Tiefes Wasser ist der Ratschluß im Herzen des Mannes, aber ein verständiger Mann schöpft ihn heraus.
Elberfelder 1871 – Sprüche 20,5
Tiefes Wasser ist der Plan im Herzen eines Mannes, ein verständiger Mann weiß daraus zu schöpfen.
Die Philippson-Bibel – Sprüche 20:5
Die Gedanken eines Menschen sind unergründlich wie ein tiefer See, aber ein Menschenkenner durchschaut sie und bringt sie ans Licht.
Hoffnung für alle – 1996 – Spr 20,5

kann sie hervorholen Wenn „tiefe Wasser“ sich hier auf die Wahrheit bezieht, die im Herzen verborgen liegt, wird die weise Person als jemand angesehen, die solche Weisheit an die Oberfläche hervorholen und sie so zum Ausdruck bringen kann (# 18,4).
Reformations-Studien-Bibel
Tiefe Wasser: Ein listiger Mensch kann seine Gedanken im Herzen wunderbar verdecken, so dass es scheint, als sind sie nicht zu ergründen, genau wie ein Wasser, das keinen Boden hat. Aber ein gottseliger und weiser Mensch kann aus vielen Erfahrungen spüren, was jener im Schilde führt. Und merkt man oft aus der Menschen Gebärden (ganz zu schweigen von den Reden), wie sein Herr gegen ihn gesinnt ist, obgleich er es mit Fleiß zu verbergen begehrt.
Osiander – Luther Studienbibel
DAS WASSER TIEF BEWAHREN
Wachtturm 1.Oktober 1953
Dieses Schöpfungsvermögen wird uns in Sprüche 20:5 gezeigt: „Tiefes Wasser ist der Ratschluß im Herzen des Mannes, aber ein verständiger Mann schöpft ihn heraus.“ Oft findet man, daß jemand, der in Gottes Gesetz Tag und Nacht viel studiert, die Neigung hat, sich mit seinen eigenen Gedanken zu beschäftigen. Er mag nicht so viel reden, mag von sich aus nicht Auskünfte geben, wenn er nicht darum angegangen wird. Er stellt seine Weisheit nicht zur Schau, doch wenn man mit ihm spricht, ihn befragt, etwas aus ihm herausschöpft, kann man vieles lernen, Dinge, von denen man nie dachte, daß er sie wüßte. Oft wissen jene, die am meisten reden, am wenigsten. Sie verbringen soviel Zeit mit Reden, daß sie zum Lernen nur wenig Zeit übrig haben. Wenn du redest, lehrst du, wenn du zuhörst, lernst du! Es gibt eine Zeit für beides, und keines von beiden sollte vernachlässigt werden. Es ist nötig, daß man studiere und die Wahrheit in Herz und Sinn gleich tiefem Wasser aufspeichere, doch sollte man auch verhüten, daß dieses Wasser abgestanden werde, indem man die Möglichkeit schaffe, daß andere daraus schöpfen. Einmal erworben, muß es anderen zur Verfügung gehalten werden.
Nicht jeder Freund ist ein guter Ratgeber, deshalb müssen wir mit Bedacht auswählen. „Die Absichten des Herzens eines Menschen sind tiefe Wasser, aber ein Mann mit Verstand zieht sie heraus“ (20:5, NIV). Wir kennen unser eigenes Herz nicht (Jer. 17:9), und nur Gottes Wort kann die „Gedanken und Absichten [Motive] des Herzens“ (Hebr. 4:12) aufrichtig offenbaren. Es bedarf eines Seelsorgers mit liebevoller Geduld und einem scharfsinnigen Geist, um uns zu helfen, zu erkennen, was tief in unseren Herzen liegt.
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie
Wer, von Salomo angeleitet, in der Schule Gottes gewesen ist, wird zum »Mann von Verstand«, und als solcher hat er die Fähigkeit, das »tiefe Wasser«, d. h. die Anschläge »im Herzen des Mannes«, heraufzuschöpfen. Es ist unsere Pflicht, das zu lernen. Salomo konnte das, und das zeigte sich, als eines Tages jene beiden Huren vor ihm standen (1Kö 3,16–28) und beide ihre »Güte« ausriefen, also jede beteuerte, dass sie die Wahrheit spräche, während die andere lüge. So sind nicht nur Menschen fragwürdiger Sittlichkeit wie diese beiden Frauen, sondern »die meisten Menschen rufen ein jeder seine Güte aus«, reden davon, wie gut sie seien. Wie konnte Salomo herausfinden, wer im Herzen etwas anderes trug als auf den Lippen? Beide Frauen waren Huren, und beide waren auch Sünder (vgl. Lk 7,37), die eben auch lügen. Nur eine der beiden war Mutter, eine war keine Mutter mehr. Mit seiner Frage verstand es Salomo diese zweite Natur anzusprechen, und prompt wurde die wahre Mutter offenbar: Sie gab lieber ihr Kind weg, als dass sie mit angesehen hätte, dass man es tötete.
Benedikt Peters – Das Buch der Sprüche
Hieraus lässt sich für uns Christen folgende Analogie herleiten: Auch wir sind Sünder von Natur; aber wir sind durch die neue Geburt auch etwas anderes geworden: Kinder Gottes. Leider kommt es oft vor, dass Christen sich gegenseitig beschuldigen und Aussage gegen Aussage steht. Die Weisheit des Weisen angesichts solch undurchschaubarer und daher nicht zu entscheidender Fälle besteht darin, die göttliche Natur des Erlösten anzusprechen. Geschieht das in Weisheit, dann reagiert diese unfehlbar auf das Wort der Weisheit; sie gibt sich zu erkennen und macht das Herz offenbar.