Die fünf verschiedenen Farbgenotypen des Höckerschwanes (Cygnus olor) für die Ausbildung des Dunenkleides

Vom Menschen und den meisten Säugetieren ist bekannt,daß sie das XX/XY-System in ihren Geschlechtschromosomen besitzen.Das heißt,daß männliche Säugetiere ein X- und ein Y-Chromosom und die weiblichen Säuger zwei X-Chromosomen in ihren Soma-/Körperzellen besitzen.Die Weibchen sind daher hinsichtlich ihres X-Chromosomensatzes diploid,die Männchen haploid plus ihrem Y-Chromosom.

Durch die Reduktionsteilung (Meiosis) der Keimzellen in der Spermio- und Oogenese entstehen die haploiden – also nur einen Chromosomensatz X besitzenden Eizellen und die haploiden Y- und X-Spermien.

Bei der Befruchtung der Eizelle verschmelzen das X-Chromosom der Eizelle mit dem Y- oder X-Chromosom der Spermienzelle und ein neues Lebewesen beginnt sich zu entwickeln.

Bei den Vögeln/Aves ist die Verteilung der Geschlechtschromosomen gerade umgekehrt.Sie besitzen das ZZ/ZW-System in ihren Geschlechtschromosomen.Die männlichen Vögel besitzen zwei Z-Chromosomen (ZZ),weibliche ein Z- und ein W-Chromosom (ZW).Demnach gibt es bei männlichen Vögeln nur Z-Spermien aber unter den weiblichen Vögeln Z-Eier und W-Eier.

Das ist auch beim Höckerschwan Cygnus olor der Fall.

Die normale Geschlechtschromosomenausstattung des Schwanenmännchens ist ZZ,die des Weibchens ZW in ihren Soma-/Körperzellen.Verpaaren sich diese Schwäne so entstehen – statistisch betrachtet bei hinreichend großer Population – 50% normal gefärbte männliche ZZ-Schwäne und 50% normal gefärbte weibliche ZW-Schwäne.

Das Gen für die Farbausprägung GRAU-BRAUN des Dunenkleides der Pullis,schwarz der Paddel,Ständer,Schnabel und der Haut durch das Pigment EUMELANIN bei den schlüpfenden Schwanenpullis,liegt auf den Z-Chromosomen der Schwaneneltern wo es homozygot dominant ist.

Es steuert zeitlich begrenzt die Eumelaninsynthese in den Melanozyten für das Gefieder des Höckerschwanes,die dann im Laufe der Zeit eingestellt wird,so daß der Höckerschwan nach 12 – 14 Monaten im Gefieder völlig weiß durchgefärbt ist.

Wie es zu den fünf verschiedenen Farb-Genotypen beim Höckerschwan und der IMMUTABILIS-Variante Cygnus olor immutabilis kommt folgt demnächst.

CICONIA-Horst

CICONIA-Horst 18. September 2011 Schwäne,Weißensee 2 Kommentare Trackback URI Kommentare RSS

2 Kommentare zu “Die fünf verschiedenen Farbgenotypen des Höckerschwanes (Cygnus olor) für die Ausbildung des Dunenkleides”

  1. CICONIA-Horstam 18. September 2011 um 09:21 Link zum Kommentar

    Teil II

    Sicherlich wird der Leser nun verwundert sein wie denn unter den Höckerschwänen 5 genetische Farbvarianten für das Federkleid existieren sollen,wo doch alle Höckerschwäne gleich weiß aussehen.

    Das Gen für die Farbpigmentausbildung Eumelanin im Dunenkleid liegt auf den Z-Geschlechtschromosomen der Elterntiere.Die Schwanenganter (männlicher Schwan) besitzen es auf Grund ihres Geschlechtes in doppelter Ausstattung (ZZ),also in zwei Allelen und sind damit diploid im Unterschied zu den Weibchen (ZW) die es nur einmal besitzen und damid haploid sind.Da dieses Gen dominatn ist wird es mit dem Großbuchstaben „Z“ bezeichnet im Unterschied zu dem rezessiven Farbgen „z“.

    Nun gibt es Schwanenganter bei denen eines der Allele rezessiv ist (z),ihre Geschlechtschromosomenausstattung also Zz ist.Da das andere Allel im Gen weiterhin dominant ist (Z) unterscheiden sich diese beiden Gantertypen (ZZ) und (zZ) phänotypisch (äußerliches Erscheinungsbild) nicht voneinander.Da sie aber das rezessive Allel z in ihrem Gen tragen können sie dieses bei der Befruchtung der Eizelle (Z- oder W-Ei) weitergeben,weshalb diese Ganter (zZ) als KONDUKTOREN (Überträger) bezeichnet werden.

    Bei der Verpaarung eines solchen Konduktors (zZ) mit einem normalen Schwanenweibchen (ZW) entstehen somit hinsichtlich der Farbgenausstattung 4 verschiedene Genotypen zu je 25%.

    zZ x ZW = zZ + ZZ + zW + ZW

    zZ ist ein neu entstandener männlicher Konduktor,ZZ ein normaler Höckerschwanganter,zW ein weibliches IMMUTABILI-Schwänchen und ZW ein farbgenetisch normales Schwanenweibchen.

    Da der neu entstandene Konduktor (zZ) noch ein dominantes Z-Allel besitzt schlüpft er mit grau-braunem Dunenkleid,ebenso die genetischen Varianten ZZ und ZW.

    Anders ist es aber bei dem schlüpfenden IMMUTABILIS,das kein dominantes Z-Allel,sondern nun das rezessive z-Allel für die Dunenfarbe im Gen besitzt und vermag nunmehr kein EUMELANIN in seinen Melanozyten in der Haut zu bilden.Die Dunen bleiben weiß und weiß schlüpft es auch,im Unterschied zu seinen drei grau-braunen Geschwisterchen.

    Da es von Anbeginn weiß gefärbt ist wird es als IMMUTABILIS bezeichnet (immutabilis=unveränderlich),da es seine Farbe im weiteren Leben nicht mehr verändert im Unterschied zu seinen grau-braun geschlüpften Geschwisterchen,die ihre Gefiederfarbe erst nach ca. 14 Monaten vollständig zu weiß ausfärben.

    Dieser Erbgang ist ein geschlechtschromosomaler (hier Z-Chromosomen) dominant-rezessiver Erbgang,der theoretisch 25% IMMUTABILIS-Weibchen in einer Schwanenpopulation hervorbringt,wenn unter ihr Konduktoren als Partner sind.

    (Fortsetzung folgt)

    CICONIA-Horst

  2. Martinaam 19. September 2011 um 18:18 Link zum Kommentar

    Hallo Horst,

    Vielen Dank für diese ausführliche Information. Das ist wirklich sehr interessant. Ich lebe in Hamburg, wo Schwäne als Wahrzeichen der Stadt besonders gepflegt und geschützt werden. Ab und zu habe ich schon Immutabilis-Schwanenjunge gesehen. Die Hintergründe waren mir aber so nicht klar. Bitte schreibe doch immer wieder mal etwas von Deinem Wissen oder von Deinen aktuellen Beobachtungen in diesen Blog. Es ist sehr spannend so etwas zu lesen.

    Grüße von Blässhuhn-Spezialistin Martina aus Hamburg

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