Gib die Botschaft, die du von mir gehört hast und deren Wahrheit dir von vielen Zeugen bestätigt wurde, … weiter

und was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Leuten (O. Menschen) an, welche tüchtig sein werden, auch andere zu lehren.
Elberfelder 1871 – 2.Timotheus 2,2

Was ich dir vor vielen Zeugen als die Lehre unseres Glaubens übergeben habe, das gib in derselben Weise an zuverlässige Menschen weiter, die imstande sind, es anderen zu vermitteln.
Gute Nachricht Bibel 2000 – 2.Timotheus 2:2

Gib die Botschaft, die du von mir gehört hast und deren Wahrheit dir von vielen Zeugen bestätigt wurde, an vertrauenswürdige und zuverlässige Menschen weiter, die ebenfalls fähig sind, andere zu lehren.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Tim 2,2

Und vertraue das, was du von mir, gestützt durch viele Zeugen, gehört hast, treuen Menschen an, die dann selbst ausreichend befähigt sein werden, andere zu lehren.
neue Welt Übersetzung – 2018 – 2.Tim 2:2

Welche Bibelbücher des NT gab es wohl, als Paulus dies an seinen Freund Timotheus schrieb? Wie sollte das bis dahin meist „mündlich weiter gegebene Wort“ wohl für die kommenden Generationen aufbewahrt werden??

2Tim 2,2 ἤκουσας Aor. ἀκούω. διά m. Gen. hier in Gegenwart, vor (B AIII2a). μάρτυς υρος ὁ Zeuge. παρά-θου Aor. Imp. Med. -τίθημι200 vorsetzen; Med. übergeben, anvertrauen. πιστός hier zuverlässig, treu (B 1aα). οἵτινες solche(n), die (A132). ἱκανός hinlänglich; geeignet, fähig; m. flgd. Inf. ἔσονται Fut. εἰμί. διδάξαι Aor. Inf. διδάσκω.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Mit ἃ („was“) nimmt Paulus auf die gesunden Worte in 1.13 auf. Das Wort Gottes hat Timotheus nicht nur für sich zu behalten, sondern auch bestimmten geeigneten anderen weiterzugeben. Zu διά („durch“, „aufgrund“) vgl. Isaeus, de Nicostrato 17.3 zu dieser Verwendung: „Χωρὶς δὲ τούτων ταῖς μὲν διαθήκαις διὰ μαρτύρων ὑμᾶς δεῖ πιστεῦσαι, ὑφ’ ὧν ἔνι καὶ ἐξαπατηθῆναι—οὐ γὰρ ἂν ἦσαν ψευδομαρτυρίων ἐπισκήψεις—τῇ δ’ ἀγχιστείᾳ δι’ ὑμῶν αὐτῶν· κατὰ γὰρ τοὺς νόμους οἱ συγγενεῖς ἀμφισβητοῦσιν, οὓς ὑμεῖς ἔθεσθε“. „Außer diesen (Dingen) müsst ihr noch, um an ein Testament zu glauben, aufgrund von Zeugen daran glauben, von denen einer auch betrogen werden kann – wäre dies nicht der Fall, gäbe es keine Strafverfolgung wegen Meineids -, aber wenn der Anspruch auf Verwandtschaft beruht, handeln sie eigenmächtig, denn die Angehörigen machen ihr Recht nach dem Gesetz geltend“. Vgl. Numeri 35,30 „διὰ μαρτύρων φονεύσεις τὸν φονεύσαντα“. „Auf die Aussage von Zeugen hin soll man den Mörder töten“. Vgl. Andreas, Comentarii in apocalypsin 5.14: „Ταύτην ἡμεῖς στοχαζόμεθα τὴν δευτέραν τῶν ἀποστόλων νοεῖσθαι διαδοχὴν διὰ μαρτύρων καὶ διδασκάλων συμπληρουμένην, ἐν ᾗ πλατυνομένου λοιπὸν τοῦ κηρύγματος ἡ τοῦ κόσμου εἰρήνη ἐλύθη καθ’ ἑαυτῆς μερισθείσης τῆς φύσεως κατὰ τὸ ῥηθὲν ὑπὸ τοῦ Χριστοῦ“. „Wir nehmen an, dass damit die Nachfolge der Apostel gemeint ist, die durch Zeugen und Lehrer vollständig erfüllt wird, in der, während sich die übrige Botschaft des Evangeliums verbreitete, der Friede der Welt abgeschafft wurde“. Lex Rhodia, 1.3,6: „ἐὰν δὲ ναύτης αὐτοβούλως συλήσῃ μὲν κατασχεθῇ  δὲ ἢ καὶ διὰ μαρτύρων ἐλεγχθῇ, σφοδρῶς βασανιζέσθω,“ „Wenn der Seemann aber aus eigenem Antrieb raubt und einerseits ergriffen, andererseits von Zeugen überführt wurde, solle er schwer bestraft werden“. Und er wurde durch Zeugen überführt“. Eine lokative Verwendung, die „in Gegenwart vieler Zeugen“ bedeuten sollte, ist eher aufgrund der Schwierigkeit mancher, wie „aufgrund“ zu verstehen ist, angenommen worden, entbehrt aber einer Grundlage, sowohl semantisch, biblisch als auch außerbiblisch, da eine räumliche Deutung „hindurch“ bedeuten würde und natürlich ausscheidet. Man hat auch angenommen, dass dies bei einer Ordination von Timotheus im Beisein vieler Anwesender stattgefunden hätte. Da es keine Ordinationen gibt, erscheint dies unplausibel, zudem ist eine angebliche Einsetzung nicht ausreichend, um die Lehre des Paulus zu verinnerlichen. Es scheint daher so zu sein, dass die Lehre von Paulus auch von vielen anderen Zeugen geglaubt und bestätigt wurde, sodass dies Timotheus Gewissheit gibt. Auch im Leben anderer hat sich die Botschaft des Paulus manifestiert und kann von diesen bezeugt werden, ebenso wie es bei Timotheus der Fall war. Das Zeugnis von Gottes Wort kann auch von jedem Christen, bei Timotheus auch von seiner Mutter und Großmutter, bestätigt und bezeugt werden, sodass das Wort Gottes, das von Paulus auch an Timotheus kam, durchaus über Dritte an ihn gekommen sein kann. Es ist möglich, dass Timotheus die Botschaft von Paulus nicht direkt von ihm, sondern über Dritte zu hören bekam. Mit dem Imperativ παράθου („anvertrauen, übermitteln, weitergeben“) nimmt Paulus auch dieses Moment auf, also, dass Gottes Wort weiteren bezeugt und im Falle von Treue anvertraut werden soll. Die Gruppe derer ist dadurch eingeschränkt, dass diese aufgrund bestimmter Kennzeichen qualifiziert, kompetent bzw. in der Lage (ἱκανός) sein muss, das Anvertraute auch wieder anderen weiterzugeben. Mit καὶ als Adverb („auch“) kommt zum Ausdruck, dass sie selbst fähig sind, diese Dinge zu verstehen und weiterzugeben, aber die Adressaten sollten dies auch bzw. ebenfalls sein.

Peter Streitenberger – 2.Timotheus

Timotheus soll nicht nur sich selbst stärken, sondern er soll auch geistliche Stärkung für »andere« bieten. Er ist verantwortlich, anderen die inspirierten Lehren zu übermitteln, die er vom Apostel empfangen hat. Paulus würde schon bald vom Schauplatz der Evangeliumsverkündigung abtreten. Er hatte Timotheus treu »in Gegenwart vieler Zeugen« gelehrt. Die Zeit des Dienstes würde für Timotheus im besten Fall kurz sein, und auch er sollte seinem Dienst Ordnungen dahin gehend geben, dass andere vorbereitet wären, den Lehrdienst weiterzuführen.
Dieser Vers unterstützt nicht die Vorstellung der apostolischen Sukzession. Auch bezieht er sich nicht auf die heutige Praxis der Ordination von Pastoren. Vielmehr handelt es sich einfach um die Anweisung des Herrn an die Gemeinde, in jeder Generation aufs Neue entsprechende Brüder zu unterweisen, damit sie befähigte Lehrer werden.
Es ist oft darauf hingewiesen worden, dass in diesem Vers vier Generationen von Gläubigen genannt werden, und zwar:
1. Der Apostel Paulus
2. Timotheus und viele Zeugen
3. treue Menschen
4. andere.

Die Schrift betont die Bedeutung der Evangelisation durch jedes Gemeindeglied. Wenn jeder Gläubige wirklich seine Aufgabe erfüllen würde, könnte die Welt in einer Generation evangelisiert werden. Doch dies ist angesichts der Uneinsichtigkeit vieler eigenwilliger Christen rein hypothetisch. Die rivalisierenden »Missionsbestrebungen« der Weltreligionen und Sekten sowie viele andere Hindernisse erschweren das Erreichen dieses Ziels zusätzlich. Eines ist jedoch ganz sicher: Die Christen könnten viel mehr tun, als bis jetzt geschehen ist!
Man beachte, dass Timotheus die Wahrheit »treuen Menschen« anvertrauen soll, d. h. Menschen, die gläubig und zuverlässig sind. Diese Männer sollen fähig sein, »auch andere zu lehren«. Das setzt einige Fähigkeiten im Lehrdienst voraus.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

    Was du von mir gehört hast durch viele Zeugen. Was hat Timotheus von Paulus gehört und aufgenommen? Es ist die erlösende Heilswahrheit, das Evangelium, das kostbare Gut, die heilsame Wortgestalt. Er hat diese Heilswahrheit nicht nur von Paulus gehört, sondern aus vieler Zeugen Mund bestätigt gefundeng).
    Vier Imperative bestimmen diesen Abschnitt: Erstarke (1), vertraue an (2), leide mit (3), bedenke (8). Wir stehen vor der entscheidenden Frage: Wie überliefert Paulus das empfangene Evangelium? Hat sich die Lage seit dem 1. Korintherbrief verändert? Dort spricht Paulus von der Überlieferung, wie er sie „vom Herrn her empfangen hat“), wie er sie den Korinthern übergeben hat und wie diese daran festgehalten habeni).
    Das vertraue treuen Menschen an, die tüchtig sein werden, auch andere zu lehren. Die Überlieferung wird am besten bewahrt dadurch, daß man sie weitergibt! Dieses Weitergeben ist ein Anvertrauen an treue Menschen. In diesem einen Vers sind vier Übermittler des Evangeliums aufgezählt: 1. Paulus hat das Evangelium selber übermittelt erhalten von anderen. 2. Paulus gibt es an Timotheus weiter und 3. Timotheus an treue, lehrfähige Mitarbeiter und schließlich 4. diese Mitarbeiter wieder an andere.
    Treue und Lehrfähigkeit sind die beiden Hauptbedingungen für den Diener am Wort. In der Treue ist eingeschlossen die Treue zum Herrn, zu den Mitarbeitern, zur Lehre, zum Auftrag des Weitergebens. Treue, das ist eine Grunderfordernis für den Haushalter). Bei „Treue“ ist immer „Glaube“ mitzuhören (es ist ja im Griechischen dasselbe Wort).
    Timotheus hat den Auftrag, das Evangelium glaubenstreuen und lehrfähigen Menschen (3) anzuvertrauen. Wer ist lehrfähig, wer ist zum Lehren tüchtig? Einerseits erhalten einige ein besonderes Charisma der Lehrek), andererseits wird erwartet, daß alle Gemeindeglieder in der Erkenntnis wachsen und dadurch befähigt werden, sich gegenseitig zu lehren und zu ermahnen). Diese Ausrüstung der ganzen Gemeinde zur gegenseitigen Unterweisung geschieht durch Menschen, die Gott dazu begabt hatm). Halten diese Lehrer nicht am Glauben fest, werden sie zu Irrlehrern. Sie mögen dann zwar lehrfähig sein, aber sie sind untreu geworden. Die Vorbildlichkeit im persönlichen Glauben und Leben ist darum von zentraler Bedeutung für das Lehren, um das es hier geht). Jesus lehrte, indem er mit seinen Jüngern verbunden war, in einer Gemeinschaft des Lebens. So lehrte auch Paulus. Er war immer Gebender und Empfangender zugleicho).
    Sein Lehren war ein Anvertrauen, was eine persönliche und gegenseitige Beziehung voraussetzt, die keinen der Beteiligten unverändert läßt. Lehren wie Lernen, aus der Gemeinschaft mit Gott und miteinander geübt, vereinigt das sonst oft Getrennte: Information (Unterweisung) und Transformation (Umgestaltung), Erkenntnis und Erfahrung.
    Treu und lehrfähig: Manche sind treu, aber nicht fähig, Empfangenes so weiterzugeben, daß es die Empfänger fördert. Andere sind lehrfähig, aber nicht treu im Glauben und im Dienen. Sie mischen dem Evangelium Fremdes bei, ihr Können verleitet sie zu Hochmut oder Rechthaberei. Sie schreiben die Fähigkeit sich selbst zu, verlieren sich in eigene Spekulationen. Treu und lehrfähig: Das persönliche Leben des Dieners und seine Beziehung zu den anderen, das Achthaben auf sich selbst und auf die zuverlässige Weitergabe des Evangeliums) sollen eine Einheit bilden.
    Hier ist nichts zu erkennen von kirchenrechtlicher Ämterlehre oder „apostolischer Sukzession“. Am Anfang steht Jesus in der geistlichen Einheit von Lebens- und Wortgestalt, die Paulus wie alle anderen empfangen hat, daran er festhält), die er verkündet und an Timotheus weitergegeben hat. Unterweisung ist auch hier nicht das erste, sondern das zweite. „Die Erweiterung der Traditionskette ist ein pneumatischer Vorgang“ (Holtz, 163). Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß bald nach den Past griechisches Systemdenken und römisches Rechtsdenken den geistgewirkten Vorgang der Jesusüberlieferung verdrängt und schließlich ersetzt haben. „Über dem Vermitteln von Wissen vergessen wir jenes Lehren, das für die menschliche Entwicklung am wichtigsten ist: jenes Lehren, das nur durch die einfache Gegenwart eines reifen und liebenden Menschen gegeben werden kann.“

