Jehova, was ist der Mensch, daß du Kenntnis von ihm nimmst, der Sohn des Menschen, daß du ihn beachtest?
Elberfelder 1871 – Psalm 144,3
HERR, was ist der Mensch, dass du auf ihn achtest?
Wer ist er schon, dass du dich um ihn kümmerst!
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Psalm 144:3
Was ist schon der Mensch, dass du ihn kennst? Was ein Menschenkind, dass du ihm Beachtung schenkst?
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Ps 144,3

Die Sterblichkeit des Menschen und die unfassbare Ewigkeit
Halte fest 1996
«Was ist der Mensch, dass du Kenntnis von ihm nimmst?» (Ps 144,3).
In diesem Psalm denkt David über die Kurzlebigkeit der menschlichen Existenz nach, und er kommt zum Ergebnis: «Der Mensch gleicht dem Hauch; seine Tage sind wie ein vorübergehender Schatten.» In den Tagen der Patriarchen erreichten die Menschen für uns ein unvorstellbar hohes Lebensalter. Abraham wurde 175 Jahre alt, Isaak 180 Jahre, und als Jakob dem Pharao vorgestellt wurde, war er 130 Jahre alt. Doch was war sein Urteil über dieses «lange Leben»? «Wenig und böse waren die Tage meiner Lebensjahre» (1 Mose 47,9). Selbst wenn jemand fast 1000 Jahre alt wurde, wie Methusalah, dann war dies bei Gott «wie ein Tag». Und auch diese Aussage ist letztlich nur ein Vergleich, um in menschliche Worte zu fassen, was für den menschlichen Verstand unfassbar ist – der Gedanke der Ewigkeit.
So benutzte Gott
• einen rechtschaffenen Mann, um die Sündhaftigkeit des Menschen festzustellen;
• einen Grossen und Führer seines Volkes, um zu zeigen, wie klein der Mensch wirklich ist;
• Menschen, die viel älter wurden als wir heute, um die Kürze des menschlichen Lebens darzustellen.
«Gedenke mein! Was ist das Leben? Warum willst du alle Menschenkinder vergeblich erschaffen haben?» (Ps 89,48). David staunt darüber, dass der Herr des Universums sich überhaupt mit dem Menschen befasst, ja ihn sogar über alles liebt. Sind wir wirklich eines Gedankens wert? Gott müsste doch gar nicht an uns denken. Er würde nichts verlieren, wenn Er auf uns verzichten würde – aber wir verlieren ohne Ihn alles. Es gäbe für Gott so viele andere und herrlichere Dinge, und doch sind wir Ihm nicht egal. Sie sind keine Laune der Natur, sondern ein Liebesgedanke Gottes, der Sie da haben will, wo Er selbst ist. Gott will mit Ihnen die Ewigkeit verbringen!
Lieth – Messianische Psalmen
Im Licht der Größe Gottes ist der Mensch ganz und gar unbedeutend. Es ist ein Wunder, dass Gott ihn beachtet. Er ist wie ein Atemhauch an einem kalten Tag, so vorübergehend wie ein fliehender Schatten. Das gilt für die ganze Menschheit; aber David denkt hier vielleicht besonders an seine Feinde.
MacDonald – Kommentar zum Alten Testament
Menschenkinder: Der Psalter übersetzt pl. בני אישׁ bzw. בני אדם (Ps 4,3; 21,11; 31,20; 57,5; 58,2; 90,3) durch υἱοὶ (τῶν) ἀνθρώπων, sg. בן אדם bzw. בן אנושׁ durch υἱὸς ἀνθρώπου (Ausnahme: Ps 145,3).
Septuaginta Deutsch: Erläuterungen und Kommentare zum griechischen Alten Testament
unverständigen Herzens? Warum: Das Adj. βαρυκάρδιοι (vgl. dazu auch V.8) ist ein LXX-Hapleg. (ähnlich die Hapleg. νωθροκάρδιος in Spr 12,8, βαρύγλωσσος in Ez 3,5 und βαρύθυμος in 3Makk 6,20). Philon, Josephus und das NT verwenden das Adj. nicht. In späterer christl. Literatur bezeichnet es eine mangelnde Einsicht, Unbelehrbarkeit oder ablehnende Haltung gegenüber Elementen der christl. Botschaft (Acta Petri et Andreae 18 [LIPSIUS / BONNET, 1898, 125]; Gregor von Nyssa, Brief 3,6 [SC 363, 128]). Auffällig ist die bei Gregor von Nazianz, or. 7,22,1 (SC 405, 236), belegte Variante βαρυκάρδιοι καὶ παχεῖς τὴν διάνοιαν »unverständigen Herzens und uneinsichtigen [›dicken‹] Verstandes«. Ähnlich die Erklärung des Wortes durch Eusebius (PG 23, 104): Τοὺς τὴν διάνοιαν πεπαχυμμένους, καὶ περὶ τὴν ὑπακοὴν τοῦ θείου λόγου βραδεῖς, βαρυκαρδίους ὠνόμασεν. Anstelle von βαρυκάρδιοι liest der MT כבודי לכלמה »meine Ehre zu Schmach«, was die LXX als כבודי לב למה »schweren Herzens. Warum …« interpretiert (CAIRD, 1968, 462). Die LXX führt insofern auch V.3b mit einer Fragepartikel ein.
