschichte auf atemberaubend mysteriöse Weise. Das erste Rätsel kommt in Gottes Frage an David zum Ausdruck. David hat so viel. Warum in aller Welt tat er, was er tat? Die zweite Frage wird durch seine Reaktion auf Nathan aufgeworfen: „Ich habe gegen Jahwe Unrecht getan.“ Als westliche Leser mit unserer Betonung auf Emotionen denken wir, dass David sagen sollte, wie sehr es ihm leid tut, und wir fragen uns, ob dieses Eingeständnis genug ist. Doch wenn Personen des öffentlichen Lebens, die sich eines Fehlverhaltens schuldig gemacht haben, öffentlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, lässt uns das zusammenzucken. Auch in der israelitischen Denkweise bedeutet Bekenntnis in erster Linie, sich den Tatsachen zu stellen und sie anzuerkennen. Es ist unmöglich zu sagen, was wirklich in David vorgeht, aber das sparsame, nüchterne Eingeständnis steht im Gegensatz zu dem Eindruck der Trauer, den seine Reaktion auf die Krankheit seines Sohnes in Kürze vermitteln wird.

Es ist auch schwierig zu wissen, was man von Gottes Antwort halten soll. Gott hat Davids Vergehen „entfernt“. Was bedeutet das? Hat Gott ihm vergeben, und wenn ja, in welchem Sinne? Gott hebt das Urteil, das Nathan ausgesprochen hat, nicht auf und in den folgenden Kapiteln geschieht das, was Nathan vorausgesagt hat, tatsächlich. Das ist vielleicht nicht überraschend. In der westlichen Kultur beschließen wir in der Regel nicht, dass jemand, der ein Verbrechen begangen hat, seine Strafe nicht zu zahlen braucht, wenn er es bereut. Tatsächlich verhängt Gott eine zusätzliche Strafe: Batsebas Baby wird sterben.

Nathan erklärt, dass David das Wort Gottes verachtet hat. Das ist in zweierlei Hinsicht so. Er hat das Wort verachtet, das in den Zehn Geboten steht, in denen Gott Handlungen wie Ehebruch und Mord verbietet. Während die Führer in jeder Gesellschaft denken können, sie könnten tun, was sie wollen, legt die Tora in Israel dem König besondere Beschränkungen auf. David hat diese ignoriert. Doch in seiner Geschichte wird noch eine andere Art von Wort erwähnt: Gottes Wort der Verheißung an ihn, das in der vorherigen Botschaft Nathans an ihn erging. Gottes Wort kam zu Nathan, und David drängte Gott, das zu ihm gesprochene Wort zu bestätigen (2 Samuel 7:4, 25). Der Verweis auf Gottes Wort erinnert David an die großen Taten, die Gott an ihm vollbracht hat und die eine Erfüllung der Verheißung waren, und an die weiteren großen Taten, die Gott für ihn vorgesehen hat und die eine weitere Erfüllung der Verheißung sein sollten. Er hat dieses Wort, diese Verheißung, verachtet. Man könnte meinen, dass er es gefährdet hat, aber dasselbe Wort der Verheißung entließ Gott nicht aus seiner Verpflichtung gegenüber David. Gott kann David zwar züchtigen, aber nicht im Stich lassen.

Diese Tatsache wiederum legt die Möglichkeit nahe, dass Gott Davids Fehlverhalten beseitigt, indem er sich weigert, es als Hindernis für die Erfüllung von Gottes Absichten mit Israel durch David zu betrachten, auch wenn das Fehlverhalten andere schreckliche Folgen haben wird. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Beseitigung des Fehlverhaltens gar keine Reaktion auf Davids Bekenntnis war. Es macht keinen Unterschied, ob dieses Geständnis auf echte Trauer oder nur auf Reue und Bedauern über die Entdeckung der Tat hindeutet. Dass Gott sich weigerte, David zu töten oder ihn im Stich zu lassen, ist das Ergebnis von Gottes Gnade und seiner Zusage. Gott hat kein Erbarmen mit uns, weil wir es verdient haben. Gott hat Erbarmen mit uns, weil das Gottes Natur ist.

Es gibt noch einen weiteren, seltsamen und paradoxen Grund, warum David nicht einfach freigelassen wird. Er hat den Feinden Jahwes gegenüber totale Verachtung gezeigt. Ich habe den Satz über die Feinde in Klammern gesetzt, weil es sich um eine spätere Ergänzung des Textes handeln könnte – du wirst sehen, dass moderne Übersetzungen ihn weglassen. Aber er ist Teil des Textes und deutet auf eine Erkenntnis hin. Davids Aufgabe war es, über die Feinde Jahwes zu herrschen und das Mittel zu sein, durch das sie Jahwe anerkennen. Sein Handeln hat gezeigt, dass er jemand war, den Jahwes Feinde verachten konnten. Wie kann er nun das Mittel sein, durch das sie Jahwe anerkennen? Durch seine Tat hat er die Erfüllung seiner Berufung untergraben.

John Goldingay – 1 und 2 Samuel für Jeden

Der Betrug des reuelosen Herzens besteht darin, dass es versucht, sich trotz der Verurteilung durch das Gewissen zu entschuldigen und zu rechtfertigen. Dadurch wird das Schuldgefühl jedoch nicht gemildert, sondern das Gewissen reagiert noch schärfer und der Schmerz, der durch den Konflikt zwischen anklagenden und entschuldigenden Gedanken entsteht, nimmt zu. Die Sünde wird nicht dadurch beseitigt, dass man sie nicht zugibt; sie lastet umso schwerer auf dem Gewissen, und je enger der Mund, der bekennen sollte, verschlossen wird, desto deutlicher ertönt die anklagende, richtende Stimme des Gewissens. „Die Wurzeln dieses Betrugs (der unmittelbar nach dem Sündenfall auftritt) sind Stolz, mangelndes Vertrauen in Gott und die Liebe zur Sünde. Viele werden dadurch gänzlich vom Sündenbekenntnis abgehalten, erfreuen sich in pelagischer Selbstverblendung an ihrem Elend und halten sich selbst für das Beste. Bei anderen sieht man die Anfänge des wahren Bekenntnisses, aber sie erreichen das Ziel nicht, weil die Arglist sie daran hindert, das ganze Ausmaß ihres Schadens zu erkennen. Und selbst diejenigen, die wirklich in einen gnädigen Zustand gekommen sind, verbittern durch Arglist den Segen der Vergebung, den sie durch Aufrichtigkeit erlangt haben. Was sie dieser Versuchung besonders aussetzt, ist ihre strenge Sicht der Sünde und ihrer Verwerflichkeit vor Gott und das Bewusstsein der von Gott empfangenen Gnade und ihrer Situation. Die Natur wehrt sich energisch gegen die tiefe Demütigung, die (besonders für sie) die Anerkennung und das Bekenntnis der Sünde mit sich bringt. Deshalb ist es notwendig, dass sie sich Davids Wort (Verse 1, 2), das aus schmerzlicher Erfahrung über das Elend der Arglist gesprochen wurde, zutiefst zu Herzen nehmen: „Glücklich ist der, dessen Übertretung beseitigt ist, usw. “ (Hengst.). Aber es gehört zur Täuschung des unbußfertigen Herzens, Gottes Wort, den Spiegel der Sünde, eher auf andere als auf sich selbst anzuwenden und so die Selbstprüfung und Selbsterkenntnis in seinem Licht zu verdrängen.

