Liebst du Gott?

Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und haßt seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, wie kann der Gott lieben, den er nicht gesehen hat?
Elberfelder 1871 – 1 Joh 4,19–20

Leute, lasst uns lieben! Gott hat uns schließlich als Erster geliebt, er hat es uns vorgemacht. Wenn jetzt jemand behauptet: „Ich liebe Gott!“, dabei aber seinen Glaubensbruder hasst, dann kann er nur ein Lügner sein. Wer es nicht schafft, seinen Bruder zu lieben, den man ja wenigstens sehen kann, wie soll er dann bitte in der Lage sein, Gott zu lieben, denn den kann man ja nicht mit seinen eigenen Augen sehen?
VolxBibel – 1.Johannes 4,19–20

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ἀγαπῶμεν Ind., evtl. Konj. (V. 7) ἀγαπάω. ἠγάπησεν Aor. 1Jh 4,20 εἴπῃ Aor. Konj. λέγω. ὅτε recitativum = Doppelpunkt (A333). καί wohl adversativ (A311,1) aber. μισῇ Konj. μισέω, dur. (A225ff). ψεύστης1 (< ψεύδομαι lügen) Lügner. ἀγαπῶν Ptz., subst., dur. (A225ff). ἑ-ώρακεν Pf. ὁράω, Pf. (erstes) den er (gesehen und) (ständig) vor Augen hat (A242). ἀγαπᾶν V. 11, dur. (A225ff).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Die kurze, aber inhaltlich entscheidende Aussage von 1Joh 4,19 spricht zum ersten Mal von der Liebe zu Gott (vgl. die meisten griechischen Handschriften). Doch die Liebe zu Gott kann die Liebe zum anderen nicht ersetzen, wie Johannes von Anfang an klarzumachen versuchte.
Jemand, der von sich sagt, ich liebe Gott, und haßt seinen Bruder, behauptet etwas von sich, das nicht zutrifft: der ist ein Lügner. An verschiedenen Stellen bezeichnet Johannes ein solches Verhalten mit dem Oberbegriff „Lügner“ ( 1Joh 1,10;2,4.22;4,20;5,10; vgl. „lügen“ in 1Joh 1,6). Die Liebe zu dem unsichtbaren Gott (vgl. 1Joh 4,12) kann ihren konkreten Ausdruck nur in der Liebe zum sichtbaren Bruder finden. Außerdem hat Gott in seinem Gebot (V. 21; vgl. 1Joh 2,3;3,23-24;5,3 ) die beiden Formen der Liebe – die Liebe zu Gott und die Liebe zum Bruder – zusammengefaßt.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Und mehr noch: Es ist der Schutzraum, in dem wir lernen, Liebe so zu geben, wie Gott es sich wünscht. Hier müsste sich jetzt ein Studium des Ersten Johannesbriefs anschließen, um zu zeigen, dass die Liebe zu den geistlichen Geschwistern (und allgemein zu Menschen) das Trainingsfeld ist, um Liebe zu lernen (vgl. 1Johannes 3,16; 4,11.20). Kannst du dir vorstellen, wie sich deine Fähigkeit, Gott zu lieben, entwickeln würde, wenn du im Umgang mit deinem Ehepartner zum Liebesprofi werden würdest? Nein, kannst du nicht. Denn wenn du es könntest, würdest du Himmel und Erde in Bewegung setzen, um ein Salomo-Liebhaber und eine Sulamith-Geliebte zu werden.
In uns steckt der fatale Gedanke, dass wir – egal wie wir mit Menschen umgehen – schon irgendwie gute Liebhaber Gottes sind. Wir begreifen nicht, dass es viel leichter ist, einen Menschen zu lieben als Gott selbst (1Johannes 4,20). Versagen wir auf der Ebene der Bruderliebe, und die Ehe zwischen Gläubigen ist ein Sonderfall der geschwisterlichen Liebe, können wir kaum Meister im Umgang mit Gott sein. Auf der Mensch-Mensch-Ebene erwerben wir die Liebeskompetenz, die wir im Umgang mit Gott einsetzen sollen, um unser Lebensziel, nämlich intime Gotteserkenntnis, zu erwerben (vgl. 2Petrus 1,5-8).

K. Fischer – Crashkurs Leidenschaft

«Übles Nachreden», ein hinter dem Rücken der Leute Herumschwatzen ungünstiger Dinge, die man bei ihnen voraussetzt oder von anderen gehört hat, kommt leider auch unter Gläubigen häufig vor, und es ist doch eine Sünde vor Gott!
Wir kennen das ernste Wort: «Wer den Bruder nicht liebt, bleibt in dem Tod» (1 Johannes 4,20), oder «ist nicht aus Gott». Wie aber lässt sich die Liebe zum Bruder mit «üblem Nachreden» verbinden? Es gibt vielleicht keine andere Sünde, in die die Gläubigen so leicht fallen, und über die sie so leicht weggehen, wie diese. Und doch warnt uns Gott mit solchem Ernst vor Verleumdung und Ohrenbläsereien! (Vgl. Ps 15,3; 101,5; 1 Petrus 3,10 usw.) Möge jeder von uns folgende Winke beherzigen:
1. Verurteile niemand in Bezug auf Dinge, die du nur vom Hörensagen weisst, ohne erfahren zu haben, was er selbst zu seiner Verteidigung oder Entschuldigung zu sagen hat.
2. Bevor du ein Gerücht weiterträgst, solltest du dich fragen: Stimmt es mit den Tatsachen überein? Nütze ich den Hörenden, wenn ich es sage? Verlangt es Gottes Ehre, dass ich davon rede?
3. Wenn du von jemand sprichst, so gebrauche nie Worte, die das Bewusstsein der Gegenwart Gottes dir verbieten würde auszuspreche

Halte fest! 1959 Seite 143

Heute fällt es vielen Menschen sehr schwer, auf andere Rücksicht zu nehmen. Es ist nicht mehr so, wie bei der Gurtpflicht im Auto, wo meine Bewegung im Auto eingeschränkt wurde, damit ICH bei einem Unfall weniger schwer verletzt werde – heute bei der MundNasenMaskenpflicht werde ich eingeschränkt, damit mein Mitmensch – also mein Bruder – nicht ganz so schnell von meinen Krankheiten angesteckt werden kann. Und schon regt sich mein Inneres auf, weil meine Einschränkungen mir näher sind als „deine Gesundheit“ ? Würde ich aber vor einer OP im Krankenhaus erfahren, dass die Ärzte den OP-Saal ohne MundNasenMundschutz betreten würden – wie würde ich handeln? Wäre ich bereit das Risiko einzugehen?

Oder die andere Geschichte heute: man regt sich über den Vortrag auf, den ein Pastor gehalten hat. Die Frage die oben gestellt werden, sind da eigentlich passend und die Frage: ist es wirklich biblisch? Wenn es die Bibel so sagt – passt es zu den Aussagen, die Jesus Christus lehrte? Wenn ja – wieso denke ich dann anders, als es die Bibel lehrt?
Vergiß bitte bei dieser Angelegenheit auch nicht, dass wir unsere Liebe zu unseren Mitmenschen auch darin zeigen, dass wir diesen Gottes gesamtes Wort näher bringen! Das ist unser Auftrag.

Was ist Liebe

Gott ist aber noch derber drauf als das. Er beweist seine Liebe für uns dadurch, dass Jesus für uns gestorben ist, obwohl wir sogar noch total dreckig und schlecht waren.
VolxBibel – Römer 5,8

Gott aber empfiehlt seine eigene Liebe zu uns dadurch, daß Christus für uns starb, während wir noch Sünder waren.
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Römer 5,8

Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, daß Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.
Elberfelder 1871 – Röm 5,8

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(Auf dem Bild von der hebräsichen Ausgabe kann man sehen, dass hier der Begriff Gott nicht mit Jehovah wiedergegeben wird.)

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testamentσυν-ίστημι zusammenbringen; darstellen, erweisen, beweisen. ὅτι hier = ἐν τούτῳ ὅτι dadurch, dass (B 1c). ὄντων Ptz. εἰμί, gen. abs. (A288), temp.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Als nächstes geht Paulus nun zur Beschreibung des Wesens der Liebe Gottes über und erklärt, inwiefern sie die Hoffnung der Gläubigen sicherstellt. Gott hat seine Liebe im Tod seines Sohnes, Jesus Christus, erwiesen. Das geschah schon zu der Zeit, als wir noch schwach (asthenOn; vgl. Joh 5,5) waren, und es geschah für (hyper) uns Gottlose (asebOn; vgl. Röm 4,5). Christi Tod war ein stellvertretender Tod, er starb für andere. Die griechische Präposition hyper bedeutet meist „wegen“, manchmal allerdings auch „anstelle von“, wie aus Röm 5,7 ,wo ebenfalls hyper steht, hervorgeht. Eine Person, die bereit ist, um eines Gerechten oder um des Guten willen zu sterben, bietet sich selbst als Ersatz an, damit der Gerechte leben kann bzw. die gute Sache siegt. Darin liegt der höchste Ausdruck menschlicher Liebe und Hingabe. Die Liebe Gottes aber ist dieser Liebe sowohl ihrem Wesen als auch ihrem Ausmaß nach völlig entgegengesetzt, denn Gott erweist (das Präsens deutet auch hier wieder auf die fortdauernde Handlung hin) seine Liebe zu uns darin, daß Christus für (hyper, „anstelle von uns“) uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Es mag zwar durchaus vorkommen, daß ein Mensch um eines guten Menschen oder einer guten Sache willen sein Leben wagt – wenngleich auch das sehr selten ist -, doch Christus tat mehr als das. Er starb anstelle der Schwachen (V.6), der Gottlosen (V.6; Röm 4,5), der Sünder (Röm 5,8) und sogar seiner Feinde (V 10)!

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Nun wird der Kontrast in die richtige Perspektive gerückt. Menschliche Liebe würde bestenfalls für einen gütigen Menschen ein Opfer bringen. Diese Möglichkeit wird von der Gewißheit übertroffen, was Gott getan hat. Er verkündet Seine Liebe, präsentiert sie in ihrem wahren Charakter. Sie ist eine Demonstration Seiner unverdienten Zuwendung. Aus Seiner eigenen Gütigkeit heraus erweist Er Sein göttliches Mitgefühl, das in keiner Weise von den Menschen, denen Seine Liebe galt, ausgelöst wurde. Diese Menschen werden hier nicht als gut beschrieben, sondern als das identifiziert, was sie sind: als Sünder. Das hier verwendete Wort ist das allgemeinste und umfassendste Wort für Sünder. Für niemanden gibt es irgendeine Möglichkeit, durch die Maschen des Netzes zu schlüpfen. Alle Menschen allen Alters an allen Orten stehen unter dem Urteil, wie bereits an früherer Stelle gesagt wurde: »Alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes« (3,23).
    Die Liebe Gottes erfordert keinen Fortschritt im moralischen Maßstab, bevor sie wirksam wird. Das Wunder dieser Liebe besteht darin, daß sie erwiesen wurde, »als wir noch Sünder waren«. Der höchst unwahrscheinliche Erweis Seiner Liebe wird mit wenigen Worten erklärt: »Christus ist für uns gestorben.« Zur bestimmten Zeit starb Christus für Gottlose. Nun wird dies persönlicher angewendet: Christus starb für uns. Es gibt keine Ausnahmen. Alle sind darin eingeschlossen. Auch solche, die als gute und leuchtende Vorbilder angesehen sind, werden mit allen anderen zu der einen Gruppe gerechnet. Allgemein gesagt, sind alle gottlos und alle brauchen Errettung. Mit persönlicherem Unterton kann man jedoch sagen, daß die Tatsache unausweichlich ist: »Christus ist für uns gestorben.« Der Apostel schließt darin auch sich selbst und seine Mitarbeiter ein, wodurch er allen Lesern des Briefes klar macht, daß es keine Ausnahmen gibt. Die ganze Welt braucht Errettung, und das Mittel zum Heil ist für alle vorhanden: »Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab.« Paulus verfügte noch nicht über das Johannesevangelium, doch sicherlich war er sich über die Reichweite der Liebe Gottes zur Menschheit im Klaren. Bei seinem Eröffnen der Wahrheit des Evangeliums macht er diese Liebe bekannt, wo immer er Gelegenheit dazu findet.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Der Apostel stellt noch einmal fest, dass Christi freiwillige Selbsthingabe zu einer Zeit erfolgte, als wir noch Sünder waren. Welch einen schweren Inhalt für ihn der Begriff Sünder oder das hamartolon onton hatte, darüber hat er keinen Zweifel gelassen. In Gottes Heilsoffenbarung und deren Beziehung zum Menschen konnte aber nicht der Mensch als Sünder oder der Mensch in seinem Widerspruch gegen Gott das letzte Wort behalten. Das letzte Wort gehört Gott. Dieses Wort offenbarte Gott aber in der Sendung seines Sohnes, und zwar als Wort seiner Liebe. Selbst durch das Kreuz konnten gottlose und fromme Sünder das Wort seiner Liebe nicht zum Schweigen bringen. In dem Augenblick, wo der Mensch am schwersten durch die Verwerfung Jesu gegen Gott frevelte, sprach sie am lautesten von Vergebung, Gnade und Rettung. Das ist Gottes Triumph in seiner Gnade über die Sprache des Menschen in seiner Schuld.

Der Apostel will hier aber besonders die eigentümliche Art der göttlichen Liebeserweisung hervorheben und betonen. Denn in ihrer Art erhebt sie sich weit über alles, was unter Menschen je als Liebe geübt worden ist. Wären die Menschen Gerechte oder Freunde gewesen, dann könnte man die Liebe Gottes, wie sie sich im Tode Jesu offenbart, eventuell noch verstehen. In der Versöhnung der Menschheit geht es aber um Schwache und Ohnmächtige, um Sünder und Gottlose, um Frevler und Feinde. Auf diese, und nicht auf Gerechte und Freunde, ist die Offenbarung der Liebe in jeder ihrer einzelnen Heilshandlungen gerichtet. Wenn Gott in seiner Liebe nun die Versöhnung dieser vollbracht hat, um wieviel gewisser, pollo mallon, oder auch um wieviel reichlicher wird sie hinfort auch das Letzte vollbringen, die Rettung vom Zorn [189] und die Vollendung der Versöhnten. Wohl mit Recht hebt Godet hier hervor: „Wer das Größere getan, und zwar für Feinde, wird jedenfalls das Kleinere tun für dieselben Personen, die seine Freunde geworden sind.“

Damit will Paulus aber auch hier nicht den Schwerpunkt der Rettung vom Zorn oder die Gewissheit der Vollendung der Versöhnten etwa von Gott auf den gerechtfertigten Menschen verlegen. Nicht in sich selbst tragen die Gerechtgesprochenen die Garantie, dass sie vor dem Zorn des Gerichts bewahrt werden sollen und dass sie sich der Vollendung ihrer Seligkeit gewiss sein können. Sie finden sie aber im Ratschluss und im Handeln Gottes. Sie sind ja Gott gegenüber in ihrer Lebenshaltung und Gesinnung nicht mehr Feinde. Sie sind Kinder der Liebe und in ihrer Glaubenshingabe offen für das Wirken des Geistes Gottes. Sie freveln in ihren Leidenschaften ja nicht mehr gegen Gott, vielmehr dienen sie ihm in freier Hingabe der Liebe und des Glaubens. So stark der Mensch auch für die ihm geschenkte neue Kindesstellung mit verantwortlich gemacht wird, seine Heilsgewissheit und seine Heilsvollendung sind ihm verbürgt allein in Gottes Vaterverhältnis zu den Versöhnten. Die Bürgschaft liegt mithin nicht in der Frömmigkeit und in der Hingabe der zum ewigen Leben Berufenen und Begnadeten.

