Alle Schrift ist von Gott eingegeben und (O. Alle von Gott eingegebene Schrift ist auch) nütze zur Lehre, (O. Belehrung) zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit,
Elberfelder 1871 – 2.Timotheus 3,16
Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen.
Neue Genfer Übersetzung – 2.Timotheus 3:16
Alle Schrift ist gottgehaucht und nützlich zum Lehren, zum Überführen, zum Zurechtweisen, zur Erziehung in Gerechtigkeit,
Jantzen & Jettel – 2.Tim 3,16
Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in [der] Gerechtigkeit,
neue Welt Übersetzung – Bi12 – 2.Tim 3:16

Kennst du wirklich die ganze Schrift? Oder liest du nur einzelne Verse, immer „schön aus dem Zusammenhang gerissen“??
Was soll der Christ tun, wenn diese satanischen Verführer weiter machen? Dem Wort Gottes weiterhin treu sein. Die einzige Antwort auf Satans Lügen ist Gottes Wahrheit. Wenn jede Ortsgemeinde zum Wort Gottes zurückkehren würde und wenn jeder Pastor und Sonntagsschullehrer das Wort Gottes lehren würde, wären die Jünger Satans besiegt.
Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament
Timotheus‘ Beziehung zur Bibel wird in diesen Versen umrissen. Sie begann, als er ein Kind war und von seiner Mutter und Großmutter die Alten Schriften lernte. Sie lehrten ihn nicht nur die Fakten der Bibel, sondern gaben ihm Sicherheit und geistliches Verständnis. Timotheus kannte die Wahrheit des Wortes selbst; er war nicht auf andere angewiesen, die das Wort für ihn verteidigten. Dieses Wort vermittelte ihm den Glauben (Röm 10,17), und dieser Glaube an Christus brachte die Rettung.
Die Verse 16-17 sind ein großartiges Zeugnis für den göttlichen Ursprung und Charakter der Bibel. Manche sagen: „Die Bibel enthält nur das Wort Gottes“ oder „Die Bibel ist inspiriert, so wie Shakespeare inspiriert ist“. Aber Paulus würde diesen Aussagen nicht zustimmen. Die Bibel ist das inspirierte Wort Gottes. Das Wort „inspiriert“ bedeutet „von Gott gehaucht – erfüllt mit dem Atem Gottes“. Der Geist Gottes befähigte Männer Gottes, das Wort Gottes zu schreiben (siehe 2. Petrus 1,20-21), denn der Geist Gottes ist der „Atem“ Gottes (Johannes 3,1-8; Hes. 37,1-14). Männer wie Shakespeare mögen zwar literarische Inspiration von hoher Qualität gehabt haben, aber sie haben nicht die Worte Gottes selbst geschrieben. Die „ganze Schrift“ bedeutet, dass jedes Wort von Gott inspiriert ist.
Was ist der Zweck der Bibel? Natürlich ist die Errettung der erste Zweck (V. 15), aber auch das christliche Leben gehört dazu. Das Wort ist nützlich zur Lehre (Doktrin), zur Überführung (Zurechtweisung), zur Zurechtweisung (Korrektur) und zur Zucht (Unterweisung). Es befähigt das Kind Gottes, ein Mann oder eine Frau Gottes zu werden, gereift in den Dingen des Herrn. „Vollkommen“ (V. 17) bedeutet nicht sündlos; es bedeutet „reif“. Und „gründlich ausgestattet“ bedeutet „voll ausgerüstet“ (V. 16-17). Die Bibel verwandelt also das Kind aus V. 15 in eine reife Person in Christus; sie rüstet die Heiligen aus, um Diener zu sein. Es ist in Ordnung, wenn Christen Studienkurse besuchen und Methoden des Dienstes erlernen, aber der beste Weg für sie, sich auszurüsten, um Gott zu dienen, ist das Studium und die Praxis des Wortes Gottes. Studienbücher sagen uns, wie es geht, aber die Bibel gibt uns die Motivation und die Kraft, das zu leben, was wir lernen.
Es ist interessant, den Gebrauch der Bibel mit der Reihenfolge der Briefe zu vergleichen: Lehre – Römer; Zurechtweisung – 1. und 2. Korinther; Korrektur – Galater; Unterweisung in der Gerechtigkeit – Epheser und Kolosser.
