Zu diesem allen (O. über dies alles) aber ziehet die Liebe an, welche das Band der Vollkommenheit ist.
Elberfelder 1871 – Kolosser 3,14
Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Kolosser 3:14
Das Wichtigste aber ist die Liebe. Sie ist das Band, das uns alle in vollkommener Einheit verbindet.
Neues Leben – Bibel 2006 – Kol 3,14
Ueber Alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
Protestantenbibel – Kol 3:14
Über all das ziehet die Liebe an, sie ist das zusammenschließende Band der Vollendung.-Pattloch – Kol 3,14
Lasst die göttliche Liebe sich über alles andere legen. Sie ist ein starkes Band, der Inbegriff der Vollkommenheit.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Kolosser 3:14

Den Vers 13 hatten wir ja schon einmal… da ging es um „nicht streiten“ und „Vergebt einander“. Aber die vielen Menschen, die sich Christen nennen, und nur ihre eigene Meinung akzeptieren, und alle anderen Meinungen niederbrüllen, werden ja täglich mehr. Deshalb steigert Paulus im Vers 14 seine Aussage:
ἐπὶ πᾶσιν zu allem hinzu (BDR § 2355) od. über all dies (Zür.), schließt an ἐνδύσασθε (V. 12) an. ὅ ἐστιν das ist, das heißt (A93). σύν-δεσμος Band. τελειότης3 ητος ἡ Vollkommenheit; σύνδεσμος τῆς τελειότητος Gen. des Zwecks (A162) das die Vollkommenheit schaffende Band (BDR § 1661; vgl. B σύνδεσμος 1b), evtl. gen. qualitatis (A160) das vollkommene Band. Kol
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Vollkommenheit: Die Liebe ist gleichsam ein vollkommenes Band, womit die Christengemeinschaft fest zusammengefasst wird. Darum soll man sie wie ein Überkleid über die anderen Tugenden anziehen und gebrauchen. Und allein die Liebe soll all unser Tun gegenüber dem Nächsten regieren und mäßigen. Wo die Liebe Platz hat, da muss aller Streit und Zwiespalt weichen.
Luther Studienbibel (2025) – Erklärungen
Zieht an, die Metaphern des Ausbzw. Ankleidens gehören in den christlichen Kontext und sind von der Taufliturgie beeinflusst (vgl. EvThom 37). Aufgrund der Sprache ist für diesen Abschnitt des Kolosserbriefs eine Taufsituation als Hintergrund anzunehmen. Liebe, gr. agapē, die höchste Tugend, mit der sich die Gemeindemitglieder „kleiden“ sollen. Vgl
Das Neue Testament – jüdisch erklärt
Vor allem sollen Christen einander lieben (siehe 1. Korinther 13). „Bindet … zusammen“ könnte bedeuten, dass die Liebe alle Tugenden vereint.
The ESV Study Bible
Liebe. Das umfassende Gebot (Mt 5,43–48; Mk 12,28–33; Röm 13,8–10; 1 Kor 13,1–13) und die Basis für die anderen Tugenden.
NIV Biblical Theology Study Bible
Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes (Römer 13,8.10), weil sie der Grund ist für alles Gute, was ein Christ tut. In diesem Sinne verbindet sie alle guten Taten eines Christen in perfekter Einheit.
Holy Bible: Evangelical Heritage Version Study Bible
Die Bilder hier zeigen, dass das letzte und wichtigste neue Kleidungsstück für Gottes Volk die Liebe ist, das perfekte Band der Einheit, das die Gläubigen in völliger Einigkeit zusammenhält (Eph 4,3).
