in gleicher Weise

denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde.
Elberfelder 1871 – Hebräer 4,15

Jesus ist ja nicht ein Hoherpriester, der uns in unserer Schwachheit nicht verstehen könnte. Vielmehr war er – genau wie wir – Versuchungen aller Art ausgesetztl, ´allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass` er ohne Sünde blieb.
Neue Genfer Übersetzung – Hebräer 4,15

Dieser höchste Priester, den es gibt, versteht uns, er weiß, was es bedeutet, auf dieser Welt zu leben, er war selbst da! Er ist aber bei keiner Versuchung schwach geworden, er hat es gepackt!
VolxBibel – Hebr 4,15

οὐ … μή nicht … nicht (A310b). δυνάμενον Ptz. δύναμαι, attr. συμ-παθῆσαι Aor. Inf. -παθέω Mitleid/Mitgefühl haben mit. ἀ-σθένεια Schwäche (verschiedenster Art). πε-πειρασμένον Pf. Ptz. Pass. πειράζω (vgl. A3391ff) versuchen, in Versuchung bringen (Unrechtes zu tun); prüfen, auf die Probe stellen (B 2b); attr., Pf. (A231) der auf die Probe gestellt worden ist (u. für immer die Probe bestanden hat; ZG). κατὰ πάντα in jeder Hinsicht (B κατά II6). ὁμοιότης3 (< ὅμοιος) Gleichheit, Gleichartigkeit, Ähnlichkeit; καθʼ ὁμοιότητα in ganz der gleichen Weise (B; vgl. A195). χωρὶς ἁμαρτίας ohne Sünde (d. h. er blieb dabei ohne Sünde).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Was bedeutet es doch für die ringende Gemeinde, wenn Christus so in den Mittelpunkt ihrer Leiden, ihres Kampfes und ihrer Erwartungen gestellt wird, wie es der Hebräerbrief tut. Wir helfen unseren Gemeinden und unseren verzagten Brüdern, wir helfen auch unserm ringenden Volke nicht, wenn wir bei unsern Kämpfen, bei unsern Nöten oder bei der Herrschaft der Mächte des Abgrundes stehen bleiben. Nicht von den Leiden aus wollen wir Gott verstehen, wir wollen die Leiden verstehen von Gott aus. Wenn das nicht eines Tages wiederum das Evangelium auf unseren Kanzeln und Kathedern wird, dann gehen wir zugrunde sowohl als Kirche und auch als Volk. Daher ist gerade auch die Botschaft dieses unbekannten Apostels, der den Hebräerbrief schrieb, so überaus köstlich. Er tröstet die Gemeinde durch Christus, indem Er Christus in seiner ganzen Größe dolmetscht.
Mit welch einer klaren prophetischen Schau, mit welch einer apostolischen Kraft beleuchtet der Verfasser Christus gerade so, wie es dem inneren Zustande der Hebräer-Christen entsprach. Mag auch eine ganze Welt untergehen, es gibt einen Fels für den Glauben, der auch mitten in den Gerichtszeiten und Weltkatastrophen nicht wankt. Dieser Fels ist Christus, der Sohn!
Daher betont der Apostel auch so stark die Einzelheiten in dem gegenwärtigen Hohepriesteramt unseres Herrn und Heilandes. In Christus haben wir eine höhere Offenbarung, einen höheren Mittler, eine höhere Ruhe, einen höheren Hohenpriester, ein höheres Opfer, ein höheres Heiligtum, einen höheren Dienst, eine höhere Vollendung. In dieser Erhabenheit sieht er Christus und zeigt, dass Er trösten kann wie einst kein Mittler innerhalb der Alttestamentlichen Heilsgeschichte trösten konnte. Er versagt nicht trotz unserer Schwachheit, Er stirbt nicht, trotz des Wandels der Zeiten, Er erschöpft sich nicht, trotz der Fülle von Leben und Kraft, die unser Glaube von Ihm empfängt.
So tröstete der Verfasser die leidende Gemeinde seiner Tage von Christus aus. In dieser Richtung kann allein auch unser Dienst im Blick auf die Not unserer Zeit liegen. Unsere Zeit mit ihrem Kampf mit ihren Lasten, mit ihren Aufgaben ist größer als der Mensch in seinen geistigen Kräften, in seiner Weltbeherrschung und in seiner spekulativen Zukunftserwartung. Aber nicht größer als der Sohn, der der Erbe des Ganzen ist. Als Hoherpriester hat Er einen gegenwärtigen Mittlerdienst, durch den Er auch uns aus der Schwachheit in die Kraft, aus der Verzagtheit in die Glaubenszuversicht, aus der Hast in die Ruhe und aus dem Gericht zum Leben führen kann.

Jakob Kroeker – ER sprach zu mir

Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten! Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!

Der erste Gegensatz besteht darin, dass Jesus eine bessere Stellung hat als die levitischen Priester je gehabt haben. In Vers 14 geht es dem Autor darum, dass sich die Gläubigen den Hohenpriester, den sie haben, zunutze machen sollen: Da wir nun einen großen Hohenpriester haben. Im griechischen Text ist der Ausdruck da wir haben betont und unterstreicht die ständige Verfügbarkeit. Christen haben einen Hohenpriester, der immer erreichbar ist. Der levitische Priester, wie Aaron, ging ins Allerheiligste hinein und nachdem er seine Dienstpflichten erfüllt hatte, kam er wieder heraus. Ein Jahr später ging er wieder hinein und heraus. Das trifft nicht für den Einen zu. Dieser Eine ist durch die Himmel gegangen. Er hat den ersten und zweiten Himmel durchschritten. Dann ist er in den dritten Himmel eingetreten und dort geblieben. Der Gebrauch des griechischen Perfekt unterstreicht, dass er hindurchgegangen und seitdem dort ist. Der Ort des hohepriesterlichen Dienstes ist im Himmel, nicht auf Erden. Und im Himmel zu sein entspricht einer überlegenen Position. Das Hohepriestertum Aarons oder Levis wirkte hier auf der Erde. Doch dieser Eine im Himmel hat einen höheren Rang. Da sein Dienstort der Himmel ist, kann er auch diejenigen, die er vertritt, direkt in die Gegenwart Gottes bringen. Die Person des Hohenpriesters ist Jesus, der Sohn Gottes. Jesus ist sein menschlicher Name und betont sein Menschsein. Seine menschliche Natur gestattet ihm, mitfühlend zu sein. Aber er ist auch der Sohn Gottes und damit wird seine göttliche Natur betont. Indem der Schreiber seine Gottheit unterstreicht, zeigt er, dass Jesus eine Macht hat, welche die irdischen Hohenpriester nicht besitzen. Die Anwendung lautet: Lasst uns das Bekenntnis festhalten! Den Inhalt unseres Bekenntnisses hat der Schreiber schon in 3,1 erwähnt: Jesus ist der Messias. Die Leser legten dieses Bekenntnis ab, als sie gläubig wurden. Nun sagt er: Lasst uns das Bekenntnis festhalten! „Festzuhalten“ bedeutet, „das, woran wir hängen, zu ergreifen und zu umklammern“.

Ein Grund, warum diese Judenchristen an ihrem Bekenntnis festhalten sollten, steht in Vers 15, wo die Art des Hohenpriesters, den sie haben, erläutert wird. Sie haben keinen gewöhnlichen Hohenpriester. Sowohl als Amtsträger als auch als Person durchlitt er dieselben Versuchungen wie die Leser, doch ohne Sünde. Das griechische Wort für Mitleid haben ist der Ursprung unseres deutschen Begriffs „Sympathie“. Es bedeutet, „mit jemandem gemeinsam zu leiden“. Da er all das erlitt, kann er auch mit anderen mitfühlen, die in der gleichen Weise leiden. Er hat „Mitgefühl“ mit denen, die in ihrem Menschsein das ertragen mussten, was auch er ertragen musste.

Der Herr Jesus kann aus zwei Gründen Mitleid haben. Erstens, er durchlitt unsere Schwachheiten. Das heißt, er ertrug all die Beschränkungen, die mit dem Menschsein verbunden sind. Wenn soziale, geistliche oder finanzielle Probleme auftreten, dann weiß er, wie einem da zumute ist. Wenn sich jemand in den Finger schneidet und blutet, dann weiß er, wie das ist, denn er erlernte den Beruf eines Zimmermanns.