Die Gnade Gottes lässt nicht zu, dass der Mensch ungewarnt auf dem Weg der Sünde weitergeht, sondern führt ihn dazu, seine Sünde zu erkennen und zu bekennen und sich demütig unter die mächtige Hand zu beugen, die ihn für seine Sünde schlagen muss. Die göttliche Gnade bedient sich hier menschlicher Werkzeuge wie Nathan; und das einzig wirksame Mittel, um Menschen zum Bekenntnis zu bringen, ist in diesem Fall das Wort Gottes, das 1) ihnen die Sünde in ihrer wahren Form, in ihrer ungeschminkten vollen Realität, in ihrer ganzen Niedertracht und Schockiertheit zeigt (vgl. Verse 1-6); 2) die Fülle der göttlichen Wohltaten aufzeigt, die sie vor der Sünde bewahren sollten und vor denen die Sünde als schiere Undankbarkeit erscheint (Verse 7, 8); 3) die Forderungen von Gottes heiligem Willen in seinem Wort und Gesetz eindringlich vor Augen führt (Vers 9); und 4) die unvermeidlichen Folgen der Sünde als Zeichen der vergeltenden göttlichen Gerechtigkeit aufzeigt, vor der sich der Mensch beugen muss.-Wenn ein Mensch, wie David, sein Herz in aller Stille für diesen Dienst der Gnade öffnet (der zur Buße führt), dann zeigt sich sein beabsichtigtes Wirken: 1) tiefe, reumütige Anerkennung der Sünde, nicht nur als Vergehen gegen den Menschen, sondern als Feindschaft „gegen den Herrn selbst“, so dass die auf Eigenliebe beruhende Verblendung über das Wesen der Sünde ein Ende hat; 2) aufrichtiges, freimütiges Bekenntnis der Sünde als Vergehen gegen den heiligen Gott, so dass nun der innere Konflikt zwischen gegensätzlichen Anschuldigungen und Entschuldigungen, zwischen einem verurteilenden Gewissen und einem auf Eigenliebe beruhenden Stolz aufhört. Das offene Sündenbekenntnis war ein gesetzlicher Bestandteil des Sündopfers (Lev. 5:5; 16:21; Num. 5:7): „Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Die Worte sind sehr kurz, wie bei dem Zöllner in Lukas 18:13. Aber gerade das ist ein gutes Zeichen für ein wirklich zerbrochenes Herz; hier wird die Sünde nicht entschuldigt, nicht verhüllt, nicht verharmlost; es wird kein Versteck gesucht, kein Vorwand benutzt, keine menschliche Schwäche vorgebracht“ (Berl. Bib. ); 3) persönliche Erfahrung des Trostes der Sündenvergebung, die dem Sünder aus Gottes freier Gnade zuteil wird, obwohl er nichts getan hat, um sie zu verdienen. „Der Herr hat auch deine Sünde weggenommen“ (Vers 13). Aus dieser Erfahrung erwächst Zuversicht und Gewissheit über die empfangene Gnade; 4) demütige, stille Unterwerfung unter das Leiden, das der Herr als Folge der Sünde auferlegt hat und das zur Züchtigung, Reinigung und Prüfung des reuigen und gläubigen Herzens dienen soll (Verse 14-23), und 5) erneute Freude an der Freundlichkeit und Güte der göttlichen Liebe (Verse 24, 25).

Wie Psalm 32 die Gemütsverfassung zeigt, aus der heraus David zur aufrichtigen Buße kam, so ist Psalm 51 (wie der Titel andeutet) das Echo der persönlichen Erfahrung von Gottes Gnade, die allein die Quelle der Vergebung der Sünden und der Tilgung der Schuld ist (Verse 3, 4 [dt. 1, 2]), und zwar unter der Voraussetzung des reumütigen Bekenntnisses der persönlichen Übertretung gegen den Herrn, die tief in der angeborenen Sündhaftigkeit begründet ist (Verse 5-8 [3-6]), und des demütigen Flehens um Gnade (Verse 9-11 [7-9]) und Erneuerung (Verse 12-14 [10-12]) aus einem zerbrochenen und zerknirschten Herzen (Verse 15-21 [13-19]). Zur Übereinstimmung der Hauptmerkmale dieses Psalms mit der Geschichte siehe die Kommentare von Hengstenberg und Hupfeld. Wenn Psalm 51 zu diesem Anlass geschrieben oder komponiert wurde, müssen die beiden letzten Verse wahrscheinlich als spätere Hinzufügung betrachtet werden (die Stimmung ist ähnlich wie in 53,7 (6); 79,9 und anderen Stellen). Im Übrigen ist die geistliche Lehre dieses Psalms und von Psalm 32 völlig unabhängig von ihrem historischen Ursprung.]

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Ver. 13 sq. SCHLIER: Wer sich offen und rückhaltlos zu seiner Schuld bekennt, hat sich damit innerlich von der Sünde gelöst und mit ihr in seinem Herzen gebrochen.-DISSELHOFF: „Ich habe gegen den Herrn gesündigt.“ In der Bibel gibt es kein so bedingungsloses Bekenntnis, keinen so kurzen Ausdruck der Reue, aber auch keinen, der so gründlich wahr ist. Solange die Sünde auf der Erde herrscht, werden sich alle reuigen Sünder mit diesem Bekenntnis vor Gott niederwerfen, in dieses Bekenntnis werden sie ihr Herz ausschütten, dieses Bekenntnis wird immer offener, tiefer, wahrer und ergreifender ihr Gebet werden, und sie werden nichts anderes zu sagen wissen. [HALLE: Es war nur ein kurzes, aber leidenschaftliches Wort, das aus der Tiefe eines zerknirschten Herzens kam. Der größte Kummer wird nicht in Worten ausgedrückt. Saulus bekannte seine Sünde mehr, aber weniger wirkungsvoll. Gott kümmert sich nicht um Phrasen, sondern um die Gefühle. David hatte in seinem Gerechtigkeitseifer geschworen, dass der reiche Unterdrücker sterben soll, weil er das Lamm seines armen Nachbarn genommen hat; Gott ist David durch Nathan wohlgesonnener, als ihn beim Wort zu nehmen: „Du sollst nicht sterben.“ Vgl. Sprüche 28:13 – KRÜGER: Gott vergibt die Sünde aus Gnade und erlässt auch die ewige Strafe; aber das Kreuz und die Strafe behält er sich nicht zur Genugtuung vor, sondern zur ständigen Erinnerung an die Sünde und zur Übung in der Frömmigkeit, und als Schrecken für andere.-Starke [von HALL]: Solange Er uns nicht wie ein zorniger Richter schlägt, können wir es ertragen, von Ihm wie ein liebender Vater behandelt zu werden (Hebräer 12,6-9).

Eugene H. Peterson – Erster und zweiter Samuel – Westminster Bible Companion

    Ver. 13. Bekenntnis und Vergebung. Zwei Dinge sind in dieser Erzählung sehr überraschend – die schreckliche Bosheit Davids und die überschwängliche Barmherzigkeit Gottes.

    I. DAVIDS BEKENNTNIS. Es war: 1. sehr schnell. Die Ansprache des Propheten erweckte keinen Groll. Es gab keinen Versuch des Ausweichens, der Beschönigung oder der Selbstrechtfertigung. Wie sollte das auch gehen? Er gestand seine Sünde sofort ein. Das war nicht nur das Ergebnis von Nathans treuer Zurechtweisung, sondern auch das Ergebnis der vorangegangenen geistigen Übungen des Königs selbst. Die Zeit, die seit der Begehung seiner Sünden verstrichen war, oder ein Teil davon, war für ihn eine leidvolle Zeit gewesen. Er war von Schuldgefühlen geplagt, hatte aber keine Reue gezeigt und war unglücklich gewesen (siehe Psalm 32:3, 4). Nathans Ermahnungen vollendeten das Werk; das Herz des Königs wurde zur Reue geschmolzen und er entlastete seine Seele durch ein freimütiges Geständnis. 2. Sehr kurz. Wie das Gebet des Zöllners (Lukas 18,13). Wenn das Herz am vollsten ist, sind die Worte am wenigsten. Nicht die Länge eines Bekenntnisses, sondern seine Bedeutung und Aufrichtigkeit sind das Wichtigste. So ist es auch mit den Bekenntnissen der Menschen untereinander: Ein Wort, ein Blick oder eine Handlung ohne Worte ist oft ausreichend und immer besser als eine lange Rede. 3. Sehr angemessen. Eingeständnis der Sünde – Sünde „gegen den Herrn“. Nathan hatte diesen Punkt hervorgehoben, und David reagierte entsprechend. Er hatte Urija und auch Batseba schweres Unrecht angetan und gegen das Volk unter seiner Herrschaft gesündigt, aber am meisten hatte er gegen Gott gesündigt. Daher auch seine Worte in Psalm 51:4. Nur wenn die Sünde so gesehen wird, ist „göttliche Traurigkeit“ möglich.

    II. SEINE VERGEBUNG. Sie war: 1. Sofort. Es erstaunt uns, dass ein so großer Sünder so schnell begnadigt wurde, dass er so schnell die Gewissheit hatte, begnadigt zu werden. Wir hätten eine gewisse Verzögerung für angemessener gehalten. Aber Gott ist immer bereit, zu vergeben; er wartet nur auf das reuevolle Bekenntnis des Sünders. Es gibt keinen Grund, die Vergebung zu verzögern, außer der Unbußfertigkeit und dem Unglauben des Sünders. In dem Moment, in dem diese überwunden sind, wird die Vergebung gewährt. Das versprachen schon die Verheißungen des Alten Testaments, z. B. Jesaja 55:7. Im Neuen Testament haben wir dieselben Zusicherungen, und die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, dass der reuige Sünder von der Richtigkeit der Strafe, die den Sündern angedroht wird, überzeugt ist (sein Gewissen ist auf der Seite der göttlichen Gerechtigkeit), werden durch das Sühneopfer Christi beseitigt. 2. Frei. Ohne Bedingungen, ohne die Forderung nach Buße, Wiedergutmachung oder Sündopfer. Die Sünde war zu schwerwiegend für diese. So empfand es auch David (Psalm 51:16). Nur eine vollkommen freie Vergebung konnte dem Fall gerecht werden. Neue Liebe und neuer Dienst würden folgen, aber aus Dankbarkeit für die Vergebung und nicht in der Erwartung, sie zu erlangen. Der Versuch, Vergebung für vergangene Übertretungen durch freiwillige Leiden, durch vermehrte Gebete oder Zeremonien oder durch zukünftigen Gehorsam zu verdienen oder zu erlangen, ist auf den ersten Blick absurd und widerspricht dem Alten Testament ebenso wie dem Neuen. David berief sich auf die „Fülle der Barmherzigkeit Gottes“ (Psalm 51,1) und auch wir müssen auf die gleiche überreiche Gnade vertrauen, wie sie im Evangelium gezeigt wird. 3. Verkündet. Nathan verkündete dem König die Absolution: „Der Herr hat auch deine Sünde weggetan; du wirst nicht sterben.“ Die Menschen wünschen sich eine ähnliche Zusicherung für sich selbst, und das System einiger Kirchen ist so aufgebaut, dass es diesen Wunsch erfüllt. Wenn sie einem Priester ihre Sünden beichten, erteilt er ihnen die Absolution. Aber diese Praxis ist ungerechtfertigt und trügerisch. Die Absolution ist zugegebenermaßen wertlos, wenn der Sünder nicht wirklich reuig ist; und wenn das der Fall ist, ist sie nutzlos und in vielen Fällen höchst schädlich, weil sie unbegründete Hoffnungen weckt. Wenn die Menschen in den Herzen lesen könnten oder wie Nathan in jedem Fall eine besondere Botschaft der Vergebung von Gott hätten, könnten sie sicher die Absolution erteilen. Aber in gewöhnlichen Fällen kann niemand die Realität der Reue erkennen, bevor sie nicht durch das Leben bewiesen ist; und deshalb kann niemand dem Sünder sicher versichern, dass ihm tatsächlich vergeben wird, bevor eine solche Versicherung nicht überflüssig ist. Der reuige Sünder, der durch den Glauben an Jesus Christus zu Gott kommt, erhält die Zusicherung der Vergebung (1) durch die Verheißungen Gottes und (2) durch den Geist Gottes in seinem Herzen, der die Verheißungen auf den Einzelnen anwendet und ihn befähigt, sich ihnen anzuvertrauen und in ihm das christliche Leben zu beginnen. Mit der Vergebung wird ein neues Herz gegeben, das mit seiner Frucht im Verhalten ein wachsender Beweis für die Vergebung wird. 4. Aber mit einem Vorbehalt. Die Todesstrafe, zu der sich David praktisch selbst verurteilt hatte, wurde ihm erlassen, andere Strafen jedoch nicht. Eine wurde ausdrücklich erwähnt – der Tod des Kindes (Vers 14); die anderen, die vor dem Bekenntnis und der Vergebung angeprangert wurden (Verse 10-12), wurden, wie wir aus der nachfolgenden Geschichte wissen, vollstreckt. Und es kommt oft vor, dass die schmerzhaften Folgen der Sünde noch lange nach der Vergebung andauern, vielleicht bis zum Tod. Sollen wir also sagen, dass die Vergebung nicht wirklich und vollständig ist? Auf keinen Fall. Aber weil sie wirklich und vollständig ist, muss der begnadigte Sünder leiden. Das Leiden verändert jedoch seinen Charakter. Es ist nicht mehr eine Strafe Gottes, sondern eine väterliche Züchtigung und Disziplinierung, um (1) eine heilsame Erinnerung an die Sünde aufrechtzuerhalten und ständige Dankbarkeit und Demut zu erzeugen; (2) den Gehorsam zu bewahren und die Heiligkeit zu fördern; (3) anderen die Gerechtigkeit Gottes vor Augen zu führen und sie vor Sünde zu warnen. Und was den Büßer selbst betrifft, so erzeugt sein Leiden keine Bitterkeit, Unterwürfigkeit oder Mürrischkeit. Die Liebe zum Züchtiger, die durch das Gefühl seiner vergebenden und väterlichen Liebe aufrechterhalten wird, befähigt ihn, die Züchtigung dankbar, resigniert und duldsam zu ertragen und ernsthaft zu versuchen, den beabsichtigten Gewinn zu erzielen.

    Zum Schluss: 1. bewundere, verehre, vertraue und verkünde die verzeihende Liebe Gottes. 2. Lasst die Sünder umkehren, ihre Sünden bekennen und ihnen vergeben, damit sie Vergebung erlangen können. Denn trotz der Liebe Gottes und des Opfers Christi wird keinem unbußfertigen Sünder vergeben werden. 3. Kein reuiger Sünder soll verzweifeln. Auch dann nicht, wenn er rückfällig geworden ist und seine Sünden so schlimm waren wie die von David. 4. Keiner soll sich etwas anmaßen. Eine der schlimmsten und hartnäckigsten Folgen von Davids Sünde und Begnadigung war die Ermutigung zur Sünde, die törichte und böse Menschen daraus abgeleitet haben, oder – sagen wir – so getan haben, als hätten sie sie abgeleitet. Denn es ist so töricht und pietätlos, die Erzählung zu einem solchen Zweck zu verdrehen, dass es schwerfällt, an die Aufrichtigkeit derer zu glauben, die das tun. Vielmehr lieben sie ihre Sünden und sind froh über alles, was ihr Gewissen beruhigen könnte, wenn sie sie begehen. Sie sollten bedenken, dass die eigentliche Wirkung der Erzählung darin besteht, die Sünde verabscheuungswürdig zu machen und Angst vor ihr zu wecken, und dass diejenigen, die sie lesen und in der Sünde verharren, doppelt schuldig werden. Sie verhärten ihr Herz und fördern in sich selbst die Unfähigkeit zur Reue und damit die Unfähigkeit, Vergebung zu erlangen.

    Joseph S. Exell – Pulpit Kanzelkommentar – 2.Samuel

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