Also, da wir ein sehnliches Verlangen nach euch haben, (O. von Liebe zu euch erfüllt sind) gefiel es uns wohl, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden waret.
Elberfelder 1871 – 1.Thessalonicher 2,8
Also hatten wir Herzenslust an euch und waren willig, euch mitzuteilen nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser Leben, darum dass wir euch liebgewonnen haben.
Luther Studienbibel 2025 – 1.Thessalonicher 2:8
So waren wir, in Sehnsucht nach euch, entschlossen, euch nicht allein das Evangelium Gottes mitzuteilen – Röm 1,11; 15,29 -, sondern auch unsre eigenen Seelen- 2 Kor 12,15 -, weil ihr Geliebte von uns geworden seid!
Abraham Meister – 1.Thess 2,8
So sehr wurden wir von Liebe zu euch bewegt! Es schien uns gut, euch nicht nur die gute Nachricht zu übergeben, sondern sogar unser eigenes Leben für euch aufs Spiel zu setzen. Ja, so sehr hatten wir euch lieb gewonnen.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – 1. Thess 2:8

ὁμειρόμενοι Ptz. ὁμείρομαι liebevolle Gesinnung hegen, in Liebe zugewandt sein, m. Gen.; kaus. εὐ-δοκοῦμεν Ipf. od. Präs. (H-S § 71f) -δοκέω Wohlgefallen haben; für gut halten, beschließen, wollen, m. flgd. Inf. μετα-δοῦναι Aor. Inf. -δίδωμι201 Anteil geben an. οὐ μόνον … ἀλλὰ καί nicht nur … sondern auch. ψυχή Seele; hier Herz, Herz voll Liebe (B 1bγ); Leben, (das) Selbst; τὰς ἑαυτῶν ψυχάς an uns selbst. δι-ότι = ὅτε weil, da. ἐ-γενήθητε Aor. Pass. (ohne Pass.-Bdtg.) γίνομαι; ἀγαπητοὶ ἡμῖν ἐγενήθητε ihr seid uns lieb geworden (B II1).
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Er umsorgte sie so liebevoll, dass er mit ihnen lieber teilen wollte, als von ihnen etwas anzunehmen. Sein Anliegen bestand nicht in einer gleichgültigen, oberflächlichen Verkündigung des »Evangeliums Gottes«, sondern darin, seinen Zuhörern Anteil an seinen innersten Herzensregungen zu geben. Er liebte sie, und Liebe scheut keine Kosten. Wie sein Herr kam er nicht, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben (Mk 10,45).
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Nun finden wir ein Beispiel für diese mütterliche Liebe. Sie hatten nicht nur die Frohe Botschaft unter ihnen verkündigt, sondern ihre Liebe zu ihnen ging so weit, dass sie ihnen ihr eigenes Leben mitteilen wollten: Sie wollten sich für sie völlig aufopfern. Denken wir dabei nicht wieder an unseren Herrn, der das große Vorbild für Hingabe ist und der am Kreuz tatsächlich sein eigenes Leben „mitgeteilt“ hat? Das ist die Gesinnung des guten Hirten, der sein Leben für die Schafe gibt. Paulus war ebenfalls ein echter Hirte.
Werner Mücher – Die Briefe des Paulus an die Thessalonicher
Wir »waren euch gegenüber in Liebe gesinnt«: dies umschreibt ein selten gebrauchtes Wort, das »Sehnsucht haben« bzw. »eine liebevolle Gesinnung hegen« meint. Dadurch wird das Bild von der Amme aufgegriffen und die herzliche Verbundenheit mit der Gemeinde nachdrücklich betont.
Gerhard Maier – Edition C
Aus dieser Liebe heraus wollten die Missionare die frohe Botschaft mitsamt ihrem eigenen Leben mit den Thessalonichern teilen. Zweifellos bedeutete das »Evangelium Gottes« (vgl. das zu 1Thess 1,5 und 1Thess 2,2 Ausgeführte) von der Errettung durch Jesus Christus den höchsten Wert für Paulus (vgl. Röm 9,1-5). Dennoch war das Leben der Boten in die Evangeliumsverkündigung einbezogen: sie reichten es den Thessalonichern dar. Dies schloss den Einsatz ihres Lebens um ihres Dienstes willen (vgl. V. 2) ebenso ein wie ihren handwerklichen Einsatz im Interesse ihres Dienstes (V. 9). Der Grund dafür war: »Ihr seid uns lieb geworden«. Es ist die Sprache des Liebenden, der sich und sein Leben dem Geliebten mitteilen möchte. Durch das Auftreten der Missionare erfuhren die Thessalonicher etwas davon, dass sie von Gott Geliebte sind (vgl. 1Thess 1,4).
Mit „Herzenslust“ („liebevolle Zuneigung hegen“) beschreibt Paulus sein Verhältnis zur Gemeinde. Er verkündigt ihr das Evangelium, indem er sich mit seinem ganzen Leben in ihren Dienst stellt. Predigt und Person sind untrennbar. Der persönlichen Hingabe an das Evangelium entspricht die liebevolle Zuwendung zu den Menschen. Paulus gibt ihnen alles, was er hat: das Evangelium und das eigene Leben, mit dem er sich ihnen ganz zur Verfügung stellt. Denn er hat sie „liebgewonnen“; ohne Liebe läuft nichts, sie ist das Hauptmotiv allen Einsatzes für Gemeinde, Christen und Menschen (die noch zu gewinnen sind!). – Mit Erinnerung an „Fleiß und Schweiß“ seiner „Handarbeit“ in Thessalonich
Hans-Joachim Martens – Bibel im Gespräch – 1. & 2. Thessalonicher
a) unterstreicht Paulus seine gelebte Hingabe im Dienst der Verkündigung (die keinem zur Last fallen möchte, nur in Philippi macht er eine Ausnahme);
b) setzt er sich eindeutig von anderen Predigern ab (Predigt nur als Broterwerb);
c) führt er die Praxis mancher jüdischen Schriftgelehrten und Pharisäer fort (die neben ihrer Ausbildung einen praktischen Beruf erlernten);
d) beweist er die Glaubwürdigkeit seiner Person und seiner Botschaft (Darauf kommt es ihm an!).
»Ein sehnliches Verlangen haben« bedeutet eine liebevolle Sehnsucht nach jemandem hegen. Das Wort ist aus der Ammensprache abgeleitet. Es ist sehr selten und kommt im NT nur hier vor.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Der Pioniermissionar, der den größten Teil seines Lebens auf einem neuen Missionsfeld verbracht hat, wo das Evangelium zuvor noch nie gepredigt wurde, und der nach viel Mühe und Herzeleid erleben durfte, wie Seelen errettet, örtliche Versammlungen gegründet und die großen Grundsätze des Wortes gelehrt wurden, kann in gewissem Maß die Gefühle des Apostels Paulus gegenüber seinen Kindern im Glauben nachvollziehen. Jeder einzelne ist kostbar für ihn. Manche haben ihn schlaflose Nächte und viele Tränen gekostet. Manche haben ihm große Freude gebracht durch ihr Wachstum und ihre Entwicklung, während andere verstrickt wurden und entlang des Weges gefallen sind. In neueren Zeiten haben manche buchstäblich ihr Leben für Christus hingegeben und die Krone des Lebens errungen (Offb 2,10). Die Zeit ihrer Ernährung im Glauben hat Reife und Standfestigkeit hervorgebracht. Die Zeit des Smyrna-Leidens (siehe Offb 2) geht immer noch weiter, und Vorfreude des Pionierpredigers ist es, denjenigen bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus zu begegnen (V. 19), die treu waren bis zum Tod. In »gefiel es uns wohl, euch … mitzuteilen« ist »mitteilen« die Wiedergabe von metadounai, »etwas mit jemandem teilen«. Die Vorsilbe meta bezieht sich auf Gemeinschaft, Teilhaberschaft. Statt habgierig und selbstsüchtig zu sein (V. 5), waren sie aufgrund bewußter und wohlüberlegter Entscheidung bereit, alles mit ihnen zu teilen, und zwar nicht nur die frohe Botschaft von der Errettung, sondern auch ihr eigenes innerstes Wesen. Das Wort »Leben« ( psychas von psychê ) hat verschiedene Bedeutungen. Es kann in diesem Zusammenhang »unser Leben« bedeuten, d.h. daß sie bereit waren, für die Thessalonicher ihr Leben hinzugeben, zu sterben (vgl. 1.Joh 3,16). Das Evangelium mitzuteilen ist das Werk des Evangelisten, sein Leben für seine Schafe hinzugeben ist das Werk des Hirten (Joh 10,11). Die ursprüngliche Bedeutung von psychê ist jedoch »Seele«, der Sitz der Gefühle, Liebe, Zuneigung usw. Das diesem Band der Zuneigung zwischen den Missionaren und den thessalonischen Gläubigen zugrundeliegende Motiv war, daß »ihr uns lieb geworden wäret«. Es war ein Gefühl, das daraus erwachsen war, sie zu treffen und kennenlernen zu dürfen. Dabei ist es offensichtlich, daß diese Gefühle von den Bekehrten erwidert wurden (Kap. 3,6).
Vorwürfe gegen diejenigen, die die Frohe Botschaft verkünden, gibt es schon seit langem. Sha’ul zählt hier zehn davon auf; dazu gehören
David Stern – Kommentar zum Jüdischen Neuen Testament: ein Begleitband zum Jüdischen Neuen Testament
(1) aus Irrtum oder
(2) aus unreinen Motiven zu handeln,
(3) der Versuch, Menschen zu täuschen,
(4) Reden, um sich ihre Gunst zu sichern,
(5) schmeichelhafte Worte,
(6) das Aufsetzen einer falschen Fassade, um
(7) Habgier zu verbergen,
(8) das Streben nach menschlichem Lob,
(9) den Missbrauch der eigenen Autorität (als Gesandte des Messias), um Einfluss auszuüben, und
(10) das Belasten der Menschen durch das Einfordern materieller Unterstützung.
Er antwortet auf diese Vorwürfe in den Versen 7–12; siehe seine ähnliche Verteidigung in 2Kor 4,1–2&N.
Gläubige müssen darauf achten, dass keiner dieser Vorwürfe wahr wird!