Monat: Oktober 2025

Denn … der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und daran glaubt, dass ich von Gott gekommen bin.

denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, daß ich von Gott ausgegangen bin.
Elberfelder 1871 – Johannes 16,27

Denn er selbst, der Vater, liebt euch, weil ihr mich auch voller Liebe aufgenommen und mir geglaubt habt, dass ich aus dem Vater hervorgegangen bin.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Johannes 16:27

denn Er selbst, der Vater, liebt euch mit Freundeszuneigung, weil ihr Mich ein für allemal mit Freundesanhänglichkeit geliebt habet und geglaubt, dass Ich von dem Vater ausging.
Pfleiderer – Joh 16,27

Denn Er Selbst, der Vater – Joh 14,21 23 -, liebt euch, weil ihr Mich geliebt habt und geglaubt habt, daß Ich von Gott – Joh 16,30; Joh 3,13; 17,8 – ausgegangen bin!
Abraham Meister – Joh 16:27

αὐτὸς ὁ πατήρ der Vater selbst. φιλέω lieben. πε-φιλήκατε Pf. πε-πιστεύκατε Pf. πιστεύω. ἐξ-ῆλθον Aor. -έρχομαι.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Der kommende neue Tag sollte die Jünger in eine neue, vertraute Beziehung zum Vater treten lassen und ihnen die Augen öffnen. Von nun an sollten sie im Namen Jesu, d. h. durch ihn persönlich, Zugang zum Vater haben (vgl. „in meinem Namen“ in 14, 13 – 14; Joh 15,16;16,24). Jesus mußte nicht länger als Mittler für sie bitten, sie konnten für sich selbst sprechen. Das widerspricht nicht der Verheißung, daß Christus den Gläubigen dabei hilft, ihre Sünde zu besiegen (vgl. Röm 8,34; 1Joh 2,1-2). Doch auch die Jünger stehen nun in einer persönlichen, von Liebe und Glauben getragenen Beziehung zum Vater, ein Privileg, das nur Kinder besitzen (Röm 5,2).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Der Sohn in seiner Liebe zum Vater fürchtet ein Mißverständnis, das aus dem steten Betonen des Gebetes „in seinem Namen“ erwachsen könnte. Ist Gott in sich selbst unwillig uns zu erhören? Ist er hart und kalt gegen uns und wird erst durch Jesus zur Erhörung unserer Bitten bewegt? Bedürfen wir der ständigen Fürbitte Jesu, um bei Gott etwas zu erreichen? Nein! Jesus versichert ausdrücklich: „Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten werde. Denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, daß ich von Gott ausgegangen bin.“ Wie wunderbar ist es zu wissen, daß Gott für uns der Vater ist und uns selber lieb hat. Wir dürfen im Beten wirklich mit dem heiligen Gott reden, „wie die lieben Kinder ihren lieben Vater bitten“. Aber diese Liebe des Vaters haben wir nicht von Natur. Von Natur sind wir „Kinder des Zorns“ (Eph 2, 3). Die Liebe Gottes wird uns nur zuteil, wenn wir und weil wir „geliebt und geglaubt haben“, daß er von Gott ausgegangen ist. Die Liebe Gottes ist für uns nur in der Annahme der Liebe des Sohnes und im Glauben an Jesus da. Es bleibt dabei: „Keiner kommt zum Vater außer durch mich“ (14, 6). Darum faßt jetzt gerade Jesus sein ganzes Werk noch einmal zusammen und stellt es vor die Jünger hin: „Ich bin ausgegangen von dem Vater und bin in die Welt gekommen; wieder verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

In V. 27 wird der Gedanke der direkten Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater noch vertieft: »Denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin.« Wie in einem Brennglas sammeln sich in diesem Vers wertvolle Gedanken, die wir bisher schon kennen gelernt haben. Fassen wir sie zusammen:
a) Wie in Joh 14,21 und Joh 14,23 »liebt der Vater« die Jünger.
b) Aber hier steht für »lieben/lieb haben« ein anderes Wort als in Joh 14,21ff.Hier begegnen wir einem »lieben«, das derselben Wurzel entstammt wie der Begriff »Freund«, der in Joh 15,13ff.so wichtig war. Daraus ergibt sich: Wie Jesus, so wird jetzt der Vater selbst zum »Freund« der Jünger!
c) Ein solches Verhältnis kann aber entsprechend Joh 14,6 nur durch Jesus vermittelt werden. Hier wird ja als Begründung der Liebe des Vaters angegeben: »weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin«. Alle persönlichen Fürwörter (»Ihr« – »mich« – »ich«) sind betont. Ohne persönliches Jesusverhältnis kann kein Mensch in ein solches Vaterverhältnis zu Gott kommen. Neben 14,6 ist dazu Joh 14,21.23 eine vorausgehende Parallele.
d) Stehen die Jünger so eng neben Jesus, als »Freunde« des Vaters, dann wird hier ein Gedanke angedeutet, der bei den Synoptikern und Paulus ausführlicher zu finden ist. Nämlich der Gedanke, dass die Jünger »Brüder« Jesu sind (vgl. Mt 12,49ff.parr; Röm 8,29; Kol 1,15ff.; Heb 2,11ff.). Eine wunderbare Gemeinschaft mit dem Vater tut sich auf.

Gerhard Maier – Edition C

Die Konjunktion γὰρ („denn“) leitet die Begründung ein, warum es nicht notwendig ist, dass der Herr für die Seinen beim Vater bittet (V.26), da der Vater selbst die Jünger liebt, weil sie den Herrn lieben. Mit dem Verb ϕιλεῖ („er liebt“) gebraucht Johannes ein Wort, dass etwas Liebenswertes im anderen findet, worauf sich die Liebe richten kann. In diesem Fall ist es die Liebe der Jünger zum Herrn Jesus. Im Hinblick auf die Gebetserhörung selbst muss der Herr Jesus den Vater dann nicht um Erhörung der Jünger bitten, da Gott deren Gebete aus genannten Gründen erhören wird. Die Vermittlungsrolle des Herrn Jesus im Himmel wird hier nicht angesprochen, sondern der freie Zugang der Jünger zum Vater, der durch den Glauben an den Herrn Jesus gegeben ist. Die Verben „lieben“ und „glauben“ sind im Perfekt, um die Dauerhaftigkeit und Beständigkeit dabei anzuzeigen. Mit ὅτι („dass“) wird der Inhalt des Glaubens der Jünger eingeleitet.

P. Streitenberger – Das Johannesevangelium

Der Vater nahm großen Anteil am Ergehen der Jünger, denn es sollte durch den Geist auf Grund des Werkes Christi eine neue Beziehung zum Vater geknüpft werden. Die Liebe des Vaters für die Gläubigen stellt das unter Beweis. Die Liebe von 3,16 war der Anfang, und diese Liebe dauert das ganze Leben hindurch fort. Zudem war die göttliche Liebe zu den Jüngern bereits in 14,23 genannt worden. Die Wirklichkeit dieser Liebe erfährt der Jünger, der Christus liebt und geglaubt hat, daß er „von Gott ausgegangen“ ist (17,8). Man beachte, daß der Herr von ihrem Glauben an ein großes, in der Vergangenheit liegendes Geschehen spricht – die Tatsache, daß er „von Gott ausgegangen“ war. Er erwähnte nicht ihren Glauben an ein zukünftiges Geschehen: an Seine Erhöhung in die Gegenwart des Vaters.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Preise meine Seele, Jehova, und mein ganzes Innere seinen heiligen Namen!

Von David. Preise, meine Seele, den Ewigen, und all mein Inneres seinen heiligen Namen!
Streitenberger – Der Tanach Deutsch – Psalm 103,1

Weitere Gedanken zu den Versen…

ברך II pi: segnen, (Gott) loben, preisen (Impt pi f sg) // נֶפֶשׁ Kehle, Hals, Atem, lebendiges Wesen, Mensch, Persönlichkeit, Leben // קֶרֶב (Leibes-)Inneres.–

Weber – Werkbuch Psalmen: Die Psalmen 73 bis 150

Einer der Gründe, weshalb wir die Psalmen so sehr lieben, ist der, dass sie so schön ausdrücken, was wir zwar oft empfinden, aber nicht in Worte fassen können. Nirgends wird das deutlicher als im 103. Psalm. In majestätischen Kadenzen des Dankes werden uns Empfindungen gezeigt, die unsere tiefsten Gefühle der Dankbarkeit widerspiegeln. Hier rufen wir unsere Seele auf, den HERRN zu loben – und mit unserer Seele ist nicht nur der immaterielle Teil unseres Seins, sondern unsere gesamte Person gemeint. Geist, Seele und Leib vereinen sich, um den heiligen Namen des HERRN zu preisen.

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Wir werden zweimal hintereinander aufgefordert, den HERRN zu preisen. Es ist »meine Seele«, es ist »mein Inneres«, das ihn preist, nicht Formen, nicht Rituale, nicht Bewegungen des Körpers. Der Erlöste betet an »in Geist und Wahrheit«, wobei wohl beides gemeint ist: im Geist Gottes und in seinem Geist. »All mein Inneres«, oder »mit meinem ganze Herzen« (Ps 86,12), d. h. die ganze Willenskraft, all mein Sinnen, mein ganzer Verstand, alle meine Empfindungen, alles erhebe ich zum Herrn. Wahres Lob muss von innen kommen, wenn das Lob der Lippen Gott erfreuen soll. Wer ihm mit den Lippen dient, aber sein Herz von ihm fernhält, ist ihm äußerst verhasst (Jes 29,13); das hat unser Herr selbst gesagt (Mt 15,7.8).
Zuerst preisen wir »seinen heiligen Namen«, d. h. seine heilige Person. Wir preisen ihn, weil er Gott ist.
Sodann preisen wir ihn wegen seiner »Wohltaten«, d. h. seiner Werke wegen. Seiner Wohltaten sind viele, zu viele, als dass wir sie zählen könnten (Ps 40,6; 139,17.18), aber immer so viele, dass wir »Tag für Tag« (Ps 68,20) neue Gründe finden, ihn zu rühmen, ja, wir können ihn wie ein Sänger des Alten Testaments siebenmal des Tages loben (Ps 119,164).
»vergiss nicht alle seine Wohltaten«: Wir können uns nicht an alle seine Wohltaten erinnern, aber wir können zusehen, dass wir nicht alle vergessen (5Mo 4,9.23; 6,12; 8,11; 32,18; Ps 44,18; 78,7; 106,13.21; Jes 17,10; Jer 2,32; Hes 22,12; 2Petr 1,19). Weil wir von Natur gern und schnell vergessen, wie viel Gutes Gott an uns getan hat, hat uns Gott mit der Bibel ein großartiges Gedächtnis seiner Werke gegeben, darin wir lesen und uns so immer neu die großen Werke Gottes in Erinnerung rufen können (siehe 5Mo 8,2; Eph 2,11.12; 2Petr 1,15.16; 1Kor 11,24.25). In Psalm 106 hören wir, dass es nie ohne Folgen bleibt, wenn wir Gottes Wohltaten vergessen: Als Nächstes vergessen wir dann Gott selbst, und damit verlieren wir seine Nähe, und verlieren wir seine Nähe, nimmt die Sünde überhand (siehe V. 7.13.21).

