Thomas Pape

,

nicht als Herrschaftsbefugnis verstanden, sondern durchaus nur als Dienst zur Leitung der Gemeinde

Das Wort ist gewiß: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk
Elberfelder 1871 – 1.Timotheus 3,1

Das Wort ist wahr: Wenn jemand eine Leitungsaufgabe begehrt, begehrt er eine gute Aufgabe.
Luther 2019 – 1.Timotheus 3:1

´Es heißt` – und das ist ein wahres Wort –: »Wenn sich jemand um ein leitendes Amt in der Gemeinde bemüht, strebt er nach einer großen und ehrenvollen Aufgabe.«
Neue Genfer Übersetzung – 1.Tim 3,1

ZUTREFFEND ist das Wort: «Wer nach dem Vorsteheramt – w: Aufseheramt (nicht als Herrschaftsbefugnis verstanden, sondern durchaus nur als Dienst zur Leitung der Gemeinde). – strebt, begehrt eine köstliche Wirksamkeit.»
Hermann Menge Übersetzung – 1926 – 1.Tim 3:1

Diese Aussage gilt: Wenn jemand die Aufgabe eines Gemeindeleiters anstrebt, dann streckt er sich nach einem guten Werk aus.
Das Buch – 2009 – 1.Timotheus 3:1

πιστός hier glaubwürdig, zuverlässig, wahr. ἐπι-σκοπή (< ἐπισκοπέω Acht geben auf, sorgen für) Besichtigung, Heimsuchung; Aufsichtsamt, bes. dann Vorsteher-, Leitungsamt; später: Bischofsamt (hier wahrscheinl. noch nicht unterschieden v. Amt des Ältesten [πρεσβύτερος], vgl. 5,17.19; Tit 1,5.7). ὀρέγομαι sich ausstrecken; (an)streben, begehren, m. Gen. ἐπι-θυμέω begehren, verlangen, m. Gen.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

In den Handschriften steht πιστὸς („zuverlässig“) oft so, dass es einen neuen Abschnitt markiert, sodass es sich kaum um einen Bezug auf links handeln kann, d.h. dass die Bewahrung der Frau ein zuverlässiges Wort ist. Der Dienst, in den Zusammenkünften auf die Lehre etc. aufzupassen, wird als schönes Werk bzw. als gute Tätigkeit bezeichnet.

