Die Gesetze aus dem alten Vertrag zwischen Gott und den Menschen waren tatsächlich nur ein einfacher Vorfilm auf das, was Gott dann tatsächlich mit uns noch vorhatte. Jedes Jahr wurden die Opferrituale durchgezogen, aber sie konnten den Leuten, die sie machten, kein wirklich reines Gewissen geben.
VolxBibel – Hebr 10,1
Denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst hat, so kann es nimmer mit denselben Schlachtopfern, welche sie alljährlich ununterbrochen darbringen, die Hinzunahenden vollkommen machen.
Elberfelder 1871 – Hebräer 10,1
Das Gesetz lässt also nur ein Schattenbild der künftigen Güter erkennen
(Das Gesetz hat also nur ein Schattenbild der künftigen Güter.) , nicht deren wahre Gestalt. Mit seinen Jahr für Jahr dargebrachten und immer wieder gleichen Opfern kann es die, die vor Gott treten, niemals völlig von ihrer Schuld befreien. (niemals vollkommen machen.)
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Hebräer 10:1
Das Gesetz enthält ein schemenhaftes Abbild der guten Dinge, die in der Zukunft kommen sollen, aber nicht ein wahrheitsgetreues Bild dieser Wirklichkeiten. Deshalb kann es unmöglich die Menschen, die die Opfer darbringen, für immer vor Gott vollkommen machen. Denn man muss diese Opfer ja jedes Jahr wieder neu herbeitragen!
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Hebr 10:1

Wenn der Mond seinen Schatten auf die Erde wirft, dann sind keine Strukturen, keine Krater usw. in dem Schatten zu erkennen – aber wenn der Schattenwurf vorbei ist, dann bleibt trotzdem der Mond als auch die Erde die selbe, wie sie vorher waren. Wer also aus Hebräer 10 entnehmen möchte, dass Jehovah nun voller Verzweiflung nach einem geistigen Israel suchen musste, irrt! Jehovah benutzt das selbe Volk, mit dem selben Auftrag – nur eben nicht mehr mit einer aronischen Priesterschaft sondern mit seinem Sohn als Hohepriester, nicht mehr einem „Abbild aus dem Himmel“, sondern mit dem „Original aus dem Himmel“. Nicht mehr Tiere als Opfer zur Versöhnung, sondern das Opfer „seines Sohnes“ als einmaliges Opfer zur Versöhnung.
σκιά Schatten; Schattenbild (im Ggs. zur Wirklichkeit). ἔχων Ptz. ἔχω hier enthalten (d. h. darbieten); kaus. μελλόντων Ptz. μέλλω, attr. τὰ ἀγαθά die (wirkl.) (Heils-)Güter; τὰ μέλλοντα ἀγαθά die (aus der Sicht des Alten Bundes) zukünftigen Güter. εἰκών4 όνος ἡ Bild; Abbild, Ebenbild; hier Urbild, Gestalt. πρᾶγμα3 Ereignis, Tatsache; Vorhaben; hier Sache, Ding; αὐτὴ ἡ εἰκὼν τῶν πραγμάτων die eigentliche Gestalt der/dieser Dinge (d. h. diese Güter, so wie sie sich in Wirklichkeit darstellen). ἐνιαυτός Jahr; κατʼ ἐνιαυτόν (all)jährlich, jedes Jahr (9,25); wohl zu προσφέρουσιν zu ziehen (vgl. H-S § 292b/c). θυσία (Schlacht-)Opfer; dat. instr. (A176). προσ-φέρουσιν Subj. „man“ (A76). διηνεκής7 eig. „hindurchreichend“: stetig, ununterbrochen, beständig; εἰς τὸ διηνεκές für immer (falls zu τελειῶσαι zu ziehen) od. beständig (B) (bei Bezug auf προσφέρουσιν). οὐδέ-ποτε (vgl. A18) niemals. προσ-ερχομένους Ptz. -έρχομαι hier (im Gottesdienst) (zu Gott) hinzutreten (B 2a), vor Gott treten; subst. τελειῶσαι Aor. Inf. τελειόω (< τέλειος vollendet, vollkommen) vollenden; ans Ziel führen; zur Vollendung bzw. Vollkommenheit führen.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
»Das Gesetz« war nur »ein Schatten der Güter«, die noch kommen sollten. Es wies auf die Person und das Werk Christi hin, doch es war ein armseliger Ersatz für das Original. Wenn man das Gesetz Christus vorzieht, bedeutet dies, dass man das Bild einer Person der Person selbst vorzieht. Das ist eine Beleidigung seiner Majestät!
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Die Schwäche der Gesetzesordnung zeigt sich in der Tatsache, dass ihre Opfer dauernd wiederholt werden mussten. Diese Wiederholung bewies, wie wenig sie den Ansprüchen eines heiligen Gottes gerecht werden konnten. Man beachte die Ausdrücke, die benutzt werden, um diesen Gedanken der Wiederholung auszudrücken: »dieselben Schlachtopfer … alljährlich ununterbrochen« (Elb).
Die »Opfer« waren nicht imstande, die Gläubigen »vollkommen« zu »machen«, d. h. sie verhalfen den Menschen bezüglich der Sünde nie zu einem vollkommen reinen Gewissen. Die Israeliten kannten nie den Zustand, für immer von der Schuld der Sünde gereinigt zu sein. Sie hatten niemals echte Gewissensruhe.
Schon im ersten Vers begegnen uns einige Begriffe, die bekannt sind. Wenn vom Gesetz betont wird, dass es »nur einen Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst« hat, so hat dies eine Entsprechung darin, dass die levitischen Priester »nur dem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge dienen« (Heb 8,5 ; vgl. Heb 7,19). Der Schatten an sich ist nichts; er gibt nur ein Bild der Wirklichkeit wieder. Dies bedeutet, dass das Gesetz (und der vom Gesetz verfügte Dienst) nur eine vorübergehende, hinweisende Funktion hat; die Wirklichkeit der Dinge ist erst mit Christus erschienen, der auch »ein Hohepriester der zukünftigen Güter« (Heb 9,11) genannt wird.
Gerhard Maier – Edition C
Es lohnt sich, die Denkbewegung des Hebräerbrief-Autors nachzuvollziehen. Diese Denkbewegung, die früher im Blick auf das Heiligtum durchgeführt worden ist (vgl. Heb 8,5), geht davon aus, dass die wahren Heilsgüter, nach denen die Menschen verlangen, im Himmel sind. Das jüdische Gesetz gab also nur »eine schwache Andeutung«, »einen undeutlichen Abriss«, von dem, was Gott künftig für die Menschen tun wollte. Denn das Gesetz hatte nur »ein Schattenbild der zukünftigen Heilsgüter, nicht die Realitäten selbst«. Vergebung und Frieden sind doch Gottes Gaben, die mit der Sendung des Sohnes eng verbunden sind. Erst mit dem Kommen Christi ist die Heilszeit angebrochen (vgl. Kol 2,17). Schattenhaft hatte das Gesetz auf Christus hingewiesen; es selbst war aber »schwach und nutzlos« (Heb 7,18). Denn es hatte eben das Opfer nicht, das die Sünde für immer wegnehmen konnte. Deshalb konnte das Gesetz auch niemals die Teilnehmer des alten Kultes »f’ür immer vollkommen machen« (vgl. Heb 9,9). Dies zeigt sich an der Wiederholung der Opfer, »da man alle Jahre die gleichen Opfer bringen muss«. Was aber stets wiederholt werden muss, gibt deutlich zu erkennen, dass es niemals zum Ziel führen wird. Anders mit dem Opfer Christi »ein für alle Mal«!
Es gibt drei Merkmale in diesem Brief an die Hebräer, die zwangsläufig bald jedem aufmerksamen Leser deutlich werden. Erstens werden oft viele Wahrheiten und Lehren wiederholt und erneut dargelegt. Der Schreiber zögert und geniert sich nicht, immer wieder diejenigen Sachverhalte aufzugreifen, die er im Blick auf seine Leser für so wichtig hält. Auf diese Weise lehrt und lernt man. Seine Erstempfänger waren (wie so viele, die den Brief später lasen!) im Hören träge geworden (5,11). Sie brauchten viel Zeit zum Lernen. Die Wiederholung dieser großen Themen war eine Hilfe beim Lernen. Zweitens wird ständig auf die alttestamentlichen Schriften Bezug genommen. Es gibt in jedem Kapitel dieses Briefes Zitate aus dem Alten Testament. Dies war natürlich für bekehrte Juden äußerst wichtig. Es bewies die Bedeutung und den Wert der alten Schriften, womit sie bereits zuvor vertraut gewesen waren, und untermauerte auch die von ihnen jetzt angenommenen Wahrheiten der neuen Lebensordnung als diejenigen, die Gott stets für sie vorgesehen hatte. Drittens besagt ein ständig wiederkehrendes, durchgängiges Prinzip in diesem Brief, daß der Schreiber oft frühzeitig auf irgendein Thema anspielt und es dann später im Brief entfaltet. Der gleiche Grundsatz ist auch im Römerbrief derart auffällig, daß einige anhand der Ähnlichkeit eine paulinische Verfasserschaft des Briefes an die Hebräer nachweisen wollen.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Diese drei Merkmale werden wir in Kap.10 – worauf wir jetzt eingehen wollen -durchweg feststellen. Mit seinen einleitenden Worten werden wir einmal mehr daran erinnert, daß das Gesetz lediglich ein Schatten (siehe auch 8,5) und nicht die Wirklichkeit der Güter war. Diese sollten zu jenem Zeitpunkt noch kommen (9,11). Paulus stimmt damit in Kol 2,17 überein, wo er ebenso das Wort „Schatten“ gebraucht, um Charakter und Wesen der alten Ordnung zu beschreiben. Ihre Speisegesetze, ihre Festtage und ihre Festzeit en, das ganze System war nur eine große Vorschattung dessen, was kommen sollte. Das Gesetz, welches das Herzstück jenes alten judaistischen Systems bildete, war ebenfalls ein Schatten. Doch ein Schatten hatte zumindest den Wert, daß er die tatsächliche Existenz des Eigentlichen erkennen ließ. Darin bestand der typologische Wert des Gesetzes und des Systems, mit dem es verbunden war. Es sagte dem denkenden Menschen, daß eine herrliche Wirklichkeit kommen würde. Güter, bessere Dinge wurden vorgeschattet.
Das Gesetz ist demnach der Schatten und nicht das Ebenbild jener Güter selbst. Es wird ein bedeutsamer Unterschied zwischen „Schatten“ (skia) und „Ebenbild“ (eikon) gemacht. Hier steht nicht das Wort „Bild“ wie in 1,3 (wo man charakter liest), sondern der in Kol 1,15 gebrauchte Ausdruck. Aufgrund dieser Stelle wird die Bedeutung vollends verständlich. Christus ist das Bild (eikon) des unsichtbaren Gottes. In Ihm wurde Gott sichtbar, ließ Er sich berühren. In Ihm hat sich uns Gott, den wir nie gesehen haben (Joh 1,18), vollkommen und vollständig offenbar gemacht. Das Gesetz verkörperte keineswegs dieses Bild, sondern war ein Schatten. Wenn nun argumentiert wird, daß all das bereits behandelt worden ist, trifft das zu. Genau dies haben wir festgestellt: Der Schreiber greift etwas immer wieder auf. Dies sind Themen von größter Bedeutung, und insbesondere seine jüdischen Leser mußten sie lernen. Dies würde jeden Gedanken an eine Rückkehr zum Judaismus höchst töricht erscheinen lassen. Sie würden das Eigentliche gegen den Schatten eintauschen. Sie würden auf die Güter in Christus zugunsten der jetzt veralteten Religion verzichten, die ihren Zweck erfüllt hatte und beiseite gesetzt worden war.
Doch die Wiederholung geht weiter. Das Gesetz, das dem Wesen nach nur ein Schatten war, konnte mit seinen vorgeschriebenen Opfern einem Gewissen nie zum vollkommenen Frieden verhelfen. Zweifellos denkt der Schreiber noch an den Ritus des Versöhnungstages, doch seine Argumentation braucht nicht auf diesen großen Tag allein beschränkt zu werden. Es wurden offensichtlich unaufhörlich Tiere geopfert und dargebracht. Dies war eine fortwährende, ständige Verrichtung. Rotherham drückt es überaus aufschlußreich aus: „… die gleichen Opfer, die sie alljährlich immerzu darbringen“. Ihre Opfer wurden auf verschiedene Weise und fortwährend, aber unvollkommen dargebracht. Sie konnten nie das Gewissen derjenigen vollkommen machen, die auf diese Weise Gott nahten. Immer und immer wieder kamen Menschen, doch nie mit einem völlig zur Ruhe gebrachten Gewissen. Die Opfer, die niemals Sünden hinwegnehmen konnten (10,11), waren nie imstande, das Gewissen vollkommen zu machen. Doch einen Wert hatten sie zumindest: Sie waren Schatten einer künftigen Vollkommenheit. Sie waren von Gott wohl verordnet, bis das vollkommene Opfer gesandt – und konnten doch Sünde nie tilgen, die Opfertiere in Priesterhand.
