Thomas Pape

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Unsere Nahrung, die wir zum Leben brauchen, gib uns bitte jeden Tag.

unser nötiges Brot (S. die Anm zu Mat 6,11) gib uns täglich;
Elberfelder 1871 – Lukas 11,3

Gib uns jeden Tag, was wir zum Leben brauchen.
Gute Nachricht Bibel 2000 – Lukas 11:3

Unser Brot für morgen gib uns Tag für Tag!
Albrecht 1926 – Lk 11,3

Unser Brot, das für die Existenz und das aus oberer Wesenheit, gib dauernd uns betreffend Tag für Tag.
Pfleiderer – Lk 11:3

Unsere Nahrung, die wir zum Leben brauchen, gib uns bitte jeden Tag.
Das Buch – 2009 – Lukas 11:3

ἐπιούσιος11 unsicher, die wichtigsten Alternativen: a) für den heutigen Tag (< ἐπὶ τὴν οὖσαν [ἡμέραν] für den betreffenden Tag), b) (zum Dasein) nötig (< ἐπί, οὐσία Dasein) od. c) für den kommenden/folgenden Tag (< ἡ ἐπ-ιοῦσα [ἡμέρα, vgl. BDR § 1232; 241,2; A88] der kommende Tag); c ist sprachl. wahrscheinl. die beste Lösung (vgl. Luz, Mt 1, S. 346f). δίδου Imp. δίδωμι; Imp. Präs. dur. bzw. iter. (BDR § 336,1) [Var. δός Aor. Imp.]. τὸ καθʼ ἡμέραν distributiv täglich (B κατά II2c); adv. Akk. (A150).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Nachdem der Bittende so zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit gesucht hat, wird er nun gelehrt, seine eigenen Bedürfnisse und Nöte vor Gott zu bringen. Ein immer wiederkehrendes Bedürfnis wird hier vorgebracht: die Speise, sowohl leibliche Speise als auch geistliche. Wir sollen in täglicher Abhängigkeit von Gott leben und ihn als Geber aller guten Gaben anerkennen.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Die dritte Bitte fällt den Forschern zunächst dadurch auf, dass ihre Übersetzung schwierig ist. Man kann mit Schlatter übersetzen: »Unser Brot, das wir für den morgenden Tag brauchen, gib uns Tag um Tag!«, oder mit der Lutherbibel: »Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag«, oder aber, wie wir übersetzten: »Unser nötiges Brot gib uns Tag für Tag (bzw. täglich)« (V. 3). Die Übersetzung »Unser morgiges Brot« o. ä. scheint uns von Mt 6,34 her beinahe ausgeschlossen. Die Übersetzung »Unser tägliches Brot« wäre nur eine Wiederholung von »täglich« bzw. »Tag für Tag«. So scheint die Übersetzung »unser nötiges Brot gib uns Tag für Tag« die beste zu sein.

Was ist nun der Inhalt dieser Bitte? Sie dreht sich um das einfachste menschliche Bedürfnis, das »Brot«. Vermutlich vertritt »Brot« hier wie im Deutschen die notwendige Versorgung mit Essen und Trinken insgesamt. Man könnte also diese dritte Bitte etwa folgendermaßen umschreiben: »Was an Essen und Trinken nötig ist, gib uns Tag für Tag«. Sie zielt nur auf das, was nötig ist. Sie zielt nicht auf Luxus. Damit bleibt Jesus in der Linie der Weisheitslehrer des Alten Testaments (Spr 30,8; vgl. 2 Mo 16,19ff.; 1 Tim 6,8). Es ist Gnade, wenn wir genügend zu essen und zu trinken haben. Will man diese dritte Bitte richtig verstehen, dann muss man sich außerdem vor Augen halten, dass die Gemeinde Jesu in der Regel eine verfolgte Gemeinde ist. Wie schwer aber ist es für Verfolgte, materiell einigermaßen gesichert zu existieren (vgl. Mt 10,42; 25,34ff.)! In der Antichrist-Zeit wird der Gemeinde sogar das Kaufen und Verkaufen verboten (Offb 13,17). Dann wird diese dritte Vaterunserbitte noch einmal einen ganz anderen Rang bekommen. Beachten wir schließlich den Ausdruck »Tag für Tag«. So kann nur ein Kind Gottes beten. Es vertraut ja dem Vater im Himmel, dass er täglich alles Nötige schenkt. Es braucht nur fürs Heute versorgt zu sein (Mt 6,34). Das Morgen steht in Gottes Hand. Dagegen will der Unglaube Sicherheit, und weil er Sicherheit will, möchte er schon für alle Zukunft versorgt sein. Der Unglaube betet deshalb: »Unser Brot für alle Zukunft gib uns schon heute«. Vgl. Mt 6,11. Sicherheit oder Vertrauen – das sind die Gegensätze, die hier aufbrechen und zwischen denen wir zu wählen haben.

Gerhard Maier – Edition C

Die dritte Bitte des Matthäus fehlt bei Lukas. Es schließen sich die in der Fassung des Lukas in der Dreizahl überlieferten Wir-Bitten an.9 Die Bitte um das Brot ist bei ihm durch den iterativen Präsensimperativ δίδον an Stelle des Aorist und durch τὸ καθʼ ἡμέραν (= täglich), das dem iterativen Imperativ entspricht, gegenüber Matthäus abweichend. Gegenüber dem harten σήμερον, das nur das Brot für den jeweiligen Tag erbittet, meint das καθʼ ἡμέραν, das Existenzminimum für alle Tage. Darin wird ein Sicheinrichten in der Welt im Zeichen der Parusieverzögerung erkennbar. Für die Bedeutung des äußerst seltenen ἐπιούσιος das auch in einem Papyrus aus dem 5. Jahrhundert belegt ist, macht K. G. Kuhn den Vorschlag, es auf einen aramäischen Ausdruck zurückzuführen, der den Übersetzer zu dieser seltenen Wortbildung veranlaßte. In dem Ausdruck lejoma, Brot für den Tag, steckt nach ihm beides: Brot, soweit es für den Tag nötig ist, und Brot für heute. ἐπιούσιος und σήμερον einerseits und ἐπιούσιος und καθʼ ἡμέραν andererseits versuchen den aramäischen Wortlaut wiederzugeben. Auch in der (leicht gemilderten) Fassung des Lukas bittet das Gebet um natürliche Güter und vertraut sich der Fürsorge Gottes an (Matth. 6,34).

Wiefel – Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament

Die erste der Wir-Bitten enthält ein semantisches Problem. Um welches Brot geht es bzw. was genau bedeutet ἐπιούσιος? Dieser Begriff steht hier völlig singulär und ist in der gesamten antiken Literatur nicht mehr belegt. Von allen Deutungsmöglichkeiten erscheint diejenige am plausibelsten, die das Wort auf den kommenden Tag bezieht. Die Bitte richtet sich demnach auf das Brot für morgen. Diejenigen, die sich der Fürsorge Gottes anvertrauen, planen nicht über den kommenden Tag hinaus. Jeden Tag erhalten sie von neuem, worum sie Gott bitten. Mit dieser elementaren, grundlegenden Bitte beginnt das, was die Sache des Menschen ausmacht.

Böttrich – Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament

Diese Bitte ist eine Anspielung auf das »tägliche Brot« (Manna), das Gott seinem Volk nach der Befreiung aus Ägypten gab ( 2.Mose 16,4 ). Gebete um das Lebensnotwendige – mit Brot und Wasser als Inbegriff des Unverzichtbaren – hatten im Judentum einen festen Platz (vgl. Spr 30,8 ).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Die Bitte um das Brot ist die Bitte darum, daß die täglichen Bedürfnisse gestillt werden. In Zeiten materiellen Überflusses vergißt man nur zu leicht, daß all unsere Bedürfnisse durch Gottes freundliche Fürsorge gestillt werden. Der Gläubige sollte weiterhin um Gottes tägliche Fürsorge bitten und nicht vergessen, für die treue Erhörung der Bitten zu danken. Die Menschen, die die kommende Drangsal erleben, werden zu Gott aufschauen, damit Er sie mit allem Nötigen versorge, denn ihrer Treue zum Herrn wegen wird man sie des täglichen Brotes und des Daches über dem Kopf berauben (Offb 13,17).

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

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