Monat: Dezember 2025

Es ist besser, nichts zu versprechen, als etwas zu versprechen und sich dann nicht dran zu halten.

Besser, daß du nicht gelobst, als daß du gelobst und nicht bezahlst.
Elberfelder 1871 – Prediger 5,4

Besser, daß du nicht gelobst, als daß du gelobst und nicht zahlst.
Neftali-Herz-Tur-Sinai – Prediger 5:4

Viel besser ist es, kein Gelöbnis zu machen als zu geloben und das Versprochene nicht zu halten.
Arndt – Pred 5,4

Besser, dass du nicht gelobst, als dass du gelobst und nicht erfüllst.
Streitenberger – Pred 5:4

Als Christen schauen wir auf die Worte Jesu „ihr sollt nicht schwören“ – und denken automatisch, dass dies etwas neues gewesen wäre. Aber selbst Salomo scheint diesen Gedanken schon gekannt zu haben. Jesus hatte Recht, dass unser ja einfach ja sein sollte. Leider kenne ich wenige Menschen, die sich wirklich daran halten.
Als Christ gebe ich mich NUR Jehovah selbst hin, und niemals einer Kirche oder Organisation! Deshalb sind die „Führungskräfte“ einer solchen Organisation oder Kirche auch IHM gegenüber verantwortlich, falls diese „in die eigene Tasche wirtschaften sollten“ – und damit ihr Gelübde brechen würden.

Die dritte Ermahnung Salomos hatte mit dem Ablegen von Gelübden vor dem Herrn zu tun (V. 4-7). Gott verlangte nicht, dass sein Volk Gelübde ablegte, um von ihm angenommen zu werden, aber es gab die Möglichkeit, seine Hingabe zum Ausdruck zu bringen, wenn es sich dazu veranlasst fühlte (siehe Num 30; Dtn 23,21-23; Apg 18,18).

Der Prediger warnte vor zwei Sünden. Die erste war die, ein Gelübde abzulegen, ohne die Absicht, es zu halten, mit anderen Worten, Gott zu belügen. Die zweite Sünde war, das Gelübde abzulegen, aber die Einhaltung hinauszuzögern, in der Hoffnung, man könne sich davon befreien. Wenn der Priester [„Engel“ = Bote] kam, um das versprochene Opfer oder die Gabe abzuholen, sagte die Person: „Bitte vergesst mein Gelübde! Es war ein Fehler!“

Gott hört, was wir sagen, und hält uns an unsere Versprechen, es sei denn, sie waren so töricht, dass er sie nur verwerfen konnte. Wenn die Vorsehung uns daran hindert, unser Versprechen zu erfüllen, versteht Gott das und wird uns entlassen. Wenn wir unsere Versprechen nur gegeben haben, um andere zu beeindrucken oder vielleicht, um den Herrn zu „bestechen“ („Wenn Gott mein Gebet erhört, werde ich 500 Dollar für die Mission spenden!“), dann werden wir für unsere unbedachten Worte bezahlen. In meiner seelsorgerlichen Tätigkeit habe ich oft gehört, wie kranke Menschen Gott Versprechungen machten, als sie um Heilung baten, um dann festzustellen, dass diese Versprechen vergessen wurden, als sie wieder gesund wurden.

Die Menschen machen leere Gelübde, weil sie in einer religiösen „Traumwelt“ leben; sie denken, dass Worte dasselbe sind wie Taten (v. 7). Ihre Anbetung ist nicht ernsthaft, daher sind ihre Worte nicht verlässlich. Sie genießen das „gute Gefühl“, das sich einstellt, wenn sie Gott ihre Versprechen geben, aber sie schaden sich selbst mehr als sie nützen. Sie „träumen“ gerne davon, ihr Gelübde zu erfüllen, aber sie kommen nie dazu, es zu tun. Sie praktizieren eine Scheinreligion, die weder Gott verherrlicht noch den christlichen Charakter stärkt.

„Ich will in dein Haus gehen und Brandopfer darbringen; ich will dir meine Gelübde bezahlen, die meine Lippen geredet und mein Mund gesprochen hat, als ich in Not war“ (Ps 66,13-14). Wenn wir den Herrn der Anbetung und Ehre berauben, die ihm gebührt, berauben wir uns auch der geistlichen Segnungen, die er denen schenkt, die ihn „im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4,24).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

V 4 fasst das Thema in Form eines komparativen Vergleichsspruches (to¯b-min) zusammen: »Es ist besser, du gelobst nicht, als dass du gelobst, aber nicht erfüllst.« Kohelet warnt also davor, Gelübde unüberlegt abzulegen. Damit steht er in weisheitlicher Tradition. Ähnliche Mahnungen finden sich in Spr 20,25 und Sir 18,22f., und auch die in Mt 5,37 (»euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein«) angesprochene Haltung dürfte nicht so weit von derjenigen entfernt sein, die Koh 5,3f. einfordert.

Schwienhorst-Schönberger . Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament

In 5,4 spricht Kohelet weiter von der Möglichkeit, gar kein Gelübde abzulegen. Das erinnert an Spr 20,25 und Sir 18,23, wo vor vorschnellen Gelübden gewarnt wird. Nach 4,17 könnte man erwarten, dass Kohelet wie beim Gebet auch beim Gelübde zur Zurückhaltung mahnt. Die Besser-als-Formulierung besagt allerdings nur, dass es besser ist, gar kein Gelübde abzulegen als ein Gelübde abzulegen und es nicht zu erfüllen (vgl. auch Dtn 23,23). Was Kohelet davon hält, ein Gelübde abzulegen und es zu erfüllen, sagt er nicht.

Annette Schellenberg – Zürcher Bibelkommentare

Auch in der Frage des Umgangs mit Gelübden geht es um die dahinter stehende Haltung. Das Entscheidende ist die Zuverlässigkeit dessen, der ein Gelübde ablegt, nicht das Gelübde selbst. Gelübde meint eine bedingte Schuldverpflichtung, mit der »eine besondere Leistung des Gelobenden an eine vorherige bestimmte Leistung der Gottheit« gebunden wird.277 »Das im Gelübde abgegebene Versprechen ist immer religiöser, kultischer Art (Weihung von Menschen, Opfer).« Wenn nun ein solches, z.B. in einer Notsituation abgegeben wird, dann ist der Gelobende auch absolut daran gebunden280: Zögere nicht, es zu erfüllen. Wie beim Opfer und Beten handelt es sich um eine Sache in höchster Verantwortung: vor Gott. Eine Gelübde war deshalb eine heilige Sache.
Die Einhaltung von Gelübden scheint in der Praxis lasch gehandhabt worden zu sein. »Als Element der Volksreligion, d.h. als spontan und oft leichtfertig gemachtes und bald vergessenes Versprechen, mußte das Gelübde den »Weisen« verdächtig sein.«281 Kohelet sieht also die Gefahr der Voreiligkeit und Unbedachtheit, mit der ein solches Versprechen abgegeben wird. Damit meint er dieselbe Fehlhaltung wie beim wortreichen Gebet. Weil die Wahrscheinlichkeit nicht gering ist, ein einmal gegebenes Versprechen nicht zu halten, ist es besser, du gelobst erst gar nicht. Auch hier ist die Nähe zur Torheit gering und Kohelet muß deshalb davor warnen.

Stoll – Wuppertaler Studienbibel

Darum ist es besser, gar nicht zu geloben, besser, gar nicht zu schwören, wie der Sohn Gottes uns gelehrt hat (Mt 5,34–37). Die Torheit des Schwörenden und Gelobenden ist die, dass er sich überschätzt und damit Gottes Heiligkeit, Gerechtigkeit und Allmacht unterschätzt. Und das ist böse; darum ist Schwören aus dem Bösen. Eine böse Frucht dieses Bösen ist ein Gewissen, das für Gott und die Ewigkeit stumpf wird; und ein stumpfes Gewissen ist der sichere Vorbote des ewigen Verderbens.

Benedikt Peters – Kommentar zum Buch Prediger

Jephthah, der impulsive Richter aus Richter 11,29–31, war total überwältigt vom Geist des Herrn und hat schnell ein Gelübde abgelegt, was ihm persönlich Probleme und seiner Tochter die Chance auf eine mögliche Ehe eingebracht hat. Unüberlegtes, anmaßendes Reden ist eine große, aber vermeidbare Gefahr bei einer echten Erweckung. Wie Jephthah reagieren wiederbelebte Gläubige und Geistliche, die ungewöhnliche und ungewohnte Salbungen und Manifestationen des Heiligen Geistes erleben, manchmal auf die überwältigende Gegenwart Gottes in ihnen, anstatt weise zu reagieren. Spontane Impulse werden oft als spirituell angesehen, obwohl sie in Wirklichkeit nichts anderes als spiritueller Schock und ungezügelte Ekstase sind. Selbstbeherrschung bedeutet nicht, die Manifestation des Heiligen Geistes im eigenen Leben zu kontrollieren, sondern die eigene Reaktion auf dieses oft überwältigende Gefühl. Spiritualität wird nicht durch die Dramatik der Manifestationen bestimmt, sondern durch die lang anhaltenden Früchte des Geistes, zu denen Charakterveränderung und Selbstbeherrschung gehören. Diese Verse fordern den Christen auf, weise Grenzen für seine Worte zu setzen, und warnen den wiederbelebten Gläubigen davor, spontane Gelübde abzulegen, bevor er sich über die Tiefe der Verpflichtung, die zur Erfüllung erforderlich ist, im Klaren ist. Wenn man diesen Grundsatz beherzigt, könnte man schwerwiegende Konsequenzen vermeiden.

The Revival Study Bible

Der Prediger drängt, genau wie die Propheten, auf Echtheit in unserem Gottesdienst. Während die Propheten vielleicht ihre Vorwürfe gegen die Bösen und Heuchler richten, zielt der Prediger auf die gutmeinenden Leute ab, die gerne singen und fröhlich in die Kirche kommen, aber eher reden, ohne nachzudenken, statt zuzuhören, und nie wirklich das tun, was sie sich vorgenommen haben, für Gott zu tun. So jemand hat vergessen, wo und wer er ist und vor allem, wer Gott ist. Das wiederholte Wort „Narr” (1, 3, 4) ist vernichtend, denn Gott gegenüber leichtfertig zu sein, ist eine Sünde und eine Provokation, die nicht ungestraft bleiben wird (6). Wenn wir versucht sind, dies als Härte des Alten Testaments abzutun, warnt auch das Neue Testament davor, fromme Worte bedeutungslos zu machen oder das Heilige leichtfertig zu behandeln (Mt 7,21; 23,16; 1 Kor 11,27).
Zwei Sprichwörter bringen diesen Punkt auf den Punkt, indem sie das Geschwätz der Narren mit der Unwirklichkeit von Träumen in Verbindung bringen. In Vers 3 ist dieser Zusammenhang etwas schwer zu erkennen, in Vers 7 hingegen weniger, wo die Träume eher Tagträume zu sein scheinen, die den Gottesdienst zu verbalem Geschwätz reduzieren. Vers 3 impliziert, dass übermäßiges Reden aufgrund seiner schieren Menge zwangsläufig Torheit hervorbringt. Im Kontext des Gottesdienstes schütten Narren einen Strom frommer Worte aus, die den Herrn, der Gott im Himmel ist, verhöhnen (2). Wir müssen die Warnung beachten, unsere Schritte zu hüten (1), denn Gottes Gegenwart und Wohnstätte verlangen von uns Reinheit.

NIV Bible Speaks Today: Notes 2020

el oder elohim ??

Vnd der Koͤnig sprach zu jr, Fuͤrchte dich nicht, Was sihestu? Das weib sprach zu Saul, Ich sehe Goͤtter er auffsteigen aus der erden.
Lutherbibel 1545 – 1.Samuel 28,13

Und der König sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, sage, wen du gesehen hast. Und sie sprach zu ihm: Götter habe ich aus der Erde aufsteigen sehen.
Septuaginta Deutsch – 1.Kgt 28,13

Und der König sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Was hast du denn gesehen? Und das Weib sprach zu Saul: Götter sehe ich heraufsteigen aus der Erde.
Tafel – 1.Samuel 28:13

וַיֹּ֨אמֶר לָ֥הּ הַמֶּ֛לֶךְ אַל־תִּֽירְאִ֖י כִּ֣יa‬ מָ֣ה רָאִ֑ית וַתֹּ֤אמֶר הָֽאִשָּׁה֙ אֶל־שָׁא֔וּל אֱלֹהִ֥ים רָאִ֖יתִי עֹלִ֥ים מִן־הָאָֽרֶץ׃
Biblia Hebraica Stuttgartensia

William Blake: Samuels Geist erscheint Saul. Um 1800

Die meisten deutschen Bibeln übersetzen hier, um dann ihre eigene Idee von der „unsterblichen Seele“ zu begründen „ein Geist“ „einen Gott“ oder „ein gottähnliches Wesen“ uä.

Nun ist die Frage, ob es sich hier um Samuel oder einen Dämonen handelt schon 17 Jahrhunderte geführt worden.