Wie töricht war es, sich mit einem solchen Wissen um die Unzulänglichkeit jener Opfer in irgendeiner Weise vom veralteten Judaismus, vom Schatten anziehen zu lassen! Es ist weitaus besser und glückseliger, mit erleuchteten Heiligen singen zu dürfen: O Jesu, teures Gotteslamm! Du wurdest an des Kreuzes Stamm für unsre Sünd‘ geschlachtet.
Für uns gingst Du in Not und Tod, Du opfertest Dich völlig Gott, für uns wardst Du verachtet. Jetzt kann uns nichts verdammen mehr. O Jesu, Dir sei Dank und Ehr‘!
In diesen vier Versen erklärt der Verfasser so deutlich wie nur irgend möglich, dass die alttestamentlichen Opfer unzulänglich waren. Es gab etwas, das sie nicht leisten konnten. In Vers 1 nennt er zwei Fakten bezüglich des Gesetzes. Erstens, das Gesetz war ein Schatten. Mit dem Wort denn beginnt er das zu erklären, was er schon in 9,11-28 gesagt hat. Es gibt zwei verschiedene griechische Wörter für Schatten und dieser hier bedeutet ein schwacher Schatten im Gegensatz zu einem scharfen und deutlichen. Das war das Wesen des Gesetzes: Es war nur eine grobe Skizze, eine bloße Andeutung der Wirklichkeit, die im Himmel existiert. Es portraitierte etwas Wirkliches, doch es war nur ein ungefährer Abriss der zukünftigen Güter. Die zukünftigen Güter sind das vollendete Werk Jesu, des Messias. Zweitens, es war nicht der Dinge Ebenbild selbst. Das griechische Wort für Ebenbild bedeutet „eine wahre Repräsentation“ und wurde für Jesus selbst in Kapitel 1 benutzt. Das Gesetz war keine wahre Repräsentation. Es konnte nicht die wahrhaftige Nachbildung dessen sein, was Gott gegen die Sünde ein für allemal zu tun beabsichtigte. Das Gesetz entsprach nicht der Wirklichkeit, weil es darin versagte, das Sündenproblem dauerhaft zu lösen. Die Wirklichkeit sollte erst noch kommen. Das Gesetz konnte dies mit denselben Schlachtopfern, die sie alljährlich darbringen niemals vollbringen und dieser Ausdruck wirft einen Blick auf die Wiederholung im Jahreskreis. Er unterstreicht das Opfer an Yom Kippur, und dies brachten sie immer wieder Jahr für Jahr dar. Während sie dies jahrein jahraus vollzogen, erreichten sie nie das Endgültige. So lange, wie es dauerte, gab es etwas, was das Gesetz und die Opfer niemals tun konnten: vollkommen machen, was im Kontext des Hebräerbriefes bedeutet, dass man zur geistlichen Reife geführt wird. Auf diesem speziellen Gebiet versagte das Gesetz. Es konnte die alttestamentlichen Heiligen nie auf ein gewisses Niveau geistlicher Reife bringen. Es konnte die Hinzunahenden nicht für immer vollkommen machen. Die Hinzunahenden waren die alttestamentlichen Heiligen. Zuvor wurde schon gezeigt, dass das Gesetz bei ihnen keine vollständige Reinigung des Gewissens bewirken konnte. Sie sind nie in den Genuss gekommen zu wissen, dass man für immer von der Sündenschuld gründlich gereinigt worden ist. Aus diesem Grund konnte das Gesetz keine Vollkommenheit bringen.
Arnold Fruchtenbaum – Der Hebräerbrief