war arm unsretwillen

Denn ihr kennet die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, daß er, da er reich war, um euretwillen arm wurde, auf daß ihr durch seine Armut reich würdet.
Elberfelder 1871 2 Korinther 8,9

Ihr kennt ja die große Liebe und Gnade von Jesus Christus, unserem Herrn. Obwohl er reich war, wurde er um euretwillen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.
Neues Leben – Bibel – 2 Korinther 8,9

Ihr wisst nämlich um den Liebesdienst von unserem Herrn Jesus, dem Messias, dass Er euretwegen bettelarm geworden ist, obwohl Er ein Reicher war, sodass ihr euch an der Armut von Jenem bereichert habt.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – 2 Kor 8,9

Das opferbereite Leben eines Jüngers

„Erinnert ihr euch an die Großzügigkeit von Jesus Christus gegen uns, der unser aller Herr ist? Er war unbeschreiblich reich, doch für euch wurde er arm, so dass ihr durch seine Armut reich würdet“ (2Kor 8,9; nach Phillips). Als der ewige Sohn Gottes in die Zeit eintrat, um von Maria geboren zu werden, hat Er wirklich auf allen Reichtum, auf allen Glanz und alle Herrlichkeit verzichtet, die Er seit aller Ewigkeit mit dem Vater hatte (Joh 17,5). Er gab Seinen ganzen Besitz auf, indem Er „sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden wurde“ (Phil 2,7).

Er wollte in eine arme Arbeiterfamilie hineingeboren werden, und so wurde der Architekt der Galaxien ein Holzarbeiter in einer Zimmermannswerkstatt. Die Leute der Stadt hörten Jesajas Prophetie über die Mission des Messias aus dem Mund von Josephs Sohn: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, als armer Mann und blieb arm, um die Armen zu erreichen.“ Unzählige Millionen, die niemals Zugang zu einem königlichen Palast erhalten hätten, haben den Weg zu dem Mann gefunden, der in einer Futterkrippe geboren worden war. Ein „Möchtegern-Jünger“ war wohl enttäuscht von der Antwort, die Jesus ihm auf sein Angebot, Ihm zu folgen, gegeben hatte. „Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege“ (Mt 8,19.20). Am Kreuz hängend, beobachtete Er die Soldaten, wie sie um Seinen letzten irdischen Besitz spielten, Seinen Mantel. Als Er nun nichts Materielles mehr hatte, um es zu geben, gab Er auch noch Sein Leben (Joh 19,23.24.30).

Jean Gibson – Training im Christentum

In dem 8. Kap. des 2. Briefes an die Korinther schreibt der Apostel Paulus über das Geben. Die Gnade Gottes hat die Bereitwilligkeit gewirkt, und der Apostel findet anerkennende Worte für die überströmende Gnade, die sie bewiesen. Ihre Gabe war ein Opfer, denn „die Gnade Gottes“ erwies sich wirksam, da bei großer Drangsalsprüfung die Überströmung ihrer Freude und ihre tiefe Armut übergeströmt war in den Reichtum ihrer Freigebigkeit. (V. 2) Der Apostel ist selber von dieser Gnade so erfaßt und ergriffen, daß er seine Ausführungen unterbricht und ihnen zuruft: „Denn ihr kennet die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, daß Er, da Er reich war, um euretwillen arm wurde, auf daß ihr durch Seine Armut reich würdet.“ (2 Korinther 8,9) Die Person unseres Herrn Jesus Christus wird vorgestellt, und es ist der Mühe wert, bei ihr zu verweilen.
Die Gnade des Herrn Jesus Christus war ihnen bekannt geworden, wie auch wir sie kennen lernen durften. Die Leitung des Geistes Gottes gibt sich besonders in vorstehendem Verse kund. Der Herr war reich und wurde arm! Durch Seine Gnade wurden wir reich!
Wie reich war Er?
Der Hebräerbrief sagt, daß Er „der Erbe aller Dinge“ sei. In Joh 17 bittet Er den Vater, Ihm die Herrlichkeit zu geben, die Er hatte „vor Grundlegung der Welt.“ In Sprüche 8,18 lesen wir: „Reichtum und Ehre sind bei Mir.“ In Ps 50,10: „Mein ist alles Getier des Waldes, das Vieh auf tausend Bergen“. Psalm 89,11 sagt der Psalmist: „Dein sind die Himmel, und Dein ist der Erdkreis und seine Fülle, Du hast sie gegründet“, und in Haggai 2,8 spricht Jehova der Heerscharen: „Mein ist das Silber und Mein das Gold.“ „Alle Dinge sind durch Ihn und für Ihn geschaffen“ und gehören Ihm. Der Apostel spricht in seinem Brief an die Epheser und Kolosser von dem „Reichtum der Herrlichkeit des Christus“, von dem „unausforschlichen Reichtum des Christus“, und mit diesen Worten wird angedeutet, wie groß Sein Reichtum ist: „unausforschlich“! Er war Gottes Sohn, Gott selbst, gepriesen in Ewigkeit! Er „achtete es aber nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein“, sondern Er „machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an. (Phil 2,6. 7) In Ihm wohnte „die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“, und Er wurde arm!
Wenn schon Sein Reichtum unausforschlich ist, wie groß war dann Seine Armut, zu der Er sich herabließ! Er legte Seine Herrlichkeit ab, Seine königliche Würde. Er wurde Mensch. „Anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist geoffenbart worden im Fleische!“ (1 Timotheus 3,16) Er wurde arm um unseretwillen.
Wie groß war Seine Armut?
Für Ihn war „kein Raum in der Herberge“. In einem Stalle wurde Er geboren, Er, der Schöpfer des Alls! Seine Wiege war eine Krippe, Heu und Stroh waren Sein Lager, obwohl Er der Erbe aller Dinge ist. Wie recht hat der Dichter, wenn er sagt:
„Wenn ich dies Wunder fassen will,
Dann steht mein Geist vor Ehrfurcht still!“
Armut lernte Er kennen im Hause Josephs. Er war Seinen Eltern Untertan, Er wurde Zimmermann. (Mk 6,3) Er wohnte in Nazareth. „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ sagte Nathanael. (Joh 1,46)
Als Er das Volk lehrte, kam ein Schriftgelehrter zu Ihm und sagte: „Lehrer, ich will Dir nachfolgen, wohin irgend Du gehst.“ Aber wie lautet die Antwort? „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels haben Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo Er Sein Haupt hinlege.“ (Lk 9,58) „Er lehrte aber des Tages in dem Tempel, und des Nachts ging Er hinaus und übernachtete auf dem Ölberg.“ (Lk 21,37) Frauen „dienten Ihm mit ihrer Habe“. (Mt 27,55; Luk 8,3) So tief hat Er sich erniedrigt, so arm ist Er geworden! Der Herr der Herren diente! In größter Armut ging Er Seinen Weg! Und an dem, was Er litt, lernte Er den Gehorsam. Er war gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuze. Er, der durch Sein Wort die Himmel gemacht. „Er sprach, und es war, Er gebot, und es stand da“. (Ps 33,6) – Er wurde ein Fluch und hing an dem Fluchholze! Dort rief Er aus: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen!“ So tief war Er erniedrigt, so arm ist Er geworden. Und warum? Um unseretwillen! Damit wir durch Seine Armut reich würden.
Da können wir nur mit dem Psalmisten sagen: „Wer ist wie Jehova, unser Gott, der sehr hoch oben thront, der sich herab neigt, um auf die Himmel und auf die Erde zu schauen? Der aus dem Staube hervorhebt den Geringen, aus dem Kote erhöht den Armen, um ihn sitzen zu lassen bei den Edlen, bei den Edlen Seines Volkes.“ (Ps 113,5-8)
Durch Seine Armut sind wir reich geworden.
Welch wunderbare Gnade, die sich so tief zu uns herabließ, da wir Sünder waren, Gottlose und Feinde Gottes! Für solche ist Er gestorben. Der Prediger gibt in Kapitel 9 einen kleinen Hinweis, was er als Weisheit unter der Sonne gesehen: „Es war eine kleine Stadt, und wenig Männer waren darin; wider sie kam ein großer König, und er umzingelte sie und baute große Belagerungswerke wider sie. Und es fand sich darin ein armer, weiser Mann, der die Stadt durch seine Weisheit rettete. Aber kein Mensch gedachte dieses armen Mannes.“
So war unser Zustand hoffnungslos, und unser Herr Jesus Christus hat uns daraus befreit. Er hat die Macht Satans „zunichte gemacht“, hat den mächtigen Feind, der die Macht des Todes hat, besiegt und „alle die befreit, welche durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren.“ Durch Seine Armut sind wir reich geworden. Und wie groß ist dieser Reichtum? Einst verlorene Sünder, hassenswürdig voller Schuld, jetzt „in Ihm gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern“. Jetzt wandelnd über diese Erde im Besitz der Hoffnung der Herrlichkeit: Christus ist in uns! Jetzt schon „Miterben Christi“! Er ist uns geworden: „Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung“. (1 Korinther 1,30) In Joh 17 sagt der Herr: „Die Herrlichkeit, die Du Mir gegeben, habe ich ihnen gegeben!“ Wunderbare Gnade unseres Herrn Jesus Christus, daß Er, da Er reich war, „arm wurde um unsertwillen, damit wir durch Seine Armut reich würden“! Weil Er sich selbst erniedrigte, so hat Gott Ihn hoch erhoben und Ihm einen Platz zu Seiner Rechten gegeben. Seine Gnade ist uns zuteil geworden, denn durch Seine Armut sind wir reich geworden. Darum ist auch das Wort des Apostels so gut zu verstehen und so wichtig: „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christo Jesu war.“ Wie groß ist unser Reichtum, den Er uns erworben hat durch Seinen Tod am Kreuze und uns geschenkt hat! Und deshalb können wir freudig singen:
„O Reichtum, wir besitzen dich,
Du bleibest unser ewiglich.“
Und wiederum:
„Unendliche Liebe, wie reich machst du doch,
Du liebst uns, o Heiland, was fehlet uns noch?“
Wieviel Ursache, anbetend zu bekennen: „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesu offenbart“. Jetzt schon ist dies unser Teil; bald werden wir die Herrlichkeit mit Ihm teilen. Bald wird Er kommen, um uns heimzuholen ins Vaterhaus. Jetzt mag unser Auge tränenschwer sein, unser Herz seufzen in mancherlei Proben und Schwierigkeiten, dann aber wird alles Herrlichkeit sein, weil unser geliebter Herr dort ist und wir bei Ihm. Was wäre der Himmel ohne Ihn? Ihn werden wir preisen, loben und Ihm danken für Seine Gnade, die wir kennen, kennen dürfen, da Gottes Wort sie uns mitteilt.
„Wir werden Jesum sehen,
Des Vaters Lieb‘ verstehen,
Lobsingen Ihm mit ew’ger Freud‘.“
Dann wird das Lob ein volles sein, weil Ihm dann nichts mehr hinderlich sein wird. Alle Schwachheit ist von uns genommen und in vollkommener Harmonie werden alle Seine Erlösten, die Er durch Seine Armut reich gemacht hat, das neue Lied singen. Wir werden bei und mit Ihm sein im Vaterhause droben – aber in dieser Wartezeit verpflichtet uns Seine Gnade, die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, Ihm nachzuwandeln. Tun wir dies? Jetzt dürfen wir mit dem Apostel schon sagen: „O Tiefe des Reichtums“, und: „Gott aber sei Dank für Seine unaussprechliche Gnade!“ Der Herr wurde arm um unsertwillen, damit wir durch Seine Armut reich würden. –
Teure Geschwister, möchten wir Ihn doch nicht durch einen leichtfertigen und weltlichen Wandel verunehren, Sein Herz auch nicht durch Jammern, Klagen und Mißtrauen betrüben! Wie sollte uns die erwiesene Gnade doch allezeit Anlaß sein, alles zu meiden, was gegen Sein Wort ist, sei es moralisch oder religiös Böses. Ja, unser heißes Begehren sollte sein, Ihn die wenigen Tage unseres Hierseins durch Wort und Werk zu verherrlichen. Unser geliebter Herr erwartet dies auch von uns. Wollen wir Seinen Wunsch nicht erfüllen?
Gott ist reich an Barmherzigkeit wegen Seiner vielen Liebe, die Er zu uns hat. Das ist auch der Reichtum, den der Herr Jesus offenbarte; denn Er und der Vater sind ja eins! Er konnte sagen: „Der Vater selbst hat euch lieb.“ Und wenn der Vater und der Sohn den Reichtum Ihrer Liebe an uns verwenden, dann ist es die überströmende Gnade, die sich freiwillig offenbart. Für die Erlösten heißt es: „Wir sind schuldig, einander zu lieben.“ Gott hat uns dazu fähig gemacht. Auch wir dürfen einen Reichtum an Liebe offenbaren, zuerst in der Gesinnung, die auch in Christo Jesu war, dann aber auch „Liebe zu allen Heiligen.“ Nicht etwa in fleischlicher Weise, sondern im Blick auf unseren Herrn und Heiland, der uns in jeder Weise ein Vorbild gegeben hat.
Ist unser Leben dann auch durchsetzt von Leiden, Kummer und Prüfungen, tritt Verfolgung an uns heran, gilt es für den Glauben zu kämpfen, dann gibt Er uns auch die Kraft dazu und das Ausharren. Nur wenige Augenblicke, und der letzte Schritt ist getan. Bis dahin dürfen wir uns immer wieder des Reichtums erfreuen, der uns zuteil wurde, denn „die Freude am Herrn ist unsere Stärke“. Möge der Herr uns die Gnade schenken, um immer wieder mit der Gnade des Herrn Jesus Christus beschäftigt zu sein, damit wir sie mehr und besser kennen lernen und in der Liebe zu Ihm mit unaussprechlicher, verherrlichter Freude frohlocken.

Ermunterung und Ermahnung 1948

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