Und Gott hat etliche in der Versammlung gesetzt: erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, sodann Wunderkräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen, Hülfeleistungen, Regierungen, Arten von Sprachen.
Elberfelder 1871 – 1.Korinther 12,28
So hat Gott in der Gemeinde allen ihre Aufgabe zugewiesen. Da gibt es erstens die Apostel, zweitens die, die prophetische Weisungen erteilen, drittens die, die zum Lehren befähigt sind. Dann kommen die, die Wunder tun oder heilen können, die Dienste oder Leitungsaufgaben übernehmen oder in unbekannten Sprachen reden.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Korinther 12:28
Gott hat seiner Gemeinde Menschen mit den verschiedensten Begabungen und Aufgaben geschenkt. Da sind zuerst die Apostel, also die bevollmächtigten Botschafter, dann als zweites die Propheten, also die, die Gottes Wahrheit deutlich aussprechen, als drittes Lehrer, also die, die andere unterrichten, danach besondere Kraftwirkungen, verschiedenste Geistesgeschenke wie die Heilungsgaben, die Fähigkeit, anderen zu helfen, Leitungsbegabung und auch verschiedenste Arten von geistgewirkten Sprachen.
Das Buch – 2014 – 1.Kor 12,28
Und Gott hat erstens die einen in der Kirche zu Aposteln bestimmt, zweitens (andre) zu Propheten, drittens (noch andre) zu Lehrern, dann Wunderkräfte, dann Gnadengaben zu Heilungen, Hilfeleistungen, Leitungen, Arten von Zungenreden. (1) vgl. Anm. zu Eph 1:22. (2) V. 8-10: Eph 4:11 12
Zürcher 1931 – 1.Kor 12:28
Gott hat in der Gemeinde allen eine bestimmte Aufgabe zugewiesen. An erster Stelle sind die Apostel zu nennen, an zweiter die Propheten, an dritter die Lehrer. Weiter gibt es die, die dazu befähigt sind, Wunder zu tun, oder denen die Gabe des Heilens geschenkt ist oder die imstande sind, praktische Hilfe zu leisten oder Leitungsaufgaben zu übernehmen, oder die in Sprachen reden können, ´die von Gott eingegeben sind`
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Korinther 12:28

Da gibt es eine Form von Kirchen, in denen nur „ausgebildete und gelehrte“ Männer den Gottesdienst leiten dürfen. Dann gibt es die andere Form, in der „alle die sich wirklich gaaaanz doll Mühe geben“ ein paar Aufgaben zugeteilt bekommen. Aber lese den Text aufrichtig: gibt Gott nur denen eine der vielen unterschiedlichen Gaben, die sich Mühe geben? Oder verteilt ER die Gaben nach den Bedürfnissen der „Kirche“? Wenn du entweder „eine besondere Ausbildung“ benötigst, oder aber „ganz besondere Mühe“ aufweisen musst, dann scheint das NICHTS mit Gottes Gabe zu tun zu haben, sondern „selbst erarbeitet“ zu sein! – Oder?
Paulus unterscheidet auch nicht zwischen „Juden und Nichtjuden“ oder „Gesalbten und Nichtgesalbten“ – sondern behauptet doch glatt: alle Christen würden von Gott eine Gabe bekommen, wie es in der Ortsgemeinde nötig wäre.
οὓς μέν (A133c; ohne οὓς δέ) einige. ἔ-θετο V. 18; m. doppeltem Akk. (A97,15; 147) jmdn. einsetzen/machen zu (B II2b). πρῶτον … δεύτερον … τρίτον Ntr. als Adv. erstens … zweitens … drittens. ἔπειτα dann. δύναμις8 hier Wundertat, Wunderkraft (vgl. V. 10); v. hier an ἔθετο (m. einfachem Akk.) = hat eingerichtet/gegeben. χάρισμα V. 4. ἴαμα3 V. 9. ἀντί-λημψις8 Hilfe, Hilfeleistung. κυβέρνησις8 Leitung, Leitungsgabe. γένη γλωσσῶν
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Der Apostel zählt nun eine weitere Gabenliste auf. Keine dieser Auflistungen ist vollständig. »Und die einen hat Gott in der Gemeinde gesetzt erstens zu Aposteln.« Das Wort »erstens« oder »aufs Erste« (LU 1912) zeigt an, dass nicht alle Apostel sind. Die Zwölf waren Männer, die durch den Herrn als seine Boten ausgesandt wurden. Sie waren während seines gesamten irdischen Dienstes bei ihm (Apg 1,21.22) und hatten ihn mit Ausnahme des Judas nach seiner Auferstehung gesehen (Apg 1,2.3.22). Aber außer den Zwölfen gab es noch andere Apostel. Der Bemerkenswerteste war sicherlich Paulus. Außerdem gab es noch Barnabas (Apg 14,4.14), Jakobus, der Bruder des Herrn (Gal 1,19), Silas und Timotheus (1. Thess 1,1; 2,6). Gemeinsam mit den Propheten des NT legten die Apostel durch ihre Lehre vom Herrn Jesus Christus die lehrmäßigen Grundlagen der Gemeinde (Eph 2,20). In der eigentlichen Bedeutung des Wortes gibt es heute keine Apostel mehr. In einem weiteren Sinne haben wir jedoch noch immer Boten und Gemeindegründer, die vom Herrn ausgesandt werden. Indem wir sie Missionare statt Apostel nennen, wehren wir dem Eindruck, dass sie die außergewöhnliche Autorität und Vollmacht der ersten Apostel haben.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Als Nächstes gibt es »Propheten«. Wir haben schon erwähnt, dass Propheten Männer waren, die im Namen Gottes sprachen. Es waren Männer, die das Wort Gottes, ehe es vollständig schriftlich niedergelegt wurde, aussprachen. Weiter haben wir »Lehrer«, die das Wort Gottes den Menschen auf verständliche Weise erklären. »Wunderkräfte« kann sich auf Totenerweckungen, Dämonenaustreibungen usw. beziehen. »Heilungen« bezieht sich auf die sofortige Heilung leiblicher Krankheiten, wie wir schon weiter oben erläutert haben. »Hilfeleistungen« werden normalerweise mit den Aufgaben der Diakone verbunden, die für die materiellen Belange der Gemeinde zuständig sind. Die Gabe der »Leitung« andererseits hängt mit den Ältesten oder Bischöfen (im ursprünglichen neutestamentlichen Sinne) zusammen. Dies sind die Männer, die als gottgemäß Lebende für die geistlichen Belange der Ortsgemeinde sorgen. Zuletzt wird die »Sprachen«-Gabe genannt. Wir glauben, dass die Reihenfolge hier bedeutsam ist. Paulus erwähnt die Apostel zuerst und die Sprachengabe als Letztes. Die Korinther setzten die Gabe der Zungenrede jedoch an die erste Stelle, womit sie gleichzeitig die Apostel herabwürdigten!
In 12,27b redet Paulus zunächst im Bild („Glieder einzeln genommen“), dann ab 12,28.29.30 ohne Bild über die vielfältigen Begabungen, an denen alle Anteil haben. Drei Gaben zählt er auf, dann setzt er die Reihe ohne Zahlen fort. In der Auslegungsgeschichte sind die Zahlen häufig als Rangordnung angesehen worden, sodass Apostolat, Prophetie und Lehre die drei mächtigsten Arbeiten in der Gemeinde darstellen. Das ist aber nirgends sonst bei Paulus der Fall. Apostolat bedeutet, von Gott gerufen und beauftragt zu sein, Prophetie heißt, im Auftrag Gottes zu sprechen und Lehre, die Tora für die Gegenwart auszulegen (s. o. zu 1,1; 9,1; 4,15–21; Basisinformation bei 9,4–6). Paulus stellt sich darunter keine irgendwie institutionalisierten Ämter vor, sondern Arbeit im Auftrag Gottes. Diese Arbeit trägt unterschiedliche Bezeichnungen, die einzelnen Aufgaben sind aber nicht gegeneinander abgegrenzt. So versteht Paulus sich selbst als Gesandter / Apostel Gottes, weil er gerufen wurde wie die Propheten. Seine Arbeit umfasst auch das Auslegen und Lehren der Tora, wie u. a. dieser Brief mit seinen Inhalten bezeugt, die immer wieder Schriftauslegung einschließen. Zu den weiterhin aufgelisteten Gaben s. o. zu 12,4–11. Die Gabe, Hilfeleistungen (antilempseis) zu erbringen und Leitungsaufgaben (kyberneseis s. u. zu 14,27) zu übernehmen, ist 12,4–11 gegenüber hier neu. Nirgendwo erwecken diese Listen den Anschein, vollständig sein zu wollen.
Schottroff – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
Nun kehrt Paulus noch einmal zu dem zurück, was er in V. 7–11 über die Charismata gesagt hatte. Jetzt aber, nach dem Unterricht über die Gemeinde als „Leib“, kann es den Korinthern noch anders anschaulich werden. Nun fügt Paulus zu der Fülle der Dienstgaben, die jeweils einzelne in der Gemeinde bekommen, die drei Dienste hinzu, die offensichtlich nicht wechselnde Gaben sind, sondern zum festen „Beruf“ bestimmter Menschen werden. Darum nennt er hier nicht Gaben und Kräfte, sondern Personen, und dies mit ausdrücklicher Zählung ihrer Reihenfolge: „Und die einen hat Gott gesetzt in der Gemeinde erstens zu Aposteln, zweitens zu Propheten, drittens zu Lehrern.“
de Boor- Wuppertaler Studienbibel
Hier meint das Wort „Gemeinde“ nicht die Einzelgemeinde Korinth, sondern die Gemeinde überhaupt, die Gemeinde überall, die aus der Arbeit der Apostel entsteht und in deren Entstehung gerade der Dienst der „Apostel“ ihr besonderes Ziel hat. Es ist aber bezeichnend, daß für die Gesamtheit aller „Einzelgemeinden“ kein neues Wort geprägt wird, wie umgekehrt die Gemeinde in Korinth auch nicht die abschwächende Bezeichnung „Einzel“-Gemeinde erhält. Es ist alles wesenhaft und schlechthin „Gemeinde“, die Schar der Glaubenden in Korinth und anderswo und die Summe aller Glaubenden in der ganzen Welt. Die Gesamtheit aller Gemeinden ist nicht wichtiger und in höherem Sinn „Gemeinde“ oder „Kirche“ als die „Ortsgemeinde“ in Korinth, Philippi oder Ikonion.
Zum gemeindegründenden Dienst der Apostel treten „Propheten“ und „Lehrer“. Wir werden hier schon deutlich darauf hingewiesen, daß „Prophet sein“ noch etwas anderes ist als die Dienstgaben des „propheteuein“, die Paulus so dringlich allen Gemeindegliedern wünscht. Wir werden in Kap. 14 erneut darauf stoßen. Der „Prophet“ empfängt Gewißheit über den Willen und die Pläne Gottes, tut sie der Gemeinde kund und leitet dadurch die Gemeinde. Die Gemeinde ist aber keineswegs auf immer neue prophetische Offenbarungen allein angewiesen. Neben dem „Propheten“ steht der „Lehrer“, der auf Grund des Wortes Gottes der Gemeinde in reicher Weise zeigen kann, was Gott ihr schenkt und was er von ihr will. So steht in unserem Brief Paulus ganz besonders als „Lehrer“ vor uns, der der Gemeinde nicht prophetische Sprüche zuruft, sondern sie zu einem Verstehen und Erfassen der göttlichen Wahrheit anleitet.
Im Unterschied zu Eph 4, 11 sind die „Evangelisten“ und die „Hirten“ hier nicht genannt. Vielleicht denkt Paulus bei den „Aposteln“ nicht nur an die Apostel im engeren Sinn, sondern meint hier die Männer mit, die er später als „Evangelisten“ besonders aufführen wird. Sie setzen ja die Arbeit der „Apostel“ fort, verkünden die rettende Botschaft von Jesus, um aus erretteten Menschen „Gemeinde“ entstehen oder durch sie eine schon bestehende Gemeinde wachsen zu lassen. Der „Hirtendienst“ geschah mit durch „Apostel, Propheten und Lehrer“, aber auch durch den gegenseitigen Dienst der Gemeindeglieder aneinander (Kol. 3, 16; 1 Th 4, 18; 5, 11) und hob sich erst später als eine eigene, bestimmten Gliedern übertragene Tätigkeit heraus. Es können mit den „Hirten“ hier aber auch die Männer gemeint sein, die sonst „Älteste“ genannt werden und die nach Apg 20, 28 besonders den Dienst des „Weidens“ der Gemeinde zu tun haben. Paulus bezeichnet sie dort als „Bischöfe“. Es ist in der Urchristenheit alles noch sehr frei und beweglich, ohne satzungsmäßig festgelegte „Ämter“.
Zu den in besonderer Weise dauernd berufenen Männern treten die „Gaben“, die jeweils Gemeindegliedern für den Dienst zuteil werden. „Wort der Weisheit“, „Wort der Erkenntnis“ und „Glaube“ werden hier nicht noch einmal genannt; dagegen werden den „Wunderkräften“ und „Heilungsgaben“ noch „Hilfeleistungen“ und „Leitungsgaben“ hinzugefügt, die in V. 8–10 fehlen. Für das Leisten von Hilfe und für das Leiten gibt es freilich auch natürliche Fähigkeiten, die in der Gemeinde nicht zu verachten sind. Aber da eine „Gemeinde“ keine weltliche Organisation, sondern ein „pneumatischer = geistlicher“ Organismus ist, reicht hier auch das beste natürliche Können wesensgemäß nicht aus. Auch alles „Helfen“ und „Leiten“ bedarf hier einer „Begabung“, wie sie nur der Heilige Geist schenken kann. Es ist aber bezeichnend, daß die „Leitungsgaben“ nicht unter den ersten, sondern unter den letzten Charismata stehen. Zugleich werden wir darauf hingewiesen, daß wir gerade auch für die notwendigen leitenden Ämter der Gemeinde nicht einseitig nach Menschen mit entsprechenden Naturanlagen zu sehen haben, sondern die Geistesgaben des „Leitens“ und „Verwaltens“ ernstlich erbitten dürfen. Wie leicht verweltlichen sonst die Gemeinde und ihre Werke durch die geborenen Herrschernaturen. Zu allerletzt werden auch hier die „Arten von Zungen“ genannt.
Gott hat diese Wirklichkeit des einen Leibes seiner Gemeinde geschaffen, und er hat auch jedem einzelnen Glied sein Amt zugeteilt: Er »hat gesetzt…« Niemand kann sich selbst zu etwas einsetzen, soll es in Vollmacht sein; das tut allein Gott. Gott hat beauftragt: Das gilt zuerst für die, die mit der Verkündigung seines Wortes beauftragt sind, für Apostel, Propheten und Lehrer. Die Aufzählung dieser drei Beauftragungen ist zugleich eine Rangordnung in sachlicher und zeitlicher Hinsicht. Gott hat »aufs erste Apostel« eingesetzt, vom Herrn selbst berufene Augen- und Ohrenzeugen des irdischen Jesus, denen von ihrer Zeugenschaft her besondere Autorität zukommt. Das Apostelamt ist ein einzigartiges, unwiederholbares Amt (vgl. zu 1,1). »Propheten« werden an zweiter Stelle genannt. Dies sind Männer, die vom Geist Gottes geleitet in bestimmten Situationen Gottes Willen aussagen und sein Handeln voraussagen und so die Gemeinde zu rechter Nachfolge anleiten. Zum dritten werden »Lehrer« genannt, Männer, die in der Auslegung des Wortes Gottes die Gemeinde in der Offenbarung und im Willen und Plan Gottes unterweisen und gründen. Daß hierbei noch keine fest abgegrenzten »Ämter« vorliegen, wird schon an Paulus selbst deutlich. Er tritt ja als Apostel in seinen Briefen ebenso als Prophet wie als Lehrer vor die Gemeinde. Doch wird auch die jeweils unterschiedene Beauftragung mit diesen Diensten der Verkündigung bezeugt (vgl. Apg 13,1). Die drei »Ämter« genießen wohl deshalb besonderen Vorrang, weil durch ihre geistgewirkte Arbeit Gemeinde ins Leben gerufen und gefestigt wurde und wird.
Krimmer – Edition C Bibelkommentar
Nach diesen Kirchen gründenden Diensten folgen die Gemeinde stärkende und ordnende Geisteswirkungen, die je einzelnen in der Gemeinde verliehen sind: »Die »Wundertäter« (wörtlich: »Machttaten«; vgl. zu 12,10), durch die der Sieg Jesu Christi gegenüber den dämonischen Mächten vollzogen wird; »Gaben, gesund zu machen«, wo die Herrschaft Jesu Christi gerade auch in der Leiblichkeit des Nachfolgers sichtbar wird. Die »Helfer« (wörtlich: »Hilfeleistungen«): das meint – und auch das ist Geisteswirkung – die Fürsorge für die Bedürftigen, also die Gnadengabe »Diakonie«, die Wirkung des Heiligen Geistes ist (vgl. Apg 6,3). Diakonie ist etwas ganz anderes als Nächstenliebe; Diakonie ist nicht machbar, sondern Geisteswirkung. Die »Regierer« (wörtlich: »Leitungen«; auch im Griechischen mit dem Sinn »Verwaltung«): gemeint ist das – hier bezeichnenderweise ganz am Ende der Aufzählung genannte – Leitungsamt, das das Leben in der Gemeinde ordnet und lenkt. Auch das ist Geisteswirkung und nicht einfach erlernbar.
Hier bekommt das »Amtliche«, das Verwaltungsgeschäft – so oft geschmäht – einen geheiligten Stellenwert. Und – die Überbetonung dieser Geistesgabe in Korinth deutlich zurechtrückend – am Ende wird von Paulus die Geistesgabe der Zungenrede hinzugefügt, die Anbetungsgabe, die den Lobpreis Gottes in der Gemeinde nicht verstummen läßt. Alle Dienste und Geisteswirkungen stehen unter dem Vor-Satz: »Gott hat gesetzt…«
Paulus beschreibt nun den Leib Christi bzw. die Versammlung und die Glieder darin im Einzelnen. Der Vers lässt sich anhand von μὲν („zwar“ bzw. in der Phrase οὓς μὲν („die einen“) und ἔπειτα („sodann, daraufhin“) gliedern. D.h. zunächst bespricht er die Personengaben und dann die Dienstgaben, wie man die beiden Kategorien ggf. bezeichnen könnte. Mit οὓς μὲν („die einen“) greift auf die im Vers davor genannten einzelnen Glieder zurück (gedanklich, nicht grammatisch). Mit ἔθετο („er setzte“) ist ein Aorist gebraucht worden, der die Abgeschlossenheit der Handlung deutlich macht, d.h. Gott gibt nicht laufend neue Apostel und Propheten, sondern zur Zeit der Abfassung waren diese schon eingesetzt, womit diese das Fundament bildeten. Den Ort des Ganzen macht Paulus mit einer lokalen Angabe ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ („in der Versammlung“) deutlich. Syntaktisch bildet Paulus einen doppelten Akkusativ. A setzt B als C ein, wobei B und C Akkusative ausmachen. Die Personengaben werden anhand von Ordinalzahlen gegliedert, d.h. zuerst hat Gott die Apostel eingesetzt, als zweites die Propheten und als drittes die Lehrer. Dann kommt Paulus von den Personen zu den Gaben zu sprechen, ohne die Ordinalzahlen erstens, zweitens, drittens zu benutzen, das Prädikat ἔθετο („er setzte“) wird auch für die Gnadengaben weiterverwendet, auch diese hat Gott durch den Geist so im Leib Christi eingesetzt. Paulus gliedert diese mit ἔπειτα („sodann, daraufhin“) bzw. εἶτα („dann“). Diese sind zunächst Machttaten, die es zur Anfangszeit gab, auch Heilungen, Handreichungen und Richtungsweisungen und verschiedene Sprachen, die jedoch nach 1Korinther 13 aufhörten, als Gottes Wort vollständig vorlag. Auch die Zeichen der Anfangszeit hörten nach Hebräer 2.4 auf, da der Sinn die Bestätigung von Gottes Wort war, der damit getan war. Im Kontext der Endzeit werden Zeichen, Wunder und Machttagen ausschließlich negativ verwendet (Matthäus 24,24, Offenbarung 13,13 etc.). Das Nomen ἀντίλημψις („Handreichungen, Hilfeleistungen“) ist aus ἀντί („anstelle“) und λῆμψις („Empfangen“) bzw. λαμβάνω („nehmen, empfangen“), d.h. man springt anstelle von jemandem ein, der etwas nicht alleine schafft bzw. reicht ihm die Hand zur Hilfe. Mit κυβέρνησις („Richtungsweisungen“) beschreiben die Fähigkeiten eines Steuermannes, das Schiff oder Fahrzeugt richtig zu steuern. Diese Eigenschaften zeichnen Brüder aus, die den richtigen Weg weisen können.
Peter Streitenberger – 1. Korinther
Paulus beginnt mit der Aufzählung der Gaben, ihrer Rangordnung und Bedeutung entsprechend. Bei den ersten drei formuliert er personenbezogen, bei den anderen mehr sachbezogen. Es sollte beachtet werden, daß die Gabe der Sprachen in Liste 2 die letzte ist. Auch in Liste 1 und 3 steht sie zusammen mit der Auslegung der Sprachen am Schluß. Es ist offensichtlich, daß sie an letzter Stelle steht und die niedrigste Gabe ist. Von daher muß es überraschen, die Flut von Literatur über diese Gabe wahrzunehmen und die Bedeutung, die ihr in gewissen Kreisen eingeräumt wird. Laßt uns nun die Liste untersuchen.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Apostel: Das läßt zweifellos an die Zwölf (Matthias als Ersatz für Judas) denken und an Paulus. Sie waren zeitlich gesehen die ersten. Ihre Kennzeichnung gründet sich auf die göttliche Berufung (siehe 1,1), die im Fall des Paulus dadurch ergänzt wurde, daß er den auferstandenen HERRN gesehen hatte (9,1; 15,8). Im Fall der Zwölf war es ihr Zusammensein mit dem HERRN und daß sie Zeugen Seiner Auferstehung wurden (Apg 1,21-22). Heute gibt es keine Apostel mehr, denn es gibt keinen, der diese Bedingungen erfüllt. Es muß deshalb betont werden, daß die Gabe des Apostels zum Fundament gehörte und in Verbindung mit einer Offenbarung Gottes stand. Deshalb hatten die Apostel in ihrer Lehre göttliche Autorität.
Propheten: Sie sprachen durch direkte Offenbarung Gottes in der Kraft des Geistes Gottes. Das ist eine Gabe, die benötigt wurde, solange der Kanon der Schrift noch nicht vollständig war. Wenn es um Vorrang und Bedeutung geht, stehen sie eng bei den Aposteln. Es muß noch einmal betont werden, daß diese Gabe heute nicht existieren kann.
Lehrer: Das waren besonders begabte Männer, welche den Neubekehrten die grundlegenden Lehren ihres neuen Glaubens samt ihren praktischen Auswirkungen erläutern konnten.
(Wunder-)Kräfte, Heilungen: Zur Erläuterung siehe den Kommentar zu den Versen 8-10. Hilfeleistungen: Diese Gabe schien sich der allgemeinen und praktischen Hilfe zu befleißigen, sobald ihre Notwendigkeit erkannt wurde. Paulus sprach von der Unterstützung der Schwachen (Apg 20,35) und unterrichtete die Gläubigen: „tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an“ (1.Thes 5,14). Das schließt die Hilfe für die Armen und Bedürftigen entsprechend der eigenen Möglichkeiten ein. Es kann sich dabei um solche Dinge wie Reparatur- und Malerarbeiten handeln oder auch um Hilfe und Versorgung in materiellen Nöten. Der Rahmen ist hier sehr weitgespannt. Manche verbinden das mit der prinzipiellen Aufgabe von Diakonen. Das könnte tatsächlich bei den meisten dieser Gaben der Fall gewesen sein.
Regierungen: Das Wort scheint sich auf die Arbeit eines Piloten oder Steuermannes zu beziehen. Es spricht von solchen, die eine von Gott gegebene Fähigkeit haben, die Gemeinde durch schwierige Zeiten und gefahrvolle Situationen zu leiten. Weil in dem Brief keine Ältesten erwähnt werden, scheint dieses Wort die verwaltungsmäßigen Bedürfnisse solch eines Leibes abzudecken. Männer sind dazu da, für die Einheit, die Gesundheit, den geistlichen Reichtum und das Wohlergehen der örtlichen Gemeinde zu arbeiten.
Arten von Sprachen: Das haben wir bereits bei den Versen 8-10 besprochen. Man beachte: „Apostel“ stehen am Anfang der Liste und „Sprachen“ am Schluß. Es scheint, daß die Ordnung der Gaben in Bezug auf Rang und Wert bei den Korinthern auf den Kopf gestellt war.