    Bürki – Wuppertaler Studienbibel

    Auf seinen Reisen mit Paulus hatte Timotheus den Apostel immer wieder zu ganz verschiedenen Menschen sprechen hören. Doch trotz dieser großen Unterschiede bei der Zuhörerschaft hatte sich der entscheidende Inhalt der paulinischen Botschaft nie verändert. Es war dieselbe Wahrheit geblieben, die Paulus seinen Schüler Timotheus auch ganz persönlich gelehrt hatte. Nun, wo sich der Apostel dem Ende seiner Missionstätigkeit nahe fühlt, beauftragt er Timotheus, das, was er von ihm gehört hat, seinerseits treuen Menschen …, die tüchtig sind, auch andere zu lehren (vgl. 1Tim 3,2; Tit 1,9), anzuvertrauen (vgl. 2Tim 1,14). Durch diese immer weiter ausgreifende Vervielfältigung der Verkündigung verbreitet Gott die gute Nachricht von Jesus Christus unter den Menschen.

    Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

    Es ging um das, was Timotheus von Paulus »gehört« hatte, persönlich und auch »vor vielen Zeugen«. Paulus hatte seinerseits das Evangelium vom Herrn selbst empfangen (Gal 1,12). Dann musste sozusagen das »Stafettenholz« weitergegeben werden: von Paulus und den andern Aposteln an die nächste Generation der Christen und in der Folge durch alle Generationen der Christen bis zum Ziel, dem großen Tag Jesu Christi. Timotheus hatte vieles von Paulus bei dessen Verkündigung vor andern gehört; diese vermochten nun dessen Zeuge zu sein, dass Timotheus die Botschaft recht weitergab. Und naturgemäß hörte der langjährige Mitarbeiter Timotheus vieles von Paulus auch unter vier Augen. Ebenso wachsen auch wir in der Erkenntnis dessen, wovon wir selbst geistlich leben, und auch dessen, was wir weitergeben sollen, indem wir die Schrift, insbesondere das Zeugnis der ersten Zeugen Jesu, allein und mit anderen zusammen lesen. Und die, die uns hören und das Wort der Schrift gleicherweise in Händen haben wie wir, können nachprüfen, ob das, was wir als Verkündiger sagen, schriftgemäß ist; ja, sie sollen das tun (vgl. Apg 17,11; 1Thess 5,21; 1Joh 4,1) entsprechend der Gesamtbotschaft der Schrift, ihrem Zeugnis von dem großen Heilshandeln Gottes in Jesus Christus, davon, was die rechte Antwort des Menschen auf Gottes Gnade ist: sein Glaube, die ganze Hingabe des Lebens an Gott, sein Glaubensgehorsam (Röm 1,5; 16,26).

    »Das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.« Bei aller Verkündigung geht es nicht nur darum, dass die Hörer selbst geistlich erbaut werden, sondern auch um ihre Zurüstung dazu, dass sie ihrerseits anderen das Evangelium bezeugen, sie zum Glauben rufen und zum Wachstum in der Erkenntnis und im Glaubensgehorsam anleiten können.

    »Treu«, zuverlässig sollen diese Zeugen sein; eben unter der Verkündigung werden sie als nun Glaubende durch Gottes Geist dazu gemacht (Joh 6,63; 2Kor 5,17; Gal 5,22). Und ebenso werden sie durch Gottes Wort und Geist dazu ertüchtigt, »andere zu lehren«: Sie alle vermögen auch unter Nichtglaubenden Zeugen Jesu zu sein, und sie alle können auch ihre Mitchristen »ermahnen«, d. h. an ihnen Seelsorge üben. So sagt die Schrift: »Ermahnet euch untereinander« (1Thess 5,11; vgl. Gal 6,1). Doch Timotheus soll gewiss auch darauf achten, wo Gott mit dem Heiligen Geist nach seiner Weisheit bestimmten Gemeindegliedern die besondere Gnadengabe des Lehrens geschenkt hat; sie soll er im Besonderen damit beauftragen (vgl. Röm 12,3-8; 1Kor 12,28; Eph 4,11). – Auch heute ist es überaus wichtig, dass alle Verkündigung nicht nur der eigenen geistlichen Erbauung der Hörer dient, sondern auch ihrer Zurüstung zu dem Dienst, den sie ihrerseits andern tun, im Rahmen eines besonderen Auftrags jetzt oder in Zukunft oder entsprechend der allgemeinen Weisung unseres Herrn bei seiner Himmelfahrt, die allen gilt, die an ihn glauben: »Ihr sollt meine Zeugen sein« (Apg 1,8)

    Gerhard Maier – Edition C

    Timotheus wird jetzt ermutigt, nicht nur das anvertraute Gut zu bewahren, sondern es auch weiterzugeben. Die in Kapitel 1 beschriebene Untreue machte es erforderlich, daß es bewahrt und bewacht wurde, aber die Gefangenschaft des Paulus und sein unmittelbar drohender Tod machte ein Weitergeben nötig. In dieser Beschreibung der Weitergabe göttlicher Wahrheit wird von vier Generationen gesprochen.

    „Was du von mir gehört hast“ (par’emouekousas) wird auch in 1,13 verwendet. Die hier angewandte Präposition (Para) macht klar, daß Timotheus die Wahrheit persönlich von Paulus empfangen hatte. Die Dinge, von denen hier gesprochen wird, sind mehr als nur das Evangelium (1,13), und schließen die Wahrheit des ersten Briefes ebenso mit ein, wie den mannigfaltigen mündlichen Dienst den er gehört hatte. „In Gegenwart“ (dia) ist in einem solchen Zusammenhang eine ungewöhnliche Präposition. Viele geben ihr die Bedeutung (so auch Elberfelder) „in Gegenwart von“, aber diese Präposition verlangt wahrscheinlich eine aktivere Rolle von den Zeugen. A. T. Robertson schließt den Gedanken von „vielen Zeugen unterstützt oder bekräftigt“ ein. Der Satz könnte dann wörtlich heißen „durch die Beglaubigung von vielen Zeugen“ und bezieht sich vielleicht auf den Dienst von Paulus, der durch die mündliche Teilnahme derjenigen Lehrer unterstützt, bekräftigt und beglaubigt wurde, die so häufig anwesend waren (Apostelgeschichte 20,4.7.11). Die Wahrheit ist nicht allein privater Natur und kann und sollte öffentlich vermittelt werden.

    „Das vertraue“ meint, daß der Diener, der die Wahrheit vermittelt, ihren Inhalt beim Lehren nicht verändern sollte. Sie (diese Wahrheit) sollte „dasselbe“, so die wörtliche Wiedergabe des Griechischen (tauta) sein. „Vertraue an“ (parathou) steht im Imperativ und deutet ein Gebot an, dem Timotheus gehorchen muß. Es gibt bei einigen immer die Neigung, von der ihnen anvertrauten Wahrheit etwas wegzunehmen oder hinzufügen. Paulus selbst tat es nicht (siehe 2.Kor. 2,17; 4,2). Ein großer Teil seiner Absicht, sowohl im ersten als im zweiten Brief, ist es, Timotheus zu ermuntern, die Wahrheit kennenzulernen (1.Tim. 1,4.19; 3,15; 4,13.15; 6,20; 2.Tim. 1,13-14; 2,15; 3,1.14) und sie dann zu lehren (1.Tim. 1,3; 4,6.11-13; 5,7; 6,2.17; 2.Tim. 2,14.25; 4,2-5).

    „Treuen Leuten“ betont zwei spezielle Eigenschaften, die unbedingt notwendig sind, wenn die Wahrheit Gottes wirksam weitergegeben werden soll. Treue und Fähigkeit zu lehren. Eines ohne das andere ist für die beschriebene Aufgabe ungenügend. „Treu“ (pistos) enthält den Gedanken, vertrauenswürdig und zuverlässig zu sein, was mit der Aufgabe übereinstimmt, das anvertraute Gut der Wahrheit in der richtigen Weise zu verwalten. Eine Betrachtung von 1.Kor. 4,1-2 würde zeigen, daß Verwalterschaft und Treue eng miteinander verbunden sind. Das gleiche Wort wird im Blick auf Gott verwendet (1.Kor. 1,9), der der Bewahrer dessen ist, was wir ihm anvertraut haben (1,12).
    „Fähig“ (hikanoi) zu „lehren“ weist auf Kompetenz hin. Timotheus sollte alle Heiligen zur Treue ermahnen, aber nur die darüberhinaus auch fähig waren zu lehren, kommen hier in Frage. Nicht alle treuen Männer haben diese Fähigkeit. Eine Betrachtung des Buches des Predigers gibt uns in dieser Sache Hilfe. Die letzten Verses des Buches (Prediger 12,9-11) zeigen die Kombination von Treue und erforderlicher Fähigkeit. Alle die lehren, müssen die von Gott gegebene Fähigkeit erhalten und entwickeln.

    „Auch andere“ (heteros) kann „andere“ einer verschiedenen Art bedeuten. Alle müssen durch den Lehrer gelehrt werden, aber nicht alle Lehre ist dazu da, andere Lehrer auszurüsten, sondern um die Heiligen zu leiten und zu unterweisen. Einige vermuten, daß das Wort einfach von zusätzlichen Anderen spricht, aber wir ziehen die erste Auffassung vor.

    Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt