ein gefällter Baum?

Denn für den Baum gibt es Hoffnung: wird er abgehauen, so schlägt er wieder aus, und seine Schößlinge hören nicht auf. Wenn seine Wurzel in der Erde altert, und sein Stumpf im Boden erstirbt: vom Dufte des Wassers sproßt er wieder auf und treibt Zweige wie ein Pflänzling. Der Mann aber stirbt und liegt da; und der Mensch verscheidet, und wo ist er?
Elberfelder 1871 – Ijob 14,7–10

Wenn ein Baum gefällt wird, dann besteht Hoffnung, dass er wieder ausschlägt und neue Zweige treibt. Seine Wurzeln mögen im Boden altern und der Stumpf absterben, trotzdem wird er schon allein vom Geruch des Wassers neues Grün treiben und ausschlagen wie ein junger Sämling. Doch wenn ein Mensch stirbt, ist seine Kraft verschwunden. Er tut seinen letzten Atemzug, und wo ist er dann?
Neues Leben – Bibel 2006 – Ijob 14:7–10

denn für den Baum gibt es Hoffnung: „wird er gefällt, treibt er neu, und seine Triebe hören nicht auf. Wenn seine Wurzel in der Erde altert, und sein Stumpf im Boden stirbt: vom Duft des Wassers sprosst er und treibt Zweige wie ein Pflänzling.
Der starke Mann aber stirbt und ist kraftlos. Und der Mensch verscheidet, und wo ist er?
Janzen und Jettel – Hiob 14:7–10

Der große Unterschied zwischen uns allen – und Jesus Christus: wir bleiben erst einmal im Grab – ER stand nach wenigen Stunden wieder auf! Wir müssen warten, bis der Befehl zur Auferstehung erfolgt – bei IHM erging der Ruf zur Auferstehung schon am „3. Tag“ (nach jüdischer Tagzählung).

Wenn ein Baum umgehauen wird, kann er wieder ausschlagen. Hiob spricht von dem Baum, als wenn er einen Geruchssinn besäße. Der Baum „riecht“ das Wasser und wächst. Im Gegensatz zu den Pflanzen hat der Mensch keine solche Hoffnung. Wenn er stirbt und sich niederlegt ( HAlaS , „hingestreckt wird“), ist er entschwunden. (Das hebräische Wort für Mann in 10 a ist geBer , „Starker“; vgl. V. 14 . Auch Starke müssen sterben! Mensch in 10 b lautet im Hebräischen ?ADAm . Das ist der allgemeine Ausdruck für „Mensch“, und das Wort für Mensch in V. 12 lautet ?IS , „Mann“.)

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Das Bild vom Baum ist ein Bild der Hoffnung. Ein Baum wird gefällt, weil man entweder sein Holz braucht oder weil man einen alten Fruchtbaum sich verjüngen lassen willy. Ein gefällter Baum aber ist nicht tot. Er schlägt wieder aus, das heißt, er entwickelt neues Leben, indem aus dem im Boden belassenen »Wurzelstock« (Jes 6,13) neue Sprößlinge aufwachsen und sich wieder zum Baum entfalten.
Das Verjüngen der Fruchtbäume im palästinischen Raum ist eine wichtige Aufgabe der Obstbauern. Altersschwache Bäume, die nur noch kleine Früchte tragen, werden einer sogenannten Operation unterzogen. Man haut sie mit einer Axt ab, Weinstöcke, Feigen- und Granatbäume unmittelbar über dem Boden, Nußbäume aber zum Beispiel in einiger Höhe darüber. Im folgenden Jahr entsprießen der Wurzel bzw. dem Stumpf neue Triebe. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Bewässerung. Bereits im zweiten Jahr tragen die »neuen« Bäume Früchte. Für den Baum gibt es gerade im abgeschlagenen Zustand Hoffnung. Er kann wieder ausschlagen. Das Zeitwort »neu auschlagen« (hebräisch: ḥlp) hat die Grundbedeutung »wechseln«, »ändern». So wird zum Beispiel ein Kleid durch ein anderes ausgewechselt, ein Holz durch ein anderes ersetzt, eine Truppe durch eine andere abgelöst.

Wuppertaler Studienbibel

Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen, sagt ein trostloses Sprichwort. Aber — sagt Iob — das Geschick des Baumes ist bei weitem nicht so hoffnungslos wie das des Menschen. Denn 1. wird der Baum umgehauen, so treibt er (der in der Erde zurückgebliebene Stumpf) neue Sprossen (s. zu וְעוֹר des Nachsatzes Spr. 19,19 und über הֶֽחֱלִיף Ps. 90,6) und es bleiben nicht junge Zweige aus (יוֹנֶקֶת der zarte, saftige, noch wie an der Mutterbrust liegende Ausschößling μόσχος) — eine natürliche Thatsache, welche bei Jesaia c. 6 zum Emblem eines Grundgesetzes der Geschichte Israels wird: Terebinthe und Eiche versinnbilden dort Israel, der Wurzelstock (מצבת) ist der das Gericht überwährende Rest, und dieser Rest wird zum Samen, aus dem ein neues heiliges Israel aufsproßt, nachdem das alte hinweggetilgt ist. Carey hat wol nicht Unrecht, daß Iob vorzugsweise an die Palme (Dattelpalme) denke, von welcher Shaw sagt: when the old trunk dies, there is never wanting one or other of these offsprings to succeed it.1 Sodann 2. wenn des Baumes Wurzel in der Erde altert (הִזְקִין inchoatives Hifil: senescere Ew. § 122c) und im Staube abstirbt sein Stock (גֶּזַע wie Jes. 40,24 von dem nackten Baumstock, s. Hofmann Weiss, u. Erfüll. I,240), so kann er doch seine vor Altersschwäche versiegte Lebenskraft zurückgewinnen: er treibt, neubelebt durch Wassers Duft (רֵיתַ immer vom Geruch, den etwas aushaucht, nicht, ausg. nur etwa Hohesl. 1,3., vom Geruchssinn), wieder Blätter- und Blüthenknospen und bringt wieder Zweige (קָצִיר eig. Abschnittling, Gerte) hervor כמו נָֽטַע wie eine Pflanze, ein Pflänzling oder Setzling, also wie frisch gepflanzt LXX ὥσπερ νεόφυτον. Auch hier liegt es nahe an die Palme zu denken, welche vorzugsweise φίλυδρον φυτόν ist2 und eine wundersame Lebensfülle in sich trägt, die sie zum Bilde unversiegbarer Jugendkraft macht; Palme und Phönix haben nicht ohne Grund Einen Namen: der durch Wassers Duft wie aus dem Tode erstehende Baum, den Iob schildert, gleicht dem aus der eignen Asche wiedererstehenden Wundervogel (s. zu 29,18).

Delitzsch – Biblischer Commentar über die Poetischen Bücher des Alten Testaments: Das Buch Iob

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