und: Die Konjunktion hat keine Entsprechung im MT.
Davids Kraft war und blieb Gottes Kraft. Zum Rechnen mit der fremden Gotteskraft gehört die nüchterne Einschätzung der menschlichen Hinfälligkeit. Der Mensch gleicht einem Hauch der von seinem Wesen her keine feste Gestalt hat. Kaum spürt man ihn, ist er schon wieder weg. Aber das Wunder besteht darin, daß Gott gerade dieses Wesen erwählt und zu sich zieht. Ganz wie Ps 8 rühmt David hier Gottes Art, das Geringe und Nichtige zu erwählen, und er ruft bewundernd aus: Jahwe, was ist der Mensch, daß du auf ihn achtest? Einen Grund dafür kann Gott im Menschen selbst nicht finden – der Grund für die Erwählung des hinfälligen Menschen muß in Gott selbst, in seiner unergründlichen Liebe liegen.
Schneider – Wuppertaler Studienbibel
David verwundert sich, dass der Herr vom Menschen »Kenntnis« nimmt und dass er »des Menschen Kind« beachtet, denn der Mensch gleicht einem bloßen »Hauch«, und seine Tage gehen vorüber »wie ein ziehender Schatten«. Wir müssen uns selbst recht erkennen, wenn wir Gottes Kämpfe kämpfen wollen; denn nur das wird uns lehren, uns ganz auf Gottes Stärke zu werfen. Nur in ihm können wir stark sein. Entsprechend beginnt Paulus seine Ausführungen über den geistlichen Kampf mit der Aufforderung: »Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke« (Eph 6,10).
Benedikt Peters – Die Psalmen
David war vielleicht zehn Jahre lang auf der Flucht und regierte dann sieben Jahre und sechs Monate lang über Juda. Als er König aller Stämme wurde und Jerusalem zu seiner Hauptstadt machte, hatte er schon viele Schlachten gesehen und würde noch viele weitere schlagen. Aber Gott bereitet seine Führer vor und rüstet sie aus, und David hatte keine Angst vor der Zukunft (18:34, 45; 55:21; 78:9). (Zum Bild von Gott als Fels und Festung siehe 18,2, und als Schild siehe 3,3). Der Ausdruck „my goodness“ (KJV) wird in der New American Standard Bible mit „meine Güte“ und in der New International Version mit „mein liebender Gott“ übersetzt. (Siehe 18:2, 47Die Verbindung von Liebe und Krieg ist ungewöhnlich, aber „Wer den Herrn liebt, hasst das Böse“ (97:10, NKJV). David erbte zwölf Stämme, die nicht immer miteinander auskamen, und in den Jahren unmittelbar nach dem Tod von König Saul führten Stammesrivalitäten und Konflikte zu zahlreichen Problemen. Doch Gott sorgte für politische Einigkeit innerhalb der Nation und gab David den Sieg über die Feinde außerhalb der Nation (18:47-48).
Davids Stellung und sein Ansehen waren ihm nicht zu Kopf gestiegen, denn er fragte: „Wer bin ich, dass Gott das für mich tun sollte?“ Die Aussagen in den Versen 3-4 erinnern uns an 8,4, und das ist eine Erinnerung, die wir brauchen, besonders wenn wir meinen, wir könnten das Leben bewältigen, ohne Gott zu vertrauen. Das hebräische Wort, das mit „Atem“ übersetzt wird, ist habel, der Name eines der Söhne Adams (Abel), und das Wort, das im Prediger achtunddreißig Mal mit „Eitelkeit“ übersetzt wird. (Siehe auch 39:4-6, 12; 62:9; 78:33; 94:11.) Das Bild des „Schattens“ findet sich in 102:11, 109:23, Hiob 8:9 und 14:2, und Prediger 6:12 und 8:13. Wie hilflos sind wir ohne den Herrn!
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie