Er sprach aber auch zu dem, der ihn geladen hatte: Wenn du ein Mittags- oder ein Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn, damit nicht etwa auch sie dich wiederladen und dir Vergeltung werde.
Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde, und glückselig wirst du sein, weil sie nicht haben, dir zu vergelten; denn es wird dir vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten.
Elberfelder 1871 – Lukas 14,12–14
Dann wandte sich Jesus zu dem, der ihn eingeladen hatte, und sagte: »Wenn du Gäste einladen willst, ob zu einer einfachen Mahlzeit oder zu einem großen Essen, dann lade dazu nicht ´nur` deine Freunde, deine Brüder, sonstige Verwandte oder reiche Nachbarn ein. Sie würden dich wieder einladen, und das wäre dann deine ganze Belohnung. Nein, lade Arme, Behinderte, Gelähmte und Blinde ein, wenn du ein Essen gibst. Dann bist du glücklich zu preisen. Denn sie können es dir nicht vergelten; dafür wird es dir bei der Auferstehung der Gerechten vergolten werden.«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Lukas 14:12–14
Auch zu dem, der ihn geladen hatte, sprach er:
„Wenn du ein Mahl veranstaltest, ein leichtes oder ein größeres, lade nicht deine Freunde noch deine Brüder noch deine Verwandten noch reiche Nachbarn, damit nicht etwa auch sie dich wieder laden und dir Vergeltung ‹zuteil› werde, sondern wenn du ein Mahl mit Gästen veranstaltest, lade ein Arme, Krüppel, Lahme, Blinde. Und ein Seliger wirst du sein, weil sie nicht haben, dir zu vergelten, denn es wird dir vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten.“
Jantzen & Jettel 2017 – Lk 14,12–14
Danach sagte Jesus zu dem, der ihn eingeladen hatte: »Wenn du ein Festessen veranstaltest, dann lade weder deine Freunde noch deine Geschwister und Verwandten ein und auch nicht deine wohlhabenden Nachbarn. Denn sonst laden die dich wiederum ein und dann ist das Ganze eine Art Gegenleistung. Sondern, wenn du eine Feier veranstaltest, lade die Armen, Verkrüppelten, Gelähmten und Blinden ein! Dann bist du wirklich glücklich zu nennen. Denn diese Menschen haben nichts, was sie dir dafür zurückgeben könnten. Du wirst aber dafür belohnt werden, dann, wenn die gerechten Menschen auferstehen.«
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Lk 14:12–14

Lk 14:12 : Wer bei der Einladung zu einem Festmahl die sozial Gleichgestellten überging, kränkte diese damit zutiefst. Jesus dagegen sagt hier, dass bei der Einladung zu einem Festmahl wie bei jedem anderen Akt der Barmherzigkeit die Bedürftigkeit und nicht die gesellschaftliche Stellung ausschlaggebend sein muss. Im A.T. war es verboten, eine Leihgabe mit Zinsen zu belegen und so Profit aus der Not der Menschen zu schlagen – Jesus schließt hier sogar die Forderung irgendeiner Form der Rückzahlung aus; vgl. 6,34-35 .
Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments
Lk 14:13 : In der gräko-romanischen Welt luden wohlhabende Leute sozial unter ihnen Stehende gewöhnlich nur ein, um sich von ihnen feiern zu lassen, und selbst dann mussten die Gäste noch eine gewisse Hochachtung besitzen, durften also nicht auf der untersten gesellschaftlichen Stufe stehen, wie es die Verkrüppelten, Lahmen und Blinden in der damaligen Gesellschaft waren; auch Bauern wurden nicht eingeladen (wenngleich manche jüdischen Lehrer es für eine fromme Tat hielten, Betder und Bauern einzuladen). Auch auf dem Gebiet der essenischen Gemeinschaft in Qumran durften sich keine Verkrüppelten, Lahmen und Blinden aufhalten.
Lk 14:14 : Das Judentum lehrte, dass die Gerechten bei der Auferstehung der Toten ihren Lohn erhalten. Jesus wendet diese Lehre hier auf die Verteilung der Mittel an. Bereits das A.T. lehrte, dass Gott die, die den Armen geholfen haben, belohnen wird ( Spr 19,17 ).
Der Oberste der Pharisäer hatte zweifellos lauter örtlich bekannte Persönlichkeiten zu seinem Mahl geladen. Jesus bemerkte dies sofort. Er sah, dass die Minderbemittelten des Ortes nicht mit einbezogen waren. Er ergriff deshalb die Gelegenheit, einen der großen Grundsätze des Christentums zu verkündigen – nämlich die Tatsache, dass wir diejenigen lieben sollen, die nicht liebenswert sind und uns nichts zurückgeben können. Normalerweise lädt man seine »Freunde, … Brüder, … Verwandten« oder »reiche Nachbarn« ein, immer in der Hoffnung, dass einem dafür vergolten wird. Man braucht nicht wiedergeboren zu sein, um so zu handeln. Doch es ist ausgesprochen übernatürlich, freundlich zu den »Armen, Krüppeln, Lahmen« und »Blinden« zu sein. Gott hat für diejenigen, die diesen Menschen Barmherzigkeit erweisen, einen besonderen Lohn vorgesehen. Auch wenn diese Gäste uns nicht »vergelten« können, verspricht Gott selbst, uns »bei der Auferstehung der Gerechten« zu belohnen. Die »Auferstehung der Gerechten« ist in der Schrift auch als die erste Auferstehung bekannt, bei der alle wahren Gläubigen auferweckt werden. Sie findet bei der Entrückung statt und, unserer Ansicht nach, nochmals am Ende der Drangsal. Das heißt, die erste Auferstehung ist nicht ein einzelnes Ereignis, sondern sie findet in zwei Phasen statt.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Jesus redete jedem einzelnen der geladenen Pharisäer als ein rechter Lehrer und Seelsorger ins Gewissen. Die überlegene Haltung Jesu wird dadurch gekennzeichnet, daß keiner der Anwesenden sich dagegen auflehnte oder etwas dagegen sagte. In diesem gleichen Ton erteilte der Herr jetzt auch dem Gastgeber eine Mahnung zur Wohltätigkeit. Die Absicht, in welcher der vornehme Pharisäer Jesus eingeladen hatte, berührte der Herr mit keinem Wort.
Rienecker – Wuppertaler Studienbibel
Nach der gewöhnlichen Ordnung lud ein Gastgeber immer seine Freunde als Gäste ein. Der grie Dichter Hesiod gibt die Regel: „Wer dich liebt, den rufe zum Mahl!“ Dieses Wort ist für den natürlichen Menschen leichter zu befolgen als das Gebot Christi. Was Jesus sagt, ist kein Verbot, Freunde und Verwandte einzuladen. Jesus verbietet aber ein Dreifaches: 1.) Die Speise nach unserem Belieben zu vergeuden und nur an Freunde und Reiche auszuteilen, wenn doch die Armen es oft so sehr benötigen. 2.) Es ist verboten, Liebe darin zu sehen, nur diejenigen zu bewirten, die wir lieben und die uns freundlich gesonnen sind. 3.) Es ist verboten, Gutes zu tun mit der Absicht, daß uns wieder Gutes vergolten werde.8)
Der Beweggrund Jesu enthüllt die Absicht des Gastgebers, der von seinen eingeladenen Gästen wieder eine Einladung erwartet. Wer eine menschliche Wiedervergeltung seiner Wohltaten erstrebt, hat den Lohn, welchen Gott gibt, verscherzt (Mt 6, 2; Lk 6, 24).
Wenn Jesus auf die Auferstehung hinausweist, so deutet Er damit an, auf welches Ziel und auf welchen Lohn wir sehen sollen.
Glückselig, die Jesu Rat befolgen, daß sie solche Gäste einladen, die nichts wieder vergelten können; denn es wird ihnen in der Auferstehung der Gerechten vergolten. Der Ausdruck „Auferstehung der Gerechten“ war den Pharisäern geläufig. Die rabbinische Theologie lehrt vorwiegend eine Auferstehung der gerechten Israeliten. In Jo 5, 28; Apg 24, 15 und Da 12, 2 lesen wir von einer Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten, was Lk 20, 35 nicht widerspricht. Jesus unterscheidet hier wie Paulus (1 Th 4, 16; 1 Ko 15, 23) und Johannes (Offb 20, 5. 6) zwischen einer ersten und einer zweiten Auferstehung. Zur „Auferstehung der Gerechten“ gehören die Menschen, welche in dieser gegenwärtigen Welt nach den Grundgesetzen der zukünftigen Welt denen (ohne Absicht auf Wiedervergeltung) Liebe erweisen, die der Liebe in größtem Maße bedürfen.
»Mittagsmahl« und »Abendmahl« waren die üblichen Gelegenheiten zur Essenseinladung, wobei das »Abendmahl« noch eine Stufe festlicher gewesen zu sein scheint (Mt 3,7). Jesus war sowohl zu Mittagsmählern (Lk 11,38) als auch zu Abendmählern(Lk 14,1ff.) eingeladen. Dass man »Freunde«, »Brüder« und »Verwandte« einlud, war völlig selbstverständlich (vgl. 1 Sam 1,4ff.; 1 Sam 9,22ff.; 1Kön 13,20; Hiob 1,4 f; Hes 23,41). Dass man auch »reiche Nachbarn« einlud, in der Hoffnung, sie würden »sich revanchieren«, ist wohl zu allen Zeiten – auch heute! – Brauch gewesen. Warum sagt Jesus: Tu es nicht!? Will er denn ausschließen, dass wir unsere Eltern, »Brüder«, Schwestern, »Freunde« einladen? Keineswegs! Er verbietet auch nicht, einen »Nachbarn« – und sei es immerhin ein reicher! – einzuladen. Sondern er will, dass sich unser Haus auch für andere öffnet. Er kämpft gegen das »nur«: dass wir nämlich nur an die »Verwandten«, »Freunde« usw. denken. Dass wir egoistisch nur an den Nutzen (»revanchieren«) denken. Verzichte auf solche »Vergeltung« (so wörtlich in V. 12)! – ruft er uns zu. Tu mit deinen Mahlzeiten auch denen wohl, die sich eben nicht »revanchieren« können! (vgl. Lk 6,32ff.)!
»Sondern«, so sagt es Jesus, »wenn du ein Mahl veranstaltest, dann lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde ein!« (V. 13). »Mahl« ist »Aufnahme« (so wörtlich). Es ist keine widerwillige »Armenspeisung«. So verwirklicht sich die soziale Gesetzgebung des AT (5 Mo 14,29; 16,11.14; 26,11 f; vgl. Tobias 1,18ff.; Tobias 2,1) – die sozialste der Welt. So verwirklichen sich Mitleiden und Liebe. So handelt Gott, unser Vater, selbst (vgl. V. 21; Mt 22,9ff.).
Wer so handelt, dem gilt eine eine echte Seligpreisung: »Dann bist du glücklich zu preisen« (V. 14). Und zwar gerade deshalb, »weil sie (die Armen usw.) nichts haben, womit sie sich revanchieren könnten«. Es geschieht »dann« ja tatsächlich um einen echten Gotteslohn: »Es wird dir deshalb bei der Auferstehung der Gerechten vergolten werden«. Womit? Schon allein dadurch, dass du an der »Auferstehung der Gerechten« teilnimmst, und nicht mehr zur Auferstehung der Verdammten zählst (vgl. Dan 12,2; Joh 5,29; Apg 24,15; 2 Kor 5,10; Offb 20,4-6.12- 15)! Ganz eindeutig vertritt Jesus auch hier die Lehre von einem doppelten Lebensausgang. Es gibt sowohl den Himmel (Offb 21-22) als auch die Hölle, sowohl die Rettung als auch die Verdammnis (Mt 25,46).
Sehr wahrscheinlich hat Jesus mit diesem Wort (V. 12-14) seinen Gastgeber korrigiert. Er sah viele vornehme Gesichter, aber keine Armen, Krüppel, Lahmen, Blinden. Es scheint, dass sich der Gastgeber diese Korrektur gefallen ließ. Jedenfalls lesen wir nicht von einem Protest.
Um Missverständnisse auszuschließen, sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass derjenige, der ohne Liebe die Armen usw. einlädt, nicht unter die Seligpreisung von Vers 14 fällt. Die Taktik, durch gute Leistungen ins Reich Gottes zu kommen, wobei die Menschen egal sind, geht nicht auf (1 Kor 13,3). Ebenso wenig kann derjenige, der Gutes tut, nur damit er wieder Gutes empfängt, mit einem himmlischen Lohn rechnen (vgl. Mt 5,46ff.; Mt 6,2ff.; Lk 6,32ff.). Schließlich ist der himmlische Lohn (»Gott wird dir vergelten« V. 14) keine Abrechnung im menschlichen Sinne, sondern ein überströmendes Geschenk der Gnade.
Gerhard Maier – Edition C
Als Nächstes spricht Jeschua den Gastgeber an (Lukas 14,12). Die Hauptlektion ist, dass Gastfreundschaft die Liebe zu den Mitmenschen demonstriert und somit ein Mittel ist, die Gerechtigkeit des mosaischen Gesetzes zu erfüllen. Wer jedoch Gäste einlädt, nur um sich selbst Ehre zu verschaffen, kann nicht erwarten, belohnt zu werden. Die Gastfreundschaft der Pharisäer war selbstsüchtig, selbstverherrlichend und selbstgerecht, da sie nur Gäste einluden, die den Gefallen erwidern konnten. Die Gerechtigkeit des Gesetzes verlangt jedoch, dass die Gastfreundschaft auf diejenigen ausgedehnt wird, die vielleicht nie die Mittel haben, den Gefallen zu erwidern. Folglich sollten auch wir denen geben, die sich nicht revanchieren können (Lukas 14:13-14).
Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive
Jetzt wendet sich der Herr an den Gastgeber. Es ist ein Fehler zu denken, Er verurteile eine Einladung von Verwandten und Freunden, aber wir sollten andererseits auch nicht meinen, solche gesellschaftlichen Begegnungen gelten dem Dienst des Herrn. Er verurteilt die Ichsucht, die nur das eigene Ich befriedigen will und für alles, was es andern tut, letztlich nur den eigenen Vorteil sucht. Der Ausdruck „wiederladen“ ( antikaleo) kommt im NT nur hier vor. Das Vorwort anti zeigt, daß es um einen Ersatz geht im Sinne von einer Gegenleistung. Der Herr wendet sich also gegen die weltliche Maxime do ut des (Lateinisch: Ich gebe dir, damit du mir etwas gibst), die in der Welt viel zu oft als ganz korrekt akzeptiert wird. Die gerechten Taten des Herrn gehen weit über bloße menschliche Güte hinaus.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Wahrer Dienst am Herrn verbietet es dem Diener, sich der Not anderer zu verschließen. „Arme, Krüppel, Lahme, Blinde“ können die Wohltat nicht vergelten, was aber nie ein Grund sein sollte, sie von einer Wohltat auszuschließen. Obwohl wir unser Versagen in all den Jahren bekennen müssen, haben wir doch auch gesehen, wie Gläubige in ihren Häusern solche Liebesdienste getan haben. Wir empfangen den Lohn dafür nicht in dieser Welt, sondern „in der Auferstehung der Gerechten“. Für „Krüppel“ steht anapäros, das nur hier und im V.21 vorkommt. Nach W.E. Vine bedeutet es „an einem Körperglied behindert sein“, nach A.T. Robertson „bis hinauf gelähmt“. Auf alle Fälle muß es etwas anderes heißen als „gelähmt“ ( cholos), denn das wird hier gesondert aufgeführt.