Aber ER wird mir zum Horst,
mein Gott zum Felsen meiner Bergung.
Buber & Rosenzweig – Psalm 94,22
Doch Jahweh wurde mir zur hohen Festung,
mein Gott zum Felsen meiner Zuflucht.
Jantzen & Jettel – Psalm 94:22
Doch der Ewige ist mir zur Burg geworden, und mein Gott zum Fels meiner Zuflucht.
Streitenberger – Ps 94,22
Doch Jehova ist meine hohe Feste, und mein Gott der Fels meiner Zuflucht.
Elberfelder 1871 – Ps 94:22

Könnte irgendeine Gemeinschaft zwischen dem HERRN und diesen gottlosen Herrschern bestehen? Könnte es Partnerschaft zwischen Christus und dem Antichristen geben? Könnte der Herr Menschen anerkennen, die Gesetze erlassen, um die Sünde zu legalisieren? Solche Fragen zu stellen, heißt, sie zu beantworten. Die machttrunkenen Gewalthaber erwürgen den Gerechten und verurteilen den Unschuldigen. Aber der HERR ist den Seinen eine Burg und der Felsen, auf den sie sich retten können. Er wird den Ungerechten in vollem Maß vergelten. Er wird sie wegen all ihrer Bosheit vertilgen. Ja, meine Herren, er wird sie vertilgen.
MacDonald – Kommentar zum Alten Testament
Sic semper tyrannis! (So ergehe es den Tyrannen allezeit!)
Aber der Herr ist mein Schutz. Welch leuchtendes Beispiel der Kraft Gottes, der allein der stärksten Anschläge, der größten Macht und der gewaltigsten Wut Herr wird! Der Prophet sagt aber nicht bloß, dass der Herr ihm wie eine Burg ist, aus welcher er auf alle Angriffe verächtlich herabschaut und in welcher er sicher geborgen ist. Nachdem er sich vielmehr zum Schutze Gottes beglückwünscht, kündigt er auch den Feinden den Untergang an (V. 23): Er wird ihnen ihr Unrecht vergelten. Das ist Gottes eigentliches Amt, das er wider alle Belästigung der Guten ausübt. Etwas vom Geschmack der Gerechtigkeit Gottes würde es uns schon gewähren, wenn die bösen Anschläge nur vereitelt würden. Wenn aber die Frevler in die Grube fallen, die sie selbst gegraben, wenn sie, die auf jeden Weg einen Hinterhalt legen, die Guten zu verderben, in ihrer eigenen Schlauheit umkommen; wenn sie ihre ganze Kraft aufbringen, um sich mit ihren eigenen Schwertern zugrunde zu richten, – dann rückt Gottes wunderbares Gericht in das hellste Licht. Weil dies aber schwer zu glauben ist, wiederholt der Dichter zweimal: Er wird sie vertilgen; der Herr wird sie vertilgen. Einen bemerkenswerten Grund zur Hoffnung gibt es den Gläubigen auch, dass er sagen kann: unser Gott. Er erinnert damit an das, was er schon sagte, dass Gott sein Erbe nicht versäumen kann, welches er in seine Obhut genommen.
Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar
»Doch der HERR ist mir zur hohen Feste«: Die schon lange andauernden (siehe V. 3) Freveltaten der Gottlosen können den Sänger nicht mehr beunruhigen; Gott hält ihn, Gottes Tröstungen beglücken ihn; in Gott weiß er sich sicher geborgen. Er wartet still auf Gottes Stunde, in der er ihnen das Böse vergelten wird, das sie getan haben. Das Unheil, das sie geplant und über andere gebracht haben, wird zu ihrem eigenen:
Benedikt Peters- Die Psalmen
Mögen die Boshaften sich zusammenscharen und auf ihn eindringen, der Psalmist fürchtet sich dennoch nicht, sondern singt gar lieblich: Aber der Herr ist mein Schutz (wörtl.: meine Burg); mein Gott ist der Hort meiner Zuversicht. Fest wie ein Fels ist Jehovahs Liebe; dahin fliehen wir, um uns zu bergen. Bei ihm, ja bei ihm allein finden wir sicheren Schutz, tobe die Welt, wie sie will. Wir begehren keine Hilfe von Menschen, sondern lassen uns gern daran genügen, uns an dem Busen der Allmacht zu bergen.
Spurgeon – Die Schatzkammer Davids: Eine Auslegung der Psalmen
Schon zu Salomos Zeiten hatten Menschen, die missbraucht und ausgebeutet wurden, keinen Rechtsbehelf und fanden niemanden, der in ihrem Namen Recht sprach (Prediger 4:1), also muss es in den Tagen Manasses, kurz vor dem Fall Jerusalems, noch viel schlimmer gewesen sein. Die Frage in Vers 16 ist rhetorisch und der Schreiber beantwortet sie selbst in Vers 17- „der HERR“. Der Psalmist erlebte die hinterhältigen Intrigen der bösen Führer und schrie zu Gott um Hilfe. Er wusste, dass die Richter das Gesetz verdrehten, um die Armen auszubeuten (V. 20), und er war dabei, in eine tiefe und gefährliche Situation zu geraten. Sein Herz war innerlich unruhig, aber der Herr hielt ihn aufrecht, zog ihn heraus und gab ihm inneren Frieden. Er war dankbar für andere Gläubige, die ihm beistanden und mit ihm beteten, denn aus „mein Gott“ in Vers 22 wurde zu „unser Gott“ in Vers 23. Er vertraute darauf, dass der Herr das Gericht herbeiführen würde, das die bösen Führer verdienten. Wie Asaph in Psalm 73 war er in seinem Glauben und seinem Lebenswandel ins Schleudern geraten, aber Gott zeigte ihm, dass die Gottlosen auf schlüpfrigen Wegen waren und schnell auf das Gericht zusteuerten (73:2-3, 18, 27-28).
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary
In bösen Tagen danken wir, dass wir den Herrn als unsere Zuflucht und Festung haben. Aber wir verstecken uns in ihm, nicht um der Verantwortung zu entgehen, sondern um gerüstet zu sein, hinauszugehen und den Feind zu bekämpfen. Als Salz der Erde und Licht der Welt (Mt 5,13-16) sollte das Volk Gottes alles tun, was es kann, um die Gerechtigkeit in dieser Welt zu fördern. Wie Edmund Burke sagte: „Es ist nur notwendig, dass der gute Mensch nichts tut, damit das Böse triumphiert“. Letztlich ist es aber der Herr, der die Herzen der Menschen kennt und der gerecht richten wird.