P. Streitenberger – 1.Timotheus

Das zweite »gewisse Wort« im 1. Timotheusbrief (vgl. 1,15) beschäftigt sich mit der Aufgabe der Bischöfe (Ältesten) in der Ortsgemeinde. Ein »Aufseher« ist ein Mann, der als Christ im Glauben erfahren und verständig ist. Er hilft mit, auf göttliche Weise auf das geistliche Leben einer örtlichen Gemeinde zu achten. Er regiert nicht über Gottes Erbe, sondern er leitet durch sein geistliches Beispiel.
Heute bezeichnet der Ausdruck »Bischof« einen kirchlichen Amtsträger, der Autorität über viele Ortsgemeinden hat. Doch das NT sagt immer wieder, dass es mehrere Bischöfe (Älteste bzw. Aufseher) in einer Gemeinde gegeben hat (Apg 14,23; 20,17; Phil 1,1; Jak 5,14).
Ein Bischof ist dasselbe wie ein »Aufseher«. Das Wort, das die ER mit »Aufseher« übersetzt, wird in anderen Bibelausgaben mit »Bischof« wiedergegeben. Ein Bischof im biblischen Sinne entspricht einem Ältesten. Dieselben Männer, die in Apostelgeschichte 20,17 Älteste genannt werden, werden in Apostelgeschichte 20,28 »Aufseher« genannt (vgl. auch Titus 1,5.7). Älteste sind mit Presbytern identisch, denn obwohl sich das letztgenannte Wort nicht im NT findet, ist das deutsche Wort »Ältester« eine Übersetzung des griechischen Wortes presbyteros. Deshalb beziehen sich die Worte »Bischof«, »Aufseher«, »Ältester« und »Presbyter« alle auf dieselbe Person.
Freilich wird das Wort, das mit »Ältester« übersetzt wird (presbyteros), manchmal benutzt, um einen älteren Mann zu beschreiben. Dabei geht es um einen Mann, der nicht notwendigerweise ein führender Bruder in der Gemeinde ist (1. Tim 5,1; gr.). An den meisten anderen Stellen beschreibt »Ältester« jedoch einen Mann, der in einer Ortsgemeinde als Gläubiger anerkannt ist und der den Hirtendienst im Volk Gottes übernimmt.
Das NT kennt Aufseher oder Älteste in jeder Ortsgemeinde (Phil 1,1). Doch wäre es falsch zu sagen, dass eine Gemeinde ohne Aufseher nicht bestehen kann. Aus Titus 1,5 geht klar hervor, dass es auf Kreta junge Gemeinden gab, in denen noch keine Ältesten eingesetzt worden waren.
Nur der Heilige Geist Gottes kann einen Mann zum Ältesten ernennen. Das geht aus Apostelgeschichte 20,28 hervor. Der Heilige Geist legt einem Mann eine Last aufs Herz, diesen wichtigen Dienst zu tun, wobei er ihn auch dafür ausrüstet. Es ist unmöglich, einen Mann zum Bischof zu machen, indem man ihn in dieses Amt wählt oder ihn ernennt. Die Verantwortung der Ortsgemeinde besteht darin, die Männer in ihrer Mitte zu erkennen, die vom Geist Gottes zu Ältesten berufen worden sind (1. Thess 5,12.13). Es stimmt, dass wir die Ernennung von Ältesten im Titusbrief finden, doch hier ging es einfach um die Aufgabe, Männer auszusondern, die die Eigenschaften von Ältesten hatten. Zu dieser Zeit hatten die Christen das NT noch nicht in geschriebener Form vorliegen, wie wir es heute besitzen. Deshalb wussten sie nicht genau, welche Anforderungen an Älteste zu stellen waren. Daher hat Paulus seinen Mitarbeiter Titus mit diesen Informationen zu ihnen gesandt. Er wies Titus an, diejenigen Männer auszusondern, die vom Geist Gottes für dieses Werk ausersehen worden waren.
Das Erkennen von Ältesten durch eine Ortsgemeinde kann ganz formlos geschehen. Es passiert sehr oft, dass Christen unwillkürlich wissen, wer ihre Ältesten sind, weil sie sich mit den Anforderungen an Älteste in 1. Timotheus 3 und Titus 1 vertraut gemacht haben. Andererseits kann die Anerkennung von Ältesten auch formeller geschehen. Eine Ortsgemeinde mag sich ausdrücklich zu dem Zweck versammeln, öffentlich Älteste zu ernennen. In diesem Fall sollte man normalerweise die betreffenden Schriftstellen verlesen, sie auslegen und dann die Ortsgemeinde bitten, diejenigen zu benennen, die sie für Älteste in dieser Gemeinde halten. Die Namen werden dann vor der gesamten Gemeinde genannt. Wenn die Gläubigen einer Gemeinde keine qualifizierten Ältesten haben, dann besteht ihre einzige Möglichkeit darin, den Herrn zu bitten, dass er ihnen in Zukunft solche Menschen schenken möge.
Die Schrift gibt keine Anzahl von Ältesten vor, die für eine Gemeinde nötig sind, obwohl es immer mehrere sind. Es ist einfach eine Frage, wie viele Männer auf die Führung des Heiligen Geistes in dieser Angelegenheit reagieren.
»Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk.« Es gibt die Tendenz, dieses Werk als ein würdiges kirchliches Amt zu betrachten, das wenig oder keine Verantwortung mit sich bringt, obwohl der »Aufseherdienst« in Wirklichkeit ein demütiger Dienst inmitten des Volkes Gottes ist. Dieses Werk ist mit vielen Anstrengungen verbunden.

– MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Erst jetzt, nachdem der Apostel allen Gemeindegliedern ihre weltweiten und hausnahen Vorrechte und Verpflichtungen dargelegt hat, kommt er auch auf die Diener der Gemeinde zu sprechen. Diese Reihenfolge ist nicht ohne Bedeutung (E 1. 2). Von einer Überbewertung der Leiter oder gar eines einzelnen ist nicht die Rede. Im Gegenteil, für den Vorsteherdienst bedarf man sogar einer ausdrücklichen Bestätigung und Ermutigung durch den Apostel. Wer danach trachtet, begehrt eine schöne und wertvolle Aufgabe, die nicht zu verachten ista). Diese Diener stehen der Gemeinde „im Herrn“ vor und weisen sie zurecht, darum sollen sie um ihres Werkes willen ganz besonders lieb und wert gehalten werden.
Unter den Gnadengaben zählte der Apostel diejenige der Leitung zu den geringeren. Noch der Letzte der Gemeinde sollte fähig sein, richterliche Entscheidungen zu fällend). Es gilt vielmehr, nach den für die Gemeinde wichtigeren Gaben der Weissagung und der Lehre zu streben. Während Paulus den Korinthern gegenüber der Überbewertung des Sprachenredens wehren mußte, hat er jetzt einer Geringschätzung des Vorsteherdienstes zu begegnen.
Kap. 2 und 3 stehen in engem inneren Zusammenhang: a) der Mittelpunkt des Gottesdienstes, die Gegenwart des Herrn im Geist, im Wort, im Herrenmahl (1, 15; 2, 6; 3, 16); b) zu dieser Mitte hin versammelt war die Gemeinde, Männer und Frauen in weltumfassendem Gebet (2, 1. 8–15); c) ihrem Dienst zugeordnet sind Vorsteher und Diakone (3, 1–15).
Gegen die Tätigkeit der Irrlehrer, die nach dem Abscheiden des Paulus über die Herde herfallen werden, traf der Apostel nicht Maßnahmen kirchenrechtlicher oder organisatorischer Art, er vergrößerte auch nicht die Kompetenz der Vorsteher, sondern er ermahnte die versammelten Ältesten von Ephesus, sich ihrer Berufung durch den Heiligen Geist würdig zu erweisen, auf sich selbst achtzuhaben und auf die ihnen anvertraute Herde. Nicht anders schreibt er an Timotheus: Er soll auf sich selbst achthaben und auf die Lehre, so wird er sich und die auf ihn Hörenden retteng). Entsprechend gilt es jetzt, die Vorsteher und Diakone auf ihr persönliches Leben und Dienen hin zu ermahnen.
Vorsteherdienst. Die Mehrzahl der Ausleger stimmt darin überein, daß es sich hier nicht um das sogenannte monarchische Bischofsamt handeln kann. Nicht einmal die Einzahl für Vorsteherdienst (1) und Vorsteher (2) läßt den Schluß zu, daß nur ein einziger der Leiter einer örtlichen Gemeinde gewesen ist. In 5, 17 ist von mehreren Ältesten die Rede, die gut vorstehen. Sie tun das, was sowohl von den Episkopen (Vorstehern) wie von den Diakonen erwartet wird.
Darum übersetzen wir besser mit „Vorsteher“ und seine Aufgaben mit „Dienst“, denn es handelt sich bei ihm eben nicht—noch nicht—um ein Amt mit Ehre und Würde oder um einen schönen Titel, sondern um ein „schönes Werk“ (E 25e).
Die Gemeinde an größeren Orten konnte aus mehreren Hausgemeinden mit ihren Vorstehern bestehen (V 4!) und ein Vorsteher verschiedene Aufgaben ausführen. Einige arbeiten „in Wort und Lehre“, andere sehen zu, daß in der Gemeinde alles geordnet vor sich gehtk). Das Wort Vorsteher, Aufseher (episkopus) bezeichnet ursprünglich „jeden, dem innerhalb einer Gemeinschaft die Sorge für eine bestimmte Angelegenheit als dauernde oder zeitweilige Aufgabe anvertraut ist“.
Sich ausstrecken nach einem Vorsteherdienst und ihn begehren, darf man. Die Bibel verwirft das menschliche Streben nicht, Gott hat es dem Menschen gegeben. Man soll nicht nach Reichtum streben (6, 10 dasselbe Verb), wohl aber nach besseren Gütern und schönen Dienstenm).
Trachten: verlangen. Die Lust des menschlichen Herzens soll nicht unterdrückt werden, sondern gereinigt und ausgerichtet sein auf würdige Ziele, „so hast du deine Lust an dem Herrn, und er gibt dir, was dein Herz begehrt“.
Indem der Heilige Geist die Lust des Herzens weckt, Gottes Willen zu tun, leitet er den Glaubenden zu den Diensten und Aufgaben, die der göttlichen Berufung entsprechen und die darum des Menschen eigene Lust und Liebe werden können.

Bürki – Wuppertaler Studienbibel

Der Apostel Paulus schreibt: »Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe« (wörtlich: »ein schönes Werk« (V. 1).

7.3.1 In der frühen Christenheit handelte es sich nicht etwa, wie in späterer Zeit, um einen übergemeindlichen Leitungsdienst in mehr oder weniger großer Region. »Bischöfe« waren vielmehr die Leiter einzelner Gemeinden, wobei in einer Gemeinde mehrere »Bischöfe« zu diesem Dienst bestellt sein konnten (vgl. Phil 1,1).

7.3.2 Der Ausdruck in der griech. Ursprache des NT bedeutet »Aufseher«. Im Allgemeingebrauch des Wortes wurde mit ihm der Aufseher beim Hausbau bezeichnet. Das Wort hat in der Gemeinde Jesu um so mehr seinen berechtigten Platz, als es sich ja auch beim Aufbau der Gemeinde um einen »Hausbau« handelt: um den Bau des Hauses, des Tempels Gottes in dieser Welt, wo Gott bei uns Menschen zu Hause ist und wir bei ihm zuhause sein dürfen (vgl. 1 Kor 3,9–11.16; 1 Petr 2,5). Dabei führen die betreffenden Leute ja nicht nur die Aufsicht, sondern sie gehen den andern auch in der Arbeit voran; sie sind, richtig verstanden, »Vorarbeiter«.

7.3.3 Aber vielleicht wollte sich damals mancher gar nicht so gern diese Aufgabe aufladen lassen. Er fürchtete vielleicht, in einer ihm bis jetzt noch gar nicht bekannten Weise mit großer Mühe alles zusammen- und in Gang halten zu müssen. Er sah hier wohl auch Grenzen seiner Begabung im Blick auf diesen Dienst, innerlich und äußerlich für die Leute Sorge zu tragen, auch schwierige Menschen zu ertragen und sie immer wieder mit hereinzunehmen; das konnte in einer jetzt noch nicht abzuschätzenden Weise Ärger bereiten. Auch konnte er für Angriffe von außen, von seiten des Staates und der Öffentlichkeit, mehr oder weniger der »Prellbock« sein müssen. Und auch um mögliche Fehlentwicklungen, was Lehre und Leben in den eigenen Reihen betrifft, würde er sich kümmern müssen. Der Dienst in einem Teilbereich, etwa ausschließlich dem der Verkündigung, wäre dem Betreffenden vielleicht als schöner, überschaubarer erschienen. Doch Paulus stellt fest: »Wenn jemand nach einem Bischofsamt strebt, der begehrt eine schöne Aufgabe.« Warum soll denn gerade der so umfassende Dienst »schön« sein? Weil ein solcher Diener der Gemeinde rundherum den großen Dienst Jesu für sie ausführen darf, den des Guten Hirten für seine Herde. Er darf in besonders vielfältiger Weise ein Gehilfe des Guten Hirten sein, »Hütejunge«, »Schäferknecht« des großen Hirten und Herrn seiner Herde (vgl. 1 Petr 5,1–4).

7.3.4 Gerade wenn die Übergriffe einer ideologischen, skrupellosen, antichristlichen Weltmacht gegen die Gemeinde Jesu immer härter und raffinierter werden, bekommen die Leitungen der örtlichen Gemeinden um so größere Bedeutung. Es ist in solchem Falle unter Umständen gut, die Bindungen an eine große, zentralistische Kirchenorganisation eher zu lockern und sich auf mehr Eigenverantwortlichkeit einzustellen. Denn erfahrungsgemäß greift eine solche Staatsmacht vor allem nach einer Gesamtleitung der Gemeinden, die sie in den Griff zu bekommen versucht, indem sie ihr genehme Leute in die Zentrale einschleust. So will sie dann von daher auch die örtlichen Gemeinden in ihrem Sinn gängeln. Die zahlreichen größeren und kleineren, vielgestaltigen örtlichen Gemeinden dagegen vermag sie in der Regel weit weniger in ihre Hand zu bekommen und so nach ihrem Gesamtkonzept »gleichzuschalten«.

7.3.5 Um so wichtiger ist es, auf die genannten Grundvoraussetzungen einer Berufung in den Leitungsdienst der Gemeinde zu achten (vgl. 1 Tim 2,15; 3,1a): Die Verantwortung der örtlichen Gemeindeleitung ist naturgemäß um so größer, je mehr die Gemeinde, auf sich selbst gestellt, den Weg suchen und die vom Herrn gebotenen Aufgaben erfüllen muß. Nötig ist es demzufolge, bei Berufungen in die Leitungsämter der Gemeinden auf die hier genannten Voraussetzungen einer Berufung zu achten (vgl. die Ausführungen zu 1 Tim 2,15 und 3,1a). Insbesondere, wenn endzeitliche Entwicklungen in Erscheinung treten, ist unabdingbar, daß auch in den Großkirchen bei der Berufung von Pastoren, Pfarrern, Presbyterien, Kirchengemeinderäten usw. die genannten Voraussetzungen Beachtung finden und ebenso 1. Tim 3,2–7.

7.3.6 Paulus geht davon aus, daß in den Gemeinden Mitchristen vorhanden sind, die das Bischofsamt »begehren«, erstreben. So etwas darf nicht gleich als Geltungssucht gedeutet werden. Es kann jemand unter Gebet erkannt haben: »Gott will, daß ich mich erforderlichenfalls auch für diese Aufgabe zur Verfügung stelle; er hat mir dazu wohl auch einiges an Gaben und Kräften geschenkt. Auch läßt mir mein Beruf und die Aufgabe in meiner Familie dafür einigermaßen Raum, so daß ich in der Regel kaum viel in Pflichtenkollisionen geraten würde. Und nicht zuletzt: Meine Frau geht bei derartigem entschieden mit und trägt mit, ja sogar auch schon meine Kinder. Wenn der Herr mir dazu die Tür auftut und mich auch das Vertrauen der Gemeinde dazu ruft, dann will ich mich gern dazu bereit erklären und auch die Anfechtungen und Leiden, die diese Arbeit mit sich bringen wird, meinem Herrn zulieb in Kauf nehmen. Auch wenn es Anfechtungen und Leiden sein werden, an die ich jetzt noch gar nicht denke, für meinen Herrn, sein Evangelium und seine Gemeinde möchte ich grundsätzlich dazu willig sein, nach dem Wort: ›Willst du Gottes Diener sein, so bereite dich auf die Anfechtung vor‹ (Sir 2,1).«

Grünzweig – Edition C Bibelkommentar Neues Testament

Viele Moralisten forderten Männer, die dazu qualifiziert schienen, dringlich auf, Verantwortung zu übernehmen und in die Politik zu gehen. Die Inhaber einer bestimmten Position in der Hierarchie der griechischen Welt, sowohl im Magistrat als auch in den Vereinigungen, wurden als »Aufseher« bezeichnet. In den Schriftrollen vom Toten Meer wird die hebräische Entsprechung für diesen Begriff für ein leitendes Amt gebraucht; in der vorliegenden Passage ist das Wort wahrscheinlich ein Synonym für die Synagogenvorsteher, die für den Synagogengottesdienst verantwortlich waren. Dieses Amt wird in den Pastoralbriefen ( Tit 1,5.7 ) mit dem der Ältesten gleichgesetzt, eine Situation, die sich allerdings ab Anfang des 2. Jh. änderte ( Ignatius Brief an die Gemeinde in Tralles 3), zur Zeit von Paulus jedoch wohl noch Realität war ( Phil 1,1 ; vgl. Apg 20,17.28 ).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Das Werk wird beschrieben als „der Aufseherdienst“ (episkope), was besser mit „Aufsicht“ (JND) wiedergegeben wird. Dies betont nicht ein Amt, sondern die damit verbundene Arbeit. Thayer weist darauf hin, daß das Hauptwort „Inspektion, Visitation“ bedeutet und das verwandte Zeitwort einen weiten Bedeutungsbereich hat, nämlich „auf etwas schauen, inspizieren, Aufsicht führen, nach etwas schauen, sich um etwas kümmern“. Alle diese Bedeutungen haben, wie auch der zugrunde liegende Gedanke, etwas zu tun mit Wachsamkeit und Aufmerksamkeit.
Innerhalb des unmittelbaren Kontext sollten wir folgende Punkte beachten:

Das Verb, um das es geht wird in zwei Worten definiert. Das erste Wort heißt „für etwas sorgen“ (V. 5) und das zweite ist das mit „wohl vorstehen“ übersetzte Partizip von 5,17. Diese Worte verdeutlichen das Wesen der Verantwortung im Werk eines Aufsehers.

Daß es bei der Übernahme dieser Verantwortung nur um Männer geht, ergibt sich aus der Belehrung von 2,13-14 (siehe „Autorität anmaßen“, V. 12) und in Übereinstimmung damit sind alle folgenden Eigenschaftswörter männlichen Geschlechts.

Wenn die Aufseher bei ihrer Tätigkeit gesehen werden, dann wird immer in der Mehrzahl gesprochen (Apostelgeschichte 20,17.28; 1.Tim. 5,17). in einer Versammlung gibt es immer eine Mehrzahl von Aufsehern.

Timotheus wird nicht aufgetragen, solche Männer anzustellen; Titus hingegen hatte (Titus 1,5) bei den neubekehrten Kretern diesen Auftrag. Bereits in Ephesus gab es anerkannte Aufseher in der Versammlung (Apostelgeschichte 20,28; 1.Tim. 5,17). Diese Liste der Qualifikationen, die von einem Aufseher verlangt werden, ist daher nicht allein oder hauptsächlich zum Nutzen des Timotheus gegeben, sondern auch, damit die Heiligen die göttliche Eignung solcher Männer erkennen könnten. Es gibt keine biblische Rechtfertigung für den Gedanken, daß es nur dann Aufseher geben könnte, wenn Apostel oder deren Vertreter diese eingesetzt haben. Jede den Gedanken Gottes entsprechende Versammlung, sollte erwarten, daß solche nach göttlichem Maßstab geeigneten Männer unter ihnen sichtbar werden, die sie dann anerkennen (1.Thes. 5,12).
Diese Anforderungen stellen kein Ideal dar, von dem Abstriche erlaubt wären, sondern es sind die wesentlichen Qualifikationen für jemanden, der eine solche Arbeit aufnimmt. Keine Auswahl und/oder Wahl durch die Versammlung kann eine solche Eignung sichern. Genauso wenig wird sie durch die Berufung in einem Komitee erreicht, sondern der Heilige Geist stattet einen Mann für die Aufgabe aus, sorgt für die Möglichkeit ihrer Ausführung und die Heiligen erkennen die Person an (1.Thes. 5,12), welche die Arbeit tatsächlich tut.
Bezüglich der Bedeutung des Ausdrucks („das Wort ist gewiß“ siehe Anhang b). Die Worte sind genau die gleichen, wie in den anderen vier Stellen ihes Vorkommens und es gibt keine Rechtfertigung für die Luther Übersetzung, wenn es dort heißt „das ist gewißlich wahr“. Es ist das einzige Mal, bei seiner dreimaligen Erwähnung in diesem Brief, wo nicht der zusätzliche Ausdruck „und aller Annahme wert“ dabeisteht. Manche haben versucht, diese Aussage mit der Formulierung am Ende des vorhergehenden Kapitels zu verbinden, diese Meinung wird aber durch nichts unterstützt. In 2,15 zeigt sich kein „gewisses, zuverlässiges Wort“. Wieder einmal verwendet Paulus einen gängigen, christlichen Ausdruck, der den Gläubigen vertraut war, und unter der Oberaufsicht des Heiligen Geistes nimmt er ihn in den Kanon der Schrift auf und setzt dadurch den Stempel göttlicher Autorität darauf. Es könnte gut sein, daß im Licht der schweren Aufgabe des Aufsehers und der Neigung der Obrigkeit, solche Führer zu verfolgen, bei einigen, ein gewisser Widerstand bestand, in der Versammlung Verantwortung zu übernehmen, obwohl Gott sie für diese Aufgabe ausgerüstet hatte.
Paulus zeigt deshalb, wie hervorragend eine solche Arbeit ist. Das Wort „schön“ ist Halos und Vine übersetzt den Ausdruck „ein edles Werk“. Das Wort „Werk“ ist ergon (in der Physik kennen wir das Wort erg eine Maßeinheit für Arbeit); die Aufgabe erfordert ein Investieren von Energie, sowohl physischer als auch geistlicher.
Zwei starke Zeitwörter werden verwendet, um das Ausstrecken nach diesem Werk zu beschreiben. Das erste (orego) bedeutet „sich selbst ausstrecken“, um etwas berühren oder ergreifen zu können; es bedeutet mehr als „wünschen, begehren“, da es auch das Sich-Ausstrecken nach einem Gegenstand miteinschließt. Das zweite Wort (epithymeo) bedeutet „sich leidenschaftlich nach etwas sehnen“ und betont den Impuls, der uns zu einem Gegenstand hinbewegt. Dies ist der Beweggrund, der hinter der im ersten Zeitwort angesprochenen Bewegung liegt.
Drei Worte werden in der Schrift gebraucht für Männer, die Autorität in der Versammlung ausüben:

Älteste übersetzt presbyteroi, eigentlich ein Eigenschaftswort, der Komperativ von presbys, „ein alter Mann“, also ein älterer Mann, ein Ältester. In Apostelgeschichte 14,23; 20,27; Philipper 1,1; 1.Tim. 5,17; Titus 1,5 wird dieser Ausdruck verwendet. Er hat einen jüdischen Hintergrund aus dem Alten Testament und betont die geistliche Reife derjenigen, die für diese Arbeit geeignet sind.
Aufseher (episkopai, aus epi „über“, und skopeo, „besichtigen, beaufsichtigen, bewachen“) findet sich in Apostelgeschichte 20,28; Philipper 1,1; 1.Tim. 3,1; Titus 1,7; 1.Petr. 2,5. Vor seinem griechischen Hintergrund definiert Thayer das Wort im nichtgeistlichen Zusammenhang als „ein Aufseher, ein Mann mit dem Auftrag, dafür zu sorgen, daß Dinge von anderen richtig getan werden, ein Courator, ein Wächter oder Superintendent, Intendant“. In der Versammlung beschreibt das Wort diejenigen, die über die Gläubigen „Aufsicht führen“ oder sie „hüten“. Dieses Wort legt die Betonung auf das Wesen der tatsächlichen geistlichen Arbeit, die in Aufseherschaft für Gott getan werden muß.
Hirten (Primen), in Epheser 4,11 verwendet und das verwandte Zeitwort in Apostelgeschichte 20,28 und in 1.Petr. 5,1-2 (Elberf. „hüten“). Dies betont die geistliche Fähigkeit derer, die notwendigerweise Charakterzüge von Christus haben, der als der Erzhirte beschrieben wird (1.Petr. 5,4), derjenige, der sich selbst schonungslos für die Interessen der Erde hingegeben hat (Johannes 10,11).
Daß diese Ausdrücke austauschbar für die gleichen Personen verwendet werden, geht aus dem Vergleich von Apostelgeschichte 20,17 (die Ältesten) und Apostelgeschichte 20,28 (die Aufseher) hervor, wo es sich beide Male um die gleiche Gruppe handelt. In V. 28 wird diese Gruppe Männer angewiesen, die Gemeinde Gottes „zu weiden“ (poimaino, „Hirte sein“, das verwandte Zeitwort des Hauptwortes Primen). Petrus verwendet den gleichen Wechsel in 1.Petr. 5,1-2 zwischen „weiden“ (poimaino) und „Aufsicht“ (von episkopos). Der Hinweis auf „Ältester“ (presbyteros) und „Aufseher“ (episkopos) in Titus 1,5.7 verdeutlicht die gleiche Wahrheit. Alle offiziellen kirchlichen Deutungen dieser Ausdrücke, oder hierarchischen Unterscheidungen zwischen ihnen, die den einen über den anderen erheben, sind nachapostolischer Herkunft und finden im Gebrauch der Schrift keinerlei Rückhalt.
Geistliche Reife (Älteste) und geistliche Fähigkeit (Hirten) werden in Männern offenbar werden, die von Gott ausgerüstet sind, das geistliche Werk von Aufsehern auszuüben. Dieses Werk verlangt einen makellosen Charakter und tadelloses Verhalten, denn es bedeutet Sorge tragen (3,5) und vorstehen (5,17) in der Gemeinde Gottes.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

0