Benedikt Peters – Die Psalmen

Den Herrn zu „segnen“ bedeutet, sein Herz zu erfreuen, indem man seine Liebe und Dankbarkeit für alles, was er ist und tut, zum Ausdruck bringt. Eltern freuen sich, wenn ihre Kinder ihnen einfach danken und sie lieben, ohne um etwas zu bitten. Wahrer Lobpreis kommt aus einem dankbaren Herzen, das den Herrn aufrichtig verherrlichen und erfreuen will. „Alles, was in mir ist“ bedeutet, dass unser ganzes inneres Wesen auf den Herrn ausgerichtet ist – Herz, Seele, Geist und Kraft (Markus 12,28-31). Es bedeutet auch, dass wir bereit sind, seinem Willen zu gehorchen, nachdem unser Lobpreis beendet ist. Das Wort „alles“ kommt im Psalm mindestens neunmal vor (1-3, 6, 19, 21-22), denn der Psalm ist ein Aufruf zur totalen Hingabe an Gott. Wir danken dem Herrn, bevor wir unser Essen erhalten, und das ist richtig, aber das jüdische Volk sollte auch nach dem Essen danken und daran denken, dass der Herr ihnen ihre Nahrung gegeben hatte (Dtn 8,7-20). Meine eingewanderten schwedischen Verwandten hielten sich an diese Praxis. Mindestens vierzehnmal im Buch Deuteronomium ermahnt Mose das Volk, sich an den Herrn und an das, was er für sie getan hat, zu erinnern, und neunmal ermahnt er sie, es nicht zu vergessen. (Siehe Dtn 32,18.) Als die dritte Generation der Juden auf den Plan trat und den Herrn vergaß, begann der Verfall der Nation (Judg 2,7-3,7).

David zählte sechs besondere Segnungen aus der Hand des Herrn auf (V. 3-5): Vergebung, Heilung, Erlösung, Liebe, Zufriedenheit und Erneuerung. Das Wort, das mit „vergibt“ übersetzt wird, wird in der Schrift nur für die Vergebung der Sünder durch Gott verwendet (siehe V. 10-12). Das Wort für „Ungerechtigkeit“ stellt die Sünde als etwas Verdrehtes und Verzerrtes dar. Diejenigen, die Christus vertraut haben, haben Gottes Vergebung erfahren (Eph. 1,7; Kol. 1,14 und 2,13). Wenn Sie lesen 32 und 51liest, erfährt man, dass David etwas über Gottes gnädige Vergebung wusste (siehe auch V. 10-12). Gott ist in der Lage, jede Krankheit zu heilen (Mt 9,35), aber er ist nicht verpflichtet, dies zu tun. Paulus war nicht in der Lage, zwei seiner Freunde zu heilen (Phil. 2,25-30; 2 Tim. 4,20), und Davids eigener kleiner Sohn starb trotz seines Fastens und Betens (2 Sam. 12,15-23). Der Körper des Gläubigen wird erst dann vollständig von Schwachheit und Krankheit befreit sein, wenn er bei der Wiederkunft Jesu Christi erlöst und verherrlicht wird (Röm. 8,18-23). In der Heiligen Schrift wird Krankheit manchmal als Bild für Sünde und Heilung als Bild für Erlösung verwendet (41,4; 147,3; Jes 53,10; Lukas 5,18-32; 1 Petrus 2,23-24).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Was für sie aber das Genialste und Wertvollste von allem sein wird, ist, dass in der Zeit jeder heftigen Respekt vor Gott hat.

Und es wird Festigkeit deiner Zeiten, (d. h. Zeitverhältnisse, Geschicke; wie Ps 31,15) Fülle von Heil, von Weisheit und Erkenntnis geben; die Furcht Jehovas wird sein (d. i. Israels) Schatz sein.
Elberfelder 1871 – Jesaja 33,6

Dann werdet ihr in Sicherheit leben, ihr Leute von Jerusalem. Die ganze Fülle von Rettung, Weisheit, Erkenntnis werdet ihr haben, und die Ehrfurcht vor dem HERRN wird euer größter Reichtum sein.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Jesaja 33:6

Deiner Zeiten Sicherheit und des Heiles Fülle werden dann Weisheit und Erkenntnis sein; die Furcht des Ewigen ist sein Schatz.
Die Philippson-Bibel – Jes 33,6

Er wird das Vertrauen deiner Notstunden sein,
Hort der Freiheiten,
der Weisheit, Erkenntnis,
IHN zu fürchten ist sein Schatzgeschmeid.
Buber & Rosenzweig – Jes 33:6

Eine wichtige Frage erhebt sich hier. Was ist während dieser Drangsalszeit die Pflicht der Heiligen? Und was ist ihre richtige Stellung zu den beiden einander gegenüberstehenden Parteien? Dass einige der Heiligen wenigstens während eines Teiles dieser brennenden Zeit im Fleische sein werden, scheint aus vielen Schriftstellen, auf die wir später zurückkommen, hervorzugehen. Ihre Stellung in demselben wird sich jedoch von der anderer nicht so sehr dadurch unterscheiden, dass sie auf wunderbare Weise erhalten werden (obgleich bestimmt verheißen ist, dass Brot und Wasser ihnen gewiss sei), sondern dadurch, dass sie, aus dem Wort Gottes unterrichtet, nicht die gleiche Angst und hoffnungslose Furcht, welche die ganze Welt überfluten wird, fühlen werden. Sie können die Drangsal als eine dem Plan Gottes gemäße nötige Vorbereitung zur Segnung der ganzen Welt erkennen und werden darum fröhlich und getrost sein. Das wird nachdrücklich in Psalm 91 und Jesaja 33:2-14,15-24 ausgesprochen.

So durch die göttliche Zusage getröstet und gesegnet. ist es die erste Pflicht der Heiligen, die Welt sehen zu lassen, dass sie inmitten aller der vorhandenen Drangsal und Unzufriedenheit, und selbst während sie die Drangsal mit durchmachen und darunter leiden, doch hoffnungsvoll, getrost und im Blick auf das herrliche, von Gott in seinem Wort vorher verkündigte Endziel allezeit fröhlich sind.

Charles Taze Russell im Jahr 1886 – Der göttliche Plan der Zeitalter

Jesaja 33,2 ist das Gebet des gottesfürchtigen Überrestes, als Jerusalem von der assyrischen Armee umzingelt war. Jesaja hatte versprochen, dass Gott ihnen gnädig sein würde, wenn sie ihm nur vertrauen würden (30,18-19), und so setzten einige fromme Menschen sein Versprechen in Gebet um. Gott verschonte Jerusalem um Davids willen (37,35) und weil ein gläubiger Überrest Gott vertraute und betete. Unterschätzen Sie niemals die Macht einer betenden Minderheit.
Assyrien war stolz auf seine Macht und die Beute, die es in der Schlacht gemacht hatte. Die assyrische Armee fegte wie eine Heuschreckenplage durch das Land, aber das sollte sich ändern. Der Tag würde kommen, an dem Juda das tote assyrische Heer ausziehen und Sennacherib im Tempel des Gottes ermorden würde, von dem er behauptete, er sei stärker als Jehova (V. 36-38). Der Herr wurde durch den Sieg über Assyrien verherrlicht (33:5), denn keine menschliche Weisheit oder Macht hätte tun können, was er tat. Wir müssen daran denken, dass Nationen und Einzelpersonen in unsicheren Zeiten nur dann Stabilität haben können, wenn sie Gott vertrauen und seine Weisheit und Herrlichkeit suchen. König Hiskia handelte töricht, als er die Tempelschätze nahm und versuchte, Sennacherib zu bestechen (2. Könige 18,13-16), aber Gott vergab ihm und erinnerte ihn daran, dass „die Furcht des Herrn dein Schatz ist“ (Jes 33,6). Der Unglaube sucht Hilfe bei den Menschen, aber der Glaube schaut auf Gott.
Zur Zeit der assyrischen Invasion war die Lage in Juda düster (V. 7-9). Die tapfersten Soldaten Judas weinten, als sie sahen, wie eine Stadt nach der anderen an den Feind fiel. Die offiziellen jüdischen Gesandten weinten, weil ihre Verhandlungen zu keinem Ergebnis führten. Die Straßen waren gefährlich, die Felder und Obstgärten waren verwüstet, und es gab keinen Ausweg mehr.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Was für ein Geschick wird indes die Ungläubigen in Juda ereilen? Jesaja zeichnet ein grauenvolles Bild ihres drohenden Untergangs durch die Assyrer. (Lies Jesaja 33:7.) Judas militärische „Helden“ schreien aus Angst vor den vorrückenden Feinden. „Friedensboten“, Diplomaten, die ausgesandt werden, um mit den kriegerischen Assyrern Frieden auszuhandeln, erfahren Spott und eine demütigende Behandlung. Sie werden bitterlich weinen, weil ihre Mission fehlschlägt. (Vergleiche Jeremia 8:15.) Der brutale Assyrer wird kein Mitleid mit ihnen haben. (Lies Jesaja 33:8, 9.) Rücksichtslos wird er sich über das mit den Bewohnern von Juda getroffene Abkommen hinwegsetzen (2. Könige 18:14-16). Der Assyrer wird Judas ‘Städte verachten’, ja keine Achtung vor dem menschlichen Leben haben. Die Lage wird so niederschmetternd sein, dass sozusagen das Land selbst trauern wird. Auch der Libanon, Scharon, Baschan und Karmel werden wegen der Verwüstung trauern.

Die Prophezeiung Jesajas — Licht für alle Menschen – jw org

Vers 1- 6 Die zerstörerische Gewalt und die Treulosigkeit der Assyrer fallen auf sie zurück (V. 1–2). Dann wird Gottes Volk den HERRN um Errettung bitten in seiner Zeit der Bedrängnis. Sobald Gott anfängt zu wirken, werden die Völker vor seinem gewaltigen Tosen fliehen. Dann sind die Juden an der Reihe, die Beute des fliehenden Feindes wegzunehmen und an sich zu reißen. Christus ist auf dem Thron und erfüllt Zion mit Recht und Gerechtigkeit. Dadurch gibt es sichere Zeiten, und das Volk wird mit geistlichen Schätzen beschenkt werden.

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Doch da der Prophet in diesem Kap. nur Andeutungen gibt, wandert der Blick des Propheten weiter. Denn die Majestät Gottes selbst steht hinter all dem, was in V. 3f zur Sprache kam. Darum fällt der Blick jetzt ausschließlich auf ihn. Denn in jedem Gericht offenbart Gott seine unvergleichbare Herrlichkeit. Erhaben ist Jahwe, weil er am Ende seines Handelns in voller Größe vor dem Forum der Geschichte erscheint. Jetzt wird wieder erwiesen, daß er in der Höhe wohnt geschieden von aller menschlichen Unreinheit und Verderbnis. Aber diese seine neu eingenommene »Höhe« ist nicht Zeichen für seine Feme, sondern gerade umgekehrt die Voraussetzung für seine gnadenvolle Zuwendung, am deutlichsten bisher in 32, 15 zum Ausdruck gekommen. In Fortsetzung dieser Sätze, in Erfüllung der schon in 1, 26 ausgesprochenen Verheißung, ist das Ergebnis des »Aufsteigens« Gottes aus dem Gerichtshandeln in unerreichbare Höhen dies, daß er nunmehr sein Volk füllen kann mit Recht und Gerechtigkeit. Wenn Gott »füllt«, so setzt dies voraus, daß er »ganz oben« ist. Recht und Gerechtigkeit für die Erneuerung des Gemeinschaftslebens sind das Geschenk des erhabenen Gottes, der sich im Gericht verherrlicht hat, und nicht Ergebnis menschlicher Anstrengung. Wo Recht und Gerechtigkeit zu Hause sind, da ist Friede, sagte Jesaja in 32, 17. Dieses wiederholt er hier: Gottgewirkter Friede bringt die wahre Sicherheit; menschliche Rüstungspolitik kann letztlich Sicherheit nicht gewähren, und Gottes Friede ermöglicht eine Fülle an Heil, d.h., eine Erneuerung auf allen Gebieten, im Äußeren wie im Inneren. Wenn das alles geschieht, werden Gottes Weisungen nicht länger als fremd und störend abgewiesen. Gottes Heil geht bis in die Tiefen der menschlichen Existenz, in das Personzentrum jedes einzelnen, und wirkt dort Weisheit und Einsicht, damit die Herausforderungen des Lebens in der rechten Weise eingeschätzt und in Angriff genommen werden können. Und dies alles nicht auf Kosten einer Emanzipation von Gott, sondern genau umgekehrt als Frucht der Furcht Jahwes. Wieder spricht Jesaja hier wie ein Weisheitslehrer. Wenn es dann dahin gekommen ist, ist Israel wahrhaft reich, es hat einen Schatz erworben, aus dem heraus es in neuer Weise sein Leben bewältigen kann – die Eigenmächtigkeit in der Politik ist damit überwunden!

Wuppertaler Studienbibel

Wie die assyrische Armee vernichtet und ihr Lager zu einer reichen, aber leichten Beute für Juda und Jerusalem wird. Das Gebet ist kaum gesprochen (Vers 2), da wird es auch schon beantwortet (Vers 3), ja, es wird sogar mehr als beantwortet. Sie beten, dass Gott sie vor ihren Feinden retten möge, doch er tut mehr als das: Er gibt ihnen den Sieg über ihre Feinde. Die Stärke des assyrischen Lagers wird zerbrochen, als der Würgeengel so viele von ihnen tötet (Vers 3): Die übrigen Völker „werden fliehen vor dem donnernden Tosen“. Zur Vergeltung wird die Beute aus dem assyrischen Lager genommen als Entschädigung für die Zerstörung aller befestigten Städte Judas (Vers 4): „Da“ werden die Einwohner Jerusalems „eure Beute wegraffen, wie die Heuschrecken wegraffen“ (eine Ernte junger Heuschrecken), „wie die Käfer rennen“, das heißt, die Verwüster werden genauso leicht und schnell Besitzer der Reichtümer der Assyrer werden, wie ein Schwarm Heuschrecken ein Feld oder einen Baum zerstört.

Der Neue Matthew Henry Kommentar

Als Antwort auf das Gebet des Überrestes wird in Vers 3 die Zerstreuung der angreifenden Heere versprochen: „Beim Lärm des Getümmels fliehen die Völker; wenn du dich erhebst, werden die Nationen zerstreut. Die Pluralnomen „Völker“ und „Nationen“ zeigen, dass Jesaja über Assyrien hinaus auf ein weltweites Gericht hinweist, das bei der Wiederkunft stattfinden wird. Das Personalpronomen „du“ bezieht sich auf den Überrest.

Laut Vers 4 werden die einfallenden Heere selbst zur Beute: Und eure Beute wird eingesammelt werden, wie die Raupe sammelt; wie Heuschrecken springen die Menschen darauf. Die Beute der einfallenden Heere wird weggefegt, und die Heere werden eingesammelt, wie die Raupe ihre Nahrung sammelt. Sie werden für das Feuer der Zerstörung versammelt werden. Die Art des Angriffs wird mit dem Springen der Heuschrecken verglichen.

In Vers 5 führt dieser Sieg über die einfallenden Heere zur Erhöhung JHWHs: Jehova ist erhöht, denn er wohnt in der Höhe; er hat Zion mit Recht und Gerechtigkeit erfüllt. Gottes Erhöhung wird zur Errichtung des messianischen Königreichs führen, das von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit geprägt sein wird. Diese beiden Eigenschaften wurden in Jesaja 32,1 sowohl für den König als auch für das Reich erwähnt. Dort wurden sie versprochen, hier werden sie bald Wirklichkeit. Die Errichtung des Königreichs wird Jerusalem die beiden Merkmale Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit verleihen.

Vers 6 zeigt, dass diese beiden Eigenschaften zu fünf Dingen führen werden: Und es wird Beständigkeit in euren Zeiten sein, Fülle des Heils, Weisheit und Erkenntnis; die Furcht Jehovas ist euer Schatz. Das Personalpronomen „dein“, das in diesem Vers zweimal vorkommt, bezieht sich auf Israel, und ganz Israel ist jetzt der gläubige Überrest. Die fünf Ergebnisse von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit werden Stabilität, Fülle des Heils, Fülle der Weisheit, Fülle der Erkenntnis und Furcht des Herrn sein. Nichts von alledem war im Jerusalem der Zeit Jesajas der Fall.

Die Verse 1-6 fassen im Wesentlichen zusammen, was im Rest von Jesaja 33 beschrieben wird.

Arnold Fruchtenbaum – Bibelkomentar Jesaja

„Man ist glücklich verheiratet, wenn man lieber heimkommt als fortgeht.“

Also sind auch die Männer schuldig, ihre (Eig ihre eigenen) Weiber zu lieben wie (O. als) ihre eigenen Leiber. Wer sein (Eig sein eigenes) Weib liebt, liebt sich selbst.
Elberfelder 1871 – Epheser 5,28

Genauso sind nun auch die Männer verpflichtet, ihre Frauen zu lieben und ihnen Gutes zu tun, so wie sie ihrem eigenen Körper Gutes tun. Ein Mann, der seine Frau liebt und ihr Gutes tut, tut sich damit selbst etwas Gutes.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Epheser 5:28

Ebenso sind die Ehemänner verpflichtet, in Hingabe für die eigenen Frauen da zu sein wie für die eigenen Körper. Der, der sich immer wieder der eigenen Frau hingibt, liebt sich selbst.
Gottes Agenda – Eph 5,28

Genauso müssen die Männer ihre Ehefrauen so sehr lieben, wie sie sich selbst lieben. Denn das ist ja auch klar: Wer seiner Ehefrau mit Liebe begegnet, der beweist damit auch sich selbst Liebe.
Das Buch – 2009 – Eph 5:28

ὀφείλω schulden; verpflichtet sein, müssen. ἀγαπᾶν Inf. ἀγαπῶν Ptz., subst.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Der umfassende Einsatz Christi für seine Kirche bildet die Basis und das Vorbild für die Liebe der Männer zu ihren Ehefrauen: »So sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen wie ihren eigenen Leib zu lieben.« Hat die »Haupt-Funktion« des Mannes ihren eigentlichen Hintergrund in der Liebe Christi, so wird damit endgültig jeder Mißbrauch dieser Ordnung abgewehrt und als Sünde entlarvt. Gleichzeitig wird deutlich, daß die Erfüllung dieses Liebesgebots allein durch den beständigen Empfang der Liebe Christi, durch das gemeinsame Leben aus der Vergebung möglich ist.
Es ist eingewandt worden, daß die angeführten Begründungen für die Liebe zur Ehefrau – »den eigenen Leib«/»sich selbst lieben«, ebs. V. 29 – gegenüber der christologischen Begründung in V. 25–27 stark abfallen würden. Dabei ist jedoch zu beachten, daß diese Formulierungen bereits im Licht des Schriftzitats aus 1Mo 2,24 in V. 31 zu sehen sind. Somit handelt es sich bei dem »eigenen Leib« nicht allein um den Mann, sondern um »die Frau als ›Leib‹ des Mannes, gleichsam sein zweites Ich«; nach 1Mo 2,24 sind beide ein Fleisch.
Immer wieder werden von den Kommentatoren zur Illustration dieser Aussage die »Eheratschläge« des um das Jahr 100 n.Chr. wirkenden Schriftstellers Plutarch zitiert: »Der Mann aber soll die Frau beherrschen nicht wie ein Herr den Besitz, sondern wie die Seele den Leib, mitempfindend und durch gute Gesinnung das Zusammenwachsen fördernd.«304 Demgegenüber ist das in der Heiligen Schrift vorgegebene Verhältnis des Mannes zu seiner Ehefrau nicht durch Herrschaft, sondern durch die Liebe gekennzeichnet. Die Liebe zu seiner Frau ist schließlich nichts anderes als Liebe zu sich selbst, da ja Mann und Frau in der Ehe ein Fleisch sind.

Wuppertaler Studienbibel

Frage: „Wie kann eine Frau ihrem Mann durch die schwierige Zeit einer Midlife-Krise hindurchhelfen?“

• Bete täglich und studiere das Wort Gottes. Eine Frau, die betet und die Verheißungen des Wortes Gottes für ihre Familie und besonders für ihren Mann in Anspruch nimmt, hat Kraft.
• Bemühe dich zu verstehen, was er gefühlsmäßig durchmacht. Finde heraus, was seine Bedürfnisse sind und bemühe dich, für diese Bedürfnisse zu sorgen.
• Sei darauf vorbereitet, dass er dir gegenüber seinen Zorn zum Ausdruck bringt. Übergib dem Herrn deine eigene Unsicherheit, aber ermutige ihn, dir gegenüber seine Frustration auszudrücken.
• Erwarte nicht, dass er dich mit Anerkennung überhäuft. Obwohl jeder Mensch einzigartig ist und Respekt verdient, gib den Wunsch auf, wie eine Prinzessin behandelt werden zu wollen.
• Ermutige ihn, über seine Gefühle zu sprechen. Frage ihn, wie der Tag für ihn verlaufen ist, ohne einen detaillierten Bericht über alle Ereignisse zu erwarten, sondern mit der Absicht, ihm die Möglichkeit zu geben, über Dinge zu sprechen, die für ihn wichtig sind.
• Achte darauf, körperlich, moralisch und mit deinen Worten so attraktiv wie möglich zu sein. Denke daran, dass Männer eher visuell viel orientiert sind und dass dein Äußeres einer der Gründe dafür war, dass er sich zu dir hingezogen fühlte. Wenn du dich bemühst, das Beste aus deinem Äußeren zu machen, wirst du im Alter von achtzig Jahren genauso attraktiv für ihn sein, wie damals, als du zwanzig warst. Denke auch daran, dass deine Worte – ob sie nun lobend oder kritisch sind – einen großen Einfluss auf ihn haben, und dass für einen älter werdenden Mann die attraktivste Frau eine Frau ist, die einen gottesfürchtigen Charakter hat.
• Konzentriere dich darauf, sein Selbstvertrauen zu stärken. Die durchschnittliche Frau hat keine Ahnung, welchen Einfluss sie auf ihren Ehemann hat. Der Schlüssel zu diesem Einfluss ist nicht Kritik oder Zurechtweisung, sondern Lob.

June Hunt – Schlüssel zur biblischen Seelsorge

In den V. 28-33 erweitert Paulus diesen Gedanken noch um einen Aspekt. Der Mann soll seine Frau so lieben, wie er sich selbst liebt (V. 28-29 b u. 33). Auch diese Liebe ist christusähnliche Liebe; denn Christus hat ja ebenfalls seinen Leib, die Gemeinde, geliebt (V. 29-32). Von Anfang an wird in diesem zweiten Teil das Urbild-Abbild-Verhältnis zwischen der Liebe Christi und der Liebe des Ehemannes durchgehalten: »Ebenso«, nämlich wie Christus die Gemeinde liebte (V. 25-27), »sind auch die Männer verpflichtet (!), ihre Frauen zu lieben« (V. 28 a). Seine Frau zu lieben ist für den christlichen Ehemann nicht nur eine schöne Möglichkeit – falls sie sich entsprechend liebenswert verhält. Nein, es ist von Gott her seine Pflicht! Als Haupt seiner Familie geht er mit gutem Beispiel voran, indem er der Aufforderung Gottes nachkommt und seine Frau mit der Liebe (Agape) beschenkt, die nicht wartet, bis der andere sich liebenswert verhält, sondern die – vgl. das Beispiel Christi in V. 25ff. ! -opferbereit und auf Hoffnung hin liebt und aus dieser Liebe heraus den andern verändert. Wie aber soll so eine Liebe praktisch aussehen?

Paulus sagt sinngemäß: Bring Deiner Frau doch ganz einfach die gleiche Liebe entgegen, die Du – trotz aller Deiner Fehler – Dir Tag für Tag selbst erweist, indem Du für Dich sorgst und Dir etwas Gutes gönnst! Wörtlich heißt es: Die Männer sollen ihre Frauen »lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Denn keiner hat je das eigene Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es« (V. 28-29 b). Das »Wie« in V. 28 b (»wie ihre eigenen Leiber«) ist ein Vergleichswort – und zugleich mehr als das. Das griech. Wort an dieser Stelle kann mit »wie« oder »als« übersetzt werden (»… wie ihre eigenen Leiber« = Vergleich; oder: »… als ihre eigenen Leiber« = Identifikation). Von V. 28 c (»wer seine Frau liebt, liebt sich selbst«) her wird deutlich, dass in dem Vergleich zumindest ein Stück Identifizierung mitschwingt. Wer seine Frau liebt, liebt einen Teil seiner selbst, denn Mann und Frau sind eine untrennbare Einheit. Paulus denkt insofern vom Schöpfungsbericht her, den er in V. 31 dann zitiert: »… und die beiden werden ein Fleisch sein.« Andererseits macht V. 29 deutlich, dass es Paulus mit dem »Lieben wie den eigenen Leib« betont auch um einen Vergleich geht: »Denn keiner hat je das eigene Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es«. Dieser Vers geht von der ganz normalen menschlichen Erfahrung aus, dass jeder Mensch sein »Fleisch«, d. h. sein schwaches irdisches Leben, liebt – trotz allem, was er an sich auszusetzen haben mag.

Entsprechend kümmert sich der Mensch um sich. Von klein auf nimmt er Nahrung zu sich, um zu wachsen. Und wo er etwas braucht, kümmert er sich um diese (leiblichen oder seelischen) Bedürfnisse seiner irdischen Existenz. Genau so sollen es die Männer ihren Frauen gegenüber machen! Liebe ist von daher, sich um seine Frau zu kümmern und ihr das zu geben, was sie innerlich oder äußerlich braucht. So praktisch ist das. – In seiner vorbildlichen Liebe macht es Christus ja auch mit seiner Gemeinde so. An die Feststellung, dass jeder das »eigene Fleisch … nährt und pflegt«, schließt sich nämlich unmittelbar der Nachsatz an: »wie auch Christus die Gemeinde, denn wir sind Glieder seines Leibes« (V. 29-30). Auch er kümmert sich um seinen Leib und versorgt ihn liebevoll. Dass die Gemeinde der Leib Christi ist, klang im Eph schon wiederholt an (Eph 1,22ff.; Eph 2,15ff.; Eph 3,6; 4,4.16.25; vgl. Röm 12,5; 1Kor 12,27; Kol 1,18).

Gerhard Maier – Edition C

Lieben kann man wollen

Dieses Prinzip ist ganz zentral für die Ehe! In Epheser 5,28 schreibt Paulus: „Darum sollen auch die Männer ihre Frauen lieben …“ Er hat die Männer bereits in V. 25 dazu aufgefordert, aber jetzt benutzt er, damit auch alle Zweifel ausgeräumt sind, im Griechischen ein Verb, das das Element der Verpflichtung besonders betont. Jawohl, was Paulus hier sagt, ist ein Befehl; die Männer sollen ihre Frauen lieben. Aber befehlen kann man nicht Gefühle, sondern nur Verhalten; Paulus zielt hier also auf das Verhalten ab. Es ist ihm egal, wie den Ehemännern gerade zumute ist – sie haben ihre Frauen zu lieben.
Bedeutet dies, dass es egal ist, wen ich heirate, dass ich in diese Person nicht verliebt zu sein brauche oder dass Gefühle in einer Ehe unwichtig sind? Nein – ich würde Ihnen definitiv nicht empfehlen, bewusst jemanden zu heiraten, zu dem Sie sich nicht hingezogen fühlen.17 Aber ich kann Ihnen garantieren: Wen immer Sie auch heiraten, die Ernüchterungen werden kommen. Das emotionale Feuerwerk der Verliebtheit lässt sich nicht durchhalten. Nicht selten kühlen sich die Gefühle für den Partner bereits vor der Hochzeit ab, weil unsere Gefühle von so vielen Faktoren in unserem Körper, unserer Seele und unserer Umgebung abhängig sind. Sie kommen und gehen, und wenn wir hier der in der westlichen Kultur gängigen Definition von „Liebe“ folgen, kommen wir vielleicht zu dem Schluss, dass dieser Mensch doch nicht der Richtige sein kann. Unsere Kultur verherrlicht die romantische Leidenschaft, und so sagen wir: „Wenn dies der richtige Ehepartner für mich wäre, würden meine Gefühle nicht so Achterbahn fahren.“ In Pardon, ich bin Christ findet sich ein Kapitel über die Ehe, wo C. S. Lewis schreibt:
Aus Büchern stammt unter anderem die Vorstellung, man bleibe ewig verliebt, wenn man nur den „Richtigen“ heirate. Wenn nun die Leute merken, dass sie nicht mehr verliebt sind, dann meinen sie, dies beweise, sie hätten sich in der Wahl ihres Partners geirrt und seien berechtigt, ihn zu wechseln. Dabei übersehen sie völlig, dass es ihrer neuen Liebe nicht anders ergehen wird als ihrer alten. Auch sie wird eines Tages ihren Glanz eingebüßt haben.

In jeder Beziehung kommt es zu emotionalen „Dürreperioden“, die einen erschrecken können. Wenn dies geschieht, sollten wir uns daran erinnern, dass die Ehe in ihrem Kern ein Bund ist, ein Sich-Festlegen, ein Versprechen künftiger Liebe, und weiter die Taten der Liebe tun, auch wenn die Gefühle nicht da sind. Mir ist vielleicht gerade gar nicht nach Zärtlichkeit zumute, aber in meinem Verhalten muss ich zärtlich, verständnisvoll, vergebend und hilfsbereit sein. Und wenn ich das tue, werde ich nicht nur die Dürreperioden besser überstehen, sondern sie werden auch weniger häufig und weniger schlimm werden und meine Gefühle werden konstanter werden. Und all dies, weil ich mir vorgenommen habe: „Ich will diesen Menschen lieben.“

Das erklärt uns, so glaube ich, ein klein wenig, was Christus meinte, wenn er sagte, nichts sei lebendig, es sei denn, es stürbe. Es ist einfach sinnlos, einen Reiz festhalten zu wollen. Das ist das Unvernünftigste, was wir tun können. Lassen wir ihn verblassen, lassen wir ihn sterben, und gehen wir durch diesen Zustand des Todes hindurch zu einem ruhigeren Interesse und Glück – und wir werden entdecken, dass wir in einer Welt ständiger neuer Reize leben.

Wie ist diese Verwandlung möglich? Vielleicht ungefähr so: Wenn wir uns in jemanden verlieben, denken wir zuerst: „Das ist so schön, dieses Gefühl, das will ich nie mehr missen!“ Aber dieser anfängliche Kick lässt sich eben nicht durchhalten und bringt mich auch nicht sehr weit in der Kunst, den real existierenden Menschen, den ich geheiratet habe, zu lieben. Um Lewis’ Bild zu benutzen: Ich muss die erste, unreife Form meiner Liebe „sterben lassen“, damit sie in einer neuen Form wiederauferstehen kann. Ich muss mein Versprechen, in Liebe zu handeln und zu dienen, unbeirrt einhalten – auch dann – nein: gerade dann! – wenn ich keine großen Gefühle für meinen Partner verspüre. Und je mehr ich das tue, umso mehr verwandelt sich, langsam, aber sicher, meine mehr ichbezogene Zuneigung zu diesem Menschen in eine Liebe, die immer mehr von einer demütigstaunenden Annahme und Wertschätzung des anderen gekennzeichnet ist. Ich wachse hinein in eine Liebe, die weiser, reicher, beständiger ist.
Leider erleben viele Menschen diese Art von Liebe nie, weil sie der Ehe-Definition unserer Kultur folgen; wenn die Verliebtheit weg ist, finden sie, dass es Zeit ist für eine Neuorientierung. Diese Einstellung macht unsere Ehen sehr anfällig für Affären, denn es findet sich immer irgendwo jemand, der attraktiv ist und uns eine Neuauflage des alten Glücks verspricht, das wir damals hatten, als die Liebe zu unserem Ehepartner noch jung war.

Und noch eine Vorstellung stammt aus unseren Bühnenstücken und Romanen: sich zu verlieben sei ein Ereignis, dem man nicht widerstehen könne. Man sei ihm ausgeliefert wie den Masern oder sonst einer Krankheit. Diese Ansicht ist weit verbreitet, und weil auch verheiratete Leute ihr glauben, schütten sie das Kind mit dem Bade aus und geben nach, wenn sie sich zu einem anderen Menschen hingezogen fühlen. …
Aber liegt es nicht letztlich bei uns, ob diese „Liebe“ zur Affaire wird oder nicht? Zweifellos kann jede Verliebtheit zur Affaire werden, wenn der Kopf vollgestopft ist vom Wust billiger Liebesgeschichten, schlechter Filme und sentimentaler Songs oder wenn man ein gehöriges Quantum Alkohol im Leibe hat. Wer sich eine blaue Sonnenbrille aufsetzt, sieht die ganze Welt in blauem Licht. Aber er selbst hat sich die Brille aufgesetzt, nicht die anderen.

Timothy und Kathy Keller – Ehe – Gottes Idee für das größte Versprechen des Lebens

Liebe sie

„Es gibt kein Rezept für eine glückliche, funktionierende Ehe – nur einfach Liebe“, sagte der deutsche Schauspieler Mario Adorf (*1930). Wenn zwei Menschen heiraten, versprechen sie einander ewige, bedingungslose Liebe. Im Alltagsleben wird dieses Versprechen jedoch nur selten eingelöst. Wobei Männer durchaus lieben können – was die Geschichte Samstag Nachmittag bei Aral von Jürgen Mette zeigt …

„Während ich mein Auto voll tanke, habe ich die Ausfahrt der Waschstraße im Blick. Ein Ehepaar steuert den noch nicht ganz trockenen, aber schon strahlenden Golf aus der Anlage und parkt ihn behutsam auf dem Platz, wo die Staubsauger stehen. Die Szene weckt plötzlich mein ganzes Interesse. Er holt aus dem Kofferraum eine Plastikflasche, sie fingert aus dem Handtäschchen weiße Wattepads, genau die, die meine Frau immer bei der Kosmetik verwendet. Dann nimmt das Ritual seinen Lauf. Er gießt das kostbare Pflegemittel vorsichtig auf die Kosmetikwatte, beugt tatsächlich die Knie und lässt sich auf einer Fußmatte direkt vor den Felgen nieder, um die Insignien seines bescheidenen Wohlstandes liebevoll zu pflegen. Überall wo die Maschinenbürsten nicht hingekommen sind, wo der Abrieb der Bremsbeläge wie Zahnstein auf dem Gebiss klebt, da fingert er sich mit Inbrunst Millimeter für Millimeter durch die Felgenöffnungen. Frau Gemahlin steht aufmerksam daneben und reicht immer wieder artig das Pflegemittel und hält frische Wattebäusche bereit. Als ich vom Bezahlen zurückkomme, hat er die erste Felge nahezu sauber. Liebevoll trocknet er mit einem feinen Wolltuch das Objekt seiner Anbetung ab. – Ich kann nicht anders, als den gebeugten Herrn mit einem schelmischen Augenzwinkern zu fragen, ob er denn seine Frau auch so liebevoll pflegen würde. Die verdreht die Augen und zwinkert mir mit einem vielsagenden Blick zu, als hätte ich den Nagel auf den Kopf getroffen. Er, sichtlich verlegen und irritiert, stammelt etwas von Wiederverkaufswert und vom schlechten Zustand der Waschanlage. Ich habe dann mit ein paar freundlichen Worten die Spannung aufgelöst, und er konnte am Ende auch wieder lächeln. Wenn alle Männer so viel Zeit für ihre Frauen investieren würden wie für ihr Auto, dann wären wir schon einen Schritt weiter zu einer erneuerten Gesellschaft.“

Als Paulus sich an die Männer in Ephesus wendet, ermahnt er sie nicht: „Ihr Männer, liebt eure Autos, eure Arbeit oder euer Hobby!“ Er fordert sie vielmehr dazu auf: „Ihr Männer, liebt eure Frauen!“ (Eph 5,25). Um dich zu verlieben, musst du so gut wie nichts tun – oft genügt dazu ein einziger Blick (vgl. Hl 4,9). Wenn du aber eine Frau nach 10, 20, 30 oder 50 Jahren immer noch lieben willst, musst du die bewusste Entscheidung treffen, ein Leben lang ihr Bestes zu suchen. Liebe ist selbstlos und aufopfernd. Sie stellt die wahren Bedürfnisse des anderen in den Mittelpunkt und „zahlt jeden persönlichen Preis, der nötig ist, diese Bedürfnisse zu stillen und das Wohlergehen zu fördern.“


Man ist glücklich verheiratet, wenn man lieber heimkommt als fortgeht.
Heinz Rühmann (n), deutscher Schauspieler

Die Latte in der Disziplin Liebe liegt hoch, denn der Herr Jesus selbst ist das Vorbild. Er hat für seine Braut am Kreuz alles gegeben. Jetzt sollst du deine Frau lieben, „wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, sie reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei“ (Eph 5,25–27).

„Jemand hat einmal über einen Mann geschrieben, der fürchtete, er könne Gott missfallen, indem er seine Frau zu sehr liebe. Ein Seelsorger fragte ihn, ob er sie mehr liebe, als Christus die Gemeinde geliebt habe. ‚Nein‘, antwortete er. ‚Erst wenn du darüber hinausgehst‘, antwortete der Seelsorger, ‚dann liebst du deine Frau zu sehr‘.“

Die Liebe gegenüber deiner Frau ist eine moralische Verpflichtung: „So sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber“ (Eph 5,28). Sie ist die logische Konsequenz der Entscheidung, die du bei deiner Hochzeit getroffen hast. „Du heiratest sie, weil du sie liebst. Danach, vom Hochzeitstag an, lernst du sie zu lieben, weil du sie geheiratet hast.“

Peter Güthler – Von Mann zu Mann: Ein Bibelkurs

»Gott stellt sich den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er Gnade.«

Oder meinet ihr, daß die Schrift vergeblich rede? Begehrt der Geist, der in uns wohnt, (O. Wohnung gemacht hat) mit Neid? Er gibt aber größere Gnade; deshalb spricht er: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade“. (Spr 3,34)
Elberfelder 1871 – Jakobus 4,5–6

Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: „Wider den Neid richtet sein Begehren der Geist, der in uns Wohnung gemacht hat; (Ga 5:17)
er gibt aber desto grössere Gnade“? Daher sagt sie: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“ (1) o: „Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns Wohnung gemacht hat; er gibt aber desto grössere Gnade.“ – Die hier angeführten Worte finden sich nicht im AT. – Die unmittelbar nachher angeführten Worte sind aus Spr 3:34 nicht nach dem Grundtext, sondern nach der grÜs. entnommen. Spr 3:34; Lu 1:52; Hiob 22:29; Mt 23:12; 1Pe 5:5
Zürcher 1931 – Jakobus 4:5–6

Oder meint ihr, die Schrift sagt ohne Grund: »Mit leidenschaftlichem Eifer sehnt sich Gott danach, dass der Geist, den er uns Menschen eingepflanzt hat, ihm allein ergeben ist.«? Aber eben deshalb schenkt Gott uns auch seine Gnade in ganz besonderem Maß. Es heißt ja in der Schrift:
»Den Hochmütigen stellt sich Gott entgegen,
aber wer gering von sich denkt, den lässt er seine Gnade erfahren.«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Jak 4,5–6

Oder denkt ihr, dass die Aussage in Gottes Buch bedeutungslos ist: »Voller Sehnsucht verlangt es Gott nach einer ungebrochenen Beziehung mit dem Geist, den er in uns Menschen wohnen ließ!«? Und doch steht über allem die freundliche Zuwendung, die Gott uns geschenkt hat. Deshalb heißt es ebenfalls in Gottes Buch: »Gott stellt sich gegen die, die voller Hochmut sind, aber den Lernbereiten schenkt er seine freundliche Zuwendung.«
Das Buch – 2009 – Jak 4:5–6

Der selbstsüchtige Hang zum Neid übt zwar einen gewaltigen Druck auf sündige Menschen aus, doch es gibt eine andere Kraft, die ihm entgegenwirken kann. Diese Kraft verleiht Gott aufgrund seiner unverdienten Güte. Die Hilfe, die uns durch Gottes Geist zukommt, ist gewiß ein Ausdruck der unverdienten Güte Gottes. Diese Hilfe ermöglicht es einem Christen, seine schlechten Neigungen zu beherrschen. Daher ist die unverdiente Güte, die Gott erweist, weit größer oder stärker als der Hang zum Neid. Der Apostel Paulus schrieb: „Wandelt beständig durch den Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches überhaupt nicht vollbringen“ (Gal. 5:16).
Es stimmt, daß Gott den Hochmütigen widersteht, die nach Erfolg und Ansehen streben oder die Freundschaft der Welt suchen, aber er erweist denen, die demütig zu ihm aufblicken und die der Leitung seines Geistes folgen, unverdiente Güte. Die Kraft, die Gott gibt, ist weit stärker als die Kräfte, die gegen den Christen wirken. Und während Gott von seinen Dienern strikt ausschließliche Ergebenheit verlangt, erweist er ihnen in reichlichem Maße seine unverdiente Güte, durch die sie in die Lage versetzt werden, die Welt zu besiegen, die mit ihren vielen Verlockungen versucht, sie zu ihren Freunden zu machen.
Folglich sagt er
Um zu beweisen, daß die unverdiente Güte Gottes größer ist, sagt der Schrifttext:
„Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber verleiht er unverdiente Güte“
Dies ist ein Zitat aus Sprüche 3:34 gemäß der Wiedergabe der Septuaginta. Menschen, die von Herzen demütig sind, wünschen sich sehnlichst Jehovas Hilfe und Führung, und sie beten beständig darum. Sie gehorchen ihm, um seine Freundschaft zu gewinnen. Deshalb sind sie durch Jehovas unverdiente Güte, die er ihnen in reichlichem Maße verleiht, imstande, die Herrschaft über ihre sündigen Neigungen zu erlangen und dem Druck zu widerstehen, den die Welt auf sie ausübt. Obwohl sie unvollkommene Sünder sind, gefällt es Jehova, ihnen zu Hilfe zu kommen, doch arroganten Menschen, „Hochmütigen“, wird er in keiner Hinsicht seine Gunst schenken (1. Petr. 5:5).

Kommentar zum Jakobusbrief – jw.org

Jakobus sagt noch mit dem Wort eines anderen Mannes, welche völlige Hingebung Gott von uns verlangt und wie reichlich er sie lohnt. Gott will, daß der Geist, den er uns gegeben hat, sein Eigentum bleibe, und läßt nicht zu, daß wir ihn anderswohin wenden und an andere Dinge verknechten. Das ist eine Art heiliger Mißgunst, die es keinem anderen gönnt, daß er über unseren Geist Herr sei und unsere Liebe an sich kette und unser Leben sich unterwerfe. Wir sollen einzig ihm gehören; er teilt sich nicht mit anderen in das Regiment über das Menschenherz. Sein Recht hierzu steht darin, daß unser Geist und Leben gänzlich seine Gaben sind. Er verlangt nur nach dem, was sein eigen ist, weil er es uns gab. Dieser feste Griff, mit dem Gott uns völlig an sich zieht und uns keine Freiheit läßt, von ihm zu weichen, ist Gnade. Denn er gibt ungleich Größeres als das, was er uns versagt. Nicht um uns zu verkürzen, sondern um uns den Reichtum seiner Gaben zu verleihen, zieht er uns mit diesem festen Band an sich. Das sagt aber jener Spruch nicht ohne Grund und Wahrheit. Er spricht Gottes Sinn und Regel aus, und darum darf man mit Gottes Freundschaft nicht spielen, als hätte daneben auch noch die der Welt Platz.
Deswegen lautet Gottes Regel so: den Hoffärtigen Widerstand, den Gebeugten Gnade. Wer mit seiner Liebe in die Welt hinausfährt und bei ihr seine Gönner und Freunde sucht, der bläht sich und tritt hoch daher. Er meint, sogar Gott entbehren zu können. Gegen die Hoffart tritt auch Gott als der Hohe auf in seiner Majestät und richterlichen Gewalt, die es dem Menschen zeigen kann, daß er nicht größer wird als Gott, wie er sich auch in seiner Hoffart dehnen und strecken mag. Aber den Geringen und Gebeugten, der nichts hat, als was ihm Gott gibt, und nichts ist, als was Gott aus ihm macht, hebt er empor in seine Gnade und empor in seine Herrlichkeit. Das ist der Weg, den Israel zu gehen hatte, und wir auch. Sein Unglück war, daß Gott nicht seine einzige Liebe war, in der es still sein reiches Genügen hatte, sondern daß es zugleich lüstern nach der Welt haschte, mit den anderen in den Wettbewerb trat und auch groß und reich werden wollte wie sie. Die Weise, wie ihm geholfen werden kann, ist, daß es sich vor Gott beugt.

Adolf Schlatter – Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament

Wie sehr der Mensch auch von Neid und Begehren bestimmt sein mag – viel reichlicher ist die Gnade Gottes. In ihr ist mehr enthalten als in allem, wonach der Mensch auch immer neidisch trachten mag. Nach dieser Gnade sollen die Christen streben und nicht nach weltlichen Gütern.
Neidisch sein bedeutet: mehr haben wollen als das, was einem im Leben zugeteilt ist. Der neidische Mensch denkt, dass er zu kurz gekommen ist. Er richtet seinen Sinn auf mehr und Besseres. Er vergisst, was Gott ihm gegeben hat und wird hochmütig. Die neidische Gesinnung richtet sich nicht nur gegen andere Menschen; sie richtet sich in ihrer Undankbarkeit auch gegen Gott selbst. Dieser Haltung leistet Gott Widerstand: Gott widersteht den Hochmütigen (wörtl. den Überheblichen), aber den Demütigen gibt er Gnade (Spr 3,34; 1Petr 5,5).
Dem Hochmütigen wird das, was Gnade ist, immer fremd bleiben. Ihm sind im Grunde drei Dinge zuwider: a) dass einer über ihm steht, dem er sich unterordnen soll und der ihm notfalls auch widersteht (V. 7); b) dass er Sünder sein soll (V. 8) und nicht in sich selbst vollkommen ist; c) dass er deshalb auf Gnade angewiesen sein soll (V. 6).
Denn die Gnade ist nicht die Zugabe für diejenigen, die nach hohen Dingen streben und mit neidischem Begehren nach dem trachten, was ihr Leben erfüllen soll und darüber in Streit geraten mit denen, die ebenso von ihren Lüsten bestimmt sind. Wer sein Leben nach diesen Werten ausrichtet, wer ein Freund der Welt sein will, dem widersteht Gott. Bei Gott gelten andere Regeln als bei den Menschen. Zum Niedrigen beugt sich Gott in seiner Herrlichkeit und Gnade herab. Aber dem Hochmütigen tritt er in seiner königlichen Majestät und in seiner richterlichen Gewalt entgegen. Deshalb sollen wir uns nicht über Gott erheben, sondern uns seinem Willen unterordnen. Hochmütig ist derjenige, der sich nicht ausschließlich unter Gott stellt. Wer nicht unter der Herrschaft Gottes steht, dem widersteht Gott. Wer sich aber unter seine Herrschaft stellt, dem gibt Gott Gnade.
Jak nennt die Sünden seiner Briefempfänger konkret beim Namen, aber er rechnet sie nicht auf. Vor Gott zählt nicht die Menge der Sünden, sondern das Herz, wie es jetzt zu Gott steht. Unschuldig ist keiner – doch Gott gibt Gnade dem, der sich demütig unter ihn stellt.

Hans-Jürgen Peters – Wuppertaler Studienbibel

Im griechischen Text enthält dieser Abschnitt zehn Imperative im Aorist; und all diese Imperative im Aorist zeigen Dringlichkeit und entschiedenes Handeln. In diesem Abschnitt stellt Jakobus sieben spezifische Verpflichtungen vor.

Die erste Pflicht in Vers 6 ist Inanspruchnahme der Gnade. Er gibt aber desto größere Gnade. Das ist die wörtliche Übersetzung des griechischen Urtexts. Gott gibt größere Gnade. Deshalb spricht die Schrift… Und dann zitiert Jakobus Sprüche 3,34 aus der Septuaginta – mit einer Veränderung: Das Wort Herr wird zu Gott verändert. Deshalb bedeutet: Dies ist der Grund für die Warnung – Gott widersteht den Hochmütigen. Die Hochmütigen glauben nicht, dass sie Gnade nötig haben. Diese Menschen sind die Freunde der Welt; also geht Gott in Kampfstellung gegen die Stolzen. Andererseits: Den Demütigen gibt er Gnade. Auch die Wortfolge ist hier wörtlich übersetzt. Demütige oder niedrige Menschen erkennen nämlich, wie sehr sie Gnade brauchen. Diese Demütigen im Geist bieten vollständige Ergebenheit unter Gott. Ihre erste Pflicht ist also, Gnade in Anspruch zu nehmen, die gebraucht wird, um jedwede Situation durchstehen zu können. Dieselbe Aussage finden wir in Hebräer 4,14-16.

Arnold Fruchtenbaum – Der Jakobusbrief

Bisher war Jakobus der unnachsichtige Mahner. Jetzt wird er erneut zum Ermutiger.
Mit einem einzigen kurzen Satz deckt er die Hilfe auf: »Er (= Gott) gibt aber reichlicher Gnade« (V. 6). Stünde dieser Satz nicht in Jak 4,6, dann würde man ihn bei Paulus vermuten (vgl. Röm 5,20). Jeder Christ, der innerlich durch die Ermahnung des Jakobusbriefes getroffen ist, darf sich an Gottes »Gnade« wenden. Diese Gnade ist »größer« (so wörtlich) als jede Sünde. Sie kann alles heilen.
Jakobus verkündigt also Evangelium! Man hätte nie sagen dürfen, er sei gesetzlich und »strohern«.
Mit einem Satz, den auch Petrus gebraucht (1Petr5,5) und der aus dem AT stammt (Spr 3,34), zeigt Jakobus diesen »Gnaden«-Weg auf und belegt ihn zugleich biblisch: »Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.«
Übrigens lernt man beim Jakobusbrief nie aus. So enthält auch V. 6 noch eine kleine Überraschung. Sie liegt in der Einleitung des Bibelzitates: »Deshalb sagt er.« Wer ist »er«? Natürlich Gott! Aber redet denn nicht in Spr 3,34 Salomo? Doch! Aber dieser menschliche Verfasser Salomo hat im Heiligen Geist geredet. Er war letztlich nichts anderes als Gottes Bote. Deshalb spricht in Spr 3,34 tatsächlich Gott zu uns! Daraus ergibt sich ferner, dass das Buch der Sprüche für Jakobus heilige, inspirierte Schrift war.

Gerhard Maier – Edition C

Dieser vielleicht Spr 3,34 zitierende Vers läßt erkennen, wer der Geber ist und was Er gibt. Gott wird erneut als Derjenige geoffenbart, der den Demütigen Gnade gibt. Viele derartige Beispiele kommen in der Schrift und im Leben Seines Volkes heute vor. Seine Fülle ist noch immer unermeßlich. Sagte nicht der Heiland der Frau am Brunnen: „Wenn du die Gabe Gottes kenntest … so würdest du ihn gebeten haben, und er hätte dir … gegeben“ (Joh 4,10). Seine Gaben sind unverdiente Zuwendungen und wertvoll. Petrus ist es, der über „den Gott aller Gnade“ (1 Petrus 5,10) schreibt. Als aus Gnaden Errettete (Eph 2,8-9) stehen wir in der Gnade (Röm 5,2). „Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden“ (Joh 1,17). Diese Wahrheit war es, die Philipp Friedrich Hiller inspirierte, folgende Zeilen zu schreiben:
Ich hatte nichts als Zorn verdienet
 und darf mich Gottes Gnade freun;
 Er hat mich mit Sich selbst versühnet,
 Er wusch durch Jesu Blut mich rein.
 Jetzt Gottes Kind, einst Gottes Feind!
 Erbarmung hat´s so treu gemeint.
Die bei der Bekehrung erfahrene Gnade besteht darin fort, daß sie den Demütigen stets reichlich zuströmt und nie aufhören wird, jeder wieder auftretenden Not zu begegnen. Sie hat keine Beschränkungen. Gott befindet sich immer auf der Seite der Demütigen. Andererseits widersteht Gott den Hochmütigen. Spr 16,5 sagt, wie das geschieht. Das Verb „widersteht“ ist ein dem Heerwesen entstammendes Wort und bezeichnet das Aufstellen von Truppen in der Schlachtreihe. Gott gibt in unverdienter Weise den Demütigen und verweigert sich mit aller Macht den Hochmütigen. Daniel erlebte Seine Gnade, wurde geschützt und geehrt, der überhebliche, stolze König Nebukadnezar dagegen zutiefst beschämt. Unsere Geschichtsbücher sind voll von anderen Beispielen. In Mt 18,3-4 wird diese Wahrheit vom Herrn Jesus hervorgehoben, als Er das kleine Kind (A.d.Ü.: vgl. Konkordante und Hoffnung sowie „Kindlein“ Elberf) in die Mitte stellte, um zu verdeutlichen, was Demut heißt.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

die Schriftrolle oder eine Schriftrolle?

Und Schaphan, der Schreiber, berichtete dem König und sprach: Der Priester Hilkija hat mir ein Buch gegeben. Und Schaphan las darin vor dem König.
Elberfelder 1871 – 2.Chronika 34,18

Dann meldete Schafan der Schreiber dem Könige, sprechend:
Ein Buch hat mir Chilkijahu der Priester übergeben.
Und Schafan las draus dem König vor.
Buber & Rosenzweig – 2.Chronika 34:18

Dann sagte er dem König noch, dass der Priester Hilkija ihm eine Schriftrolle übergeben hatte, und las ihm daraus vor.
NeÜ bibel.heute Stand 2015 – 2.Chronik 34,18

Konzentrierst du dich auf Gottes Wort, indem du es selber liest? Oder vertraust du „Auslegern“ und „Zeitschriften“?? Und wie reagierst du, wenn du etwas in der Bibel findest, was nicht den dir beigebrachten Lehren widerspricht? Was ist wichtiger? Ein gutes Verhältnis zu „Freunden“ oder zum „Autor der Bibel“?

Beim Auszahlen des Tempelgeldes fand der Hohepriester Hilkija (vgl. V. 9 ) eines Tages eine Abschrift des Buches des Gesetzes des HERRN . Eine von der Bibelkritik geprägte Annahme mancher Ausleger besagt, daß dieses Dokument nur das 5. Buch Mose gewesen sei. Es gibt jedoch keinen Grund für diese Annahme, obwohl es in dieser Erzählung bisweilen um das 5. Buch Mose gehen mag. Das „Buch“ kann genauso gut den gesamten Pentateuch umfaßt haben (1.-5 Mose).
Als Schafan (vgl. V. 8 ), der Schreiber, die Rolle zu Josia gebracht und über den Fortschritt der Arbeit berichtet hatte, begann er, dem König einige Abschnitte aus dem Buch vorzulesen. Der König erkannte die Bedeutung dieser Botschaft, zerriß seine Kleider (als ein Ausdruck seines Kummers; vgl. den Kommentar zu 2Chr 23,13 ) und sandte einen Befehl an Hilkija und die anderen, daß der ganze Text gelesen werden und daß der Herr wegen der Worte des Buches befragt werden sollte. Der König war erschüttert, daß sich seine Vorfahren den Zorn Gottes zugezogen hatten, indem sie Gottes Wort nicht gehorcht hatten. Josias Vorgehen war vielleicht eine Reaktion auf die Aussagen im 5. Buch Mose über die Rolle und die Verantwortung des Königs als Bundesführer. Vielleicht empfand Josia, daß er dieser Rolle nicht gerecht geworden war (vgl. 5Mo 17,18-20 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Wie die großen Reformatoren vor ihm, wandte er seine Aufmerksamkeit bald der Wiederherstellung des Tempels zu. Eine Abschrift des Buches des Gesetzes wurde dabei gefunden und vor dem König verlesen. Zu jeder größeren oder kleineren Erweckung wahren Glaubens gehört die Entdeckung der Lehren des Wortes Gottes. Die große Reformation im 16. Jahrhundert war da keine Ausnahme.

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Instandsetzung des Tempels (22:3-7; 34:8-13). Josias achtzehntes Jahr als König war in der Tat ein herausragendes Jahr. Er reparierte den Tempel des Herrn, in dem das Buch des Gesetzes entdeckt wurde; er schloss einen Bund mit dem Herrn; er führte weitere Reformen im Land durch und veranstaltete ein großes Passahfest. Zu dieser Zeit war er sechsundzwanzig Jahre alt. Der Mann, der die Pläne des Königs zur Wiederherstellung des Tempels vorantrieb, war Schafan, der Vater einer bemerkenswerten Familie. Sein Sohn Gemarja schloss sich mit anderen zusammen, um König Jojakim zu drängen, Jeremias Schriftrolle nicht zu verbrennen, und sein Enkel Michaja hörte, wie Baruch Jeremias zweite Schriftrolle im Tempel las und den Sekretären des Königs davon berichtete (Jer. 36:11ff). Sein Sohn Elasah überbrachte Jeremias Brief an die jüdischen Exilanten in Babylon (Jer. 29:1-23), und sein Sohn Ahikam gehörte zu den Männern, die Hulda, die Prophetin, wegen des Buches des Gesetzes konsultierten (1. Könige 22:12-20). Ahikam legte auch bei König Jojakim Fürsprache ein, damit er den Propheten Jeremia nicht tötete (Jer. 26:16-24). Nach dem Fall von Juda und Jerusalem wurde Schafans Enkel Gadalja zum Statthalter von Juda ernannt. Der einzige enttäuschende Sohn der vier war Jaasanja, der im Tempel des Herrn Götzen anbetete (Hesek. 8:11-12).

Das Volk hatte Geld für den Unterhalt des Tempels gespendet (V. 4), also befahl der König Schafan, dem Hohepriester Hilkija zu sagen, er solle die Gelder an die Arbeiter verteilen und mit der Reparatur des Tempels beginnen. Es reichte nicht aus, die Götzenanbetung im Land zu zerstören; der Tempel musste für die Anbetung des wahren und lebendigen Gottes zur Verfügung stehen. Wie beim Wiederaufbau des Tempels unter Joasch (2. Könige 12) waren die Arbeiter treu, und es bestand keine Notwendigkeit, aufwendige Aufzeichnungen zu führen. Leiterschaft ist Haushalterschaft, und die Leiter müssen dafür sorgen, dass die Arbeit mit Integrität ausgeführt wird und Gottes Geld weise verwendet wird.

Die Entdeckung der Heiligen Schrift (22:8-20; 34:14-28). Es scheint bemerkenswert, dass das Buch des Gesetzes im Tempel verloren gegangen sein soll! Das wäre so, als würde man die Bibel in einem Kirchengebäude verlieren und sie jahrelang nicht vermissen. Bei dieser Schriftrolle handelte es sich wahrscheinlich um alle fünf Bücher Mose, aber Schafan „las im Buch“, das heißt, er las dem König ausgewählte Abschnitte vor, vielleicht aus dem Buch Deuteronomium. Schafan gab dem König einen Bericht über das Bauprogramm und erzählte ihm dann, fast wie nebenbei, von dem neu entdeckten Buch. Es ist Josia hoch anzurechnen, dass er hören wollte, was in dem Buch stand, und als er es vorgelesen bekam, wurde er von Angst und Trauer ergriffen. Wie Menschen auf Gottes Wort reagieren, ist ein guter Hinweis auf ihren geistlichen Appetit und die Stärke ihres Wunsches, dem Herrn zu gefallen.

Wenn Schafan tatsächlich aus dem Buch Deuteronomium vorlas, dann würde das, was Josia aus den Kapiteln 4-13 vorgelesen bekam, ihn über die bösen Dinge, die das Volk bereits getan hatte, aufklären. Die Kapitel 14-18 würden ihn beunruhigen wegen dessen, was das Volk nicht getan hatte, und der Bund, der in den Kapiteln 27-30 beschrieben wird, würde ihn davor warnen, was Gott tun würde, wenn das Volk nicht umkehrte. In den Bedingungen seines Bundes machte der Herr deutlich, dass das Volk schwer bestraft werden würde, wenn es seinem Gesetz nicht gehorchte. Der König war so erschüttert, dass er sein Gewand zerriss und dem Hohen Priester und mehreren Beamten befahl, den Herrn nach dem geistlichen Zustand Judas zu fragen. Josia war erst sechsundzwanzig Jahre alt und suchte den Herrn erst seit zehn Jahren, doch seine Antwort auf das Wort Gottes war die eines reifen Gläubigen.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Gottes Wort – absolut einzigartig

Im Zuge der Renovierungsarbeiten am Tempel fand der damals amtierende Priester Hilkija ein Buch. Es war „das Buch des Gesetzes des Herrn durch Mose“ (2. Chr 34,14). Sofort erkannte der Priester den großartigen Wert dieses Buches und ließ es durch Schaphan, den Schreiber, zum König Josia bringen.
Im Unterschied zu Hilkija überreichte Schaphan das Buch mit folgenden Worten: „Der Priester Hilkija hat mir ein Buch gegeben“ (2. Chr 34,18).
Zwei Männer halten dasselbe Buch in Händen – aber mit völlig unterschiedlicher Kommentierung! Für Hilkija ist es das „Buch des Gesetzes“ – für Schaphan ist es „ein“ Buch.
Da stellt sich die Frage, welche Bedeutung Gottes Wort für mich und für dich hat. Ein Buch – oder das (!) Buch?
Ein schönes Lied, das die Kinder oft singen, lautet:
Das wichtigste Buch auf der Erde,
das schönste Buch, das es gibt,
ist die Bibel, das Wort des Lebens,
darin steht, wie Gott uns liebt.
© 1976 Gerth Medien Musikverlag, Asslar

Wir wollen uns erneut anspornen lassen, dieses wunderbare Wort Gottes täglich mit hohem Interesse zu lesen und zu uns reden zu lassen für ein Leben zur Freude Gottes.

Bleib in mir 2023 – Themenheft Gebet

Gott wirkt, wenn wir in Bewegung sind, wenn wir um Entscheidungen ringen, die Bibel erforschen, im Leben stehen und die Dinge hervorragend … erledigen.

Also ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, an sich selbst (O. an und für sich) tot.
Elberfelder 1871 – Jakobus 2,17

Genauso ist es mit dem Glauben: Wenn er keine Taten vorzuweisen hat, ist er tot; er ist tot, weil er ohne Auswirkungen bleibt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Jakobus 2:17

So auch der Glaube: Wenn er nicht Werke hat, ist er in Bezug auf sich selbst tot.
d. h.: steht er in Bezug auf sich selbst als Toter da; o.: ist er gemäß eigener [Beweisführung] tot; o.: ist er sich selbst zufolge tot; o.: ist er nach dem eigenen [Verhalten] als leblos [zu erklären]; o.: hat er sich selbst ‹bloßgestellt›; hat er – als solcher – sein eigenes Urteil gesprochen
Jantzen & Jettel 2017 – Jak 2,17

Es reicht nicht, nur Glauben zu haben. Ein Glaube, der nicht zu guten Taten führt, ist kein Glaube — er ist tot und wertlos.
Neues Leben – Bibel 2006 – Jak 2:17

Ach, was könnte ich für Geschichten erzählen: da sollte eine junge Schwester, die von ihrem „Ehemann aus der Wohnung geworfen wurde“ – einfach weiter auf der Straße leben! Das wir sie damals bei uns als Zuflucht „aufgenommen haben“, wurde zum Streitthema! Das sind genau diese Männer, von denen Jakobus spricht: nach außen hin, behaupten diese, an einen Gott zu glauben – aber ihre Taten zeigen: „keine wirklich dem Glauben entsprechenden Taten!“

Jak 2,17 ἔχῃ V. 14, hier nach sich ziehen (B I4), zur Folge haben. καθʼ ἑαυτήν für sich allein (B κατά II1c).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist für sich allein tot. Das ist die Hauptthese des Jak. Es geht ihm um den Glauben und darum, dass dieser Glaube lebendig ist und bleibt. Man hat dem Jak häufig vorgeworfen, er habe einen »defizitären Glaubensbegriff«, d.h. eine Vorstellung vom Glauben, die den Glauben nicht umfassend genug im Blick hat. Jak gehe von einem Glauben aus, der für sich unzureichend ist, da zu diesem Glauben erst noch die Werke hinzukommen müssten, damit es zusammen ein Ganzes ergibt.
Das Gegenteil ist der Fall. Der Glaube ist für Jak nicht ergänzungsbedürftig, sondern er ist eine Ganzheit, und deshalb kann es Jak nicht zulassen, dass jemand von diesem Glauben einen seiner Bestandteile – in diesem Fall seine Werke – abtrennt. Gerade weil der Glaube für Jak etwas Umfassendes, Ganzes ist, kritisiert er bei seinen Lesern eine »Glaubenshaltung«, die den Glauben von den Werken trennt. Glaube und Werke gehören für ihn so eng zusammen, dass er den »Glauben« für unnütz hält, wenn die Werke, die zu seinem Wesen dazugehören, von ihm geschieden werden.
Jak findet bei den Leuten, mit denen er sich auseinandersetzt, ein verkürztes, defizitäres Glaubensverständnis vor. Nun hätte er sofort sagen können, dass sie gar keinen (rechten) Glauben haben, wenn sie ihn so ansehen, dass er ohne Werke sein könne und sich mit dieser selbstsicheren Haltung obendrein gegen die Aufdeckung ihres Defizits durch Jak zur Wehr setzen. Jak würde ihnen dann ihren Glauben absprechen. Er argumentiert aber zunächst anders und möchte ihnen auf den richtigen Weg helfen. Jak deckt auf, dass bei ihnen etwas Entscheidendes fehlt und ihnen der Glaube, so wie sie ihn verstehen, überhaupt nichts nützt.
In V. 17 sagt er dann deutlich, was seine Meinung ist. Ein solcher Glaube ist nicht nur defizitär, ergänzungsbedürftig – er ist tot. D. h. ein »Glaube« (und hier ist das Wort »Glaube« tatsächlich in Anführungszeichen zu setzen), der sich so darstellt bzw. sich gerade nicht in Werken zeigt, ist eigentlich kein Glaube mehr. Er ist abgestorben.

Hans-Jürgen Peters – Wuppertaler Studienbibel

Jedermann urteilt, daß das Erbarmen im dargestellten Fall wertlos sei. Dasselbe Urteil trifft aber auch den Glauben, der für sich allein bleibt, weil nichts aus ihm entsteht. Damit ist dem Glaubenden nicht abgesprochen, daß er glaube; auch das Verdorbene existiert. Sein Glaube gleicht aber dann dem Leichnam, der einst lebendig war, es aber nicht mehr ist und darum nichts mehr wirkt. Dies aber ist das Thema dieser Sätze, was der Glaube wirke. Wer von ihm erwartet, daß er rette, schreibt ihm die denkbar größte Wirkung zu. Die Verwandlung des Leibs in den Leichnam hat nicht einzig Jakobus benützt, um die Verderbnis eines Vorgangs darzustellen, durch den er wertlos wird. Röm. 7, 8 ist freilich keine Parallele; denn Paulus hat dort nicht an das Absterben des Lebendigen, sondern an das Erwachen des Toten zum Leben gedacht; denn dort nennt er das Sündigen „tot“, bevor das Gebot zum Menschen kam. Damals geschah es zwar, blieb aber folgenlos, weil es den Menschen noch nicht schuldig machte und ihm noch nicht den Tod bereitete. Der tatlose Glaube ist aber nicht als ein Anfang gedacht, der durch eine neue Begnadigung zum Leben erweckt werden soll, sondern wird als ein Endstadium beurteilt, das aus dem verkehrten Verhalten des Menschen entsteht. Das zeigt die Vergleichung des toten Glaubens mit dem vom Geist getrennten Leib, 2, 26.
Dagegen hat Paulus, wenn er mahnt, „die Glieder tot zu machen“, Kol. 3, 5 und „durch den Geist das zu töten, was der Leib anrichtet“, Röm. 8, 13, das Totsein zum Bild für das gemacht, dem die Wirksamkeit genommen ist. Ebenso haben Jesus, wenn er die in die Natur Versunkenen „Tote“ hieß, Luk. 15, 24, und Johannes, der eine Gemeinde „tot“ nannte, Apok. 3, 1, den Zerfall des inwendigen Lebens durch das Absterben des Leibes dargestellt, und in Hebr. 6, 1; 9, 14 sind Werke, die nicht das von Gott Gewollte schaffen, „tot“ genannt.

Adolf Schlatter – Der Brief des Jakobus

Jakobus‘ zweiter Punkt in Glaube und Werke behandelt den toten Glauben in den Versen 15-16: Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und es ihnen an täglicher Nahrung mangelt, und einer von euch sagt zu ihnen: Geht hin in Frieden, werdet warm und satt, und ihr gebt ihnen doch nicht das, was für den Leib nötig ist, was nützt es dann?

Beginnend mit einer Illustration in Vers 15 bezeichnet er sie als Bruder oder Schwester und zeigt damit, dass es sich um Gläubige handelt; die Erwähnung beider zeigt, dass es keine geschlechtlichen Unterscheidungen geben kann. Der Ausdruck nackt und in Mangel an täglichem Brot zeigt, dass sie kalt und hungrig sind.

Nachdem er ihre Not aufgezeigt hat, zeigt er in Vers 16 die Antwort eines nicht funktionierenden, toten Glaubens: „Geht in Frieden. Das ist eine übliche jüdische Abschiedsrede, die man sowohl im Alten Testament (1. Sam. 1,17; 20,42; 2. Sam. 15,9) als auch im Neuen Testament (Mk. 5,34; Apg. 16,36) findet. Der tote Glaube fügt hinzu: Seid erwärmt und erfüllt. Mit anderen Worten: „Nun, lasst uns darüber beten“, und dann wird er auf den Weg geschickt, ohne ihm etwas zu geben, um seine Not zu stillen. Diese Antwort zeigt eine Haltung der Pseudo-Geistlichkeit. Gott wird sich oft dafür entscheiden, Bedürfnisse durch Mitgläubige zu stillen. Gott erwartet von Gläubigen, die die Mittel haben, dass sie die Bedürfnisse derer stillen, die sie nicht haben. Das Problem ist nicht die Unfähigkeit, das Problem ist ein nicht funktionierender Glaube. Die Frage ist: Was nützt es? Wieder ist die Antwort: „Nichts!“ Es gibt weder für den Sprecher noch für den Bruder oder die Schwester in Not einen Gewinn.

Die Anwendung des Bildes erfolgt in Vers 17: So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, in sich selbst tot.

Die Worte „auch so“ bedeuten „auf diese Weise“ oder „auf dieselbe Weise“. Der Glaube ohne Werke ist in sich selbst tot. Er ist nicht nur äußerlich unfruchtbar, er ist innerlich tot; er ist leblos. Wahrer rettender Glaube wird sich durch Werke offenbaren, die die Früchte des Glaubens sind. Das wird auch in der Bergpredigt in Matthäus 5,14-16 gelehrt.

Arnold Fruchtenbaum – Das Buch Jakobus

Nun wird ein anderes, sich erneut mit einem handfesten Beweis befassendes Beispiel angeführt, dem nichts entgegenzusetzen ist. Ob es nun ein Bruder bzw. eine Schwester im natürlichen oder geistlichen Sinne ist – die Not ist bekannt und erfordert rasche Hilfe: Sie brauchen Nahrung und Kleidung. Was wird der Namenschrist tun? Wenn er bzw. sie Glauben hat und bei der Linderung der Not Hilfestellung geben kann, dies aber unterläßt, ist der bekannte Glaube wertlos, ja, er ist gar nicht vorhanden, er ist tot. Glaube, der sich nicht in guten Werken erweist, gleicht letztlich einem Leichnam. Dies beinhaltet die Schlußfolgerung von V.17.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Ich habe Menschen kennengelernt, die davon ausgingen, Glaube bedeute, dass sie einfach passiv dasitzen müssten und Gott sich um alles kümmern würde. Aber das Gegenteil ist der Fall: Gott wirkt, wenn wir in Bewegung sind, wenn wir um Entscheidungen ringen, die Bibel erforschen, im Leben stehen und die Dinge hervorragend, aber mit Schweiß und harter Arbeit erledigen.
• Wir treffen Entscheidungen.
• Wir stehen früh auf und gehen entweder zur Arbeit oder schlafen aus.
• Wir gehen in der Kirche zum Traualtar und legen unser Ehegelübde ab.
• Wir reichen unseren Lebenslauf ein, um einen Job zu finden.
• Wir kämpfen mit Schmerz und Enttäuschung.
• Wir lernen in Gott zu ruhen, wenn es hart auf hart kommt.
• Wir fallen, und wir stehen wieder auf.

Du und ich sind dazu berufen, es konkret umzusetzen. Und doch wirkt Gott die ganze Zeit in und für uns.

Steve Farrar – Wie du dein Leben bis 30 vergeigst