Die Frage ist für mich also nicht so sehr, ob Gott handelt, sondern vielmehr, wie viele Leute noch da sein werden, die dem Menschensohn, dem Auserwählten, auf diese Art und Weise vertrauen, wenn er dann irgendwann auf die Erde zurückkommen wird.

Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und ist er in Bezug auf sie langmütig? Ich sage euch, daß er ihr Recht schnell ausführen wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?
Elberfelder 1871 – Lukas 18,7–8

Sollte Gott aber nicht erst recht [für] die Strafe (Rache) seiner Erwählten, die am Tag als auch in der Nacht ihn laut anrufen, eintreten? Sollte er auch über sie lange Geduld haben (ausharren)? Ich spreche zu euch, dass er ihre Strafe (Rache) unverzüglich machen (ausführen) wird. Doch wird der Sohn der Menschen, wenn er komm,[dann noch] den Glauben (Treue) auf der Erde finden?
offene Bibel – Lukas 18:7–8

Jetzt stelle ich euch die Frage: Wird Gott nicht den Menschen zu ihrem Recht verhelfen, die er zu sich gezogen und auserwählt hat und die Tag und Nacht zu ihm schreien? Wird er sie etwa lange auf seine Hilfe warten lassen? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich zu ihrem Recht verhelfen! Und dennoch stellt sich die Frage: Wird der von Gott gesandte Menschensohn eurer Meinung nach Glauben auf der Erde finden, wenn er kommt?«
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Lk 18,7–8

Lk 18,7 οὐ μή m. Aor. Konj. stärkste Verneinung zukünftigen Geschehens (A257), bez. hier in der rhetorischen Frage eine Bejahung (BDR § 3655). ποιήσῃ Aor. Konj. ποιέω; ποιέω τὴν ἐκδίκησίν τινος umschreibt das einfache Verbum ἐκδικέω (B I1bδ; vgl. V. 3) jmdn. rächen, jmdm. Recht verschaffen (ThWNT 4, S. 383). ἐκ-δίκησις8 Rache, Bestrafung. ἐκ-λεκτός9 (< ἐκ-λέγομαι [für sich] auswählen) ausgewählt, im NT fast durchweg: auserwählt (ausgesondert, um zu Gott zu gehören bzw. ihm zu dienen); subst.; ὁ θεὸς οὐ μὴ ποιήσῃ τὴν ἐκδίκησιν τῶν ἐκλεκτῶν αὐτοῦ …; Gott sollte seinen Auserwählten … nicht erst recht zu ihrem Recht verhelfen? (vgl. BDR § 3655). βοώντων Ptz. βοάω (laut) rufen, schreien; attr. ἡμέρας καὶ νυκτός gen. temp. (H-S § 168a; A166) Tag und Nacht. καί (zweites) wohl alternativ (A314) oder; leitet wohl eine neue Frage (jetzt m. Ind.) ein. μακρο-θυμέω Geduld haben, geduldig/langmütig sein; hier wahrscheinl. zögern; καὶ μακροθυμεῖ ἐπʼ αὐτοῖς; oder zögert er bei ihnen lange? bzw. oder zieht er es lange hin mit ihnen? (B 3) bzw. und wird er sie etwa lange warten lassen (NGÜ); andere Deutungen dieser schwierigen Stelle: und er übt Langmut (auch) an ihnen (ThWNT 4, S. 384 Anm. 56); auch (wenn) (καί konz.) er Langmut bei ihnen übt (Menge). Lk 18,8 ὅτι recitativum = Doppelpunkt (A333). ποιήσει Fut. V. 7. τάχος7 Schnelligkeit; ἐν τάχει in Kürze, bald. πλήν aber, doch, jedoch. ἐλθών Aor. Ptz. ἔρχομαι, temp. ἆρα Fragepartikel vor direkter Frage (A320). εὑρήσει Fut. εὑρίσκω; πλὴν ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου ἐλθὼν ἆρα εὑρήσει τὴν πίστιν ἐπὶ τῆς γῆς; jedoch wird der Menschensohn, wenn er kommt (bei seiner Wiederkunft), auf der Erde den Glauben finden? (so meistens, doch ist der Zusammenhang m. dem Kontext [bes. V. 1 u. 8] dann schwierig), viell. Fut. in einer deliberativen Frage (vgl. BDR § 366) auf die ausstehende Reaktion der Hörer bezogen: jedoch findet der Menschensohn, nachdem er gekommen ist (näml. jetzt), auf der Erde den Glauben? (näml. dass Gott die Gebete seiner Auserwählten bald erhören wird).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Im Gleichnis vom ungerechten Richter ging es Jesus um Beständigkeit im Gebet: daß sie, die Jünger, allezeit beten und nicht nachlassen sollten. Eine Witwe bedrängte einen ungerechten Richter immer wieder, ihr Recht zu verschaffen, doch er lehnte es stets ab, sie anzuhören. Doch am Ende gab er ihrem Drängen nach, weil sie ihm soviel Mühe machte, damit sie nicht zuletzt komme und ihm ins Gesicht schlage. In seiner Deutung (V. 6 – 8) wies Jesus darauf hin, daß, wenn sogar der ungerechte Richter der Frau Recht schaffte, dann doch auch Gott (der gerechte Richter) Recht schaffen sollte seinen Auserwählten, und zwar rasch. Jesu Frage: Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden? war kein Zeichen für seine Unwissenheit. Er fragte auch nicht danach, ob es bei seiner Rückkehr überhaupt noch Gläubige auf Erden geben würde, sondern wollte die Jünger zum gläubigen und standhaften Beten ermutigen. Auch in diesem Zusammenhang verwendete er also ein negatives Beispiel, um etwas Gutes deutlich zu machen (vgl. Lk 16,1-13).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Nach der in dem Fragesatz: „Sollte Gott nicht Seinen Auserwählten zu ihrem Recht verhelfen?“ erwähnten göttlichen Langmut gibt Jesus die Antwort, daß Gott in Eile das Recht Seiner Auserwählten ausführen wird. Die Schlußfolgerung, die der Herr hier aus dem Gleichnis zieht, bekräftigt Er mit Einsetzung Seines Wortes: „Ich sage euch“. Die Worte „en tachei = in Eile“ bedeuten entweder den schnellen Verlauf der Hilfe (vgl. Rö 16, 20) oder das baldige Eintreten des Rettungsvorganges (Offb 1, 1; 22, 6). Beides fließt ineinander (Apg 12, 7; 22, 19). (Vgl. 5 Mo 32, 43; Jes 63, 4; 2 Pt 3, 9. 15; Rö 16, 20). Einen Widerspruch enthält diese Aussage nicht zu der vorhin genannten Verzögerung der Erhörung des Gebetes. Das „in Eile“ ist ein göttliches Zeitmaß für die ganze Zeit der Geduld. Er kann nicht schneller zur Erlösung und Offenbarung eilen, als dies Seine Weisheit erlaubt. Gott wirkt alles unablässig eins nach dem andern. Alles, was geschehen muß, wird endlich und plötzlich am Ende der Tage hereinbrechen. Die Befreiung „in Eile“ wird dann im vollen Sinne Wirklichkeit. Jesus sagt mit diesen Worten gar nicht, wie bald Seine Ankunft eintreten wird.
Am Schluß des Gleichnisses fragt Jesus nicht, ob der wiederkommende Menschensohn wohl Glauben vorfindet, sondern ob Er „den Glauben“ findet. Da Jesus „den Glauben“ nennt, meint Er den Glauben des unablässigen, nicht ermüdenden Bittens, kurz den ausharrenden Glauben.
Weil der Glaube der Auserwählten durch die Verzögerung der Erhörung und die Verzögerung der Wiederkunft des Herrn eine schwere Anfechtung zu bestehen hat, meint der Herr die Frage so: Ob wohl der Glaube nach der langen Prüfung noch beharrlich genug ist, um eine solche Rettung wie jene Witwe zu erfahren? Die leichte Zweifelsfrage des Herrn soll anspornen, im gläubigen Gebete auszuharren und nicht matt und lässig zu werden.

Rienecker – Wuppertaler Studienbibel

Aber der Herr sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt. Sollte aber Gott seinen Auserwählten nicht Recht schaffen, die zu ihm bei Tag und Nacht rufen, auch wenn er über ihnen langmütig bleibt? Ich sage euch: Rasch wird er ihnen Recht schaffen. Überwindet der dringliche, anhaltende Ernst der Bitte sogar einen ungerechten Richter auf Erden, so wird Gott vollends das Recht der Seinen schirmen und erweisen, die als seine Erwählten in seiner Liebe stehen und sein eigen sind. Nicht Fremden zur Hilfe offenbart er seine Gottesmajestät, sondern für die Seinigen. Ihnen hilft er zum Recht gegen die, die Gewalt an ihnen üben, ihr Wort verspotten, ihren Glauben verhöhnen, sie ins Böse stoßen und verführen und ihr Leben antasten. In diesem Streit ums Recht wird er die Entscheidung sichtbar geben und offenbar machen, wer seine Erwählten sind, wessen Wort von ihm ist und wessen Werk seinen Willen tut. Rufen sie ihn Tag und Nacht an, während er Langmut übt und des Gerichts sich noch enthält und auch der Sünderwelt Raum und Frist gibt, daß sie dahinleben kann wie in Noahs Tagen, so entsteht allerdings der Schein, als riefen auch sie wie jene Witwe den zum Richter an, der sich ihrer nicht annehmen will. Jesus aber sagt: Gott wird nicht umsonst angerufen; rasch greift er ein und macht das Recht derer offenbar, die auf ihn warten.
18,8b: Allein wird der Sohn des Menschen, wenn er kommt, auf Erden den Glauben finden? Droben im Himmel ist der Richter bereit, denen, die ihn anrufen, beizustehen und das Recht derer zu schirmen, die sich zu Jesus bekennen. Sieht er aber auf die Erde, dann entsteht die Frage, die er seiner Gemeinde vorlegt, damit sie sie bewege. Die Bitte findet droben Erhörung; aber werden sich auf Erden die Beter finden? Das Bitten erwächst aus dem Glauben und kommt nicht zustande, kann auch nicht Erhörung finden, wenn es nicht aus dem Glauben fließt. Als der Menschensohn zu seinem Dienst auf Erden kam, fand er den Glauben nicht, den er suchte. Es ist eine kleine Schar, die bei ihm steht. Nun geht er zum Vater zurück. Wird der Glaube bleiben, auch am Unsichtbaren hängen, auch dann, wenn man von seinen Tagen nichts sieht und jedermann ißt und trinkt, freit und sich freien läßt ohne Sorge, da ja der Menschensohn längst begraben ist? Jesus sagt nicht, er werde auf Erden den Glauben nicht mehr finden, sondern läßt die Frage ohne Antwort, damit sie das Gewissen der Seinen bewege; denn sie sind es, durch die dieser Frage die Antwort gegeben werden muß.
Seine Sorge ist wieder völlig derjenigen entgegengesetzt, die uns Menschen bedrückt. Wir fürchten gleich, Gott versäume sein Amt, lasse sich anrufen ohne Erhörung und werde an uns zum ungerechten Richter, der unsere Sache nicht zur seinen macht. Diese Sorge hat Jesus nicht bewegt. Auf Gott fällt kein Makel; denn er schafft rasch allen, die ihn bitten, Recht. Aber auf das, was die Menschen aus seinem Wort machen, sah Jesus mit tiefem Ernst. Sie können es freilich dahin bringen, daß dieses umsonst auf die Erde kam, und ein glaubensloses Geschlecht bleiben, das nicht um Gottes Hilfe bittet, weil es seine Sache nicht in Gottes Hände legen mag, auch nicht kann.
Daß der Menschensohn komme, sagt auch hier Jesus als ein gewisses Wort. Nicht ob ihn Gott nochmals sende, ob er sein begonnenes Werk vollenden und seine Gemeinde zu sich holen dürfe, nicht das macht er zur Frage, nur das eine, was als die Frucht seines irdischen Dienstes und seiner Kreuzestat den Menschen verbleibe, ob sich der Glaube, den er durch diese pflanzt, auf Erden erhalten werde bis zum Tag, an dem er kommt. Seine Sendung steht unabhängig über dem, was der Mensch will und glaubt, da er sie aus der Hand des Vaters empfängt. Was der Mensch will und glaubt, bedingt freilich sein eigenes Geschick, scheidet ihn von Gottes Reich oder gibt ihm daran teil. Doch Gottes Werk wird er nicht hindern und der Menschensohn sein Reich offenbaren; für wen und wie, das liegt in Gottes Rat.

Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament

Nachdem er seine Jünger über eschatologische Themen belehrt hatte, lehrte Jeschua zwei Prinzipien bezüglich des Gebets. Das erste Prinzip ist das der Beharrlichkeit (Lukas 18,1-8): Und er redete ein Gleichnis zu ihnen, dass sie allezeit beten und nicht verzagen sollten (Lukas 18,1). Beharrlichkeit im Gebet war besonders in Bezug auf das zweite Kommen notwendig. Da das Reich Gottes zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgerichtet sein würde, sollten die Jünger so beten, wie er sie zuvor gelehrt hatte: Dein Reich komme (Matthäus 6,10). Um diese Art des Gebets zu ermutigen, erzählte Jeschua das Gleichnis von der ungeduldigen Witwe (Lukas 18,2-5), in dem eine Frau zu einem Richter kam und verlangte: Räche mich an meinem Widersacher (Lukas 18,3). Der Richter war nicht allzu sehr auf Gerechtigkeit bedacht, aber weil die Witwe immer wieder kam, gab er schließlich nach und gewährte ihre Bitte. Ihre Hartnäckigkeit, nicht die Gerechtigkeit des Richters (Lukas 18:6), hat ihr Ziel erreicht.

Die Anwendung ist diese: Und wird Gott nicht seine Auserwählten rächen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und ist er langmütig über sie? Ich sage euch, daß er sie bald rächen wird. Wenn aber des Menschen Sohn kommt, wird er Glauben finden auf Erden? (Lukas 18:7-8). Die Formulierung „wenn der Sohn des Menschen kommt“ weist darauf hin, dass sich dieses Gebet auf das zweite Kommen bezieht. Wenn ein ungerechter Richter aufgrund von Beharrlichkeit antwortet, wie viel mehr wird Gott, der gerecht ist, auf beharrliches Gebet antworten? Obwohl der Vers andeutet, dass das zweite Kommen noch einige Jahre entfernt ist, stellt er auch klar, dass es mit Sicherheit kommen wird. Das Prinzip bezüglich des Gebets für das zweite Kommen ist folgendes: Die Gewissheit dessen, was erbeten wird, sollte uns zu Beständigkeit im Gebet führen. So sollte der Gläubige beharrlich beten: „Dein Reich komme“.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Wenn sogar ein ungerechter Richter in der Lage ist, Recht zu schaffen, wieviel mehr wird dann ein Gott der Liebe und Wahrheit Seinen eigenen Auserwählten Recht schaffen, die Tag und Nacht zu Ihm schreien. Wir sollten diesen Ausdruck beachten, der auf einen Aufschub des göttlichen Eingreifens hinweist. Die Auserwählten „schreien Tag und Nacht zu ihm“, und er „ist langmütig in Bezug auf sie“. Gottes Verzug ist eine der Hauptmethoden der Erziehung in der Schule der Gnade, denn dadurch lehrt Er uns Glauben und Geduld. Es gibt noch einen zweiten Grund für den Verzug. Wo Petrus von Gottes Uhr spricht, sagt er, daß Gott „nicht will, daß irgendwelche verloren gehen, sondern daß alle zur Buße kommen“ (2 Petrus 3,9). Das ist der Zusammenhang hier. Wenn der Menschensohn kommt, wird Er Gericht über die Gesetzlosen bringen, aber Gott wartet in Geduld, daß böse Menschen zur Buße kommen; daher wartet der Herr noch ab.
Wenn nach Gottes Plan die Zeit für Sein Eingreifen gekommen ist, wird das Gericht plötzlich beginnen. Das stimmt völlig mit den Warnungen überein, die der Herr eben über das plötzliche Gericht beim Kommen des Menschensohnes gegeben hatte. Im soeben zitierten Abschnitt des Hebräerbriefes finden wir als exakte Parallelen zur Unterweisung über die Geduld des Herrn und das Warten Gottes (Hebräer 10,36) dennoch auch das plötzliche Kommen, denn es heißt „er wird nicht verziehen“ (10,37). Der Herr wird Sein Kommen hinausschieben, vielleicht sehr lange, so daß der Glaube der Treuen hart erprobt werden wird, aber „über ein gar Kleines, und der Kommende wird kommen und nicht verziehen“. Hierin steckt das Prinzip der unmittelbaren Erwartung Seines Kommens, das dem Ungläubigen paradox erscheinen mag, für den Gläubigen hingegen eine wunderbare Bedeutung hat. Der Herr lobt die Versammlung in Philadelphia „weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast“. Hier haben wir wiederum das Warten des Herrn, aber dann sagt Er: „Siehe, ich komme bald“ (Fußn. Elberf wörtl. „schnell, eilends“, Offb 3,10.11).
 Daß das Ausharren im Gebet und die Aufforderung, nicht zu ermatten, Sein Kommen im Auge hat, wird an der Frage ersichtlich, die das Gleichnis abschließt. „Den Glauben … auf der Erde“ muß persönlich verstanden werden als der Glaube der Getreuen, die weiterhin im Gebet verharren und die Hoffnung auf das Kommen des Herrn nicht preisgeben. Ein treuer Überrest wird auf den Sohn des Menschen warten, wenn Er vom Himmel herniederkommt. Das ist die Auslegung, die zum Zusammenhang des Gleichnisses paßt; wir sollten darüber aber nie die praktische Lektion übersehen, daß beharrliches Gebet mit Erhörungen vom Himmel her belohnt wird.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Wenn man in einer Gesellschaft lebt, die verrottet (17:37), ist die Luft giftig, und man wird leicht ohnmächtig! Aber das Gebet bringt uns in Kontakt mit dem reinen Sauerstoff des Himmels, so dass wir weitermachen können. In diesem Gleichnis über das Gebet stellt Jesus den selbstsüchtigen Richter und den himmlischen Vater einander gegenüber (und vergleicht sie nicht). Damals war es für arme Witwen sehr schwierig, zu ihrem Recht zu kommen, weil ihnen die Mittel fehlten, um die Beamten zu bestechen, die den Richter zum Handeln bewegen sollten. Aber diese Witwe wollte nicht aufgeben, bis der Richter ihr gegeben hatte, was ihr zustand.

Wenn schon ein selbstsüchtiger Richter die Bedürfnisse einer armen Witwe erfüllt, wie viel mehr wird dann der liebende himmlische Vater die Bedürfnisse seiner eigenen Kinder erfüllen, wenn sie zu ihm schreien? Dieses Gleichnis fordert uns nicht auf, Gott so lange zu bedrängen, bis er handelt; es besagt, dass wir ihn nicht zu bedrängen brauchen, weil er bereit und willens ist, unsere Gebete zu erhören. (Siehe 11:5-10 für ein ähnliches Argument.) Die Witwe hatte keinen Anwalt, aber wir haben einen Hohepriester am Thron Gottes im Himmel. Sie hatte keine Verheißungen, aber wir haben eine Bibel voller Verheißungen, die wir in Anspruch nehmen können. Sie war eine Außenseiterin, aber wir sind Kinder Gottes! Welch ein Privileg ist es, zu beten!

Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament