Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung kommet; der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.
Elberfelder 1871 – Matthäus 26,41
Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur ist schwach.«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Matthäus 26:41
Seid wach und betet ständig, damit ihr nicht in eine Versuchung hineinkommt! Der Geist ist zwar kampfbereit, die menschliche Natur jedoch ohnmächtig.“
Gottes Agenda – Matth 26:41

Der Vers aus dem Zusammenhang gerissen, ergibt natürlich einen anderen Sinn. Aber wenn wir beachten, dass die Apostel den ganzen Tag davor aktiv waren, dann am Abend das Passah mit Jesus gefeiert hatten, und deshalb eine Menge Wein getrunken hatten, und nun nach gefühlten 20 Stunden „einschliefen“, zeigt das Jesu Worte wohl weniger als Angriff gemeint, sondern eben der Fakt: als Nachkommen von Adam und Eva sind wir einfach nicht in der Lage es zu schaffen! Wir benötigen die Gnade, die Liebe von unserem himmlischen Vater! Wir können es uns einfach nicht verdienen! Wir schaffen es einfach nicht! Und um so mehr uns Menschen klar machen, dass wir es schaffen könnten, wenn wir nur wollten, umso enttäuschter sind wir, wenn wir dann, wenn wir es wieder einmal nicht geschafft haben. Deshalb ist jede Form von Religion so schädlich – und zerstört unser persönliches Verhältnis zu Jehovah!
προσ-εύχεσθε Imp. ἵνα hier fin. od. dass (A328; bez. das Erbetene; B II1aγ). εἰσ-έλθητε Aor. Konj. -έρχομαι. πειρασμός Prüfung, Erprobung; Versuchung, Anfechtung; ἵνα μὴ εἰσέλθητε εἰς πειρασμόν damit (od. darum, dass) ihr nicht in Versuchung (vgl. V. 31) geratet. πρό-θυμος11 geneigt, bereit, willig. ἀ-σθενής7 kraftlos, schwach; τὸ μὲν πνεῦμα πρόθυμον ἡ δὲ σὰρξ ἀσθενής der Geist ist willig, aber das Fleisch (d. h. die menschl. Natur) ist schwach bzw. (wesentl. freier, aber idiomatischer) den guten Willen habt ihr, aber ihr seid nur schwache Menschen (GN).
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Als er zu den Jüngern zurückkam, schliefen sie. Ihr Geist zwar war willig, aber ihr Fleisch war schwach. Wir wagen es nicht, sie zu verurteilen, wenn wir an unser eigenes Gebetsleben denken, unser Schlaf ist meist besser als unser Gebet, und unsere Gedanken wandern umher, wenn wir wachsam sein sollten. Wie oft muss der Herr zu uns das Gleiche sagen wie zu Petrus und den anderen zwei: »Also nicht eine Stunde konntet ihr mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!«
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Die wiederholte Aufforderung zur Wachsamkeit wird nun durch die zum Gebet ergänzt, das die Schüler Jesu für sich selbst an Gott richten – entsprechend der vorletzten Bitte im „Unser Vater“. Damit weitet sich der Blick auf die Lebenswirklichkeit der Gemeinde. Das unterstreicht der allgemein gehaltene Satz im Anschluss. Er vertritt kein dualistisches Menschenbild, sondern stellt den ‚Geist‘, d.h. die Begabung der Gemeindemitglieder zur Nachfolge (vgl. 3,11), die sie auch verwirklichen wollen, dem ‚Fleisch‘ gegenüber, nämlich ihrer Geschöpflichkeit, die zum Versagen neigt.
Fiedler – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
Er gab ihnen einen guten Rat: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!“ (Vers 41). Es nahte eine Stunde der Versuchung, war sehr nahe, die Mühen Christi waren für seine Nachfolger Versuchungen, ihm zu misstrauen und an ihm zu zweifeln, ihn zu verleugnen und zu verlassen und aller Beziehung zu ihm abzuschwören. Es war gefährlich, wenn sie wie in eine Schlinge oder Falle in die Versuchung traten. Deshalb ermutigte er sie, zu wachen und zu beten: „Wacht und betet.“ Solange sie schliefen, verloren sie den Nutzen davon, an Christi Gebet teilzuhaben. „Wacht selbst und betet selbst. Betet, dass ihr wachen möget. Bittet Gott, euch durch seine Gnade wachzuhalten, jetzt, wo es notwendig ist.“
Der Neue Matthew Henry Kommentar
Er verzieh ihnen freundlich. „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Wir lesen nicht von einem Wort, das sie für sich selbst sagen konnten, doch er hatte dann ein sanftes Wort zu ihren Gunsten; hier gibt er uns ein Beispiel der Liebe, die „eine Menge von Sünden zudecken“ wird (s. 1.Petr 4,8). Er bedachte, was sie für ein Gebilde waren (s. Ps 103,14), und tadelte sie nicht, denn er dachte daran, dass sie nur Fleisch und Blut waren und „der Geist … willig, aber das Fleisch … schwach“ (s. Ps 78,38–39). Es ist das Elend und die Last der Jünger Christi, dass ihre Leiber nicht mit ihren Seelen in den Werken der Frömmigkeit und Hingabe mithalten können; viele Male verfinstern und behindern ihre Leiber ihre Seelen. Wenn der Geist frei und zu dem geneigt ist, was gut ist, dann ist das Fleisch abgeneigt und nicht dazu aufgelegt. Es ist aber unser Trost, dass unser Meister dies gnädig bedenkt und die Bereitschaft des Geistes annimmt und Mitleid hat mit der Schwachheit und Gebrechlichkeit des Fleisches und verzeiht, denn wir sind „nicht unter dem Gesetz … sondern unter der Gnade“ (s. Röm 6,14).
Obwohl sie weiterhin schläfrig und verschlafen waren, tadelte er sie nicht weiter dafür, denn obwohl wir täglich straucheln, wird er nicht immer tadeln (s. Ps 103,9).
»Anfechtung« bedeutet hier »Prüfung«. Wenn man die gängige religiöse Bedeutung dieses Wortes in Rechnung stellt, sagt Jesus hier also: »Damit ihr in der Prüfung, die euch bevorsteht, nicht unterliegt.« Der Gegensatz zwischen »Geist« und »Leib« bedeutet einfach, dass ein Mensch zwar den besten Willen haben kann ( 26,33 ; vgl. den Gebrauch des Begriffs »Geist« an vielen Stellen in den Sprüchen), dass sein Körper aber möglicherweise zu erschöpft ist, um zu tun, was er will. Den Römern galt die Pflichterfüllung bis in den Tod, dem Judentum die unbedingte Treue zum Gesetz Gottes sehr viel. Die Leser der Antike konnten das Heldenhafte an Jesu unerschütterlicher Treue zu seiner Berufung zweifellos würdigen.
Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments
willig, aber das Fleisch ist schwach.«
Im schwersten Gebetskampf seines Lebens »kommt« Jesus »zu den Jüngern«. Er »kommt«, um Beistand zu finden, Brüder, die »mit« ihm »wachen«. Es sind ja nicht ferne Interessenten, die er darum gebeten hat, nicht einmal irgendwelche Jünger, sondern drei ausgewählte »Jünger«: Petrus, Jakobus und Johannes, die menschlichen »Säulen« seiner Gemeinde (vgl. Gal 2,9). Was findet Jesus? »Er findet sie schlafend.« »Schlafen« ist seit Mt 24,42.43; 25,5.13 das Gegenteil dessen, was die Jünger eigentlich tun sollten, nämlich »wachen« im Sinne des Bereitseins für Gott. Die Vertrautesten seiner Jünger haben Gethsemane buchstäblich verschlafen. Die wenig rühmliche Geschichte der kleingläubigen, unverständigen und versagenden Jünger hat sich ausgerechnet hier fortgesetzt (vgl. Mt 8,26; 14,26ff.; Mt 15,15ff.; Mt 16,8ff.; Mt 17,16ff.; Mt 18,1ff.; Mt 19,14; 20,22ff.; Mt 21,20ff.; Mt 26,10ff.; Mk 7,18; 1 Kor 6,5). »Petrus« ist auch in dieser Stunde sowohl der Repräsentant der Jünger als auch der Versagende (vgl. Mt 14,30ff.; Mt 15,15ff.; Mt 16,22ff.; Mt 26,34ff.). Darum spricht Jesus ihn an und fragt voller Schmerz: »So konntet ihr also nicht eine einzige Stunde mit mir wachen?« Es erfolgt keine Antwort. Darauf ist auch nichts zu sagen. Jesus war mutterseelenallein geblieben, ohne den Beistand der Seinen. »Nicht eine einzige Stunde«: Demnach hat Jesus etwa eine »Stunde« im Gebet gerungen. Nur zwei kleine Sätze aus jenem Gebet haben wir überliefert, nämlich die von V. 39. Es wird öfter gefragt, wie die beiden Sätze überhaupt bekanntwerden konnten, wenn doch die Jünger schliefen. Eine solche Überlegung ist wenig einfühlend. Die drei Jünger haben sicherlich am Anfang noch gewacht und so Jesu laute Gebetsworte vernommen.
Gerhard Maier – Edition C
Es ist erstaunlich, dass Jesus noch in dieser Stunde ein seelsorgerliches und liebevolles Wort für die Jünger hat: »Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!« Das erinnert uns – nach dem offensichtlichen Anklang an die dritte Vaterunserbitte in V. 39 – zum zweiten Mal an das Vaterunser. Hier ist es die sechste Vaterunserbitte: »bringe uns nicht in Versuchung hinein«, die Jesus berührt. Der Zusammenhang zwischen Gethsemani und dem Vaterunser ist also eng. Das kommt davon her, dass Jesus jetzt nicht sein Vertrauen wegwirft, sondern wirklich im Geist des Vaterunsers weiterbetet. »Wachen und beten« gehören im NT immer wieder zusammen als Bezeichnung des erwartungs – und hingebungsvollen Gebets (vgl. Apg 20,31; 1 Kor 16,13; Eph 6,18; Kol 4,2; 1 Thess 5,6; 1 Petrus 4,8; Off 3,2ff.; Off 16,15). Zum Begriff der »Versuchung« vgl. die Erklärung bei Mt 6,13. Es handelt sich um den Versuch des Teufels, uns von Gott weg – und auf ihn hin zu orientieren. Die »Versuchung« kann der Mensch aus eigener Kraft niemals bewältigen.
Wer nur mit eigener Kraft kämpft, verfällt nach 1 Petrus 5,8 dem Widersacher, dem Teufel, »der umhergeht wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge«. Gerade in diese Richtung zielt Jesus mit den Worten: »Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.« Mit Ausnahme von Mt 5,3 und Mt 27,50 bedeutet »der Geist« im Matthäusevangelium immer den Heiligen Geist (vgl. Mt 1,18ff.; Mt 3,11.16; 4,1; 10,20; 12,18.28.31ff.; Mt 16,17; 22,43; 28,19) – natürlich abgesehen von den Stellen, wo erkennbar von dämonischen Geistern die Rede ist. Dieser Sprachgebrauch des Matthäus berührt sich eng mit dem des Johannes (Joh 3,5ff.; Joh 3,34; 4,23; 6,63; 7,39; 14,16ff.; Joh 15,26; 16,13; 20,22). Ja, wenn Matthäus sagt: »Der Geist ist willig«, dann werden wir sofort an den Geist als »Tröster« oder »Beistand, Fürsprecher, Paraklet« erinnert, den Jesus nach dem Johannesevangelium verheißt (Joh 14,16ff.; Joh 15,26; 16,7ff.; vgl. Mt 10,19ff.; Mk 13,11; Röm 8,26; 1 Joh 4,1ff.; 1 Joh 5,6ff.).
Hingegen ist »das Fleisch« nach jüdischem Sprachgebrauch meist der natürliche Mensch. Das NT teilt diesen Sprachgebrauch und betont, dass »das Fleisch schwach ist«. Vgl. z. B. Mt 19,5ff.; Mt 24,22; Joh 3,6; 6,63; 8,15; Röm 3,20; 6,19; 7,5ff.; Röm 8,3ff.; 1 Kor 1,26ff.; 1 Kor 5,5; 15,50; 2 Kor 1,17; 3,1ff.; 2 Kor 10,3; Gal 3,3; 4,13.23ff.; Gal 5,16ff.; Gal 6,8; Eph 2,3; 6,5; Phil 1,22ff.; Phil 3,3ff.; 1 Tim 3,16; Hebr 5,7; 1 Petrus 1,24; 3,18; 4,6; 2 Petrus 2,10. Aus der Gemeinderegel von Qumran, also einem Dokument, das zur Zeit Jesu von den Essenern als fundamental betrachtet wurde, fügen wir noch ein erschütterndes Zeugnis an: »Ich gehöre zur ruchlosen Menschheit, zur Menge des frevelnden Fleisches. Meine Sünden, meine Übertretungen, meine Verfehlung samt der Verderbtheit meines Herzens gehören zur Menge des Gewürms und derer, die in Finsternis wandeln.« Demnach kann man den Satz »Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach« nicht so auslegen, als ob der menschliche Geist gottgeneigt, der menschliche Leib aber leider zu schwach wäre. Sondern das ist der Sinn: Der natürliche Mensch kann der Versuchung nicht widerstehen. Durchs Gebet erlangt er aber den Beistand des Heiligen Geistes, der »willig ist« zu helfen, und so – und nur so! – kann er den Sieg davontragen. Jesus konnte in Gethsemane der Versuchung, dem Leidensweg auszuweichen (vgl. Mt 16,23) , nur durchs Gebet widerstehen. Erst nach Gethsemane gilt die Aussage über Jesus: »Denn worin er selber gelitten hat und versucht ist, kann er denen helfen, die versucht werden« (Hebr 2,18; vgl. Hebr 4,15; 5,9ff.).
Als der Herr von dem »Steinwurf« (Lk 22,41) Entfernung zu den Jüngern zurückkam, fand er sie schlafend statt im Gebet. Das hatte der Geist Christi in Ps 69,20 in diesen Worten zum Ausdruck gebracht: »Ich habe auf Mitleiden gewartet, und da war keines, und auf Tröster, und ich habe keine gefunden.« Wir erinnern uns, daß diese drei schon früher einmal eingeschlafen waren (Lk 9,32), als die Umstände ganz andere gewesen waren, nämlich auf dem Berg der Verklärung. Lk 22,45 sagt, daß sie »vor Traurigkeit« eingeschlafen waren. Vorher hatte der Herr für die Jünger und für Petrus gebetet (Joh 17,9.15; Lk 22,32); aber hier betete und wachte Er für sich. Zu »Wachen und Beten« siehe Eph 6,18; 1 Petrus 4,7. Wenn wir nicht mit Christus allein beschäftigt sind, wird Versuchung und Sünde auf dem Fuß folgen, denn ziellose Gedanken sind empfänglicher Boden für allerlei Verführungen. Der Herr gestand zu, daß der Geist zwar willig war, das Fleisch aber schwach. Mit anderen Worten: Sie waren in ihrer natürlichen Beschaffenheit begrenzt; der Herr aber überwand als Mensch unter gleichen Umständen. Der Herr meinte hier »Fleisch« im körperlichen Sinn, während das Wort anderweitig geistliche Bedeutung hat: »Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts« (Joh 6,63). Der natürliche Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist; »das Fleisch gelüstet wider den Geist, und der Geist wider das Fleisch« (Gal 5,17). Paulus stellte zwei Listen auf, eine mit den Werken des Fleisches, eine mit der Frucht des Geistes.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt