Alsdann werden zwei auf dem Felde sein, einer wird genommen und einer gelassen; zwei werden an dem Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine gelassen.
Elberfelder 1871 – Matthäus 24,40–41
Von zwei Männern, die dann auf dem Feld arbeiten, wird der eine angenommen und der andere zurückgelassen. Von zwei Frauen, die zusammen Getreide mahlen, wird die eine angenommen und die andere zurückgelassen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Matthäus 24:40–41
Dann werden zwei auf dem Felde sein: Einer wird mitgenommen, und einer wird gelassen. Zwei werden mit der Mühle am Mahlen sein: Eine wird mitgenommen, und eine wird gelassen.
Jantzen & Jettel – Mt 24,40–41
Dann werden zwei zusammen Feldarbeit tun, einer von ihnen wird angenommen, der andere zurückgelassen. Zwei werden zusammen das Essen vorbereiten, die eine wird angenommen, die andere zurückgelassen.
Das Buch – 2009 – Mt 24:40–41

Zwei machen genau das Selbe – und doch ist ihr „Schicksal“ so unterschiedlich?
Klingt ja oberflächlich betrachtet ziemlich ungerecht – oder? Oder ist der wirkliche Unterschied, dass die eine Person ein persönliches Verhältnis zum Schöpfer aufgebaut hat, und die andere Person einfach „nur Mitglied in einer „lebensrettenden“ Organisation“ war?
Für viele klingt es überraschend, dass es keine „lebensrettende Organisation“ gibt – und auch noch nie gab. Hast du wirklich ein persönliches Verhältnis zu Jehovah?
τότε V. 9. ἔσονται Fut. εἰμί. ἀγρός Feld, Acker. εἷς … εἷς = ὁ μέν … ὁ δέ der eine … der andere (BDR § 2478; H-S § 130; analog μία … μία V. 41). παρα-λαμβάνεται Pass. -λαμβάνω; Präs. hier fut. (A234); δύο ἔσονται ἐν τῷ ἀγρῷ, εἷς παραλαμβάνεται καὶ εἷς ἀφίεται zwei (Männer) werden auf dem Feld sein/arbeiten: der eine wird mitgenommen/angenommen und der andere beiseite gelassen (od. zurückgelassen) werden (vgl. B 1) od. (idiomatischer) von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, wird der eine angenommen, der andere beiseite gelassen/zurückgelassen. ἀφ-ίεται Pass. -ίημι; Präs. hier fut. (A234).
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Und wie ist es bei der Wiederkunft? Jesus entnimmt sein erstes Beispiel der Welt der Männer: Dann werden zwei auf dem Acker sein. Einer wird angenommen, und einer wird zurückgelassen (V. 40). Der Schnitt kann mitten durch die Familien gehen. παραλαμβάνεται [paralambanetai] kann übersetzt werden als angenommen oder „aufgenommen“ werden. Gemeint ist auf jeden Fall die Vereinigung mit dem wiederkehrenden Christus, die V. 31 schildert. In 1Thess 4,15ff beschreibt Paulus diesen Vorgang als „Entrückung“ (V. 17: ἁρπαγησόμεθα [harpagēsometha]), in 1Kor 15,50ff als „Verwandlung“ (V. 51: ἀλλαγησόμεθα [allagēsometha]). In jedem Falle geht es um die Vereinigung der noch auf Erden lebenden Gemeinde mit dem Wiederkommenden. Der Gedanke einer „Entrückung“ vor der Wiederkunft ist dem NT fremd. Einer wird zurückgelassen oder noch schroffer: „stehengelassen“: Die Engel übergehen ihn bei der Sammlung der Christusgläubigen (V. 31), er bleibt bei denen, die dem Gericht verfallen.
Maier – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament
An dieser Stelle kommen bei den Kommentaren teilweise starke Emotionen ins Spiel. Luz zum Beispiel spricht vom „schrecklichen Charakter“, vom „Bedrohlichen und Dunklen“ der Wiederkunft, er moniert, dass die Worte Jesu „zum neuzeitlichen Bild eines liebevollen, menschlichen und weltoffenen Jesus überhaupt nicht passen“ und urteilt zum Schluss: „V 40f sind grausam.“ Man muss solche Stellungnahmen ernst nehmen, weil sie die Grundlagen christlicher Verkündigung, der Mission und der Evangelisation betreffen. Sollte es ein solches „neuzeitliches Bild“ im pauschalen Sinn überhaupt geben, dann ist es jedenfalls nicht das biblische. Seit zwei Jahrtausenden wird Christus auch als Weltenrichter erwartet – darin sind sich Christen und Juden einig, darin stimmt ein Stück weit auch die koranische Tradition zu. Man denke an die zahllosen Darstellungen des Weltgerichts in unserem Kulturraum, besonders eindrücklich wohl am Chorbogen des Ulmer Münsters. Was wäre das für eine Liebe, die nicht mehr vor dem Verderben warnen dürfte! Sie würde nicht einmal der Liebe des Noah als des „Predigers der Gerechtigkeit“ (2Petr 2,5) entsprechen, geschweige denn der Liebe des gekreuzigten Jesus.
Das zweite Beispiel entnimmt Jesus der Welt der Frauen: Zwei werden an der Handmühle mahlen. Eine wird angenommen, und eine wird zurückgelassen (V. 41). ὁ μύλος [ho mylos] ist hier die kleine Handmühle. Seit der frühen Jungsteinzeit benutzte man im Israelland Mühlen, um Korn zu mahlen. Eine solche Handmühle bestand aus zwei runden Steinscheiben, von denen die obere mit einem Loch versehen wurde, sodass sie sich auf einem Zapfen drehen konnte. Zugleich schüttete man hier das Korn ein, das durch die Drehung der oberen Scheibe zermahlen wurde. In Israel benötigte man die Handmühle täglich, um Brot herzustellen. Nach Deut 24,6 durfte sie nicht verpfändet werden. Die Arbeit an der Mühle war schwer (vgl. Ex 11,5; Jes 47,1f). So sind zwei an der Handmühle gut vorstellbar. Vermutlich handelt es sich um einen einzigen Haushalt. Demnach wären die zwei evtl. enge Verwandte wie Mutter und Tochter. Auch da kann der Schnitt mitten durch die Familie gehen: angenommen oder zurückgelassen.
Dann werden zwei auf dem Felde sein; der eine wird angenommen u. der andre gelassen.
Strack & Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch
In formeller Hinsicht kann verglichen werden RH 18a Bar: R. Meïr (um 150) hat gesagt: Zwei legten sich auf das Lager u. ihre Krankheit war die gleiche; ebenso zwei gingen hinauf zur Richtstätte u. ihre Rechtssache war die gleiche: der eine stand wieder auf (von seinem Lager) u. der andre nicht, der eine wurde freigesprochen u. der andre nicht. Der eine betete u. wurde erhört, u. der andre betete u. wurde nicht erhört. Warum wurde der eine erhört u. der andre nicht? Der eine betete ein vollkommenes (ein mit Andacht verrichtetes, Raschi) Gebet, er wurde erhört; der andre betete kein vollkommenes Gebet, er wurde nicht erhört.
Zwei mahlen an der Mühle; die eine wird angenommen u. die andre gelassen
Das Mahlen als Frauenarbeit.
