Bei Greisen ist Weisheit, und Einsicht bei hohem Alter
Elberfelder 1871 – Hiob 12,12
Bei den Greisen ist Weisheit,
Länge der Tage, das heißt Vernunft:
Buber & Rosenzweig – Hiob 12:12
Bei den Bejahrten ist die Weisheit? Bei hohen Tagen Einsicht?
Tur-Sinai 2022 – Hiob 12,12
Ja, bei den Großvätern ist die Weisheit und der Verstand bei den Alten.
Luther & Osiander – Luther Studienbibel – Hiob 12:12

Auf den ersten Eindruck könnte man diesen Vers dafür verwenden, Menschen „in die Arme“ von Ältesten und Pastoren zu treiben. Aber hatte das Hiob das im Sinn?
Einige Kommentare:
Das Sprichwort besagt: Der Mensch hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, Worte zu prüfen. Die Sprüche der Väter sind nicht schon deshalb wahr, weil sie gegründet sind »auf das Alter ihrer Autoren und das Gewicht ehrwürdiger Tradition«. Der Mensch muß sie prüfen und darf sie nicht einfach kritiklos hinnehmen. Auf die Belehrung der Freunde durch Hiob folgt ein Hymnus auf die Weisheit und die Kraft Gottes.
Bräumer – Wuppertaler Studienbibel
Wer von jungen Leuten lernt, wem gleicht er? Dem, der unreife Trauben geniesst, welche dem Geschmack nicht munden, und Wein aus der Kelter trinkt, der wohl einen süssen, angenehmen Geschmack hat, der aber keine Kraft besitzt und durch die darin enthaltene Hefe der Gesundheit nicht zuträglich ist. In gleicher Weise fehlt der Jugend Besonnenheit, Reife und Erfahrung, den Lehrstoff gründlich, verständlich und anziehend zu lehren. Wer aber von alten Leuten lernt, wem gleicht er? Dem, der reife Trauben geniesst, deren Geschmack angenehm ist, und alten Wein trinkt, der gut schmeckt, rein ist und auch eine kräftigende Wirkung ausübt. In gleicher Weise ist der Unterricht des mit Erfahrung und Ruhe ausgestatteten Mannes anziehend, lehrreich und gründlich, so dass der Schüler gerne lernt und infolge der Gründlichkeit auch dauernden Nutzen durch den Unterricht erlangt. Einen ähnlichen Gedanken enthält der oben S. 82 angeführte Ausspruch: „Wenn die Jugend dir rät zu bauen“ u.s.w. Denselben Gedanken übermittelt uns auch der Sifre: „Wie der Wein, den du kostest, zwar schon von vornherein den Geschmack des Weines hat, je länger er aber in der Flasche liegt, desto besser wird, so werden auch die Worte der Thora, je länger sie im Geiste des Menschen verarbeitet werden, um so wertvoller, denn es heisst: Bei den Greisen ist Weisheit, und die Dauer der Tage bringt Einsicht“ (Ijob 12, 12).
Die Sprüche der Väter: Kommentar
RABBI bezweckt mit diesem Ausspruch, die Anwendung des vorhergehenden Ausspruches etwas einzuschränken. Er sagt deshalb: Schaue nicht auf den Krug, schaue nicht auf das Alter des Lehrenden, sondern auf das, was darin ist: auf den Lehrinhalt, auf die Kenntnis und Fähigkeit des Lehrers. Es gibt manchen neuen Krug voll alten Weines, ein Bild für den jungen Mann, der viel gründliches Wissen und eine gute Lehrbefähigung besitzt. Und manchen alten Krug, in welchem nicht einmal neuer Wein ist; ein Bild für den alten Mann, der nicht einmal oberflächliches Wissen, wenig Lehrgeschick und wenig Lebensweisheit besitzt.
Noch einmal antwortete Hiob auf Zofars Bemerkung über den Esel ( Hi 11,12 ), indem er ihm sagte (die Anrede steht in Hi 12,7-8 im Singular), daß er von dem Vieh, den Vögeln, ja sogar von den Sträuchern der Erde und den Fischen lernen solle. Er meinte damit, daß die Tiere und Pflanzen immer noch klüger seien als Zofar, denn sie wüßten, daß auch die Widrigkeiten aus des Herrn Hand kommen (vgl. Hi 2,10 ) und nicht unbedingt die Folge von Sünden sein müssen. Sie wüßten auch, daß ihre Seele (wie der Odem des Menschen; vgl. Hi 10,12; 27,3; 34,14-15 ) aus der Hand Gottes komme. Hiob konnte die Fehler in der Argumentation seiner Freunde so deutlich erkennen, wie der Mund die Speise schmeckt (vgl. Hi 6,30 ). Er war erstaunt, daß die drei Gefährten keine Weisheit besaßen, wie sie im Normalfall ältere Menschen besitzen (vgl. die ähnlich lautenden Worte Elihus in Hi 32,7 ). Dies widerlegte Bildads Aussage, daß die Weisheit stets mit dem Alter komme ( Hi 8,8-10 ). Hiob hatte also in Hi 12,1-12 auf die Reden aller drei Freunde geantwortet.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Is wisdom with aged men, and understanding in length of days?
Torah Nevi’im u-Khetuvim. The Holy Scriptures according to the Masoretic text
Seine beiden Hörner werden zu Trompeten, seine beiden Beinknochen zu Flöten, aus seiner Haut wird eine Trommel gefertigt, seine Innereien werden für Leiern verwendet und seine Därme für Harfen,
Die Mischna: Eine neue Übersetzung
Z Manche sagen: Auch seine Wolle wird zu Blau verarbeitet [für die blauen Granatäpfel des Hohepriesters] [Ex 28,33],
AA R, Simeon b, Aqashya sagt: „Wenn die Ältesten des Am haares alt werden, schwindet ihr Verständnis, wie es heißt: Er nimmt den Treuen die Sprache und den Ältesten das Verständnis (Hiob 12,20),
BB ‚Aber die Weisen der Tora sind nicht so; vielmehr wird ihr Verständnis, während sie alt werden, gestärkt, wie es heißt: Bei den Alten liegt Weisheit und in der Länge der Tage Verständnis (Hiob 12,12),‘“
In den Versen 12-25 beschreibt Hiob die Weisheit und Macht Gottes. Vers 12 bezeichnet Gott wahrscheinlich als „den Alten“ und „den, der lange lebt“. Diese göttlichen Namen sind ein Vorwurf an Hiobs betagte Freunde, die dachten, sie hätten durch ihre jahrelange Erfahrung so viel gelernt!
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie
Hiob wies darauf hin, dass Gott völlig souverän ist in dem, was er mit der Natur (V. 14-15) und mit den Menschen (V. 16-25) tut. Was er zerstört, kann er nicht wieder aufbauen, und was er einschließt, kann er nicht wieder freigeben (Offb 3,6-8). Er kann Dürre oder Flut schicken, und niemand kann ihn aufhalten (Hiob 12,15). Er hat die Weisheit zu wissen, was zu tun ist, und er hat die Macht, es zu vollbringen (Vv. 13, 16).
