Und wenn jemand den einzelnen (Eig ihn, den einzelnen) gewalttätig angreift, so werden ihm die zwei widerstehen; und eine dreifache Schnur zerreißt nicht so bald.
Elberfelder 1871 – Prediger 4,12
Und überwältigt wer den einen,
stehen die zwei gegen ihn auf,
und die dreifaltige Schnur haut man so schnell nicht entzwei.
Buber & Rosenzweig – Prediger 4:12
Und wenn einer den Einzelnen überwältigt, so werden die zwei ihm widerstehen; und eine dreifache Schnur wird nicht schnell zerrissen.
Streitenberger – Der Tanach Deutsch – Pred 4,12
Ein Einzelner kann leicht von hinten angegriffen und niedergeschlagen werden; zwei, die zusammenhalten, wehren den Überfall ab. Und: Ein dreifaches Seil kann man kaum zerreißen.
Neues Leben – Bibel 2006 – Pred 4:12

Hast du gewusst, dass jeder Fünfte in Deutschland mittlerweile allein lebt? Das Statistische Bundesamt in Berlin teilte mit, dass es 2011 rund 16 Millionen Alleinlebende gab. Deren Zahl hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich erhöht, 1992 waren es noch 11,5 Millionen Alleinlebende. Heute sind es also 20 %, die alleine leben. Vor allem in Großstädten ist der Single-Anteil am höchsten. Berlin toppt alles: Über 30 % der Menschen leben dort allein. Und diese Zahl wird noch höher, wenn man die Alleinerziehenden noch dazuzählt, meistens Frauen. Die sind zwar nicht ganz allein, aber doch ziemlich allein gelassen. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, wies darauf hin, dass Alleinlebende häufiger von Armut bedroht sind. Nach den Alleinerziehenden seien Single-Haushalte diejenigen mit der höchsten Armutsgefährdungsquote. Noch ein Blick in die Zukunft: Der Anteil der Ein-Personen-Haushalte wird bis 2025 auf 40 % bzw. 43 % steigen und der mit zwei Personen auf knapp 40 %. Dagegen verringert sich der Anteil der Haushalte mit drei oder mehr Personen um ein Viertel auf 19 %.
Detlef Kühlein – Die Bibel für Kopf und Herz – Der bibletunes-Kommentar
Jetzt sagt Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine lebt.“ Der Prediger sagt: „Zwei haben es besser als einer allein. Ein Seil aus drei Schnüren reißt nicht so schnell.“ Und ich sage deswegen: Bleib nicht allein. Such dir Menschen, befreunde dich, verlobe dich, trau dich. Wovor haben wir Angst? Wir haben Bindungsängste. Wusstest du, dass es in Bangladesch oder in Indien überhaupt keine Single-Haushalte gibt? Durchschnittlich teilen sich dort fünf Menschen eine Wohnung mit ein bis zwei Zimmern. Europa vereinsamt. Wir existieren allein vor uns hin, getrennt von Gartenzäunen und Vorurteilen. Aber wo soll das noch hinführen?
Ich möchte dich ermutigen: Fang wieder an, mit Menschen zusammen zu sein. Gründe eine WG, lebe irgendwo als Untermieter, oder hol dir jemanden in dein Haus, wenn du ein Haus hast. Triff deine Freunde. Und wage es, trotz vieler Enttäuschungen und Verluste, die ganz normal sind, wieder Vertrauen in die Beziehungen und Freundschaften zu anderen Menschen zu investieren. Es geht nicht anders. Wir haben keine andere Wahl, denn allein gehen wir ein. Und zwar mit und ohne Gott.
Wenn Ehebruch oder eine Sucht aufgedeckt werden, ist es eine große Erschütterung für eine Ehe und Familie. Es braucht Hilfe von außen. Ärzte, Psychologen und Seelsorger sind Ansprechpartner im Katastrophenfall. Gemeinsam lässt sich die Statik des Vertrauensfundaments analysieren. Gemeinsam kann man Strategien entwickeln, um das zu sichern, was nicht vom Erdbeben verschüttet wurde. Gemeinsam kann man aufbauen, was zerbrach. Doch was tun, wenn alles hoffnungslos scheint? Viele Paare ergänzten ihr Eheversprechen mit Gottvertrauen: „So wahr mir Gott helfe, werde ich dich lieben, ehren und achten.“ Eine häufige Bibelstelle in Hochzeitszeremonien ist Prediger 4,12: „Zwei mögen überwältigt werden, aber eine dreifache Schnur reißt nicht leicht.“ Es bleibt die Hoffnung, dass wir auch in der Katastrophe gesichert sind. Selbst wenn die Verbindung zum Partner riss, werden beide von Gott gehalten.
SCM – Family Next 02-2022
Eine wichtige Voraussetzung für eine glückliche Ehe ist der Wunsch, dem anderen zu gefallen, aber das genügt nicht. Mehr ist erforderlich. Wir lesen: „Eine dreifache Schnur kann nicht so schnell entzweigerissen werden.“ (Prediger 4:12) Die Ehe wird eine dreifache Schnur, wenn man Gott in diesen Bund einbezieht. Wie kann das geschehen? Indem man den Bund der Ehe vor Gott schließt und stets anerkennt, daß man die Pflicht hat, ihm, dem Stifter der Ehe, wohlzugefallen.
Erwachet! 8.Juni 1972
Das wird selbst von Erziehern und Universitätsprofessoren, die sich mit Eheproblemen befassen, anerkannt. F. Alexander Magoun, der seit Jahrzehnten in den ganzen Vereinigten Staaten in Colleges Vorlesungen hält, hat das letzte Kapitel seines Buches über Liebe und Ehe überschrieben „Religion in der Familie“. Er schreibt: „Man kann das Leben und die Religion nicht voneinander trennen . . . Echte Religiosität ist für ein glückliches und erfülltes Leben unerläßlich . . . Jedes materielle Problem hat immer eine religiöse Seite, und erst wenn man die religiösen Grundsätze entdeckt hat, die man zur Lösung anwenden muß, ist die Lösung möglich.“
Auch der Soziologe J. D. Unwin hat erklärt, eine Ehe könne sich nur dann voll entfalten, wenn die Partner sich einer Aufgabe hingäben, die außerhalb der Ehe liege und die beide Ehepartner als wichtiger betrachten würden als sich selbst oder ihr Verhältnis zueinander. Christen, die Jehova Gott hingegeben sind und ihm dienen, haben eine solche Aufgabe.
Als drittes Beispiel, das zeigt, dass zwei es besser haben als einer allein, beschreibt Kohelet in 4,12 die Situation eines Überfalls: Während einer allein vom Angreifer überwältigt wird, können ihm zwei zusammen standhalten. In der zweiten Hälfte des Verses formuliert Kohelet denselben Gedanken abstrakter, über das Bild eines dreifachen Fadens, der nicht zerreisst, d. h. besser hält als ein einfacher oder doppelter Faden. Kohelet zitiert hier wohl ein Sprichwort, denn von einem dreifachen Faden ist bereits im Gilgamesch-Epos die Rede (s. o. S. 33). Will man die Identität des Dritten bestimmen, liesse sich sowohl an ein Kind (des Paares) oder an Gott denken. Aber vermutlich geht es Kohelet nicht um eine bestimmte Dreierkonstellation, sondern um den allgemeinen Gedanken.
Schellenberg . Zürcher Bibelkommentare
Die unterstützende Körperwärme und der gegenseitige Beistand im Falle eines Überfalls oder Angriffs durch einen Gegner stellen zwei weitere anschauliche Beispiele dar. Die abschließende bildhafte Redewendung vom dreifachen Faden235, dessen Stärke in der antiken Welt offensichtlich sogar zum Sprichwort geworden ist, verstärkt das Anliegen der Zweierschaft in Richtung auf eine Gemeinschaft und Gruppe von drei und mehr Menschen. Kohelet bringt damit zum Ausdruck, daß der Mensch im Grunde ein soziales, auf zwischenmenschliches Miteinander angelegtes und angewiesenes Wesen ist und das Alleinsein eben »nicht gut«k ist. Im Gegensatz zum Bestreben des modernen Menschen, möglichst »autark«, also unabhängig von anderen zurechtzukommen, weist die Bibel im AT wie im NT auf die Zuordnung zueinander und die Abhängigkeit voneinander.
Stoll – Wuppertaler Studienbibel
Die Gabe der Gemeinschaft wird unter Menschen nirgends so vollkommen zur Wirklichkeit wie im Leib Christi. Dort werden Juden und Heiden, Griechen und Barbaren, Mann und Frau, Alt und Jung eins (Eph 2,14–16). Ist der Christ nicht eine beneidenswerte Kreatur? Weil er Gott fürchtet, findet er in den täglichen Beschäftigungen seine geheime Freude, und dazu findet er in der Gemeinschaft der Heiligen eine Quelle, an der er immer trinken und sich stärken kann. Wie arm ist der Gottlose, der beides nicht kennt; das Leben ist ihm eine Last, und er hat niemanden, mit dem er sie wirklich teilen kann.
Benedikt Peters – Kommentar zum Buch Prediger
»eine dreifache Schnur zerreißt nicht so schnell«: Ein Paar, das Kinder hat, hält stärker und inniger zusammen als ein Paar ohne Kinder. Die dritte Schnur kann aber auch der Herr selbst sein. Ist er die verbindende Kraft zwischen Menschen, dann haben sie in dieser vergänglichen Schöpfung etwas gefunden, was in die Ewigkeit reicht und damit der Eitelkeit alles Geschaffenen enthoben ist. Es ist etwas, was wahrlich »nicht so schnell« zerreißt: Es zerreißt nie.
Die Stärke einer solchen Beziehung wird mit der eines dreifachen (dreilagigen) Seils verglichen, ein Bild, das anscheinend auf die sumerische Literatur vom Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. zurückgeht. Rabbinische Kommentare haben dieses Seil aber so verstanden, dass es die Vorteile und die größere Stärke von drei Personen als Gefährten zeigt, besonders wenn es darum geht, die Tora zu leben und weiterzugeben, im Gegensatz zu den beiden, um die es sonst in diesem Abschnitt geht.
The Jewish Study Bible
Zwei sind besser als einer. Die Rabbiner sagen, dass das für die Ehe und alle anderen wichtigen Beziehungen gilt. Die Weisen bringen dafür viele Beispiele: „Zwei, die zusammen die Tora lernen, sind besser als einer, der alleine lernt, denn wenn einer einen Fehler macht, kann der andere ihn korrigieren (Makkot 10a), und [das größte] Wissen über die Tora kann man nur mit anderen zusammen erlangen“ (Berakhot 63a). Laut einem Midrasch haben Mordechai und Esther sich gegenseitig geholfen und ergänzt, um Gottes Volk zu retten, und Moses und Aaron haben Israel gemeinsam bei der Einweihung des Mischkan (der Stiftshütte) gesegnet.
The Complete Jewish Study Bible: Notes
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