Thomas Pape

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Du hast dies alles den Besserwissern verborgen

In selbiger Stunde frohlockte Jesus im Geiste und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn also war es wohlgefällig vor dir.
Elberfelder 1871 – Lukas 10,21

Nun begann Jesus, im Heiligen Geist vor Freude zu jubeln; er rief: »Ich preise dich, Vater, du Herr über Himmel und Erde, dass du das alles den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hast du es gewollt, und dafür preise ich dich.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Lukas 10:21

Ebenzu derselben Stunde freute sich Jesus im Geist, und sprach: Ich preise Dich, Vater, der Du ein Herr bist des Himmels und der Erde, daß Du diese Dinge verborgen hast vor den Weisen und Klugen, und hast sie geoffenbart den Unmündigen. Ja Vater, also ist es das Wohlgefallen gewesen vor Dir.
Piscator-Bibel – Lk 10,21

In derselben Stunde stieß er mit dem Heiligen Geist Freudenrufe aus und sagte: „Vater, ich lege ein Bekenntnis für dich ab, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies vor Weisen und Klugen verheimlicht und es Unwissenden enthüllt hast. Ja, Vater; denn auf diese Weise ist ein Wohlgefallen vor dir zustandegekommen.“
Gottes Agenda – Lk 10:21

Zu genau dieser Stunde fing Jesus an zu jubeln, bewegt durch den heiligen Gottesgeist, und sagte: »Dich lobe und preise ich, Vater, du Herr über den Himmel und die Erde! Du hast dies alles den Besserwissern verborgen, es aber den kleinen Kindern offenbart. Ja, das entsprach deinem guten Willen!
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Lukas 10:21

Den Vers 20 und den Vers 22 hatten wir hier schon….

αὐτός für αὐτὸς οὗτος (bzw. ἐκεῖνος) (BDR § 2884); ἐν αὐτῇ τῇ ὥρᾳ in ebendieser/dieser Stunde/Zeit (B 1h). ἠγαλλιάσατο Aor. Med. ἀγαλλιάω jubeln, sich freuen, frohlocken. ἐν τῷ πνεύματι τῷ ἁγίῳ im Heiligen Geist = erfüllt vom Heiligen Geist. ἐξ-ομο-λογοῦμαι Med. -λογέω zusagen, einverstanden sein; Med. (Unrecht) bekennen; hier preisen τινί jmdn. (B 2c). πάτερ Vok. πατήρ. κύριε Vok.; κύριε τοῦ οὐρανοῦ καὶ τῆς γῆς Herr über (vgl. A165) Himmel und Erde (= über das Universum [Merismus, H-S § 295r]). ἀπ-έ-κρυψας Aor. ἀποκρύπτω57 verbergen, geheim halten ἀπό τινος jmdm., vor jmdm. σοφός geschickt, (sach)kundig; weise; subst. (A105). συν-ετός verständig, klug; subst. (A105). ἀπ-ε-κάλυψας Aor. ἀπο-καλύπτω54 enthüllen, offenbaren. νήπιος unmündig, unreif; subst. (A105) kleines Kind, Unmündiger. ναί ja, gewiss; ja, in der Tat (BDR § 4412). ὁ πατήρ hier Nom. m. Art. statt Vok. (A142). ὅτι hier denn (vgl. B 3b). εὐ-δοκία „das, woran jmd. (Wohl-)Gefallen hat“: (Wohl-)Gefallen, Wunsch, Wille (Gottes) (B 2). ἐ-γένετο Aor. Med. γίνομαι. ἔμπροσθέν σου hier = σοι (vgl. BDR § 2149); οὕτως εὐδοκία ἐγένετο ἔμπροσθέν σου so ist geschehen, was dir wohlgefällig ist bzw. so hast du es gewollt.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

10, 21 A: In jener Stunde freute er sich im heiligen Geist.
ἐν αὐτῇ τῇ ὥρᾳ = בְּאוֹתָהּ שָׁעָה = „in jener Zeit“, „damals“.
Berakh 5, 3: Wenn der, welcher vor die Lade tritt (= der Vorbeter), einen Fehler macht (im Gebet), so trete ein andrer für ihn hin, u. er sei nicht widerstrebend in jenem Augenblick באותה שעה. ‖ GnR 33 (20a): In jener Stunde באותה שעה erhob R. Tanchuma (um 380) sein Angesicht gen Himmel u. sprach: Herr aller Welten usw. ‖ PesiqR 36 (162a): In der Stunde, da (בשעה ש׳) der König, der Messias, sich offenbaren wird, dann באותה השעה wird Gott das Licht des Messias u. Israels aufstrahlen lassen.…
2. ἠγαλλιάσατο ἐν τῷ πνεύματι τῷ ἁγίῳ = im Geist prophetischer Rede; s. bei Lk 2, 25. — Zu der Regel, daß der heilige Geist nur auf einem fröhlichen Menschen ruhe, s. pSukka 5, 55a, 54 bei Mt 12, 39 B 2 S. 643. — Ferner s. bei Mt 11, 25 A S. 606.

10, 21 B: Herr des Himmels u. der Erde.
„Herr der Welt“ רִבּוֹנוֹ שֶׁל עוֹלָם, eine im Rabbin. ungemein häufige Anrede an Gott; s. zB GnR 33 (20a) oben bei Lk 10, 21 A; Sanh 101a bei Mt 22, 35 S. 898 f.; BB 16a bei Mt 10, 30 S. 584; Berakh 32b u. Keth 104a bei Lk 12, 6; DtR 11 (207d) u. Keth 104a bei Lk 16, 22 A; ferner s. bei Hebr 1, 2 (B).

Strack & Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

Die hier von Lukas mitgeteilten Aussprüche Jesu berichtet auch Matthäus, nur nicht zusammenhängend, sondern an zwei verschiedenen Stellen (vgl. Lk 10, 21–22 mit Mt 11, 25–27; Lk 10, 23–24 mit Mt 13, 16–17).)
Wie köstlich hat hier Lukas Vers 21 die Freude im Geist des Herrn Jesus bei der Rückkehr der Siebzig geschildert. Die Erhabenheit dieser Freude wird noch umso mehr gefühlt, wenn man zur Freude Jesu die Freude der Siebzig daneben stellt. Sie freuen sich in dem Großen, Er in dem Guten, das zustande gebracht ist. Sie haben ihre Freude auf die äußere, Jesus die Seine auf die innere Welt gerichtet. Sie sind voll vom Erlebten, Jesus ist voll dankbarer Anbetung, indem Er die Ehre und Größe und Güte des Vaters preist!
In frohlockender Freude spricht Jesus ein Dankgebet und ein Bekenntnis aus, das uns einen tiefen Einblick in Sein Innerstes gewährt.
Der außerordentliche Charakter des Augenblicks im Leben Jesu geht, wie wir schon sagten, aus der genauen Bestimmung hervor: In eben dieser Stunde, als die Jünger wieder zu Jesus kamen und Ihm von ihren Erfahrungen berichteten. Diese unwissenden und einfachen Landleute, die bei den Mächtigen und Weisen Jerusalems als „das verfluchte Volk“ (Jo 7, 49), als das „Erdgeschmeiß“ galten (rabbinischer Ausdruck), sind also die Werkzeuge, welche Gott Seinem Sohn gibt, um das Reich Satans auf Erden zu zerstören. Durch die geringsten Werkzeuge hat Gott die Absicht, Sein größtes Werk zu vollbringen. In dieser, den menschlichen Erwartungen so ganz entgegengesetzten unerwarteten Führung erkennt Jesus mit freudiger Anbetung die Weisheit Seines Vaters.
Das Evangelium steht nicht unter, sondern über dem Verständnis der in ihren eigenen Augen Weisen und Klugen.
Man mißbraucht jedoch das Wort des Herrn von den Kindern und Einfältigen, wenn man darin einen Freibrief für Dummheit und Beschränktheit, ein Verwerfungsurteil über Wissenschaft und echt christlichen Tiefsinn liest.
Der Herr bezeichnet den Vater als den Herrn des Himmels und der Erde, aber als den überall waltenden Regierer der Schöpfung, welcher auch die rühmenswerte Ordnung Seines geistlichen Reiches begründet hat, nach welcher sich die Ausbreitung Seines Königreiches vollzieht. Und diese Ordnung bleibt den Weisen und Verständigen verhüllt, den Unmündigen aber wird sie enthüllt. Es ist die göttliche Gnadenordnung, daß der Mensch nicht durch Leistung und Verdienst die Seligkeit erlangt, sondern durch das Gnadengeschenk des Glaubens an Christum allein.
Die Unmündigen oder, nach dem Hebräischen, die Einfältigen, die von allem Eigenen nichts wissen und wissen wollen, aber in Glaubenseinfalt das in Christo geschenkte Heil ergreifen, erlangen das Gnadengeschenk des ewigen Lebens.
Wie die Person Jesu das Zentrum der Erschließung und Verschließung der Heilserkenntnis nach dem göttlichen Ratschluß bildet, so wird auch Gottes Heilsoffenbarung allein durch Ihn vermittelt. Die Erkenntnis des göttlichen Heilsrates ist von der Erkenntnis des Sohnes abhängig, der allein den Vater kennt und denen offenbart, welche Ihn als die Offenbarung des Vaters erkennen. Vgl. hier das zu Mt 11, 27 Gesagte in W. Stb. Matth.
Die von Matthäus und Lukas berichteten Worte Jesu klingen wie Aussprüche des Johannesevangeliums (vgl. Jo 1, 18; 3, 35; 6, 46; 10, 15; 14, 6. 9; 17, 2. 4). Damit ist ein erneuter Beweis gegeben, daß die Synoptiker und Johannes uns ein einheitliches Christusbild darstellen.

Rienecker – Wuppertaler Studienbibel

Die Eingangsbemerkung »Zu dieser Stunde« ist lediglich eine ungefähre Zeitangabe. Sie meint die damalige heilsgeschichtliche Situation, nicht die mathematische »Stunde« (vgl. Mt 11,25: »Zu jener Zeit«).

Schon das »Sehen« in V. 18 geschah im Heiligen Geist (vgl. die Erklärung dort). Nun hat Jesus ein weiteres Erlebnis »im Heiligen Geist«: Offenbar sind diese geistlichen Vorgänge eine Stärkung auf dem Passionsweg gewesen (vgl. Lk 9,28ff.). Inmitten seines Passionsweges konnte Jesus »frohlocken« (V. 21). Wie war das möglich? Indem er zum »Vater« emporschaute! In den Stunden der Anfechtung hilft uns nicht der Blick auf uns selbst, auf unsere Bekehrungsgeschichte, auf die Gemeinde. Es hilft uns nur der Blick auf den lebendigen Gott.

Der Blick nach oben ist ein Blick des Lobens und Dankens (vgl. Ps 136,26; Sir 51,1). Wie im Vaterunser (Mt 6,1; Lk 11,2) stellt Jesus den »Vater« -Namen an die Spitze. Darin drückt sich die innige persönliche Verbindung aus. Der Vater ist zugleich der Allmächtige, der »Herr des Himmels und der Erde«. D. h. er ist der Gott, »der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs« (Jes 42,5; vgl. 1 Mo 1,1ff.; Jon 1,9; Apg 17,24). Er wird auch der Gott sein, der den neuen Himmel und die neue Erde schafft (Offb 21,1ff.; Jes 65,17; 66,22; 2 Petrus 3,13). Sein Ratschluss ist wunderbar, wie vor allem die Botschaft Jesajas betont (Jes 28,23-29; 29,14; 43,8ff.; Jes 44,6ff.). Und gerade diesen Ratschluss bzw. Heilsplan Gottes preist Jesus hier. Zwar bleibt dieser Heilsplan »den Weisen und Klugen verborgen«, wie schon Jesaja ankündigte (Jes 29,14). Deshalb können sie mit einem gekreuzigten Messias nichts anfangen. Deshalb unterstützen sie in ihrer Unwissenheit die Hinrichtung Jesu am Kreuz (vgl. Apg 3,17; 1 Kor 1,19-26ff.; 1 Kor 2,6ff.). Bis heute gilt: »Weise« und »Kluge« im weltlichen Sinne können uns von Jesus nichts sagen, das Heil nicht zeigen, den Gotteshunger nicht stillen. Ebenso wenig kann es die natürliche Vernunft.

»Aber den Unmündigen hast du es offenbart« (V. 21): Jubelnd ruft Jesus diese Worte aus. Denn das griechische Wort für »frohlocken« bedeutet zugleich »jubeln«. Was meint dieses »es« bzw. »dies« von V. 21 ? Das Erlösungswerk Jesu, das jetzt sogar durch die Jünger den Menschen zugänglich gemacht wird, wie es durch die Aussendung der Zwölf, der Siebzig und die spätere Mission (Joh 20,21ff.) geschieht. Statt »Erlösungswerk« könnte man auch hier wieder »Heilsplan, der durch Jesus zur Erfüllung kommt« sagen. Und wer sind die »Unmündigen«? Die Jünger. Sie heißen ja auch sonst »Kinder« (Lk 9,48; Mt 18,3ff.), »Geringe« (Mt 10,42; 25,40.45), oder »Kleine« (Mt 18,6ff.; Mk 9,42ff.). Die Welt bezeichnet sie als Toren (1 Kor 1,18ff.; 1 Kor 2,6-14ff.). Sie empört sich über sie (vgl. Mt 21,15ff.). Und dennoch – oder gerade deshalb! – hat sie Gott seiner »Offenbarung« gewürdigt. Es ist allerdings eine Offenbarung, die nicht aus »Fleisch und Blut« stammt – so wenig wie die Bibel! -, sondern aus dem Himmel und aus dem Heiligen Geist. Man versteht von da her die anschließende Seligpreisung der Jünger durch Jesus (V. 23ff.).

Beachten wir noch, dass Jesus hier ebenso wie in Mt 21,16 den 8. Psalm auslegt. Denn die »Unmündigen« stammen aus Ps 8,3: »Aus dem Munde der jungen Kinder (griechische Bibel: Unmündige) und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet (griechische Bibel: Lob bereitet)«. Daraus ergibt sich, dass Jesus a) den 8. Psalm auf die messianische Zeit deutete, und b) die »jungen Kinder/Unmündigen« im geistlichen Sinne auf die Jünger deutete.

Gerhard Maier – Edition C

In derselben Stunde freute er sich im [oder durch den] Heiligen Geist (Lukas 10:21a) und begann zu beten. Jeschua wies in seinem Gebet auf drei Dinge hin. Erstens erklärte er, warum einige glaubten und andere nicht (Lukas 10,21b). Der Grund für den Unglauben war, dass diese Dinge aufgrund ihrer Sünde vor ihnen verborgen geblieben waren. Obwohl sie weise und verständig waren, lehnten sie den Messias ab. Umgekehrt lag der Grund für den Glauben darin, dass diese Dinge denen offenbart worden waren, die als geistliche Säuglinge galten. Zweitens offenbarte Jeschua alles, was die Gläubigen über Gott den Vater wissen (Lukas 10:22). Keiner kennt den Vater wie der Sohn, und keiner kennt den Sohn wie den Vater. Was die Gläubigen über beide wissen können, kommt durch den Sohn. Drittens hatten diese Jünger einen einzigartigen Vorteil (Lukas 10:23-24). Viele Könige und Propheten der hebräischen Bibel wünschten sich, die Erfüllung dieser messianischen Tage zu sehen, aber sie starben, bevor Jeschua auf der Bildfläche erschienen war. Diese Jünger jedoch sahen den messianischen König. Sie bekamen einen einzigartigen Vorteil und wurden auf besondere Weise gesegnet, da sie die Prophezeiungen und die Wünsche der Propheten und Könige erfüllt sahen.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Lukas ist das Evangelium des Mannes der Schmerzen, dennoch ist es ein Evangelium der Freude und des Lobpreises. Die Umstände Jesu von Nazareth waren von Kummer und Sorge geprägt, in Seinem Geist war der Herr jedoch stets voll Frohlockens. In zahlreichen Handschriften steht, daß der Herr „im Heiligen Geist“ frohlockte. Lukas spricht oft von der Kraft des Heiligen Geistes im Leben des vollkommenen Menschen. In diesem Gebet der Danksagung spricht er in trautester Weise vom Vater, aber Er schreibt Ihm auch den höchsten Titel der Macht und der Majestät im Universum zu: „Herr des Himmels und der Erde“. Dieser große Gott verbirgt oder enthüllt Seine Gedanken gemäß Seinem Willen und entsprechend Seinen Vorsätzen. Der Hochmut der Weisen und Gelehrten dieser Welt macht sie untüchtig zum Empfang der Offenbarung Gottes in Seinem Sohn; die Demütigen hingegen, die sich unmündig wissen, empfangen sie. Es wäre Gottes Wesen vollkommen fremd und zudem eine Tragödie für uns, gewährte Gott die Offenbarung Seiner selbst ausschließlich einer auserwählten Schar von intellektuellen Riesen. Paulus gibt einen ausgezeichneten Kommentar zu dieser Wahrheit in 1Kor 1,8-25. Der Herr Jesus sagte, daß es dem Vater „wohlgefällig“ war. Es entsprach Seinem souveränen Willen. Paulus sagt, daß es „in der Weisheit Gottes“ so geschah. Der Herr Jesus frohlockte im Geist über diese Weisheit und über dieses Wohlgefallen Gottes, und wir frohlocken mit Ihm.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

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