Thomas Pape

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Wisst ihr noch, wie standhaft ihr das alles ertragen habt?

Gedenket aber der vorigen Tage, in welchen ihr, nachdem ihr erleuchtet worden, viel Kampf der Leiden erduldet habt; indem ihr einerseits sowohl durch Schmähungen als Drangsale zur Schau gestellt wurdet, und anderseits Genossen derer wurdet, welche also einhergingen.
Elberfelder 1871 – Hebräer 10,32–33

Denkt aber an die früheren Tage zurück, in denen ihr nach empfangener Erleuchtung einen harten Leidenskampf geduldig bestanden habt, indem ihr teils selbst durch Beschimpfungen und Drangsale zum öffentlichen Schauspiel gemacht wurdet, teils an den Geschicken derer teilnehmen mußtet, die in solche Lagen versetzt waren.
Menge 1967 – Hebräer 10:32–33

Damals, als Gott euch die Augen für die Wahrheit öffnete, hattet ihr viel zu leiden und schwere Kämpfe zu bestehen. Wisst ihr noch, wie standhaft ihr das alles ertragen habt? Einige von euch wurden in aller Öffentlichkeit beschimpft und misshandelt; die Übrigen standen denen, die das durchmachen mussten, treu zur Seite.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Hebr 10,32–33

Der Grund für die „Verfolgung“ waren kein persönlicher Streit, und auch nicht, dass diese Menschen nun bestimmte Dinge nicht mehr taten. Auch griffen die in Hebräer 10 erwähnten Menschen nicht auf „staatlichen Schutz“ zurück. Ich finde es immer wieder interessant, das Menschen und auch religiöse Gruppen immer wieder ganz groß gegen andere Menschen und Menschengruppen Bücher und Broschüren schreiben, aber sobald sie selber dann in das „Fadenkreuz geraten“ von „Verfolgung“ schreiben und „gerichtliche Schritte unternehmen“. Aber die jüdischen Gläubigen, die hier gemeint sind, waren weiterhin gläubige Juden, die weiterhin Jehovah dienten, weiterhin die jüdischen Feiertage begingen, nur eben, dass sie Jehoschuah als ihren Messias anerkannten! Und NUR aus diesem Grund, wurden sie nun verfolgt!
Übrigens ist das heute noch so: wenn ein jüdischer Mensch zum Glauben an Jehoschuah kommen, dann verlieren sie sehr sehr häufig ihre Familie, ihre Freunde usw…

Einer meiner Lehrer kam als orthodoxer Jude zum Glauben an Jesus. Durch sein Zeugnis kamen noch andere jüdisch-orthodoxe Männer zum Glauben. Es ist herrlich, dass sie den Glauben an den Messias gefunden haben. Im täglichen Leben hatte dies jedoch schwerwiegende Folgen für sie. Keiner von ihnen fand eine richtige Arbeit, denn sie hatten nichts gelernt außer Thoraschreiben und andere religiöse Angelegenheiten. Sie bekamen keine Unterstützung mehr von ihren Gemeinden. Einige der Männer wurden von ihren Frauen verlassen und ihre Verwandten wandten sich von ihnen ab. Das Schlimmste war, dass diese Leute leider nicht wie andere Neubekehrte in der Gemeinde Anschluss und eine neue Familie fanden. Mit ihrem orthodoxen Lebensstil, den sie beibehielten, passten sie in keine christliche Gemeinde.
So ähnlich war die Situation eines Gebannten zur Zeit von Jesus. Alle sozialen Beziehungen wurden abgebrochen und das Leben der ganzen Familie war bemitleidenswert.

Anatoli Uschomirski – Das Matthäusevangelium aus jüdischer Sicht: Wie wir Jesus besser verstehen lernen

In den übrigen Versen von Kapitel 10 führt der Verfasser drei wichtige Gründe an, warum die frühen Judenchristen weiterhin in ihrer Treue zu Christus standhaft bleiben sollten.
Ihre »frühere« Erfahrung sollte ihnen ein Anreiz sein.
Die Nähe der Belohnung sollte sie stärken.
Die Furcht vor Gottes Missfallen sollte sie vor dem Zurückweichen bewahren.
Zunächst einmal geht es darum, dass ihre früheren Erfahrungen sie anregen sollten, bei Christus zu bleiben. Nachdem sie sich zum Glauben an Christus bekannt hatten, wurden sie zur Zielscheibe bitterer Verfolgung: Ihre Familien enterbten sie, ihre Freunde verließen sie und ihre Feinde stellten ihnen nach. Doch statt Angst und Feigheit hervorzurufen, bestärkten diese »Leiden« sie in ihrem Glauben. Zweifellos spürten sie etwas von der überschwänglichen Freude, für würdig gehalten worden zu sein, für seinen Namen Schmach zu erleiden (Apg 5,41).
Manchmal litten sie als Einzelpersonen; sie waren auf sich allein gestellt und wurden öffentlich Schimpf und Schande preisgegeben. Zuweilen litten sie jedoch auch gemeinsam mit anderen Christen.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

    Die Hebräerchristen, an die unser Verfasser sein Schreiben richtet, sind um ihres Christennamens willen öffentlicht gebrandmarkt worden. Auch darin erfüllt sich Jesu Wort: „Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, werden sie euch auch verfolgen“ (Jo 13, 16; 15, 20). Gott macht seinen Kindern den Weg nicht leicht. Aber das Leiden um Jesu willen ist stellvertretendes Leiden (Kol 1, 24), das dem Ausreifen und der Vollendung der Gesamtgemeinde dient, und verpflichtet die Gläubigen, am Schicksal ihrer leidenden Brüder Anteil zu nehmen.

    Laubach – Wuppertaler Studienbibel

    Um Menschen für künftige Anfechtungen zu wappnen, ist es häufig hilfreich, sie an den Mut zu erinnern, den sie in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen gezeigt haben. An diesen Punkt knüpft der Briefschreiber an. Seine Leser wissen, was es heißt, einen großen Kampf des Leidens durchzustehen. (Die Verbform „erduldet habt“, hypemeinate, ist die Übersetzung eines Wortes, das gewöhnlich mit „nicht aufgeben, standhaft bleiben“ wiedergegeben wird, vgl. V. 36.) Sie wissen auch, was es heißt, öffentlich verspottet und verfolgt zu werden oder anderen zu helfen, die eine solche Erfahrung gemacht haben (V. 33). Sie haben Mitgefühl für ihre Brüder, die eingesperrt waren, gezeigt und haben den Verlust irdischer Besitztümer freudig hingenommen, weil sie die Gewißheit himmlischen Reichtums besitzen (V. 34). Es wäre gut, wenn sie sich wieder auf diese ihre standhafte Haltung besinnen. Was immer ihnen auch bevorstehen mag – und der Briefschreiber nimmt an, daß es ähnlich sein wird wie das Vergangene -, es wird ihnen helfen, wenn sie der früheren Tage, … nachdem sie erleuchtet waren, gedenken (vgl. „die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben“, Hebräer 10,26 ,und „erleuchtet worden sind“ in Hebräer 6,4).

    Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

    »Gedenkt aber« verspricht einen Trost. Der Verfasser will die Erinnerung seiner Leser auf eine Zeit lenken, in der sich ihr Glaube bewährt hatte. Welchen Mut hatten sie früher an den Tag gelegt, und zwar kurz nach ihrer Bekehrung und Taufe! »Nachdem ihr erleuchtet wart« zielt auf die Zeit, als sie die christliche Wahrheit (vgl. V. 26) erkannt bzw. die christliche Taufe (vgl. Heb 6,4) empfangen hatten. In jener Zeit scheint eine Verfolgung ausgebrochen zu sein, die die Leser betroffen hat; denn sie haben »einen großen Kampf des Leidens erduldet«. Wenn unser Verfasser von »Kampf« redet, so trifft sich das Wort mit einem Bild, das der Apostel Paulus oft benutzt, um seinen Kampf für das Evangelium zu beschreiben, nämlich den Einsatz des Sportsmannes im Wettlauf (vgl. 1Kor 9,24-27; Phil 3,12-14). Hier liegt der Nachdruck auf den Leiden, die der Kampf mit sich führte und die die Leser mit Geduld ertrugen. Die Ausführung lässt aber auch den Eindruck zurück, dass der Eifer der Leser nachgelassen hat, so dass der Aufruf, »der früheren Tage zu gedenken«, die Ermahnung des Sehers Johannes an die Gemeinde zu Ephesus in Erinnerung bringt: »Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt« (Offb 2,4).
    Leider wissen wir nicht genau, auf welchen Leidenskampf der Verfasser konkret anspielt. Vielleicht geht es um einen derartigen antisemitischen Aufstand, der im Jahre 49 zur Vertreibung der Juden aus Rom führte. Die Auswirkungen dieses Aufstandes, die durch das Edikt des Claudius beseitigt werden sollten, haben freilich die Judenchristen mit betroffen, umso mehr, als die ganzen Maßnahmen nach der Meinung des römischen Geschichtsschreibers Sueton von der Christusbotschaft hervorgerufen worden waren.
    Die anfängliche Bewährung der Leser erwies sich in vorbildlicher Standhaftigkeit pöbelhaften Übergriffen gegenüber. So sind sie in aller Öffentlichkeit »beleidigt und misshandelt« worden. So wurden sie – mit den Worten des Apostels Paulus – »zu einem Schauspiel für die Welt« (1Kor 4,9). Sie sind die Zielscheibe des allgemeinen Vergnügens und der Diskriminierung geworden (vgl. Apg 6,11ff.; Apg 12,1ff.; Apg 13,50; 14,5.19; 16,19ff.; Apg 17,5.13.32). Hierbei haben die, die man zunächst hat gehen lassen, ihren Glaubensgenossen, »denen es so ging«, eine einzigartige Solidarität bewiesen (vgl. V. 34).

    Gerhard Maier – Edition C

    Die Leiden jener früheren Zeit hatten zwei Aspekte: Sie waren nicht nur der Welt ein Schauspiel geworden, sondern wurden auch Gefährten (Rev. Elberf) derer, die man auf ähnliche Weise schmähte. Durch die Schmähungen und Drangsale, womit man sie überschüttet hatte, waren sie ein Schauspiel geworden (theatrizo, Konkordante). Daß dies mit dem deutschen Wort „Theater“ zusammenhängt, ist offensichtlich. Sie waren zum öffentlichen Schauspiel geworden, den Blicken der Welt ausgesetzt und deren widernatürliche Freu de spürend. Ihre Schmähungen und Drangsale riefen Verachtung und Hohn der Ungläubigen hervor. Schmähung (oneidismos) läßt auf Verleumdung schließen. Ihr guter Ruf war in den Schmutz gezogen worden. Man hatte ihnen Übles nachgeredet. Doch dann lasen sie, daß ihr großer Urahn Mose ebenso Schmach getragen hatte (11,26). Er hielt sie für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens. Laßt uns daher zu Christus hinausgehen, außerhalb des Lagers, indem wir Seine Schmach tragen (13,13), selbst wenn das bedeutet, der Welt ein Schauspiel zu werden.
      Für die Drangsale, die sie ertrugen, steht das Wort thlipsis. Es läßt auf Bedrückung schließen, auf das, was den Geist beschwert. Es wird verschieden wiedergegeben: unaufhörlicher Schmerz, Bedrängnis, Verfolgungen, Trübsal und Betrübnis. In alledem hatte die Last ihrer Leiden in jener ersten Zeit der Nachfolge Christi bestanden. Dadurch waren sie zu einem Schauspiel geworden, doch sie hatten es erduldet. Sie hatten in jener Zeit der ersten Liebe tapfer unter all der Bedrückung ausgehalten.
      Doch es gab noch die andere Seite bei den Schmähungen jener ersten Zeit. Es ging nicht nur darum, daß sie solche Leiden selbst gekannt hatten. Vielmehr waren sie auch bereitwillig Gefährten derer geworden, die durch ähnliche Prüfungen gingen. Sie hatten sich gefreut, die Schmähungen der Geschmähten mittragen zu dürfen. Sie hatten mit denen Gemeinschaft gehabt, die um Christi willen litten. Sie hatten an den Drangsalen anderer Anteil gehabt. Es ist das Wesen wahrer Liebe, mit den Weinenden zu weinen (Röm 12,15). Dies kennzeichnet auch den Geist Christi (Joh 11,35). Es lag etwas Edles in dieser Haltung, und der Schreiber schätzt die Erinnerung daran. Wenn sie Drangsal als solche ertrugen, war sie ihnen von anderen zugefügt worden, doch ihre Haltung, in Schmähungen Gefährten anderer zu werden, war eine unerschrockene, mutige Geste. Indem sie frei- und bereitwillig mit denen Gemeinschaft hatten, die um Christi willen litten, ließen sie ihre aufrichtige Entschlossenheit als Christen erkennen. Die Erinnerung an all dies sollte sie jetzt ermuntern, wiederum fest zu stehen, obwohl einige, die nur dem Namen nach Christen waren, in den Judaismus zurückfielen und zurückkehrten.

    Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

    Gedenkt aber der früheren Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuchtet worden wart, viel Leidenskampf erduldet habt, als ihr teils durch Schmähungen und Bedrängnisse zur Schau gestellt und teils Gefährten derer wurdet, denen es so erging! Denn ihr habt sowohl mit den Gefangenen gelitten als auch den Raub eurer Güter mit Freuden aufgenommen, da ihr wisst, dass ihr für euch selbst einen besseren und bleibenden Besitz habt. Werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine große Belohnung hat. Denn Ausharren habt ihr nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt. Denn noch eine ganz kleine Weile, und der Kommende wird kommen und nicht säumen. Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben; und: Wenn er sich zurückzieht, wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben. Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen zum Verderben, sondern von denen, die glauben zur Gewinnung des Lebens.

    In Vers 32-34 ermutigt der Schreiber die Leute und ruft sie dazu auf, sich an ihren früheren, mutigen Glauben zu erinnern. In Vers 32 fordert er sie dazu auf, der früheren Tage zu gedenken, als sie zum Glauben kamen, als sie erleuchtet wurden, als sie die Wahrheit erfassten und gerettet wurden. Wie in 6,4 ist das Wort erleuchtet im Sinne von Errettung zu verstehen. Hier aber meint er eine bestimmte Zeitperiode in den frühen Tagen ihres Glaubens. Damals, als sie zum Glauben kamen, ertrugen sie viel Leidenskampf. In der Tat, sie litten als echte Gläubige. Dass sie als echte Gläubige gelitten haben, weist sie als echte Gläubige aus. Das Wort gedenken heißt nicht einfach nur „sich erinnern“. Das griechische Wort bedeutet sorgfältig zurückdenken und in Gedanken das Vergangene völlig zu rekonstruieren und dann die Erinnerung an die Zeit festzuhalten, als sie Mut bewiesen hatten. Die erste Gegenmaßnahme gegen das Abweichen besteht darin, dass man sich an die frühe Zeit seines Glaubenslebens erinnert.

    In Vers 33 legt er zwei Aspekte ihres Leidens dar: das direkte und das indirekte. Erstens, das direkte Leiden bezeichnet das, was sie persönlich erlitten: teils … zur Schau gestellt oder vorgeführt. Von dem griechischen Wort für zur Schau stellen kommt unser deutsches Lehnwort Theater her. Dies beschreibt diese jüdischen Gläubigen als Leute, die auf die Bühne gestellt und als Clowns angeschaut und verspottet wurden. Sie wurden verspottet und litten auf zweierlei Weise. Sie erlitten Schmähungen, d. h. sie wurden lächerlich gemacht und verhöhnt, und sie erlitten Bedrängnisse, das heißt, sie wurden verfolgt in Bezug auf ihren Besitz. Sie verloren ihr Eigentum. Der zweite Aspekt ihrer Leiden war, dass sie auch indirekt litten, da sie mit anderen Gläubigen Kontakt hatten. Sie wurden Gefährten derer, denen es so erging. Auch wenn sie keine direkte Verfolgung durchmachten, litten sie doch indirekt, weil sie sich mit anderen Gläubigen verbunden hatten, die verfolgt wurden. In jener Zeit hatten sie es nicht unterlassen, sich zu versammeln.

    Arnold Fruchtenbaum – Der Hebräerbrief

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