alle gleich – oder „zwei Herden“?

Meine Brüder, habet den Glauben unseres Herrn Jesu Christi, des Herrn der Herrlichkeit, nicht mit Ansehen der Person.
Elberfelder 1871 – Jak 2,1

Meine Geschwister, ihr glaubt doch an Jesus Christus, unseren Herrn, dem alle Macht und Herrlichkeit gehört. Dann dürft ihr aber Rang und Ansehen eines Menschen nicht zum Kriterium dafür machen, wie ihr mit ihm umgeht!
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Jakobus 2,1

Meine Brüder und Schwestern, ihr glaubt an Jesus Christus, unseren Herrn, der Gottes Herrlichkeit teilt und dem allein alle Ehre zusteht. Dann dürft ihr aber auch nicht Unterschiede machen, je nachdem, ob ein Mensch in der sozialen Rangordnung hoch oder niedrig steht!
Gute Nachricht Bibel 2018 – Jakobus 2:1

Meine Schwestern und Brüder, es passt nicht zum Glauben an Jesus, den Messias, unseren Herrn, dessen Glanz alles andere überstrahlt, wenn ihr Einzelne bevorzugt und andere benachteiligt!
Das Buch – 2009 Jakobus 2:1

Früher habe ich mich immer gewundert, wie aus der Christenversammlung des 1.Jahrhunderts, wo doch wirklich alle gleich waren – nämlich alle vom heiligen Geist gesalbt -das Papsttum werden konnte. Wie vor einigen Tagen schon bemerkt: selbst der „große Apostel“ Paulus wurde „kontrolliert“ – wurde nur als einer von vielen gesehen. Und dann der Schnitt: die Ältesten der Ortskirche wählten Vertreter, die einen Vertreter wählten…. – ja wir kennen die Geschichte. Aber wir erleben diese auch live – denn aus einer biblischen Zeitschrift, an der sich jeder beteiligen konnte, indem er „seine Gedanken“ einschicken konnte, und die, wenn diese mit der Bibel übereinstimmten, auch abgedruckt werden konnten (dann stand am Artikel „eingesandt“) – wurde im laufe von wenigen Jahrzenten eine Zeitschrift, die nur von wenigen gemacht, und dementsprechen einseitig geworden ist. Hauptsächliches Thema damals „geh und rede mit anderen Menschen über Christus“ – und Thema heute „wir sind so froh, dass es diese eine kleine Klasse von Menschen gibt, die uns diese Zeitschrift herausgeben“ …. So schnell kann das gehen.

Scheinbar gab es schon im 1.Jahrhundert die Gefahr auf Menschen nach ihren Leistungen oder Aussehen zu beurteilen. Deshalb heute der Vers des Tages – und der klare Hinweis: WIR haben nur einen leitenden „Chef“ und der heißt Herr Jesus Christus!

Die „Joseph Schmith-Übersetzung“ hat diesen Vers sogar soweit geändert, dass es dort heißt:

Meine Brüder, ihr könnt nicht den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus haben, den Herrn der Herrlichkeit, und doch auf die Person sehen.

Joseph Smith Übersetzung – Jakobus 2:1

also werden Menschen, die auf Menschen schauen anstatt auf Jesus Christus sogar als ungläubige Menschen dargestellt!!!

Die erneute Anrede mit „liebe Brüder“ markiert deutlich den Beginn eines neuen Gedankengangs. Mit „Brüder“ meint er Brüder im Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit (doxEs). Der Kern seiner Anweisung ist vollkommen klar: Seid frei von allem Ansehen der Person. Gott zieht niemanden vor ( Röm 2,11; Eph 6,9; Kol 3,25); deshalb sollen auch die Christen vorurteilsfrei und ohne jemanden zu bevorzugen handeln.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Die innersten Regungen des Jakobus durchdringen immer wieder den Brief. Er bezeichnet dessen Empfänger als seine Brüder. Seine Liebe zu ihnen war echt und würde selbst dann echt sowie herzlich bleiben, wenn er sie energisch schalt und ihre Praktiken verurteilte. Die Bruder-Bruder-Beziehung konnte nicht unterbrochen werden. Sie war kostbar, dauerhaft und praxisnah. Das Vorrecht der Gotteskinder bestand unter anderem darin, den Glauben unseres HERRN zu haben, d.h. alles festzuhalten, was Er in grundsätzlicher und praktischer Hinsicht lehrte. Das Kennzeichnende dieses Vorrechts befindet sich im Namen „unser Herr Jesus Christus … die Herrlichkeit“. Dies ist das zweite Mal, daß Jakobus bei der Bezugnahme auf den HERRN Seinen vollen Titel verwendet. Neben anderen Fragen gibt uns Jakobus ein Beispiel für den Gebrauch des Namens des HERRN in der Direktanrede oder anderen Menschen gegenüber. „Herrlichkeit“ umfaßt hier kein erläuterndes Adjektiv, sondern vielmehr ein Substantiv. Somit legt Jakobus Seine ewige Existenz und Seine Gleichheit mit dem Gott der Herrlichkeit dar (Apg 7,2). Diese Wahrheit bezüglich Seiner Person sollte uns in unserem Zeugnis für Ihn achthaben lassen, sei es persönlich oder als Gemeinschaft. Daher dürfen wir die Person nicht ansehen. Unser HERR sah in Seinen Worten oder Werken nie die Person an. Er erkannte Glauben stets an, wo immer er von reich oder arm praktiziert wurde, ob nun von Juden oder Angehörigen der Nationen. Er gab das mosaische Gesetz und damit dessen Bestimmung, wonach es für die Reichen und für die Armen nicht zweierlei Gesetz geben dürfe. Wer die Person ansieht, begeht eine schwere Sünde. Der HERR, der eigentliche Gesetzgeber, kam vom Himmel herab und lebte es im menschlichen Alltag vor. Er besaß während Seiner Zeit als Mensch unter Gesetz keine Vorteile. Er sah nie die Person an. Seine Haltung gegenüber den Reichen entsprach derjenigen gegenüber den Armen – in der Öffentlichkeit oder im kleineren Kreis. Er suchte nicht die Gunst der Reichen, noch verachtete Er die Armen. Folglich wird in V.1 der Maßstab vorgestellt: Habt den Glauben des HERRN, aber nicht mit Ansehen der Person. Mit anderen Worten: Was wir mit unseren Lippen bekennen, sollte dem entsprechen, was wir im Leben persönlich und als Gemeinschaft praktizieren. Dies setzt den Maßstab für Versammlungsstunden in der Frage der Aufnahme von Fremden. In 2,1-4 ist der Maßstab für die Ältesten und die den Begrüßungsdienst Ausübenden in der Wendung „der Glaube unseres Herrn Jesus Christus“ enthalten. Im Glauben bzw. Leben des Herrn Jesus Christus erwiesen sich vortreffliche Eigenschaften. Er praktizierte Seinen Glauben, ohne jemand zu begünstigen. Seine gnadenreiche Hilfe und Macht standen allen Männern, Frauen und Kindern jederzeit zur Verfügung, ganz gleich, ob sie über materiellen Reichtum verfügten oder nicht. In Jericho nahm Er ungeachtet der Drohworte aus der Menge einen Armen an und segnete ihn, woraufhin Er bei der gleichen Gelegenheit das Haus des reichen Zachäus aufsuchte. Noch viele andere Beispiele waren Jakobus persönlich bekannt, so daß er aus erster Hand über die tiefe, allen Menschen gegenüber erwiesene Zuneigung schreiben konnte. Es mag gesellschaftliche, bildungsmäßige, finanzielle und religiöse Unterschiede zwischen Menschen geben, doch diese weltlichen Unterscheidungen beeinflußten den HERRN in Seinen Beziehungen nicht. Er lud Leute aller Art ein – von unzivilisierten, ungebändigten Heiden bis zu religiös geprägten, wohlunterrichteten Frommen. Alle waren in Seinen Augen kostbar! Welch ein würdiges, nachahmenswertes Beispiel für die den Begrüßungsdienst Ausübenden, Ältesten und Glieder der Gemeinde! Angesichts solch eines Maßstabs befaßt sich Jakobus mit der Aufnahme zweier Besucher durch die Heiligen.
 Wie wir Fremde in unseren Zusammenkünften aufnehmen, ist sehr bedeutsam. Der Willkommensgruß sollte allen gegenüber aufrichtig und höflich sein. In den von Jakobus beschriebenen Beispielen unterscheiden sich die Besucher voneinander, der eine ist offensichtlich reich, der andere arm. Über ihren geistlichen Zustand wird nichts gesagt – vielleicht sollte dieser gar nicht herausgefunden werden. Wie sehr wurde der ärmlich gekleidete Mann beschämt, dem weder ein Platz in der ersten Reihe zugewiesen noch ein anderer Platz angeboten wurde! Schließlich hockte er vielleicht auf dem Boden – ungesehen, unbeachtet, ein Wort der Begrüßung vermissend. Möglicherweise konnte er nur schwer etwas sehen und hören. Er muß sich unerwünscht vorgekommen sein. Es mag um einen fragenden, niemand bekannten Armen gehen, der zufällig eine Versammlungsstunde besucht. Jakobus befaßt sich nicht mit der Begrüßung der Versammlungsglieder, sondern einfach damit, wie man Fremde an der Tür begrüßt und ihnen einen bequemen Sitzplatz zuweist.
 Die jüdischen Synagoge hatte reservierte bzw. in der ersten Reihe befindliche, von den Pharisäern beanspruchte Sitze. Sie liebten es, als einflußreich angesehen zu sein, und waren meist sowieso reich. In alledem gibt es viele Lektionen für uns heute. Es sollten Plätze vorhanden sein, von wo aus Fremde mühelos sehen und hören können. Auch sollte sich niemand alleingelassen und schon gar nicht unerwünscht vorkommen.

Was die Bibel lehrt

Die Anrede »meine Brüder« eröffnet bei Jak häufig einen neuen Sinnabschnitt. Doch ist diese Anrede nicht nur in dieser formalen Hinsicht bedeutsam. Jak spricht im Folgenden einen heiklen Punkt in den Gemeinden an. Gerade da, wo er etwas Unangenehmes ansprechen und zur Sinnesänderung verhelfen möchte, wirbt er durch diese ausdrückliche Anrede um Aufmerksamkeit und betont zugleich die brüderliche Verbundenheit mit denen, die er jetzt ermahnen muss. Jak fordert die Empfänger seines Briefes dazu auf, ihren Glauben an Jesus Christus von dem freizuhalten, was sich mit diesem Glauben nicht vereinbaren lässt: das Ansehen der Person.
Der Glaube an Jesus Christus ist in diesem Zusammenhang näher gekennzeichnet als Glaube an den »Herrn der Herrlichkeit«. Jesus ist der Herr der Herrlichkeit (1Kor 2,8); er ist der von Gott gesandte Messias, der von Gott auferweckt wurde, der in Macht und Herrlichkeit wiederkommen (Mt 24,30; 25,31) und uns von dem zukünftigen Zorn erretten wird (1Thess 1,10).255
Der Ausdruck »Herr der Herrlichkeit« bildet einen Kontrast zu dem Ansehen der Person, die in äußerlicher Pracht in die Gemeinde kommt. Im Angesicht der Herrlichkeit Christi muss alle Menschenherrlichkeit zurücktreten. Wo sein Name geehrt wird, da kann es keinen Personenkult unter Menschen mehr geben. »Wer an Christus glaubt, sieht seine Herrlichkeit, und wer diese Herrlichkeit tatsächlich erfaßt, kann sich unmöglich von den armseligen Herrlichkeiten imponieren lassen, die aus Menschenrücksichten geschenkt oder verliehen werden. Die Herrlichkeit Christi macht uns blind für goldene Ringe und prächtige Gewänder (Vers 2).«256
Die Bezeichnung »Ansehen der Person« hat ihren Ursprung in der Gerichtssprache.257 Dem Richter ist es verboten, nach dem Ansehen, d.h. nach der allgemeinen äußeren Wertschätzung eines Menschen zu urteilen.258 Gott selbst läßt sein Urteil nicht vom äußeren Schein trüben: »Gott lässt kein Ansehen gelten und nimmt keine Bestechung an« (5Mo 10,17). »Denn der Gott des Rechtes ist er, und es gibt bei ihm keine Parteilichkeit. Er nimmt nicht Partei gegen den Armen …« (Sir 35,15f). Jak macht Gottes Verhalten zum Maßstab des mitmenschlichen Umgangs in der Gemeinde.

Wuppertaler Studienbibel

Jakobus setzt hier den Gedanken aus 1,25 fort: Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Wortes ist. Er erläutert einen Aspekt davon, worum es beim „Tun des Glaubens“ geht. Er beginnt mit dem Ausdruck meine Brüder, was bei Jakobus immer einen neuen Abschnitt markiert. Das Thema dieses Abschnitts: Haltet nicht den Glauben Jesu Christi, unseres Herrn der Herrlichkeit, mit Ansehen der Person! Mit anderen Worten – schadet nicht dem Glauben durch Ansehen der Person. Wörtlich lautet der griechische Text „seid nicht festhaltend“. Im griechischen Text steht die Phrase Ansehen der Person an betonter Stellung. Wörtlich heißt der Text „seid nicht mit Ansehen der Person festhaltend“. Die griechische Form ist übrigens die in der Septuaginta zu findende Übersetzung eines hebräischen Idioms: nasa panim, „das Gesicht erheben“. Das mosaische Gesetz verbot in 3 Mose 19,15 ausdrücklich, eine Person aufgrund ihrer Stellung zu bewundern.

Der nächste Satzteil ist der Glaube unseres Herrn Jesus Christus. Vor dem Wort Glaube steht der bestimmte Artikel; das Wort bezieht sich also auf den Glauben, den wohlbekannten Glauben, verkörpert im Evangelium. Der Inhalt des Evangeliums ist unser Herr Jesus Christus, weil er im Zentrum des Glaubens steht. Im Buch Jakobus finden wir den vollen Namen Herr Jesus Christus nur in 1,1 und hier. Dem Namen des Herrn folgt einer seiner Titel, der Herr der Herrlichkeit. Im Griechischen steht ein bestimmter Artikel: es ist die Herrlichkeit – jene wohlbekannte Schechina-Herrlichkeit; denn Jesus war der sichtbare Beweis der Gegenwart Gottes. Diese Aussage findet sich auch in Johannes 1,14, Titus 2,13 und Hebräer 1,3. Der Gebrauch von die Herrlichkeit im Griechischen zeigt, wie überzeugend die Erscheinung Jesu nach seiner Auferstehung für Jakobus gewesen sein muss (1Kor 15,7).

Arnold Fruchtenbaum – Der Jakobusbrief

Zum Abschluß ein Zitat – auf das es nur eine Antwort geben kann: wo es zwei Klassen von Christen gibt, wo den Führern immer wieder neue Gotteshäuser auf Kosten von Spenden gebaut werden … da kann man NICHT von „die wahre Religion“ sprechen.

An Hand dieser einfachen Wahrheit kann man schon einmal die Religionen ausschließen, die lehren, daß der Mensch eine unsterbliche Seele hat. Damit bleiben für unsere Suche nach der Religion, die von Gott anerkannt wird, nur sehr wenige Religionen übrig. Wir wollen daher einige weitere Fragen untersuchen, die uns helfen können, die Auswahl sogar noch mehr zu begrenzen; dazu brauchen wir nur die unten angeführten Bibeltexte zu lesen und darüber nachzudenken.

Würden wahre Anbeter menschliche religiöse Führer verherrlichen, glorifizieren oder auf ungebührende Weise verehren und ihnen sogar unbiblische Titel geben? (Psalm 96:5-7; Matthäus 23:6-12; 1 Korinther 3:5-9).
Sollte die wahre Religion auf Profit aussein, so daß ihre Führer ein Leben in Luxus führen können? (Matthäus 6:19-21; Jakobus 2:1-4; 5:1-3).

Erwachet! 1995

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