Eine Erzählung hat aber das besondere Interesse der frühen Theologen und Bischöfe erregt und zu heftigen Kontroversen geführt: die Beschwörung des toten Samuel durch die Frau in En-Dor. Dabei beschäftigte die Ausleger vor allem die Frage, ob Samuel wirklich erschienen war. Eine erste Gruppe sprach sich deutlich dafür aus: darunter Justin († um 165), Origenes († 253/254), Ambrosius († 397) und Augustinus (354–430). Eine zweite Gruppe meinte jedoch, dass nur ein Dämon auf den Befehl Gottes hin aufgetreten sei: Johannes Chrysostomus († 407) und Theodoret von Cyrus († 466). Eine dritte Gruppe vertrat die Ansicht, dass ein Dämon Saul getäuscht und ihm eine erfundene Prophetie übermittelt habe: Tertullian († nach 220), Eustathius von Antiochien († 337), Gregor von Nyssa († 394) und Hieronymus (347–42O).
Der Grund für diese Diskussion lässt sich leicht einsehen. Während sich die Kirche darum bemühte, die Christen von Totenbeschwörung und Magie abzubringen, schien die Bibel in 1 Sam 28 doch von einer solchen Möglichkeit zu sprechen. Damit berühren wir ein Problem, das sich die biblischen Erzähler selbst noch nicht gestellt haben: Konnte sich Gott einer Totenbeschwörerin bedienen, um durch den inzwischen verstorbenen Samuel dem König Saul das verdiente Schicksal vorauszusagen? Warum schlug Gott bei dieser Prophetie einen Weg ein, der durch das Gesetz klar verboten war (Lev 19,31; 20,6.27; Dtn 18,11)?

Biblische Gestalten – Saul: Schuld, Reue und Tragik eines Gesalbten 2003

eine wirklich gute Zusammfassung habe ich hier gefunden:

HAT DIE MEDIUM IN EN-DOR WIRKLICH SAMUEL HERBEIGERUFEN?

Und der König meinte zu ihr: „Keine Angst, was siehst du?“ Und die Frau sagte zu Saul: „Ich sehe ein göttliches Wesen aus der Erde aufsteigen.“ Und er fragte sie: „Wie sieht es aus?“ Und sie sagte: „Ein alter Mann kommt herauf, und er ist in ein Gewand gehüllt.“ Und Saul wusste, dass es Samuel war, und er verneigte sich mit seinem Gesicht bis zum Boden und huldigte ihm. 1 Samuel 28:13, 14.

Die Erzählung in 1 Samuel 28 wird von Anhängern der Theorie der unsterblichen Seele verwendet, um zu argumentieren, dass Samuel nach seinem Tod erschien und sprach und dass daher alle Menschen nach dem Tod bei Bewusstsein sind. Historisch gesehen gibt es zwei Hauptinterpretationen dieses Kapitels:

1. Der Prophet Samuel ist wirklich erschienen
Diese Ansicht taucht erstmals im apokryphen Buch Sirach 46:16–20 (ca. 180 v. Chr.) auf. Einige sahen Samuel als körperlose Seele, aber Augustinus (354–430 n. Chr.) und andere dachten, Samuel sei als wiederbelebter ganzer Mensch erschienen, mit einem Körper wie dem Auferstehungskörper Jesu oder dem Körper Moses bei der Verklärung Jesu. Der Glaube, dass Samuel wirklich erschienen ist, erfordert also nicht den Glauben, dass er nur eine körperlose Seele war oder dass alle Menschen nach dem Tod nur körperlose Seelen sind.
Das Argument, dass Samuel wirklich erschienen ist, wirft aber ernsthafte Fragen auf: Könnte die Medialität wirklich die Ruhe des treuen Propheten Gottes stören? Würde Gott eine prophetische Botschaft durch ein Medium senden – eine verurteilte Quelle (5. Mose 18,10; 3. Mose 20,6) –, insbesondere wenn er Saul die Führung durch anerkannte Methoden verweigert (1. Sam. 28,6)? Manche sehen in der Medium eine gute Beispiel für den Dienst von Frauen, die „geistliche Führung und Einsicht bieten”, aber diese Interpretation würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, indem man heute göttliche Weisheit durch Medien erwarten würde (siehe 1 Tim 4,1; 2 Thess 2,8–11).

2. Samuel wurde von einem Dämon verkörpert
Tertullian (155–220 n. Chr.) und andere Kirchenväter sagten, dass ein Dämon oder Satan sich als Samuel ausgegeben hat, um Saul zu täuschen. Diese zweite Sichtweise passt am besten zum Text.
Aus der Bibel wissen wir, dass Saul anfällig für Dämonisches war (1 Sam 16,14–16, 23; 18,10; 19,9). Samuel warnte ihn vor der „Sünde der Wahrsagerei” oder Hexerei (hebr. qesem, 1 Sam 15,23), doch Saul bat die Wahrsagerin, ihm die Zukunft vorauszusagen (hebr. qasam, 1 Sam 28,8); das Wort qasam wird normalerweise im Zusammenhang mit heidnischen Wahrsagern verwendet (4 Mose 22,7; Josua 13,22; 1 Sam 6,2).
Heidnische Praktiken in En-Dor – En-Dor war wahrscheinlich eine kanaanitische, keine israelitische Siedlung (Jos 17,11–13), und neuere archäologische Funde zeigen, dass die kanaanitische Religion Ahnenkult beinhaltete, mit Ritualen, die denen sehr ähnlich waren, die die Frau für Saul durchführte. Eine ugaritische Tafel beschreibt ein Ritual, bei dem verstorbene Vorfahren, darunter auch der kürzlich verstorbene König, heraufbeschworen wurden, um den amtierenden König zu segnen. Diese Vorfahren, „die toten und vergötterten Könige von Ugarit”,4 galten als göttliche Wesen in der Unterwelt und wurden daher ʾElohim genannt – genau das gleiche Wort, das Sauls Medium für die „Götter” (KJV) verwendet, von denen sie sagt, dass sie aus der Erde aufsteigen (1 Sam 28,13).
Viele Kommentatoren übersehen, dass die Wahrsagerin im Hebräischen das Wort „Elohim“ im Plural benutzt (passend zu einem Partizip Plural, „sie steigen auf“, 1 Sam 28,13). Diese Pluralform ist typisch für Polytheisten (vgl. 4,8; 17,43), die sich verschiedene Götter vorstellen. Saul übersieht ihren Plural und konzentriert sich auf Samuel: „Wie sieht er aus?“ Die Frau übernimmt dann seinen Singular: „Ein alter Mann kommt herauf“ (Singularpartizip, 28,14). Sie sagt Saul, was er hören will, weil sie Angst hat, da er ihre okkult praktizierenden Mitstreiter entfernt hat (28,3). Die Erscheinung, die sie heraufbeschwört, benutzt sieben Mal den Namen Jahwes, aber „Herr, Herr“ zu sagen, beweist nichts; Polytheisten waren tolerant gegenüber gemischten Religionen (vgl. Ex 32,4.5).
Die Frau gibt Saul zu essen und wird dafür von vielen Kommentatoren für ihre Freundlichkeit gelobt, aber der Autor beschreibt, wie sie das Tier nicht mit dem Verb „schlachten“ (tabach, vgl. 1 Sam 25,11), sondern „zum Opfer schlachten“ (zabach) tötet. Sie führt eine „kultische rituelle Schlachtung“ durch. 6 Zu Israels früherem Glaubensabfall gehörte auch, Opfer für die Toten zu essen: Sie „aßen und verneigten sich vor diesen ʾElohim“ (Num 25,1–3; Ps 106,28), was schlimme Folgen hatte. Ihre scheinbare Freundlichkeit führt Saul also tatsächlich zu einer heidnischen Verehrung. Das könnte erklären, warum er zuerst nicht essen wollte (28,23).
Sauls Strafe wird verschärft – Dieser vermeintliche „Samuel“ verschärft Sauls Strafe für alte Sünden, die bereits gesühnt waren, massiv. Sauls unerlaubtes Opfer (1 Sam 13,10–14) und seine Plünderung (15,13–35) wurden mit dem Entzug seines Königtums bestraft, aber jetzt fügt „Samuel” hinzu, dass Saul den Philistern ausgeliefert wird, ebenso wie die Armee Israels, und dass Saul und seine Söhne morgen „bei mir” sein werden (28,19). Es werden keine neuen Vergehen erwähnt (28,18), warum also sollte Gott in aller Fairness Sauls Strafe noch verschärfen? Die Botschaft klingt so, als wolle man Saul mit Schuld und Angst belasten und jede mögliche Hoffnung oder Reue zunichte machen. Am nächsten Tag begeht Saul Selbstmord (31,4.5). Passt diese Botschaft zu Gottes Charakter? Selbst die härtesten göttlichen Zurechtweisungen implizieren ein Evangelium der Gnade und Hoffnung durch Reue.
„Gott erlaubte dem Teufel, um seinen Plan zu verwirklichen, die Gestalt Samuels anzunehmen, damit diejenigen, die die Liebe zur Wahrheit nicht annehmen wollten, starken Täuschungen verfallen und einer Lüge glauben würden. … Dass der Teufel mit göttlicher Erlaubnis in der Lage sein sollte, sich als Samuel auszugeben, ist nicht verwunderlich, da er sich in einen Engel des Lichts verwandeln kann! Es ist auch nicht verwunderlich, dass ihm dies in diesem Fall gestattet wurde, damit Saul zur Verzweiflung getrieben würde, indem er den Teufel befragte, da er sich nicht auf richtige Weise an den Herrn wandte, durch den er Trost hätte finden können“ (Matthew Henrys Bibelkommentar zu 1. Samuel 28,7–14 [Online-Ausgabe] http://blueletterbible.org).
Verdächtig ist auch, dass dieser „Samuel“ Samuels Worte zitiert, Saul aber nie für die „Sünde der Wahrsagerei“ tadelt, vor der der echte Samuel gewarnt hatte (1 Sam 15,23; vgl. 28,8) und die sich für Saul als tödliche Sünde erwies (1 Chron 10,13.14).
Ungenaue Vorhersagen – Die Vorhersage der Frau enthält auch Ungenauigkeiten. Saul wurde nicht den Philistern ausgeliefert, sondern beging Selbstmord; und sein Leichnam wurde, obwohl er mitgenommen worden war, von den Einwohnern von Jabesch-Gilead zurückgeholt (1 Sam 31,12.13). Außerdem starben nicht alle Söhne Sauls am nächsten Tag; ein paar Kapitel später taucht „Isch-Boschet, der Sohn Sauls” auf (2. Sam. 2:8–10). Im Gegensatz dazu sprach der echte Samuel das Wort Jahwes genau (1. Sam. 3:19–21).Außerdem sagte dieser „Samuel“, dass Saul und seine Söhne „bei mir“ sein würden (1 Sam 28,19); aber wo? Welche Vorstellung vom Jenseits bringt einen gottlosen König und einen gottesfürchtigen Propheten an denselben Ort? Nicht die traditionelle Lehre von Himmel und Hölle; auch nicht die einheitliche Beschreibung von Grab, Himmel und Hölle im Neuen Testament. Die Wahrsagerin würde antworten: im Scheol, der Unterwelt, wo alle Seelen hingehen. Doch ihre Weltanschauung entspricht nicht der der Bibel.

Weder Saul noch die Frau sahen den echten Samuel – Einige wenden ein, dass im Text steht: „Saul wusste, dass es Samuel war” (1 Sam 28,14, NIV). Doch Saul lag mit dem Gesicht nach unten, sah nichts und verließ sich auf die Beschreibung der Wahrsagerin. Das Wort „wissen“ (yadaʿ) wird für Wahrnehmungen (KJV, „wahrgenommen“) oder Überzeugungen verwendet, die falsch sein können: z. B. in 1. Samuel 4,6 glauben die Philister (yadac), dass ein Gott in das Lager der Israeliten gekommen ist, aber in Wirklichkeit ist es die Bundeslade.

Was ist mit der Beschreibung, dass „die Frau Samuel sah“ (1 Sam 28,12)? Zweifellos hat sie Samuel gesehen, aber das beweist nicht, dass er wirklich da war. Der Erzähler berichtet, dass einige Israeliten aus ihrer Sicht „sahen“, dass „Saul und seine Söhne tot waren“ (31,7), aber tatsächlich starben nicht alle seine Söhne: Der Erzähler selbst gibt genau an, wie viele es waren (31,6). In ähnlicher Weise scheint der Erzähler aus der Sicht der Frau zu berichten, was „Samuel zu Saul sagte“ (28,15.16). Die Sichtweise einer Figur zu erzählen, ist eine gängige Technik, bei der „die Sprache des Scheins“ zum Einsatz kommt. Dieselbe Technik wird verwendet, um den philistinischen Gott Dagon als Person zu beschreiben: „Und siehe, Dagon war auf sein Gesicht gefallen“ (5,4). Dagon ist natürlich ein lebloses Steinidol, aber der Erzähler ahmt die Sichtweise der Philister nach. Die Beschreibung des Erzählers, was die Frau und Saul wahrgenommen haben, ist eine Technik des subtilen Spannungsaufbaus, die den Leser die Macht der Täuschung spüren lässt, bis die vielen „Warnsignale“ im Text uns dazu bringen, zurückzugehen und genauer zu lesen, wie Saul schließlich zu Fall gebracht wurde.


Fazit – Nach der Heiligen Schrift hat nur der Schöpfer die Macht, Tote auferstehen zu lassen (Johannes 11,25), und Gott reagierte sicherlich nicht auf die Aufforderung der Wahrsagerin von En-Dor, die wegen der Ausübung von Zauberei unter dem göttlichen Todesurteil stand (Lev 20,27). Die Szene in 1. Samuel 28 zeigt dramatisch eine kanaanitische Séance, bei der ein Medium verspricht, „Götter“ aus der Unterwelt auferstehen zu lassen, aber ein Dämon gibt sich als Samuel aus, um Saul zu täuschen, damit er sich hoffnungslos schuldig fühlt und Jahwe und das Leben aufgibt. Der Teufel steckt im Detail.

Grenville J. R. Kent – Biblical Research Institute Studies – Hat die Wahrsagerin von En-Dor wirklich Samuel heraufbeschworen?

Wenn ihr die Liebe nicht habt, dann fehlt euch das Beste.

Zu diesem allen (O. über dies alles) aber ziehet die Liebe an, welche das Band der Vollkommenheit ist.
Elberfelder 1871 – Kolosser 3,14

Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Kolosser 3:14

Das Wichtigste aber ist die Liebe. Sie ist das Band, das uns alle in vollkommener Einheit verbindet.
Neues Leben – Bibel 2006 – Kol 3,14

Ueber Alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
Protestantenbibel – Kol 3:14

Über all das ziehet die Liebe an, sie ist das zusammenschließende Band der Vollendung.-Pattloch – Kol 3,14

Lasst die göttliche Liebe sich über alles andere legen. Sie ist ein starkes Band, der Inbegriff der Vollkommenheit.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Kolosser 3:14

Den Vers 13 hatten wir ja schon einmal… da ging es um „nicht streiten“ und „Vergebt einander“. Aber die vielen Menschen, die sich Christen nennen, und nur ihre eigene Meinung akzeptieren, und alle anderen Meinungen niederbrüllen, werden ja täglich mehr. Deshalb steigert Paulus im Vers 14 seine Aussage:

ἐπὶ πᾶσιν zu allem hinzu (BDR § 2355) od. über all dies (Zür.), schließt an ἐνδύσασθε (V. 12) an. ὅ ἐστιν das ist, das heißt (A93). σύν-δεσμος Band. τελειότης3 ητος ἡ Vollkommenheit; σύνδεσμος τῆς τελειότητος Gen. des Zwecks (A162) das die Vollkommenheit schaffende Band (BDR § 1661; vgl. B σύνδεσμος 1b), evtl. gen. qualitatis (A160) das vollkommene Band. Kol

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Vollkommenheit: Die Liebe ist gleichsam ein vollkommenes Band, womit die Christengemeinschaft fest zusammengefasst wird. Darum soll man sie wie ein Überkleid über die anderen Tugenden anziehen und gebrauchen. Und allein die Liebe soll all unser Tun gegenüber dem Nächsten regieren und mäßigen. Wo die Liebe Platz hat, da muss aller Streit und Zwiespalt weichen.

Luther Studienbibel (2025) – Erklärungen

Zieht an, die Metaphern des Ausbzw. Ankleidens gehören in den christlichen Kontext und sind von der Taufliturgie beeinflusst (vgl. EvThom 37). Aufgrund der Sprache ist für diesen Abschnitt des Kolosserbriefs eine Taufsituation als Hintergrund anzunehmen. Liebe, gr. agapē, die höchste Tugend, mit der sich die Gemeindemitglieder „kleiden“ sollen. Vgl

Das Neue Testament – jüdisch erklärt

Vor allem sollen Christen einander lieben (siehe 1. Korinther 13). „Bindet … zusammen“ könnte bedeuten, dass die Liebe alle Tugenden vereint.

The ESV Study Bible

Liebe. Das umfassende Gebot (Mt 5,43–48; Mk 12,28–33; Röm 13,8–10; 1 Kor 13,1–13) und die Basis für die anderen Tugenden.

NIV Biblical Theology Study Bible

Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes (Römer 13,8.10), weil sie der Grund ist für alles Gute, was ein Christ tut. In diesem Sinne verbindet sie alle guten Taten eines Christen in perfekter Einheit.

Holy Bible: Evangelical Heritage Version Study Bible

Die Bilder hier zeigen, dass das letzte und wichtigste neue Kleidungsstück für Gottes Volk die Liebe ist, das perfekte Band der Einheit, das die Gläubigen in völliger Einigkeit zusammenhält (Eph 4,3).

CSB Study Bible: Notes

V 14 Als christliche Kardinaltugend wird die Liebe herausgestellt, die über diesen allen – nämlich den in V 12 aufgereihten Eigenschaften – anzuziehen ist. Weil der Imperativ „ziehet an“ auch noch den Akkusativ τὴν ἀγάπην bestimmt, ist das Bild vom Kleid nochmals aufgegriffen. Es ist daher richtig, wenn man die Liebe im Rahmen dieser Metafer als Obergewand aufgefaßt hat, das die anderen Kleidungsstücke bedeckt. Auf jeden Fall ist die ἀγάπη als das Herzstück des neuen Menschen gekennzeichnet, wie die Lüge das Wesen des alten Menschen ausmacht (V 9). Die Liebe als Grundgebot des Christen ist eine Sicht, die mit den alten Paulusbriefen (Röm 13, 8–10; 1 Kor 13; Gal 5, 14) übereinstimmt und in der Verkündigung Jesu wurzelt (Mt 5, 43f par; 22, 34–40 parr.). Die Kolosser hatten sich hier offenbar schon bewährt (Kol 1, 4 und 8).
In einer für unseren Brief typischen Identifikationsaussage wird die Liebe als das Band der Vollkommenheit definiert. Zwei Interpretationen sind möglich. Man kann die Liebe als die Vollkommenheit sehen. Dann rückt der Text in die Nähe der letzten Antithese der matthäischen Bergpredigt (Mt 5, 45–48). Die Liebe als σύνδεσμος verbindet alle anderen menschlichen Tugenden und führt sie zur Vollkommenheit. Ohne Liebe sind sie nichts (vgl. 1 Kor 13, 1–3). Man kann sich für diese Auffassung darauf berufen, daß in der hellenistischen Moralphilosophie die Frage nach dem, was alle Tugenden zusammenhält, diskutiert wurde. So haben die Pythagoreer nach einem immer wieder zitierten Wort des Simplicius, in Epict. 30, die Freundesliebe das Band aller Tugenden (σύνδεσμος πασῶν τῶν ἀρετῶν) genannt. Die Vollkommenheit aber, von der V 14 spricht, bedarf nicht des Bandes. Darum ist die andere Auffassung plausibler, nach der die Liebe als das vollkommene Band gerühmt wird. Sie ist die Kraft, die Gegensätze überbrücken und Getrenntes dauerhaft verbinden kann. In der liebenden Einheit stellt sich Vollkommenheit dar.
Der Hintergrund der σύνδεσμος-Spekulation ist nicht in der Moralphilosophie, sondern in der Kosmologie zu suchen. Nach Plato können zwei Dinge ohne ein Drittes nicht schön zusammengefügt werden. Nur ein vermittelndes Band kann zwischen ihnen Vereinigung bewirken. Dieses Band ist die Analogie. Plato überträgt die Frage nach dem Zusammenhalt auf die Elemente der Welt und auf den menschlichen Körper (Tim 31a–c). In der Aufnahme platonischer Ideen ist für Philo der Logos „ein Band (δεσμός) des Alls, das alle seine Teile verknüpft und zusammenhält und sie hindert, sich voneinander zu lösen“ (fug. 112). Die Welt, die „der größte und vollkommenste Mensch“ heißt, besitzt Teile, die zwar „nach Orten getrennt, aber in ihren Kräften verbunden sind und eine Einheit darstellen“ (migr. Abr. 220). Der Weltbildner hat dafür Vorsorge getroffen, daß sich nichts löse, was einmal so schön gebunden war (181). Unser Pauliner redet allerdings nicht über die Welt, sondern überträgt kosmologische Gedanken auf die Kirche. Kosmologie wird umgesetzt in Soteriologie und damit in geschichtliches Handeln. Das von ihm im Christus-Lied angewendete Interpretationsprinzip (1, 18) wirkt sich auch hier weiter aus. Darum steht nicht mehr der einzelne Christ mit den ihn befähigenden Tugenden im Blickpunkt, sondern das Soma Christi (vgl. V 15). Im paränetischen Kontext kann dieser Übergang schnell hergestellt werden. Der Leib Christi muß zusammengehalten und vor Auflösung bewahrt werden. Am vollkommensten geschieht dies durch die Liebe. Diese Liebe entspringt nicht menschlicher Kraft, sondern die Glieder des Leibes sind als von Gott Geliebte (V 12) dazu berufen.

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Nach der Unterbrechung durch V. 13 kehrt der Gedanke zum Bild des Anziehens (V. 12) zurück: Über die bisher genannten Gewänder (= Tugenden) soll noch ein letztes, entscheidendes angezogen werden („über allen diesen aber“). Nach dieser Einleitung wechselt das Bild; es handelt sich nicht – wie zu erwarten wäre – um ein Kleidungsstück, das wie ein Umhang über andere Kleider gezogen wird, sondern um den Gürtel, der die Kleider zusammenhält: die Liebe, die das „Band der Vollkommenheit“ genannt wird. Das im Neuen Testament seltene Wort sýndesmos bedeutet „Bindemittel, Band“; in Kol 2,19 wird es für die „Bänder“ gebraucht, die den Leib zusammenhalten. Nur wenn man den Zusammenhang von V. 12 und V. 14 außer acht läßt, könnte man an die Liebe als das Band denken, „das die Glaubenden miteinander verbindet“. In Verbindung mit V. 12 legt sich jedoch eine andere Auslegung nahe: Die Liebe ist das Band, das alle Tugenden in sich zusammenschließt (vgl. 1Kor 13,13); sie wird daher zu Recht als „das vollkommene Band“ bezeichnet.

Maisch – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

„Zu diesem allen aber die Liebe, das ist ein Einheitsband der Vollkommenheit.“ Mit „Einheits“ band ist die Vorsilbe „syn“ wiedergegeben, die hier vor dem Wort für „Band, Verbindung“ steht. Das andere Sprachgefühl der Griechen benutzt den Genitiv, um etwas auszudrücken, was wir im Deutschen lieber mit Adjektiv und Adverb sagen würden: „das ist ein völlig zusammenhaltendes Band“. Vielleicht ist dabei an den Gürtel gedacht, der die ganze Kleiderpracht der Auserwählten Gottes erst zusammenhält. Vielleicht leitete aber auch der Gedanke an die Gemeinde den Diktierenden. Von „Bändern und Sehnen“, die den Leib versorgen und zusammenhalten, hatte Paulus schon 2, 19 gesprochen, 2, 2 auch schon vom „Zusammenhalten in Liebe“. Jedenfalls so wie die Liebe 1 Ko 13 mitten zwischen allen Geistesgaben als der „noch köstlichere Weg“ steht, so ist die Liebe auch die Krone wahrer Heiligung. Diese Heiligung schafft nicht einsame Koryphäen, die mit ihren großen Heiligungsleistungen prangen und dabei die Gemeinde spalten, sondern stellt in die Bruderschaft und dient ihr und schließt alles das, was vorher genannt war, zusammen. Nur müssen wir heutigen Leser, damit es nicht gefährliche Mißverständnisse gibt, daran denken, daß diese Liebe, die „agape“, ganz und gar nicht das ist, was wir unter „christlicher Liebe“ gemeinhin zu verstehen pflegen. Auch sie ist gerade nicht etwas, was wir von uns aus besitzen und so in die Waagschale werfen könnten. Wir können nicht etwa sagen: Nun also, wozu der komplizierte „Glaube“, wozu all dies merkwürdige mit Christus Gestorben- und Auferwecktsein, wir „lieben“ einfach, und alles ist gut. Nein, „lieben“ kannst du gerade nicht. Deine ganze natürliche Gutmütigkeit und Nettigkeit gehört zum „alten Menschen“ und ist vom Ich verseucht und muß sterben! Und erst als ein von Gott unbegreiflich Geliebter, als ein im Kreuz des Christus Erretteter kannst du in der Liebe, in der wirklichen, göttlichen Liebe, lieben und sollst nun freilich diese Liebe auch „zu diesem allen“ anziehen.

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

Wir lesen dann: „Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.“ Es geht nicht darum, diese Dinge mit Liebe zu überziehen, als ob über all diesen Eigenschaften die „Liebe“ als getrennter Charakterzug zu verstehen sei. Liebe ist dem herzlichen Erbarmen, der Güte und allen anderen Eigenschaften hinzuzufügen. Alle diese gesegneten Tätigkeiten des neuen Menschen sollen der Liebe entspringen. Wenn wir Erbarmen oder Güte und Langmut oder Vergebung zeigen, sollte es so sein, weil wir unseren Bruder lieben. Liebe ist „das Band der Vollkommenheit“. Der Apostel spricht von der neuen Ordnung des Menschen, in der nur Vollkommenheit zu finden ist. In der alten Ordnung sind die Menschen hassenswürdig und einander hassend. In der neuen sind alle miteinander verbunden durch die ewigen Bande der Liebe. Jemand hat gesagt: „Die Beziehungen, die in der Liebe Christi und in der Arbeit für Christus zusammengenietet sind, überleben die zeitlichen Veränderungen und binden die Familie Gottes in den Wohnungen der Ewigkeit zusammen.“

Hamilton Smith – Der Brief an die Kolosser

Die Bibel redet einmal von der Liebe als dem “Band der Vollkommenheit” (Kol. 3,14) – das klingt wie Reklame für unzerreißbare Bänder oder Seile. Die wird es schon geben in der Industrie. Im menschlichen Miteinander sind sie selten. Zu oft halten sie den Zerreißproben nicht stand.
Was soll ich tun? Ein Neues kaufen? Es gibt nur eine Liebe. Aber es gibt die Kunst des Verknüpfens, es gibt den Knoten. Er verbindet, was zerrissen war. Sieht aber dann das “Band der Vollkommenheit” nicht bald wie Flickwerk aus?
Mag sein, aber sollten wir uns deshalb schämen müssen? Ist der Knoten richtig geknüpft, hält diese Stelle des Bandes besser als jede andere. Der richtige Knoten wird immer fester, je größer die Belastung wird. Und er wird kleiner, und bald ist er nur noch wie eine Narbe, die anzeigt: Hier wurde etwas geheilt. Deshalb preist das Volkslied nicht das Band, sondern den Knoten: “Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein soll unsrer Liebe Verknotigung sein.”
Sollen wir uns schämen, wenn das Band so oft geflickt, verknotet wurde? Nein! Aber das Knüpfen sollten wir beständig üben und nicht müde dabei werden!
(Gerhard Schlage)

CMV-Materialsammlung

in » zu diesem allem ziehet die Liebe an « ist das Verb » ziehet an « gemäß V. 12 ergänzt. Die Präposition epi (» zu «) kann vielerlei bedeuten: 1) örtlich: » auf « oder » über « , was sich dem Bild des Anziehens von V. 12 eng anschließt; 2) » zusätzlich zu « wie Moule hier übersetzt (S. 123); 3) elativ, und dann bedeutet es » vor allem « , » über allem « .
    Der Gedanke des Apostels ist der, daß Liebe die Tugend ist, welche alle übrigen Tugenden zusammenhält und sie vervollständigt. Oft findet man es schwierig, sich so zu kleiden, daß die verschiedenen Kleidungsstücke auch zu einander passen. Diese Schwierigkeit kommt hier nicht auf: Die Liebe paßt vollkommen zum siebenfachen Gewand des Gläubigen. Die Liebe ist nie altmodisch.
    Für syndesmos siehe 2,19. Es wird für Bande der Ungerechtigkeit, die versklaven, gebraucht (Apg 8,23). In Eph 4,3 nennt das Wort das Mittel, welches die Einheit erhält. In 2,19 wird das Wort in dem Sinn gebraucht, das erst die christliche Kleidung vollkommen macht. Einige haben die Vorstellung eines Gürtels vorgebracht, welcher die Tugenden zusammenhält. Es ist das » Band « , welches Reife oder Vollkommenheit bezeugt, weshalb sie immer von solchen ausgelebt werden sollte, die dieses Ziel vor Augen haben.
    Liebe erzeugt Liebe. Die Aufforderung begann auf der Grundlage, daß wir von Gott geliebt sind, und sie endet damit, daß wir unsere Liebe anderen durch volle Vergebung zum Ausdruck bringen.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Alle Leute von Juda sollen endlich in die Hufe kommen. Ich werde euch bei der Arbeit helfen, ich bin bei euch! Das sagt Gott, der Chef über dieses Universum!

Und nun sei stark, Serubbabel, spricht Jehova; und sei stark, Josua, Sohn Jozadaks, du Hoherpriester, und seid stark, alles Volk des Landes, spricht Jehova, und arbeitet! denn ich bin mit euch, spricht Jehova der Heerscharen.
Elberfelder 1871 – Haggai 2,4

Nun doch, sei stark, Serubbawel, Ausspruch des Ewigen, und sei stark, Jehoschua, Sohn Jehozadaks, Hohepriester, und sei stark, des Landes ganzes Volk, Ausspruch des Ewigen, und geht ans Werk, denn ich bin mit euch, Ausspruch des Ewigen der Heerscharen,
Die Philippson-Bibel – Haggai 2:4

Und nun sei stark, Serubbabel, spricht Jehovah, und sei stark, Jehoschua, Sohn Jehozadaks, du Hoherpriester, und sei stark, alles Volk des Landes, spricht Jehovah, und macht es; denn Ich bin mit euch, spricht Jehovah der Heerscharen.
Tafel Friedrich – Hag 2,4

וּכעַן תְקַף זְרוּבָבַל אֲמַר יוי וּתקַף יְהֹושֻעַ בַר יְהֹוצָדָק כָהֲנָא רַבָא וּתקַף כָל עַמָא דְאַרעָא אֲמַר יוי וַעְבִידוּ אֲרֵי מֵימְרִי בְסַעדְכֹון אֲמַר יוי צְבָאֹות׃
Targum Jonathan – Hag 2:4
Und dann sagte Jojachin, der Sohn Jojakims, und Josua, der Sohn Jozadaks, der Hohepriester, und das ganze Volk, das in Jerusalem war: „Hört auf Jojachin, den Sohn Jojakims, und Josua, den Sohn Jozadaks, den Hohepriester, und das ganze Volk, das in Jerusalem war. Ich werde in der Wüste sprechen und sagen: „O mein Volk, o mein Volk!“

Und nun, sei stark, Zorobabel«, sagt der Herr, »und sei stark, Jesus, (Sohn) von Josedek, Hoherpriester, und es sei stark das ganze Volk des Landes«, sagt der Herr, »und tut (etwas): Denn ich bin mit euch«, sagt der Herr, (der) Allherrscher.
Septuaginta Deutsch – Hag 2,4

Der Herr ermutigt jedoch die Menschen und ihre beiden Führer, sich trotzdem getrost an die Arbeit zu machen. Auf die dreimal wiederkehrende Ermunterung “ sei getrost “ (oder „fasse Mut“) folgt schließlich das Gebot “ und arbeitet „. Interessanterweise hatte auch David ganz ähnliche Wendungen gegenüber Salomo gebraucht, als er ihm den Bau des ersten Tempels übertrug ( 1Chr 28,10.20 ) und ihm Gottes Beistand verhieß. Gott, der das Volk ermutigt hatte, den Wiederaufbau des Tempels in Angriff zu nehmen ( Hag 1,14 ), gab ihm nun Kraft, sein Vorhaben auch durchzuhalten. Die Wendung “ alles Volk im Lande “ bezieht sich nicht, wie in Esr 4,4 , auf Judas Feinde, sondern auf „die übrigen vom Volk“ ( Hag 2,2 ; vgl. Hag 1,12.14 ).

Erneut versichert der Herr den Menschen: “ Ich bin mit euch. “ (vgl. Hag 1,13 ). Wie der Geist Gottes mit den Israeliten war, als sie aus Ägypten auszogen (vgl. Jes 63,11-14 ), so wird er unter ihnen sein, wenn sie den Tempel bauen – eine Aufgabe, die hier mit dem „Exodus“ aus Babylon in Verbindung gebracht wird. Der Hinweis auf den Bund zwischen Gott und seinem Volk soll die Menschen weiter zum Bau ermutigen.
Gott tröstet sie in ihrer Verzagtheit. Sie sollen sich nicht fürchten. Weil der Herr ( Hag 1,13; 2,4 ) und sein Heiliger Geist bei ihnen sind, können sie ruhig und zuversichtlich sein. Die Wendung “ Fürchtet euch nicht “ wird häufig in Zusammenhang mit Erlösungsverheißungen gebraucht (z. B. Jes 41,10; 43,1 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Gott ermahnt sie, stark zu sein und zu arbeiten. „Lasst euch nicht entmutigen und macht euch keine Sorgen über das, was in der sogenannten guten alten Zeit geschah.“ Es geht nicht darum, ob die Achtzigjährigen damit zufrieden sind; es geht darum, ob Gott damit zufrieden ist. Er erinnert sie im Grunde an seine Verheißung in der ersten Botschaft: Denn ich bin mit euch, spricht Jehova der Heerscharen.

Dann präsentierte er ihnen die zweite Grundlage für die Ermutigung, den Beweis aus der Vergangenheit, basierend auf zwei Dingen in Vers 5: gemäß dem Wort, das ich mit euch geschlossen habe, als ihr aus Ägypten auszogt und mein Geist unter euch wohnte: fürchtet euch nicht.
Erstens war der mosaische Bund ein Beweis dafür, dass Gott in der Vergangenheit mit ihnen war. Dies war der Bund, der geschlossen wurde, als sie aus Ägypten kamen und der Segen für Gehorsam und Flüche für Ungehorsam versprach. In Kapitel 1 erlebten sie einige der Flüche für Ungehorsam; jetzt, wo sie sich im Zustand des Gehorsams befanden, sagte Gott, dass er mit ihnen sein und sie segnen würde, wie es der mosaische Bund versprochen hatte (2 Mose 19,5-6; 24,8; 29,45-46). Der zweite Beweis aus der Vergangenheit war die Gegenwart des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist war mit dem Volk in der Exodus-Erfahrung, und er würde auch in dieser Erfahrung wieder mit ihnen sein. Die Verheißung aus der Vergangenheit bezüglich des Bleibens des Heiligen Geistes findet sich in 4 Mose 11,17-25 und 27,18.
Gott gab ihnen zuerst Ermutigung aus der Vergangenheit, indem er ihnen sagte, so wie er in der Vergangenheit mit ihnen war, als sie gehorsam waren, so würde er auch in der Gegenwart mit ihnen sein, jetzt, wo sie in einem Zustand des Gehorsams waren.

Arnold Fruchtenbaum – Das Buch Haggai

Ermutigung: Gottes Gegenwart (Hag. 2:4-9). Haggai leugnete nicht, dass der neue Tempel im Vergleich zu dem, was Salomo gebaut hatte, „wie nichts“ war, aber das war nicht wichtig. Wichtig war, dass es sich um Gottes Werk handelte und sie sich darauf verlassen konnten, dass er ihnen helfen würde, es zu vollenden. Haggai sagte „Seid stark!“ zum Statthalter, zum Hohepriester und zu den Menschen, die am Bau arbeiteten, und diese beiden Worte sollten für sie sehr bedeutsam sein.

Während des Laubhüttenfestes ließen sich die Juden das Buch Deuteronomium vorlesen (Dtn 31,9-13), und so hörten sie den Bericht über die drei Male, die Mose Josua und dem Volk sagte, sie sollten stark sein (Dtn 31,6-7, 23). Zweifellos erinnerten sie sich auch daran, dass der Herr Josua dreimal sagte, er solle stark sein (Jos. 1:6-7, 9); und als König David Salomo mit dem Bau des ersten Tempels beauftragte, sagte er seinem Sohn dreimal, er solle stark sein (1. Chron. 22:13; 28:10, 20). „Sei stark“ war keine leere Phrase, sondern ein wichtiger Teil ihrer eigenen jüdischen Geschichte.

Es ist eine Sache, den Menschen zu sagen, dass sie stark sein und arbeiten sollen, und eine ganz andere, ihnen eine solide Grundlage für diese Worte der Ermutigung zu geben. Haggai sagte ihnen, warum sie stark sein und arbeiten sollten, weil der Herr mit ihnen war (Hag. 2:4; siehe 1:13).
Die Verheißung der Gegenwart Gottes war eine Ermutigung für Josua (Jos. 1:5, 93:7) und Salomo (1. Chron. 28:20). Gläubige können sich heute auf dieselbe Verheißung berufen, wenn sie dem Herrn dienen: „Denn er selbst hat gesagt: ‚Ich werde dich niemals verlassen und dich nicht aufgeben'“ (Hebräer 13:5, NIV; und siehe Deut. 31:6, 8).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Haggai 2,4 fordert die Leute, die in 2,2 erwähnt werden, dreimal auf, Mut zu fassen und stark zu sein. Dass dieser Befehl dreimal wiederholt wird, ist wahrscheinlich kein Zufall. Es ist derselbe Befehl, den Josua, der Sohn Nuns, nach dem Tod von Moses bekam, als Israel sich bereit machte, den Jordan zu überqueren (Josua 1,6, 7, 9). Im Gegensatz zu Josua 1 richtet sich Haggais Ermutigung jedoch an zwei Führer (den politischen und den religiösen) und an das Volk selbst. Diese subtile Anspielung auf das Ende der Exoduszeit wird im folgenden Vers noch deutlicher, zumindest in der MT-Tradition. Nach den drei Ermahnungen, Mut zu fassen, folgt ein einziger Befehl: „Arbeitet!“

Interessanterweise basieren diese Aufforderungen, Mut zu fassen, laut Haggai 2,4b–5 nicht in erster Linie auf dem Versprechen, dass JHWH den Tempel wieder in seiner früheren Pracht errichten würde. Vielmehr basieren diese Aufforderungen auf Erfahrungen aus der Gegenwart und der Vergangenheit. Habt Mut, denn Gott ist mit euch (jetzt), so wie er es versprochen hat, als er euch aus Ägypten herausgeführt hat. Diese Bestätigung der Gegenwart Gottes in ihren aktuellen Bemühungen wiederholt das Versprechen aus 1,13, aber in seiner jetzigen Form greift 2,5a auf die Exodustradition zurück, wenn es heißt: „gemäß dem Wort, das ich mit euch geschlossen habe, als ihr aus Ägypten herausgekommen seid“. [Die gegenwärtige Form von Haggai 2:5a] Diese Verheißung der göttlichen Gegenwart wird in 2:5b auf zwei ziemlich interessante Arten weiter verdeutlicht. Erstens ist die Aussage, dass Gottes Geist in ihrer Mitte ist, kraftvoll und ungewöhnlich. Die Texte im Alten Testament, in denen Gott davon spricht, seinen Geist auf eine ganze Gruppe von Menschen zu legen, sind in ihrer Anzahl begrenzt (Jes 44:3; 59:21; Hes 36:27; 37,14; 39,29; Joel 4,1–2 [MT 3,1–2]). Von diesen kommen alle bis auf zwei als Verheißungen einer zukünftigen Handlung vor. Nur Jesaja 59,21 und Haggai 2,5 machen diese Aussage in einer Weise, die darauf hindeutet, dass sie für die Zuhörer des Augenblicks gilt. Dies ist eine starke Bestätigung von JHWH für die Gruppe, die mit der Arbeit am Tempel begonnen hat. Zweitens ruft die Ermahnung, sich nicht zu fürchten, am Ende von 2:5 indirekte, aber tröstliche Anklänge an die Exodus- und Eroberungsgeschichten hervor. Da in diesem Abschnitt noch andere Anspielungen auf die Exodus-Ereignisse eine Rolle spielen, sollte man beachten, dass im Pentateuch und im Buch Josua das Verb „sich fürchten” (yārāʾ) meistens benutzt wird, um die Reaktion der Völker auf die mächtigen Taten JHWHs zu beschreiben. In Haggai wird das Verb jedoch verwendet, um das Volk JHWHs zu trösten, indem es ihm sagt, es solle sich nicht fürchten, kurz bevor in 2:6–7 der Umbruch der Völker angekündigt wird. Der Befehl „Fürchte dich nicht” ist der typische Beginn eines Heilsorakels. [Heilsorakel] In diesem Fall bildet es den Übergang von einem Wort der Ermutigung zu einer Ankündigung des zukünftigen Wohlergehens Judas, das sich aus einer Veränderung der Weltordnung ergeben wird.

Smyth & Helwys Bible Commentary – The Book of the Twelve: Hosea–Malachi – Smyth & Helwys Publishing

Organe für Gottes Wirken
„Und alles Volk des Landes seid stark, spricht der Herr, und arbeitet, denn Ich bin mit euch!“
Wenn wir auch nicht wissen, was die Zukunft uns bringen mag, und ob die weltgeschichtlichen Ereignisse unserer Tage wirklich bereits der Anbruch der Endgeschichte sind, so steht doch eines fest: Gott wird Dienst, unendlich viel Dienst auch; für die Zukunft haben und zwar für alle, die priesterlich lieben und leiden können. Und ich wünschte, dass es dem Geiste Gottes gelänge, auch uns durch den alttestamentlichen Knecht sagen zu lassen: „Seid getrost und arbeitet!“
Manches ist bereits zusammengebrochen, manches wird noch zusammenbrechen, und dann gibt es aus diesen Ruinen nie etwas Neues, wenn nicht zuvor Organe da sind, durch die Gott Neues schaffen kann. Gott macht nie Weltgeschichte ohne uns, Er wirkt nie, ohne sich zuvor Träger der Geschichte erzogen zu haben.
Wenn wir auch vor den Ruinen einer großen zusammengebrochenen Vergangenheit stehen, Gott ist noch nicht am Ende. Wo Er Organe hat, da brütet der Geist des Lebens über dem Chaos, über den Trümmern auch unserer Tage. Nicht nur bei der ersten Schöpfung, auch im Laufe der Geschichte hat Er immer wieder eine Welt, die wüste und leer ward, zu neuem Lichte, neuer Ordnung, neuer Schönheit und neuem Leben geführt.
Das war das Große an dem Apostel Paulus, dass er nie den Blick dafür verlor, was Gott zu tun vermag. Wer in etwas jene Zeit kennt, in der der Apostel wirkte, der weiß, dass die Welt an sich damals nicht besser war, als die heutige Welt ist. Wohin der Apostel auch immer kam, welche Stadt und Provinz Kleinasiens und der Mittelmeerwelt er auch betrat, überall wehte ihm der Modergeruch seines sterbenden oder verwesenden Zeitalters entgegen. Aber welcher Fäulnis er auch gegenüberstand, er wusste: Gott kann!
Der heimgegangene Dr. Baedeker, der auch Russland zu einem unberechenbaren Segen geworden ist, sprach bei uns im Süden Russlands sehr oft über ein und denselben Text. Es waren die beiden Worte aus dem Epheserbrief: „aber Gott“ Wohin er auch kam, welcher Not er auch begegnete, wieviel Finsternis und Unglauben ihn auch umgab, er wusste eins: aus diesen Ruin en kann Gott ein Neues schaffen! Und er ist nicht enttäuscht worden. Die Segensspuren sind heute noch zu sehen auf jenen Wegen, die er gezogen ist. Wer auch heute von demselben Geist und derselben Zuversicht erfüllt ist, der weiß, dass Gottes schöpferisches Können auch heute nicht erloschen ist. Wen Gott in seine Mitarbeit ziehen kann, den begnadigt Er zu Handlungen, durch die auch heute Sterbendes zum Leben berufen wird.

„Seid getrost und arbeitet!“
„Aber nun sei stark, Serubabel, spricht der Herr, auch du, Josua, sei stark, du Sohn Jozadaks, du Hohepriester, und alles Volk des Landes, seid stark, spricht der Herr, und arbeitet.“
Dies ist ein Prophetenwort, das einst von einem alten Gottesknechte zu einer entmutigten Gemeinde gesprochen wurde. Unnennbares Leid, Zeiten tiefster Schmach und Erniedrigung lagen hinter der jüdischen Gemeinde. Endlich nach jahrzehntelangem Hoffen und Harren war sie aus dem babylonischen Exil in das ersehnte große Erbe der Väter zurückgekehrt. Unendlich viel war von dem verloren gegangen, was einst zum Leben und Bestand des israelitischen Volkes gehört hatte.
Nun war eine große Wendung eingetreten. Babel hatte sich endlich „in den Staub setzen müssen“, und Cyrus, der Begründer der persischen Weltmacht, hatte in dem ersten Jahr seiner Alleinherrschaft den gefangenen Juden die Erlaubnis gegeben, in die Heimat zurückzukehren. So war endlich die Sehnsucht Erfüllung geworden Und man hatte angefangen, die Hütten Israels wieder auszubauen, die Äcker der Väter zu pflügen und den Weinstock der Heimat zu pflegen.
Nur die Offenbarungsstätte Gottes, der Tempel des Herrn, stand noch unvollendet da. Manche hatten sogar geglaubt, dass es überhaupt nicht zeitgemäß sei, das nationale Heiligtum wieder aufzubauen. Die Unsicherheit der politischen Lage mag mit zu dieser Stimmung beigetragen haben. Da war der Prophet Haggai zum ersten Mal aufgetreten und hatte verstanden, das Volk für den Tempelbau zu gewinnen. Der Grund war gelegt worden, unter vielen Opfern war ein Teil des Rohbaues entstanden. Aber verglich man das, was da entstanden, mit dem, was einst war, so kam es den Alten vor, als ob das alles nichts sei in ihren Augen, und zwar im Vergleich zu der Herrlichkeit und dem Glanz, die den alten Tempel geschmückt hatten. Dieses und manches andere hatte mit dazu beigetragen, dass man den Mut zum Weiterbau verloren hatte.
In dieser entmutigten Zeit erscholl das Wort des alten Gottesknechtes zum zweiten mal. Es war eine wunderbare Gottesbotschaft, die er der Gemeinde angesichts der entmutigenden Strömungen zu bringen hatte. Durch sie gab er der Seele des Volkes neue Inspirationen, dem Glauben neue Gewissheit, der Hoffnung neue Perspektiven für die Zukunft. Diese Botschaft lautete: „Seid getrost und arbeitet!“ Die Bauenden sollten wissen, dass der Herr mit seinem Geiste in ihrer Mitte sei und dass ihr Dienst am Aufbau des Heiligtums nicht vergeblich sein werd

Jakob Kroeker – ER sprach zu mir

Den hab ich mir ausgesucht, um meinen Plan auszuführen. … Ich hab das begonnen, und ich werde das auch zu Ende bringen.

der ich einen Raubvogel rufe von Osten her, aus fernem Lande den Mann meines Ratschlusses. Ich habe geredet, und werde es auch kommen lassen; ich habe entworfen, und werde es auch ausführen.
Elberfelder 1871 – Jesaja 46,11

der ich einen Raubvogel rufe von Osten her, aus fernem Land den Mann meines Ratschlusses. Ich habe geredet, und ich werde es auch kommen lassen; ich habe geplant, und ich werde es auch ausführen.
Streitenberger – Der Tanach Deutsch – Jesaja 46:11

ich rufe von Osten her den Stoßvogel herbei, aus fernem Lande den Mann (= das Werkzeug) meiner Wahl (oder: meines Ratschlusses); wie ich es ausgesprochen habe, so lasse ich es auch eintreten; wie ich es mir vorgenommen habe, so führe ich es auch aus.
Menge 1967 – Jes 46,11

Ich rufe vom Aufgange her den Aar, aus fernem Lande den Mann Meines Rates; Ich hab’ es verheissen, Ich werde es auch kommen lassen, Ich hab’ es entworfen, werd’ es auch ausführen.
Zunz 1997 – Jes 46:11

Jedes Volk, das sich dem Götzendienst zuneigt, sollte innehalten und daran gedenken, dass nur der wahre Gott Ereignisse geoffenbart hat, bevor sie eintraten ‒ und das, um seine Pläne auszuführen. Er wird Kyrus (einen Raubvogel von Osten her) rufen, um sein Volk von den Chaldäern zu erretten.

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Die Zukunft wurde nicht verkündigt um die Neugier der Zeitgenossen zu stillen. Die Verkündigung der Zukunft sollte das Volk ermutigen umzukehren. Denn die verkündigte Zukunft wird mit Sicherheit eintreten, weil Gott sie den Propheten offenbart hatte (Jes. 44,7–8; 46,10–11). Die Zukunftsaussagen der Propheten beinhalten sowohl Heilsals auch Gerichtsbotschaften—beide sollten das Leben beeinflussen: Das Wissen um ein zukünftiges Gericht lässt die Gegenwart anders erscheinen, ihre Mängel treten klarer zu Tage. Aber wenn die Gegenwart schon alles bietet, was man sich wünscht, muss man sich nach einer Zukunft mit Gott nicht mehr sehnen. Daher der Hinweis auf das künftige Heil, der Trost und Ansporn zugleich sein soll. Die Verkündigung der Zukunft sollte Auswirkungen auf das Leben des Volkes Gottes damals haben, egal in welcher Form diese Verkündigung geschah. Die Zukunft sollte ihre Gegenwart bestimmen, denn die Gegenwart bestimmte ihre Zukunft (Jes. 2,1–5; Joel 2,1; Nah. 2,1).

Edition C Bibelkommentar Altes Testament – Propheten im Alten Vorderen Orient und im Alten Testament

Das Buch Jesaja war eine wichtige Quelle für das jüdische apokalyptische Denken, das das Neue Testament durchzieht. Deuterojesaja versuchte, die Moral der babylonischen Exilanten zu stärken, indem er ihnen die Erlösung von ihren Unterdrückern durch Gottes „Messias“ Kyrus (Jes 45,1) versprach und verkündete, dass Gott eine „neue Schöpfung“ (Jes 65,17) plane und „neue Dinge“ (Jes 42,9; 43,19; 48,6). Als diese Versprechen in den folgenden Jahrhunderten in ähnlichen Situationen der Unterdrückung gelesen wurden, gaben sie angesichts unerträglicher Unterdrückung der apokalyptischen Denkweise neuen Auftrieb. Außerdem ist es nicht schwer zu verstehen, dass die frühen Christen die Verheißungen als in ihrer Zeit verwirklicht ansahen (vgl. Mt 1,22–23; 3,3).

Isaiah Scrolls – Dictionary of New Testament background: a compendium of contemporary biblical scholarship

Nach Vers 11 ist JHWH nicht nur der Offenbarer der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft: „Ich rufe einen Raubvogel aus dem Osten, den Mann meines Rates aus einem fernen Land; ja, ich habe es geredet, ich will es auch tun; ich habe es beschlossen, ich will es auch tun. Wieder einmal offenbarte Gott, dass der Befreier Israels aus dem Osten kommen würde (vgl. Jes 41,2). Diesmal bezeichnete er Kyrus als einen Raubvogel aus dem Osten, der die Völker verschlingen würde, gegen die er vorgehen würde. Wie es geschrieben steht, so wird es auch geschehen. An dieser Stelle prophezeite Gott Dinge, die noch in der Zukunft liegen, und was er gesprochen hat, wird er auch in die Tat umsetzen. Was er sich vorgenommen hat, wird er auch tun.
Einige jüdische Gelehrte glauben, dass Vers 11 eine Prophezeiung über das Kommen des Messias ist. Rabbi Joseph Kimchi (1105-1170), der Vater von David Kimchi, dessen Werk in diesem Kommentar mehrfach zitiert wurde, lehrte zum Beispiel, dass er sich auf den König Messias bezieht, der schnell kommen wird, wenn die Zeit reif ist. Laut David Kimchi interpretiert Targum Jonathan die Passage außerdem als Hinweis auf die Wiederansammlung der Verbannten, die sehr schnell stattfinden wird.

Arnold Fruchtenbaum – Bibelkomentar Jesaja

Wenn Gott in dem Moment nicht handelt, wenn wir denken, dass er handelt sollte, dann ist das nicht deshalb, weil er dazu unfähig ist. Er entscheidet vielmehr einfach nicht zu handeln. Obwohl das wie eine willkürliche und launische Entscheidung von seiner Seite scheint, ist genau das Gegenteil wahr. Gott entscheidet zu handeln oder es zu unterlassen gemäß seinem perfekten und heiligen Plan, damit seine gerechten Absichten erfüllt werden. Nichts passiert, was außerhalb Gottes Plans liegt. Er hat die Kontrolle über ein jedes Moleküls, das durch das Universum schwebt, und Gottes Wille umfasst jede Entscheidung und jede Tat, die jede Person in der Welt und zu jeder Zeit trifft oder tut. Er sagt uns in Jesaja 46,11: „Ich rufe einen Adler vom Osten her, aus fernem Lande den Mann, der meinen Ratschluss ausführe. Wie ich’s gesagt habe, so lasse ich’s kommen; was ich geplant habe, das tue ich auch.“ Sogar die Vögel sind ein Teil seines vorherbestimmten Plans. Darüber hinaus gibt es Zeiten, wenn er uns in seinen Plan Einblick gewährt (Jesaja 46,10) und Zeiten, zu denen er das nicht tut. Manchmal verstehen wir, was er tut; manchmal nicht (Jesaja 55,9). Eines wissen wir ganz sicher: wenn wir zu ihm gehören, wird egal was er tut zu unserem Besten sein, ob wir es verstehen oder nicht (Römer 8,28).

Der Schlüssel dazu, Enttäuschung über Gott zu vermeiden, ist unseren Willen an seinen anzugleichen und uns seinem Willen in allen Dingen unterzuordnen. Wenn wir das tun, hält es von Gott enttäuscht zu sein fern und schließt zudem Murren und Beschwerden über Dinge in unserem Leben aus. Die Israeliten in der Wüste haben Gott verschiedentlich in Frage gestellt und herumgenörgelt, obwohl sie seine Macht in Wundern wie der Teilung des Roten Meers, dem Manna und die Wachteln in der Wüste, und den Ruhm des Herrn, der ihnen in Form einer Feuersäule folgte, gesehen haben (2. Mose 15–16; 4. Mose 14,2–37). Trotz der ständigen Treue von Gott gegenüber seinem Volk haben sie gemurrt und waren mit Gott unzufrieden, weil er nicht so gehandelt hat, wie sie sich das vorgestellt haben. Statt sich seinem Willen unterzuordnen und ihm zu vertrauen, waren sie in ständigem Aufruhr und in Verwirrung.

Wenn wir unseren Willen an Gottes Willen angleichen und wenn wir zusammen mit Jesus sagen können: „doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ (Lukas 22,42), dann finden wir die tiefe Zufriedenheit, von der Paulus in 1. Timotheus 6,6–10 und Philipper 4,12 gesprochen hat. Paulus hatte gelernt, mit allem, was Gott für ihn bereithielt, zufrieden zu sein. Er vertraute auf Gott und ordnete sich seinem Willen unter, wissend, dass ein heiliger, gerechter, perfekter, liebender und gnädiger Gott alle Dinge zum Besten bringen wird, weil er das versprochen hat. Wenn wir Gott in diesem Licht sehen, können wir nicht mehr von ihm enttäuscht sein. Wir ordnen uns vielmehr bereitwillig und freiwillig unserem himmlischen Vater unter, weil wir wissen, dass sein Wille perfekt ist und dass alles, was er in unseren Leben passieren lässt, letztendlich zu unserem Besten und zu seiner Herrlichkeit ist.

Got Questions Ministries 2025 – GotQuestions.org: Fragen zur Bibel beantwortet

Es fehlt in der Zweck/Mittel-Diskussion auch das Verständnis über die Vorsehung von Gott. Gott hat nicht einfach nur die Welt erschaffen, sie mit Menschen bevölkert und sie dann ihrem Schicksal überlassen. Gott hat vielmehr einen Plan und eine Absicht für die Menschheit, welche er über die Jahrtausende hinweg umsetzt. Jede Entscheidung einer jeden Person über die Geschichte hinweg wurde übernatürlich in diesen Plan eingepasst. Er teilt uns diese Wahrheit unmissverständlich mit: „der ich zuvor verkündige, was hernach kommen soll, und vorzeiten, was noch nicht geschehen ist, und der ich sage: Was ich beschlossen habe, geschieht, und alles, was ich mir vorgenommen habe, das tue ich. Ich rufe einen Adler vom Osten her, aus fernem Lande den Mann, der meinen Ratschluss ausführe. Wie ich’s gesagt habe, so lasse ich’s kommen; was ich geplant habe, das tue ich auch.“ (Jesaja 46,10–11). Gott ist eng beteiligt an der Kontrolle über seine Schöpfung und behält diese unter Kontrolle. Darüber hinaus sagt er uns, „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ (Römer 8,28). Ein Christ, der in seinem Lebenslauf lügt oder abtreibt, würde Gottes Gesetz verletzen und Gottes Fähigkeit verleugnen, für eine Familie zu sorgen und das Leben der Mutter zu erhalten, wenn es sein Wille ist.

Diejenigen, die Gott nicht kennen, sind vielleicht gezwungen, ihre Mittel durch den Zweck zu heiligen, aber diejenigen, die behaupten Kinder Gottes zu sein, haben überhaupt keinen Grund ein Gesetz Gottes zu brechen, seine göttliche Absicht zu verleugnen oder Schande über seinen Namen zu bringen.

GotQuestions.org: Fragen zur Bibel beantwortet

Jehova ist derjenige, „der von Anfang an den Ausgang kundtut und von alters her die Dinge, die nicht getan worden sind; der spricht: ‚Mein eigener Beschluss wird bestehen, und alles, was mir gefällt, werde ich tun‘ “ (Jesaja 46:10). Welcher andere Gott könnte sich in dieser Hinsicht mit Jehova vergleichen? Die Fähigkeit, die Zukunft vorauszusagen, ist ein untrüglicher Beweis für die Göttlichkeit des Schöpfers. Es bedarf jedoch mehr als Weitblick, um die Erfüllung von Voraussagen zu garantieren. Die Worte „Mein eigener Beschluss wird bestehen“ betonen die Unveränderlichkeit von Gottes erklärtem Vorsatz. Da Jehovas Macht grenzenlos ist, kann ihn nichts im Universum daran hindern, seinen Willen auszuführen (Daniel 4:35). Wir können daher davon ausgehen, dass alle Prophezeiungen, die sich noch nicht erfüllt haben, zu der von Gott bestimmten Zeit eintreffen werden (Jesaja 55:11).
Als Nächstes lenkt Jesajas Prophezeiung unsere Aufmerksamkeit auf ein herausragendes Beispiel für die Fähigkeit Jehovas, künftige Ereignisse vorherzusagen und sein Wort wahr zu machen. Sie bezieht sich auf Jehova, „der vom Sonnenaufgang her einen Raubvogel ruft, aus fernem Land den Mann, der meinen Beschluss vollziehen soll. Ich habe es ja geredet; ich werde es auch herbeiführen. Ich habe es gebildet, ich werde es auch tun“ (Jesaja 46:11). Als derjenige, „der von Anfang an den Ausgang kundtut“, wird Jehova Gott die Angelegenheiten der Menschen so lenken, dass sein Beschluss ausgeführt wird. Er wird Cyrus „vom Sonnenaufgang her“, aus Persien im Osten, rufen, wo sich die Lieblingsresidenz des Cyrus, Pasargadae, befinden wird. Dieser wird sich wie ein „Raubvogel“ plötzlich und unerwartet auf Babylon stürzen.
Wie zuverlässig Jehovas Vorhersage in Bezug auf Babylon ist, wird durch die Worte bestätigt: „Ich habe es ja geredet; ich werde es auch herbeiführen.“ Der unvollkommene Mensch könnte zwar in seiner Impulsivität irgendwelche Versprechen geben, ohne sie einzulösen, doch der Schöpfer lässt sein Wort nie unerfüllt. Jehova ist der Gott, „der nicht lügen kann“ (Titus 1:2). Deshalb dürfen wir überzeugt sein, dass er, wenn er „es gebildet“ hat, „es auch tun“ wird.

Die Prophezeiung Jesajas — Licht für alle Menschen

Gottes Knecht Kyrus (Jes. 41:1-7). Gott beruft das Gericht ein und fordert die Völker auf, ihre Klage gegen ihn vorzutragen, wenn sie dazu in der Lage sind. Mindestens siebzehnmal schreibt Jesaja in seiner Prophezeiung von „den Inseln“ (KJV) oder „den Küstenländern“ (NIV) und meint damit die vom heiligen Land am weitesten entfernten Orte (11:11; 24:15; 41:1, 5; 42:4, 10, 12). „Bringt eure Sache vor“, fordert er diese Völker auf (41:21); „bringt euren Fall vor“ (NIV).
Gott hat keine Angst vor den Völkern, denn er ist größer als die Völker (40:12-17); er steuert ihren Aufstieg und Fall. Er kündigte an, dass er einen Herrscher namens Kyrus erwecken würde, der sein gerechtes Werk auf Erden tun würde, indem er andere Nationen um seines Volkes Israel willen besiegen würde. Kyrus würde ein Hirte sein (44:28), von Gott gesalbt (45:1), ein gefräßiger Vogel, der sich nicht aufhalten lässt (46:11). „Er zertritt die Herrscher, als wären sie Mörtel, als wäre er ein Töpfer, der den Ton zertritt“ (41,25, NIV).
Jesaja nannte Kyrus über ein Jahrhundert vor seiner Geburt (590?-529) beim Namen; und obwohl Jesaja Kyrus nirgends als „Gottes Diener“ bezeichnet, diente Kyrus dem Herrn, indem er Gottes Absichten auf Erden erfüllte. Gott übergab Kyrus die Völker und half ihm, große Könige zu besiegen (45,1-4). Der Feind wurde weggeblasen wie Spreu und Staub, weil der ewige Gott die Armee anführte.
Als Kyrus über das Gebiet östlich und nördlich des heiligen Landes zog (41:25), hatten die Völker Angst und wandten sich an ihre Götzen. Mit scharfer Satire beschreibt Jesaja, wie verschiedene Handwerker sich gegenseitig helfen, einen Gott herzustellen, der ihnen nicht helfen kann! Denn wenn der Gott des Himmels für die Eroberung zuständig ist, wie können sich dann Menschen oder Götter ihm widersetzen?
Cyrus mag gedacht haben, dass er seine eigenen Pläne durchführte, aber in Wirklichkeit tat er das Wohlgefallen des Herrn (44,28). Indem er Babylon besiegte, ermöglichte Cyrus die Freilassung der jüdischen Gefangenen, die in ihr Land zurückkehren konnten, um Jerusalem und den Tempel wieder aufzubauen (Esra 1,1-4). „Ich habe ihn in Gerechtigkeit aufgerichtet und will alle seine Wege lenken; er soll meine Stadt bauen und meine Gefangenen freilassen“ (Jes 45,13).
Manchmal vergessen wir, dass Gott sogar unbekehrte Führer in der Welt zum Wohl seines Volkes und zum Fortschritt seines Werkes gebrauchen kann. Er ließ den Pharao in Ägypten auferstehen, um seine Macht zu demonstrieren (Röm 9,17), und er benutzte sogar den bösen Herodes und den feigen Pontius Pilatus, um seinen Plan der Kreuzigung Christi zu verwirklichen (Apg 4,24-28). „Das Herz des Königs ist in der Hand des Herrn wie die Wasserströme; er wendet es, wohin er will“ (Spr 21:1, NKJV).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Jedes Leben auf dieser Erde wird letztendlich von Gott gelenkt.

Des Mannes Schritte hängen ab von Jehova; und der Mensch, wie sollte er seinen Weg verstehen?
Elberfelder 1871 – Sprüche 20,24

Vom Ewigen kommen eines Mannes Schritte, der Mensch aber – wie könnte er seinen Weg verstehen?
Die Philippson-Bibel – Sprüche 20:24

Es ist der HERR, der die Lebenswege bestimmt;
wie kann ein sterblicher Mensch dann seinen Weg begreifen?
das Buch – Spr 20,24

Von Jehova sind die Schritte eines Starken; aber ein Mensch – wie wird er unterscheidend verstehen seinen Weg?
Pfleiderer Übersetzung – Spr 20:24

Von Jehova hangen ab des Mannes Schritte: der Mensch, wie kann er seinen Weg verstehen?
de Wette Bibel – Sprüche 20:24

Vögel lassen sich von ihrem Instinkt leiten — Was leitet den Menschen?
Vom Instinkt geleitet, legen Küstenseeschwalben jährlich eine Gesamtflugstrecke von 35 000 Kilometern zurück. Doch „was den Erdenmenschen betrifft, wie kann er seinen Weg verstehen“? (Spr 20:24).
Der Schöpfer der Seeschwalbe hat dem Menschen die Bibel als Wegweiser gegeben.

Wachtturm – 1.Februar1974

Einer von Gottes barmherzigen Diensten an uns ist der der göttlichen Führung. Sprüche 3,5-6 ist eine Verheißung, auf die sich Gottes Volk seit Jahrhunderten beruft, und sie hat noch nie versagt. Wie ich schon früher in diesem Buch sagte, erwartet Gott von uns, dass wir eine Situation einschätzen und alle möglichen Fakten sammeln, aber wir dürfen uns nie auf unser eigenes Verständnis verlassen. Wir müssen uns vor ihm demütigen und ihn in allen Dingen um Rat fragen, und wir müssen sicher sein, dass unsere Beweggründe richtig sind.

Was aber, wenn wir einen Fehler machen, wozu wir alle neigen, und anfangen, uns in die falsche Richtung zu bewegen? „In seinem Herzen plant der Mensch seinen Weg, aber der Herr bestimmt seine Schritte“ (16:9, NIV). „Es gibt viele Pläne im Herzen eines Menschen, aber der Wille des Herrn überwiegt“ (19,21, NIV; siehe 16,33). Wenn wir Gottes Plan aufrichtig kennen und befolgen wollen, wird der Herr uns leiten und unsere Schritte auf eine Weise lenken, die wir vielleicht nicht verstehen. „Die Schritte eines Menschen sind vom Herrn; wie kann dann ein Mensch seinen eigenen Weg verstehen?“ (20:24, NKJV)

Der dänische Philosoph Soren Kierkegaard sagte: „Das Leben kann nur rückwärts verstanden werden, aber es muss vorwärts gelebt werden.“ Eines Tages werden wir zurückblicken und mit David sagen: „Gutes und Barmherzigkeit haben mich mein ganzes Leben lang begleitet“ (Ps 23,6). Zu wissen, dass Gott unsere Schritte liebevoll lenkt, wenn wir versuchen, ihm zu folgen, ist eine große Ermutigung, wenn wir nicht wissen, welchen Weg wir gehen sollen. „Wer ist der Mann, der den Herrn fürchtet? Den wird er lehren auf dem Weg, den er erwählt“ (25:12, NKJV). Selbst der große Apostel Paulus war sich nicht immer sicher, was der nächste Schritt war, aber der Herr führte ihn (Apostelgeschichte 16,6-10).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Die meisten Situationen, Gelegenheiten und Entscheidungen, denen der Durchschnittsmensch im Leben begegnet, werden bereits im Wort Gottes behandelt. Schauen Sie in einen thematischen Index der Bibel oder sogar in das Buch der Sprüche, und Sie werden sehen, wie gründlich die Heilige Schrift die praktischen Angelegenheiten des Lebens behandelt. Natürlich können wir nicht erwarten, dass die Bibel uns ausdrücklich sagt, wen wir heiraten sollen, welchen Job wir annehmen sollen, welches Auto wir kaufen sollen oder wo wir unseren Urlaub verbringen sollen, aber wenn wir von Gottes Weisheit durchdrungen sind und aufrichtig nach seinem Willen suchen, werden wir bereit sein, uns von seinem Geist und den Vorsehungen des Lebens leiten zu lassen.

„Die Schritte eines Menschen sind vom Herrn; wie kann dann ein Mensch seinen eigenen Weg verstehen?“ (20:24, NKJV) Gott setzte sich über den Neid von Josefs Brüdern hinweg und benutzte ihre bösen Taten, um Josefs Glauben zu stärken und Jakobs Familie zu retten (Gen 50:20). Zu dieser Zeit konnte niemand verstehen, was der Herr tat, aber er führte seinen perfekten Plan aus. In der Schule des Glaubens wissen wir manchmal nicht, was die Lektion war, bis wir die Prüfung bestanden haben – oder nicht!

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Außerdem ist der menschliche Geist eine Leuchte ADONAIS; er erforscht das Innerste des Menschen“ (20,27). Als Schöpfer und Erhalter unseres Geistes hat Gott einen intimen Einblick in das, was wir sind. Gott formte Adam aus dem Staub und hauchte ihm den „Lebensatem“, die ruach oder den Geist des Lebens ein (siehe Gen 2,7). Deshalb ist es so, als ob Gott jederzeit einen Suchscheinwerfer in uns leuchten ließe. Es gibt keine Geheimnisse vor ADONAI. Wie töricht ist es also, sich beim Beten zu verstellen. Wir können nicht so tun, als wären wir für Gott etwas, was wir nicht sind. Wir können nicht so tun, als würden wir Liebe für ihn empfinden, wenn wir in Wirklichkeit Langeweile oder Zorn empfinden.

Doch Gottes Macht geht über das Wissen hinaus. Er hat auch die Kontrolle über das gesamte Leben. Theologen diskutieren darüber, ob Gottes Kontrolle irgendwann endet und unser freier Wille die Kontrolle übernimmt. Unabhängig vom Ausgang solcher Debatten wissen wir, dass wir die Umstände unseres Lebens nicht kontrollieren können. „Ein Mensch mag seinen Weg planen, aber ADONAI lenkt seine Schritte“ (16,9). Wir können unsere Karriere oder unsere Familie jahrelang planen, aber das ist keine Garantie dafür, dass das Leben sich so entwickelt, wie wir es geplant haben. Nur sehr wenige Menschen leben ein Leben, das ihren Vorstellungen und Plänen entspricht. „Man kann in seinem Kopf Pläne schmieden, aber ADONAIS Plan wird sich durchsetzen (19:21).

Es ist auch nicht richtig, anzunehmen, dass wir Opfer des Zufalls oder des Schicksals sind, weil wir den Ausgang unseres Lebens nicht kontrollieren können. Das Leben basiert nicht auf einem kosmischen Münzwurf. „Man kann das Los in den Schoß werfen, aber die Entscheidung kommt von ADONAI“ (16:33). Gott kontrolliert sogar einen Münzwurf. Er hat die Kontrolle über alle Umstände, und nichts geschieht, wenn Gott es nicht erlaubt und weiß.

Das Leben ist für uns unvorhersehbar, nicht wegen des Zufalls, sondern weil unser Wissen begrenzt ist. Wir können kein Ergebnis garantieren. „Ein Pferd mag für den Tag der Schlacht gerüstet sein, aber der Sieg kommt von ADONAI“ (21:31). Diese Wahrheit hat wichtige Auswirkungen auf unser tägliches Leben. Wir müssen uns auf Gottes Barmherzigkeit verlassen und ihm die Umstände unseres Lebens anvertrauen. Jakobus warnt vor arroganter Gewissheit über die Zukunft: „Ihr wisst nicht einmal, ob ihr morgen noch leben werdet! Denn alles, was ihr seid, ist ein Nebel, der für kurze Zeit erscheint und dann verschwindet“ (Jakobus 4,14). Oder wie Salomo es ausdrückte: „Die Schritte eines Menschen sind von ADONAI geordnet, wie kann also ein Mensch seine eigenen Wege verstehen?“ (Mishlei 20:24).

Rabbi Derek Leman – Ein messinaischer Kommentar der Sprichwörter – Sprichwörtliche Weisheit und gesunder Menschenverstand

Die Schritte des Mannes sind die Etappen seines Lebens, seine Schicksalsfügungen. Ein Mensch geht oft Schritte, die er gar nicht geplant hat. Plötzlich findet er sich an der richtigen Stelle und fragt sich zurückblickend: Wie bin ich hierher gekommen? Nun offenbart er seine Wesensart dadurch, wie er seinen Weg versteht und interpretiert. Wird er Gott die Ehre geben und ihm für die Führung danken? Oder wird er nachträglich einen eigenen Plan vorlegen und alles seinem Genie zuschreiben? Dieser Vers bildet also keinen Widerspruch zu 16,9; 19,21, sondern er hat den Blickpunkt am anderen Ende des Weges. Die wunderbaren Führungen Gottes sollten zu dem Bekenntnis führen: »In ihm leben, weben und sind wir« (Apg 17,28).

Werner Dietrich – Wuppertaler Studienbibel

Manche denken, sie hätten alles selbst geschafft und Gott nichts zu verdanken. Aber wir müssen Gott für alles Gute danken (Matthäus 5,45). Wir wissen echt wenig, und das Klügste, was wir tun können, ist, zuzugeben, dass wir von Gott abhängig sind, und auf seine Führung zu vertrauen.

Apostolic Study Bible: King James Version: Notes

O Mann, Gott! Du bist so gigantisch groß, vor dir muss man Respekt haben. Du bist immer treu und stehst zu deinen Verträgen, wenn die Menschen dich lieben und nach deinen Gesetzen leben.

Und ich betete zu Jehova, meinem Gott, und ich bekannte und sprach: Ach, Herr! du großer und furchtbarer Gott, der den Bund und die Güte denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten!
Elberfelder 1871 – Daniel 9,4

Und ich flehte zum Ewigen, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und ehrfurchtgebietender Gott, der den Bund und die Gnade denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote bewahren!
Die Philippson-Bibel – Daniel 9:4

In meinem Gebet zum Herrn, meinem Gott, brachte ich die Schuld des Volkes vor ihn und sagte: »Ach, mein Herr, du bist ein mächtiger und Ehrfurcht gebietender Gott! Du hältst deinen Bund und gibst denen Gnade, die dich lieben und deine Gebote halten.
Neues Leben – Bibel 2006 – Dan 9,4

Und ich betete zu Gott, dem Herrn, und bekannte und sagte: Herr, siehe, du bist der große und starke und der furchterregende Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit denen bewahrt, die dich lieben, und denen, die deine Anordnungen einhalten.
Septuaginta Deutsch – Dan 9:4

Schon merkwürdig: wir Christen behaupten immer wieder, dass Jehovah Seinem Bund treu ist, und sind überzeugt, dass ER „unsere spezielle Ausrichtung“ treu ist, aber gleichzeitig bedeutet dass, das ER dann Seinem Bund mit Israel untreu geworden wäre. Aber Jehovah ist Seinem Bund mit Abraham, Isaak und Jakob noch nie untreu geworden!


Ausdrücklich heißt es ja: »ich bekannte«. Dasselbe hebräische Wort ist für das Bekenntnis der Schuld in 3Mo 5,5; 16,21; 26,40; 4Mo 5,7; Esr 10,1; Neh 1,6 und 9,2f benutzt. Während Daniel sich unter fremde Schuld stellte, stellen wir uns oft nicht einmal unter die eigene Schuld.
Das Bekenntnis wird gegenüber »Jahwe«, dem vertrauten Bundesgott – »meinem Gott« – abgelegt. Für das deutsche »Herr« steht im Hebräischen der Gottesname »Adonai«, der den kennzeichnet, der alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat. Deshalb fügt V.4 hinzu: »du großer und furchtbarer Gott«. »Furchtbar« darf dabei nicht als »tyrannisch« oder »entsetzlich« verstanden werden, sondern heißt soviel wie: »Wer Gott die Ehrfurcht verweigert, wird gerichtet«. Wenn Daniel fortfährt: »der den Bund und die Gnade bewahrt denen, die ihn lieben und seine Gebote halten«, dann ist sein Gebet an 5Mo 7,9 geschult: »der den Bund und die Gnade (so wörtlich!) bewahrt denen, die ihn lieben und seine Gebote halten«. Offensichtlich zitiert Daniel diese Stelle aus dem Gesetz Moses. Für ihn gehören »Bund« und »Gnade« zusammen. Inhaltlich will er sagen: Bund und Gnade setzen voraus, daß man dich liebt und deine Gebote hält. Und gerade das hat Israel nicht getan! Muß man da Gott nicht fürchten?
Neh 1,5 ist bis auf winzige Abweichungen ein Zitat von Dan 9,4. Daraus kann man schließen, daß Nehemia Daniels Bußgebet benutzt hat und Dan 9 sehr wahrscheinlich schriftlich vorliegen hatte. Er lebte ja 100 Jahre nach Daniel in der persischen Residenz Susa, so daß wir uns darüber nicht zu wundern brauchen.

Wuppertaler Studienbibel

Nachdem er sich auf diese Weise vorbereitet hatte, begann Daniel zu beten. In Vers 4 heißt es: „Und ich betete zu Jehova, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, der große und furchtbare Gott, der Bund und Güte hält mit denen, die ihn lieben und seine Gebote halten. Daniel legte ein Bekenntnis ab, das der Voraussetzung für die Errichtung des Königreichs entsprach. Als Nächstes beschrieb er JHWH als einen Gott, der den Bund hält, und erklärte, dass er der große und furchtbare Gott ist. Diese Einschätzung war eine Anerkennung der Majestät Gottes, die auch in Deuteronomium 7,2 1 und 10,17 erwähnt wird. Außerdem ist JHWH der Gott, der den Bund hält. Diese Tatsache gab Daniel die Gewissheit, dass Israel wiederhergestellt werden würde. Die gleiche Hoffnung wird in Nehemia 1:5 und 9:32 erwähnt. Schließlich ist JHWH der Gott der Güte. Der hebräische Begriff für „Freundlichkeit“, chesed , bedeutet „Gunst“, „Güte“ und „Zuwendung“. Der Begriff hat auch die Bedeutung von „Bundestreue“. Gottes chesed ist die Grundlage für Israels Wiederherstellung . JHWH ist ein treuer Gott, weil er chesed, also unerschütterliche Liebe hat.
Der Begriff chesed wird in drei wichtigen Passagen erwähnt. In Exodus 20,5b-6 beschreibt sich JHWH als ein Gott, der barmherzig ist zu denen, die ihn lieben und ihm gehorchen:

Arnold G. Fruchtenbaum – Ariels Bibel Kommentar – Das Buch Daniel

Daniels Studium der Schrift brachte ihn dazu, sich Gott zuzuwenden und ein Gebet des Bekenntnisses (V. 3 – 14 ), und der Bitte (V. 15 – 19 ) zu beten und zu fasten . Das Tragen von Sackleinen und/oder Benutzen von Asche war ein Zeichen für Trauer, für Leid und Buße (vgl. 1Mo 37,34; Neh 9,1; Est 4,1.3; Jes 58,5; Jer 49,3; Hes 7,18; Joe 1,8; Mt 11,21 ).
Mose hatte das Prinzip offenbart, nach dem Gott mit seinem Bundesvolk handelte: Gehorsam bringt Segen, Ungehorsam Strafe. Eine Form dieser Strafe war, daß Israel von heidnischen Mächten unterworfen würde ( 5Mo 28,48-57.64-68 ). Was Israel nun in Babylon erlebte, war die Anwendung dieses Prinzips.
Dann hatte Mose aber auch offenbart, wodurch das Volk wieder erhoben und erneut zum Segen eingesetzt werden würde ( 5Mo 30 ). Es muß umkehren zu Gott und seiner Stimme gehorchen. Dann wird Gott es aus der Gefangenschaft zurückbringen und das Volk wieder in das Land bringen, aus dem es vertrieben worden war, und wird es wieder segnen.
Daniel war sich offenbar völlig bewußt, daß die Jahre in Babylon eine göttliche Strafe und Züchtigung über Israel bedeuteten. Da er wußte, daß das Bekenntnis der Schuld eine Voraussetzung für die Erneuerung war, bekannte er die Sünde seines Volkes, indem er sich selbst mit dessen Sünde identifizierte, so, als ob er persönlich dafür verantwortlich wäre.
Daniel hatte bemerkt, daß Segen von Gehorsam abhängt, denn Gott hält seinen Bund der Liebe ( HeseD , „treue Liebe“) mit allen, die ihn lieben und ihm gehorchen . Auch ein Bundesvolk kann nicht gesegnet werden, wenn es ungehorsam ist. Viermal bekennt Daniel, daß sein Volk gesündigt hat ( Dan 9,5.8.11.15 ). Dessen Sünde war die Sünde der Rebellion (vgl. V. 9 ) gegen Gott. Es hatte sich von dem Wort Gottes (seinen Gesetzen ; vgl. V. 10 – 11 ), das es kannte, weggewandt (vgl. V. 11 ). Gott, in seiner Gnade, hatte Propheten geschickt (vgl. V. 10 ), um die Menschen zu ermahnen, zu ihm zurückzukehren. Aber sie wollten nicht auf deren Botschaften hören ( wir haben nicht gehört ). Könige und Volk waren vor Gott gleich schuldig.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Den Herrn anbeten (Dan. 9,4). Zu oft stürmen wir in Gottes Gegenwart und bitten um Dinge, ohne vorher innezuhalten und ihn anzubeten. Daniel bereitete sich auf das Gebet vor, ebenso wie Esra (Esra 9,3-5) und die Leviten (Neh. 9,5-6). Es ist wichtig, dass wir uns auf den Charakter Gottes konzentrieren und nicht zu sehr mit uns selbst und unseren Lasten beschäftigt sind. Die „Anrufung“ von Daniels Gebet ist eine Fibel der biblischen Theologie. Seine Worte beschreiben einen Gott, der groß und treu ist und seine Verheißungen hält, einen Gott, der sein Volk liebt und ihm sein Wort zum Gehorsam gibt, damit er es segnen kann. Er ist ein barmherziger Gott (Dan 9,18), der die Sünden seines Volkes vergibt, wenn sie reumütig und bekennend zu ihm kommen. So betete auch Nehemia, als er Gottes Willen für den Wiederaufbau der Stadtmauern Jerusalems erforschte (Neh. 1,5ff).

Es ist eine Sache, zum Herrn zu beten, und etwas ganz anderes, ein anbetender Fürsprecher zu sein. Wenn wir die Größe und Herrlichkeit Gottes sehen, hilft uns das, unsere eigenen Lasten und Nöte ins rechte Licht zu rücken. Wenn wir auch nur einen kleinen Glauben an einen großen Gott ausüben, können wir die Hand Gottes bewegen, um Wunder zu vollbringen, die seinen Namen verherrlichen werden. Dr. Robert A. Cook pflegte zu sagen: „Wenn Sie erklären können, was in Ihrem Dienst vor sich geht, hat Gott es nicht getan.“

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

חֶסֶד ḥeseḏ: Ein männliches Substantiv, das Freundlichkeit, Güte, Barmherzigkeit, Treue, Liebe und gute Taten bedeutet. Dieser Aspekt Gottes ist einer von mehreren wichtigen Merkmalen seines Charakters: Wahrheit, Treue, Barmherzigkeit, Standhaftigkeit, Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit und Güte. Der klassische Text zum Verständnis der Bedeutung dieses Wortes ist Psalm 136, wo es sechsundzwanzig Mal verwendet wird, um zu verkünden, dass Gottes Güte und Liebe ewig sind. Der Psalmist machte deutlich, dass Gottes Güte und Treue die Grundlage für sein Handeln und seinen Charakter bilden: Sie untermauert seine Güte (Ps. 136,1); sie stützt seine unangefochtene Position als Gott und Herr (Ps. 136,2.3); sie ist die Grundlage für seine großen und wunderbaren Taten in der Schöpfung (Ps. 136,4–9) und für die Befreiung und Erlösung seines Volkes aus der Knechtschaft des Pharaos und aus dem Roten Meer (Ps. 136,10–15); der Grund für seine Führung in der Wüste (Ps. 136,16); seine Gabe des Landes an Israel und die Niederlage ihrer Feinde (Ps. 136,17–22); seine alte wie auch seine fortdauernde Befreiung seines Volkes (Ps. 136,23–25); seine Herrschaft im Himmel (Ps. 136,26). Dieser Psalm behandelt die gesamte Zeitspanne von der Schöpfung bis zur Erlösung, Bewahrung und dauerhaften Errichtung durch Gott. All dies ist geschehen, geschieht gerade und wird auch weiterhin geschehen, weil der Herr seinem Bund treu und gütig ist.

Die anderen, spezifischeren Verwendungen des Begriffs entwickeln die in Psalm 136 enthaltenen Ideen detaillierter. Wegen seiner Güte erfüllt er die Bedürfnisse seiner Schöpfung, indem er sie von Feinden und Verzweiflung befreit (Gen 19,19; Ex 15,13; Ps 109,26; Jer 31,3); er bewahrt ihr Leben und erlöst sie von der Sünde (Ps 51,1[3]; 86,13). Wie Psalm 136 zeigt, ist Gottes Güte reichlich, überaus groß, unendlich und gut (2. Mose 34,6; 4. Mose 14,19; Ps 103,8; 109,21; Jer. 33:11). Der Plural des Substantivs zeigt die vielen Taten Gottes für sein Volk (Gen. 32:10[11]; Jes. 63:7). Er ist der Gott, der seinen Bund hält und denen, die ihn lieben, Güte und Barmherzigkeit (Deut. 7:9) schenkt.

Die Menschen sollen Gott nacheifern. Sie sollen einander Güte und Treue erweisen (1 Sam 20,15; Ps 141,5; Spr 19,22), besonders den Armen, Schwachen und Bedürftigen (Hiob 6,14; Spr 20,28). Israel sollte dem Herrn Güte und Treue zeigen, scheiterte aber oft daran. In seiner Jugend zeigte Israel Gott Treue, aber später ließ seine Hingabe nach (Jer 2,2). Sie war nicht beständig (Hos 6,4), sondern kam und ging wie der Morgennebel, obwohl Gott dies von seinem Volk mehr wünschte als Opfer (Hos 6,6; vgl. 1 Sam 15,22). Er suchte nach frommen Menschen (Jes 57,1), die fromme, treue und gütige Taten vollbrachten (2 Chr 32,32; 35,26; Neh 13,14); der Herr wünschte sich Menschen, die dem Bund treu blieben und Verantwortung übernahmen, damit er seine gerechte Gemeinschaft aufbauen konnte.

The complete word study dictionary: Old Testament

checed (חֶסֶד, 2617), „liebevolle Güte; beständige Liebe; Gnade; Barmherzigkeit; Treue; Güte; Hingabe“. Dieses Wort kommt im Alten Testament 240 Mal vor und ist besonders häufig im Psalter zu finden. Der Begriff ist einer der wichtigsten im Wortschatz der alttestamentlichen Theologie und Ethik.

Die Septuaginta übersetzt checed fast immer mit eleos („Barmherzigkeit“), und diese Verwendung spiegelt sich auch im Neuen Testament wider. Moderne Übersetzungen bevorzugen dagegen im Allgemeinen Übersetzungen, die dem Wort „Gnade“ nahekommen. Die KJV verwendet in der Regel „Barmherzigkeit“, obwohl auch „liebevolle Güte“ (in Anlehnung an Coverdale), „Gunst“ und andere Übersetzungen vorkommen. Die RSV bevorzugt im Allgemeinen „unerschütterliche Liebe”. Die NIV verwendet oft einfach „Liebe”.

Im Allgemeinen lassen sich drei grundlegende Bedeutungen des Wortes identifizieren, die immer miteinander interagieren: „Stärke”, „Standhaftigkeit” und „Liebe”. Jedes Verständnis des Wortes, das nicht alle drei Bedeutungen berücksichtigt, verliert unweigerlich etwas von seiner Vielschichtigkeit. „Liebe“ allein wird leicht sentimental oder universalisiert, wenn sie vom Bund losgelöst ist. „Stärke“ oder „Standhaftigkeit“ deuten jedoch nur auf die Erfüllung einer rechtlichen oder anderen Verpflichtung hin.

Das Wort bezieht sich in erster Linie auf gegenseitige Rechte und Pflichten zwischen den Parteien einer Beziehung (insbesondere Jahwe und Israel). Aber checed ist nicht nur eine Frage der Verpflichtung, sondern auch der Großzügigkeit. Es ist nicht nur eine Frage der Loyalität, sondern auch der Barmherzigkeit. Die schwächere Partei sucht den Schutz und Segen des Gönners und Beschützers, kann aber keinen absoluten Anspruch darauf erheben. Die stärkere Partei bleibt ihrer Verheißung verpflichtet, behält aber ihre Freiheit, insbesondere in Bezug auf die Art und Weise, wie sie diese Verheißungen umsetzt. Checed impliziert persönliches Engagement und Verpflichtung in einer Beziehung, die über die Rechtsstaatlichkeit hinausgeht.

Eheliche Liebe wird oft mit checed in Verbindung gebracht. Die Ehe ist sicherlich eine rechtliche Angelegenheit, und es gibt rechtliche Sanktionen für Verstöße. Doch eine gesunde Beziehung geht weit über reine Legalitäten hinaus. Der Prophet Hosea wendet diese Analogie auf Jahwes Hesed gegenüber Israel innerhalb des Bundes an (z. B. 2:21). Daher ist „Hingabe” manchmal das einzige englische Wort, das die Nuancen des Originals am besten wiedergeben kann. Die RSV versucht, dies durch ihre Übersetzung „unerschütterliche Liebe” zum Ausdruck zu bringen. Hebräische Schriftsteller betonten oft das Element der Standhaftigkeit (oder Stärke), indem sie checed mit ˒emet („Wahrheit, Zuverlässigkeit”) und ˒emunah („Treue”) verbanden.

In der Bibel wird häufig davon gesprochen, dass jemand checed „tut”, „zeigt” oder „bewahrt”. Der konkrete Inhalt des Wortes wird besonders deutlich, wenn es im Plural verwendet wird. Gottes „Barmherzigkeit“, „Güte“ oder „Treue“ sind seine spezifischen, konkreten Taten der Erlösung in Erfüllung seiner Verheißung. Ein Beispiel dafür findet sich in Jes 55,3: „… Und ich werde einen ewigen Bund mit euch schließen, nämlich die sichere Barmherzigkeit Davids.“

Checed hat sowohl Gott als auch den Menschen zum Subjekt. Wenn der Mensch das Subjekt von checed ist, beschreibt das Wort normalerweise die Güte oder Loyalität der Person gegenüber einer anderen; vgl. 2 Sam 9,7: „Und David sagte … Ich werde dir [Mephiboscheth] um deines Vaters Jonathans willen sicherlich Güte erweisen …“ Nur selten wird der Begriff explizit auf die Zuneigung oder Treue des Menschen gegenüber Gott angewendet; das deutlichste Beispiel ist wahrscheinlich Jer 2,2: „Geh und rufe Jerusalem zu und sprich: So spricht der Herr: Ich gedenke deiner Güte in deiner Jugend, deiner Liebe, als du mir in der Wüste nachfolgtest …“ Der Mensch übt checed gegenüber verschiedenen Gruppen innerhalb der Gemeinschaft aus – gegenüber Familie und Verwandten, aber auch gegenüber Freunden, Gästen, Herren und Dienern. Checed gegenüber den Niedrigen und Bedürftigen wird oft besonders hervorgehoben. Die Bibel verwendet den Begriff Checed vor allem, um ein Leben der Heiligung innerhalb des Bundes und als Antwort auf den Bund zusammenzufassen und zu charakterisieren. So heißt es in Hos 6,6, dass Gott „Barmherzigkeit [RSV, „treue Liebe”] und nicht Opfer” (d. h. ein treues Leben zusätzlich zum Gottesdienst) wünscht. Ähnlich wird Checed in Micha 6,8 in der Zusammenfassung der biblischen Ethik durch die Propheten erwähnt: „… und was fordert der Herr von dir, als … Barmherzigkeit zu lieben …?“

Hinter all diesen Verwendungen mit dem Menschen als Subjekt stehen jedoch die wiederholten Verweise auf Gottes Checed. Es ist eines seiner zentralsten Merkmale. Gottes Güte wird seinem Volk zuteil, das Erlösung von Sünde, Feinden und Schwierigkeiten braucht. Ein immer wiederkehrender Refrain, der Gottes Wesen beschreibt, lautet „reich an checed“ (2. Mose 34,6; Neh. 9,17; Ps. 103,8; Jona 4,2). Die gesamte Geschichte des Bundesverhältnisses zwischen Jahwe und Israel lässt sich mit checed zusammenfassen. Es ist das einzige beständige Element im Wandel der Bundesgeschichte. Sogar die Schöpfung ist das Ergebnis von Gottes checed (Ps 136,5–9). Seine Liebe währt „tausend Generationen“ (5. Mose 7,9; vgl. 5. Mose 5,10 und 2. Mose 20,6), ja sogar „für immer“ (besonders in den Refrains bestimmter Psalmen, wie z. B. Ps 136).

Wörter, die in synonymem Parallelismus mit checed verwendet werden, helfen, es zu definieren und zu erklären. Das Wort, das am häufigsten mit checed in Verbindung gebracht wird, ist ˒emet („Treue; Zuverlässigkeit”): „… Deine Güte [checed] und deine Wahrheit [˒emet] bewahren mich immerdar.” ˒Emunah mit einer ähnlichen Bedeutung ist ebenfalls gebräuchlich: „Er hat sich seiner Gnade [checed] und seiner Wahrheit [˒emunah] gegenüber dem Haus Israel erinnert …“ Diese Betonung ist besonders passend, wenn Gott das Subjekt ist, weil sein checed stärker und dauerhafter ist als das des Menschen. Etymologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die ursprüngliche Bedeutung von checed „Stärke“ oder „Beständigkeit“ gewesen sein könnte. Wenn das so ist, würde das die verwirrende Verwendung von checed in Jesaja 40,6 erklären: „Alles Fleisch ist Gras, und all seine Schönheit ist wie die Blume des Feldes.“

Die Verbindung von checed mit „Bund“ verhindert, dass es als bloße Vorsehung oder Liebe zu allen Geschöpfen missverstanden wird; es bezieht sich in erster Linie auf Gottes besondere Liebe zu seinem auserwählten und verbündeten Volk. „Bund“ betont auch die Gegenseitigkeit der Beziehung; aber da Gottes checed letztlich über den Bund hinausgeht, wird es letztendlich nicht aufgegeben, selbst wenn der menschliche Partner untreu ist und bestraft werden muss (Jes 54,8.10). Da sein endgültiger Triumph und seine Verwirklichung eschatologisch sind, kann checed das Ziel und Ende der gesamten Heilsgeschichte bedeuten (Ps 85,7.10; 130,7; Mi 7,20).

Das Eigenname Hacdiah (1 Chr 3,20) hängt mit checed zusammen. Der Name von Serubbabels Sohn bedeutet „Jahwe ist treu/gnädig”, was die Botschaft des Propheten gut zusammenfasst.

Vine’s Complete Expository Dictionary of Old and New Testament Words