Kroeker – Römerbrief

Jesus zieht sich trotz meiner Sünde nicht von mir zurück. Auch wenn meine Sünde mir wie eine Milchglasscheibe den Blick auf Gott versperrt und ich ihn auf der anderen Seite nur erahnen kann, geht Gott nicht weg, sondern wartet auf meine Buße. Er kann und wird mich immer auf die gleiche Weise lieben, und zwar mit der Liebe, die er am Kreuz gezeigt und bewiesen hat.
Auch wenn wir das kaum glauben können: Nichts kann uns von der Liebe Christi scheiden (Römer 8,35.38-39). So wie Jesus uns am Kreuz geliebt hat, liebt er uns bis zum Schluss. Und wenn er uns schon so geliebt hat, als wir noch Sünder waren (Römer 5,8), wie viel mehr dürfen wir uns derselben Liebe dann jetzt bewusst sein, wo wir Kinder Gottes sind (1Johannes 3,1)? Egal wie dein Leben gerade aussieht – vielleicht gibt es tief in deiner Persönlichkeit wurzelnde Sünde, von der du denkst, dass du sie nie los wirst, oder es gibt Eheprobleme, die aussichtslos erscheinen -, vergiss eines nicht: Gott liebt dich so wie am ersten Tag.
Wir sind aus Gnade gerettet (Römer 3,24), dürfen täglich zum „Thron der Gnade“ treten, um Barmherzigkeit und Gnade zu empfangen (Hebräer 4,16) und erwarten die Wiederkunft Jesu, der uns seine Gnade mitbringt (1Petrus 2,13). Unser ganzes Leben ist in Gnade eingebettet und soll von ihr beherrscht werden (Römer 5,21). Gott liebt uns nicht für unsere Leistung oder weil wir nie Fehler machen! Er liebt uns, weil wir seine Kinder sind. Und dasselbe tut Salomo im Umgang mit Sulamith. Er liebt sie nicht, weil sie die perfekte Ehefrau ist – das wird sie nie sein -, sondern er liebt sie, weil sie seine Frau ist.

K. Fischer – Crashkurs Leidenschaft

Das Jehovah seine Liebe zu uns zeigte, als wir Sünder waren – sollte unser Leben völlig verändern! Wer wirklich ein Christ ist, kann nicht Hass und Wut in seinem Herzen hegen. Er muss sich nicht anstrengen, ein guter Mensch zu sein – sondern spiegelt den himmlischen Vater wider.

Wer sitzt am Steuer deines Lebens?

Befiehl (W. Wälze auf) Jehova deinen Weg und vertraue auf ihn! und er wird handeln; und er wird deine Gerechtigkeit hervorkommen lassen wie das Licht, und dein Recht wie den Mittag. Vertraue still (W. Sei still) dem Jehova und harre auf ihn! Erzürne dich nicht über den, dessen Weg gelingt, über den Mann, der böse Anschläge ausführt!
Elberfelder 1871 – Ps 37,5–7

Gründe auf Jahwe dein Lebenslos, (Wörtlich: „Wälze auf Jahwe deinen Weg.“ Luther: „Befiehl dem Herrn deine Wege.“ Vgl. Paul Gerhardts schönes Lied: „Befiehl du deine Wege.“) / Traue auf ihn, denn er macht»s wohl! Er läßt deine Unschuld (Deine verkannte Gerechtigkeit.) wie Morgenlicht leuchten / Und dein Recht wie die Mittagshelle. Duldergleich sei stille zu Jahwe und harre sein! / Entrüste dich nicht über den, der Glück hat, / Über den Mann, der Ränke verübt! (Wer seinen Willen ganz in Gottes Willen ergibt, der verzichtet auch auf alle Selbsthilfe.)
Ludwig Albrecht – Ps 37,5–7


Überlass dem Herrn die Führung deines Lebens und vertraue auf ihn, er wird es richtig machen. Deine Unschuld wird er sichtbar machen so hell wie das Licht des Tages, und die Rechtmäßigkeit deiner Sache wird leuchten wie die Mittagssonne. Sei ruhig in der Gegenwart des Herrn und warte, bis er eingreift. Ärgere dich nicht über die Bösen, denen es gut geht, und fürchte dich nicht vor ihren bösen Plänen.
Neues Leben – Bibel 2006 – Psalm 37,5–7

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Kennst du auch so eine Gruppe von Menschen, die unbedingt als Religion anerkannt werden wollen und deshalb vor ein menschliches Gericht ziehen, um dieses Recht einzufordern? DAS ist Politik, Leute! und KEIN Vertrauen auf Jehovah! Denn wenn ER etwas tun will, dann tut ER es! Deshalb sagt der Psalmist ja weiter „sei ruhig“! Sieh dir das Leben von Daniel oder Hadassa an – dann verstehst du, was ich meine.

Befiehl dem Herrn deine Wege.Dies drückt den vorhergehenden Gedanken noch deutlicher aus und bestätigt ihn. Denn wenn Gott unsere Wünsche erfüllen soll, ist es nötig, dass wir mit Hoffnung und Geduld unsere Sorgen auf ihn werfen. Wir lernen hier also, wie wir unter Beschwerden, Gefahren und Unruhen still sein können. Die „Wege“, die wir dem Herrn befehlen sollen, sind ohne Zweifel unsere Geschäfte. Demnach ist die Meinung, dass wir den Ausgang aller unserer Geschäfte in Gottes Entscheidung stellen und geduldig warten sollen, wie er es hinausführt, dass wir ferner mit allen Sorgen, die uns ängstigen, und allen Lasten, die uns drücken, in Gottes Schoß flüchten sollen. Darum heißt es auch weiter: hoffe auf ihn. Denn allein durch solche Hoffnung lässt man dem Herrn in rechter Weise die Ehre, dass er unser Leben regiere, und nur so wird man von einer Krankheit frei, an der fast alle Menschen leiden. Denn woher kommt es, dass die Kinder Gottes die Verworfenen beneiden, dass sie so oft seufzen und schwach werden, dass sie sich bald maßloser Traurigkeit hingeben, bald sich auflehnen und murren? Kommt es nicht daher, dass sie sich zu sehr den Sorgen hingeben und sich dadurch, dass sie zu eifrig bestrebt sind, ohne Gott für sich selbst zu sorgen, gleichsam in einen Abgrund hineinstürzen? Sicherlich laden sie sich eine solche Last von Sorgen auf, dass sie darunter schließlich zusammenbrechen müssen. Diesem Fehler tritt David entgegen, indem er daran erinnert, wie sehr wir uns täuschen, wenn wir die Leitung unseres Lebens selbst übernehmen und für unsere Sachen selbst sorgen wollen, als wären wir einer solchen Last gewachsen, und dass es das einzige Hilfsmittel wider die Sorgen ist, wenn wir unsere Augen auf die Vorsehung Gottes richten und dort Trost in allen unseren Ängsten suchen. Wer diesem Rate folgt, wird sich aus dem furchtbaren Wirrsal freimachen, in welchem alle anderen sich vergeblich abquälen. Denn wenn Gott die Leitung unserer Sachen übernommen hat, so wird der glückliche Erfolg nimmer fehlen. Bleibt dieser aus und werden wir in unseren Hoffnungen getäuscht, so liegt das nur daran, dass wir ihm den Weg verschließen, weil wir bei uns selbst zu weise sein wollen. Denn wenn wir ihn walten lassen, so wird er treu seine Pflicht tun und unsere Hoffnung nicht vereiteln; verharren wir aber im Unglauben, so können wir der gerechten Strafe nicht entgehen.
V. 6. Und wird deine Gerechtigkeit hervorbringen.Dieser Satz will im Voraus allerlei Zweifeln begegnen, wie sie uns meistens ängstigen, wenn es umsonst zu sein scheint, dass wir Gott lauter verehren und gerecht gegen unseren Nächsten handeln, und erst recht dann, wenn wir glauben, von Gott verachtet zu werden, weil unsere Unbescholtenheit sowohl der Schmach der Bösen preisgegeben ist, als uns auch bei den Menschen Schaden bringt. David sagt also, dass Gott es nicht zugeben wird, dass unsere Gerechtigkeit immer im Finstern verborgen bleibe, sondern dass er für sie eintreten und sie dadurch ans helle Licht bringen werde, dass er ihr den Lohn gibt, welchen wir wünschen. Dass unsere Gerechtigkeit wie das Licht aufgeht, erinnert an die Morgenröte, die mit ihrem Schein plötzlich die finstere Nacht verscheucht. Wenn wir also ungerecht bedrückt werden und Gott zu vergessen scheint, sich unserer Unschuld anzunehmen, so braucht uns diese Verkehrung nicht mehr zu beunruhigen, als wenn die Finsternis der Nacht die Erde bedeckt, wobei doch die sichere Erwartung, dass das Tageslicht anbrechen werde, unsere Hoffnung aufrecht erhält.
V. 7 u. 8. Sei stille dem Herrn. David führt noch immer dieselbe Lehre weiter aus, nämlich dass wir alles geduldig ertragen müssen, was unser Herz beunruhigen könnte. Denn bei so vielen Kämpfen, die uns umtreiben, bedarf es einer ungewöhnlichen Geduld. Dass wir vor dem Herrn stille werden sollen, ist eine treffliche Beschreibung der Art des Glaubens: wenn unsere Stimmungen sich wider Gott auflehnen wollen, so leitet der Glaube uns zu stiller Folgsamkeit an und besänftigt allen Aufruhr im Herzen. Davids Wort verbietet uns also, nach Art der Ungläubigen innerlich unruhig oder mürrisch und wider Gottes Regiment aufsässig zu werden: vielmehr sollen wir mit sanftem Geist uns fügen, damit der Herr in der Stille sein Werk ausrichte. Dass wir stille sein und dabei auf den Herrn warten sollen, stellt auch der Prophet Jesaja (30, 15) einmal zusammen. Das nächste Satzglied wiederholt, was wir schon im Anfang des Psalms hörten: erzürne dich nicht über den, dem sein Mutwille glücklich fortgeht. Diese Worte weisen noch einmal darauf hin, welch ein großes Ärgernis es für uns ist, wenn das Glück den Gottlosen lächelt, gleich als ob Gott ihre Schandtaten begünstigte. Das ist etwas, was uns mit Widerwillen erfüllt. Deshalb begnügt David sich auch nicht mit einer kurzen Erinnerung, sondern bleibt hierbei lange stehen.
Die Häufung der Ausdrücke im folgenden Verse, in dem er den Jähzorn zügelt, den Eifer beruhigt und den Widerwillen besänftigt, ist nicht überflüssig. Eine schwer zu heilende Krankheit bedarf eben vieler Heilmittel. Auf diese Weise werden wir daran erinnert, wie reizbar wir sind und wie leicht wir Anstoß nehmen, wenn wir nicht ernstlich kämpfen, um unser unruhiges Herz zum Gehorsam zu zwingen. Da die Gläubigen die Regungen ihres Fleisches nicht ohne Mühe und Schweiß unterdrücken können, wenn das Glück der Gottlosen sie zur Ungeduld treibt, so lehrt diese Wiederholung sie, dass sie in dem Kampfe ausharren müssen: denn nur, wenn sie standhaft bleiben, werden ihre Anstrengungen mit Erfolg gekrönt sein. – Dass du auch übel tust. David erinnert uns daran, dass wenn wir nicht sofort und rasch unseren Ärger bekämpfen, es nicht ausbleiben kann, dass er uns zum Sündigen treibe. So heißt es auch in einem anderen Psalm (125, 3): „Der Gottlosen Zepter wird nicht bleiben über dem Häuflein der Gerechten, auf dass die Gerechten ihre Hand nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit.“

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Fakt: es lohnt sich, den Fahrersitz des eigenen Lebens frei zu machen und Jehovah dort Platz nehmen zu lassen! Es reicht nicht, wenn ER nur auf der Rückbank sitzten darf und mir Ratschläge geben kann! Es macht ruhiger und glücklicher, wenn man „die Plätze tauscht“!

und noch einmal Barmherzigkeit?

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht Jehova. Denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Elberfelder Bibel 1905 – Jesaja 55,8–9

„Denn eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, noch sind meine Wege eure Wege“ ist der Ausspruch Jehovas. 9 „Denn wie die Himmel höher sind als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Jes 55,8–9

Denn nicht sind meine Pläne eure Pläne / nicht eure Wege meine Wege / ist des Ewigen Spruch. /
Wie hoch die Himmel ob der Erde ragen / so überragen meine Wege eure Wege / und meine Pläne eure Pläne. /
Neftali-Herz-Tur-Sinai – Jesaja 55,8–9

Denn:
»Nicht sind meine Planungen
eure Planungen,
nicht eure Wege
meine Wege.«
ist SEIN Erlauten.
Denn:
»Hoch der Himmel über der Erde,
so hoch
meine Wege über euren Wegen,
mein Planen über eurem Planen.«
Buber_Rosenzweig – Jes 55,8–9

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Der Apostel Paulus sagt einmal von sich dasmerkwürdige Wort, das nun alle wahren Christen sprechen: »Ich sterbe täglich« (1Kor 15,31).

Wunderlich! Man kann doch nur einmal sterben! Nein! Christen sterben täglich. Wie wollen wir das verstehen? Ich kann es wieder nur persönlich sagen.

Ich habe doch einen Willen. Ich habe Pläne, Hoffnungen. Ich bin auch kein Fisch – mein Fleisch und Blut hat wildes Begehren und kennt heißes Verlangen.
Aber nun tritt mir mein Herr in den Weg und sagt: »Meine Gedanken sind nicht deine Gedanken und deine Wege sind nicht meine Wege« (Jes 55,8). Und da stehe ich nun beständig vor der Wahl, ob mein Wille, mein Wünschen, mein Begehren gelten soll oder der Wille meines Herrn. Da gibt’s keine Kompromisse. Da heißt es: »Entweder – Oder!« So heiß das eigene Begehren, Wollen, Wünschen ist – wenn ich meinen Herrn nicht verlieren will, dann muss ich mich in den Tod geben und ihn machen lassen.

Wilhelm Busch, Es geht am Kreuz um unsre Not

Das bedeutet, dass Gott erstens immer den Überblick behält. Keine Wendung in meinem Leben oder im Weltgeschehen kann ihn aus der Ruhe bringen. Zweitens hat er mehr Überblick als ich. Das bedeutet, dass er alle Situationen bis ins letzte Detail kennt und die Auswirkungen bestimmter Handlungen abschätzen kann.
Deshalb wird Gott Ihre Gebete erhören, wenn die beste Zeit dafür gekommen ist. Deshalb kann es manchmal auch lange dauern, bis Gott Gebete erhört. Doch auch wenn Gebete eine Zeit lang unbeantwortet bleiben, können Sie darauf vertrauen, dass Gott die Gebete gehört hat und auch entsprechend erhören wird. Allerdings wird er nichts tun, was uns schadet oder nicht seinem Willen entspricht.
Manchmal denke ich auch, dass meine Lösung, um die ich Gott gebeten habe, die beste Lösung ist. Weil Gott aber den notwenigen Überblick hat, sieht er das manchmal anders. Und auch wenn das Leben manchmal schwer ist, können wir darauf vertrauen, dass Gott es gut meint und unsere Gebete erhört werden.
Ein gutes Beispiel dafür ist das Leben von Joseph, das uns im ersten Buch Mose beschrieben wird. Er hat wahrlich kein leichtes Leben gehabt. Er wurde als Sklave verkauft, saß im Gefängnis usw. Und trotzdem kann er am Ende seines Lebens sagen, dass Gottes es gut mit ihm gemeint hat (1 Mose 50,20). Das bedeutet, dass wir auch heute auf Gott vertrauen können, auch wenn manche Gebete nicht gleich oder gar nicht erhört werden. Manchmal sieht die Lösung Gottes anders aus. Sie wird dann aber besser sein. Manchmal wird es daher ein Leben lang dauern, bis ein Gebet erhört wird (Lukas 2,25). Und manchmal werden Gebete erst nach unserem Tod oder im Himmel erhört.
Wie wir in der letzten Lektion auch gesehen haben, gefallen Gott bestimmte Gebete. Andere Gebete finden bei ihm kein Gehör. Wenn also ein Gebet nicht erhört wird, kann es also auch daran liegen, dass das Gebet in diesem Sinn unpassend war. Wenn ich also nicht im Vertrauen bete, dass Gott hilft oder ich mich nicht im Willen Gottes befinde, wird Gott wahrscheinlich das Gebet nicht erhören.
Auch wenn manche Gebete scheinbar nicht erhört werden, kann ich Gott grundsätzlich vertrauen, dass er hört und handelt. Wenn ich mein Gebet also geprüft habe, kann es manchmal bedeuten, dass ich ausdauernd weiter beten muss. Ich muss manchmal nach seinem Willen suchen und danach ringen. Und wenn Gott nicht so auf meine Gebete antwortet, wie wir es für richtig halte, wird er für eine bessere Erhörung sorgen. Manchmal werde ich das wohl erst verstehen, wenn ich Gott einmal im Himmel direkt begegnen werde. Auf lange Sicht in diesem Leben und besonders auf ewige Sicht werde ich sehen, dass Gott es gut meint und Gebete erhört.

ERF, – „Glauben – wie geht das?“

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege nicht eure Wege“ (Jesaja 55,8–11). Wie gut, dass unser Gott dieses Wort über unsere Denkweisen und Theologien gestellt hat. Er ist der Gott, der durch den Sohn auch die Äonen (Ewigkeiten! Plural!) geschaffen hat (Hebräer 1,2) und der einen Plan mit dieser Welt hat.
Meinen Sie, er lässt sich von seinem Vorhaben durch unsere Jämmerlichkeit, Schuld und Sühne, ja durch den Satan abbringen?
Er war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber. Wer oder was ist da ausgenommen?

idea 2018

„Alle, die Durst haben, kommen ans Wasser! “ Laut Raschi ist „alles, was durstig ist“ ein Ausdruck der Berufung, eine Einladung, sich zu ADONAI und seiner heiligen Tora zu versammeln. Die Aussage, Wasser, Wein und Milch zu kaufen, ist nach Ansicht der Weisen eine metaphorische Aussage über die Lehren Gottes, in der die Worte der Tora jedem kostenlos zur Verfügung stehen. Antwort auf die Frage „Warum Geld für das ausgeben, was kein Essen ist, Ihren Lohn für das, was nicht befriedigt?“ (Vers 2), Rabbi Israel Slotki, erklärt, dass „weltliche Bestrebungen das Ausgeben von Geld und Arbeit beinhalten, ohne die Seele zu befriedigen“. Es ist nur das Wort von ADONAI, das jede menschliche Sehnsucht befriedigt, und nur Gott kann jedes menschliche Bedürfnis befriedigen. In Anbetracht dieser Hoffnung lädt Gott alle Menschen großzügig ein, seine Befreiung kostenlos zu erleben (Verse 1–3, 7), einschließlich der Nationen, von denen Israel nicht wusste, dass sie existieren (Verse 5). Selbst Außenstehende wie Eunuchen (56: 4–5) und Ausländer (56: 3, 6–8) werden einen privilegierten Platz im Reich Gottes haben. Gottes Absicht ist nicht Rache, wie Isra’el befürchtet hatte, sondern Rettung. Daher sind seine Gedanken und Wege nicht dieselben wie die der Menschen (55: 8–9). Aber selbst in diesem großartigen Porträt der Rettung und Befreiung droht ein Urteil gegen die Bösen, die sich weigern, umzukehren. Sie bleiben schuldig an geistiger Blindheit, Gier (56:11), Rebellion (57: 4), Götzendienst, sexueller Sünde (57: 5–8), ohne Gott zu fürchten (57:11) und Bosheit (57: 20–21) ).

Die vollständige jüdische Studienbibel: Notizen

Die Haftarah besteht aus zwei rhetorischen Einheiten. Der erste Teil (Jes. 55: 6–13) beginnt mit einem Aufruf an das Volk, den Herrn zu „suchen“ und seine sündigen „Pläne“ und „Wege“ zu bereuen (va-yashov) (Vers 6–7). Der Prophet ermutigt das Volk mit zwei Behauptungen: einer theologischen Aussage, dass Gott seinem Volk „frei vergibt“; und Gottes eigenes Wort, dass seine „Pläne“ und „Wege“ sich von denen der Menschen unterscheiden. Der letztere Punkt wird durch ein Gleichnis über die Entfernung zwischen Himmel und Erde verstärkt (Vers 9). Es folgt ein zweites Gleichnis, das wiederum von Gott gesprochen wird. Sein Thema ist das göttliche „Wort“, das vom Propheten gesprochen wird und das nicht unerfüllt zurückkehren wird (Yashuv) (Verse 10–11). Dieses neue Thema verlagert den Fokus von göttlicher Vergebung auf orakelhafte Erfüllung – von Gottes „Wegen“ der Versöhnung zur Verwirklichung seines „Wortes“ der Erlösung (Verse 12–13). Sein Verzeihungswort und sein Versprechen der Wiederherstellung sind die Aspekte seiner transzendenten Wege.
Der zweite Teil der Haftarah (Jes 56: 1–8) kehrt zum proklamatorischen Ton des ersten Teils zurück. Der Prophet beginnt mit einem Aufruf zur Gerechtigkeit und kündigt die bevorstehende Erlösung an (56: 1). Besonderes Augenmerk wird auf die Einhaltung des Sabbats und das Unterlassen des Bösen gelegt (Vers 2). Von den beiden wird die Einhaltung des Sabbats in den Worten des Propheten an Ausländer und Eunuchen betont. Wenn sie dieses Gebot einhalten, wird den Eunuchen „ein Denkmal und ein Name“ (Vers 5) im wiederaufgebauten Tempel versprochen, und die Ausländer werden an seinen Opfern und heiligen Riten teilnehmen (Vers 3–7). Ein feierlicher Abschluss kennzeichnet diesen Abschnitt: „So erklärt der Herr, GOTT, der die Zerstreuten Israels versammelt:„ Ich werde noch mehr zu den bereits Versammelten sammeln “(Vers 8). Die Proklamationserklärung des Propheten kontrapunktiert die Zitate, die die von den Ausländern und Eunuchen ausgesprochene Angst vor Ablehnung zum Ausdruck bringen (Vers 3), und schließt die göttliche Rede ab, die diese Behauptungen widerlegt (Vers 4–7).
Die beiden rhetorischen Teile der Haftarah sind durch verschiedene Wörter und Sätze verbunden, wodurch neue theologische Verbindungen zwischen den Einheiten hergestellt werden. Zum Beispiel wird durch verbale Wiederholung eine dramatische Verbindung zwischen der Nähe (Karov) Gottes zum Büßer (Jes. 55: 6) und der Nähe (Kerova) der später angekündigten Erlösung (56: 1) hergestellt. Eine andere Art ist die Koordination der „Freude“ (simḥah) des israelitischen Exodus aus dem Exil (55:12) mit der „Freude“ (ve-simaḥtim), die Gott für die Ausländer (56: 7) schaffen wird, wenn er bringt sie zu seinem Tempel, um gemeinsam mit den einheimischen Israeliten zu feiern. Und schließlich kann man die auffällige Verbindung zwischen Isa beobachten. 55:13 und 56: 5. In 55:13 wird die wundersame Verwandlung der Natur (von Brennnesseln zu Myrten) zum Zeitpunkt der Erlösung „ein Zeugnis für den Herrn sein, als ein ewiges Zeichen, das nicht zugrunde geht. ” In 56: 5 wird die Wiederbepflanzung des Eunuchen im Tempel (verwandelt von einem „verwelkten Baum“ [56: 3] in ein „Denkmal“ [56: 5]) „ihnen einen ewigen Namen geben [shem ʿolam] die nicht umkommen werden [loʾ yikkaret]. “ Die Bilder der Natur liefern somit kraftvolle Zahlen für die geplante Erlösung und zeigen die Bewegung vom Exil zur Erlösung im Sinne einer Verschiebung von trocken und steril zu produktiv und regenerativ. Auf diese Weise betont die Haftarah thematisch die Erneuerung des Lebens, dh die Blüte der Samen der Erlösung, die Gott mit seinem prophetischen Wort gepflanzt hat (55: 10–11).
Der Aufruf zur Umkehr zu Beginn der Haftarah ist in diesem prophetischen Korpus einzigartig. Wo tatsächlich auf vergangene Sünden Bezug genommen wird, ist der Ausdruck der göttlichen Vergebung sowohl kategorisch als auch einseitig (wie in Jes. 43:25: „Ich bin es, der – um meinetwillen – deine Übertretungen wegwischt und an deine Sünden erinnert nicht mehr“). Es wird kein vorheriger Akt der nationalen Reue erwähnt oder erwartet. Im vorliegenden Fall wird jedoch eine bilaterale oder wechselseitige Bewegung angekündigt. Das reuige Handeln des Volkes wird göttliche Barmherzigkeit hervorrufen und so den Kreislauf von Sünde und Bestrafung durchbrechen. Gerade diese Kraft der Umkehr, um dem göttlichen Gericht entgegenzuwirken, kann auch den Grund für Gottes Barmherzigkeit erklären: „Meine Wege sind nicht deine Wege“ (55: 8). Man kann vermuten, dass hinter dieser starken Rechtfertigung das Gefühl des Volkes stand, dass die Umkehr die Schuld für vergangene Sünden nicht aufheben konnte (vgl. Ibn Esra zu Jes 55,8). Als Antwort darauf behauptet der Prophet eindringlich, dass aufrichtige Umkehr tatsächlich die göttliche Barmherzigkeit aktivieren wird. Eine ähnliche Besorgnis über die Macht der Umkehr, die „Gerechtigkeit“ der göttlichen Bestrafung aufzuheben, spiegelt sich auch in den postexilischen Diskursen von Hesekiel wider (Hesekiel 18: 25–29). Auch dort ist die göttliche Antwort klar. Gott wünscht Buße; denn er ist ein Gott der Barmherzigkeit, der will, dass der Sünder lebt.
Die Haftarah betont auch, dass Gott den Fremden und den Fremden liebt. Der universelle Ton der Verkündigung in Isa. 56: 3–8 ist bemerkenswert und stellt die Einstellungen anderer religiöser Kreise mit Nachdruck in Frage. Insbesondere die Einbeziehung von Ausländern in die Tempelverehrung ist streng, der vom zeitgenössischen Propheten Hesekiel abgelehnt wurde (Hesekiel 44: 8–16) .4 Dieser Priesterprophet behauptete sogar, dass eine solche Einbeziehung eine der Grundsünden der präexilischen Gemeinschaft sei, die ausgerottet werden müsse (Verse 7–8). Ebenso war die Vertreibung von Ausländern aus der Restaurierungsgemeinschaft ein zentraler Bestandteil des exklusiven Programms des Priesters Esra.

Der JPS-Bibelkommentar

Ist bei Jehovah nicht irgendwann die „Barmherzigkeit“ aufgebraucht? Kann er seinem Volk wirklich immer und immer wieder vergeben? Und wenn ER das bei seinem Volk kann – kann ER dies dann auch in meinem und deinem Leben?

Merke auf mein Gebet!

Höre, Gott, mein Schreien, horche auf mein Gebet!
Vom Ende der Erde werde ich zu dir rufen, wenn mein Herz verschmachtet; du wirst mich auf einen Felsen leiten, der mir zu hoch ist.
Elberfelder 1871, Psalm 61,2–3

Gott, höre mein Klagen,
achte auf mein Gebet!
Vom Ende der Erde schreie ich zu dir,
weil mir die Kräfte schwinden.
Bring mich hinauf auf den sicheren Felsen;
ich schaffe es nicht, er ist mir zu hoch!

Gute Nachricht Bibel – Ps 61,2–3

Höre, Gott, meinen Hilfeschrei 
  und achte auf mein Gebet! 
Aus weiter Ferne rufe ich zu dir, 
  denn ich bin am Ende meiner Kraft. 
  Ich selbst kann mich nicht mehr in Sicherheit bringen, 
  darum hilf du mir und rette mich!

Hoffnung für Alle – Ps 61,2–3


Hör, Elohim, mein lautes Flehn, / Merke auf mein Gebet!
Vom Ende des Landes ruf ich zu dir in meines Herzens Schmachten. (Alte Erklärer meinen, David habe Ps. 61 in Mahanaim, jenseits des Jordans an der Grenze Palästinas, gedichtet, als er vor seinem Sohn Absalom floh.) / Auf einen Fels, der mir zu hoch ist, leite mich! (Gott wird David auf einem schützenden Fels, den er aus eigener Kraft nicht erreichen kann, vor allen Gefahren beschirmen: ein Ausdruck des zuversichtlichen Vertrauens auf Gottes Hilfe.)

Ludwig Albrecht – Ps 61,2–3

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Der Beginn des Psalms ist eine persönliche Bitte (Verse 2–5), während die zweite Hälfte (Verse 6–9) ein Gebet für den König ist; „Selah“ teilt den Psalm in zwei Hälften (siehe 3: 3 n.). Es ist unklar, ob zwei getrennte Psalmen kombiniert wurden oder ob eine Person wie in Mesopotamien ein königliches Gebet in eine Petition aufnehmen könnte. 2–5: Der Bittsteller befindet sich hyperbolisch am Ende der Erde, entfernt vom Tempel (Ihr Zelt; so Ibn Esra und Radak; siehe 15: 1 n.), Wo er unter göttlichem Schutz wohnen möchte (siehe 57: 2) n.). Diese Petition enthält die typischen Elemente: Imperative (Höre… beachte), eine Anrufung (O Gott) und eine Motivation (Für dich…). 6–9: Diese zweite Einheit wird durch die Erwähnung des Gelübdes eingerahmt. 7–8: Eine ähnliche hyperbolische Sprache über den König spiegelt sich in Pss wider. 21: 5; 72: 5 und spiegelt die Vorstellung wider, dass der König (nahe) göttlich ist (siehe 45: 7 n.). 9: Ps. 30:13 schließt auf ähnliche Weise.

Die jüdische Studienbibel

Der Psalmist bat den Herrn um Stärke und Sicherheit, weil sein Herz bedrückt war. Er bat darum, daß Gott ihn auf den Felsen leiten möge, der höher war als er selbst . „Fels“ deutet auf einen sicheren Ort hin; aber David wollte auf einen Fels geführt werden, den er nicht selbst erreichen konnte. Wenn Gott so handelte, dann konnte er in Sicherheit sein.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Aus dem Lande des Herrn im engern Sinne1 in das Land jenseit des Jordans hinausgeschleudert war David nicht anders zu Mute, als wäre er, fern von dem Angesichte Gottes, an den äußersten Winkel der Erde (nicht: des Landes, vgl. 46, 20. Dt. 28, 49 u. ö.) verbannt (Hgst.). Es ist die Empfindung der Heimatlosigkeit und der Abgeschiedenheit von der Stätte Gottes, wodurch ihm die an sich so unbedeutende Entfernung (ähnlich wie später den Exulanten) zu einer unermeßlich großen wird. Denn noch immer bedarf er hilfreichen göttlichen Einschreitens; noch immer besteht die Umhüllung, Umflorung, Ohnmacht seines Herzens (עָטַף عطف seiner Wurzelbed. nach: etwas umbiegen und umlegen, so daß es sich deckend über etwas Anderes hinlegt, hinzieht, hier von Selbstumhüllung); noch immer liegt ein Fels von Schwierigkeiten vor ihm, der seiner natürlichen Kraft, seinem menschlichen Vermögen zu hoch, also unerklimmbar ist. Aber er ist getrost: Gott wird ihn sicheren Schrittes dahinauf geleiten, daß er, allen Gefahren entrückt, Felsengrund unter seinen Füßen hat. Er ist getrost, denn Gott hat sich ihm schon als Zufluchtsort bewährt, als starker, jedem Angriff trotzender Turm, der ihn, den Verfolgten, umschlossen, so daß der Feind ihm nichts anhaben kann (vgl. Spr. 18, 10). Er ist schon wieder auf dem Wege nach der Heimat und zwar seiner liebsten eigentlichen Heimat: er will oder soll (nach Gottes Willen) weilen (vgl. den Cohortativ Jes. 38, 10. Jer. 4, 21) in Gottes Zelte (s. zu 15, 1) Aeonen hindurch (was an den gleichzeitigen Ps. 23, 6 gemahnt). Mit גּוּר verbindet sich die Vorstellung des göttlichen Schutzes (vgl. arab. ǵâr ollah der Schützling Gottes und beduinisch ǵaur der schützende Feuerherd; ǵawir, der Form nach = גֵּר: der zum Feuerherd Fliehende); es folgt ein kühnes Bild dieses Schutzes: er soll oder wird trauen d. i. Zuflucht haben unter der Obhut der Flügel Gottes. In der Zeit, wo das Zelt noch wanderte, ist solche Rede vom Wohnen in Gottes Zelte oder Hause noch nicht vernehmbar; erst David hat, indem er der h. Lade eine feste Wohnstätte bereitete, zugleich diesen Ausdruck der Liebesgemeinschaft mit dem Gott der Offenbarung geschaffen. In Ps. der saulischen Zeit findet sich noch nichts dergleichen, denn 52, 7., wo dem Doëg das Gegenteil ewigen Wohnens gewünscht wird, ist nicht das h. Zelt gemeint. Daß Ps. 61 nicht der saulischen Zeit zugehört, zeigt auch dessen 2. Hälfte, denn David redet da nicht wie einer, der dem königlichen Berufe näher gerückt ist (vgl. 40, 8), sondern wie einer, der einen neuen Abschnitt desselben antritt.

Delitzsch – Biblischer Commentar über das Alte Testament

Lässt sich die Abfassungszeit des Psalms auch nicht völlig sicher angeben, so deutet doch manches dahin, dass David schon längere Zeit das Regiment geführt hatte, als ihm das Unglück zustieß, von welchem hier die Rede ist. Ich schließe mich also gern den Auslegern an, welche an die Zeit des Aufstandes Absaloms denken. Denn dass Davids Gebet vom Ende der Welt her erging, deutet doch auf eine Zeit der Verbannung. Aus wie heftiger Gemütsbewegung das Gebet geboren wurde, zeigt schon seine Beschreibung als ein Schreien. So verdient jede Anrufung Gottes zu heißen, die aus einem Andrang des Gefühls und brennendem Eifer aufsteigt, mag der Beter still für sich seine Klagen vor Gott bringen oder vernehmlich seine Stimme erheben. Auch die Wiederholung lässt auf ein anhaltendes Beten schließen: merke auf mein Gebet. Hier sollen auch wir ein Beispiel entnehmen, im Gebet nicht müde zu werden, auch wenn Gott nicht sofort spüren lässt, dass er sich unsern Wünschen zuneigt. Als das Ende der Welt bezeichnet David die Stätte seiner Verbannung, weil er sich dort unendlich weit von Gottes Heiligtum, welches ihm doch der erwünschteste Ort war, und der königlichen Stadt entfernt fühlte. Auch dass (V. 7) er sich als König bezeichnet, was er vor Sauls Tode niemals tat, deutet auf die Zeit, da er vor dem Wüten seines Sohnes Absalom voll Furcht in das Ostjordanland fliehen musste. Wenn nun David noch unter dem schattenhaften Gottesdienst des Gesetzes nicht aufhörte zu beten, obgleich er weit vom Heiligtum entfernt war, so wird vollends heute unsere Trägheit im Gebet unentschuldbar sein: wir müssen trotz aller Hemmnisse, die Satan uns in den Weg wirft, im Glauben zum Himmel aufsteigen, da Gott uns so freundlich einlädt und durch Christi Blut der Zugang offen steht. Also auch Christen, welche von der Gemeinde Gottes etwa fern sind und die Predigt des Wortes und die Sakramente entbehren müssen, sollen nach Davids Beispiel lernen, aus der Wüste und gleichsam über weite Räume hinweg zu Gott zu schreien. Darauf gedenkt David dessen, dass sein Herz in Angst war, und fügt hinzu, dass er keinen Ausgang aus der Gefahr mehr sah, sodass seine nachmalige Rettung desto gewisser als ein Werk der göttlichen Gnade erschien. Trotz aller Angst aber nahm er seine Zuflucht zu Gott. Indessen sehen wir, dass er kein Herz von Eisen hat, noch sich zu einer stoischen Härte gegen Schmerzen und Ängste abzustumpfen vermochte: er führte einen schweren innern Kampf gegen die Traurigkeit und das Zagen seines Herzens. Je mehr also die Gläubigen sich in Krankheit oder Sorge verstrickt fühlen, desto tapferer müssen sie sich mühen, durch viele Hindernisse hindurch zu brechen. Der Hauptinhalt des Gebets Davids ist nun der, dass Gott ihm eine sichere Zuflucht bereite, von welcher er sich jetzt ausgeschlossen sieht: Du wollest mich führen auf einen hohen Felsen. Ein Felsen oder wie es V. 4 heißt, ein Turm, bedeutet einen festen Zufluchtsort. David hat also im Augenblick das Gefühl, dass ihm ein solcher fehlt, und dass er, wenn Gottes Hand ihn nicht emporhebt, keinen Schritt vorwärts setzen kann. Wohin er auch blickt, sieht er alle sicheren und ruhigen Stätten wie in unzugänglicher Höhe über sich schweben: alle Hilfe ist ihm geraubt und in weite Ferne entrückt. Aber obgleich er nicht sieht, wie er gerettet werden könne, zweifelt er doch nicht, dass er unversehrt bleiben müsse, wenn nur Gott seine Hand ausstrecken will. Ohne Bild geredet, ist der Sinn also einfach der: mag alle Hilfe mir genommen sein und die ganze Welt mir den Ausgang versperren, so wirst du doch, Gott, wider alle Hoffnung mich retten. Hier entnehmen wir eine sehr nützliche Lehre. Wir wollen lernen, unser Heil, das allein bei Gott steht, nicht nach den kurzen Begriffen des Fleisches zu messen, noch auf irgendwelche äußeren Mittel zu gründen, sondern es dem Herrn zu überlassen, welche verborgenen Wege zur Rettung er uns führen will. Wer dem Herrn darin eine besondere Weise vorschreiben will, setzt seiner Macht zu enge Schranken.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

„Von dem Gott, vor dem man zittern muss“

Also, ihr Lieben, ihr habt ja immer alles umgesetzt, was ich euch empfohlen habe. Egal, ob ich bei euch vor Ort bin oder ob ich gerade nicht da sein kann: Hört auf das, was ich euch sage! Tut was dafür, dass ihr von Gott gerettet werdet! Von dem Gott, vor dem man zittern muss. Aber dieser Gott sorgt ja für beides bei euch, einmal, dass ihr das überhaupt wollt, und dann, dass ihr es überhaupt schaffen könnt, damit er sich über euch freut. Bei allem, was ihr so anpackt, versucht immer gut drauf zu sein und passt auf, nicht ständig ins Grübeln und Zweifeln zu kommen.

VolxBibel – Phil 2,12–14

Darum, meine Lieben, so wie ihr immer gehorcht habt — nicht nur während meiner Anwesenheit, sondern jetzt noch viel bereitwilliger während meiner Abwesenheit —, arbeitet weiter mit Furcht und Zittern an eurer Rettung.  Denn Gott ist derjenige, der euch sowohl den Wunsch als auch die Kraft gibt, das zu tun, was ihm gefällt.  Tut weiterhin alles, ohne euch zu beklagen und zu widersprechen,

neue Welt Übersetzung – 2018 – Philipper 2,12–14

Was folgt daraus, liebe Freunde? So, wie ihr Gott bisher immer gehorsam gewesen seid, sollt ihr euch ihms auch weiterhin mit Respekt und tiefer Ehrfurcht unterstellen und alles daransetzen, dass eure Rettung sich in eurem Leben voll und ganz auswirkt – nicht nur, wenn ich bei euch bin, sondern erst recht jetzt, während meiner Abwesenheit. Gott selbst ist ja in euch am Werk und macht euch nicht nur bereit, sondern auch fähig, das zu tun, was ihm gefällt.
Verbannt alle Unzufriedenheit und alle Streitsucht aus eurer Mitte, denn ihr sollt ein tadelloses Leben führen, das in keiner Weise vom Bösen beeinflusst ist. Wenn ihr als Kinder Gottes mitten in dieser verdorbenen und heillosen Welt vorbildlich lebt, werdet ihr unter euren Mitmenschen wie Sterne am Nachthimmel leuchten. Haltet daher an der Botschaft fest, die zum Leben führt!

Neue Genfer Übersetzung – Phil 2,12–16

Daher, meine Geliebten, gleichwie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein als in meiner Gegenwart, sondern jetzt vielmehr in meiner Abwesenheit, bewirket (O. wirket aus, vollführet) eure eigene Seligkeit (O. Errettung, Heil) mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, nach seinem Wohlgefallen.
Tut alles ohne Murren und zweifelnde Überlegungen, auf daß ihr tadellos und lauter (O. einfältig) seid, unbescholtene Kinder Gottes, inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter welchem ihr scheinet (Eig erscheinet, aufgehet) wie Lichter (O. Himmelslichter) in der Welt,

Elberfelder 1871 – Phil 2,12–15

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Phil 2,12 ὑπ-ηκούσατε Aor. -ακούω2 hören auf; gehorchen. παρ-ουσία (< πάρειμι [εἰμί] anwesend sein) Anwesenheit, Gegenwart. πολλῷ μᾶλλον noch viel mehr (vgl. A117). ἀπ-ουσία Abwesenheit. τρόμος Zittern, Beben; μετὰ φόβου καὶ τρόμου mit Furcht und Zittern = mit aller Ehrfurcht und Gewissenhaftigkeit. ἑαυτῶν gen. poss. (A154) steht betont: euer eigenes. κατ-εργάζεσθε Imp. -εργάζομαι vollenden, tun; hervorbringen, schaffen, sich mühen um; καθὼς πάντοτε … μὴ ὡς ἐν τῇ παρουσίᾳ μου μόνον ἀλλὰ νῦν πολλῷ μᾶλλον … κατεργάζεσθε wie ihr immer … (so) müht euch (weiter) um … nicht nur wie (damals), als ich (bei euch) anwesend war, sondern jetzt noch viel mehr …

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

13 Wir kommen zu der direktesten und prägnantesten Aussage des Neuen Testaments über das Paradox des menschlichen freien Willens gegenüber Gottes Vorwissen und / oder Vorbestimmung. Gott ist derjenige, der unter euch (Plural) arbeitet, sowohl der Wille als auch der Wirkt für das, was ihm gefällt. Es wäre eine Ablehnung von Gottes eigener Arbeit, die Arbeit, die ihm gefällt, nicht zu tun (Ep 2: 8–10 & N), und wir wissen aus Vers v. 3–4 dass es ihm gefällt, wenn die Gläubigen auf die Interessen des anderen achten.
In der King James Version wird der erste Satz wiedergegeben: „Es ist Gott, der in dir wirkt“, was darauf hindeutet, dass er in jedem Menschen arbeitet und es jedem Einzelnen ermöglicht, zu wollen und zu tun, was Gott gefällt. Auch diese Interpretation ist legitim.
Das Paradox der menschlichen Wahl wird im Tanakh deutlich, wenn Klagelieder 5:21 („Wende uns, Adonai, zu dir; und wir werden uns umdrehen.“) Neben Sacharja 1: 3 („Wende dich zu mir“, sagt Adonai) gestellt wird der Armeen des Himmels, ‚und ich werde mich an dich wenden.‘ ”). Rabbi Akiva drückt es noch prägnanter aus: „Alles ist vorgesehen und der freie Wille ist gegeben“ (Avot 3:15). In diesem Vers sehen wir, dass Gott nicht in den freien Willen eingreift, sondern denen hilft, die bereits versuchen, seinen Willen zu tun, um es besser zu machen.

Stern – Kommentar zum jüdischen Neuen Testament

Das Wörtchen ‚also‘ verbindet die Verse 12-13 mit den unmittelbar vorangehenden. Christus gehorchte dem Vater und führte seinen Plan bis zum Tod am Kreuz aus ( V. 8). Die philippischen Christen sollen sich nun um denselben Gehorsam bemühen und Paulus‘ Anweisungen, in denen er sich auf das Beispiel Christi stützt, befolgen.
Die folgende Ermahnung ist sehr direkt und deutlich formuliert, doch ihre Strenge wird gemäßigt durch die Zuneigung des Apostels, die in der Anrede „meine Lieben“ mitschwingt. Dieser liebevolle Ton rief in den Philippern zweifellos Erinnerungen an den ersten Besuch des Apostels und seines Mitarbeiters Silvanus wach. Damals hatte er sie zum christlichen Glauben hingeführt und bekehrt und eine Gemeinde in ihrer Stadt gegründet ( Apg 16,19-40 ). Sie waren seinen Anweisungen rasch und bereitwillig nachgekommen, als er bei ihnen war. An diese Bereitwilligkeit erinnert der Apostel sie nun und fordert dann von ihnen den gleichen Gehorsam auch jetzt, da er fern ist. Schon zuvor hatte er betont, daß seine Abwesenheit ihren christlichen Wandel nicht beeinträchtigen darf (Phil 1,27).
Die Forderung, die er im Hinblick auf ihre geistliche Weiterentwicklung und im Blick auf das Vorbild Christi an sie richtet, klingt hart: „Schaffet, daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.“
Dieser Satz wird allgemein so ausgelegt, daß es darin um die persönliche Rettung der Heiligen in Philippi geht. Sie werden aufgefordert zu „schaffen“, d. h. in ihrem alltäglichen Leben in die Tat umzusetzen, was Gott durch den Geist in ihnen bewirkt hat. Sie sollen ihre Rettung nicht selbst herbeiführen, sondern die Rettung, die Gott ihnen bereits geschenkt hat, in ihrem Leben Wirklichkeit werden lassen. Angesichts der Uneinigkeit und des Hochmuts, die offenbar in Teilen der Gemeinde herrschten, scheint diese Deutung richtig. Einige Gläubige in Philippi waren anscheinend nichts weniger als selbstlos und stellten die Bedürfnisse der anderen keineswegs über ihre eigenen (vgl. Phil 2,3-4).
Manche Exegeten verstehen Paulus‘ Aufforderung aber auch als Aufruf zu einem wirklichen gemeinsamen Leben der ganzen philippischen Gemeinde. Die Anhänger dieser These finden einen Anhalt im unmittelbaren Kontext des Abschnitts, denn Paulus wirft den Philippern hier vor, daß sich jeder nur um sich selbst kümmere (vgl. V. 4). In diesem Fall bezöge sich das „Seligwerden“ auf die Erlösung der gesamten Gemeinde aus ihrer Uneinigkeit, ihrem Stolz und ihrer Selbstsucht.
Vielleicht ist es am besten, beides in diesem Vers zu sehen – die Umsetzung der persönlichen Erlösung in die Praxis und die Rettung oder Befreiung der gesamten Gemeinde aus allem, was sie davon abhielt, den Segen Gottes in seiner ganzen Fülle zu erfahren.
Das Bemühen um diese Ziele soll „mit Furcht und Zittern“, d. h. in absolutem Vertrauen auf Gott, nicht auf sich selbst, geschehen.
Der einzige Weg zur Erfüllung der Forderung des Apostels führt über Gott, der die Christen dazu befähigen kann, nach seinem Willen zu leben ( V. 13). Paulus erinnert die philippischen Heiligen daran, daß Gott ja in ihnen wirkt und ihnen das Wollen und das Vollbringen schenkt, so daß sie ihm wohlgefällig leben können. Zu einem solchen Lebenswandel sind sowohl die göttliche Befähigung als auch die menschliche Verantwortung nötig. Die Gläubigen sind Partner Gottes, sie arbeiten mit ihm zusammen. Das Verb wirkt ( V. 13) ist gleichbedeutend mit „Kraft geben“ oder „befähigen“. Gott macht die Seinen bereit und willig dazu, sein Werk zu vollbringen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

„Also34, meine Geliebten“ – Paulus zieht in herzlicher Anrede an die Briefempfänger die Folgerung aus der Schilderung des Weges Jesu, ja eigentlich aus dem ganzen Abschnitt von 1,27 an, in dem auch 1,28 schon von der „Rettung“ die Rede war. Er wiederholt aber nicht die Mahnungen, denen er in dieser Schilderung den zusammenfassenden Abschluss gab, die Mahnungen zur Eintracht und liebevollen Demut, sondern knüpft an das an, was ihm jetzt an dem Bilde Jesu so wichtig wurde: an den Gehorsam. Er sagt den Philippern damit an sich nichts Neues, er ruft sie nicht jetzt erst zum Gehorchen. „Glauben“ und „gehorchen“ lagen für Paulus so unmittelbar nebeneinander, dass er die Formel „Glaubensgehorsam“ bilden konnte. Der Glaube wendet sein Vertrauen Dem zu, dem man nur gehorchend vertrauen kann. So hat Paulus alle Gemeinden grundlegend unterwiesen, |86| so hörten es auch die Philipper von Anfang an. Paulus kann ihnen darum bestätigen: „Wie ihr allezeit gehorsam wart.“
Wir freilich haben allen Grund, hier aufzuhorchen! Hier läuft eine klare und starke Linie des Neuen Testaments, die uns allzu fremd geworden ist. Wir sind durch eine einseitige Verkündigung daran gewöhnt, dass im Christentum doch nur um „Gnade“, um „Vergebung“, um „Geschenktbekommen“, um „Seligwerden“ geht. Wir halten es unsererseits schon für eine Art Entgegenkommen gegen Gott, wenn wir uns im Gegensatz zu so vielen andern dazu bereit finden lassen, diese Gaben Gottes anzunehmen. Dazu kommt ein zweites. Als es um 1800 zum ersten mal darum ging, dem „Christentum“, ja der „Religion“ überhaupt vor den kritischen Augen seiner „Verächter“ einen Platz zu sichern, da meinte Schleiermacher im „Gefühl“ den eigensten Bereich finden zu können, der der „Religion“ nicht genommen werden kann. Von da her drang weit ins Denken des modernen Menschen, auch in der Kirche, die Meinung, „Religion“ und „Christentum“ haben es mit Gefühlen und Stimmungen zu tun. Und nun mischte sich diese Auffassung mit jenen Restbeständen der reformatorischen Rechtfertigungslehre, mit „Gnade“ und „Seligwerden“, und prägte unsere unwillkürliche Einstellung dem Christentum gegenüber. „Erbauung“, „Erhebung“, „Trost“ sucht nun der heutige Mensch in der Kirche. Wie sollte er da für eine so nüchterne und harte Sache wie „Gehorsam“ aufgeschlossen sein?! Hier müssen wir in der Gemeinde tief eingewurzeltes falsches Denken überwinden. Dazu ist es wichtig, dass wir im Bild des Heilands den Gehorsam ganz neu sehen und neu begreifen, dass das „Gehorchen“ unlösbar mit dem „Glauben“ verbunden das Christsein ausmacht.35 |87|
Die Philipper waren allezeit gehorsam gewesen, natürlich nicht dem Paulus, sondern Gott und dem Herrn Jesus in Sein in Wort. Paulus selbst spielte dabei nur insofern eine R H, als er der „Bevollmächtigte des Christus“ war. Er war unter ihnen für den Herrn eingetreten und hatte Sein Wort bekräftigt und erläutert. So konnte es sein, dass „in seiner Anwesenheit“ das Gehorchen leichter und eifriger war. Mit Freude kann Paulus seinen „Geliebten“ das Zeugnis ausstellen, dass auch „jetzt viel mehr in seiner Abwesenheit“ der Gehorsam ihr Gemeindeleben prägte. Natürlich ist das „viel mehr“ nicht quantitativ zu verstehen. Die Philipper waren jetzt in des Paulus Abwesenheit nicht noch gehorsamer als früher, aber sie waren es jetzt „erst recht“. Dabei haben wir die ganzen Worte von „nicht wie … bis … meiner Abwesenheit“ als eine Zwischenbemerkung aufgefasst, die noch von „allezeit gehorsam wart“ abhängt. Man kann diese Worte aber auch bereits zum Nachsatz ziehen und ihnen in dem „schafft eure Rettung“ das Prädikat geben. Im lebendige Sprechen des Diktates ist dann unvermerkt der eine Gedanke und Satz in den anderen hinübergeflossen.
Ganz erstaunlich ist nun aber für uns diese Aufforderung. „mit Furcht und Zittern schafft eure eigene Rettung“; noch erstaunlicher ihre Begründung: „Denn Gott ist es, der da wirkt in euch sowohl das Wollen wie das Wirken.“
Wir haben zunächst den Eindruck eines uns ratlos machenden Gegensatzes gegen den Grundzug dessen, was wir als biblisch-reformatorische Verkündigung kennen. Sagen und hören wir es nicht mit aller Entschiedenheit, und zwar ganz einmütig, ob wir nun „Lutheraner“ oder „Reformierte“ oder „Pietisten“ sind: „Nichts kannst du machen mehr, Er hat’s gemacht; es ist vollbracht, es ist vollbracht“? Zu deiner Rettung kannst du auch nicht das Allergeringste beitragen, du kannst sie immer nur als freies Geschenk der allwirksamen |88| Gnade annehmen. Ja, selbst dies „annehmen“, dies „Glauben können“ ist nicht deine Leistung, sondern Gottes Werk im Heiligen Geist! Beruht darauf nicht die ganze Gewissheit unseres Heils? Und nun auf einmal „Schafft eure Rettung“, ja wörtlich beinah noch stärker „Erwirkt, erarbeitet eure Rettung“? Und dies so ernst, so entscheidungsschwer, dass es „mit Furcht und Zittern“ geschehen muss? Paulus, wie kannst du das sagen? Stößt du damit nicht alles um, was du uns sonst gelehrt hast? Was meinst du damit: Wie sollen wir das denn tun?
Fast noch ratloser macht es uns, wenn Paulus im selben Atem die uns gewohnte Vorstellung ebenfalls in aller Schroffheit danebenstellt: „Gott ist es, der da wirkt in euch sowohl das Wollen wie das Wirken.“ Jawohl, Paulus, da bist du wieder in deiner vertrauten Linie, das ist reformatorische Heilsbotschaft. Aber – wie kannst du beides zugleich aussprechen und nebeneinanderstellen?! Es kann doch immer nur das eine oder das andere gelten! Entweder Gott wirkt alles, objektiv das Heil und auch subjektiv das „Wollen“, dann haben wir doch nichts mehr zu tun, dann ist alles nur Gnade. Dann kann ich mir das Tun Gottes höchstens gefallen lassen und (wie die alten Dogmatiker sagten) „ keinen Riegel vorschieben“. Oder ich muss selber „meine Rettung schaffen“, dann ist es eben mein Tun und meine Sache, und die alten jüdischen Theologen hatten dann recht, wenn sie Gott nur als den Beurteiler dessen sahen, was wir Menschen unsererseits tun oder nicht tun. Dann versteht man auch das „mit Furcht und Zittern“, das zum „Gesetz“, aber nicht zum „Evangelium“ passt.
In diesen Bahnen klarer Logik ist die Theologie immer wieder gegangen, und das ist offenbar ihr großer Irrtum. So ist sie typisch eine „Theologia irregenitorum“, eine „Theologie der Nichtwiedergeborenen“, eine Theologie, die betrachtend von außen an Gott und Mensch als „Objekte“ ihrer Forschungen und Zergliederungen herantritt. („Theologe“ so oder so ist aber auch jeder „Laie“, der sich überhaupt über diese Fragen Gedanken macht und die Bibel nachdenkend liest.) Von „innen“ her, von der wirklichen Erfahrung im Heiligen Geist aus stellt sich alles ganz anders dar. So nämlich, wie Paulus es hier deutlich macht, indem er ja die beiden Aussagen gar nicht „nebeneinanderstellt“, sondern mit einem „denn“ ausdrücklich zueinander in Beziehung bringt, und zwar so, dass er unserm Schaffen mit Furcht und Zittern in dem Wirken Gottes seinen Grund gibt. Weil Gott selbst es ist, de sowohl das Wollen wie das Wirken in uns wirkt36, eben darum schafft nun mit Furcht und Zittern euer Heil. Unsere „Logik“ versagt hier, weil es sich um Lebensvorgänge handelt, die über alle Logik hinausgehen. Es kommt aber für unser persönliches Glaubensleben |89| und für unsern Dienst an andern Menschen alles darauf an, dass wir diese Lebensvorgänge recht erfassen und ihre seltsame eigene „Logik begreifen. Unsere Stelle wird so zu einer entscheidenden Probe für uns. Wer sich an ihr noch irgend stößt, wer noch nicht innerlich sagt: Ja, ja, gerade so muss es sein!, wer hier noch etwas von einem „Widerspruch“ empfindet, der muss sich fragen, ob er das Evangelium nicht auch noch „von außen“ betrachtet und sich nur Theoretisch in seine Botschaft hineingedacht, aber die wirklichen Vorgänge der Heilserfahrung noch nicht durchlebt hat. Er wird ja nicht nur vor unserer Stelle ratlos stehen, sondern im ganzen Neuen Testament damit zu tun bekommen, dass immer wieder die große „reformatorische“ Linie: Gott allein wirkt alles, alles ist nur Gnade, der Mensch ist nichts! durchkreuzt wird vom ernstesten Appell an des Menschen entscheidungsvolles Tun. Er wird sich dem Ganzen des Neuen Testaments gegenüber freilich damit zu helfen suchen, dass er Stellen der letzteren Art unwillkürlich nicht so ganz ernst nimmt, sie beiseite setzt, sie nur „pädagogisch“ als Hinführung zum Verzagen des Menschen an sich selbst versteht oder gar als noch nicht voll „evangelische“ Schicht des Neuen Testaments entwertet. Nur das, was das Neue Testament von der Alleinwirksamkeit Gottes und der völligen Passivität des Menschen lehrt, ist eigentliches Gotteswort, nach dem alles andere bewertet werden muss. Aber – bei unserm Text kann man sich so nicht helfen. Zu klar und eindeutig steht es hier: Gott allein wirkt und gibt das Wollen und Wirken, aber gerade darum ist der Mensch nicht passiv, bedeutungslos, sondern zur höchsten verantwortlichen Aktivität gerufen!37
Wir haben eine wichtige Parallele zu unserm Text, nur vom persönlichen Glaubensleben auf den Verkündigungsdienst hinübergewendet, in 1 Kor 2,1-6. Wir finden dort das gleiche „Furcht und Zittern“.38 Der Glaube der Korinther soll nicht „auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft“ beruhen. Es kommt daher in Korinth alles auf Gottes eigenes Wirken, auf „die Erweisung von Geist und Kraft“ an. Nun, dann kann ja wohl Paulus ruhig und gelassen nach Korinth gehen. Entweder Gott wirkt, Geist und Kraft Gottes schaffen Glauben, dann ist es gut ohne des Paulus Zutun, oder Gott wirkt nicht, dann kann Paulus auch weiter nichts machen. Nein, mit der gleichen „Logik“ wie an unserer Stelle tut Paulus seine Arbeit in Korinth „mit Furcht und Zittern“, gerade weil dort Gott Selbst am Werk ist. |90| Er ist in Korinth mit Furcht und Zittern, nicht weil ihm die Erweisung von Geist und Kraft fehlt, sondern weil sie hier, wie stets in seiner Missionsarbeit (einschließlich Athen!), da ist.
Die Lösung der Sache ist im Grunde ganz einfach, sobald wir uns nur von der alten römischen Vorstellung der „gratia infusa“, der „eingegossenen Gnade“ ganz haben lösen lassen, die uns zu bloßen, toten Gefäßen und die göttliche Gnade zu einer Art Substanz macht. Gott achtet uns in Seinem Wirken als lebendige Personen! Er wirkt daher in uns nicht irgendwelche ruhenden Qualitäten, sondern wie es unsere Stelle so klar sagt, „Wollen“. Wozu aber ist „Wollen“ da? Eben dazu, dass nun auch wirklich und mit Ernst „gewollt wird“! Es ist auf dem Gebiet der Gnade und des Heiligen Geistes gar nicht anders wie im Gebiet der Schöpfung. Nicht du macht’s dir Augen und erarbeitest dir des Sehen. Das sehende Auge ist Gottes wunderbare Gabe allein. Aber da du nun diese Gabe hast, nun allerdings sieh auch wirklich, brauche dein Auge, es ist deine eigene höchste Verantwortung, wie du mit deinem Auge umgehst, was du siehst und wie du siehst! Erst recht ist es so beim höchsten und herrlichsten Geben Gottes in der Errettung des Menschen. Unsere Stelle zeigt, wie weit Paulus von einer bloßen „forensischen Rechtfertigung“ entfernt war. Gott versetzt nicht einen unveränderten Menschen lediglich in einen „Gnadenstand“, sondern Gott begnadigt so, dass Er ein neues Wollen im Menschen schafft. In der Tat, keiner von uns kann auch nur ein Verlangen nach Rettung im Herzen haben, wenn Gott ihn nicht zu vor aus dem „Totsein in Sünden und Übertretungen“ (Eph 2,1) erweckt und zum Heil hinzieht. Aber jedem, in dem Gott das getan hat, muss nun mit tiefem Ernst gesagt werden: Nun spiele nicht mit diesem Zug zum Heil, nun folge ihm wirklich, versäume diese Gnadenstunde nicht, gerade weil es nicht nur deine eigene „Stimmung“, dein eigener „Einfall“, sondern im Ernst Gottes Wirken an deinem Herzen ist. Von Gott gewirktes Wollen – welch eine Verantwortung legt das auf uns! Wie können wir dieses Wollen wahrlich nur „mit Furcht und Zittern“ in heiligem Ernst ausnutzen! Dies wiederholt sich auf allen Stufen des Glaubenslebens, vom „Wollen“ bis zum vollen „Wirken“. (Vgl. Rienecker „Bibl. Kritik am Pietismus [1952] S. 72ff.)
Gerade weil Gott an den Philippern so viel getan hat, weil in ihrem jetzigen Glaubensstand lauter lebendige, herrliche Gnade Gottes sichtbar wird, weil dieser ihr Glaubensstand nicht ihr eigenes Machwerk, sondern Gottes eigenes Werk ist, eben darum dürfen sie damit nicht sorglos umgehen, dürfen Gottes Werk nicht verderben, sondern müssen an ihre Rettung ein ganzes, entschlossenes Handeln setzen, indem sie ständig voll in dieser Gnade leben, mit diesem von Gott gewirkten Willen wirklich und beharrlich wollen, das von Gott ihnen geschenkte Wirken in ganzem Gehorsam zur Durchführung bringen. Das Bild Jesu, das Paulus den Philippern eben gezeichnet hat, steht ihm selbst sicher noch vor Augen. Auch der Sohn hat alles, |91| was Er ist und hat, allein vom Vater als Gabe Seiner Gnade und Liebe. Aber dadurch wurde der Sohn nicht untätig, nicht ein genießender Besitzer schöner und erfreulicher Gaben, sondern ging damit den gewaltigen Dienst- und Gehorsamsweg, nicht um mit solchen „Leistungen“ der „Sohn“ zu werden, sondern eben weil Er es war. So sieht Paulus den Weg seiner „Geliebten“ in Philippi. Die freie, wirkende Gnade Gottes, die dort ohne jedes Werk und Verdienst von Menschen verlorene Sünder errettet hatte, darf die Philipper nicht zur Lässigkeit verführen, sondern muss sie in die höchste Anspannung versetzen: Weil Gott das Wollen gab, darum wollt nun auch mit aller Kraft; weil Gott das Wirken verließ, darum wirkt nun auch mit allem Gehorsam!39
Wann werden wir das den Gemeinden (und uns selber!) wieder klar sagen, anstatt sie (und uns!) mit einer falschen Gnadenlehre aus einer irrigen Theologie heraus zu Tode zu trösten.
Der Zusatz „des Wohlgefallens wegen“ ist so in wörtlicher Übersetzung stehen gelassen, weil seine Auslegung nicht eindeutig vollzogen werden kann. In dem griechischen „hyp’er“ = „für“ kann das Ziel ebenso wie der Grund einer Sache ausgesprochen sein. Paulus kann also hier gemeint haben: Handelt so, um das göttliche Wohlgefallen zu erlangen.40 Aber Gottes „Wohlgefallen“ ist doch wahrscheinlich als Sein „Gnadenratschluss“, Sein freier, nur in Seinem eigenen Gefallen begründeter Beschluss zu verstehen und dann auf das Wirken Gottes im Geben des Wollens und Wirkens zu beziehen. Dann will Paulus hier – wie er es oft tut – an das Geheimnis erinnern, das für uns immer über dem Gnadenwirken Gottes liegt. Weil das „Gnade“ ist, kann es nicht in irgendwelchen Vorzügen der Empfänger begründet sein. Warum ist diese Gnade des Wollens und Wirkens gerade den Philippern, gerade diesen wenigen Menschen in Philippi zuteil geworden? Wir können hier zwar auch wieder nicht mit unserer „Logik“ operieren und nach der andern Seite hin feststellen: Den andern hat Gott sogar das „Wollen“ versagt, Er hat sie also zur Verdammnis bestimmt. Aber im Blick auf den lebendigen Gnadenstand bei uns oder andern können wir in der Tat immer nur anbetend sagen: Es geschah in keiner Weise um irgendeines Vorzuges willen, den wir selber an uns hatten, sondern „des Wohlgefallens wegen“, weil es Gott so gefiel, weil Seine freie Gnade es so wollte. Und eben dies erhöht unsere Verantwortung, eben dies lässt |92| uns erst recht „mit Furcht und Zittern“ in vollem Einsatz das verwerten, was Gott uns nach ewigem Gnadenratschluss gab. Welch ein Gericht lüden wir auf uns, wenn wir das versäumten und nicht recht benutzten, was Gott in so freier Güte in uns weckte und schuf! Davor will Paulus seine geliebten Philipper bewahren.
Nun wird das „Schaffen der Rettung“ näher beschrieben. „Alles tut ohne Murren und Bedenken.“ Wir müssen wieder daran denken, dass das „ihr“ in solchen Aufforderungen sich nicht an eine bloße Vielzahl von lauter einzelnen wendet, die jeder für sich das Geforderte fertigbringen sollen, sondern an die Bruderschaft einer Gemeinde. In der Bruderschaft kann und soll der Wille Gottes für heute hier und so klar erkannt werden, dass das Gehorchen „ohne Bedenken“ in voller Gewissheit erfolgen kann. „Bedenken“ hemmen und lähmen. „Bedenken“ zeigen, dass ich in meinen Entschlüssen noch bei mir selber bleibe und nicht unter der deutlichen Führung meines lebendigen Herrn lebe. Das braucht nicht so zu sein! Paulus kam nach Philippi nicht unsicher und fragend, sondern „gewiss, dass uns der Herr dahin berufen hätte, ihnen das Evangelium zu predigen“ (Apg 16,10). Neben den „Bedenken“ kann sich in unserm Herzen auch ein willentlicher Einwand gegen Gottes Weisung erheben. Gottes Weg ist zu schwer, Gott verlangt zuviel von uns. Das ist das „Murren“, das laut werden kann, aber auch tief im Herzen verborgen unsern Gehorsam entwertet und lähmt. Da Gott selbst es ist, der das Wollen und Wirken in uns schafft, dürfen wir dies von Gott verliehene Wollen und Tun festhalten und durchführen, und es darf einen redlichen und völligen Gehorsam „ohne Murren und Bedenken“ geben. So „perfektionistisch“ dachte Paulus! Oder sollte er den Philippern diese Sätze mit dem Hintergedanken geschrieben haben: So wird es tatsächlich natürlich nie, wir bleiben alle die elenden Sünder, die das Murren und Zweifeln nie loswerden? Es öffnet sich hier eine weite biblische Perspektive, die einem Paulus, der 1 Kor 10,1-11 schrieb, bei diesen Worten sicher mit vor Augen gestanden hat. Das Volk Israel war durch Gottes mächtige Gnade aus „Ägypten“ errettet, um nun in Vertrauen und Gehorsam dem lebendigen Gott zu gehören. Da aber begann erschütternd rasch das „Murren“, als nun der Weg mit Gott sehr anders wurde, als menschliches Wünschen es sich gedacht hatte: 2 Mo 16,2-9; 17,1-7; 4 Mo 11,1; 14,27-32; 16,11; 17,6; Ps 106,24.25. So steht in der Geschichte der Wüstenwanderung des befreiten Volkes das „Murren“ als der eigentliche Gegensatz zum „Glauben“ und verhindert die Erfüllung des göttlichen Heilsplanes, so dass die wunderbar Erretteten doch nicht zur „Ruhe“ in das Land der Verheißung kommen konnten (Heb 3,7-19). Alles kommt darauf an, dass das Gottesvolk des Neuen Bundes nicht der gleichen Versuchung unterliegt, zumal sein Weg erst recht durch „Trübsale“ hindurchgeht (Apg 14,22). Es ist darum nicht nur eine einzelne Mahnung am Rande, sondern zentrale Abwehr der entscheidenden Gefährdung des Glaubensgehorsams, wenn Paulus den von Widersachern |93| bedrängten Philippern schreibt: „Alles tut ohne Murren und Bedenken“. Israel wurde mit seinem ständigen Murren zu dem „verkehrten Geschlecht“, von dem schon Mose sprach. Die Gemeinde aber darf diesem verkehrten Geschlecht gegenüber die Schar der echten und gehorsamen Söhne bleiben.
Ja, als ernsthaftes Ziel hat Paulus es seinen Geliebten gesetzt: „Damit ihr werdet ohne Tadel und ohne Falsch, „fleckenlose Kinder Gottes’ mitten unter „einem krummen und verkehrten Geschlecht’.“ Was hier mit „ohne Falsch“ übersetzt ist, ist eigentlich ein Eigenschaftswort mit der Bedeutung „unvermischt“. Wieder werden wir von unserer gewohnten Theologie her meinen, unser Zustand bleibe doch immer ein sehr „gemischter“; auch im Christen bleibe Gutes und Böses, Göttliches und Sündliches miteinander verbunden. So sei es doch einfach unser aller Erfahrung. Das mag sein. Das darf uns aber nicht hindern zu sehen, dass Paulus offensichtlich anders gedacht hat. Oder wollen wir Paulus im Ernst als einen volltönigen Redner verstehen, der im erbaulichen Stil Worte sagt, die er selber so ernst nicht meint? Legen wir ihn richtig aus, wenn wir ein unausgesprochenes „möglichst“ in den Satz einschieben? „Müht euch darum, ohne Tadel und ohne Mischung zu werden, auch wenn ihr das selbstverständlich niemals wirklich erreicht?“
In diesem Gehorchen verwirklicht die Gemeinde das, was schon das Alte Testament ausgesprochen hat. Im Liede Moses wird Israel ein „krummes und verkehrtes Geschlecht“ genannt (5 Mo 32,5), weil es Gottes Treue und Herrlichkeit mit Undank und Ungehorsam vergilt. Paulus wird darum sicher auch hier an sein eigenes Volk denken, das sich auch der Christusbotschaft gegenüber wieder in seiner ganzen Verkehrtheit zeigt.41 Aber die Gemeinde Jesu ist nicht dazu errettet, damit auch sie wieder „krumme Wege“ geht und auch wieder Gotteskindschaft und sündliches Tun verbindet, wie Israel es getan hat, sondern damit in ihr „fleckenlose Kinder Gottes“ zeigen, wie man Gott wirklich ganz gehorcht und Seine guten und „geraden“ Wege „ohne Murren und Bedenken“ geht. Im Schreiben an die Philipper wird Paulus natürlich nicht vergessen haben, dass gerade in der dortigen Stadt und Gemeinde das Judentum keine Rolle spielte. Was ein „krummes und verkehrtes Geschlecht“ ist, hatten die Philipper aber an ihren Stadtgenossen genügend vor Augen. Was jene „Herren“ taten, als sie ihren Ärger über das Aufhören einer Geldquelle zu lauter sittlicher Entrüstung treuer Römerherzen gegen die fremden „jüdischen“ Prediger werden ließen, um diese Männer ohne Untersuchung wider Recht und Gesetz schlagen und einsperren zu lassen (Apg 16,19-24), war ja wirklich „krumm“ genug. Wieviel Ähnliches mögen die Philipper an ihren „Widersachern“ (1,28) selbst erlebt haben. In diesem Philippi sollen die „Heiligen in Christus Jesus“ (1,1) nicht nur den Stand der Zugehörigkeit zu Gott haben, sondern |94| auch tatsächlich als „fleckenlose Kinder Gottes“ leben, so dass sie im Dunkel ihrer Umgebung „strahlen wie Sterne im Weltall“.42
Wieder werden wir voller Bedenken sein: Erzieht Paulus seine Leute nicht zu Pharisäern? Und kann man das überhaupt im Ernst einer Gemeinde zumuten, einer Gemeinde von Menschen, die doch immer ganz und gar Sünder bleiben? Ein moderner Theologe würde also lieber schreiben: „Bleibt euch stets bewusst, dass ihr euch faktisch in nichts von dem Volk unterscheidet, unter dem ihr lebt; ihr seid nicht anders und nicht besser als die Menschen um euch, nur dass ihr von der Gnade Dessen wisst, der euch Sünder gerecht spricht und euch nach dem Tode einmal als fleckenlose Kinder Gottes in einer neuen Welt neu schaffen wird.“ Es entspricht das vielleicht wieder unserer Erfahrung an uns und den heutigen Gemeinden. Aber wieder haben wir zu sehen, dass Paulus selbst grundanders schrieb, und haben uns mit viel Beten und Ringen mit dem auseinanderzusetzen, was das Haupt der Gemeinde im Heiligen Geist seinen Bevollmächtigten Paulus den Philippern tatsächlich schreiben ließ.
Aber wie können denn nach des Paulus Überzeugung die Philipper das große Ziel erreichen, das Paulus ihnen steckt? „Das Wort des Lebens festhaltend!“ Nicht in sich selbst haben sie die Leuchtkraft als „Sterne“, nicht aus sich selbst können sie das rechte Handeln „ohne Murren und Bedenken“ finden, nicht von sich aus, „ohne Tadel und ohne Falsch fleckenlose Kinder Gottes“ sein. Aber „das Wort“ ist bei ihnen. Es ist nicht ein totes Wort, sondern „das Wort des Lebens“. Es gibt das Leben, weil es selbst voll Leben ist. Dies Wort „festzuhalten“, das ist die eine einfache und doch alles in sich schließende Aufgabe. Wie meinte Paulus das aber ganz praktisch und konkret, „das Wort des Lebens festhalten“?43 Wir denken heute sofort an die Bibel und tun wohl daran. Aber es ist uns zugleich heilsam, daran erinnert zu werden, dass es einerseits eine Schriftgelehrsamkeit gibt, die bei aller gewollten Bibeltreue doch den Christus verkannt und an das Kreuz geliefert hat, und dass andererseits die Philipper die Bibel in unserm heutigen Sinn gar nicht hatten! Ob sie auch nur alle Schriftrollen besaßen, die heute unser „Altes Testament“ bilden, ist fraglich. Keinesfalls aber hatten sie alle auch nur die wichtigsten Rollen als persönliches Eigentum zum täglichen Gebrauch |95| zu Hause.44 Und ein „Neues Testament“ existierte noch nicht.45 Das „Wort des Lebens“ wird aber wie Kol 3,16 vor allem „das Wort des Christus“ sein. Es galt von den Gemeindegliedern damals ganz anders als von uns das, was von Maria gesagt ist: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19). Das lebendig verkündigte, lebendig aufgenommene, im Herzen behaltene und bewegte Wort, das war „das Wort des Lebens“. Wir wollen ermessen, was Gott uns damit geschenkt hat, dass heute jeder in der Gemeinde persönlich den ganzen Reichtum der alt- und neutestamentlichen Schriften bequem gedruckt in einem einzigen Buch besitzen darf. Aber wir wollen die große Gefahr nicht verkennen, dass wir im sicheren Besitz dieses Buches doch das „Wort des Lebens“ viel weniger haben und festhalten als jene Gemeinden, die ohne Druckwerk das gehörte Wort im Herzen als wirkliches, lebendiges Eigentum besaßen. Luther hat mit seinem erleuchteten Durchblick schon etwas Wesentliches getroffen, wenn er schreibt: „Evangelium aber heißet nichts anderes, denn eine Predigt und Geschrei von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, durch den Herrn Jesum Christum mit seinem Tode verdienet und erworben, und ist eigentlich nicht das, das in Büchern steht und in Buchstaben verfasset wird, sondern mehr eine mündliche Predigt und lebendig Wort, und ein Stimme, die da in die ganze Welt erschallet und öffentlich wird ausgeschrien, dass man’s überall höret.“ (WA 12 S. 259)

Am Wort des Lebens festhalten und damit ihre Rettung schaffen, das ist die Aufgabe der Philipper. Und diese Aufgabe steht46 ganz im Licht des „Tages des Christus“. Auf diesen Tag zielt alles Denken und Tun. Auch hier wieder verwundert uns das, was Paulus schreibt. So wie er in Phil 1,10.11 damit rechnete, dass die Gemeinde nicht arm, leer, befleckt, nur eben „aus Gnaden“ doch angenommen, sondern „lauter und unanstößig“, „erfüllt mit Frucht der Gerechtigkeit“ vor Christus dastehen werde, so erwartet er hier auch für sich selbst, dass er dann einen „Grund zum Ruhm“ haben wird: „Zum Grund des Ruhmes für mich auf den Tag des Christus, weil ich nicht vergeblich lief und auch nicht vergeblich arbeitete.“ Wir vermissen wieder die uns notwendig scheinende „Demut“, die etwa so sprechen müsste: „Mein armes, unbrauchbares Werk wird der Herr hoffentlich doch in Gnaden ansehen“. Paulus schreibt aber anders. Er will sich fröhlich |96| seiner Arbeit an der Gemeinde als einer gelungenen rühmen können! Damit er das aber an jenem Tage kann, muss die Gemeinde jetzt schon in klarem und kraftvollem Leben stehen und darin ernstlich vorankommen. Jene anspruchsvolle Bescheidenheit, die es in ihrer Arbeit hier zu nichts bringt, aber sich dabei damit tröstet, dass „die Ewigkeit schon die Frucht offenbaren werde“, kennt Paulus nicht. Wenn die Philipper das Wort des Lebens nicht festhalten und ihre Rettung nicht mit Furcht und Zittern schaffen, dann hat er „vergeblich“ gearbeitet und ist „vergeblich gelaufen“, wie ein Wettläufer, der den Preis nicht erhält. Dann wird auch „die Ewigkeit“, oder biblisch richtiger: „der Tag des Christus“ nichts anderes offenbar machen. Es ist im Neuen Testament alles viel einfacher und realer als in unserer problematischen Glaubenswelt.47
Indem Paulus von seinem Lauf und seiner Arbeit redet, denkt er erneut daran, dass er vielleicht schon an ihrem Ende steht. Was er vorher in 1,25.26 schrieb, ist nicht mehr als eine persönliche „Zuversicht“. Sein Prozess hat die Krise noch nicht hinter sich und kann mit dem Todesurteil enden. Dann wird er von den Soldaten aus dem Prätorium hinausgeführt werden, und einer der Soldaten wird ihm mit dem Schwert den Kopf abschlagen, so dass sein Blut sich ergießen wird. Indem Paulus diese Möglichkeit innerlich vor sich sieht, entfaltet sich in der Genialität der Liebe und des Heiligen Geistes in seinem Herzen ein Bild für dieses Geschehen, in dem seine ganze echte Demut und seine ganze liebevolle Schätzung der Gemeinde zum Ausdruck kommt. Wenn wir die Opfervorschriften, etwa in 2 Mo 29,36-41. lesen, so sehen wir, dass das Opfer der beiden Lämmer, die täglich morgens und abends auf den Altar kommen sollten, von einem „Trankopfer“ ausgegossenen Weines begleitet war. Auch das Heidentum, aus dem die Philipper kamen, kannte solche „Trankopfer“, die dem Hauptopfer hinzugefügt wurden. Die Gemeinde Jesu kennt keinerlei Opfer mehr, weil Er, der ewige Gottessohn, der große Hohepriester, alle Opfer in Seinem Selbstopfer erfüllt und damit beendet hat. Und doch darf auch sie Gott mit einer Gabe ehren: Ihr „Opfer“ ist ihr Glaube, mit dem sie sich Gott ganz ergibt. So hat Paulus sich selbst als opfernden Priester gesehen: „als Priester des Christus Jesus den Heiden gegenüber, der den priesterlichen Dienst tut am Evangelium Gottes, damit die Darbringung der Völker wohlgefällig wäre, geheiligt durch den Heiligen Geist“ Röm 15,16. Der Glaube der Philipper, in welchem sie mit Furcht und Zittern ihre Rettung schaffen und fleckenlose Kinder Gottes werden, ist das eigentliche große Opfer, das Paulus darbringen kann. Wenn er hingerichtet wird, dann ist das Ausströmen seines Blutes wie das begleitende Trankopfer dazu. Die falsche Bescheidenheit – das sahen wir mehrfach – kennt Paulus nicht, aber wie echt demütig ist dies gesagt! |97| Nicht sein Märtyrertod ist die große Sache, das wahre Opfer, neben dem das bloße Glauben der Philipper verblasst, sondern umgekehrt: Sein Märtyrerblut ist nur eine Zugabe, ein „Trankopfer“.
Wenn es so ausgehen sollte, dann erschrickt und trauert Paulus nicht. Mit Freude ist er zu diesem Weg bereit. Und zwar jetzt nicht mehr nur, weil er dann „mit Christus zusammen“ ist, was so sehr viel besser wäre, sondern jetzt auch, weil er dem Herrn auf diese Weise eine ganze Gabe, ein volles Opfer darbringen kann. Halten die Philipper das Wort des Lebens fest, stehen sie im ganzen, ungemischten Gehorsam des Glaubens, dann findet das Opfer Jesu, der in Gestalt Gottes wesend doch sich zu nichts machte, Sklavengestalt annahm und gehorsam bis zum Kreuzestode wurde, die dankende, wahre Antwort, zu der Paulus mit seinem Blut das Amen hinzusetzt. Was wäre da irgend zu beklagen und zu betrauern? Da kann Paulus sich nur freuen und mit den Philippern freuen. Darum bittet er auch die Philipper: Wenn die Nachricht seiner Hinrichtung nach Philippi kommt, dann sollen sie nicht verstört und traurig sein, sondern sich mit ihm an diesem vollendeten Opfer freuen, das den Namen Jesu verherrlichen darf.

Wuppertaler Studienbibel

Dadurch, dass Paulus die Liebe, in der die Gemeinde verbunden ist, auf das Werk Jesu gründet, tritt auch ihre Liebe unter die Gehorsamspflicht. Mit ihr erfüllt sie das ihr von Jesus gegebene Gebot und tritt auf seinen Weg. Sie hat aber an Jesus vor Augen, wie tief der Gehorsam beugt und wie hoch er erhebt. Paulus freut sich, dass er die Gemeinde nicht erst jetzt zum Gehorsam zurückrufen muss; sie braucht nur fortzusetzen, was sie bisher getan hat. Weil auch damals, als er bei ihnen war, der Gehorsam der Philipper echt und nicht nur auf seine Anwesenheit berechnet, sondern eine völlige Unterwerfung unter den Willen Gottes gewesen war, hat er auch standgehalten, als Paulus von ihnen schied und sie sich selbst überlassen waren; in seiner Abwesenheit gilt es für sie erst recht, dass jeder Ungehorsam für sie verderblich wäre und nichts als der Gehorsam für sie die Rettung ist. Wäre er bei ihnen, so hülfe er ihnen zurecht, machte ihre Hoffart nüchtern und weckte sie aus ihren selbstsüchtigen Gedanken auf. Dann könnten sie sich an ihn anlehnen und seiner Leitung folgen. Jetzt aber, da sie allein für ihre Gemeinschaft miteinander und für jedes Glied der Gemeinde sorgen müssen, besteht die Hilfe für sie darin, dass sieaufrichtig und ganz gehorsam sind. Dadurch bewirken sie ihre Rettung, ihren Eingang in das ewige Leben, ihren Anteil an alledem, was die ewige Gnade Gottes ihnen schenkt. Sie brächten sich um ihr Heil, wenn sie miteinander zankten, einander bedrückten und entehrten und die Gemeinde zerfallen ließen. Freilich soll jeder auf sich achten und auf das bedacht sein, was ihm selber nötig ist, aber so, dass er sein Heil schaffe; und das tut er nicht, wenn er sich selbst erhöht. An ihr ewiges Ziel sollen die Philipper ihre ganze Sorgfalt wenden. Stolz und Sicherheit haben hier keinen Platz, nur der gesammelte Ernst, der jeden Fehltritt fürchtet. Die Größe des Ziels verlangt von ihnen die Furcht und das Zittern.

Die Philipper müssen ihr Heil wirken und können es nicht in untätiger Ruhe empfangen; es kann nicht nur ein Geschenk für sie sein, obwohl es vollständig Gottes Werk und Gabe ist. Warum das so ist, hat ihnen Paulus soeben am Spender des Heils, am Christus selbst, gezeigt. Seine Erhöhung ist ganz und gar Gottes Werk. Vor dem am Kreuz Gestorbenen werden nur deshalb alle sich beugen, weil Gott ihm den Namen gibt, den alle bekennen. Das wird Jesus nicht wie ein Raub zuteil, sondern deshalb, weil er gehorcht und ganz gehorcht hat. Einen anderen Anteil an der Gnade Gottes kennt Paulus auch für die Christenheit nicht als den, der sie zu Tätern des göttlichen Willens in der Liebe macht. Sie kann aber ihr Heil deshalb wirken, weil Gott in ihr wirkt; sonst würde sie nur Unheil anrichten, sich nur Verderben bereiten; eben deshalb, weil Gott in ihr wirkt, muss sie es mit Furcht und Zittern wirken. Denn da, wo Gott sein Werk tut, hört die stolze Sicherheit auf, und die Lust am Sündigen, der das Böse keine Angst bereitet, muss weichen. Die Gnade ist für uns der stärkste Antrieb zur rechten Furcht; denn wer sie kennt, will sie nicht verlieren; er weiß aber, dass sie durch den Ungehorsam verlorengeht.

Gott bietet uns alles dar, den Willen und das Werk. Wäre seine Gabe unvollständig, so gelangten wir nicht zum Heil. Nur die vollkommene Gnade verschafft uns den Grund, auf dem wir unseren Gehorsam aufbauen können. Vor allem brauchen wir einen solchen Willen, wie Gott ihn uns gibt, der unser sündliches Begehren richtet und zerbricht und das will, was vor Gott gut ist. Wie sollten wir ohne Willen lieben? Wir brauchen aber auch das Werk; denn ein Wille ist nichts, wenn er nichts tut. Ohne die Tat wird aus dem Vorsatz eine Lüge, aus der Neigung eine Tändelei. Aber Gott bereitet alles in uns; er erweckt die Freude an ihm, gibt uns das Auge für ihn und wendet unsere Liebe zu ihm. Ebenso führt er uns in die Arbeit und gibt uns die Werke in die Hand, durch die wir unseren Gehorsam bewähren. So gnädig handelt er an uns, damit geschehe, was ihm wohlgefällt. Er vollführt dadurch seinen eigenen gnädigen Rat.

Wer noch fragte, warum denn durch die Vollständigkeit des göttlichen Wirkens die Furcht nicht ausgeschlossen und die dringende Mahnung: Schafft eure Rettung! noch nötig sei, der vergäße, dass uns Gott einen Willen gibt, nicht nur Zustände, die über uns kommen, oder Eigenschaften, die an uns haften. Uns selbst führt er in seine Gnade ein dadurch, dass er unseren Willen mit dem seinen einstimmig macht. So steht unser Heil in der Tat auf unserem Willen, und die Gefahr kommt an uns heran, dass wir fallen, unseren Willen gegen Gott wenden und den Willen wegwerfen, den er uns gibt; dann bleibt auch das Werk ungetan, das er uns bestimmt hat. Dann verweigern wir dem Willen, den er in uns schafft, den Gehorsam. Weil Gott uns, nicht etwas an uns, sondern uns mit der uns gegebenen Willensmacht in seine Liebe zieht, darum haben wir uns zu fürchten; wir haben sorgsam darauf zu achten, ob wir Gott gehorchen und unseren Willen von ihm empfangen oder eigenwillig sind. Gerade deshalb, weil Gott alles, das Wollen und das Wirken gibt, gibt es nichts, was uns helfen kann, wenn wir uns Gott entziehen.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Wie viel Unheil gestiftet werden kann, wenn Bibelverse für sich allein, aus dem Zusammenhang gerissen, gelesen werden, lässt sich an Vers 12 erahnen. Wie viele seelsorgerliche Nöte sind entstanden, weil einer dieses Wort: »Schaffet euer Heil mit Furcht und Zittern« gelesen hat, ohne auf den Zusammenhang zu achten. Vers 12 kann nicht ohne Vers 13 gelesen werden! Sonst muss ein verzerrtes Bild entstehen, aus dem die Werkgerechtigkeit folgt. Dieser zwölfte Vers sollte aber ebenfalls nicht ohne den fünften Vers gelesen werden. Der Eindruck, den moderne Übersetzungen vermitteln, dass Paulus hier mit einem neuen Einsatz beginnt, trügt. Das »Damit« am Anfang des Verses weist zurück auf die Aufforderung in Vers 5: »Ein jeglicher sei gesinnt wie Jesus Christus auch war. Dass diese Gesinnung sehr stark mit dem Gehorsam zusammenhängt, wurde aus den Versen 6-11 deutlich. Daran knüpft die Rede vom »Gehorchen« hier an. Paulus ruft die Gemeinde in Philippi weiterhin zum Gehorsam auf. Dabei geht es nicht um etwas Neues. Die Gemeinde hat ihren Gehorsam gezeigt, noch als Paulus bei ihnen war, aber auch zu allen anderen Zeiten. Hier geht es um den Gehorsam im Blick auf die Lösung des besonderen Problems in Philippi.

Die Gemeindeglieder sollen gerade in ihren Streitigkeiten den Sinn Christi sich zu eigen machen. Setzen sie ihre eigenen Interessen über die Interessen der Gemeinde – und das bedeutet über die Interessen Christi – dann haben sie den Heilsweg verfehlt und befinden sich nicht mehr in der Nachfolge. Die Aufforderung, ihr eigenes Heil zu schaffen, ist bedeutungsgleich mit der Aufforderung, gehorsam zu sein. Der Gehorsam soll ja nicht Paulus zuliebe geschehen. Vielmehr wirkt Gott in uns so, dass wir auf sein Wort hören und gehorsam das tun bzw. lassen, was seinem Willen entspricht. Das Heil wird keineswegs verdient. Dieser Gedanke ist nirgends in diesen Versen zu finden. Aber ebenso wenig wie das Heil verdient wird, wird es außerhalb der Nachfolge und des Gehorsams empfangen. Das Heil ist und bleibt Geschenk. Wie aber alle Geschenke, so will auch das Geschenk der Gnade angenommen werden. Die Begriffe »Gehorsam« und »Gnade« schließen sich gegenseitig nicht aus. Vielmehr stehen sie in einer engen Beziehung zueinander. Wo kein Gehorsam ist, ist Gnade notwendig, aber wo Gnade angenommen wird, wird Gehorsam folgen.

Auch im Deutschen können wir den Gehorsam umschreiben mit der Wendung »hören auf etwas«. Dies ist die Grundbedeutung des griechischen Wortes. Es ist ein Grundsatz der frohen Botschaft, dass sie uns aus Gnaden frei verkündigt wird. Doch wie Römer 10,13ff. zeigt, kommt es darauf an, dass diese Botschaft gehört und angenommen wird. Gehorsam ist die Annahme der Botschaft. Wir könnten auch sagen, dass Gehorsam die Antwort auf die Verkündigung der frohen Botschaft ist.

Wir erleben eine zunehmende Abneigung gegenüber dem Begriff Gehorsam. Unsere Ideale, wie Freiheit und Selbstentfaltung, finden darin keinen Platz.

»Gehorsam« in der Sprache der Bibel setzt aber menschliche Freiheit voraus. Gehorsam ist die freie Antwort auf das Wort Gottes. Es geht hier um eine Beziehung in beide Richtungen: Gott Mensch, Mensch – Gott. Von daher wird auch deutlich, dass »Gehorsam« mit der Redewendung in unserem Vers »euer eigenes Heil schaffet« zu tun hat. »Heil- (griech. soterlia) als Rettung vor dem Verderben ist nicht ohne die Verbindung zu Gott denkbar. Kamen das Verderben und der Tod als Ergebnis der Trennung von Gott, so ist die Rettung, das Heil nur als Ergebnis der Wiederherstellung der Verbindung zu Gott zu verstehen. Diese Verbindung ist aber gekennzeichnet von der Wechselwirkung zwischen Wort und Antwort. Diese Antwort ist jedoch nicht nur ein Geschehen in Worten, sondern Ausdruck unseres ganzen Lebens. Gehorsam ist ein »auf den Ruf Gottes Hören« mit all dem, was wir tun. Dies hat also nichts mehr mit dem Selbstbehauptungstrieb zu tun, sondern bedeutet ein Leben in der Hingabe und in der Nachfolge. Der Zeitgeist unserer Tage kann nichts mit dem Gedanken des Gehorsams anfangen, weil ihm die Beziehung zwischen Gott und Mensch fehlt.

Dreierlei muss noch zu der Wendung: »Schaffet mit Furcht und Zittern euer eigenes Heil« gesagt werden. Zum ersten gibt »schaffet« das zugrundeliegende griechische katergazesthe nur ungenügend wieder. Das liegt an der vielschillernden Bedeutungsskala des deutschen Wortes. »Schaffen« kann sowohl die schöpferische Tätigkeit des Schaffens aus dem Nichts, als auch etwa die Durchführung einer Tätigkeit bedeuten. Nur Letzteres ist mit dem griechischen Wort ausgesagt. Es geht hier keineswegs um eine Urhebertätigkeit. Es geht nicht um das Bewirken des Heils, sondern um seine Ausarbeitung. Es geht nicht um die Voraussetzung, sondern um Konsequenzen. Unser seelsorgerliches Dilemma wird hier ganz ernstgenommen. Gott weiß wohl, dass wir als eine Form der Versuchung streckenweise den Glauben und das Glaubensleben als eigene Leistung empfinden. Er teilt uns aber mit, dass dieses unser persönliches Empfinden nicht das Maßgebliche ist, sondern dass er derjenige ist, der auch in der Versuchung uns beisteht und uns die Kraft zum Glauben gibt. Die Gemeinde in Philippi wird aufgerufen, die von Gott gegebenen Zusagen (s. V. 1-4) in ihrem Leben zur Entfaltung kommen zu lassen (V. 13).

Das in Vers 13 zweimal verwendete Wort energein hat nun die oben zuerst genannte Bedeutung von »schaffen«. Gott allein ist der Urheber des Heils. Aber doch nimmt er uns als seine Geschöpfe und freiheitliche Wesen ernst. Wir sind für ihn keine unpersönliche Modelliermasse, die sich passiv gestalten ließe, sondern er sehnt sich danach, dass wir aus freien Stücken unsere Liebe hin erweisen, gerade auch Gehorsam. Dass diese Liebe, die wir zu ihm erweisen, nur aus der von ihm her kommenden Liebe entspringen kann, ist eine Erkenntnis, die dem Glaubenden vorbehalten bleibt.

In diesen Zusammenhang gehört dies als zweites: Oftmals wird »Mit Furcht und Zittern« im Sinne einer falschen Gesetzlichkeit verstanden. Sowenig die »Ausarbeitung unseres Heils« die Ursache unserer Rettung ist, so verkehrt wäre es, diese Wendung in jenem Sinne auszulegen. Durch eigenes Schaffen wird keiner das Heil erlangen, auch derjenige nicht, der bangt und sich ängstigt, der aus Angst vor dem Verlorengehen in eine verzweifelte Werkgerechtigkeit abgleitet. Ebenso falsch wäre es, die Wendung »mit Furcht und Zittern« in ihrem Gewicht abmindern zu wollen, indem man darauf hinweist, dass es sich hier um eine stehende Redewendung handelt. Zwar verwendet Paulus diese schon aus dem AT bekannte Wendung mehrmals (1Kor 2,3; 2Kor 7,15; Eph 6,5), aber nie in einer abgegriffenen Bedeutung. Gerade die Zusammenstellung der beiden Begriffe »Furcht« und »Zittern« soll ja die schwerwiegende Bedeutung der Sache, um die es geht, zum Ausdruck bringen. Dies ist es, woran wir uns schwertun. Es erscheint uns anstößig, unsere Beziehung zu Gott und unser ethisches Leben von der Furcht kennzeichnen zu lassen. Wir denken zu Recht an Stellen wie Römer 8,15 oder 1Johhannes 4,18, wo uns die Überwindung der Furcht in Jesus Christus zugesprochen wird. Auch in Phil 1,14 war schon die Rede von der Überwindung der Furcht. Das ist auch der Grundzug des Evangeliums, der frohen Botschaft: Den Jüngern Jesu ist der Grund zum Fürchten weggenommen: Das bedeutet, dass sie nicht mit der unbegründeten Furcht, mit der Angst, leben müssen. Die moderne Psychologie hat uns den Unterschied zwischen Furcht und Angst aufgezeigt. Furcht richtet sich gegen etwas Bestimmtes. Angst dagegen hat kein klares Gegenüber. Sie ist ein beengendes und beklemmendes Gefühl, das zwar eine Gefahr wahrzunehmen meint, diese Gefahr aber nicht näher bestimmen kann. Angst brauchen wir als Christen nicht zu haben. Wir dürfen uns geborgen wissen in Gottes Hand.

Und dennoch sollten wir nicht »furchtlos« sein. Die Bibel als Ganzes und auch das NT im besonderen sprechen einhellig von der Wirklichkeit der Furcht bei solchen Menschen, die Gott begegnet sind (z. B. Lk 5,8-10). Die Bibel weiß in vielfältiger Weise davon zu berichten, dass die Begegnung mit Gott die Heiligkeit und Mächtigkeit Gottes dem Menschen so konkret werden lassen, dass der Mensch davor fast vergeht. Ist es möglich, dass uns die Gottesfurcht deswegen nicht mehr bekannt ist, weil unsere Beziehung zu Gott abgeflacht ist und wir ihm nicht in seiner Heiligkeit und Größe begegnen? Können wir das mitempfinden, was in Hebräer 10,31 steht: »Schrecklich (furchtbar) ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen?« Oder haben wir uns an einen kameradschaftlichen Umgang mit dem allmächtigen Schöpfer und Erhalter gewöhnt? Die Erfahrung des Göttlichen muss ein Schaudern nach sich ziehen. Das spricht aber keineswegs gegen die Erfahrung der göttlichen Liebe. Im Gegenteil: Je mehr uns die Größe und Herrlichkeit Gottes bewusst wird, desto tiefer wird unser Empfinden seiner Liebe sein. Gott ist für den Menschen unserer Tage allzu oft der »liebe Gott«. Er wird verharmlost. Bibelworte wie Philipper 2,12 machen aber deutlich, dass die Erfahrung der Liebe und Gnade Gottes die Gottesfurcht, die Ehrfurcht vor Gott, zur Folge haben muss. Dies ist auch das Entscheidende, denn die Furcht ist für Christen als Ehrfurcht allein Gott vorbehalten. Philipper 1,28 hat gezeigt, dass wir unseren Feinden furchtlos gegenüberstehen sollten. Als Jünger Jesu und Kinder Gottes brauchen wir keine Angst zu haben, auch keine Furcht vor irgendwelchen Dingen oder Personen. Je mehr wir aber in der Erkenntnis Gottes wachsen, desto mehr werden wir davon überwältigt und auch erschüttert werden. Die Gottesfurcht ist als Ehrfurcht weit mehr als das heutige Ideal des Respekts.

Das Dritte zu o. g. Wendung betrifft die Worte »euer eigenes Heil«. Das Griechische hat verschiedene Möglichkeiten, das Verhältnis des Besitzes zum Ausdruck zu bringen. Die hier gewählte Form ist die stärkste. Paulus macht deutlich, dass jeder Einzelne der Philipper zunächst einmal eine Verantwortung für sein eigenes Glaubensleben und für seine eigene Beziehung zu Gott trägt. Die in Philippi laufenden Streitigkeiten übersahen womöglich diese Tatsache völlig. Auch in diesem Fall ist der Zusammenhang und die Situation in Philippi maßgebend. Es ist eindeutig eine Warnung an Christen, die sich weniger um ihre eigenen Glaubensangelegenheiten kümmern als um die ihrer Mitchristen. In ihrem Eifer wollen sie andere dazu zwingen, sich zu ändern. Der 13. Vers macht es deutlich, dass dies ein sinnloses Unterfangen ist.

Vers 13 begründet die vorausgehende Ermahnung. Wir lesen diesen Vers sicherlich falsch, wenn wir ihn als Gegensatz zur eben gemachten Aussage verstehen. Die streitenden Christen sollen verstehen, dass sie den anderen nicht ändern können. Diese Arbeit bleibt dem Heiligen Geist vorbehalten: »Gott ist es nämlich, der in euch vollbringt, sowohl das Wollen als auch das Vollbringen zu (seinem) Wohlgefallen.« Zu Recht fühlen wir uns in der Zwiespältigkeit unseres Herzens angesprochen. Wir merken, wie schwer das Glaubensleben sein kann und wie oft wir versagen, weil wir selbst die Kraft nicht haben. Und doch erkennen wir immer wieder im Nachhinein, wie Gott es gerade war, der uns durchgeführt hat. Dennoch gilt diese Aussage – vor allem bezogen auf die Art und Weise des Umgangs miteinander in der Gemeinde. Was für mich gilt, gilt auch für meinen Bruder. In seinem Leben ist es mit dieser Zwiespältigkeit kein bisschen anders.

Zwar kann ich ihm beistehen; vielleicht wird es mir auch vergönnt sein, ihm eine Hilfe zu sein, aber auch das nur unter der Voraussetzung, dass Gott es ist, der durch mich wirkt. Die Philipper – ihnen wir alle – sollten Vertrauen und Gelassenheit im Blick auf den Nächsten lernen. Gott ist auch am Wirken im Leben unserer Brüder und Schwestern. So sehr wir sie ernstnehmen sollen und zur gegebenen Zeit auch ermahnen und trösten, dürfen wir getrost sein in dem Wissen, dass Gott, »der in uns das gute Werk angefangen hat, es auch vollführen wird bis an den Tag Christi Jesu« (Phil 1,6). Gott allein ist Urheber und Vollender des Heils. Diese Aussage des ersten Kapitels wird hier bestätigt und entfaltet mit dem Begriff, der hinter der notdürftigen Übersetzung »vollbringen« (griech. energein) steht. Dieser Begriff meint »Aktivität« als Gegensatz zur Passivität. Als Christen sind wir nicht passiv. Der so weit verbreitete Schicksalsglaube lähmt und hat nichts mit dem Wirken Gottes in einem Menschenleben zu tun. Als Christen sollen wir aktive Menschen sein. Nur muss uns bewusst sein, dass Gott es ist, der in uns diese Aktivität ermöglicht und auch bewirkt.

Ganz entscheidend ist der Zusammenhang zwischen dem »Wollen« und dem »Vollbringen«. Unser menschliches Elend hängt oft am Auseinanderklaffen von Willen und Tun (vgl. Röm 7,14-25). Unser menschlicher (angebotenen und anerzogener) Wille wird nicht gänzlich durch den göttlichen Willen ersetzt. Es wird unsere lebenslange Aufgabe sein, das Gebet: »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe« zu lernen und täglich zu beten. Das ist auch mit der Aufforderung gemeint, unser Kreuz täglich auf uns zu nehmen, unseren eigenen Willen, den alten Menschen, täglich Gott aufs neue zu übergeben, ihm unser Leben samt Wille und Tat zu übereignen. So bringt die Faust’sche Formel: »Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust« die Erfahrung eines jeden Christen zum Ausdruck. Gott schenkt uns das neue Wollen, das das Vollbringen ermöglicht und als Konsequenz nach sich zieht. Gleichzeitig muss aber unser eigener Wille, der von unserer Selbstsucht geprägt ist, überwunden werden.

Die Rolle unseres Willens im Glaubensleben sollte nicht unterschätzt werden. Auf die Tat allein kommt es nämlich nicht an. Das wird z. B. in 1Korinther 13 deutlich, oder auch in 2Korinther 8,10: »… das ist euch nützlich, die ihr seit vorigem Jahr angefangen habt, nicht allein mit dem Tun, sondern auch mit dem Wollen.« Im »Kollektenteil« des zweiten Korintherbriefes wird bestätigt, dass Gott nicht einfach den Geber liebt, sondern den fröhlichen Geber. Mein Wille muss hinter meiner Tat stehen. Wenn ich etwas widerwillig für Jesus tue, dann hat es keinen Wert. Auch wir Christen dürfen nicht in einen falschen Pragmatismus abgleiten. Das Zeichen des Neuen Bundes ist das neue Herz (Jer 24,7; 31,31-33; Hes 11,19ff.; Hes 36,26ff.). Hier ist das Herz als Sitz des Willens angesprochen. Unser Herz soll Jesus gehören, und der Wille soll seinem Willen entsprechen. Gott ist immer am Werk in unserem Leben, wenn wir tätig werden: Er ist es aber auch, der die Motivation dazu gibt.

Gerhardt Maier – Edition C

Hier heute also ein wichtiger Vers – den man UNBEDINGT im Zusammenhang lesen muss, und NICHT aus dem Zusammenhang reißen darf. Leider eine Angewohnheit bei manchen Bibelausrisslesern – aber so darf man halt kein Buch lesen 😉

weil ER groß ist, preisen wir?

Ein Lied, ein Psalm. Von den Söhnen Korahs. Groß ist Jehova und sehr zu loben in der Stadt unseres Gottes auf seinem heiligen Berge.

Elberfelder Bibel 1905 – Psalm 48,1

«Groß ist der Ewige und hochgepriesen / in unsres Gottes Stadt, auf seinem heilgen Berg.

Neftali-Herz-Tur-Sinai, Psalm 48,2

Groß ist Jehova und sehr preiswürdig in unsres Gottes Stadt, auf seinem heiligen Berge.
de Wette Bibel – Psalm 48,2

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Während Hesekiel das tausendjährige Jerusalem nur kurz beschreibt, finden sich andere Merkmale des tausendjährigen Jerusalem in anderen Teilen der Schrift. Zum Beispiel freute sich insbesondere das Buch der Psalmen, das tausendjährige Jerusalem zu beschreiben und zu charakterisieren. Eine solche Passage ist Psalm 48. Die Verse 1–3 beschreiben die Residenz des Gottes Israels, denn Er wird die Stadt errichten. Weil Gott in Jerusalem wohnen und von Jerusalem aus urteilen wird, soll sich die Stadt in Vers 11 freuen. Schließlich werden die Einwohner in den Versen 12–13 ermutigt, die Schönheit zu studieren, die die Stadt an diesem zukünftigen Tag charakterisieren wird. Weil es Gott ist, der Jerusalem gemäß Psalm 87: 1–7 errichten wird, wird Jerusalem als „Stadt Gottes“ bekannt sein. Der Frieden, der das tausendjährige Jerusalem als Ergebnis der Wiederherstellung des Davidsthrons charakterisieren wird, ist in Psalm 122: 1–9 beschrieben. Der Aufbau Jerusalems zur Zeit der Wiedererlangung Israels ist der Punkt in Psalm 147: 2–3. Weil es Gott ist, der Jerusalem wieder aufbaut, wird es in den Versen 12–14 sowohl durch Stärke als auch durch Frieden gekennzeichnet sein. Aus dieser Stadt wird das Königreichsgesetz hervorgehen. Die Verse 19–20 beschreiben auch die Emanation des Königreichsrechts.

Eine Reihe von Propheten Israels enthüllte auch andere Merkmale und Eigenschaften des tausendjährigen Jerusalem. Unter den großen Propheten beschrieb Jesaja das tausendjährige Jerusalem in Jesaja 1: 26–27 als von Heiligkeit, Gerechtigkeit und Gerechtigkeit geprägt. Später in Kapitel 4: 3–6 erklärt der Prophet, dass Heiligkeit die Errichtung Jerusalems charakterisieren wird, denn alle ihre früheren Sünden werden durch Gottes Gerechtigkeit gereinigt und das Feuer verfeinert. Daher wird die sichtbare Form der Shechinah-Herrlichkeit über dem gesamten Berg Zion sein. In Kapitel 14, 32 wird Jerusalem als Ort der Sicherheit für die Betroffenen dienen. Später, in Kapitel 33: 20-24, werden Stille und Sicherheit Jerusalem an diesem Tag charakterisieren, denn Jehova wird in der Person des Messias in dieser Stadt wohnen. Es wird eine Stadt mit vielen Bächen und Gewässern sein, aber ohne Kriegsschiffe, die jemals in ihnen segeln. Der Messias inmitten der Stadt wird als Richter, Gesetzgeber, König und Retter dienen. Daher werden Israels Sünden völlig vergeben.

Fruchtenbaum – Die Sammlung messianischer Bibelstudien

V. 2. Groß ist der Herr usw. Noch eher der Prophet von dem besonderen Erweis göttlicher Gnade redet, weist er im Allgemeinen darauf hin, wie glücklich Jerusalem sei, weil Gott die Stadt seines besonderen Schutzes gewürdigt habe. So hebt sich Gottes Gemeinde von der ganzen übrigen Welt ab. Ist’ s doch eine unschätzbare Freundlichkeit, dass Gott aus dem gesamten Menschengeschlecht eine kleine Schar auswählt und mit väterlicher Huld umgibt. In der Weltregierung leuchtet Gottes Weisheit, Güte und Gerechtigkeit hervor. Überall ertönt sein Lob, und nirgends fehlt der Anlass dazu. Aber doch rühmt hier der Dichter gerade die Herrlichkeit Gottes, wie sie sich in der Bewahrung seiner Gemeinde offenbart. Groß und hochberühmt sei er in der heiligen Stadt – nicht auch in der ganzen Welt? Sicherlich gibt es keinen Winkel, der so verborgen wäre, dass nicht auch dahin seine Weisheit, Gerechtigkeit, Güte und alle seine übrigen Kräfte drängen. Aber weil es sein Wille ist, dieselben insonderheit in seiner Gemeinde sichtbar werden zu lassen, so hält er uns mit gutem Grunde eben diesen Spiegel vor Augen, in welchem er sich als den Lebendigen zur Darstellung bringt. Der Hinweis auf den heiligen Berg will kurz daran erinnern, wodurch Jerusalem zur Gottesstadt geworden ist: denn auf göttlichen Befehl war dort die Bundeslade aufgestellt worden. Dies war ein Zeichen besonderer Gnade, und Israels Vorzug ruhte nicht auf eignem Verdienst.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

In der Stadt unseres Gottes, seinem heiligen Berg. Dies ist ein Hinweis auf den Berg Tziyon (Zion; Yerushalayim, die Stadt des großen Königs) mit seinen Bildern des heiligen Throns Gottes (vgl. 47: 9). „Heiliger Berg“ bezieht sich ausschließlich auf den Tempelberg. Als messianische Erwartung wird nicht nur der Name Gottes in Yerushalayim vergrößert, sondern in den letzten Tagen wird die Stadt vergrößert, um die Größe Gottes zu demonstrieren, der sie bewohnt (vgl. Offb. 21: 15–17).

Die vollständige jüdische Studienbibel: Notizen

Aber nun zu der Frage vom Thema – weil ER groß ist, preisen wir WEN? Was ist das Zentrum deiner Anbetung? Wenn man ganz ernst über diese Frage nachdenkt, merkt man schnell, dass viele Gemeinden nicht den Schöpfergott im Mittelpunkt haben – nein, noch wird ER gepriesen:
da gibt es die, die sich um die eigene Gesundheit drehen, und deshalb Heilungsgottesdienst heißen,
oder die, wo du spenden sollst, damit du reich oder reicher wirst,
oder die, die ihre eigenen Führer preisen und loben.

Dabei gibt es so viel, für das wir Dankbar sein können und deshalb Jehovah preisen könnten!