Vertrauten Umgang mit Jehova haben

Das Geheimnis (Eig Die vertraute Mitteilung, od. der vertraute Umgang) Jehovas ist für die, welche ihn fürchten, und sein Bund, um ihnen denselben kundzutun.
Elberfelder 1871 – Psalm 25,14

SEIN Einvernehmen ist der ihn Fürchtenden,
sein Bund ists, sie erkennen zu lassen.
Buber & Rosenzweig – Psalm 25:14

Das Geheimnis des Ewigen ist für die, die ihn fürchten, und sein Bund, um ihnen ihn kundzutun.
Streitenberger – Der Tanach Deutsch – Ps 25,14

Vertrauten Umgang mit Jehova haben die, welche ihn fürchten; und seinen Bund macht er ihnen kund.
van Ess 1858 – Ps 25:14

סֹ֣וד יְ֭הוָה לִירֵאָ֑יו וּ֝בְרִיתֹ֗ו לְהֹודִיעָֽם׃
Biblia Hebraica Stuttgartensia -Ps 25,14

Es gibt ja immer wieder Menschen, die behaupten, von Gott „neue Erkenntnis erhalten zu haben“. Da sind diejenigen, die das Ende 1874 oder 1914 „im Auftrag Jehovahs“ vorhergesagt haben, oder diejenigen, die von einer Vorentrückung und damit einem zweiten und dritten Kommens Jesu predigen…
Aber sind diese „Propheten“ wirklich „Freunde Jehovahs“? Oder lassen sich nicht alle diese von den „Anhängern“ durch „Spenden“ bezahlen, anstatt auf Gottes Vorsorge zu vertrauen?

In Vers 14 hat das Substantiv, das mit „Freundschaft“ übersetzt wird, in einigen Kontexten die besondere Bedeutung von „Geheimnis“, entweder im guten Sinne von Rat und Beistand oder im schlechten Sinne einer Verschwörung (siehe 64:2). Anderson schlägt vor, dass hier, parallel zu seinem Bund in Zeile b, das Wort „Rat“ bedeuten könnte (so NJV); NEB hat „vertraut seine Absichten an“, FRCL „vertraut sein Geheimnis an“ und NJB „besitzt sein Geheimnis“, mit einer Fußnote, die besagt, dass dies „Intimität mit Gott“ bedeutet. Der Hauptpunkt ist die innige Beziehung, die Jahwes Anhänger zu ihm haben. Jahwe zu fürchten bedeutet hier wie anderswo, ihn zu ehren, zu achten, ihm zu gehorchen.
In Vers 14b scheint „bekannt machen“ die Bedeutung von „bekräftigen“ zu haben, nicht die von „zum ersten Mal offenbaren“. Oder aber, wie FRCL, „er lehrt sie die Pflichten des Bundes“ oder „er lehrt sie, was sein Bund von ihnen verlangt“. Das Verb ist ein Infinitiv, „ihnen kundtun“, und so nehmen einige den „Bund“ als Subjekt, nicht als Objekt („sein Bund wird ihnen Wissen vermitteln“); das ist nicht sehr wahrscheinlich. Ihnen seinen Bund bekannt zu machen, sollte nicht so übersetzt werden, dass sie nicht wüssten, was der Bund ist. Wenn der Übersetzer dem Vorbild von TEV folgt, könnte man z. B. sagen: „er erinnert das Volk daran, dass sein Bund wahr ist“ oder „er sagt dem Volk: „Mein Bund mit euch ist wahr. „

Bratcher – Ein Übersetzerhandbuch zum Buch der Psalmen

Wir können darauf vertrauen, dass Gott barmherzig und gnädig zu denen ist, die Buße tun (V. 11), aber wir müssen in der Furcht des Herrn wandeln (V. 12). „Er [Gott] wird ihn auf dem für ihn bestimmten Weg unterweisen“ (V. 12, NIV). Das Wissen, dass der Herr einen Plan für unser Leben hat und dass dieser Plan das Beste für uns ist, sollte uns große Freude und Zuversicht geben, wenn wir seinen Willen suchen (16,11; 139,13-16; Eph 2,10). Nach Gottes Bundesordnung werden diejenigen, die ihm gehorchen, seine Versorgung und seinen Schutz erhalten, und auch die nächsten Generationen der Familie werden gesegnet sein (5. Mose 4,1-14). Das Wort „Kinder“ wird im Deuteronomium fast vierzigmal verwendet, um uns daran zu erinnern, dass unsere Nachkommen durch unseren Gehorsam Segen empfangen oder durch unsere Sünden Leid erfahren können. Wenn wir ihn lieben, ihn fürchten und seinem Wort gehorchen, wird er sich uns nähern und seine Pläne mit uns teilen. „Geheimnis“ in Vers 14 bedeutet „vertrauliches Gespräch, Pläne und Absichten“, wovon Jesus in Johannes 15:15 sprach und was Abraham in 1. Mose 18:16ff. erfuhr (siehe auch Jer. 23:18 und 22Prov. 3:32 und Amos 3:7). Wenn wir „mit dem Herrn im Licht seines Wortes wandeln“, entwickeln wir eine enge Gemeinschaft mit ihm und verstehen seine Wege besser. Ja, wir können darauf vertrauen, dass der Herr uns hilft; und wenn er hilft, tut er es in Barmherzigkeit und Wahrheit („Liebe und Treue“, NIV).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Diese Gewißheit des Wohnens bei Gott hat noch etwas anderes im Gefolge: Einen vertrauten Umgang Jahwes gibt es für die, die ihn fürchten. Die beiden Satzhälften interpretieren sich gegenseitig. Der Gipfel des Gehorsams, der Kern des Guten, in dem man »wohnen« soll, ist die tiefe Gemeinschaft mit Gott. Vertrautheit mit Gott schließt Erziehung durch Gott ein. Doch diese »Vertraulichkeit« hat nichts mit billiger Kumpanei zu tun. Darum wird die Gottesliebe durch die Gottesfurcht vor dem Abgleiten ins plump Vertrauliche geschützt. Aus diesem innigen Verhältnis wächst ein tieferes Verstehen der Heilsabsichten Gottes: und seinen Bund läßt er sie wissen. Natürlich »weiß« David im vordergründigen Sinne, was es mit dem Heil auf sich hat. Die Weite der Liebe Gottes wird geschützt vor Verflachung durch einen tieferen Einblick in das Herz Gottes. Hierbei geht es weder um ein Wissen über alle Einzelheiten noch um die Erstellung eines »Fahrplans«.

Wuppertaler Studienbibel

Der Psalmist David sagte: „Die vertraute Gemeinschaft mit Jehova gehört denen, die ihn fürchten“ (Psalm 25:14). In der hebräischen Ursprache bedeutet das Wurzelwort, von dem sich „vertraute Gemeinschaft“ (ßōdh) herleitet, „zusammendrängen“. Dieser Vers drückt also die Vorstellung aus, in den engeren Kreis Jehovas oder in einen Freundschaftsbund mit ihm aufgenommen zu werden. Dies wird nur Anbetern Gottes gewährt, die angebrachten Respekt vor ihm bekunden. Die vertraute Freundschaft mit Gott veranlaßt einen Menschen, sich davor zu fürchten, dieses Verhältnis durch etwas zu zerstören, was ihm mißfällt — zum Beispiel das Gebet als Glücksbringer zu mißbrauchen, um sich den Sieg im Sport zu sichern.
Jehova erhört die Gebete aufrichtiger Menschen, die seine Freundschaft wünschen, und er ist nicht parteiisch. Er zieht keine nationale Gruppe, keine Rasse und auch keine Mannschaft einer anderen vor (Psalm 65:2; Apostelgeschichte 10:34, 35).

Erwachet! 8.Mai 1990

Der Herr wird sein Volk nicht nur lehren und segnen, er wird ihm auch seinen Ratschluss offenbaren. Der Psalmist hatte zuvor darum gebetet, dass Gott seine Wege offenbart (V. 4); nun bekräftigt er, dass der Herr den Frommen geheime Dinge über den Bund offenbart. Das Wort, das mit „geheimer Ratschluss“ (סוֹד) übersetzt wird, weist darauf hin, dass zwischen Gott und seinem Volk eine enge, intime Gemeinschaft besteht; er offenbart ihnen sein Herz und seinen Willen (siehe z. B. 1. Mose 18,17, wo der Herr Abraham nicht verbirgt, was er zu tun gedenkt; siehe auch Spr 3,22; Ps 55,14.15).

Allen P. Ross – Ein Kommentar zu den Psalmen 1-89 – Kommentar – Kregel exegetische Bibliothek

Ein »Geheimnis des HERRN« ist etwas, das dem Menschen verborgen ist, wenn es der Herr nicht offenbart (Mt 11,25.26). Das zeigt uns, wie blind und damit auch wie hilflos wir sind. Kann ein Blinder sich selbst sehend machen, wo doch seine Blindheit gerade darin liegt, dass er gar nicht einsieht, dass er blind ist? Kann ein Hilfloser sich selbst helfen? Dann wäre er nicht hilflos. Das müsste uns lehren, Gott zu scheuen und ihn zu bitten, dass er uns enthülle, was wir für unseren Weg aus dieser Welt der Sünde in die Welt ewiger Glückseligkeit wissen müssen. Denn nur denen, »die ihn fürchten«, schließt er seine Geheimnisse auf (vgl. Spr 28,5; zur Gottesfurcht siehe V. 12).
Und die Gottesfürchtigen lässt er »seinen Bund wissen«. Ihnen gibt er Einsicht und damit festes Vertrauen in den ewigen Bund, den er, der Vater, mit dem Sohn geschlossen hat (Tit 1,2), in den Bund der Erlösung, Bewahrung und Verherrlichung einer jeden Seele, die der Vater dem Sohn gegeben und die der Sohn mit seinem Blut erkauft hat. Von diesem Bund wusste David. In 2. Samuel 23,5 sagt er: »Er hat mir einen ewigen Bund gesetzt, geordnet in allem und verwahrt.«

»Das Geheimnis des Herrn ist mehr als ausreichend gegen die geheimen Pläne der Feinde« (Clarke).

Benedikt Peters – Die Psalmen