Thomas Pape

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Außerdem habe ich gehört, dass es unter euch Unordnung im Bereich der Sexualität gibt, und zwar in einem solchen Ausmaß, wie man sie noch nicht einmal bei den Menschen aus den nichtjüdischen Völkern vorfindet.

Überhaupt (O. Allgemein) hört man, daß Hurerei unter euch sei, und eine solche Hurerei, die selbst unter den Nationen nicht stattfindet: daß einer seines Vaters Weib habe.
Elberfelder 1871 – 1.Korinther 5,1

Überhaupt hört man ganz schlimme Dinge von euch! Es soll da einen Fall von Unzucht geben, wie er nicht einmal unter den Menschen vorkommt, die Gott nicht kennen: dass nämlich einer mit seiner Stiefmutter zusammenlebt.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Korinther 5:1

Mir ist noch etwas berichtet worden. Es gibt bei euch doch tatsächlich einen so unglaublichen Fall von Unmoral, dass er nicht einmal bei denen ´toleriert würde`, die Gott nicht kennen: Einer von euch hat ein Verhältnis mit seiner eigenen Stiefmutter!
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Kor 5,1

Außerdem habe ich gehört, dass es unter euch Unordnung im Bereich der Sexualität gibt, und zwar in einem solchen Ausmaß, wie man sie noch nicht einmal bei den Menschen aus den nichtjüdischen Völkern vorfindet. Dabei geht es darum, dass einer eine sexuelle Beziehung mit der Frau seines Vaters hat.
das Buch – 1.Kor 5:1

Ich persönlich finde es ja „witzig“, dass Menschen die Kindesmissbrauch verharmlosen, und solche Menschen in den eigenen Reihen duldet, dann diesen Bibelvers benutzen um andere Menschen zu trennen. Oder habe ich das falsch gelesen:

Obwohl das Betrachten von Kinderpornografie aus Sicht der Versammlung nicht als sexueller Kindesmissbrauch eingeordnet wird, handelt es sich dabei dennoch um eine schwere Verletzung der Maßstabe Jehovas. Eine Person, die sich Kinderpornografie ansieht, benötigt nachdrücklichen Rat. Je nach Häufigkeit und Ausmaß kann auch ein Rechtskomiteeverfahren notwendig sein.

Hütet * 2023 – Kapitel 14

Nein – DAS wird noch nicht mal „in der Welt“ so gesehen!
Aber zurück zu dem Vers aus 1.Korinther 5 – hier einige Bibelkommentare:

Paulus kommt auf einen weiteren Punkt zu sprechen, den der Hurerei, die im Ausmaß die Sünden der Heiden übertrifft. Zu ὅλως („überhaupt“) vgl. Polybius, Historiae 25.4,6: „οὐδ’ ὅλως ἤρεσκε πολλοῖς τὸ γεγονός“. „Auch gefiel das Geschehene vielen überhaupt nicht“. Damit steigert Paulus die Wichtigkeit dessen, was nun folgt. Er beruft sich auf Mitteilungen. Das Wort πορνεία („Unzucht“) ist als Nominativ das Subjekt des Satzes, kein Objekt („man hört von Unzucht“). Das direkte Objekt im AcI γυναῖκά („Frau“) ist aufgrund der Linksversetzung betont.

Peter Streitenberger – 1.Korinther

ὅλως überhaupt. ἀκούεται Pass. ἀκούω, Pass. man hört (A76b), m. Nom. von; Ind. Präs. perfektisch (= man hat gehört; BDR § 3221; A236). ἐν bei. πορνεία Unzucht (= illegitimer Geschlechtsverkehr jeder Art), Hurerei. ἥτις = οἵα (ZG) wie (beschaffen); καὶ τοιαύτη πορνεία ἥτις οὐδέ und zwar (A311,7) eine derartige Unzucht, wie sie nicht einmal … (vorkommt). ὥστε m. AcI zur Angabe der Folge (H-S § 279b; A340): dass. τινά Mask., Subj. des AcI. ἔχειν Inf. ἔχω, Präd. des AcI; ὥστε γυναῖκά τινα τοῦ πατρὸς ἔχειν dass (nämlich) einer die Frau seines Vaters (wohl Umschreibung für Stiefmutter) (zur Partnerin) hat, d. h. mit ihr zusammenlebt bzw. intime Beziehungen mit ihr hat, evtl. sie geheiratet hat (vgl. B I2bα).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Mit dem Wort überhaupt (ὅλως) geht Paulus von der Ankündigung seines energischen Durchgreifens im Blick auf die für die Rivalitäten verantwortlichen korinthischen Christen in 4,14–21 zur Behandlung weiterer Kompromisse mit Maßstäben und Verhaltensweisen der römischen Gesellschaft in Korinth über. Die Wendung hört man (ἀκούεται, Pass. Präs.) lässt offen, wer Paulus die Nachrichten überbracht hat, um die es im Folgenden geht. Die passivische Formulierung kann jedenfalls so verstanden werden, dass Paulus „Beschwerden erreicht haben, die jederzeit zu Protokoll gebracht werden könnten bzw. für die es auch Zeugenaussagen gibt“.9
Der mit sexuelle Verfehlung übersetzte Ausdruck πορνεία bezeichnet jede Art illegitimen Geschlechtsverkehrs. Versuchungen und Verfehlungen im sexuellen Bereich gehörten zu den größten Herausforderungen der neubekehrten Jesusbekenner, vor allem der Heidenchristen. Dies zeigt sich einmal daran, dass porneia („Unzucht“, „sexuelle Zügellosigkeit“) in den ntl. Lasterkatalogen an erster Stelle steht. Sodann ist die Mahnung des Apostels in seinem Brief an die Christen in Thessalonich instruktiv, an die er nur wenige Monate nach der Gemeindegründung schreibt: „Das ist es, was Gott will: eure Heiligung. Das bedeutet, dass ihr die Unzucht meidet, dass jeder von euch lernt, mit seiner Frau in heiliger und achtungsvoller Weise zu verkehren, nicht in leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden … wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben“ (1Thess 4,3–6). Mit bei euch (ἐν ὑμῖν) ist die korinthische Gemeinde gemeint. Das heißt, der Schuldige ist ein Mitglied der Gemeinde. Darauf weisen auch V. 9–13 hin, wo Paulus die Gemeinde auffordert, die zu richten, die „drinnen“ sind. Weil Paulus keine Direktiven bezüglich der Frau gibt, mit denen das Gemeindeglied sexuelle Beziehungen unterhält, ist davon auszugehen, dass diese keine Christin war. Das Wort einer (τίνα, Akk. in dem AcI) lässt die Identität des Schuldigen ungenannt. Da Paulus direkte Nachrichten aus Korinth hatte, und da das betreffende Gemeindeglied vermutlich aus einer der in Korinth angesehenen Familien kam (siehe unten), ist anzunehmen, dass Paulus genau wusste, um wen es sich handelte. Paulus hat bei direkten Mahnungen von Gemeindegliedern, von der Ausnahme in Phil 4,2–3 abgesehen, nie die Namen der Missetäter genannt. Diese Praxis ist im Sinn einer gewissen menschlichen Schonung zu interpretieren, was aber nicht zur Schlussfolgerung berechtigt, dass Paulus sich vorsichtig taktierend ausgedrückt hätte: bei der öffentlichen Verlesung des Briefes in der Gemeindeversammlung wussten alle Anwesenden sofort, wer gemeint war.
Der Satz dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt (ὥστε γυναῖκά τινα τοῦ πατρὸς ἔχειν) benennt das Delikt. Die mit „lebt“ übersetzte Vokabel ἔχειν bezeichnet hier die sexuelle Beziehung; die Formulierung mit dem Präsens zeigt, dass es sich nicht um einmaligen oder gelegentlichen geschlechtlichen Verkehr handelte, sondern um eine eheähnliche Beziehung, um eine „wilde Ehe“. Die Aoristpartizipien in V. 2–3 könnten auf einen Eheschluss hindeuten, was aber unklar bleibt. Nach römischem Recht war die Ehe eine private Vereinbarung, beruhte also nicht auf einem öffentlichen Rechtsakt. Mit der Frau seines Vaters ist sehr wahrscheinlich nicht die Mutter gemeint: In diesem Fall hätte Paulus sich sicherlich noch viel deutlicher ausgedrückt, ausserdem schreibt er nicht „seine Mutter“. Es handelt sich vermutlich um die zweite Frau des Vaters, d.h. um die Stiefmutter (Hebr. אָב אֵשׁת; LXX: γυνὴ πατρός, statt Griech. μητρυιά; vgl. Lev 18,8; 20,11; Deut 23,1; 27,20). Weniger wahrscheinlich ist der Vorschlag,14 dass der Mann sexuelle Beziehungen zur Konkubine seines Vaters pflegte. Ein Mitglied der korinthischen Gemeinde lebte also in einer ehelichen oder eheähnlichen Gemeinschaft mit seiner Stiefmutter. Nach dem im atl. Gesetz geoffenbarten Willen Gottes war eine solche Beziehung verboten.
Die Verfehlung ist so ungeheuerlich, dass sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt, d.h. dass sie auch von der nicht-christlichen Bevölkerung scharf verurteilt wird. Paulus will mit dieser Formulierung der Gemeinde deutlich nicht nur „Schimpf und Schande dieses Falls“ vor Augen führen. Er verweist die Korinther an die Tatsache, dass eine eheliche oder eheähnliche Beziehung zwischen Stiefverwandten nach römischem Recht verboten war.

Gaius schreibt: „Ebenso ist es nicht erlaubt (non licet), die Schwester des Vaters oder die Schwester der Mutter zu heiraten; ebenso diejenige, die mir zeitweilig Schwiegermutter oder Schwiegertochter oder Stieftocher oder Stiefmutter (nouerca) gewesen ist“ (Institutiones 1,63). M. Kaser erklärt: „Die Schwägerschaft (adfinitas), also die Beziehung einer Person zu den Verwandten ihres Ehegatten, begründet ein Ehehindernis zunächst nur in gerade Linie, also zwischen Stiefeltern und Stiefkindern, Schwiegerelten und Schwiegerkindern“. Der Geschlechtsverkehr zwischen Stiefmutter und Stiefsohn war nach römischem Recht Inzest. M. Kaser schreibt: „Die Blutsverwandtschaft macht unter Personen, zwischen denen der Geschlechtsverkehr wegen incestum bestraft wird, auch die Ehe wegen mangelnden conubium nichtig. Für Verwandte in auf- und absteigender Linie gilt das Verbot zu allen Zeiten. Unter Seitenverwandten wird es fortschreitend gemildert … In der klassischen Periode reicht das Hindernis bis zum 3. Grad, schließt also Ehen zwischen Geschwistern (auch Stiefgeschwistern) sowie zwischen Onkel und Nichte, Tante und Neffe aus“. Die Strafe für eine solche Beziehung war hart: Sowohl Sohn als auch Stiefmutter wären zum Exil auf einer Insel verurteilt worden (relegatio ad insulam), und beide hätten den Verlust ihres Vermögens und ihres gesellschaftlichen Status hinnehmen müssen. Apuleius bezeichnet die (fiktive) Beziehung einer Frau zu ihrem Stiefsohn als extremum flagitium (Met 10,2,3).

Im AT ist jede Form von Inzest streng verboten. Lev 18,8 formuliert grundsätzlich: „Du sollt mit der Frau deines Vaters (d.h. deiner Stiefmutter) nicht ehelichen Umgang pflegen, damit schändest du den Vater“. Nach Lev 20,11 sollen die beiden Schuldigen getötet werden (vgl. Deut 23,1; 27,20). Diese rechtliche Regelung wurde im Judentum beibehalten. Nach mSan 7,4 wäre eine Ehe zwischen Stiefmutter und Stiefsohn auch dann unzulässig, wenn der Ehemann der Stiefmutter verstorben war. P. Billerbeck meinte, die meisten Rabbinen hätten nichts gegen die Ehe eines Heiden oder Proselyten mit der Stiefmutter einzuwenden gehabt; bei einem Proselyten wären infolge der Neugeburt, die seine Bekehrung zum Judentum darstellte, die früheren Verwandtschaftsverhältnisse aufgehoben worden, mit der Folge, dass die Inzestverbote nicht mehr gelten; diese Position habe man in der korinthischen Gemeinde „als Beruhigungsmittel über ihre eigene laue u[nd] schlaffe Haltung“ zur Entschuldigung vorgebracht. Solche rabbinischen Traditionen können 1Kor 5 nicht erklären: Paulus wirft den korinthischen Christen weder eine illegitime Anwendung rabbinischer Theologie vor, noch spricht er von Bekehrung oder Neugeburt; zudem wäre bei dieser Interpretation die Strafe der Exkommunikation zu harsch.

