Schlagwort: Bibel

Wo ist mein Zentrum?

In allen Zeitungen und Nachrichten ging es in den letzten Tagen um den „Tod der Queen“ – Elizabeth II.
Und während ich diese Nachrichten höre/lese, fällt mir auf, dass die Menschen meist ihren alltäglichen Lauf unterbrechen, um einer „solchen Persönlichkeit“ zu huldigen. Aber wie sieht das mit der „wirklichen Persönlichkeit des Universums“ aus? Unterbrechen wir unseren alltäglichen Lauf – um IHN zu huldigen?

Eine Geschichte, die über Elizabeth II berichtet wird lautet:

Wie sich ein früherer Leibwächter erinnerte, traf die Queen einmal in der Nähe ihres schottischen Schlosses Balmoral beim Spaziergang auf Touristen. Die US-Amerikaner fragten sie, ob sie in der Gegend wohne und die Königin kenne. Daraufhin zeigte die Queen auf den Leibwächter und erwiderte: „Nein, aber er.“ Die beiden Touristen ließen sich nicht nehmen, ein Foto mit dem Mann zu machen – und baten die Königin, den Auslöser zu drücken. Die spielte mit, ohne mit der Wimper zu zucken.

https://www.n-tv.de/leute/Die-schoensten-Anekdoten-aus-dem-Leben-der-Queen-article23577305.html

Manchmal scheint es auch in unseren Anbetungsstätten so auszusehen! Wir sollten uns eigentlich in dieser Zeit um Jehovah drehen, und IHN im Mittelpunkt unseres Lebens stellen. Aber dann reden wir anstatt über Jehovah doch über „meine Gefühle“ und „meine Gedanken“ – und freuen uns „einen Kullerkeks“ wenn wir jemandem treffen, der „Jehovah kennt“ oder eben ein Christ ist! Und dann reden wir anstatt über Jehovah – über die Erfahrung von Menschen – und machen dann „Fotos von diesem Menschen“ bzw. lesen die Zeitschriften und Bücher dieser Menschen, anstatt die Bibel – und damit das Wort Jehovahs.

Also wo ist mein Zentrum? Würde ich der Königin auch den Fotoapparat in die Hand drücken – anstatt dem Leibwächter?

Rosh – Hesekiel 38 ??

Lese gerade ein Buch aus dem Jahre 1999 von T.L.Frazier. Es geht um die Frage: gibt es eine „Entrückung der Gemeinde“ oder gibt es keine Entrückung.
Aber bevor der Autor auf das Thema kommt, geht er durch verschiedene Themen und folgendes Zitat zeigt, wie sehr wir als Leser der Bibel aufpassen müssen, uns NICHT von der eigenen Meinung oder den aktuellen Nachrichten durcheinander bringen zu lassen!
Wie gesagt – das Buch ist von 1999 – also etwa 22 Jahre alt – und es hat sich doch so einiges getan, was man vor 22 Jahren wohl nicht vorraussehen konnte – wenn man der Bibel nicht zu 100% vertraut!

Der Untergang der Sowjetunion war offensichtlich ein weiteres Problem für Lindseys Endzeitvision. Wie erklärt er diese Unstimmigkeit in seinem prophetischen Szenario?

Lass mich das so beantworten. Ich bin kein Prophet. Ich habe nie behauptet, einer zu sein. Vielmehr habe ich immer wieder versucht zu erklären, dass ich einfach nur ein Student der Bibel bin. Mein Wissen über die Zukunft beschränkt sich auf die Seiten eines Buches, dessen Vorhersagen sich als 100-prozentig zutreffend erwiesen haben [d.h. die Bibel]. So konnte ich mir natürlich nie das genaue Szenario vorstellen, das zum Ende der Sowjetunion führte.

Dennoch gelingt es Lindsey, ausgehend von der politischen Instabilität Russlands nach dem Fall des Kommunismus, eine ausreichend beängstigende Rolle für das neue Russland in seiner überarbeiteten Zukunftsvision zu finden. Er besteht immer noch darauf, dass es ein Bündnis zwischen Russland und den muslimischen Nationen geben wird, um in Israel einzufallen. Es fällt dem Leser jedoch schwer, sich vorzustellen, wie Russland in naher Zukunft in der Lage sein soll, eine solch ehrgeizige Militärexpedition zu unternehmen. Unbezahlt, demoralisiert und ohne Grundversorgung erwies sich die russische Armee schließlich als unfähig, die separatistischen Rebellen zu unterwerfen, als sie im Dezember 1994 in das kleine Tschetschenien einmarschierte, um den tschetschenischen Führer Dschochar Dudajew zu stürzen. Nach hohen Verlusten und Überläufen war die russische Armee schließlich gezwungen, sich zurückzuziehen. Die Einsatzbereitschaft der Armee hat sich in den folgenden Jahren nur verschlechtert. Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Hal Lindsey im Moment mehr Vertrauen in das russische Militär hat als die russischen Generäle.

T. L. Frazier -Ein zweiter Blick auf die Wiederkunft – Die Spekulationen sortieren

Wo befinden sich momentan die „aktiven Militärkräfte von Rußland“?? Erstauntlich – oder?

Unterschied der Ansicht

Es gibt keinen Grund in der Welt, warum sie Kain so hervorheben sollte, außer der irrigen Vorstellung, dass Kain der verheißene Same sei, von dem in Eden versprochen wurde, dass der Sohn der Frau der Schlange den Kopf zertreten würde. Eva dachte, sie sei diese Frau und Kain sei der verheißene Sohn, und dass sie nun ihr verlorenes Erbe wiedererhalten, ins Paradies zurückkehren und wieder glücklich sein würde. Deshalb sagte sie, wie man es übersetzen könnte: „Ich habe den Mann Jehova bekommen“, was eine völlig korrekte und richtige Übersetzung ist und offensichtlich auf die Verheißung des Messias anspielt, den sie erwartete.

Im Gegensatz zu Kain nannte sie Abel, als er geboren wurde, „Schwachheit und Eitelkeit“. Sie betrachtete ihn nicht als ein so bedeutendes und beeindruckendes Geschenk. Sie betrachtete Kain als den verheißenen Messias und Abel als „Schwachheit“ oder „Eitelkeit“. Wie sehr hat sich die arme Eva doch geirrt! Kain war nicht der Erlöser von der Sünde, sondern der erste Mörder; und Abel war nicht das wertlose Ding, für das sie ihn hielt, sondern der erste heilige und treue Märtyrer. Viele Mütter denken, sie hätten einen Abel, obwohl sie einen Kain haben; und manche haben einen Kain, obwohl er sich als Abel entpuppt. Es hängt vielleicht weniger vom ursprünglichen Charakter als vielmehr von der späteren Erziehung ab, ob es das eine oder das andere sein wird. Auch wenn die Gnade eine mächtige und wichtige Rolle bei der Charakterbildung spielt, gilt dennoch: „Erziehe ein Kind in dem Weg, den es gehen soll, und es wird nicht davon abweichen, wenn es alt ist. Kain und Abel wurden mit einem gleichermaßen verdorbenen Herzen geboren. Beide brauchten gleichermaßen die Wiedergeburt durch Gottes Heiligen Geist. Der eine lebte und starb ohne sie, der andere lebte unter ihr und trat in die Freude ein, auf die sie ihn vorbereitet hatte.

Wir lesen von den Opfergaben von Kain und Abel. Beide erkannten eindeutig an, dass es pflichtgemäß und richtig war, Gott anzubeten. Beide erkannten auch an, dass es nur einen wahren und lebendigen Gott gibt und dass sie nur ihn anbeten sollten. Soweit stimmten beide überein, aber es ist offensichtlich, dass der eine den wahren Gott auf eine Art und Weise anbetete, die nicht annehmbar war, und dass der andere denselben wahren Gott auf eine Art und Weise anbetete, die annehmbar war. Worin lag die Ursache für diesen Unterschied? Worin lag die große Verschiedenheit der Opfergaben, die dazu führte, dass die einen so angenommen und die anderen abgelehnt wurden? Der erste Grund lag zweifellos in den Opfernden selbst. Kain war ein unheiliger, gottloser und ungerechter Mann; Abel war ein heiliger, guter und gerechter Mann. Es ist nicht das Opfer, das den Opfernden anerkennt, sondern zuerst der Opfernde und dann das Opfer, das angenommen wird. Aber auch in der Art und Bedeutung der beiden Opfer gab es einen großen Unterschied. Die eine Opfergabe bestand darin, ein lebendes Tier zu opfern, sein Blut zu vergießen und es auf dem Altar als Opfergabe für Gott zu verbrennen. Das Opfer des anderen – wenn man es so nennen kann – war ein Blumenkranz oder ein Korb mit schönen und duftenden Früchten. Man hätte von vornherein gesagt, dass Kains Opfer sicher angenommen worden wäre, wenn man das Ergebnis nicht gekannt hätte. Denn was gibt es Angenehmeres, als diesen Strauß schöner Blumen und diesen Korb mit schönen und duftenden Früchten darzubringen, sie Gott zu weihen und in einem Hymnus der Anbetung zu sagen: „Oh, Herr! Ich schenke dir dies. Dein Lächeln hat jeder Blüte ihre Farbe gegeben, dein Atem hat jeder Blume ihren Duft verliehen, und ich widme sie dir, du Schöpfer, du Bewahrer von allem, als Ausdruck meiner Dankbarkeit und als Mittel meiner Anbetung.“

Man hätte gesagt: Das ist sicher genau das Opfer, das angenommen werden wird. Und als Abel seine Opfergabe brachte, das Messer in das Herz eines unschuldigen Lammes stach, sein Blut auf dem Altar vergoss und dann Gott bat, es anzunehmen, hätte man gesagt: „Abels Opfer wird sicher abgelehnt werden. Natürlich hätte man das gesagt. Aber damals war die Welt nicht in ihrem natürlichen Zustand, der Mensch war nicht in seinem natürlichen Zustand; die Sünde hatte sich eingeschlichen; zwischen der Kreatur und Gott klaffte eine große Kluft: Ein neuer Zugang war nötig, und im Paradies wurde Adam durch die Felle der Tiere, mit denen er bekleidet war, die Notwendigkeit, die Pflicht und die Annehmbarkeit von Tieropfern angezeigt. Der Unterschied zwischen diesen beiden Opfern lag also in diesem Punkt:-Kain erkannte Gott als den Schöpfer und Erhalter aller Dinge an, aber mehr nicht; Abel erkannte Gott ebenso wie Kain als den Schöpfer und Erhalter aller Dinge an, aber er fügte seinem Glaubensbekenntnis einen weiteren Artikel hinzu, der beim Sündenfall verkündet wurde: dass der Mensch gesündigt hatte und dass es ohne Blutvergießen keine Wiederherstellung des Menschen geben konnte; und deshalb stützte sich Abel in seinem zukünftigen Glauben bereits auf das Lamm Gottes, das von Grundlegung der Welt an geschlachtet worden war, und fand so durch den Glauben Akzeptanz, wo Kain keine fand. Mit anderen Worten: Das eine war ein deistisches Opfer, das andere ein evangelisches und protestantisches Opfer. Der eine betrachtete Gott einfach als Schöpfer und Erhalter und den Menschen als unschuldig; der andere betrachtete Gott als einen Gott, der die Sünde hasst, und sich selbst als Sünder und betrachtete das Sühneopfer als einziges Mittel, um Gnade zu erlangen, und betete so um Vergebung, Gnade und Annahme. Das Ergebnis ist, dass das eine angenommen wurde, das andere aber nicht. Wie, so können wir fragen, wurde es angenommen? Woher wussten Kain und Abel, dass er angenommen wurde? In meinem letzten Beitrag habe ich euch beim Lesen des vorhergehenden Kapitels erklärt, dass die Schechinah an den Toren des Paradieses stand und das flammende Schwert, das sich in alle Richtungen drehte. Dass dies der heilige Ort war, wird dadurch sehr wahrscheinlich, dass Kain, als er die Gegenwart des Herrn verließ, in den Osten Edens ging, um dort zu wohnen. Das war genau der Ort, an dem sich die Cherubim, der Gnadensitz und die Schechina befanden, die später im Tempel aufgestellt wurden, wo sie als Zeichen für das große Sühnopfer des Herrn Jesus Christus galten. Und da wir lesen, dass bei der Annahme der alten Opfer Feuer vom Himmel fiel und sie verzehrte, kann es sein, dass ein Strahl aus der Schechina auf das Opfer Abels fiel und es verzehrte, während das von Kain wie eine verdorrte Blume zurückblieb oder verblasste. Wie auch immer, es heißt, dass das eine sichtbar angenommen und das andere eindeutig abgelehnt wurde.

Aber was war die Konsequenz daraus? Die richtige Konsequenz wäre gewesen, dass Kain, der seinen Irrtum demütig einsah, ihn zugegeben und wie Abel angebetet hätte. Aber die menschliche Natur hatte ihren traurigen Verfall durchgemacht; der Neid hatte die Liebe verdrängt und die Eifersucht den Frieden; und da er sah, dass sein Bruder Abel ein Freund Gottes war und in seinem Dienst von ihm sichtlich akzeptiert wurde, erhob er sich, nicht gegen sich selbst, der in Wirklichkeit die Schuld trug, sondern gegen seinen unschuldigen Bruder Abel, der nur das Richtige getan hatte, im Gegensatz zu seinem Bruder, der das völlig Falsche getan hatte. Alle Sünde ist verfolgend. Selbstgerechtigkeit hasst. Nicht nur, dass der Mensch seine eigenen Fehler anlastet, so wie Adam seine auf Eva und Eva auf die Schlange warf, sondern wenn er sieht, dass es anderen besser geht und sie mehr Anerkennung finden als er selbst, bringt der Kainsgeist das Kainsmal hervor und veranlasst ihn, sich gegen die Gerechten zu erheben, weil seine eigenen Werke böse sind, und seine Miene zu senken und seinen Geist mit dem zu zermürben, was ihn demütigen und unterwerfen sollte.

John Cumming – Lesungen am Sabbatmorgen – Genesis

Samsons Haare

Wenn wir uns die Geschichten in der Bibel anschauen, dann haben wir manchmal Fragezeichen in unseren Gedanken. So auch die Geschichte mit Simson….
Spannend wenn wir uns dann die selben Geschichten in den „Überlieferungen“ anschauen. Hier ein Beispiel von der Wiedergabe von Josephus:

Spater aber fiel er von den Gebräuchen seiner Väter ab, führte ein schlechtes Leben und äffte die Gewohnheiten fremder Völker nach, was gewöhnlich der Anfang alles Übels ist. Er liebte eine Buhldirne Namens Dalila und lebte mit ihr. An diese machten sich nun die Vorsteher der Palaestiner heran und suchten sie durch grosse Versprechungen zu beschwätzen, dass sie von Samson erforschen möge, was die Ursache seiner gewaltigen Stärke sei, die ihn unüberwindlich mache. Sie ging darauf ein, und als Samson einst bei ihr zechte und ihren vertrauten Umgang genoss, bewunderte sie seine Heldenthaten und suchte zu erfahren, warum er eine so grosse Stärke besitze. Samson aber, der seines Geistes noch mächtig war, setzte List gegen List und sagte, wenn man ihn mit Rebzweigen binde, die sich noch biegen liessen, so werde er schwächer als alle anderen sein. Mit dieser Antwort war sie zufrieden, und nachdem sie die Vorsteher der Palaestiner verständigt hatte, versteckte sie einige Krieger bei sich. Als nun Samson berauscht und in Schlaf gefallen war, band sie ihn mit den Rebzweigen, so fest sie konnte; dann weckte sie ihn und schrie ihm zu, die Feinde bedrohten ihn. Er aber zerriss die Rebzweigenfesseln und rüstete sich zur Wehr, falls man ihn angreifen wolle. Da er nun häufig mit dem Weibe verkehrte, beklagte sie sich einst, dass er so misstrauisch sei und ihr nicht sagen wolle, was sie so gern wissen möchte, gerade als ob sie das nicht geheim zu halten verstehe, dessen Ausplauderung ihm schaden könne. Samson aber täuschte sie wiederum, indem er ihr sagte, wenn er mit sieben Stricken gefesselt werde, so werde seine Kraft von ihm weichen. Als das wieder keinen Erfolg gehabt hatte, erklärte er ihr das dritte Mal, man müsse ihm seine Haare flechten. Und da auch das sich als trügerisch erwies, bestürmte sie ihn noch heftiger mit Bitten, sodass sich Samson endlich (es war ihm nämlich bestimmt, dass er in sein Unglück geraten sollte), um die Gunst der Dalila wiederzuerlangen, bereden liess und ihr kundthat: „Gott selbst, durch dessen Fürsorge ich geboren bin, hat befohlen, dass mein Haar wachsen gelassen und nicht geschoren werde. So lange solle ich meine Kräfte behalten und sie sogar noch vermehren, als ich meine Haare wachsen lassen und erhalten würde.“ Als sie so endlich den wahren Grund erfahren hatte, schnitt sie ihm heimlich das Haar ab und überlieferte ihn seinen Feinden, denen er jetzt ohnmächtig preisgegeben war. Diese blendeten ihn und liessen ihn gefesselt wegführen.

Im Laufe der Zeit aber wuchs ihm das Haar wieder, und als die Palaestiner einst ein öffentliches Fest begingen, und ihre Vorsteher und Vornehmsten in einem Hause, dessen Dach von zwei Säulen getragen wurde, schmausten, liessen sie den Samson holen, um beim Zechgelage mit ihm ihren Spott zu treiben. Dieser aber, der es für das schlimmste aller Übel hielt, dass er so zum Gespötte dienen musste und sich nicht rächen konnte, sagte dem Knaben, der ihn an der Hand führte, er solle ihn an die Säulen leiten, da er ermüdet sei und etwas ausruhen wolle. Kaum war er dort angelangt, als er sich mit aller Kraft auf die Säulen warf, sie umstürzte und das ganze Haus wanken machte. So fanden dreitausend Menschen, die unter dem einstürzenden Hause begraben wurden, und Samson mit ihnen den Tod. Samson herrschte zwanzig Jahre lang über die Israëliten. Bewundernswert ist er wegen seiner Tapferkeit und Stärke, wegen des Starkmutes, mit dem er den Tod erlitt, und weil er bis zum letzten Atemzuge seine Feinde hasste. Dass er sich von einem Weibe überlisten liess, ist auf Rechnung der menschlichen Natur zu setzen, die leicht der Sünde unterliegt. Jedenfalls muss man ihm das Zeugnis geben, dass er im übrigen ein ausgezeichneter und tugendhafter Mann war. Seine Verwandten bestatteten ihn bei den Vorfahren in seiner Vaterstadt Sariasa.

Jüdische Altertümer, übersetzt von Clementz, 1899

und seine Kraft verließ ihn. Die Reihe von Zeitformen vermittelt hier wahrscheinlich nicht die Abfolge, sondern die Gleichzeitigkeit: Sie demütigte ihn, als seine Kraft ihn verließ. Der Text suggeriert fast, man könne beobachten, wie die Kraft aus Simson schwindet. Die Leserinnen und Leser fragen sich immer wieder, wie Simson so töricht sein konnte. Wusste er nicht aufgrund der letzten drei Episoden, dass sie ihm tatsächlich die Haare abschneiden würde? Anstatt Samsons Offenbarung auf Dummheit oder Liebesblindheit zurückzuführen, bleibt der Schlüssel wahrscheinlich Arroganz. Nirgendwo in der Geschichte hat Samsons Stärke gelitten, trotz wiederholter Verstöße gegen sein Gelübde und gegen Jahwes Moralgesetz.

Joseph Coleson – Eckpfeiler des biblischen Kommentars – Richter

Doch schon bald begann sein Haar wieder zu wachsen. Von einem fortgeschritteneren Punkt im Prozess der göttlichen Offenbarung aus betrachtet, könnten christliche Leser vor einer scheinbar plumpen Verbindung zwischen Samsons bloßer äußerer Erscheinung, d.h. dem Wachstum seines Haares, und der Rückkehr von Gottes Segen auf sein Leben zurückschrecken. Aber das Nasiräer-Gelübde konzentrierte sich auf das Haar. Was auch immer für andere Regeln gelten mochten, das „heilige Haupt“ des Nasiräers spielte eine zentrale Rolle in dieser verstärkten Hingabe an Jahwe. In ähnlicher Weise verwendet der Text Simsons Haar als sichtbares literarisches Zeichen für Simsons Hingabe an Gott. Indem der Autor feststellt, dass Samsons Haare nachwachsen, signalisiert er, dass Gott mit Samson noch nicht fertig ist. Tatsächlich hatte Gott Simson bis zum Tag seines Todes zum Nasiräer erklärt. Selbst in Sünde und Versagen, selbst im Gefängnis, wurde Simson nicht von seinem Gelübde entbunden (gegen Boling 1975:248-253). Der Autor signalisiert, dass Simson unter der Barmherzigkeit Gottes bleibt. Die Wiederbelebung des Symbols seiner Hingabe weist auf die Erneuerung der Hingabe selbst hin. Ironischerweise spielt sich das, was ursprünglich ein Geheimnis war, das die Philister erdacht und für das sie viel Geld bezahlt haben, nun direkt vor ihren Augen ab, und sie sehen es nicht einmal. Sie sind für die Gefahr, die von dem nachgewachsenen Haar ausgeht, genauso blind wie Simson für den Verlust des Haares.

Joseph Coleson – Eckpfeiler des biblischen Kommentars – Richter

Noch einmal war Simson den Philistern entkommen, aber die Stunde seines Sturzes war nahe. Die von Gott anvertraute Kraft als seine eigene zu betrachten und sie für selbstsüchtige Zwecke zu missbrauchen, war der erste Schritt zum Verrat und zum Verzicht auf das, worin sie wirklich lag. Samson hatte aufgehört, im Herzen ein Nasiräer zu sein, bevor er äußerlich aufhörte, einer zu sein. Die Geschichte von Delila3 ist zu gut bekannt, um sie im Einzelnen zu wiederholen. Schon ihr Name – „die Schwache“ oder „die Sehnsüchtige“ – verströmt Sinnlichkeit, und ihre Heimat liegt im Tal von Sorek oder der erlesenen roten Traube. Die Philisterfürsten haben endlich gelernt, dass Gewalt nicht gegen Simson siegen kann, bis er sich durch seine eigene Untreue selbst seiner Kraft beraubt hat. Es ist die gleiche Geschichte wie die von Israel und seiner Sünde mit Baal-Peor. Es wird die gleiche Methode angewandt, die Bileam zum Verderben Israels vorgeschlagen hatte, und leider mit dem gleichen Erfolg. Die fünf Fürsten der Philister versprechen Delila 1000 und 100 Schekel, insgesamt 5500, also etwa 700 Pfund, als Lohn für ihren Verrat. Dreimal ist Simson ihrer Hartnäckigkeit, sein Geheimnis zu ergründen, entgangen. Jedes Mal hatte sie Wächter in einer angrenzenden Wohnung, die bereit waren, sich auf ihn zu stürzen, wenn er wirklich seine Kräfte verloren hätte. Doch beim dritten Mal war er in seiner Spielerei mit heiligen Dingen seinem Sturz gefährlich nahe gekommen, da er in ihrem Gehör seine Kraft mit seinem Haar verband. Und doch blieb er trotz aller Warnungen, wie einst Israel, in seiner Sünde verharrt.
Endlich ist es soweit. Er hat Delilah sein ganzes Herz geöffnet, und sie weiß es. Aber die Schrift legt uns die wahre Erklärung der Angelegenheit vor, in ihrer üblichen nachdrücklichen Art, aber mit einer so offensichtlichen Vermeidung der Suche nach Wirkung, dass nur der aufmerksame, fromme Leser sie aufspüren kann. Die Fakten sind wie folgt: Als Simson sein Geheimnis an Delila verrät, sagt er (16,17): „Wenn ich geschoren werde, dann wird meine Kraft von mir weichen“, während die Heilige Schrift, als das Ereignis tatsächlich eintrat, es erklärt: „Er wußte nicht, daß Jehova von ihm gewichen war.“ In diesem Gegensatz zwischen seiner Einbildung über seine eigene Stärke und der Tatsache, dass sie auf die Gegenwart Jehovas zurückzuführen ist, liegt der Kern der ganzen Sache. Man schreibt: „Die übermenschliche Kraft Samsons lag nicht in seinem ungeschnittenen Haar, sondern darin, dass Jehova mit ihm war. Aber Jehova war nur so lange mit ihm, wie er sein Nasiräer-Gelübde hielt.“ Oder, mit den Worten eines alten deutschen Kommentars: „Das ganze Elend Simsons rührte daher, dass er sich aneignete, was Gott durch ihn getan hatte. Gott lässt zu, dass seine Kraft zerstört wird, damit er in bitterer Erfahrung lernt, dass er ohne Gottes Gegenwart nichts ist. Und so lehren uns unsere Stürze immer am besten.“ Aber wie immer erweist sich die Sünde als der härteste Zuchtmeister. Der gefallene Simson wird mit allen möglichen Demütigungen überhäuft. Man sticht ihm die Augen aus, legt ihm eherne Fesseln an und lässt ihn die niedrigste Gefängnisarbeit eines Sklaven verrichten. Und auch hier findet die Geschichte Simsons ihre Parallele in der des verblendeten Israels, mit dem Urteil der Knechtschaft, der Erniedrigung und des Leidens, das auf die große nationale Sünde folgte, das Nasiräer-Gelübde abzulegen.
Aber, Gott sei gelobt, weder die Geschichte noch ihre Parallele hört hier auf. Denn „die Gaben und Berufungen Gottes sind ohne Reue“. So steht es ausdrücklich im heiligen Text: „Und das Haar auf seinem Haupt begann zu wachsen, wie es geschoren war“, das heißt, sobald es geschoren war. Dann begann eine Periode göttlicher Trauer und Reue, die sowohl durch die Rückkehr Gottes zu ihm als auch durch seine letzte Glaubenstat, in der er für sein Volk sein Leben opferte, bewiesen wurde; auch hierin folgt das große Gegenbild, wenn auch „von ferne“. Wir nehmen an,4 dass „der Knabe“, der ihn zu den Säulen führte, auf denen das Haus Dagons ruhte, ein Hebräer war, der Samsons Hoffnungen und Gebete kannte und der, unmittelbar nachdem er ihn in die verhängnisvolle Lage gebracht hatte, den Tempel verließ und dann Samsons „Brüdern“ die Nachricht überbrachte (16,31).

Alfred Edersheim – Geschichte der Bibel

Abkürzung für www ?

Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist 666.
Elberfelder 1871 – Offenbarung 13,18

בָּזֹאת הַחָכְמָה. מִי שֶׁבִּינָה לוֹ, יְחַשֵּׁב נָא אֶת מִסְפַּר הַחַיָּה, כִּי מִסְפַּר אָדָם הוּא וּמִסְפָּרוֹ שֵׁשׁ מֵאוֹת וְשִׁשִּׁים וָשֵׁשׁ.
ha-Berit ha-ḥadashah – 2000 – Offenbarung 13,18

ωδε η σοφια εστιν ο εχων τον νουν ψηφισατω τον αριθμον του θηριου αριθμος γαρ ανθρωπου εστιν και ο αριθμος αυτου χξς
Stephen’s 1550 Textus Receptus – Offb 13,18

hebräische Bibel – Offenbarung 13:18

Es gibt so viele unterschiedliche Meinungen über die Aussagen der Bibel – die meisten Ideen werden einfach weitergegeben, und „man glaubt“ an diese Meinungen.
Schauen wir uns heute einmal an, was über die „666“ in Offenbarung 13:18 unter anderem „behauptet wird“:

666: Welche Theorien stimmen überein?
Wenn es eine Stelle in der Bibel gibt, von der praktisch jeder schon einmal gehört hat, dann ist es 666 – die „Zahl des Tieres“. Und wenn es eine Sache gibt, über die sich niemand einigen kann, dann ist es, wofür diese Zahl steht. Wir sehen 666 in Offenbarung 13:18: „Wer Verstand hat, der berechne die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist 666.“ Die Formulierung hier ist wichtig: Johannes sagt den Lesern, dass die Zahl „berechnet“ werden muss, was bedeutet, dass es eine versteckte Bedeutung dahinter geben muss. Aber wie können wir sie berechnen?

Berechnen der Symbolik
Eine Möglichkeit, dieses biblische Rätsel zu lösen, ist die Gematria, die Idee, dass Zahlen eine symbolische Bedeutung haben. Während einige die Gematria als ein Werkzeug für Spekulationen bezeichnet haben, leitet sie sich tatsächlich von einer antiken Konvention in Sprachen wie Griechisch und Hebräisch ab, wo Buchstaben des Alphabets zur Darstellung von Zahlen verwendet werden.
Aber die Gematrie ist nicht nur auf die Offenbarung beschränkt; das Neue Testament enthält mehrere andere symbolische Figuren. Die 153 Fische aus Johannes 21,11 könnten als antike Symbolik für die Kirche, den Leib Christi, und die alttestamentlichen Gottessöhne als Analogie zu den Gläubigen in der Kirche gedeutet werden. Das griechische Wort für „Taube“, wie die Taube, die bei der Taufe auf Jesus herabkommt, hat einen Zahlenwert, der dem ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets entspricht und somit das Alpha und Omega symbolisiert (Offb 1,8).

Berechnen von 666
Wenn es um 666 geht, ist eine Gematria-Erklärung, dass die Zahl Nero Caesar darstellt. Das griechische Neron Kaisar ergibt 1.005, aber wenn der Name in die hebräischen Buchstaben nrwn qsr transliteriert wird, ist die Summe 666. Nero Caesar würde auch die abweichende Zahl des Tieres (616) erklären, die in einigen Manuskripten des Neuen Testaments zu finden ist. Die Transliteration des lateinischen Nero Caesar ins Hebräische, nrw qsr, ergibt 616, was darauf hindeutet, dass Johannes an den bekannten Nero-Redivivus-Mythos gedacht haben könnte, als er über das Tier schrieb (d. h., dass Nero von den Toten auferstehen würde, um die Christen zu vernichten).
Die Gematria-Lösung stellt drei große Probleme dar: Sie könnte als Schummelei bei den Schreibweisen angesehen werden (die übliche hebräische Schreibweise für Caesar ist qʾst, nicht qsr, obwohl die qsr-Form existiert). Es wird davon ausgegangen, dass die Leser das Hebräische gut genug kannten, um die Transliteration vom Griechischen zurück ins Hebräische durchzuführen. Und, vielleicht am bezeichnendsten, die frühen christlichen Kommentatoren, die den Nero redivivus-Mythos kannten, identifizierten 666 nie mit Nero.

Uraltes Sudoku
Es gibt eine weitere Möglichkeit: 666 ist ein magisches Quadrat. Schon in der Antike waren Philosophen und Mathematiker fasziniert davon, dass die Zahlen 1-36 in Quadraten so angeordnet werden können, dass jede Reihe und Diagonale die gleiche Summe ergibt (das gleiche Prinzip wie beim modernen Sudoku). Ein magisches Quadrat hat vier Reihen und zwei Diagonalen, die jeweils die Summe 111 ergeben. Die sechs Zeilen von 111 ergeben 666. Jedes magische Quadrat wurde in der alten jüdischen und griechischen Tradition auch mit einem Himmelskörper assoziiert. Im Fall des 666-Quadrats war dieser Körper die Sonne, die mit Zeus, dem höchsten Gott im griechischen Pantheon, assoziiert wurde.
Zeus wurde oft mit Baal und dem mythologischen Norden (Tsaphon) der kanaanäischen Religion in Verbindung gebracht. Am relevantesten für das Tier der Offenbarung ist der Titel von Baal (und Zeus), „Herr des Himmels“ (Baal-Schamem). Es ist möglich, dass der „Gräuel der Verwüstung“ in Daniel 9:27 (shiqquts-shamem) eine Anspielung auf Baal-shamem ist, da die alttestamentlichen Schreiber manchmal Wörter, die „Schande“ oder „Gräuel“ bedeuten, in Eigennamen einfügten, die früher „Baal“ enthielten (z. B. Mephibosheth, Ish-Bosheth). Das würde bedeuten, dass 666 ein Symbol für den abscheulichen Baal ist, den dunklen Herrscher der alttestamentlichen Welt – im neutestamentlichen Denken die satanische Macht.

Michael S. Heiser – Ich fordere Sie auf, mich nicht mit der Bibel zu langweilen

Die Bedeutung der Zahl sechs ergibt sich aus ihrer Verwendung in der Heiligen Schrift. Die sechs Tage sprechen von Mühsal, gleichzeitig aber auch von der Beschränkung dieser Mühsal: „Sechs Tage sollst du arbeiten“ (2 Mose 20,9). Sie deuten zudem die Herrschaft des Menschen über die Schöpfung an, da er dazu am sechsten Tag erschaffen wurde. Die Zahl steht häufig in Verbindung mit dem Bemühen des Menschen, von Gott unabhängig zu sein. So finden wir, dass Goliath, der Widersacher Israels, sechs Ellen groß war und das Gewicht der Spitze seines Speeres 600 Sekel Eisen betrug (1. Sam 17,4–7). Sechs ist außerdem ein Faktor in dem von Nebukadnezar aufgestellten Götzenbildes (Dan 3,1), sowohl was die Breite (sechs Ellen) als auch was die Höhe (60 Ellen) betrifft. Dies war ein Vorbild auf das Tier, das alle Großen der Menschheit um sich scharen wird, um sich Gott zu widersetzen. Die Zahl des Tieres ist eines Menschen Zahl und beträgt 666 (Off 13,18).

Samuel Ridout – Vorträge über die Stiftshütte

Alles ist völlig abhängig von den drei kleinen Buchstaben www, das World Wide Web, worin wir uns inzwischen alle verstrickt haben! Auch Sie und ich befinden uns in diesem Fangnetz! Auch wenn Sie gar keinen Computer im Haus haben, dann sind Sie trotzdem immer noch abhängig von Computern weil heutzutage alles bereits digital ist. Auch nahezu alle Haushaltsgeräte von der Mikrowelle bis hin zur Waage. Ohne www können Sie nichts mehr kaufen oder verkaufen, und das ist genau so wie es in der Bibel steht! Dies wurde schon vor fast 2000 Jahren von dem Propheten Yochanan / Johannes vorhergesagt: „Und es bewirkt, daß allen, den Kleinen und den Großen, den Reichen und den Armen, den Freien und den Knechten, ein Malzeichen gegeben wird auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn, und daß niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, welcher das Malzeichen hat oder den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist die Weisheit! Wer das Verständnis hat, der berechne die Zahl des Tieres, denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist 666!“ ( vyzx Chizayon / Offenbarung 13:16-18). Die Zahl des Tieres, dem Antichrist, ist somit 666. Im hebräischen Alphabet hat jeder Buchstabe einen Zahlenwert. Der sechste Buchstabe ist das v vav das daher den Zahlenwert 6 hat. Das vav ist dem w gleichgesetzt und damit ist vav-vav-vav oder www dasselbe wie 666.

Aber das ist noch nicht alles: die Zahl des Tieres, 666, finden wir nämlich auch wieder zurück im Strichcode! Dieses Malzeichen, Universal Product Code (UPC) genannt, das 1973 in Amerika entwickelt wurde, ist seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts weltweit unentbehrlich für jeden der etwas kaufen oder verkaufen will. Bis heute is fast jedes Produkt mit dem UPC Strichcode markiert. Sogar die Bibel hat heutzutage einen Strichcode auf dem Umschlag. Jeder UPC Strichcode besteht aus einer Kombination von dicken und dünnen schwarzen und weißen Strichen mit jeweils einem bestimmten Zahlenwert. So hat die Zahl 2 beispielsweise zwei dicke Striche || während die Zahl 6 eine Kombination von zwei dünnen Strichen || hat. Alle Zahlenwerte eines bestimmten Produktes sind auf der Unterseite der Striche aufgeführt, mit Ausnahme von zwei dünnen Strichen am Anfang, in der Mitte und am Ende des Strichcodes, die auch länger als die anderen Striche sind. Aus welchem Grund? Nun, um den Strichcode überhaupt lesen zu können, muß der Scanner erst eine vorgegebene Mindestbreite der Striche lesen und dazu dienen die beiden längeren Striche an der linken Seite, genau in der Mitte und auf der rechten Seite. Diese Striche || werden ‘guard bars’ / Überwachungsstriche genannt und sind gut erkennbar weil sie länger als die anderen Striche sind. Doch gerade weil sie länger sind ist ihr Zahlenwert 6 unten nicht aufgeführt. Diese drei verlängerten Strichkombinationen bilden somit gemeinsam die verborgene Zahl des Tieres 666. Wenn Sie es nicht glauben, dann schauen Sie sich doch einfach den Strichcode auf der Rückseite mancher Bibelausgabe an!

Werner Stauder – Bibelstudie Der Zufluchtsort

Und nun schauen wir uns die Bibel genauer an! Nein – nicht in der deutschen Übersetzung, denn in der Übersetzung könnten alle diese Theorien wirklich war sein! Aber schau dir die griechische Bibel an! In der griechischen Bibel steht „χξς“ für den Zahlenwert 666 ! als drei so unterschiedliche Symbole – und im hebräischen?? Dort steht :“שֵׁשׁ מֵאוֹת וְשִׁשִּׁים וָשֵׁשׁ“ also sogar mehr als nur drei Zeichen!
Welche der oben genannten Theorien lösen sich also in Luft auf, wenn wir uns die Bibel „im Orginal“ anschauen?? Glaube nicht dem, was „andere sagen“ – sondern überprüfe bitte immer alle Angaben!

Eine weitere Theorie:

Außerdem ist die Zahl auch die seines eigenen Namens, dessen Zahlenwert 666 beträgt. Das besagt folgendes: wie der Name des Antichristen in Hebräisch auch lauten Zahlenwerte mag, so wird sein Zahlenwert 666 betragen. Jeder Buchstabe des hebräischen Alphabets hat einen zahlenmäßigen Wert. Das hebräische Alphabet hat 22 Buchstaben, die nacheinander folgen de Zahlenwerte darstellen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 20, 30, 40, 50, 60, 70, 80, 90, 100, 200, 300 und 400. Daher hat auch jeder Name im Hebräischen einen Zahlenwert. Der Name des Autors ergibt 966, der Name Jesus Christus 749. Wie auch immer der Name des Antichristen lauten wird, der zahlenmäßige Wert wird 666 betragen, wenn man den Namen auf Hebräisch buchstabiert. Diese Zahl wird den Verehrern des Antichristen aufgedrückt. Da ein Name aus sehr verschiedenen Buchstaben zusammengesetzt sein kann, gibt es unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten. Deswegen ist es unmöglich, den Namen des zukünftigen Antichristen im voraus herauszufinden oder auszurechnen. Wenn er auftritt, wird die Zahl seines Namens jedenfalls 666 sein. Diejenigen, die zu jener Zeit weise sind (Vers 18), werden dann ermitteln können, wer es ist.

Arnold Fruchtenbaum – Handbuch der biblischen Prophetie

Bibellesen mit Gewinn

Täglich in der Bibel lesen? Ja, dass ist eine gute Idee! Denn so lernen wir unseren Schöpfer immer und immer näher kennen. Aber es besteht auch eine Gefahr.
Diese Gefahr wird sehr gut in dem Buch, dass ich momentan höre, erklärt:

Also, es ist daher offensichtlich von großer Bedeutung, dass wir an dieses Buch mit der richtigen Einstellung herangehen. Und prinzipiell sollten wir darin übereinstimmen, dass dem mit dem bloßen Lesen der Bibel nicht Genüge getan ist. Man kann die Bibel auf eine mechanische Weise lesen, und so daraus keinen Gewinn ziehen. Daher muss ich vor jeder starren Form des Bibellesens und unseres geistlichen Lebens warnen. Es ist eine gute Sache, täglich die Bibel zu lesen. Das kann aber auch sehr fruchtlos werden, wenn es nur darum geht, sagen zu können, dass wir täglich die Bibel lesen. Ich bin ein großer Verfechter von Bibelleseplänen. Wir müssen aber auch sehr vorsichtig sein, dass wir uns nicht damit beruhigen, unseren Tagesabschnitt gelesen zu haben, und so in den Tag hineingehen, ohne darüber nachgedacht und intensiv reflektiert zu haben. Das kann ziemlich fruchtlos sein. Wie wir an die Heilige Schrift herangehen, ist von äußerster Wichtigkeit.
….
Die vorherrschende Ursache dafür ist ohne Zweifel unsere Tendenz, mit einer vorgefassten Meinung an die Heilige Schrift heranzugehen. Wir öffnen die Bibel mit unserer Theorie im Kopf und alles, was wir in ihr lesen, ist von dieser Theorie oder vorgefassten Meinung bestimmt. Ich denke, wir alle haben unsere Erfahrungen damit gemacht. In gewisser Weise ist es richtig zu behaupten, dass man alles mit der Bibel beweisen kann, wenn man es darauf abgesehen hat. So sind die Irrlehren entstanden. Die Irrlehrer waren keine unaufrichtigen Menschen, sondern irrende Menschen. Wir sollten ihnen nichts Falsches unterstellen, so als ob sie es bewusst darauf abgesehen hatten, Irrwege einzuschlagen und Irrtümer zu lehren. Im Gegenteil, sie waren oft die aufrichtigsten Menschen, die die Kirche jemals hatte. Was ist bei solchen Menschen passiert? Ihre Schwierigkeit war folgende: Sie entwickelten ihre Sicht der Dinge, fanden eine Theorie und hatten Gefallen daran. Mit dieser Theorie gingen sie an die Heilige Schrift heran und überall, so schien es ihnen, fanden sie sich in der Bibel bestätigt. Wenn wir einen Satz aus dem Zusammenhang reißen und geschickt mit anderen Aussagen verbinden, dann ist eine Theorie schnell bestätigt. Es ist doch sicherlich jedem einsichtig, wie vorsichtig wir in diesen Dingen sein müssen. Nichts ist so gefährlich, wie mit einer Theorie – mit vorher ausgedachten Ideen, mit unseren Lieblingsideen – an die Bibel heranzugehen. Tun wir das, dann stehen wir in der Versuchung, eine Sache auf Kosten einer anderen überzubetonen.

D. Martyn Lloyd-Jones – Bergpredigt: Predigten über Matthäus 5,3–48

Nun gibt es die Möglichkeit, die verschiedenen Theorien nach und nach beim Lesen der Bibel „durch zu testen“. Also zum Beispiel davon auszugehen, dass der „Engel Jehovahs“ im AT vielleicht „nur ein Engel“ war, oder dass er „Michael“ war, und dann dass es „Jehovah selbst“ war …usw usf… – aber wir benötigen wohl einige Jahre, um die Bibel aus den jeweiligen Blickwinkel zu lesen, und zu merken, welche der obrigen Gedankenspiele mehr Fragen aufwerfen, und dann die nur eine wahre Antwort zu finden.
Die andere Möglichkeit ist, verschiedene Kommentare und Erklärungen zu lesen – aber dabei müssen wir dann darauf achten, verschiedene Meinungen, verschiedene Auslegungen zu lesen – und dabei schon beim Lesen festzustellen, dass viele dieser Auslegungen sehr schwierig zu verstehen sind – und eben auch wieder neue Fragen aufwerfen.
Und dann gibt es die Möglichkeit sich mit anderen über die verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten zu unterhalten.
Viel Arbeit?
Ja schon, aber wir lernen nicht nur Jehovah besser kennen, sondern wir verstehen auch, dass andere Christen vielleicht eine andere Auslegung momentan bevorzugen, ABER trotzdem Jehovah lieben können.

„Er will einfach nicht tun, was wir ihm sagen, er ist ein Hardcore-Alki und ein Junk.“

 Wenn jemand einen widerspenstigen und störrischen Sohn hat, welcher der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und ihnen auch nicht folgen will, wenn sie ihn züchtigen, so sollen sein Vater und seine Mutter ihn nehmen und zu den Ältesten seiner Stadt führen und zu dem Tor desselben Orts, und sollen zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist störrisch und widerspenstig und gehorcht unserer Stimme nicht, er ist ein Schlemmer und ein Säufer. Dann sollen ihn alle Leute jener Stadt steinigen, daß er sterbe. Also sollst du das Böse aus deiner Mitte wegschaffen, daß ganz Israel es höre und sich fürchte.
Schlachter 1952 – Deuteronomium 21,18–21

»Wenn jemand einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der auf die Mahnungen seines Vaters und seiner Mutter nicht hört und ihnen trotz aller Zurechtweisungen (oder: Züchtigungen) nicht gehorcht,  so sollen seine Eltern ihn ergreifen und ihn vor die Ältesten der betreffenden Ortschaft und zwar an das Tor des betreffenden Ortes führen und sollen zu den Ältesten der Ortschaft sagen: ›Dieser unser Sohn ist störrisch und widerspenstig; er hört nicht auf unsere Mahnungen, ist ein Verschwender und Trinker!‹  Dann sollen alle Männer der betreffenden Ortschaft ihn zu Tode steinigen. So sollst du das Böse aus deiner Mitte wegschaffen, und alle Israeliten sollen es erfahren und es sich zur Warnung dienen lassen.«
Menge 1967 – 5.Mose 21,18–21

Eine von Gegnern des Wortes Gottes gern zitierte Bibelstelle – 5.Mose 21:18-20. Aber fast immer wird der Vers 21 weg gelassen, denn in den Worten der Eltern wird die Begründung auf den Punkt gebracht.
Schauen wir uns einige Kommentare zu diesen Versen an:

Die Todesstrafe für einen rebellischen und betrunkenen Sohn mag unangemessen hart erscheinen, aber dieses Verhalten war ein Verstoß gegen das Gebot, Vater und Mutter zu ehren (vgl. 5,16). In Gottes Struktur der Souveränität repräsentierten die Eltern seine Autorität, und deshalb bedeutete Ungehorsam gegenüber den Eltern auch Ungehorsam gegenüber dem Herrn. Dieser Abschnitt erläutert Lv 20,9.

CSB Studienbibel: Anmerkungen

Ein widerspenstiger Sohn, 21:18-21

Diese berüchtigt harte Vorschrift hätte leicht in den Abschnitt aufgenommen werden können, in dem das Gebot, seine Eltern zu ehren, erklärt wird. Stattdessen wurde es hier platziert, wahrscheinlich weil die Schwere sowohl des Umstands als auch der vorgeschriebenen Lösung zu der schwersten Störung der Grenze zwischen Leben und Tod führt, die in diesem Abschnitt behandelt wird.
In der Tat ist Strenge das Schlüsselmotiv in dieser Einheit. Es sanktioniert nicht die Todesstrafe für jedes Kind, unabhängig von Alter oder grundlegendem Charakter, das seinen Eltern in irgendeiner Weise ungehorsam ist, unabhängig von Grad oder Art. Stattdessen geht es um erwachsene oder fast erwachsene Söhne, die starrsinnig (Heb. sôrēr, ein Partizip, BDB definiert das verwandte Substantiv als „stur, nachtragend, mürrisch, unversöhnlich“), rebellisch (Heb. môreh, BDB, „streitsüchtig, widerspenstig“), ungehorsam, unverbesserlich, gefräßig (hebr. zôlēl, „leichtfertig = verschwenderisch sein, verschwenden „1) und trinkfreudig (hebr. sōbēʾ). Sein Ungehorsam geht weit über das Vergessen von ein paar Hausarbeiten oder das Versäumnis, sein Gemüse zu essen, hinaus. Er droht, die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Familie zu zerstören.
Die Schwere seiner Anmaßung wird dadurch unterstrichen, dass beide Eltern ihn vor die Behörden bringen. Die Mutter, die ihn geboren, gehegt und gepflegt hat, ist am Ende ihrer Kräfte; der Vater, der gehofft hat, ihm Namen, Erbe und Zukunft zu vererben, kann ihn nicht mehr beeinflussen. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Regelung oft in Anspruch genommen wurde. (b. Sanh 71a und 72a zu Deuteronomium 21,18-21)

b. Sanh 71a und 72a zu Deuteronomium 21:18-21
Ein rebellischer und trotziger Sohn wird verurteilt wegen dem, was er am Ende werden wird. Wir wurden gelehrt, dass R. Yose der Galiläer sagte: Ist es denkbar, dass die Tora, nur weil der junge Mann ein Tartemar Fleisch gegessen und einen halben Scheit italienischen Wein getrunken hat, anordnet, dass er vor das Hohe Gericht gebracht und durch Steinigung hingerichtet wird? Doch die Tora sah das endgültige Schicksal des jungen Mannes voraus, der als rebellischer und trotziger Sohn verurteilt wurde. Denn am Ende wird er, nachdem er den Besitz seines Vaters verprasst hat, weiter nach dem suchen, woran er sich gewöhnt hat, und, da er es nicht bekommen kann, wird er an eine Kreuzung gehen und Leute ausrauben. Denn die Tora sagt: „Er soll sterben, solange er noch unschuldig ist, und nicht schuldig sterben.“
R. Simeon sagte: Ist es denkbar, dass, nur weil dieser ein Tartemar Fleisch gegessen und einen halben Scheit italienischen Wein getrunken hat, sein Vater und seine Mutter ihn herausnehmen sollten, um ihn durch Steinigung zu töten? In Wahrheit hat es den rebellischen und trotzigen Sohn nie gegeben und wird es nie geben. Warum wurde dann der Bericht über ihn geschrieben? Damit man die möglichen Gründe für ein solches Fehlverhalten darlegt und dabei eine Belohnung erhält. R. Jonathan aber sagte: Ich sah einen solchen und saß an seinem Grab.

Nun bedroht die Widerspenstigkeit des Sohnes den normalen Kreislauf des Lebens. Seine Eltern haben sich in seiner Jugend um ihn gekümmert; die Zeit naht, in der er sich um sie in ihrem fortgeschrittenen Alter kümmern muss. Stattdessen bedroht sein Verhalten die Zukunft seiner Eltern und entwertet seine eigene. In der Tat droht sein Ungehorsam, sie alle zu töten. „Ehre deinen Vater und deine Mutter … damit deine Tage lang sind …“ (5. Mose 5,16). Die Eltern zu entehren, kann für beide Generationen eine Frage von Leben und Tod sein.

Smyth & Helwys Bibelkommentar Deuteronomium

סורר (von der Wurzel סור abweichen) bedeutet, jemand, der vom rechten Weg des Lebens abweicht.

ומורה bedeutet, jemand, der den Worten seines Vaters ungehorsam ist, mit der gleichen Bedeutung wie ממרים in dem Satz (Deuteronomium 9:7) „ממרים הייתם“, „ihr seid rebellisch gewesen“.

ויסרו אתו AND THEY SHALL CHASTISE HIM – ermahnen sie ihn in Anwesenheit von drei Personen, und wenn er dann immer noch widerspenstig ist, lassen sie ihn im Gericht auspeitschen (Sanhedrin 71a; vgl. Sifrei Devarim 218,11). Der widerspenstige und rebellische Sohn wird erst dann mit der Todesstrafe belegt, wenn er sich als Dieb erweist und bei einer Mahlzeit ein „tartemar“ (ein Gewicht von einem halben Maneh) Fleisch isst und einen halben Log Wein trinkt, denn es wird von ihm gesagt, (V. 20) זולל וסבא, und an anderer Stelle (Sprüche 23,20) heißt es: „Sei nicht unter Weintrinkern (בְסֹבְאֵי-יָיִן), unter gefräßigen Fleischessern“ (Sanhedrin 70a; vgl. Sifrei Devarim 219,4). – Der widerspenstige und rebellische Sohn wird aufgrund des endgültigen Verlaufs, den sein Leben notwendigerweise nehmen muss, zum Tode verurteilt (nicht, weil sein gegenwärtiges Vergehen den Tod verdient); – die Tora hat seine letztendliche Disposition ergründet: Am Ende wird er den Besitz seines Vaters verschleudern und vergeblich nach den Vergnügungen suchen, an die er gewöhnt war, er wird sich auf die Kreuzung stellen und Menschen ausrauben und sich auf die eine oder andere Weise der Todesstrafe aussetzen. Die Tora sagt: „Er soll unschuldig an solchen Verbrechen sterben, aber nicht schuldig daran“ (Sifrei Devarim 220:3; Sanhedrin 72a).

Raschi über Pentateuch, Megillot, frühere Propheten aus Sefaria

Das Gesetz aus V. 18-21 ist grundlegend für das, was einst in den Vereinigten Staaten Gesetz war, nämlich die Hinrichtung unverbesserlicher Verbrecher. Nach dem dritten oder vierten Vergehen, je nach Staat, wurde der Verbrecher zum Gewohnheitsverbrecher erklärt und hingerichtet. Auf diese Weise wurde eine Verbrecherklasse stark eingeschränkt. Dies war in vielen Staaten noch bis in die 1960er Jahre hinein das Gesetz. Der Verzicht auf dieses Gesetz führte zu einer starken Zunahme der Kriminalität durch Gewohnheitsverbrecher und einer großen kriminellen Klasse.

Kriminalität ist eine Form der Kriegsführung gegen eine Gesellschaft. Die gesetzestreue Bürgerschaft wird zur Zielscheibe von Angriffen durch das kriminelle Element: Diebstähle, Vergewaltigungen, Morde und eine allgemeine Menschenverachtung maskieren den kriminellen Geist.

Der Humanist sieht den Verbrecher als fehlgeleitet oder als ein Opfer der Gesellschaft, während der Verbrecher die Gesellschaft und ihre Völker als seine Opfer sieht. Das Versäumnis, die Realität der Sünde und des Bösen anzuerkennen, führt zur Unfähigkeit, die Realität als das zu beurteilen, was sie ist.

Der Gewohnheitsverbrecher rechtfertigt sein Verhalten. Er besteht darauf, dass das ganze Leben amoralisch ist, dass Geschäfte eine Form des Diebstahls sind und dass er ehrlicher ist als die meisten Menschen, weil er ohne Heuchelei lebt, angeblich. Das Gefängnis ist für ihn ein Berufsrisiko, und er nimmt es oft auf die leichte Schulter. Den Kriminellen als Opfer zu sehen, bedeutet, die moralische Ordnung umzukehren.

Es ist wahr genug, dass der Kriminelle in unserer Zeit ein sehr niedriges Niveau der Alphabetisierung hat; das bedeutet, dass er sehr früh gegen das Studium rebelliert hat und stattdessen gesetzlose Aktivitäten bevorzugt. Die Kriminalität ist jedoch nicht auf die funktionalen Analphabeten beschränkt. Sie ist in hohen Positionen weit verbreitet, wenn auch oft ungestraft.

In diesem Gesetz geht es aber nicht nur um Gewohnheitsverbrecher, sondern auch um die Familie. Nicht das Blut, sondern der Glaube muss der entscheidende Faktor sein. Die Familie, die unter normalen Umständen von der Kriminalität eines Sohnes weiß, hat die moralische Verpflichtung, ihn den Behörden zu melden. Er ist ein widerspenstiger Sohn; im Hebräischen kann das Wort sarar, das von Robert Young mit abtrünnig übersetzt wurde, auch widerspenstig und ein Aufrührer bedeuten, einer, der, modern ausgedrückt, unsozial im Leben und in den Taten ist. Rebellisch ist marah, das wir im Namen Maria haben, was bitter, aufbegehren, provozieren, widerstehen bedeutet.

Dann wird das Wort Vielfraß auf ihn angewandt; dies ist das hebräische zalal, moralisch locker, wertlos, aufrührerisch oder schäbig. Die englische Revised Version hat es als „riotous liver“ wiedergegeben.

Diejenigen, die diesen Text hassen, bestehen darauf, den Sohn ein Kind oder ein Baby zu nennen und der Schrift vorzuwerfen, sie verlange, dass kleine Kinder hingerichtet werden. Der Text ist eindeutig, dass der Sohn ein Erwachsener ist, der in Wort, Gedanke und Tat einen totalen Krieg gegen die Gesellschaft führt. Er widersetzt sich radikal jedem Versuch der Familie, ihn zu kontrollieren.

Die Eltern haben die Pflicht, bei der Verhaftung und Strafverfolgung des Sohnes die Führung zu übernehmen. Eine Entscheidung wird von ihnen verlangt. Der Sohn mag woanders leben, aber ihr Status als Eltern verlangt von ihnen, Gottes Gerechtigkeit gegen die Solidarität der Familie zu wählen. Wenn die Familie, Gottes grundlegende Institution, nicht die Gerechtigkeit über das Blut stellt, werden weder Kirche noch Staat stark sein.

Das bedeutet, dass diesem radikalen Schritt geringere Schritte vorausgegangen sein müssen. Die Eltern hatten die Pflicht, ihr Kind, wo und wann immer möglich, früher zurechtzuweisen und zu züchtigen. In manchen Fällen konnte das bedeuten, dass der Sohn das Haus der Familie verlassen musste, wenn die Aufmüpfigkeit anhielt. Das Gesetz fasst dies alles einfach zusammen. Indem sie diese Schritte befolgen, machen die Eltern deutlich, dass ihre Loyalität der Zukunft Gottes gilt, nicht einem eigensinnigen Familienmitglied.

Das römische Recht gab Vätern eine willkürliche und gesetzlose Macht über ihre Kinder; in vielen alten Kulturen konnten Kinder von den Eltern in die Sklaverei verkauft werden. Dieses Gesetz schränkt die elterliche Macht stark auf die Grenzen von Gottes Gesetz ein. Die Einschränkung ist die der Gerechtigkeit.

Die elterliche Pflicht zur Einleitung des gerichtlichen Verfahrens könnte nach einer Straftat eintreten. Selbst wenn der Sohn von zivilen Behörden festgenommen wurde, blieb die elterliche Pflicht, die Anzeige zu erstatten. Dies begründete die religiöse Dimension der Familie und ihre Bedeutung für das Rechtssystem.

Gegenwärtig hat die Familie keinen solchen Platz. Indem der Staat auf dem „Recht“ des Mädchens auf einen Schwangerschaftsabbruch ohne Wissen der Eltern besteht, stellt er die Familie an entscheidenden Stellen außerhalb des Rechtssystems und ist für dieses irrelevant.

Moderne Gelehrte scheinen dieses Gesetz absichtlich falsch zu verstehen. David F. Payne zum Beispiel schreibt: „In einer bäuerlichen Wirtschaft konnten sich nur wenige Haushalte einen solchen Sohn leisten; daher die sehr harte Strafe, die zweifellos als Warnung gedacht war, nicht als unflexible oder häufig angewandte Regelung. „1 Keine Gesellschaft kann sich Gewohnheitsverbrecher in ihrer Mitte leisten. In der Tat, je komplexer die Gesellschaft ist, desto größer ist vielleicht die potentielle Zerstörung.

In V. 21 lesen wir, dass alle Männer der Gemeinde an der Hinrichtung teilnehmen mussten. Damit bekräftigten sie den Vorrang der Gerechtigkeit vor der Familie. Ihre Beteiligung an der Tat bedeutete, dass sie Gottes Gesetz als verbindlich aufrechterhielten, selbst dort, wo die engsten Bindungen bestanden.

C. Clemance war der Meinung, dass ein schlechter Sohn eine staatliche Gefahr ist. 2 Das ist sicherlich richtig, aber er ist auch eine religiöse Gefahr und eine familiäre Gefahr.

Rousas John Rushdoony – Kommentare zum Pentateuch

In den Versen 18-21 wird beschrieben, wie zu verfahren ist, wenn ein Sohn wiederholt ungehorsam ist und seine Eltern zu dem Schluss kommen, dass es keine Hoffnung gibt, ihn zu bessern: Sie sollen ihn vor die Ältesten der Stadt bringen, die sich den Fall anhören und, wenn sie zustimmen, seine Hinrichtung anordnen. Das Gesetz soll von kindlichem Ungehorsam abschrecken, aber indem es vorschreibt, dass der Fall von den Ältesten beurteilt wird, setzt es der elterlichen Autorität auch Grenzen, genau wie das vorhergehende Gesetz. Früher, in der Zeit des Patriarchats, scheint die Autorität des Vaters über seine Kinder absolut gewesen zu sein, ähnlich wie die patria potestas des frühen römischen Rechts, bis hin zu der Möglichkeit, sie wegen eines Fehlverhaltens hinrichten zu lassen; dies wird dadurch angedeutet, dass Juda die Hinrichtung seiner Schwiegertochter wegen Ehebruchs ohne Gerichtsverfahren anordnen konnte (Gen 38,24). Das heutige Gesetz respektiert das Recht der Eltern, ihren Sohn zu disziplinieren, aber es hindert sie daran, ihn eigenmächtig hinrichten zu lassen. Das kann nur die Gemeinde als Ganzes auf Anweisung der Ältesten tun.

In den Gesetzen und Dokumenten des Alten Orients werden auch rechtliche Schritte der Eltern gegen verhaltensauffällige Kinder erwähnt. Zu den Gründen gehören Vergehen gegen die Eltern wie Ungehorsam, Flucht, Ablehnung, Klagen gegen sie, Versäumnis, sie zu respektieren und im Alter zu versorgen, und Schläge. Die Strafen reichen von Enterbung bis hin zu Versklavung und Verstümmelung.

Kindlicher Ungehorsam ist ein schweres Vergehen, denn Respekt und Gehorsam gegenüber den Eltern gelten als Grundpfeiler jeder Ordnung und Autorität, besonders in einer patriarchalischen Stammesgesellschaft wie dem alten Israel. Wenn die im vorliegenden Gesetz vorgesehene Todesstrafe wörtlich gemeint ist, bedeutet das, dass das biblische Gesetz Ungehorsam und die Gefahr, die er für die Stabilität der Gesellschaft darstellt, strenger betrachtet als andere bekannte Gesetze des Alten Orients. Die Tatsache, dass Exodus 21:15 die Todesstrafe für das Schlagen der Eltern vorsieht, während die Gesetze Hammurabis nur das Abschlagen der Hand des Sohnes verlangen, unterstützt diese Schlussfolgerung. Einige moderne und antike Gelehrte sind jedoch der Meinung, dass die im vorliegenden Gesetz vorgesehene Todesstrafe nur rhetorisch gemeint ist, um die elterliche Autorität zu stärken und die Jugendlichen vom Ungehorsam abzuhalten. Wie im Fall der abtrünnigen Stadt (13,13-19) hat die halachische Exegese das Gesetz einer äußerst engen Lesart unterworfen, nach der es kaum je vollstreckt werden konnte. Einige Rabbiner vertraten die Ansicht, dass es nie tatsächlich angewendet wurde, sondern nur zu Erziehungszwecken in der Tora stand.

seinen Vater oder seine Mutter Die Tora verlangt, dass beide gleichermaßen respektiert werden; siehe Kommentar zu 5:16.

auch nachdem sie ihn gezüchtigt haben Das zeigt, dass der Sohn ein Wiederholungstäter ist. Die Halacha versteht unter „Züchtigung“ (y-s-r) das Auspeitschen, wie in 22:18 und anderswo. Die Auspeitschung galt als angemessenes und wirksames Mittel, um die Söhne von bösem und selbstzerstörerischem Verhalten abzuhalten. Im Buch der Sprüche heißt es: „Rute und Zurechtweisung bringen Weisheit hervor“; „Halte ein Kind nicht zurück…. Schlage es mit der Rute, und du wirst es vor dem Grab bewahren“; „Wer die Rute scheut, hasst seinen Sohn, / wer ihn aber liebt, züchtigt ihn früh.“

sein Vater und seine Mutter sollen ihn … bringen Die Tatsache, dass beide Elternteile zustimmen müssen, nimmt dem Vater die einseitige Befugnis, seinen Sohn anzuklagen. In Anbetracht des vorhergehenden Gesetzes würde das Erfordernis, dass die Mutter der Anklage zustimmen muss, auch verhindern, dass ein Vater seinen Erstgeborenen von einer ungünstigen Frau fälschlicherweise anklagt, um ihm seine Erbrechte vorzuenthalten.
zu den Ältesten … an der öffentlichen Stätte Siehe Kommentare zu 17:5 und 6:9.

Er ist ein Vielfraß und ein Trunkenbold Dies ist wahrscheinlich als typisches Beispiel für Ungehorsam gemeint. In Sprüche 28:7 heißt es: „Ein kluger Sohn hört auf die Belehrung, / wer aber mit Vielfraßen verkehrt, macht seinem Vater Schande.“ Dasselbe Vergehen wird in Sprüche 23:20-21 gerügt: „Sei nicht einer von denen, die Wein saufen oder sich mit Fleisch vollstopfen; denn Säufer und Fresser werden verarmen, und Schläfer werden dich in Fetzen kleiden.“ Die Wahl dieses Beispiels impliziert, dass Ungehorsam gegenüber den Eltern ein Kapitalverbrechen ist, auch wenn das konkrete Vergehen sonst nicht strafbar ist. Im Wesentlichen geht es um dasselbe Prinzip in 17:12, wo Ungehorsam gegenüber dem Hohen Gericht mit dem Tod bestraft wird, auch wenn das ursprüngliche Vergehen, über das es entschieden hat, nicht strafbar war.

daraufhin Das Hebräische ist einfach die Konjunktion und bedeutet nicht unbedingt, dass auf die Erklärung der Eltern sofort eine Hinrichtung folgt. Vermutlich führen die Ältesten zunächst eine Anhörung durch, um festzustellen, ob der Sohn wirklich schuldig und unverbesserlich ist oder ob die Eltern nur aus Frustration und Wut sprechen. Vielleicht würden sie auch versuchen, zwischen den Eltern und dem Sohn zu vermitteln. Nach der Halacha führen sie tatsächlich eine Verhandlung durch. Wahrscheinlich würden sie die Hinrichtung des Sohnes nur anordnen, wenn alles andere versagt.

Der JPS Tora-Kommentar – Deuternomium

RASHI
Abtrünnig. Einer, der vom „Weg“ abweicht. Trotzig. Weigert sich, das zu tun, was sein Vater ihm sagt: „Von dem Tag an, an dem du das Land Ägypten verlassen hast, bis du an diesen Ort gekommen bist, hast du dich dem HERRN gegenüber trotzig verhalten“ (9,7). Sogar nachdem sie ihn diszipliniert haben. Indem sie ihn vor einem Dreiergericht verwarnen und ihn auspeitschen lassen. Die Weisen sagen, dass er erst dann als eigensinnig und trotzig bezeichnet werden kann, wenn er stiehlt und ein halbes Minengewicht Fleisch isst und einen halben Scheit Wein trinkt, was ihn zu einem „Vielfraß und Trunkenbold“ macht (V. 20): „Sei nicht von denen, die Wein saufen oder sich an Fleisch sättigen“ (Spr 23,20). Der eigensinnige und trotzige Sohn wird nicht wegen dem, was er getan hat, hingerichtet, sondern wegen dem, was er am Ende tun wird, denn die Tora ist in seine letzten Absichten eingedrungen: Er wird schließlich das Geld seines Vaters aufbrauchen und, da er das Gewohnte will und es nicht bekommt, an einer Kreuzung warten, um Leute zu berauben. Sagte die Thora: Lass ihn als Unschuldigen sterben, nicht als Schuldigen.

RASHBAM
Trotzig. Bewusst provozierend: „Ich weiß, wie falsch es war, ungehorsam zu sein“ (Lam. 1:20).

IBN EZRA
Eigensinnig und trotzig. Sowohl in Bezug auf den Herrn als auch in Bezug auf seine Eltern, vorausgesetzt, sie sind gottesfürchtige Menschen. Aber das Hebräische bedeutet nicht „eigensinnig“; es bedeutet „stur“ (OJPS), wie in „Israel hat sich gesträubt wie eine störrische Kuh“ (Hosea 4:16). Er weigert sich „hartnäckig“, die positiven Gebote zu erfüllen, und verstößt „trotzig“ gegen die Verbote. Sogar nachdem sie ihn gezüchtigt haben. Vor den Augen von Zeugen.

NAHMANIDES
Ein eigensinniger und trotziger Sohn. Unsere Weisen bestimmen, dass er nicht minderjährig sein kann, da ein Kind keiner Strafe unterliegt, die in der Thora oder den Geboten aufgeführt ist. Er muss ein Junge sein, der zwei Schamhaare produziert hat. Dieser Sohn begeht zwei Verstöße: erstens, er verflucht seinen Vater und seine Mutter und rebelliert gegen sie; und zweitens, er ist ein Vielfraß und ein Trunkenbold, was Lev. 19:2 verletzt, „Du sollst heilig sein, denn ich, der HERR, dein Gott, bin heilig.“ [G] In 13:5 wird uns gesagt, wir sollen „keinen anderen als Ihn anbeten und an Ihm festhalten“, was (wie ich in meinem Kommentar zu 11:22 erklärt habe) bedeutet, dass wir Ihn in all unseren Wegen kennen müssen – und ein Vielfraß und ein Trunkenbold kennt Gottes Weg nicht. Um sicher zu sein, sind dies keine Kapitalverbrechen; er wird wegen dem, was er schließlich werden wird, zum Tode verurteilt, wie die Weisen gesagt haben, was erklärt, warum „ganz Israel hören und sich fürchten wird“ (V. 21). Er wird nicht wegen der Ungeheuerlichkeit seines Verbrechens hingerichtet, sondern um die Menge zu züchtigen und um zu verhindern, dass er zu einer Gefahr für andere wird. Der Text nimmt oft diesen Verlauf. Der „aufrührerische Älteste“ von 17:12 zum Beispiel hat durch seine falsche Lehre kein Verbrechen begangen, das den Tod verdient hätte; er wird hingerichtet, um die Kontroverse aus dem Bereich der Tora zu entfernen (siehe meinen Kommentar zu 17:11). Auch die intriganten Zeugen von 19:16-20 werden ebenfalls getötet, obwohl sie selbst niemanden getötet haben. Wiederum wird derjenige, der jemanden zum Götzendienst verführt, hingerichtet, auch wenn sein Opfer dies nicht getan hat, nur um sicherzustellen, dass „solche bösen Dinge nicht wieder in eurer Mitte geschehen“ (13:12).

Was unser Gebot betrifft, so kann es ein neues sein, oder es kann eine Ausarbeitung von „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“ (2 Mose 20,12) und „Jeder soll seine Mutter und seinen Vater verehren“ (3 Mose 19,3) sein.

ZUSÄTZLICHE KOMMENTARE
Ein eigensinniger und trotziger Sohn. Der einmalige Verzehr der von den Weisen festgelegten Mengen macht ihn nicht „eigensinnig und trotzig“, genauso wenig wie die einmalige Heilung eines Menschen einen Mann ohne medizinische Ausbildung zum Arzt macht (Gersonides). Er ist „eigensinnig“ (eigentlich „stur“) in Bezug auf Gott und „trotzig“ gegenüber seinen Eltern (Abarbanel).

Deuteronomium – Einführung und Kommentar

Neben die Würde der Ehe (V. 10–17) setzt der Gesetzgeber die Würde der Familie, die – als kleinste Zelle des Gottesvolkes – die Aufgabe der Erziehung und Unterweisung der nachwachsenden Generation in den Geboten Gottes hat. Nirgendwo sonst in den Gesetzen des Alten Testamentes spielt die Familie eine so große und wichtige Rolle wie hier. Aber die Familie ist auch in ihrer Kraft begrenzt. In bestimmten Fällen braucht die Familie die Hilfe der Ortsgemeinde (wiederum nicht die Hilfe einer Instanz am zentralen Heiligtum!). Allerdings – wie man gerne gelesen hätte und wie es auch dem Geist des Deuteronomiums entsprechen würde – nicht, um die Erziehungsschwierigkeiten nunmehr vor den Vertretern der Gemeinde zu besprechen, sondern um von ihnen das Urteil zu empfangen!
Die elterliche Autorität wird somit an die Spitze gestellt. Sie ist in Erziehungsfragen selbständig und bedarf nicht der Beurteilung durch die örtliche Volksversammlung oder ihrer Vertreter, wie es bei anderen Rechtsfragen der Fall ist (vgl. 17,8ff). Die Familie ist aber nicht befugt, im Falle, daß sich die Schwierigkeiten nicht gütlich regeln lassen, eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen: die Entfernung des Bösen aus Israel ist nicht Sache der Familie, sondern der Gemeinde. Denn es ist nicht auszuschließen (manches spricht sogar dafür), daß es sich bei der Widerspenstigkeit des Sohnes nicht um eine einfache kindhafte Unbotmäßigkeit handelt, sondern um Widerspenstigkeit gegen Gott, d. h. letztlich um den Versuch des Sohnes, im elterlichen Hause den Götzendienst heimisch zu machen und die elterliche Einübung in die Gebote zunichte zu machen. Die Steinigung weist darauf hin (vgl. 13,7ff). Dieser Paralleltext macht auch deutlich, daß bei Götzendienst kein Gerichtsverfahren nötig und möglich ist, sondern augenblicklich die Todesstrafe erfolgen muß307. Diese für unser Gefühl schreckliche Strafhandlung soll aber nicht zur alltäglichen Gewohnheit werden, sondern ganz Israel soll es hören und sich fürchten.
Da der (vermutlich gemeinte) Götzendienst in unserem Text mit Zügellosigkeit gekoppelt ist, wird der Delinquent ein Verschwender und Säufer genannt, und das weist hin auf eine Anklage der Juden gegen Jesus: »Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und Weinsäufer« (Mt 11,19). Wenn Jesus deswegen von seinen Volksgenossen angeklagt wird, mag dahinter diese Deuteronomium-Stelle stehen. Denn Jesus wird ebenfalls angeklagt, daß er ein ungehorsamer Sohn sei308. In den weiteren Umkreis hierzu gehört auch Mt 12,46ff, wo Jesus den Gehorsamsanspruch seiner Eltern abweist (vgl. auch Lk 2,49). Aber Jesus ist »widerspenstig«, um seinem himmlischen Vater und dessen Willen ganz zur Verfügung stehen zu können. Damit hat er diesen Abschnitt des Alten Testaments zur Erfüllung gebracht.

Wuppertaler Studienbibel

Ist dir aufgefallen, welche Richtung die Wuppertaler Studienbibel einschlägt? Ja – genau diesen Gedanken finden wir im „neuen Testament“!

Anders verhält sich die Mutter. Auch sie glaubt nicht an den Sohn. Aber was heißt das? Eine Mutter, noch dazu eine jüdische Mutter, auch wenn sie in ihrem Oberbewußtsein, das von der Umwelt so stark beeinflußt wird, nicht an ihren Sohn glaubt, in einer tieferen, unbewußten Schicht glaubt sie dennoch an ihn. Verstand und Herz, noch dazu das Herz einer Mutter, stimmen nicht überein. Dieser Sohn muß ihr viele Schmerzen bereitet haben. Er hat den Rahmen des ortsüblichen Familienlebens gesprengt. Er zieht im Land umher und stiftet Unruhe. Er tut Dinge, die gefährlich sind; Gefahr droht von den jüdischen Instanzen und den verhaßten römischen Behörden. Er bringt die ganze Familie in Gefahr.
Muß er ihr nicht manchmal wie jener mißratene Sohn erschienen sein, von dem im Gesetz geschrieben steht, daß er nicht auf die Stimme von Vater und Mutter hört, widerspenstig ist und noch dazu ein Schlemmer und Säufer? Das Gesetz schreibt vor, diesen störrischen Sohn den Stadtältesten zur Verurteilung und Steinigung vorzuführen, um so das Böse aus Israel auszurotten. (5. Mose 21, 18-21)
Die talmudische Tradition hat an diesen »Ben Sorer uMore« so unmögliche Bedingungen geknüpft, ihn so monströs aufgebläht, daß dieses harte Gesetz nie praktiziert werden konnte. Aber wahrscheinlich hätte es dessen gar nicht bedurft, denn das Gesetz schreibt im Deuteronomium wörtlich vor, daß Vater und Mutter den Sohn dem Gericht übergeben sollen. Wo wäre die Mutter, die sich dazu bereit fände? Auch wer Vater und Mutter verflucht, ist nach dem Gesetz des Todes. Aber auch dieses Gesetz blieb mehr toter als tötender Buchstabe.

Schalom Ben-Chorin – Die Heimkehr : Jesus, Paulus und Maria in jüdischer Sicht