CSB Study Bible: Notes
V 14 Als christliche Kardinaltugend wird die Liebe herausgestellt, die über diesen allen – nämlich den in V 12 aufgereihten Eigenschaften – anzuziehen ist. Weil der Imperativ „ziehet an“ auch noch den Akkusativ τὴν ἀγάπην bestimmt, ist das Bild vom Kleid nochmals aufgegriffen. Es ist daher richtig, wenn man die Liebe im Rahmen dieser Metafer als Obergewand aufgefaßt hat, das die anderen Kleidungsstücke bedeckt. Auf jeden Fall ist die ἀγάπη als das Herzstück des neuen Menschen gekennzeichnet, wie die Lüge das Wesen des alten Menschen ausmacht (V 9). Die Liebe als Grundgebot des Christen ist eine Sicht, die mit den alten Paulusbriefen (Röm 13, 8–10; 1 Kor 13; Gal 5, 14) übereinstimmt und in der Verkündigung Jesu wurzelt (Mt 5, 43f par; 22, 34–40 parr.). Die Kolosser hatten sich hier offenbar schon bewährt (Kol 1, 4 und 8).
Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
In einer für unseren Brief typischen Identifikationsaussage wird die Liebe als das Band der Vollkommenheit definiert. Zwei Interpretationen sind möglich. Man kann die Liebe als die Vollkommenheit sehen. Dann rückt der Text in die Nähe der letzten Antithese der matthäischen Bergpredigt (Mt 5, 45–48). Die Liebe als σύνδεσμος verbindet alle anderen menschlichen Tugenden und führt sie zur Vollkommenheit. Ohne Liebe sind sie nichts (vgl. 1 Kor 13, 1–3). Man kann sich für diese Auffassung darauf berufen, daß in der hellenistischen Moralphilosophie die Frage nach dem, was alle Tugenden zusammenhält, diskutiert wurde. So haben die Pythagoreer nach einem immer wieder zitierten Wort des Simplicius, in Epict. 30, die Freundesliebe das Band aller Tugenden (σύνδεσμος πασῶν τῶν ἀρετῶν) genannt. Die Vollkommenheit aber, von der V 14 spricht, bedarf nicht des Bandes. Darum ist die andere Auffassung plausibler, nach der die Liebe als das vollkommene Band gerühmt wird. Sie ist die Kraft, die Gegensätze überbrücken und Getrenntes dauerhaft verbinden kann. In der liebenden Einheit stellt sich Vollkommenheit dar.
Der Hintergrund der σύνδεσμος-Spekulation ist nicht in der Moralphilosophie, sondern in der Kosmologie zu suchen. Nach Plato können zwei Dinge ohne ein Drittes nicht schön zusammengefügt werden. Nur ein vermittelndes Band kann zwischen ihnen Vereinigung bewirken. Dieses Band ist die Analogie. Plato überträgt die Frage nach dem Zusammenhalt auf die Elemente der Welt und auf den menschlichen Körper (Tim 31a–c). In der Aufnahme platonischer Ideen ist für Philo der Logos „ein Band (δεσμός) des Alls, das alle seine Teile verknüpft und zusammenhält und sie hindert, sich voneinander zu lösen“ (fug. 112). Die Welt, die „der größte und vollkommenste Mensch“ heißt, besitzt Teile, die zwar „nach Orten getrennt, aber in ihren Kräften verbunden sind und eine Einheit darstellen“ (migr. Abr. 220). Der Weltbildner hat dafür Vorsorge getroffen, daß sich nichts löse, was einmal so schön gebunden war (181). Unser Pauliner redet allerdings nicht über die Welt, sondern überträgt kosmologische Gedanken auf die Kirche. Kosmologie wird umgesetzt in Soteriologie und damit in geschichtliches Handeln. Das von ihm im Christus-Lied angewendete Interpretationsprinzip (1, 18) wirkt sich auch hier weiter aus. Darum steht nicht mehr der einzelne Christ mit den ihn befähigenden Tugenden im Blickpunkt, sondern das Soma Christi (vgl. V 15). Im paränetischen Kontext kann dieser Übergang schnell hergestellt werden. Der Leib Christi muß zusammengehalten und vor Auflösung bewahrt werden. Am vollkommensten geschieht dies durch die Liebe. Diese Liebe entspringt nicht menschlicher Kraft, sondern die Glieder des Leibes sind als von Gott Geliebte (V 12) dazu berufen.
Nach der Unterbrechung durch V. 13 kehrt der Gedanke zum Bild des Anziehens (V. 12) zurück: Über die bisher genannten Gewänder (= Tugenden) soll noch ein letztes, entscheidendes angezogen werden („über allen diesen aber“). Nach dieser Einleitung wechselt das Bild; es handelt sich nicht – wie zu erwarten wäre – um ein Kleidungsstück, das wie ein Umhang über andere Kleider gezogen wird, sondern um den Gürtel, der die Kleider zusammenhält: die Liebe, die das „Band der Vollkommenheit“ genannt wird. Das im Neuen Testament seltene Wort sýndesmos bedeutet „Bindemittel, Band“; in Kol 2,19 wird es für die „Bänder“ gebraucht, die den Leib zusammenhalten. Nur wenn man den Zusammenhang von V. 12 und V. 14 außer acht läßt, könnte man an die Liebe als das Band denken, „das die Glaubenden miteinander verbindet“. In Verbindung mit V. 12 legt sich jedoch eine andere Auslegung nahe: Die Liebe ist das Band, das alle Tugenden in sich zusammenschließt (vgl. 1Kor 13,13); sie wird daher zu Recht als „das vollkommene Band“ bezeichnet.
Maisch – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
„Zu diesem allen aber die Liebe, das ist ein Einheitsband der Vollkommenheit.“ Mit „Einheits“ band ist die Vorsilbe „syn“ wiedergegeben, die hier vor dem Wort für „Band, Verbindung“ steht. Das andere Sprachgefühl der Griechen benutzt den Genitiv, um etwas auszudrücken, was wir im Deutschen lieber mit Adjektiv und Adverb sagen würden: „das ist ein völlig zusammenhaltendes Band“. Vielleicht ist dabei an den Gürtel gedacht, der die ganze Kleiderpracht der Auserwählten Gottes erst zusammenhält. Vielleicht leitete aber auch der Gedanke an die Gemeinde den Diktierenden. Von „Bändern und Sehnen“, die den Leib versorgen und zusammenhalten, hatte Paulus schon 2, 19 gesprochen, 2, 2 auch schon vom „Zusammenhalten in Liebe“. Jedenfalls so wie die Liebe 1 Ko 13 mitten zwischen allen Geistesgaben als der „noch köstlichere Weg“ steht, so ist die Liebe auch die Krone wahrer Heiligung. Diese Heiligung schafft nicht einsame Koryphäen, die mit ihren großen Heiligungsleistungen prangen und dabei die Gemeinde spalten, sondern stellt in die Bruderschaft und dient ihr und schließt alles das, was vorher genannt war, zusammen. Nur müssen wir heutigen Leser, damit es nicht gefährliche Mißverständnisse gibt, daran denken, daß diese Liebe, die „agape“, ganz und gar nicht das ist, was wir unter „christlicher Liebe“ gemeinhin zu verstehen pflegen. Auch sie ist gerade nicht etwas, was wir von uns aus besitzen und so in die Waagschale werfen könnten. Wir können nicht etwa sagen: Nun also, wozu der komplizierte „Glaube“, wozu all dies merkwürdige mit Christus Gestorben- und Auferwecktsein, wir „lieben“ einfach, und alles ist gut. Nein, „lieben“ kannst du gerade nicht. Deine ganze natürliche Gutmütigkeit und Nettigkeit gehört zum „alten Menschen“ und ist vom Ich verseucht und muß sterben! Und erst als ein von Gott unbegreiflich Geliebter, als ein im Kreuz des Christus Erretteter kannst du in der Liebe, in der wirklichen, göttlichen Liebe, lieben und sollst nun freilich diese Liebe auch „zu diesem allen“ anziehen.
de Boor – Wuppertaler Studienbibel
Wir lesen dann: „Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.“ Es geht nicht darum, diese Dinge mit Liebe zu überziehen, als ob über all diesen Eigenschaften die „Liebe“ als getrennter Charakterzug zu verstehen sei. Liebe ist dem herzlichen Erbarmen, der Güte und allen anderen Eigenschaften hinzuzufügen. Alle diese gesegneten Tätigkeiten des neuen Menschen sollen der Liebe entspringen. Wenn wir Erbarmen oder Güte und Langmut oder Vergebung zeigen, sollte es so sein, weil wir unseren Bruder lieben. Liebe ist „das Band der Vollkommenheit“. Der Apostel spricht von der neuen Ordnung des Menschen, in der nur Vollkommenheit zu finden ist. In der alten Ordnung sind die Menschen hassenswürdig und einander hassend. In der neuen sind alle miteinander verbunden durch die ewigen Bande der Liebe. Jemand hat gesagt: „Die Beziehungen, die in der Liebe Christi und in der Arbeit für Christus zusammengenietet sind, überleben die zeitlichen Veränderungen und binden die Familie Gottes in den Wohnungen der Ewigkeit zusammen.“
Hamilton Smith – Der Brief an die Kolosser
Die Bibel redet einmal von der Liebe als dem “Band der Vollkommenheit” (Kol. 3,14) – das klingt wie Reklame für unzerreißbare Bänder oder Seile. Die wird es schon geben in der Industrie. Im menschlichen Miteinander sind sie selten. Zu oft halten sie den Zerreißproben nicht stand.
CMV-Materialsammlung
Was soll ich tun? Ein Neues kaufen? Es gibt nur eine Liebe. Aber es gibt die Kunst des Verknüpfens, es gibt den Knoten. Er verbindet, was zerrissen war. Sieht aber dann das “Band der Vollkommenheit” nicht bald wie Flickwerk aus?
Mag sein, aber sollten wir uns deshalb schämen müssen? Ist der Knoten richtig geknüpft, hält diese Stelle des Bandes besser als jede andere. Der richtige Knoten wird immer fester, je größer die Belastung wird. Und er wird kleiner, und bald ist er nur noch wie eine Narbe, die anzeigt: Hier wurde etwas geheilt. Deshalb preist das Volkslied nicht das Band, sondern den Knoten: “Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein soll unsrer Liebe Verknotigung sein.”
Sollen wir uns schämen, wenn das Band so oft geflickt, verknotet wurde? Nein! Aber das Knüpfen sollten wir beständig üben und nicht müde dabei werden!
(Gerhard Schlage)
in » zu diesem allem ziehet die Liebe an « ist das Verb » ziehet an « gemäß V. 12 ergänzt. Die Präposition epi (» zu «) kann vielerlei bedeuten: 1) örtlich: » auf « oder » über « , was sich dem Bild des Anziehens von V. 12 eng anschließt; 2) » zusätzlich zu « wie Moule hier übersetzt (S. 123); 3) elativ, und dann bedeutet es » vor allem « , » über allem « .
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Der Gedanke des Apostels ist der, daß Liebe die Tugend ist, welche alle übrigen Tugenden zusammenhält und sie vervollständigt. Oft findet man es schwierig, sich so zu kleiden, daß die verschiedenen Kleidungsstücke auch zu einander passen. Diese Schwierigkeit kommt hier nicht auf: Die Liebe paßt vollkommen zum siebenfachen Gewand des Gläubigen. Die Liebe ist nie altmodisch.
Für syndesmos siehe 2,19. Es wird für Bande der Ungerechtigkeit, die versklaven, gebraucht (Apg 8,23). In Eph 4,3 nennt das Wort das Mittel, welches die Einheit erhält. In 2,19 wird das Wort in dem Sinn gebraucht, das erst die christliche Kleidung vollkommen macht. Einige haben die Vorstellung eines Gürtels vorgebracht, welcher die Tugenden zusammenhält. Es ist das » Band « , welches Reife oder Vollkommenheit bezeugt, weshalb sie immer von solchen ausgelebt werden sollte, die dieses Ziel vor Augen haben.
Liebe erzeugt Liebe. Die Aufforderung begann auf der Grundlage, daß wir von Gott geliebt sind, und sie endet damit, daß wir unsere Liebe anderen durch volle Vergebung zum Ausdruck bringen.