Das große Bedürfnis der Kirchen und Christen heute ist es, zur Bibel zurückzukehren. Wenn die Kirchen nicht zu Gottes Wort zurückkehren, werden die satanischen Betrüger die Oberhand gewinnen und Millionen von verlorenen Sündern werden in die Hölle kommen, weil sie durch religiöse Lügen in die Irre geführt wurden.
πᾶσα γραφή jede Schriftstelle = alles, was in der (Heiligen) Schrift steht. θεό-πνευστος11 von Gott (bzw. Gottes Geist) eingegeben/inspiriert; wohl Präd.-Nom.: πᾶσα γραφὴ θεόπνευστος καί alles, was in der Schrift steht, ist von Gott eingegeben und, evtl. attr. jede von Gott eingegebene Schrift ist (daher) auch. ὠφέλιμος11 nützlich, förderlich. διδασκαλία V. 10. ἐλεγμός Überführung (v. Schuld/Irrtum). ἐπ-αν-όρθωσις8 Wiederherstellung; übertr. Besserung, Zurechtbringung. παιδεία Erziehung.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Alle Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Wiederherstellung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit. Der vierfache Nutzen der Heiligen Schriften begründet, warum und inwiefern sie weise zu machen vermögen zum Heil: Sie haben diese Fähigkeit (s. V. 15: ta dynamena), diese göttliche Dynamik, weil sie aus Gottes Geist entstanden sind und von demselben Geist gebraucht werden. Zunächst sei wieder jedes einzelne Wort betrachtet:
Bürki – Wuppertaler Studienbibel
Alle: pasa, kann bedeuten: jede, alle, ganz; Rö 11, 26: ganz Israel; Apg 2, 36. Eph 3, 15: jedes Geschlecht. Kol 4, 12: in allem. Darum umschreiben wir: die ganze Schrift, gesehen in jedem einzelnen Teil und gleichzeitig: jede einzelne Schriftstelle als Teil des Ganzen (wie Eph 2, 21: der ganze Bau ist zusammengefügt aus den einzelnen Teilen). Vgl. 1 Ko 12, 12. 13: was hier vom Christusleib gesagt wird, das gilt auch für den Wortleib: denn wie die Schrift nur eine ist und doch viele Schriftstellen hat, alle Schriftstellen aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden, so auch der Christus. Siehe dazu II 1, 13: „Die Gestalt (Sg.) heilsamer Worte“ (Pl.) — Singular und Plural zusammen genannt, das Ganze und die Teile: als geistgewirkte Wortgestalt.
Schrift: graphe, ohne Artikel, müßte für die Übersetzung „jede Schriftstelle“ sprechen; doch „Schrift“ kann auch ohne bestimmten Artikel den Sinn haben von „die Schriften“; 1 Pt 2, 6: en graphe ist sinngemäß zu übertragen: darum steht in der Schrift folgende Schriftstelle; 2 Pt 1, 20: hoti pasa propheteia graphes: „keine einzige Weissagung der (ganzen) Schrift.“
Der ntl Gebrauch für das AT: „die Schrift sagt“ kann aber auch Schriftstelle bedeuten, irgendeinen Text der Bibel, einen Gottesspruch (Jo 19, 36. 37; 20, 9; Apg 1, 16; 8, 32; Rö 16, 26; 1 Pt 2, 6). Also haben die beiden Worte „pasa“ und „graphe“ gemeinsam, daß sie sowohl das Ganze wie jede einzelne Stelle als Teil des Ganzen und alles als sämtliche Teile des Ganzen bezeichnen können. Holtz übersetzt: „Jede Bibelstelle ist von Gottes Geist eingegeben und nützlich zur Lehre.“ (186) Unsere Übersetzung aber soll den in der Schwebe gehaltenen Doppelsinn bewußt offenlassen: sowohl die ganze Schrift wie auch jede einzelne Bibelstelle. S. I 5, 18! Die Texte der Apostel können nicht ausgeschlossen werden von dem in II 3, 16 Bezeugten. Beinahe alle ntl Schriften existierten bereits um die Zeit, da II Tim, der letzte Brief des Apostels, abgefaßt ist. Schon sein ältester Brief gibt zu erkennen, daß Paulus sich dessen bewußt ist, im Auftrag Gottes zu schreiben: 1 Th 5, 27; 1, 5; 2, 13; 5, 20; II 2, 2; 3, 14; vgl. 2 Pt 3, 15–16, wo die Briefe des Paulus bereits den übrigen Heiligen Schriften, d.h. dem AT, gleichgestellt werden.
(Ist) von Gottes Geist eingegeben. Die Kopula (ist) fehlt im Griechischen, was für die Übersetzung einige Unsicherheit mit sich bringt. Ist aber bekannt in den Past: I 1, 8. 15, beide Male ohne Kopula. Theopneustos (nur hier): zusammengesetzt aus theos = Gott und pneustos = gehaucht (von Pneuma = der Geist), also: gottgehaucht. In dem aus dem Lateinischen übernommenen Wort „inspiriert“ ist ebenfalls der Hinweis auf den Geist (spiritus, lat.) enthalten, was in „eingegeben“ verlorengeht und deshalb ergänzt werden muß: „geist-gegeben“. Alle Schrift ist geistgegeben, geistgewirkt. Dieses Verständnis der göttlichen Inspiration der Heiligen Schriften unterscheidet sich nicht von den atl Zeugnissen. Wenn auch das Wort nur hier vorkommt, so ist doch die Sache, die es bezeichnet, bei Paulus überall anzutreffen, denn sie liegt seinem Schriftverständnis zugrunde, Rö 1, 17; 3, 4.10; 8, 36; 1 Ko 9, 9.
Nützlich. I 4, 8; Tit 3, 8.9. Die Schrift ist nützlich, sie kann gebraucht werden für eine Aufgabe, die in vier Schritten entfaltet wird. Wie sind nun die Worte „alle Schrift“, „gottgehaucht“, „nützlich” miteinander zu verbinden? Das hängt zum Teil von dem Verständnis des griechischen Wortes „kai“ ab, das entweder mit „und“ oder mit „auch“ übersetzt werden kann. Wir entscheiden uns für „und“ in Anlehnung an I 4, 4: alles von Gott Geschaffene ist gut und nützlich, wo über das von Gott Geschaffene zwei Aussagen gemacht und miteinander verbunden werden. Damit haben wir gleichzeitig entschieden, wie wir „theopneustos“ beziehen wollen: nicht als ein die Schrift beschreibendes Adjektiv: „gottgehauchte Schrift”, sondern als Prädikat, d.h. als erste Aussage über die Schrift: sie ist 1. gottgehaucht und 2. nützlich. Ein Streit um Worte ist hier allerdings weder nützlich noch notwendig, denn grammatikalisch ist es durchaus möglich, das Wort theopneustos adjektivisch, also mit „gottgehauchte Schrift“, zu übersetzen. Was wird dann aber aus dem „kai“? Man vgl., wie in diesem Fall I 4, 4 lauten würde: Jede gute Kreatur ist auch nicht zu verwerfen. Vgl. zu I 4, 4 auch I 1, 8.15. Da für Paulus wie für Timotheus vom AT her klar ist, daß jede Schrift inspiriert ist, würde die adjektivische Verwendung zugleich eine tautologische Aussage ergeben, d.h. dasselbe würde zweimal gesagt: jede gottgehauchte Inspirationsschrift. Wenn aber Paulus und Timotheus das wissen, weil sie beide von Kind auf in diesen Heiligen Schriften unterwiesen worden sind, warum schreibt dann der Apostel darüber? Er erinnert ihn an das, was er weiß, weil er das jetzt ganz neu in Herz und Gedächtnis fassen und erwecken muß angesichts der Irrlehrer, die schon da sind und die noch kommen werden, da die heilsame Lehre nicht mehr erträglich und annehmbar — heute sagt man: nicht mehr „zumutbar“! — erscheint, sondern haufenweise neue Lehrer neue Lehren und Schriften ein- und aufbringen (II 4, 3–4).
Daß die Bibel inspiriert ist, bedeutet, daß sie Geist und Buchstabe vereinigt, eben weil Gottes Geist sie hervorgebracht hat durch die Propheten (und Apostel). Jeder in Schrift gefaßte Gottesspruch ist gottgehaucht und darum für die Gemeinde mit Autorität versehen. Die biblischen „Schriftsteller“ waren nicht eigenmächtig von ihren Vorstellungen, Wünschen und Lüsten, geschweige denn vom Vater der Lüge inspiriert (wie die Irrlehrer II 2, 26; 3, 13; 4, 4; Jo 8, 44; 2 Ko 11, 13–15), sondern von Gottes Heiligem Geist bewegt (2 Pt 1, 21). Der Wille Gottes, nicht der Wille des Menschen, stand am Anfang jeder Schrift, die heilig genannt ist. Wilckens zu 2 Pt 2, 21: „Die Vorstellung göttlicher Eingebung war in der Antike weitverbreitet und ist im späteren Judentum auch als Erklärung für die göttliche Autorität des AT benutzt worden.“ Mit solchen Erklärungen (Übernahme von weitverbreiteten Vorstellungen) ist aber das Entscheidende keineswegs erklärt: sowohl innerhalb des AT wie des NT sind wahre und falsche Propheten aufgetreten. Daß der Heilige Geist die Schrift eingegeben hat, ist nur eine formale Erklärung, wenn nicht deutlich wird, daß eben dieser Geist die Schrift als von Gott gekommen an den Menschen bestätigt, die sich ihrem Anspruch, Wort und Autorität Gottes zu sein, unterstellen. Genauso ist auch der Sinnzusammenhang unserer Stelle II 3, 16: Wie kannst du beurteilen, ob mein Evangelium Gottes Wort ist? Messe es an der Wirkung, die es auf mich und dich ausübte, wie es uns die Rettung in Christus brachte durch den Glauben, indem Gottes Wort uns überführte, uns zurechtwies und in der Gnade erzog. Gebrauche so die Heilige Schrift, und du wirst erkennen, wie Gott zu seinem Wort steht. Aber in Wortkämpfe lasse dich nicht ein! Der Heilige Geist, der die Schrift durch den Mund von Propheten gegeben hat, wird eben diese Schrift zur Überführung von Irrlehre und Irrleben gebrauchen.
Die Schrift hat, weil sie geistgegeben ist, „bleibende Geltung und immer neue Wirkung“ (Schlatter, 259).
Oft wird gegen die Inspiration der Heiligen Schrift angegangen, indem man unhaltbare Theorien aufgreift und ihre Unmöglichkeit demonstriert. Schon Philo verbreitet die Meinung, daß die menschliche Geistestätigkeit beim Vorgang der Inspiration ausgeschaltet werde zugunsten des göttlichen Geistes im Propheten; so schon bei Plato, doch nirgends im AT, denn das wäre eine dualistisch-mechanistische Vorstellung, typisch für hellenistisches, aber nicht für biblisches Denken, das eine ganzheitlich geschichtliche und damit eine „organische“ Anschauung von Gottes Wirken in und mit Menschen hat. Von daher ist es gegeben, das Bekenntnis des Glaubens zur Heiligen Schrift ganzheitlich auszudrücken: Wir glauben, daß Gottes Geist am Wirken war für den ganzen Entstehungsprozeß der Bibel, darin eingeschlossen redaktionelle Verarbeitung von Quellen, Endgestalt der einzelnen Bücher und schließlich auch das geschichtliche Werden des Kanons. Gewiß, die Bibel ist geschichtlich geworden, aber ihre Geschichte ist spezifische Gottesgeschichte mit und durch Menschen. Die Bibel, wirklich von Gottes Geist durch wirkliche Menschen geschrieben und zustande gekommen, gleicht wohl allen anderen geschriebenen Büchern und unterscheidet sich doch so von ihnen, wie Jesus als wahrer Gott und wahrer Mensch allen Menschen wirklich gleicht und doch gleichzeitig sich von ihnen grundlegend unterscheidet als der Eine. Die eine Schrift des alten und neuen Bundes kündet den einen Mittler für alle Menschen.
Nützlich zur Lehre (didaskalia, vgl. den Wortgebrauch in der Pädagogik: Didaktik). Steht am Anfang wie Vers 10; vgl. I 5, 20; Tit 1, 9–13; 2, 15. In den Past hat die Lehre wohl einen besonderen Akzent, weil die Irrlehre überhand nimmt, doch steht die Lehre im ganzen NT — und nicht erst in den Past — immer am Anfang, denn sie ist die Grundlage des neuen Lebens. Apg 2, 42: Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel; vgl. II 3, 14: Du aber verharre … in der Schrift; Eph 2, 20: aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, wobei der Messias Jesus sein Eckstein ist.
Was bedeutet „Lehre“? Sie vermittelt Verständnis für den Zusammenhang göttlichen Handelns und göttlicher Weisung). Die Schrift ist nicht selbst schon Lehre, aber sie ist nützlich zur Lehre. Das eben ist der Dienst am Wort, worin ein Arbeiter sich vor Gott zu erweisen hat, daß er das Wort der Wahrheit richtig austeilt, es im Zusammenhang der göttlichen Offenbarung auslegtg). Hierin ist die Hauptaufgabe der Theologie als Dienst am Wort zu sehen. Die Lehre allein aber ohne das entsprechende Leben kann nicht im rechten Zusammenhang bleiben. Deshalb genügt Orthodoxie allein nicht, denn die rechte Lehre muß fähig sein, vom Unrecht zu überführen; die Wahrheit muß sich an dem Gewissen dadurch erweisen, daß sie alle Unwahrheit aufdeckth).