Keth 5, 5: Dies sind die Arbeiten, die die Frau ihrem Mann verrichtet: sie mahlt טוֹהֶנֶת, sie bäckt, sie wäscht, sie kocht, sie säugt ihr Kind, sie macht ihm das Bett u. arbeitet in Wolle (spinnt, webt usw.). Hat sie ihm Eine Sklavin miteingebracht, so braucht sie nicht zu mahlen, nicht zu backen u. nicht zu waschen. Hat sie zwei miteingebracht, so braucht sie nicht zu kochen u. nicht ihr Kind zu säugen. Hat sie drei miteingebracht, so braucht sie ihm nicht das Bett zu machen u. auch nicht in Wolle zu arbeiten. Hat sie vier miteingebracht, so kann sie im Sessel sitzen (braucht nichts zu tun). R. Eliʿezer (um 90) sagte: Auch wenn sie ihm 100 Sklavinnen miteingebracht hat, kann er sie zwingen, in Wolle zu arbeiten; denn das Nichtstun führt zur Unzucht. R. Schimʿon b. Gamliël (um 140) sagte: Auch wenn jemand durch ein Gelübde seiner Frau untersagt hat, irgendeine Arbeit zu tun, muß er sie (durch einen Scheidebrief) entlassen u. ihr ihre Hochzeitsverschreibung auszahlen: denn das Nichtstun führt zur Geistesverwirrung. — pKeth 5, 30a, 50 sagt R. Bun (wohl Abin II., um 370) mit Bezug auf die in obiger Mischna genannten Frauenarbeiten: Weil jene Dinge verächtlicher Art sind, hat man sie an die Sklavin gehängt. — Keth 59b: „Sie mahlt.“ Meinst du das wirklich? Vielmehr sage: Sie läßt mahlen (sie schüttet das Korn ein u. nimmt das Mehl fort, Raschi), oder wenn du willst, sage: Sie mahlt auf der Handmühle.
Zwei Frauen an der Mühle.
Schebiʿith 5, 9: Es darf eine Frau einer andren, die wegen Übertretung des Brachjahrgesetzes verdächtig ist, ein Mehlsieb, ein Kornsieb, eine Handmühle u. einen Backofen leihen; aber nicht darf sie in Gemeinschaft mit ihr auslesen u. mahlen. — Die Frau eines Chaber (der sich zur Beobachtung der Zehnt- u. Reinheitsbestimmungen im Sinn der pharisäischen Satzungen verpflichtet hat) darf der Frau eines ʿAm ha-areç (Gesetzesunkundigen) ein Mehlsieb u. ein Kornsieb leihen, auch darf sie mit ihr auslesen, mahlen u. sieben; aber nachdem sie das Wasser (auf das Mehl) gegossen hat (womit die Gefahr der Verunreinigung beginnt), darf sie nichts mehr anrühren. ‖ Ṭoharoth 7, 4: Wenn die Frau eines Chaber die Frau eines ʿAm ha-areç, die in ihrem (der ersteren) Hause mahlt, verläßt, so gilt das Haus für unrein, sobald die Mühle Stillstand; stand sie nicht still, so ist es nur so weit unrein, als jene ihre Hand ausstrecken u. etwas berühren kann. Waren aber zwei solcher Frauen (an der Mühle) da, so ist, ob die Mühle Stillstand oder nicht, das Haus unrein; denn die eine mahlt u. die andre faßt (alles mögliche) an. So R. Meïr (um 150). Die Gelehrten aber sagten: Es ist nur so weit unrein, als jene ihre Hände ausstrecken u. etwas berühren können. ‖ Nidda 60b Bar: Wenn zwei Frauen an einer Handmühle mahlen, u. es findet sich Blut (des Menstruums) unter derjenigen, die nach innen (dicht neben der Mühle) steht, so sind sie beide unrein; findet es sich unter der nach außen Stehenden, so ist die nach außen Stehende unrein u. die nach innen Stehende rein; fand es sich zwischen beiden, so sind sie beide unrein. Die Bar stammt aus TNidda 7, 3 (649).
Dann werden zwei auf dem Felde sein. Der eine wird mitgenommen, der andere zurückgelassen. Zwei werden an der Mühle mahlen; die eine wird mitgenommen, die andere zurückgelassen. Neben die beiden Männer, die zusammen auf dem Feld arbeiten, stellt Jesus die beiden Frauen, die miteinander an der Handmühle mahlen und ihren oberen Stein an seinen beiden Zapfen herumdrehen; sie sind sich in ihrer äußeren Lebenslage vollständig ähnlich und teilten bisher dasselbe Geschick. Jetzt wird die eine zur Gemeinschaft mit dem Christus weggeholt, die andere zurückgelassen. So geht das mit dem Reich verbundene Gericht scheidend zwischen den Menschen durch und stiftet da, wo unser Auge keinen Unterschied sieht, plötzlich die tiefe Trennung.
Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament
Es ist auch in diesem Wort Gnade und Ernst wunderbar beisammen. Jesus bringt die Herrlichkeit Gottes auch in den bescheidensten, unscheinbarsten Lebenslauf hinein. Er redet nicht von Aposteln, Märtyrern und Säulen der Gemeinde, sondern von einem arbeitenden Ackersmann, der sich auf dem Felde müht, und von einem dienenden Weib, das sich anstrengt, den Mühlstein herumzudrehen, um das zur Mahlzeit nötige Mehl zu bereiten. Um diese zu holen, läßt er den Himmel sich öffnen, die Engel ausziehen und die Posaunen schallen; für diese kommt er selbst und bringt ihnen das, was ihren gegenwärtigen Lebensstand unendlich überragt.
Darum, weil wir nicht wissen, wann er kommt, auch nicht, für wen, muß uns eins völlig klar sein: daß wir nicht schlafen, das Leben nicht verträumen, die Zeit nicht vergeuden dürfen, als wäre es später immer noch Zeit, das Versäumte nachzuholen.
»Seid wachsam!« Diese Mahnung beherrscht auch dieses Gleichnis.
Zwei Beispiele erhellen den Ernst der Sache. Das erste betrifft die Männer: »Dann werden zwei auf dem Acker sein«. Ackerarbeit war in Israel Männersache. Offenbar ist an denselben »Acker« gedacht.
Dann sind es »zwei« Angehörige derselben Familie, etwa Vater und Sohn, oder Brüder in ungeteiltem Erbbesitz (vgl. Lk 12,13; 15,12ff.). Jedenfalls handelt es sich um eng verbundene Menschen. Mit der Wiederkunft Jesu wird jedoch der scharfe Schnitt offenbar, der sie trennt: »Einer wird angenommen und einer wird zurückgelassen.« Statt »angenommen« könnte man auch übersetzen: »aufgenommen«. Es geht darum, dass der »eine« bei der Wiederkunft die Vereinigung mit Jesus erlebt (vgl. Mt 24,31; Off 19,7ff.). Es ist derselbe Vorgang gemeint, den Paulus als »Verwandlung« oder »Entrückung« der noch lebenden Christen beschreibt (1 Kor 15,50 ff; 1 Thess 4,15ff.). Dagegen »wird« der andere »zurückgelassen«. D. h., Jesu Gemeinschaft bleibt ihm verschlossen (vgl. Mt 7,21-23; 25,10-12) , weil er kein echter Jünger ist. Im Begriff »zurückgelassen« steckt zugleich der Ausschluss vom Gottesreich, d. h. die Verdammnis. Den Leser springt unmittelbar die Frage an: Wohin werde ich selbst gehören? Zu den Angenommenen oder den Zurückgelassenen? Wo werde ich sein, wenn mein Vater, mein Junge, mein Bruder, mein Arbeitskollege, mein Freund in Jesu ewige Gemeinschaft eintreten?
Gerhard Maier – Edition C
Das zweite Beispiel betrifft die Frauen: »Zwei werden an der Handmühle mahlen.« Mahlen war Frauensache. In Israel wurde täglich die nötige Menge Mehl gemahlen und täglich das nötige Brot gebacken. Das Mahlen erfolgte an der »Handmühle«, weil es keine Wasserkraft gab, oder ausnahmsweise an der Eselsmühle (vgl. Mt 18,6). Die »Handmühle« bestand aus zwei runden Steinen, wobei der obere leichtere mit einem Stiel über dem unteren gedreht wurde und beide Steine durch eine Spindel miteinander verbunden waren (vgl. 5.Mose 24,6; Ri 9,53; Hiob 41,16; Pred 12,4; Jer 25,10; Off 18,22). Mahlen war eine mühsame Arbeit (2.Mose 11,5; Ri 16,21; Jes 47,2; Klagelieder 5,13). Weil die Arbeit so schwer war, sagt der Talmud: »Wenn sie (die Ehefrau) ihm eine Magd einbrachte, so mahlt, bäckt und wäscht sie nicht selbst.« Wenn Jesus »zwei« Frauen an der Handmühle schildert, dann zeichnet er also das Milieu der ärmeren Leute. Die »zwei« gehören offenbar, wie die Männer vorhin, zum selben Haushalt. Wiederum geht die Trennungslinie durch eng verbundene Menschen: »Eine wird angenommen und eine wird zurückgelassen.« Was im äußeren Leben Last und Leiden teilte, wird je nach dem Glauben eine völlig verschiedene Zukunft erleben! Man versteht jetzt, warum Johann Heermann dichtete: »Heut lebst du, heut bekehre dich! Eh morgen kommt, kann’s ändern sich; wer heut ist frisch, gesund und rot, ist morgen krank, ja wohl gar tot. So du nun stirbest ohne Buß, dein Leib und Seel dort brennen muss« (EKG 169, 6). In dieselbe Richtung zielt Jesus: »Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.« Nur dass Jesus nicht allein an die Bekehrung, sondern auch an die beständige Treue und Wachsamkeit denkt. Die Wendung »euer Herr« fällt auf. Sie macht klar, dass Jesus nicht nur unser Freund und Bruder ist (Joh 15,13ff.; Joh 20,17; Hebr 2,11-17) , sondern auch unser »Herr« (Joh 20,28; 21,7; 1 Kor 1,2; 16,22; Off 22,20).
In den Tagen Noahs »aßen und tranken…heirateten und verheirateten« die Menschen, während die Arche zugerichtet wurde. In den Tagen Lots geschah das gleiche: »Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten« (Lk 17,28). Sie aßen und tranken nicht lediglich, sondern taten das im Zusammenhang eines Lebens grober Sünden. Der Herr macht bei seiner Erwähnung des Heiratens und Verheiratens eine Anspielung auf die in 1Mo 6,2 erwähnten widergöttlichen Ehen: »Da sahen die Söhne Gottes, daß die Töchter der Menschen schön waren, und sie nahmen sich zu Weibern, welche sie irgend erwählten.« Das läßt sich zwar verschieden interpretieren, aber auf alle Fälle waren die Ergebnisse dieser Ehen außergewöhnlich: »In jenen Tagen waren die Riesen auf der Erde« (V.4).
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Die Flut kam, als niemand damit rechnete, und so wird das Gericht des Menschensohnes über die Menschen kommen: »In der Stunde, in welcher ihr es nicht meinet, kommt der Sohn des Menschen« (Matthäus 24,44); »an einem Tagen, an welchem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß« (V.50); »So wachet nun, denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde« (25,13). Und Paulus schrieb: »Dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen« (1 Thessalonicher 5,3).
»Und alle wegraffte« entspricht dem in Matthäus 13,30 beschriebenen Geschehen: die Engel werden das Unkraut sammeln und in den Ofen werfen. Ebenso wird der Herr die Böcke von den Schafen scheiden (Matthäus 25,42-46). Der Arbeiter auf dem Acker und die Frau an der Mühle und der im Bett Liegende (Lk 17,34), die genommen werden, werden im Gericht hinweggerafft. Aus allen Schichten und aus allen Umständen des Lebens heraus werden Menschen auseinandergerissen werden. Äußerlich werden sich die Geschiedenen gleichen, aber ihre Herzen werden verschieden sein. Nach dem Wort des Herrn: »Laßt es beides zusammen wachsen bis zur Ernte« bleiben sie zusammen bis zum Tag des plötzlichen Gerichts. In den Tagen des Herrn war das ein alltäglicher Anblick: Zwei Frauen saßen an der Handmühle. Der untere Mühlstein saß fest, der obere wurde von zwei einander gegenübersitzenden Frauen an einem Griff gedreht. Im Vergleich des Herrn ist die Zurückgelassene diejenige, die übrigbleibt, um in das Reich einzugehen. In Lk 17,35-36 steht an dieser Stelle als Bild für diesen Prozeß des Ausscheidens der Hinweis auf das Aas und auf die Geier.