Zweitens, er hat Mitleid, weil er auf allen Gebieten versucht worden ist wie die Menschen. So wie diese Gläubigen wurde auch er versucht. Kraft seines Menschseins wurde er versucht. Und weil er einst versucht wurde, kann er nun mitfühlen. Er wurde versucht wie alle anderen auch, mit dem einen Unterschied, dass er ohne Sünde war. Er hatte keinerlei Verbindung zur Sünde. Er hatte keine Beziehung zur Sünde, doch in allen Punkten wurde er versucht. Der Ausdruck in allem versucht worden ist manchmal missverstanden worden. Das bedeutet nicht, dass Jesus jede Art Versuchung erlitten hat, die auch Menschen erleiden. Das bedeutet auch nicht, dass Menschen jede Art Versuchung erleiden, die er erlitten hat. Andere werden eben nicht versucht, Steine in Brot zu verwandeln, denn Satan wird die Menschen nicht zu einer Tat reizen, zu deren Ausübung sie überhaupt keine Kraft haben. Für sie wäre das gar keine richtige Versuchung. Doch für Jesus war es eine echte Versuchung, denn er hatte die Macht, genau so etwas zu tun. Andererseits wurde Jesus nie versucht, seine gesamte Zeit damit zu verschwenden, Seifenopern oder Fußball im Fernsehen anzuschauen. Der Ausdruck in allem versucht bedeutet „auf allen Gebieten“. In 1 Johannes 2,16 wird gesagt, dass es drei Bereiche der Versuchung gibt: die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens. Jede spezielle Art der Versuchung wird in eine dieser Kategorien passen. Jesus hatte eine vierzigtägige Fastenzeit vollendet, als er versucht wurde, Steine in Brot zu verwandeln. Zu diesem Zeitpunkt hatte sein Fleisch Hunger und verlangte sehr stark nach Sättigung. Dies war eine Versuchung auf dem Gebiet der Fleischeslust. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt nach dem Willen des Vaters seinen Hunger stillen sollte, entsprach es aber nicht Gottes Willen, dass er seine messianische Macht einsetzt, um sich selbst zu belohnen. Als Nächstes wurde Jesus eine satanische Vision gegeben, in der er alle Reiche dieser Welt sehen konnte. Und er erfuhr, dass er die Macht über all diese Reiche haben könnte, wenn er Satan auch nur ein einziges Mal anbeten würde. Mit seinen eigenen Augen konnte er die Macht und die Herrlichkeit sehen, die er haben könnte. Er hätte das Kreuz umgehen können. Dies fiel unter die Versuchung Augenlust. Zwar ist es auch der Wille des Vaters, dass der Eine über alle Reiche der Welt herrscht. Jedoch sollte er dies nach dem Willen des Vaters durch das Mittel des Kreuzes erreichen. Schließlich wurde er auf die Zinne des Tempels gestellt und man sagte ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab! Denn es steht geschrieben: ‚Er wird seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.’ Dies war eine Versuchung auf dem Gebiet des Hochmuts des Lebens. Im Grunde befahl ihm Satan, doch zu beweisen, dass er tatsächlich derjenige ist, der er zu sein behauptet. Jesus erlitt Versuchungen auf allen drei Gebieten, so wie alle Gläubigen auch. In diesem Sinne wurde er in allem versucht. Deshalb versteht Jesus sehr wohl, was es heißt, versucht zu werden. Daher kann er ein mitfühlender Hohepriester sein.

Dies führt zur Anwendung in Vers 16. Das Wort nun zeigt, dass die Leser, weil sie einen Hohenpriester im dritten Himmel haben – jemanden, der sowohl Schwachheiten als auch Versuchungen durchlebte und deshalb ein mitfühlender Hoherpriester ist – diesen auch in Anspruch nehmen sollen. Der Gebrauch der griechischen Gegenwartsform bedeutet: „Lasst uns nicht aufhören, ihm zu nahen.“ Die Gläubigen sollten dies mit Freimut und Vertrauen tun. Sie haben die Freiheit, ihre Bedürfnisse diesem Einen vorzutragen. Hinzuzutreten und diesen Hohenpriester in Anspruch zu nehmen hat zum Zweck, Barmherzigkeit zu empfangen und Gnade zu finden zur rechtzeitigen Hilfe. Mit anderen Worten: Es geht um die Bewilligung von Gnade. Der Ausweg aus den großen Kämpfen und Verfolgungen, die diese Judenchristen gerade durchlebten, bestand nicht in der Rückkehr zum Judaismus. Die Lösung bestand darin, Jesus, ihren Hohenpriester, freimütig und vertrauensvoll in Anspruch zu nehmen und seine Gnade zu empfangen, um diese schwere Zeit zu überstehen. Immer wenn ein Gläubiger in seinem geistlichen Leben strauchelt, dann geschieht das nicht deshalb, weil die Gnade nicht ausreichte, sondern deshalb, weil er von der Gnade, die ihm zugänglich ist, keinen Gebrauch machte.

Arnold Fruchtenbaum – Der Hebräerbrief

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