Überführung (elegmos) nur hier im NT; Aufdeckung sowohl der Schuld wie der Wahrheit. Das Verb (elencho) in Tit 1, 9. 13 gibt denselben Zusammenhang ausführlicher: „Aufgrund der gesunden Lehre ermahnen und die Widersprechenden überführen.“ Das kann sowohl für Irrlehrer wie für Gemeindeglieder gelten. Jak 2, 9; Eph 5, 11. 13; Mt 18, 15: unter vier Augen zur Rede stellen; I 5, 20: die, welche sündigen, in Gegenwart aller überführen und zurechtweisen; 1 Ko 14, 24: wo Rede aus Eingebung ist, wo der Geist aufgrund einer Weissagung in eine konkrete Lage hinein spricht, da wird ein Mensch von allen (in denen der Geist wirkt) überführt, von allen erforscht, und er fällt auf sein Angesicht nieder und betet Gott an — als Ausdruck des Überführtwordenseins in Beugung vor Gott. Er erkennt und bekennt: so bin ich, sein Wort ist wahr an mir. Vgl. Jo 16, 8–11: der Heilige Geist wird überführen von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Ps 38, 14–19: das Bekenntnis eines überführten Menschen.
Wer von der Wahrheit seiner Schuld überführt wird, der ist beschämt. Überführen heißt aber nicht, einen Menschen in der Beschämung stehen lassen, sondern ihn zum Bekenntnis, d.h. zum Eingeständnis der Sünde vor Gott zu führen und ihn dann der Vergebung von Gott her zu vergewissern, wie das der Prophet Nathan mit David getan hati). Das ist das Musterbeispiel für prophetische Überführung aufgrund der Weisung Gottes (oder der Schrift). Über die Reue hinaus zum Bekenntnis führen, das ist schon der erste Schritt zur Wiederherstellung.
Wiederherstellung (epanorthosis, nur hier), Zurechtweisung = wieder den rechten Weg weisen, der verlassen worden ist, den Sünder zurückführen. Wer viele zum Leben in Gerechtigkeit zurückführt, der ist weise, er rettet Menschen vom Tode). Der Reuige soll wieder aufgerichtet werden. Er wurde auf dem falschen Weg gestoppt, von seinem verfehlten Treiben überführt (2.). Jetzt soll er auf den rechten Weg zurückgeführt werden (3.)). Wiederherstellung ist ein Tun des Erbarmens, während Überführung mit Entschiedenheit, ja Strenge geschehen kann, wobei Strenge nie dasselbe ist wie Härte. Man denke an die Anklagerede des Stephanus, dessen Angesicht dabei leuchtete wie das eines Engels und der für diejenigen im Gebet eintrat, die ihn steinigten und die er zu überführen versucht hatte. Ihr Knirschen mit den Zähnen zeigt ihre Verschlossenheit, sein Angesicht und vergebendes Bitten offenbart seine Offenheitm). Diese Rede zeigt übrigens den Ernst der Lage, auch für die Past. Auch und gerade dem Zeugen, durch den der Heilige Geist auf Grund der Schrift die Herzen und Gewissen überführt, kann und wird Verfolgung und Widerstand bis zum Martyrium entgegengebracht werden, wenn sich die Menschen verhärten.
Das Musterbeispiel wunderbarer Wiederherstellung nach dem Fall und den Tränen der Beugung ist das Gespräch des Herrn mit seinem Jünger, der ihn dreimal verleugnet hat).
Erziehung in der Gerechtigkeit (paideia; Pädagogik!), eigentlich mit dem heute oft gebrauchten Wort ‚Training‘ gut zu übersetzen; ebenso aus der Sportswelt: in Kondition bringen. Vgl. II 2, 22; Tit 2, 11–14: Gottes Gnade erzieht! Nicht strenger Rigorismus wird vor alten Wegen und Abwegen bewahren, sondern geduldiges Anleiten wird die Füße befestigen auf dem neuen Weg. Paideia meint die Formung des Menschen im äußeren wie im inneren Leben; auf die Vervollkommnung hin trainieren, aber nicht unter dem Gesetz, sondern unter Gnade).
Eph 6, 4: Die Kinder erziehen in der Zucht und Ermahnung des Herrn. Um beim Wort „Erziehung“ ein bloß philosophisch-pädagogisches Bemühen und Verständnis abzuwehren, steht hier: Erziehung in der Gerechtigkeit: Gestaltwerdung, Menschwerdung des Menschen ja, aber zum Menschen Gottes (17), dessen Menschsein in Gottes Gerechtigkeit, in Gottes Gerechtsprechung und Gottes Gerechtmachung wurzelt. I 6, 11: Du aber, o Mensch Gottes … jage der Gerechtigkeit nach.
»Alle Schrift (ist) von Gott eingegeben« (wörtlich: »von Gott«, seinem Geist, »durchhaucht«) (V. 16).
Grünzweig – Edition C Bibelkommentar
Gott machte den Menschen zum Menschen, indem er etwas aus sich selbst in ihn hineinschenkte: seinen Lebenshauch, seinen Geist (1 Mo 2,7; »Hauch« und »Geist« sind in der Ursprache dasselbe Wort). Aber entzieht Gott dem ihm widerstrebenden Menschen seinen Geist wieder, dann ist dieser »tot in Sünden« (Eph 2,1; vgl. Offb 3,1). Doch nun gab Gott sein Wort, die Heilige Schrift, »von Gottes Geist durchhaucht«. Sie ist einst durch Gottes Geist entstanden; gewiß waren bei ihrer Entstehung auch Menschen am Werk, aber zugleich, in allem, vor allem und durch alles hindurch Gott mit seinem Geist. Das gilt für die Schrift des Alten und Neuen Testaments. Und nun redet und handelt Gott, unser Herr Jesus Christus, durch die Schrift und gibt mit ihr seinen Geist, sein neues Leben. So spricht Jesus Christus: »Meine Worte sind Geist und sind Leben« (Joh 6,63). Ja, mit, unter und im Wort der Heiligen Schrift, wenn wir betend auf sie hören, schenkt uns Gott seinen Geist und redet und handelt durch seinen Geist an uns. Und dieses Wort hat es in sich: Wo und wie Gott es will, springt unter diesem Wort auf Menschen der Funke neuen Lebens aus Gott über. Dabei bindet sich der Geist an die Schrift (vgl. Joh 14,26; 16,14; 1 Kor 4,6).
Die die biblischen Schriften abfassenden, sammelnden und abgrenzenden Zeugen waren nicht an sich unfehlbare Menschen; aber sie konnten, was sie sollten: »uns den ganzen Ratschluß Gottes«, so wie es für uns nötig und heilsam ist, »verkündigen« (vgl. Apg 20,27). Denn wo Gott Aufgaben stellt, gibt er auch die erforderlichen Gaben, in seiner Gemeinde die entsprechenden Geistesgaben (vgl. Röm 12,4–8), auch jenen, die die Aufgabe hatten, die Heilige Schrift, etwa die Schriften des NT, abzufassen und zu sammeln. Wir dürfen das Vertrauen haben, daß Gott in seiner väterlichen Fürsorge für so viele Generationen seiner Kinder bis zu dem großen Tag Jesu Christi der Schrift die Gestalt schenkte, die für uns nötig und heilsam ist, so daß »unser Gang« fest zu sein vermag »durch sein Wort« (Ps 119,133).
Was Gott durch die Schrift an uns Menschen tut und was sie demzufolge an uns wirkt und bei uns fruchtet
»Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt« (V. 16f.).
»Denn«: Die Wirksamkeit dessen, was Timotheus von Paulus und auch von seiner Mutter und Großmutter gelernt hat (V. 14), ist nur ein Beispiel dafür, was die Schrift an allen wirkt, die sich ihr öffnen: Zunächst ist das Wort der Schrift der Keim neuen Lebens, der in uns Menschen gelegt wird. So spricht unser Herr: »Der Same ist das Wort Gottes« (Lk 8,11). Auf diese Weise kommt ein Mensch durch die Schrift zum Glauben, empfängt den Heiligen Geist (Joh 6,63) und wird wiedergeboren (Joh 3,3.5). Und auch danach arbeitet Gott durch das Wort der Schrift – AT und NT – am Menschen weiter. – Was in V. 15 im Blick auf Timotheus in dem Ausdruck »unterweisen zur Seligkeit« (oder: »weise machen zur Seligkeit«, wie auch übersetzt werden kann) zusammengefaßt ist, wird in V. 16f. für alle Glaubenden entfaltet:
»Die Schrift ist nütze zur Lehre«: Durch die Schrift wird ein Mensch dazu angeleitet, den Plan Gottes mit den einzelnen Menschen, mit der Menschheit, mit der Welt zu erfassen. In der Schrift hat uns Gott ins Vertrauen gezogen (Joh 15,15). Durch die Schrift lernt ein Mensch, mit Gott zu denken, zu reden und zu handeln, d.h. Jesus zu folgen, sich von Seinem Geist leiten zu lassen und überhaupt in Seinen Bahnen zu leben, im Gehorsam des Glaubens (Röm 1,5; 16,26; 1 Petr 2,21).
»Zur Zurechtweisung« (wörtlich: »zur Überführung«): Durch Gottes Wort und Geist wird ein Mensch von seiner Sünde überführt (in Joh 16,8 steht im Griech. derselbe Wortstamm) und der Vergebung, des Heilandes bedürftig. Zunächst ist der natürliche Mensch immer geneigt, alles in seinem Leben zu beschönigen und sich selbst zu rechtfertigen. Doch der Spiegel des Wortes Gottes vermag ihm deutlich zu machen, wie es um ihn steht, so daß er zu Jesus eilt – im Wissen, daß dieser keinen, der zu ihm kommt, hinausstößt (Joh 6,37).
»Zur Besserung«, »zur Wiederherstellung«, »zur Aufrichtung«: Die Schrift hilft nicht nur zur Erkenntnis der Sünde, sondern der Herr hilft uns durch sie auch zurecht und den richtigen Weg weiterzugehen. Das Wort der Schrift ist überaus vielgestaltig, das ist insofern sachgemäß und nötig, als Gott durch dieses Wort auf die vielgestaltigste Weise an uns wirkt und auch durch uns, indem er auch uns sein Wort austeilen läßt – worauf alle Sorgfalt zu verwenden ist (vgl. 2 Tim 2,15).
»Zur Erziehung in der Gerechtigkeit«: Der himmlische Vater arbeitet an uns, seinen Kindern; er erzieht uns. Sein Erziehungsmittel dabei ist vor allem sein Wort, das Wort der Schrift. Durch dieses zeigt er uns auch sein Erziehungsziel, das heißt, er zieht uns dabei ins Vertrauen, worauf er bei uns hinwirken will. Das ermöglicht es uns, innerlich recht mitzugehen: Gott will uns zur »Gerechtigkeit« erziehen, dahin, daß wir Gott recht sind, ihm ganz gefallen, seinem Willen ganz entsprechen. Er will uns zum wahrhaft Guten anleiten (vgl. Mt 19,17), zur Ausgestaltung in das Wesen Jesu; ihm, dem eingeborenen Sohn, sollen wir ja als Gotteskinder ähnlich werden (vgl. Gal 4,19). Dabei will uns auch Gott manches abgewöhnen und nehmen, das ihm mißfällt. Wichtig ist es, in dem allem dem stillen, unaufdringlichen Mahnen von Gottes Wort und Geist zu gehorchen.
Obwohl es Teile dieses Verses gibt, über die von verschiedenen Auslegern heftig gestritten wird, stimmen die meisten darin überein, daß „alle“ genauer mit „jede“ wiedergegeben werden sollte. Über den Ausdruck „Schrift“ haben wir bereits in dem vorhergehenden Vers gesprochen. Hier ist das verwendete Wort graphe, was einfach „ein Schreiben, eine Schrift“ bedeutet. Wir haben es in unserer Sprache in „Photograph“, „Paragraph“ und ähnlichen Wörtern (siehe auch Mt. 26,54.56). „Jede Schrift“ bezieht sich nicht einfach auf das Ganze, sondern ist ein Hinweis auf jede einzelne Passage der ganzen Schrift. In Vers 15 geht es um das Alte Testament, aber hier wird ganz deutlich eine weitergefaßte Beschreibung der Schrift vorgestellt. „Jede Schrift“ schließt auch die neutestamentlichen Schriften ein. 2.Petr. 3,2 verbindet die „Worte“ der alttestamenteichen Propheten mit denen der neutestamentlichen Aposteln, und die Verse 15-16 desselben Kapitels umfassen die Schriften des Paulus und die „anderen“ Schriften. Der Apostel Paulus bittet, daß seine Briefe öffentlich in verschiedenen Versammlungen vorgelesen werden (Kolosser 4,16; 1.Thes. 5,27) und nennt seine Botschaft „das Wort Gottes“ (1.Thes. 2,13). 1.Tim. 5,18 ist in diesem Zusammenhang ein äußerst bedeutsamer Vers, wo der Apostel das Alte Testament mit den Worten unseres Herrn verbindet, indem er den einen Ausdruck „Schrift“ für beide zusammen verwendet (siehe 5.Mo. 25,4 und Lk. 10,7). Die traditionellen Übersetzungen dieses Verses sind in der Vergangenheit oft heftig kritisiert worden, und verschiedene Gelehrte haben alle möglichen Varianten vorgeschlagen. Die häufigste Version lautet:
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
„Jede von Gott inspirierte Schrift ist auch nützlich“. im Grundtext hat der griechische Satz kein Hauptverb. Vom grammatikalischen Standpunkt ist es deshalb zulässig, das Zeitwort „ist“ nach, statt vor dem Eigenschaftswort „von Gott eingegeben“ einzufügen und dann wie obige Version zu übersetzen. Gegen dies spricht jedoch, daß es dem kleinen Wort „und“ (kai) nicht gerecht wird, das zwischen den beiden Eigenschaftswörtern „von Gott eingegeben“ und „nütze“ steht. Dieses „und“ deutet an, daß der Apostel zwei Tatsachen über die Schrift feststellt:
sie ist inspiriert
sie ist nützlich.
Deshalb ist die klassische Übersetzung vorzuziehen. Außerdem könnte die alternative Übersetzung so verstanden werden, als ob sie Zweifel an der Inspiration bestimmter Teile der Schrift anmeldet. Die Unterstutzer dieser anderen Lesart, die dennoch an der vollen Inspiration der Heiligen Schrift festhalten, argumentieren, daß es im Zusammenhang keinen Hinweis darauf gibt, daß die Inspiration der Heiligen Schrift in Frage gestellt wird und betonen, daß sich der ganze Abschnitt um Nutzen und Brauchbarkeit der Schrift zur Ausrüstung des Gläubigen für den Dienst dreht (siehe die spätere Anmerkung zu dieser Diskussion).
„Von Gott eingegeben“ ist buchstäblich „Gott geatmet, Gott gehaucht“, ein Ausdruck, der nur hier im Neuen Testament gebraucht wird, obwohl sich der Gedanke in vielen anderen Stellen findet. Er will nicht die Idee vermitteln, daß Gott in die Autoren hineingeatmet hat, sondern vielmehr, daß die eigentliche Schrift von Gott ausgeatmet wurde. Sie wurde durch den Atem, den Hauch Gottes selbst ins Leben gerufen. Diese große Wahrheit der Inspiration zerstört nicht die Individualität der verschiedenen Schreiber. Eine Betrachtung von 2.Petr. 1,21 ist in dieser Sache hilfreich. Der göttliche Ursprung der Heiligen Schrift erklärt, warum sie nützlich ist. F. F. Bruce sagt in seiner Expanded Paraphrase: „Jeder einzelne Teil dieser Schriften ist göttlich inspiriert und nützlich zum Lehren der Wahrheit“.
„Lehre“ ist ein sehr allgemeines Wort, das sowohl die Handlung als auch den Inhalt der Belehrung beschreibt. Sie hat die Vermittlung von Kenntnis im Blickfeld (1.Tim. 5,17), und Gegenstand aller Lehre sollte das Wort Gottes sein.
„Überführung“ hat seine Wurzeln in dem Zeitwort tadeln und bedeutet zur Einsicht bringen (Titus 1,9). Einzelne Abschnitte des Galaterbriefes wären ein gutes Beispiel einer solchen Belehrung der Heiligen Schrift. „Zurechtweisung“ bedeutet wörtlich die Richtigstellung, dessen was falsch ist oder eine Wiederherstellung zu einer aufrechten Position. „Unterweisung“ vermittelt den Gedanken von Training. Das Wort bedeutete ursprünglich das Großziehen eines Kindes. Alle Gläubigen müssen in der Gerechtigkeit trainiert werden, was durch die Anwendung des Wortes Gottes geschieht. W. E. Vine sagt, daß die Gerechtigkeit hier nicht nur die Unterweisung charakterisiert, sondern auch den Zustand der Aufrichtigkeit und Geradheit vor Gott beschreibt, was auch die Auswirkung der Unterweisung sein muß.