Wahrscheinlich war der Vater des Gemeindeglieds, d.h. der Ehemann der Stiefmutter, verstorben; hätte er noch gelebt, wäre er rechtlich (unter Strafandrohung) verpflichtet gewesen, sich sofort scheiden zu lassen und seine Frau und seinen Sohn innerhalb von sechzig Tagen anzuzeigen. Möglich ist auch, dass die Stiefmutter geschieden war; nach römischem Recht hätte eine Ehe mit der verwitweten Stiefmutter trotzdem als Inzest gegolten. Nicht ganz ausschließen lässt sich die Möglichkeit, dass der Vater noch lebte und die Ehe mit der Stiefmutter seines Sohnes noch bestand; manche Ehemänner zogen es vor, den Ehebruch der Ehefrau zu übersehen und eine Scheidung samt öffentlicher Anklage zu vermeiden, die Schande und den Verlust der dignitas mit sich brachten. Die Vermutung, dass die Motivation für das inzestuöse Verhältnis eine finanzielle war – die Ehe der Frau mit dem (verstorbenen?) Vater des Gemeindeglieds war kinderlos geblieben; die Frau hoffte auf Kinder durch die Beziehung mit dem Stiefsohn, was ihr gleichzeitig das volle Erbe ihres Mannes sicherte; gleichzeitig sorgte der Stiefsohn dafür, dass er das Erbe seines Vaters nicht verlor, wenn seine Stiefmutter wieder heiratete25 – ist plausibel, kann aber nicht beweisen werden.
Der entscheidende Ausdruck ist bei euch (ἐν ὑμῖν). So unfasslich das kriminelle sexuelle Verhalten des Gemeindeglieds auch ist, noch unfasslicher ist die Tatsache, dass dieses Verhalten von der korinthischen Gemeinde, die als Tempel Gottes die Wohnstätte des Heiligen Geistes ist (3,17), toleriert wird.

Schnabel – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament

Paulus hat die Korinther gefragt, ob er mit dem Stock kommen solle oder in Liebe und im Geist der Sanftmut. Aber warum war überhaupt der „Stock“, also die harte Strafe, vielleicht nötig? Nicht der bisher dargelegten Notstände wegen. Falsche Weisheit vertreibt man nicht mit dem Stock, und Parteiungen und falsches Ansehen bestimmter Prediger prügelt man nicht aus einer Gemeinde heraus. Nein, Paulus denkt an Dinge, die sein Strafen nötig machen, wenn sie nicht sofort von der Gemeinde bereinigt werden. Denn nicht nur von den Streitigkeiten hat er „gehört“. Es gab noch Schlimmeres zu hören. „Jedenfalls hört man bei euch von Unzucht, und zwar von einer derartigen Unzucht, wie sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt, daß einer die Frau des Vaters habe.“ Was ist geschehen? Hat Paulus das Entsetzliche nur nicht aussprechen wollen, daß ein Gemeindeglied die eigene Mutter heiratete? Der Hinweis, daß selbst bei den Heiden so etwas unerhört sei, könnte daran denken lassen. Aber wahrscheinlicher ist es doch, daß er die Stiefmutter meint, die auch altersmäßig dem Sohn des (verstorbenen) Vaters näher stehen konnte.
Es handelt sich bei dem ganzen Vorgang nicht um eine Sünde im erotischen Rausch. Von diesem ganzen Gebiet wird Paulus erst im Kap. 6 und dort dann auch in sehr anderer Weise reden. Hier ist bewußt und überlegt gehandelt worden, als ein Mann mit seiner Stiefmutter die Ehe schloß. Denn das wird unter „Haben“ der Frau zu verstehen sein. Eben darum konnte er meinen, eine „Sünde“ nicht getan, wohl aber die „Freiheit“ des Christen bewiesen zu haben, und weder an das mosaische Gesetz (3 Mo 18, 8; 5 Mo 22, 29; 27, 20) noch an die veraltete „Moral“ gebunden zu sein.

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

ὅλως bedeutet hier wohl, wie im späteren Griechisch, “tatsächlich”; die häufig bevorzugte Übersetzung “überhaupt” ergibt keinen rechten Sinn, und “überall” bzw. “allgemein” ist für das Wort sonst nicht belegt. Paulus hat von dem Vorfall gehört, sei es durch die Leute der Chloe (1,11), sei es durch Stephanas und seine Begleiter (16,17). πορνεία bezeichnet bei Paulus die von der Tora verbotenen (vgl. Gen. 38,24; Lev. 19,29; Deut. 22,21) Formen des außerehelichen Geschlechtsverkehrs (vgl. 7,2; 1.Thess. 4,3f.).13 Die Schimpflichkeit des Falles, den Paulus vor Augen hat, unterstreicht er mit dem Hinweis, daß solch ein Verhalten nicht einmal unter den Heiden, deren Sexualethik im Durchschnitt sehr locker und nach jüdischer Sicht total verwerflich war (vgl. z. B. Ep. Ar. 152; Sib. V,386ff.; Jub. 25,1) und mit der fehlenden Gotteserkenntnis begründet wurde (vgl. Josephus, Contra Apionem II,239ff.), verbreitet ist. Die weitere Konkretisierung zeigt, daß Paulus die besonderen Beziehungen eines Mannes mit der Stiefmutter anspricht; “die Frau des Vaters” ist jedenfalls nach Lev. 18,7.8; 20,11; Deut. 23,1; 27,20 Bezeichnung für die Stiefmutter. Wenn Paulus die Stiefmutter mit dieser Wendung, nicht aber mit dem gängigen griechischen Wort μητρυιά bzw. μητρυιή bezeichnet, dann bringt er von vornherein den Torabezug und somit das Vergehen gegen Gottes Willen zur Geltung. ἔχειν kann bedeuten “zur Frau haben”, aber auch ein loses Verhältnis bezeichnen, so daß nicht unbedingt an eine Ehe, jedoch an intime Beziehungen (vgl. Joh. 4,18; Ex. 2,1f.; Deut. 28,30; Jes. 13,16) gedacht werden muß. Dem Folgenden ist zu entnehmen, daß allein der τις ein Christ ist; denn nur von seiner Schuld ist die Rede, und nur über ihn wird die Bestrafung beschlossen (V.3–5). Paulus beschreibt die Umstände nicht näher, so daß offenbleiben muß, ob der Vater noch lebt bzw. ob er von der Frau geschieden ist17; auch wird nicht ausdrücklich vom Ehebruch (μοιχεία), sondern von der Unzucht (πορνεία) gesprochen, daher könnte man den Tod des Vaters oder die Scheidung von ihm voraussetzen. Aber Unzucht und Ehebruch wurden schon im Judentum miteinander verbunden (vgl. Sir. 23,23; Test. Rub. 1,6).

Die Tora verbietet das sexuelle Verhältnis mit der Stiefmutter (vgl. Lev. 18,8; 20,11; Deut. 23,1; 27,20). Im Judentum blieb dieses Verbot in Geltung, wie u. a. Josephus, Antiquitates III,274, und Ps.-Phokylides 179–181 zeigen. Die Strenge, mit der diese Vorschriften im frühen Judentum vertreten wurden, ist aus Jub. 33,1ff. ersichtlich. Die Steinigungsstrafe für dieses Vergehen ist auch in der Mischna, Sanh. VII,4, festgesetzt; strafbar war die Tat der Blutschande ebenfalls, wenn sie erst nach dem Tod des Vaters begangen wurde (ebd. und b.Sanh. 54a). Auch das römische Recht untersagte die Ehe mit der Stiefmutter, selbst wenn sie verwitwet war19, so daß der positive Hinweis des Paulus auf die Heiden durchaus zutreffend ist. Das griechisch-hellenistische Recht war jedoch großzügiger, wie aus rabbinischen Diskussionen über den Tatbestand von Verwandtenehen bei Proselyten ersichtlich ist.

Wolff – Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament

Paulus nimmt teil am Ergehen der Gemeinde in Korinth. Er ist unterrichtet und scheut sich nicht, heikle Themen direkt anzusprechen, offenbare Sünde beim Namen zu nennen. In der Gemeinde gibt es einen Fall von »Unzucht«, und zwar von so offensichtlicher Unzucht, die selbst »die Heiden« ablehnen. Und die geschlechtliche Moral im griechisch-römischen Kulturkreis dieses ersten Jhs. war sicher auf einem Tiefpunkt. Ein Gemeindeglied hat »seines Vaters Frau«, lebt mit ihr zusammen. Der griechische Wortlaut legt nahe, an die Verbindung mit der Stiefmutter zu denken und läßt offen, ob der Vater noch lebt, die Stiefmutter also geschieden ist, oder ob der Stiefsohn sie als Verwitwete zu sich nahm. Doch ist solch eine Verbindung – ob in einer Ehe oder einem sonstigen »Verhältnis« – sowohl nach jüdischem (vgl. 3 Mo 18,7.8; 20,11) als auch nach römischem Recht verboten.

Edition C Bibelkommentar

Das griechische Wort pornẹịa „Hurerei, Unzucht“ ist abgeleitet vom Verb pẹrnēmi, das „verkaufen“ bedeutet. Als „Hure“ wird in der Bibel jedoch nicht nur eine Frau bezeichnet, die ihren Körper für Geld „verkauft“, sondern jeglicher außerehelicher (d.h. außerhalb des ehelichen Bundes) und widernatürlicher Geschlechtsverkehr (also auch Homosexualität).85 Hurerei ist immer Sünde, doch verbietet das Alte Testament bestimmte Fälle besonders wie z.B. den Geschlechtsverkehr mit der Frau seines Vaters (siehe 3. Mose 18,8; 20,11; 5. Mose 27,20; 22,30). Mit der „Frau des Vaters“ könnte die eigene Mutter gemeint sein, aber auch die Stiefmutter. Stellen wie 1. Mose 37,2 deuten darauf hin, dass die Stiefmutter gemeint ist. In 3. Mose 18,11 lesen wir: „Du sollst mit der Tochter der Frau deines Vaters, die deinem Vater geboren ist und deine Schwester ist, nicht Umgang haben.“ Wir können annehmen, dass die Frau des Vaters die Stiefmutter und ihre Tochter die Halbschwester von der angesprochenen Person ist. Wie dem auch sei: Mit der Stiefmutter oder mit der eigenen Mutter ein Geschlechtsverhältnis zu haben, steht nach der Bibel auf der gleichen Stufe wie schlimme sexuelle Perversionen (vgl. auch 3. Mose 18,14–16). Eine solche Person und auch die betroffene Frau sollen beide nach 3. Mose 20,11 sterben.

„… welche nicht einmal unter den Heiden [anzutreffen ist] …“ In 3. Mose 18 werden verschiedene sexuelle Perversionen angesprochen, die ein Greuel sind und deshalb die Todesstrafe verdienen. In Bezug auf diese heißt es in 3. Mose 18,25: „Das Land [Kanaan, in das die Israeliten unterwegs waren] wurde dadurch unrein, und ich suchte seine Schuld an ihm heim, dass das Land seine Bewohner ausspie“ (vgl. 3. Mose 25,27f.). Die Mysterienreligionen zur Zeit des Neuen Testaments sind dafür bekannt, dass auf den Festen grenzenlos perverse Praktiken auch im sexuellen Bereich durchgeführt wurden, doch geht Paulus davon aus, dass die Heiden insgesamt soviel moralische Einsicht haben, dass sie so etwas nicht tun.

Thiessen – Der 1. Korintherbrief: Eine Auslegung für die Gemeinde

Die hier erwähnte Sünde war vom Gesetz verboten (3Mo 18,8; 5Mo 22,30; 27,20 ) und wurde auch von den Heiden nicht geduldet. Aber in der Gemeinde wurde sie offensichtlich stillschweigend geduldet. Ein Mann lebte mit seiner Stiefmutter zusammen. Über die Frau wird weiter nichts gesagt, deshalb war sie offenbar keine Christin (V.12-13). Es war eine verbotene Gemeinschaft, ein Zusammenwohnen innerhalb eines verbotenen verwandtschaftlichen Grades in einer höchst widerwärtigen und krassen Art. Der Tempel Gottes war beschmutzt und verunreinigt.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Paulus lässt die Korinther mit der Sünde auf die gleiche Weise umgehen – sie dorthin schicken, wo sie hingehört. In 1 Korinther 5 schrieb Paulus an die Korinther über einen Mann, der in sexueller Unmoral lebte und Buße tun musste. Er befahl: „Übergebt diesen Mann dem Satan“ (1 Korinther 5,5 GNT). Die Begründung war klar – Sünde hat keinen Platz auf heiligem Boden. Gläubige sollten unbußfertige Gläubige aus der Gemeinde entfernen (1 Korinther 5,9-13). Aus der Gemeinde ausgestoßen zu werden, bedeutete, in das Reich des Satans gestoßen zu werden, zurück in die Welt.

Paulus hoffte, dass das Ergebnis für den unbußfertigen Mann „die Vernichtung des Fleisches sein würde, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird“ (1 Korinther 5:5). (Der Hinweis bezieht sich hier nicht auf den physischen Tod, sondern auf den Tod der fleischlichen Begierden, die diesen Mann umgarnen [Galater 5:24; 1 Korinther 11:32-33]).

Michael S. Heiser – Überirdisch – Was die Bibel wirklich über Gottes himmlische Herrscharen sagt

DEM SATAN ÜBERGEBEN

Die Taufe und der Tisch des Herrn waren Riten der Treue. Die Familie Jahwes sollte sich ganz und treu zu Jahwe halten, und diese Riten drückten diese Treue aus. Dieser Kontext hilft uns auch, einen umstrittenen Satz in 1 Korinther 5 zu verstehen.

Innerhalb der Gemeinde gab es manchmal Verfehlungen in der Loyalität, wenn Mitglieder der „Hausgemeinschaft des Glaubens“ (Gal 6,10) die von Jahwe gesetzten moralischen und lehrmäßigen Grenzen überschritten. In solchen Fällen wies Paulus die Gläubigen an, unbußfertige Familienmitglieder aus der Gemeinde zu entfernen (1 Korinther 5,9-13). Genauer gesagt, verlangte Paulus, dass die Untreuen „[dem] Satan übergeben werden“ (1 Korinther 5,5). Paulus merkte weiter an, dass das Ziel einer solchen Entscheidung „die Vernichtung des Fleisches ist, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird.“

Was hat Paulus mit diesen Ausdrücken gemeint? In Bezug auf das „Verderben des Fleisches“ verwendete Paulus das Wort „Fleisch“ (sarkos) oft, um sich auf den physischen Körper zu beziehen, aber er benutzte es manchmal auch, um sich auf den Selbstbetrug zu beziehen, der darin besteht, dass wir auf unsere eigenen Werke vertrauen, um Gottes Gunst zu verdienen, oder auf eine gottlose Lebensweise. Da es keinen Hinweis darauf gibt, dass jemand, der aus der Gemeinde ausgeschlossen wurde, infolgedessen sofort sterben würde, macht diese zweite Verwendung in 1Kor 5 am meisten Sinn. Paulus besteht darauf, dass die unbußfertige Person aus der Gemeinde entlassen wird, um in ihrer Sünde zu leben und die Folgen ihres Verhaltens zu ertragen. Da die Errettung in keiner Weise auf menschlichem Verdienst beruhte, würde der irrende Gläubige am Ende gerettet werden, aber es muss darauf geachtet werden, dass selbstzerstörerisches sündhaftes Verhalten andere Gläubige nicht in die Irre führt.

Aber was ist mit „dem Satan übergeben“? Erinnern Sie sich daran, dass die Israeliten ihr Land als heiligen Boden betrachteten und das Gebiet der nicht-israelitischen Nationen als von dämonischen Göttern kontrolliert. Israel war heiliger Boden, weil sich dort die Gegenwart Jahwes befand. Das Gegenteil war überall sonst der Fall.

Im letzten Kapitel haben wir gesehen, dass Versammlungen von Gläubigen auf die gleiche Weise betrachtet wurden. Gottes Gegenwart befand sich nicht mehr im Jerusalemer Tempel, sondern in dem Tempel, der der Leib Christi ist (1 Korinther 3,16-17). Die korinthische Gemeinde war also „heiliger Boden“; außerhalb dieser Versammlung befand sich das dämonische Reich. Aus der Gemeinde ausgestoßen zu werden, bedeutete, in das Reich des Satans gestoßen zu werden.

Der geistliche Krieg, der durch die Einweihung des Reiches Gottes ausgelöst wird, bietet keine Neutralität. So wie Mose nach dem Debakel mit dem goldenen Kalb fragte: „Wer ist auf der Seite des HERRN?“ (2 Mose 32,26) nach dem Debakel mit dem goldenen Kalb fragte, so stellt sich die Frage heute jedem Menschen. Es gibt Rettung in keinem anderen Namen – dem Namen Jesu, der der Name, die Gegenwart Jahwes war und ist, der im Fleisch auf der Erde weilte (Joh 1,14), um die Völker zu retten.

Michael S. Heiser – Das unsichtbare Reich

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