Und ich will das Herz des Pharao verhärten und meine Zeichen und meine Wunder mehren im Lande Ägypten.
Elberfelder 1871 – Exodus 7,3
Ich selber aber härte Pharaos Herz,
mehren will ich im Land Ägypten meine Zeichen und meine Erweise:
Buber & Rosenzweig – Exodus 7:3
Ich werde aber Pharaos Herz hart sein lassen, und werde viele Zeichen und Überzeugungstaten von mir im Lande Mizrajim geben,
Übersetzt von Samson Raphael Hirsch – 2.Mose 7,3
Ich aber werde Par’os Herz verhärten und will meiner Zeichen und Wahrbeweise viel sein lassen im Land Mizraim.
Tur-Sinai – 2.Mose 7:3

Diese Verse spielen auf die bevorstehenden Plagen an. Gleichzeitig stellen sie Gottes Antwort auf Mose Einwände in 6:30 dar, als wolle Er sagen: „Natürlich lässt sich der Pharao nicht so leicht umstimmen, aber nicht, weil du unzulänglich bist. Vielmehr nutze ich seine Hartnäckigkeit, um Meine aktive Gegenwart zu demonstrieren.“ Indirekt wird Mose erneut davor gewarnt, bei der Erfüllung seiner Mission unrealistischen Optimismus zu hegen, denn dies könnte zu Demoralisierung führen.
The JPS Torah Commentary
Betrachten wir nun den strittigen Text, wo Jehova gesagt hat: „Ich will das Herz des Pharao verhärten, und meine Zeichen und meine Wunder mehren im Lande Ägypten. Und der Pharao wird nicht auf euch hören.“ (2 Mose 7:3, 4) Jehova verhärtete das Herz des Pharao in Wirklichkeit nicht so, daß der Pharao seine Willensfreiheit in der Sache verlor. Sein Herz verhärtete sich wegen der ihm durch Mose und Aaron verkündeten Botschaft. Diese war es, die ihn in versteifter Halsstarrigkeit und im Zorn handeln ließ. Da aber die von Mose und Aaron verkündete Botschaft in Wirklichkeit Jehovas Botschaft war, sagt der Bericht, Jehova habe sein Herz verhärtet. Indem Gott ihm dadurch, daß er Plage um Plage aufhob, wiederholt Barmherzigkeit erwies, wurde der ägyptische Herrscher nicht weicher gestimmt, sondern wie es im Falle von Despoten und Tyrannen der Fall ist, machte diese Langmut den Pharao nur unduldsamer und brachte um so mehr seine terroristischen Charaktermerkmale an den Tag. In 2 Mose 8:15 wird das Ergebnis der Erleichterung gezeigt: „Als der Pharao sah, daß Erleichterung geworden war, da verstockte er sein Herz.“ Und wiederum, nachdem eine der Plagen aufgehoben war: „Pharao verstockte sein Herz auch dieses Mal.“ (2 Mose 8:32) Auch in 1 Samuel 6:6 wird erklärt: ‚Die Ägypter und der Pharao haben ihr Herz verstockt.‘ Heißt es nicht, der Pharao habe sein eigenes Herz verstockt? Jawohl, denn das war es, was tatsächlich geschah. Es besagt nur, daß Jehova es getan habe, weil Jehovas Botschaft es war, auf die der Pharao so reagierte. Solch arroganten Männern Barmherzigkeit zu erweisen, dient nur dazu, daß sich diese noch mehr Zorn aufhäufen. (Römer 2:4, 5) Es ist nicht ungewöhnlich, daß böse Menschen Jehovas Langmut als ein Zeichen von Schwäche deuten und sich so in ihrem bösen Tun noch versteifen, in der Annahme, die Zeit der Abrechnung werde nie kommen: „Weil das Urteil über böse Taten nicht schnell vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder in ihnen voll [voller Absicht, SB], Böses zu tun.“ (Prediger 8:11) Im Herzen war der Pharao hierzu entschlossen.
Wachtturm 1.August1953
Bis zu diesem Punkt ihrer Konfrontation mit dem Pharao hatten Mose und Aaron lediglich Gottes Ultimatum überbracht. Jetzt war die Zeit gekommen, Gottes Macht zu offenbaren und die wunderbaren Zeichen zu vollbringen, die bewiesen, dass sie wirklich von Gott gesandt waren. Mose, der immer noch etwas entmutigt war, behauptete, er sei kein kompetenter Redner; deshalb erinnerte Gott ihn daran, dass Aaron sein Sprecher sein könnte (6:26-7:2; 4:15-16). Der Herr wies Mose und Aaron jedoch darauf hin, dass mehr als ein oder zwei Wunder nötig sein würden, um seine Ziele zu erreichen, denn er würde seine Zeichen und Wunder im Land Ägypten vervielfachen.
Bevor wir diese bemerkenswerte Reihe von Wundern untersuchen, müssen wir uns auf die Gründe konzentrieren, warum der Herr diesen Ansatz im Umgang mit dem Pharao wählte und diese Zeichengerichte in das Land Ägypten sandte. Der letztendliche Zweck war natürlich, den Pharao und die Ägypter in die Knie zu zwingen, damit sie bereit waren, die Juden aus dem Land zu lassen. Aber gleichzeitig offenbarte sich der Herr sowohl den Israeliten als auch den Ägyptern und bewies, dass er allein Gott ist (7,5).
Die Wunder und Plagen waren auch Gottes Art, die Götter Ägyptens zu richten und sie als falsch und nutzlos zu erweisen. „Über alle Götter Ägyptens will ich Gericht halten: Ich bin der Herr“ (12:12; siehe auch 18:11 und Num. 33:4). Mehr als achtzig verschiedene Götter wurden in Ägypten angebetet, aber sie konnten nichts tun, um das Land und das Volk vor den schrecklichen Gerichten Jehovas zu bewahren. Zumindest lernten die Ägypter, dass Jehova der wahre und lebendige Gott ist.
Aber auch das Volk Israel musste diese Lektion lernen. Nach Hesekiel 20:1-9 hatten einige der Juden begonnen, die ägyptischen Götter anzubeten; und als sie aus Ägypten befreit wurden, nahmen sie ihre Götter mit! Haben sie ihren Glauben aufgegeben, um ihren Entführern zu gefallen und eine bessere Behandlung zu erhalten? Aber wie konnten sie Jehova verlassen, nachdem sie all die Demonstrationen seiner Macht gesehen hatten? „Unsere Väter in Ägypten haben deine Wunder nicht begriffen; sie dachten nicht an die Fülle deiner Barmherzigkeit“ (Ps. 106:7, NKJV).
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie
Ich aber werde fest werden lassen, nachdem er gegen mich gefrevelt und sich gegen mich aufgelehnt hat und vor mir offenbar ist, dass die Völker nicht gesonnen sind, ihr ganzes Herz darauf zu richten, um zu mir zurückzukehren, so will ich, dass sein Herz fest werde, um meine Zeichen an ihm zu vermehren, und damit ihr meine Allmacht erkennt; so ist die Eigenschaft des Heiligen, gelobt sei Er, dass Er Strafen über die Völker bringt, damit Jisrael es höre und sich fürchte; so heisst es (Zeph. 3, 6), ich vernichte Völker, dass ihre Stätten öde sind … indem ich sprach, fürwahr, du wirst mich fürchten und Zucht annehmen; dennoch aber heisst es bei den ersten fünf Plagen nicht, der Ewige machte das Herz von Pharao fest, sondern das Herz von Pharao blieb fest (Tanch.).
Raschi – Kommentar zur Tora
Auch wenn Gott Mose und Aaron zu seinen Boten und Werkzeugen berufen hat, so ist und bleibt er selbst der Handelnde. Sein weiteres Vorgehen ist ein dreifaches:
Bräumer – Wuppertaler Studienbibel
– Gott wirkt viele Zeichen und Wunder. Zeichen und Wunder (hebräisch: ›ʾôtôt umôphetim‹) »umschreiben das einmalige und unverwechselbare Handeln Jahwes«. Es handelt sich dabei um außergewöhnliche, aber nicht in jedem Einzelzug um übernatürliche Ereignisse.769
– Gott legt seine Hand auf Ägypten. Die Hand auf jemanden legen (hebräisch: ›nātan jād be‹) heißt ursprünglich soviel wie »sich an jemandem vergreifen.« Gott wird mit seiner machtvollen Hand Ägypten heimsuchen und schlagen.
– Unter großen Gerichten führt Gott seine Heerscharen, sein Volk, die Israeliten, aus Ägypten. Dem hier verwendeten Begriff für Gerichte (hebräisch: ›šefatim‹) liegt das Zeitwort »entscheiden« zugrunde. Unter großen Gerichten ist hier die endgültige »schiedsrichterliche Entscheidung«, der »Schiedsspruch« Gottes, zu verstehen. Die großen Gerichte sind eine Anspielung auf das Geschehen am Meer (2Mo 14,27f).
Erst in dem Augenblick, wenn Gott selbst nach den Ägyptern greift, um sie zu vernichten, werden sie Jahwe als den Gott erkennen, dessen Name lautet: Ich bin da. Das letzte, das endgültige Ziel der Auseinandersetzung zwischen Gott und Pharao ist nicht die Vernichtung der Ägypter, sondern die Erkenntnis Jahwes. »Der Tod des Götzen Pharao soll denen, die ihm untertan waren, die Augen und das Herz öffnen für die eigentliche Wirklichkeit. ›Er ist da‹, der Gott des Lebens und der Freiheit.«