Der Geist Gottes und DU?

Den Geist löschet nicht aus; (O. unterdrücket, dämpfet nicht)
Elberfelder 1871 – 1.Thess. 5,19

Legt dem Wirken des Heiligen Geistes nichts in den Weg!
Neue Genfer Übersetzung – 1.Thessalonicher 5:19

Lasst der Kraft Gottes, seinem Geist, in euch freien Lauf!
VolxBibel – 1.Thessalonicher 5,19

Würgt nicht dauernd den Heiligen Geist ab!
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – 1.Thess. 5,19

σβέννυτε Imp. σβέννυμι auslöschen; übertr. unterdrücken, hindern.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Löschst du den Geist aus?
1.THESSALONICHER 5,19

Den Geist löscht nicht aus!

Ein weiteres biblisches Symbol des Heiligen Geistes ist das Feuer. Es versinnbildlicht sein Gericht und seine reinigende Gegenwart. Die Gläubigen behindern das Werk des Heiligen Geistes in ihrem Leben dadurch dass sie –
• sich weigern, das zu sagen bzw. zu tun, was der Heilige Geist ihnen aufträgt;
• sich gegen die Umstände auflehnen, die ihnen Gott über den Weg geschickt hat.

Betrübst du den Heiligen Geist?

Hunt – Schlüssel zur biblischen Seelsorge

Im frühen Judentum wurde der Geist meist mit der Prophetie in Verbindung gebracht; Paulus möchte nicht, dass die wahrhaft inspirierte Rede unterdrückt wird. Der hier mit »dämpfen« übersetzte Begriff wurde oft im Zusammenhang mit Feuer verwendet; das passt zu dem alttestamentlichen Bild von den Propheten, die unfähig sind, eine göttliche Inspiration zu verschweigen ( Jer 20,9 ).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

War schon in diesem allem das neue Leben der Gemeinde und damit auch des einzelnen Christen fern von allem Moralismus gezeichnet, so sprechen die nächsten Sätze vollends von Wirkungen des Heiligen Geists, die auf einer ganz anderen Ebene liegen als das, was wir gemeinhin „sittlich-religiös nennen. An der Spitze steht die Warnung: „Den Geist löscht nicht!“ Heiliger Geist ist Feuer! Wissen wir das überhaupt noch, die wir in der reinen Lehre das wesentliche Merkmal der rechten Kirche sehen und die gemäßigte Temperatur in ihr so lieben? Luthers instinktive und leidenschaftliche Abneigung gegen alles „Schwärmertum“, die seine Begegnung mit allerlei schwierigen Bewegungen der Reformationszeit noch schwieriger und negativer werden ließ, hat die Sorge vor „Schwärmerei“ zu einem Grundzug |104| evangelischen Kirchentums gemacht. Wo immer ein Feuer auflodert, fürchten wir sofort den unheilvollen, das Haus der Kirche gefährdenden Brand. Darum gehört es zu dem Typischen der evangelischen Kirchengeschichte, daß neue Bewegungen in ihr nie fröhlich begrüßt, sondern stets erst einmal beargwöhnt und bekämpft worden sind. Das „Löschen“ bedenklichen Feuers erscheint als eine der Hauptaufgaben von Kirchenleitung und Theologie. Paulus aber mahnt gerade umgekehrt: „Löscht nicht das Feuer des Heiligen Geistes!“ Es muß also schon in jener jungen Gemeinde einer Neigung dazu vorhanden gewesen sein – eine für uns erstaunliche Feststellung. Vielleicht entstand diese Neigung in demjenigen Teil der Gemeinde, der mit Sorge die unruhige, aufgeregte Art der „Unordentlichen“ sah, denen die Mahnung von Kap. 4,11 besonders galt und gegen die der 2. Brief noch entschiedener vorgeht. Dann hätten wir hier tatsächlich eine Parallele zu Vorgängen der Reformationszeit. Dann aber ist es besonders bemerkenswert, daß ein Paulus mit seinen Mitarbeitern nun gerade nicht jene ängstlichen Folgerungen zieht, die uns so in Fleisch und Blut übergegangen sind, sondern im Gegenteil jenen kritischen Teil der Gemeinde vor allem „Löschen“ warnt! Paulus konnte auch hier wieder scheinbar Widersprechendes klar vereinen: „Setzt euren Ehrgeiz darein, ruhig zu sein“ und „Den Geist löscht nicht“. An der Feuernatur des Geistes kann man nichts ändern, und Feuer will und muß brennen. Verkennt man das, so erhält man jenen „Heiligen Geist“, dessen Dasein nur noch dogmatisch behauptet, von der Gemeinde aber nicht mehr lebendig und unwiderleglich erfahren wird.

Wuppertaler Studienbibel

Die Heiden haben früher gedacht, im Rausch und in der Ekstase der Gottheit nahe zu sein. Das gibt es übrigens in vielen Religionen. In der islamischen Mystik tanzen sich Derwische in Trance und meinen dann, Gott zu erfahren. Gibt es solche religiösen Ideen auch unter Christen? Überlegen Sie einmal, wo evtl. Seelisches, Ekstatisches, Rauschhaftes in christlichen Kreisen mit dem Wirken des Heiligen Geistes verwechselt wird. (Vgl. auch 1Kor 2,14: »Der seelische Mensch nimmt nichts vom Geist Gottes an.«) Die Bibel ruft immer wieder zur Nüchternheit auf (1Thess 5,6ff.; 1Tim 3,2; 2Tim 4,5; 1Petr 4,7; 5,8). Nüchternheit und Geistesfülle passen zusammen; Rauschhaftigkeit und Geist Gottes dagegen nicht.

Wie aber komme ich zu einem geisterfüllten Leben? Paulus nennt in V. 19-21 fünf Punkte, die sich aber gut in drei Gruppen zusammenfassen lassen: 1. durch biblischen Zuspruch (V. 19 a); 2. durch Lobpreis und Danken (V. 19-20); 3. durch Gehorsam gegenüber den Ordnungen Gottes (V. 21). – Hier muss ich mich als Ausleger selbst und meine Hörer fragen: Möchte ich ein geisterfülltes Leben? Bin ich bereit den Weg zu gehen, den Gott zur Erfüllung mit dem Geist Gottes weist? Geistesfülle im Schnellverfahren wird es jedenfalls nicht geben. Alle erdenklichen Abkürzungen, die als Wege zur Geistesfülle – von wem auch immer! – vorgeschlagen werden, sind als Holzwege zu entlarven.

Gerhardt Maier – Edition C

Die nächsten vier Verse behandeln das Verhalten in der Versammlung.
Den »Geist« auszulöschen bedeutet, sein Werk in unserer Mitte zu verhindern, zu begrenzen oder zu unterdrücken. Die Sünde löscht den Geist aus. Traditionen löschen den Geist aus. Menschliche Regeln und Vorschriften im Gottesdienst löschen den Geist aus. Uneinigkeit löscht den Geist aus. Jemand hat einmal gesagt: »Kalte Blicke, verächtliche Worte, mit jemandem nicht reden und gewollte Missachtung tragen erheblich dazu bei, den Geist auszulöschen. Das gilt auch für lieblose Kritik.« Ryrie sagt, dass der Geist immer dann ausgelöscht wird, wenn sein Dienst im Leben des Einzelnen oder der Gemeinde unterdrückt wird.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Was bedeutet es, den Geist auszulöschen? Der beste Weg, um zu verstehen, was es bedeutet, den Geist auszulöschen, ist der Kontext von 1 Thessalonicher 5,19, der von der Auslöschung des Heiligen Geistes spricht. Dann heißt es in Vers 20: Verachtet nicht die Weissagungen.

Die Gabe der Prophetie war eine der besonderen Gaben, die in der öffentlichen Versammlung verwendet werden sollten (1 Korinther 14). Im Zusammenhang mit dem Auslöschen des Geistes wird speziell vom Auslöschen einer der Gaben des Heiligen Geistes in der öffentlichen Versammlung gesprochen. Den Geist auszulöschen bedeutet, die Gläubigen daran zu hindern, ihre geistlichen Gaben in der Versammlung der Gemeinde auszuüben. Der Zweck der Gaben des Geistes ist der Aufbau, die Erbauung des Leibes. Die Heilige Schrift legt bestimmte Regeln fest, wie oft und wer diese Gaben in der öffentlichen Versammlung einsetzen kann. Unter der Annahme, dass alle Ordnungsregeln gemäß der Schrift eingehalten werden, bedeutet das Unterdrücken des Heiligen Geistes, dass Gläubige daran gehindert werden, ihre geistlichen Gaben in der öffentlichen Versammlung richtig auszuüben.

Die Thessalonicher waren anscheinend gegen jede Manifestation des Heiligen Geistes, die aus dem Rahmen fiel, verpönt. In diesem Fall war ihr Verhalten das entgegengesetzte Extrem zu dem der Korinther. Das Extrem der Korinther war, alles ohne Ordnung, ohne Regeln oder Vorschriften, ohne Älteste, die Autorität oder Zurückhaltung ausübten, loszulassen. Jeder durfte seine Gaben frei ausüben, wie er wollte und so oft er wollte. Die Gaben wurden auf der Grundlage des Fleisches ausgeübt, nicht auf der Grundlage der richtigen Regeln und Vorschriften, die in der Heiligen Schrift zu finden sind. Das schuf Unordnung ohne Befehlskette und einen Mangel an der Prüfung der Geister, die in einer solchen Situation so notwendig ist. Während die Korinther in das eine Extrem gingen, gingen die Thessalonicher in das andere Extrem. Die Thessalonicher missbilligten jede Manifestation des Heiligen Geistes, die aus dem Rahmen fiel.

In den Ortsgemeinden haben die meisten Gottesdienste heute ein festes Format. Nur wenige Menschen haben die totale Kontrolle darüber, was passieren darf oder nicht, und nur sie geben irgendeinen Input für den Gottesdienst. Die ausgeübte Autorität und Ordnung ist oft eine Autorität und Ordnung, die dazu neigt, den Geist zu ersticken.Zum Beispiel gibt es eine vorgeschriebene Zeit, zu der der Gottesdienst beginnen muss. Er wird mit einem Lied und Gebet eröffnet. Einige Ankündigungen werden gemacht, gefolgt von Gemeindegesang, wobei jedes Lied von einer Person in der Gemeinde ausgewählt wird. Irgendwann während des Gemeindegesangs wird die Opfergabe eingenommen. Dann wird die Predigt gehalten. Der Gottesdienst endet oft mit einer Einladung, einem Schlusslied und der Verabschiedung mit einem Segensspruch. Alles muss bis etwa zwölf Uhr abgeschlossen sein, damit die Leute nicht zu unruhig werden. Weil alles so fixiert ist, passiert es, dass der Heilige Geist dadurch erstickt wird, dass den Mitgliedern der Gemeinde keine Gelegenheit gegeben wird, ihre geistlichen Gaben in der Versammlung zu teilen.

Es ist keine Frage, dass die freie Ausübung der Gaben ein gewisses Maß an Kontrolle durch geistliche Älteste haben muss. Es wäre nicht angemessen, einfach alles zuzulassen, denn das würde zum korinthischen Extrem führen. Aber das korinthische Extrem sollte nicht durch das thessalonische Extrem vermieden werden. Es muss ein Gleichgewicht geben. Es muss an einem bestimmten Punkt in der Versammlung der Gemeinde eine Zeit gegeben werden, damit andere ihre geistlichen Gaben einsetzen können. Menschen nicht zu erlauben, ihre geistlichen Gaben auszuüben, bedeutet, die Sünde des Auslöschens des Geistes zu begehen.

Eine weitere Sache sollte bezüglich dieser Sünde beachtet werden. Es handelt sich nicht um eine individuelle Sünde, sondern um eine Gemeindesünde. Im griechischen Text steht das Wort „stillen“ in der zweiten Person Plural: Löscht [ihr] den Geist nicht aus. Er wendet sich an sie als einen gemeinsamen Körper. Als gemeinschaftlicher Körper sind sie an dieser Sünde schuldig. Während ein einzelner Gläubiger schuldig sein kann, den Heiligen Geist zu betrüben, kann auch ein lokaler Körper, eine Gemeinde oder eine Versammlung schuldig sein, den Heiligen Geist auszulöschen.

die Abhilfe
Was ist das Mittel gegen das Auslöschen des Heiligen Geistes? Die griechische Form, die mit „lösche nicht“ übersetzt ist, ist ein Imperativ. Es bedeutet wörtlich: „Hört auf, den Geist auszulöschen!“ Das Gebot war, mit dem aufzuhören, was sie jetzt taten, nämlich den Geist zu unterdrücken. Die Abhilfe bestand darin, die Ausübung der Geistesgaben in Übereinstimmung mit den biblischen Regeln und der biblischen Ordnung zuzulassen. Man muss die Ausübung der geistlichen Gaben der Gläubigen zulassen, was auch immer sie sein mögen, aber in Übereinstimmung mit der biblischen Ordnung, den Regeln und Vorschriften.

Arnold Fruchtenbaum – Die Sünden gegen den Heiligen Geist

Wenn du also in eine Gemeinde/Kirche gehst, in der nur die Meinung einer bestimmten Zeitschrift oder eines Buches zur Erklärung der Bibel erlaubt ist – und jede andere biblische Ansicht „unerwünscht“ sind, dann kann dort der heilige Geist nicht wirken und die Gemeinde/Kirche ist geistig tot. …

„Auf Knien gab ich ihm den Müll, den ich getan hab …“

Ich tat dir kund meine Sünde und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sagte: Ich will Jehova meine Übertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Ungerechtigkeit meiner Sünde. (Sela )
Elberfelder 1871 – Ps 32,5

Als ich meine Sünde dir bekannte und meine Missethat nicht mehr bedecken konnte, sprach ich: Gestehen will ich meine Missethat Jehova! da vergabst du die Schuld meiner Sünde. Sela.
van Ess 1858 – Psalm 32:5

Doch am Höhepunkt meiner Depression lernte ich, Gott sei Dank, eine letzte Lektion, als das endgültige Ende mir spürbar nah war. Auf Knien gab ich ihm den Müll, den ich getan hab; /einfach alles; was befreiend, aber auch hart war, und Gott sagte: „Hey, meine Liebe ist für dich da!“
VolxBibel – Psalm 32,5

Allerdings wissen Christen, dass böse Wege nach der Lehre der Schrift durchaus Konsequenzen haben. Ich möchte an dieser Stelle drei Konsequenzen nennen, die Christen zu einer sorgfältigen Lebensführung anreizen, ohne sie in ein Klima der Angst zu führen:
• Durch die Sünde verlieren sie den Genuss der Gemeinschaft mit ihrem Gott (vgl. Ps 32,3–5). Die Vater-Kind-Beziehung wird jedoch nicht angetastet (vgl. 1 Johannes 2,1).
• Durch die Sünde setzen sie sich der Zucht des himmlischen Vaters und des Herrn aus
(Heb 12,4–11). Im schlimmsten Fall beendet Gott sogar das irdische Leben seiner Kinder (Apg 5,1–6; 1 Johannes 5,16), sie werden jedoch nicht zusammen mit der Welt verurteilt (1 Korither 11,32).
• Durch die Sünde schmälern sie den Lohn aus, den sie am Richterstuhl des Christus erhalten sollen. DasWerk eines Christen mag der prüfenden Heiligkeit Gottes dort nicht standhalten, er selbst aber wird in jedem Fall gerettet werden (1 Korither 3,14.15).

Gerrid Setzer – Anker der Seele

Nicht zu stark haben wir das Tun der göttlichen Barmherzigkeit in der Gewissheit der Sünden-Vergebung betont. Nie kann man Menschen mit dem Frieden Gottes im Herzen begegnen, die im Blick auf ihre Vergebung sich selbst etwas zuschreiben würden. Nur in Anbetung Gottes können sie davon sprechen. Wo es anders ist, da ist die Stellung zur Sünde und zu den Missetaten eine Täuschung oder ein Selbstbetrug. Entweder setz man sich viel zu leicht über die Schwere seiner Schuld hinweg, oder man vergibt sich selbst seine Sünden.

Nie erlebte der Mensch aber bewusst seine Vergebung, ohne dass er mitbeteiligt war. David beschreibt dieses Mitbeteiligtsein mit den ergreifenden Worten:
Da ich’s verschwieg, verfiel mein Gebein, ob meines stündlichen Stöhnens.
Es ist wiederum ganz menschlich, dass der in seiner Schuld Erwachte zunächst selbst mit seinen Sünden fertig zu werden sucht. Zu allem nimmt er seine Zuflucht, nur nicht zu Gott. Er rettet sich ins Verschweigen. Er fährt zur Erholung. Er berauscht sich durch Vergnügungen. Er philosophiert über den unsinnigen Begriff Sünde. Er entschuldigt sich durch seine Veranlagung. Er sucht alles in Verbindung mit den Schöpfungsordnungen Gottes zu bringen. Er redet sich ein, dass er letzthin durch andere verführt worden sei. Die Lösung fand er jedoch nicht. Sein physisches Leben fing an, unter der inneren Qual mitzuleiden. Gott schwieg nicht, daher schwieg auch sein Innerstes nicht.

Denn Tag und Nacht lag schwer auf mir deine Hand, wie unter Gluten des Sommers vertrocknete meine Lebenskraft.
Psychologisch nur allzu verständlich; es entspricht der Erfahrung aller Zeiten, eines jeden Volkes und der Menschen jeden Ranges. Auch der Körper verfällt, wenn die Seele leidet. Manches Leiden wird verständlich, sobald das Leiden der Seele erkannt ist. So mancher Arzt würde unendlich mehr Erfolge haben, wenn er zugleich ein von Gott begnadeter Seelsorger wäre. David bezeugt, dass die Lösung erst kam, als er in seiner Not den Entschluss fasste:

Da tat ich dir kund meine Sünde, und meine Missetat verhehlte ich dir nicht. Ich sprach: „Bekennen will ich meine Übertretungen dem HErrn“ ; da vergabst: du die Missetat meiner Sünde.
Liegt nun die Vergebung letzthin dennoch im Bekennen? Welch eine Bedeutung hat das Bekennen in der Verbindung mit der Gewissheit der Vergebung? Im Bekennen selbst liegt nicht die Vergebung. Diese bleibt eine Tat Gottes. Das Bekennen ist im Inneren des Menschen aber die Grundlage, auf der Gottes Handeln geschehen kann. Buße und Bekenntnis werden zu jenem Vorgang der Seele, durch den der Mensch im Glauben nimmt, was Gott in seiner vergebenden Liebe schenkt. Daher lässt Gott den Menschen in seine Sündennot kommen. Er lässt ihn alle Künste ausprobieren, sich selbst die Sünden zu vergeben, bis der Mensch in seiner Not bekennend die Zuflucht zu Ihm nimmt.
Gott tut das nicht um seinetwillen. Er in seiner Barmherzigkeit bedarf es nicht, dass ihm die Vergebung abgerungen werde. Der Mensch erkauft sich seine Vergebung nicht durch sein Bekenntnis. Wenn Gott Menschen im Gebet ringen lässt um Vergebung, so ist es weit mehr ein Ringen Gottes mit dem Menschen. Um des Heils des Menschen willen lässt er ihn so lange ringen, bis er die Vergebung wirklich als ein Geschenk der Liebe und als einen Akt der Gnade Gottes empfängt und dafür zu danken beginnt.
Dass der Mensch innerlich für den Empfang der Vergebung von Gott zubereitet worden ist, zeigt sich sehr oft alsdann darin, dass er auch bereit ist, Menschen gegenüber seine Sünden zu bekennen. Die Beichte sollte aber immer nur zu Seelsorgern ober Freunden geschehen, von denen man weiß, sie werden heilig mit dem heiligen Bekenntnis der Seele umgehen. Im Bekenntnis handelt es sich um Dinge, die allein im Kämmerlein und in der Gegenwart Gottes behandelt werden müssen. Mancher hat sich und andere verdorben, wenn er mit seinem Schuldbekenntnis vor eine unberufene Öffentlichkeit trat.

Kroeker – Ausgewaehlte Psalmen


Ich tat die kund meine Sünde und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sagte: Ich will Jehova meine Übertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Ungerechtigkeit meiner Sünde. (Ps 32,5)
Sünde muss als Sünde erkannt und dem Herrn bekannt werden. In dem Augenblick, in dem du das mit aufrichtigem Herzen tust, vergibt Er dir völlig deine Schuld, die Ungerechtigkeit deiner Sünde. Ist sie nur dir selbst und Gott bekannt und niemand sonst betroffen, so ist die Sache damit erledigt.
Ist deine Sünde aber zu deiner Schande schon öffentlich bekannt geworden und dadurch Schmach auf das Zeugnis Gottes gefallen, so solltest du sie auch öffentlich bekennen. Geh in aller Demut zu deinen Brüdern, bekenne ihnen deine Sünde ganz offen und bringe keine Entschuldigungen vor, indem du versuchst, dich zu rechtfertigen. Daran wird man erkennen, dass du dich auf Gottes Seite gestellt hast, gegen deine Sünde. Ein aufrichtiges und demütiges Bekenntnis, das durch einen offensichtlich veränderten Lebenswandel bestätigt wird, macht den Weg frei zu deiner öffentlichen Wiederherstellung.
Das ist der Weg, den Gottes Wort uns zeigt. David musste diese Lektion in 2 Samuel 11 und 12 lernen. Die Tatsache, dass er sie gelernt hat, kommt in den Psalmen 32,39 und 51 wunderbar zum Ausdruck. Sie enthalten das offene Bekenntnis dessen, was geschehen war, und zwar vor allen Menschen seiner Tage, ja sogar bis in unsere Zeit. Vorher hatte er viele Monate schuldhaft geschwiegen und versucht, seine Sünde zu verbergen. Doch dann war ihm der Prophet Nathan mutig entgegengetreten. Als David daraufhin seine Schuld bekannte, vergab Gott die Ungerechtigkeit seiner Sünde.
Petrus hatte eine ähnliche Lektion zu lernen. Und auch für dich gibt es ganz gewiss Hoffnung. Der Herr wünscht deine volle persönliche und öffentliche Wiederherstellung. Auch deine Brüder werden sich darüber freuen. Nur Satan sieht das nicht gern, denn es bedeutet für ihn eine Niederlage in seinem Kampf gegen den Herrn und Sein Zeugnis auf der Erde.

Hilfe und Nahrung – 1999 Verfasser E.P.V.

„Ich werde ADONAI meine Vergehen bekennen.“ Nach Raschi steht V. 5 im Präsens, um anzudeuten, dass David als Lebensstil ständig seine Sünden vor ADONAI bekennt.

The Complete Jewish Study Bible: Notes

Dankbar gesund zu sein, und arbeiten zu können?

Siehe, was ich als gut, was ich als schön ersehen habe: daß einer esse und trinke und Gutes sehe bei all seiner Mühe, womit er sich abmüht unter der Sonne, die Zahl seiner Lebenstage, die Gott ihm gegeben hat; denn das ist sein Teil. Auch ist für jeden Menschen, welchem Gott Reichtum und Güter gegeben, und den er ermächtigt hat, davon zu genießen und sein Teil zu nehmen und sich bei seiner Mühe zu freuen, eben dieses eine Gabe Gottes. Denn er wird nicht viel an die Tage seines Lebens denken, weil Gott ihm die Freude seines Herzens gewährt (Eig denn Gott antwortete auf die Freude seines Herzens, d. h. stimmt ihr bei.)
Elberfelder 1871 – Kohelet 5,17–19

Eines habe ich begriffen: Das größte Glück genießt ein Mensch in dem kurzen Leben, das Gott ihm gibt, wenn er isst und trinkt und es sich gut gehen lässt bei aller Last, die er zu tragen hat. Das ist der Lohn für seine Mühen. Wenn jemand es zu Reichtum bringt und sich an seinem Besitz erfreuen kann, dann hat er das Gott zu verdanken. Ja, die Früchte seiner Arbeit zu genießen, das ist Gottes Geschenk! Denn wessen Leben Gott mit Freude erfüllt, der denkt nicht viel darüber nach, wie kurz es eigentlich ist.
Hoffnung für Alle – Prediger 5,17–19

Nach meiner Beobachtung ist Folgendes gut und richtig: dass jemand isst und trinkt und Freude erlebt für all seine harte Arbeit, mit der er sich unter der Sonne abmüht während seiner wenigen Lebenstage, die der wahre Gott ihm gegeben hat — denn das ist seine Belohnung.  Außerdem: Wenn der wahre Gott einem Menschen Reichtum und materiellen Besitz gibt samt der Fähigkeit, das alles zu genießen, dann soll er seine Belohnung auch annehmen und sich an seiner harten Arbeit freuen. Das ist ein Geschenk Gottes. Denn er wird kaum merken, wie seine Lebenstage verstreichen, weil der wahre Gott ihn mit den Freuden seines Herzens beschäftigt hält.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Prediger 5:18–20

Sind wir uns eigentlich bewußt, wie reich wir alle sind, weil wir hier in Deutschland leben, und von so vielen Versicherungen aufgefangen werden? Dass wir bei Krankheit zum Arzt gehen können und auch noch „Lohnfortzahlung“ erhalten? Und wie nutzen wir unseren „Reichtum“? Wirklich als „Gottesgabe“ und preisen wir IHN? Oder wollen wir „mehr“ und sind unzufrieden?

Reichtum kann auch unruhig machen (V. 10ff.), und im Tode hilft kein Geld (V. 14). Darum ist es das beste, alles als Gabe Gottes anzusehen (V. 17.18) und sich des Wohlgefallens Gottes zu erfreuen (V. 19).

Bruns 2013 – Die Bibel mit Erklärungen

Nach der Darstellung von der Bitterkeit des Lebens ist es für den Prediger der richtige Zeitpunkt, sich an das Hilfsmittel zu erinnern (Vers 17). In den vorhergehenden Versen wird Gott nicht erwähnt. Der Prediger weist nun auf einen Aspekt des Lebens hin, der nicht vergessen werden darf, einen Aspekt, den er mit dem Ruf „siehe” einführt. Es gibt ein anderes Leben, genauso äußerlich, real und wahrnehmbar. Der Prediger hat „ersehen”, dass es möglich ist, inmitten der Arbeit, und nicht nur in der Abwesenheit von Anstrengung, „zu genießen”. Das ist eine Bestimmung Gottes im kurzen Leben. „Essen” und „Trinken” sind ein Ausdruck von Gemeinschaft, Freude und Befriedigung (1Kön 4,20). Das ist der Teil des Weisen.
Der allgemeine Missbrauch des Reichtums schließt seine richtige Verwendung nicht aus. Wenn Gott Reichtum gibt, können wir ihn auch genießen (Vers 18). Sowohl die Mittel zum Essen und Trinken als auch die Möglichkeit, sie zu genießen, kommen als Gabe von Gott. Der Genuss von Speisen und Getränken als Ergebnis harter Arbeit kann in dem Bewusstsein geschehen, dass Er diese Dinge in seiner Macht einer Person gibt, die diese in seiner Kraft genießen kann. Dass es eine Gabe Gottes ist, bedeutet, dass der Mensch nicht von sich aus die Macht hat, es zu genießen. Dies wurde im vorherigen Abschnitt deutlich gemacht.
Wenn Gott dir etwas gibt, kannst du das Beste daraus machen und die Dinge auf der Erde intensiv genießen. Gleichzeitig ist es aber so, dass sie an sich keine Bedeutung haben, weil sie so unbeständig sind wie der Wind. Auch im Hinblick auf die Ewigkeit haben diese vergänglichen Dinge keinen Vorteil. Du kannst nichts von dem, was du auf der Erde aufsparen könntest, nach dem Tod mitnehmen. Reichtum lässt den Menschen nur voller Sorgen, Unruhe und der Angst vor dem Verlust desselben sein. In diesem Sinne lautet der Rat des Predigers: Horte den Reichtum nicht, sondern genieße ihn. Du weißt nicht, wie lange du ihn noch gebrauchen kannst, weil er vergänglich ist, noch weißt du, wie lange du ihn genießen kannst, weil dein Leben plötzlich vorbei sein könnte.
Derjenige, dem die Gabe Gottes zuteilwird, Essen und Trinken zu genießen, ist nicht besorgt bezüglich der Tage seines Lebens (Vers 19). Der Gedanke ist nicht, dass das Leben dann so ruhig sein wird, dass nichts Erinnerungswürdiges mehr passiert, sondern dass das Leben so voller Freude sein wird, dass die Vergänglichkeit des Lebens fast vergessen wird. Wer genug hat, beschäftigt sich nicht mit der Frage, ob Reichtum einen Nutzen hat. Diese Frage wird nicht ganz vergessen, aber sie dominiert nicht. Der Gedanke an die Kürze des Lebens bleibt anwesend, wird aber keine schlaflosen Nächte verursachen

Ger de Koning – Der Prediger – Ausgelegt & angewandt – Alles Eitelkeit

Ein bekannter Erforscher der menschlichen Natur untersuchte einmal die Frage der Arbeit. Er erhielt seine Informationen über das Thema nicht aus zweiter Hand, sondern er erklärte: „Ich baute mir Häuser; ich pflanzte mir Weingärten. Ich machte mir Gärten und Parkanlagen, und ich pflanzte darin Fruchtbäume von allen Arten. Ich machte mir Wasserteiche, um damit den Wald von sprossenden Bäumen zu bewässern“ (Prediger 2:4-6).
Nachdem dieser weise Mann selbst erfahren hatte, was Arbeit bedeutet, kam er zu einer Anzahl ausgeglichener Schlußfolgerungen:
1. Der Mensch ist zum Arbeiten da; er muß arbeiten. „Siehe! Das Beste, das ich selbst gesehen habe, . . . ist, daß einer esse und trinke und Gutes sehe für all seine harte Arbeit . . ., denn das ist sein Teil“ (Prediger 5:18).
2. Arbeit aus materialistischen Beweggründen macht nicht glücklich. „Wer nur Silber liebt, wird mit Silber nicht gesättigt werden, noch jemand, der Reichtum liebt, mit Einkünften“ (Prediger 5:10). Wenn du in jungen Jahren ein Verlangen nach materiellen Dingen entwickelst, kann es sein, daß du dein Leben lang unglücklich und unzufrieden bist.

Erwachet! 1982

Der Gewinn aus der Arbeit ( Reichtum und Güter ; vgl. Pred 6,2 ) und die Fähigkeit, fröhlich zu sein bei seinem Mühen (vgl. Pred 8,15 ), sind eine Gottesgabe (vgl. Pred 2,24;3,13 ). Der Ausdruck „sein Teil nehmen“ sollte besser übersetzt werden mit „sein Teil empfangen“, denn damit würde betont, daß der Mensch sein Los freudig als eine Gabe Gottes entgegennimmt. Diese Fähigkeit, das Leben zu genießen, diese Freude des Herzens, die nur Gott dem Menschen schenken kann, hält diesen davon ab, über die Kürze seines Lebens (vgl. V. 17 ) zu verzweifeln.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

5,17 Der beste Rat bleibt also, die gewöhnlichen Dinge des täglichen Lebens recht zu genießen, zu essen, zu trinken und zu arbeiten. Dann kann passieren, was will – nichts kann mir die Freuden nehmen, die ich bereits genossen habe. Das Leben ist sowieso so kurz; warum dann nicht genießen, solange es geht.
5,18 Salomo dachte, es wäre wohl ideal, wenn Gott dem Menschen Reichtum und Besitz geben würde, aber auch gleichzeitig die Fähigkeit, alles zu genießen, mit seinem Los zufrieden zu sein und sich an seiner Arbeit zu erfreuen. Diese Kombination von Umständen wäre ein besonderes Geschenk Gottes.
5,19 Solch ein Mann brauchte nicht über die Kürze des Lebens nachzugrübeln oder über das Grausame und Ungerechte, denn er wäre ja mit dem Genuss der momentanen Lebensumstände beschäftigt.

MacDonald 2010 – Kommentar zum Alten Testament

Durch die Einleitung «sieh, was ich Gutes sah» signalisiert Kohelet in 5,17, dass er nach seinem negativen Beispiel (vgl. 5,12) nun von einer positiven Erfahrung berichtet bzw. darlegt, was man tun muss, damit das Leben nicht zu einem «schlimmen Übel» wird, sondern «gut» bleibt. Mit der Aufzählung «essen, trinken, und Gutes geniessen» erinnert er an 3,13, wo er diese drei Formen von Lebensgenuss als «Geschenk» Gottes qualifiziert hat. Dieses Stichwort bringt Kohelet in diesem Abschnitt erst im nächsten Vers. Doch auch hier weist er bereits auf Gott, und zwar als denjenigen, der dem Menschen das Leben gegeben hat (vgl. 8,15; 9,9; 12,1.7). Dass auch das Gute und Schöne von Gott gemacht bzw. dem Menschen gegeben ist, sagt Kohelet explizit erst im nächsten Vers. Über das Stichwort «schön» deutet er den Gedanken hier aber bereits an, erinnert dieses doch an 3,11, wo er ausgeführt hat, dass Gott alles «schön» gemacht hat. Hier in 5,17 geht es Kohelet allerdings in erster Linie um den Menschen. Einerseits erinnert er mit der Erwähnung der «Zeit seines Lebens» daran, dass die menschliche Lebenszeit begrenzt ist (vgl. 5,14–15.19) – was es umso wichtiger macht, dass man das Leben geniesst, solange man kann. Und andererseits sagt er, dass ein solcher Lebensgenuss der «Teil» des Menschen ist. Wie auch andernorts im Buch (vgl. 2,10; 3,22; 9,9) bringt er damit zum Ausdruck, dass die Lebensfreude dem Menschen zukommt. Sie ist das, was er bei all seiner Arbeit und Mühe positiv hat – nicht als bleibenden «Gewinn» (vgl. 2,11), wohl aber als etwas, was man im Moment geniessen kann.
Erst in 5,18 spricht Kohelet aus, dass es Gott ist, der dem Menschen diesen «Teil» gibt. Die (Möglichkeit zur) Lebensfreude ist ein «Geschenk Gottes» (vgl. 3,13; mit negativer Beurteilung des Königs ähnlich 2,24). Interessanterweise erwähnt Kohelet dabei nicht nur das «Essen» und das «sich Freuen» (vgl. 3,22), sondern auch «Reichtum» und «Vermögen» – und zwar als das, «wovon» man essen und so seinen Teil davontragen und sich freuen kann. Spätestens hier ist klar, dass Kohelet Reichtum durchaus nicht nur negativ sieht (vgl. andeutungsweise bereits in 5,9–10). Wichtig ist, dass man das Leben geniesst – sei es mit viel «Vermögen» (vgl. 5,18) oder mit nur wenig (vgl. 5,9.17). Während er in 4,8 und 5,12–14 beklagte, dass jemand Reichtum hat, diesen aber nicht geniesst, spricht er hier positiv von der Möglichkeit, dass man von seinen Reichtum Gebrauch macht (von ihm «isst») und sich so des Lebens freut. Da Kohelet die (Möglichkeit zur) Lebensfreude als Geschenk Gottes betrachtet, nennt er Gott hier auch als denjenigen, der dem Menschen Reichtum gibt. Entscheidend ist dabei nicht der Reichtum selbst, sondern dass Gott einem «gestattet», diesen zu nutzen. Wie im folgenden Abschnitt, in dem er den Fall durchspielt, dass Gott jemandem nicht erlaubt, seinen Reichtum zu nutzen, macht Kohelet auch in diesem Vers Gott dafür verantwortlich, ob jemand seinen Reichtum positiv nutzt oder nicht (s. u. zu 6,2).
In 5,19 schliesslich nennt Kohelet als weiteren Aspekt des «Guten», dass man nicht zu oft an die «Frist seines Lebens» denkt, weil Gott einem das Herz «erfreut» (bzw. «mit Freude beschäftigt», wie die Hebräische Wendung wohl wörtlich zu übersetzen ist). Die Nennung der «Frist seines Lebens» erinnert dabei wieder an die Begrenztheit menschlichen Lebens (vgl. 5,17). Nach 7,2 und 9,5 erachtet Kohelet das Wissen um die eigene Sterblichkeit allerdings nicht (nur) als etwas Negatives. Von daher geht es ihm hier vielleicht mehr um ein zu intensives Nachdenken über die «Frist» bzw. die «Tage» (wie es im Hebräischen wörtlich heisst), die einem zu Lebzeiten gegeben sind. Sein Fallbeispiel von 5,12–14 hat ja gezeigt, dass zu viel Sorge um die Zukunft das «Unglück» erst herbeiführen kann. Kohelet argumentiert dabei wohl kaum grundsätzlich gegen vorausdenkendes Planen (vgl. 11,2; dazu weiter Sir 11,24–25; 18,25). Wohl aber geht es ihm darum, dass man ob der Frage, was die Zukunft bringen wird, nicht verrückt werden soll. Darüber kann man sowieso nichts wissen (vgl. 3,21–22; 11,6 u. ö.). Dass man sich nicht immer nur «freuen» kann, sondern manchmal auch an den Tod und die dunklen Tage «denkt», weiss Kohelet und hat offenbar auch nichts dagegen (vgl. 9,5; 11,8). Wer sich aber zu stark mit entsprechenden Fragen beschäftigt, kommt entweder nicht mehr zum Arbeiten (vgl. 11,4) oder wird depressiv (vgl. 2,23). Besser ist es demgegenüber, die von Gott ermöglichte Freude zu geniessen (und sich dem «Tag des Unglücks» dann zu stellen, wenn er kommt; vgl. 7,14).

Schellenberg 2013 – Zürcher Bibelkommentare

Frieden oder friedlich

Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und laßt uns hinaufziehen zum Berge Jehovas, zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln in seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz (O. die Lehre) ausgehen, und das Wort Jehovas von Jerusalem; und er wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen vielen Völkern. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden, und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.
Elberfelder 1871 – Jes 2,3–4

Und er wird zwischen den Heiden richten und vielen Völkern Recht sprechen, und sie werden ihre Schwerter zu Karsten umschmieden und ihre Spieße zu Winzermessern. Kein Volk wird mehr gegen das andere das Schwert erheben und nicht mehr werden sie den Krieg erlernen.
Textbibel – Jesaja 2,4

Und richten wird Er zwischen den Völkerschaften und strafen viele Völker. Und sie werden ihre Schwerter zu Hacken und ihre Spieße zu Winzermessern schmieden. Nicht wird Völkerschaft wider Völkerschaft das Schwert erheben, nicht wird man fürder streiten lernen. Ps 96,10.13; Mi 4,3; Joel 3,15f.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Jes 2:4

Gott wird Gerichtsurteile sprechen über die Länder auf der Erde, er wird für alle Völker der Richter sein. Dann werden sie ihre MGs einschmelzen lassen, um aus dem Metall Mähdrescher zu bauen, und ihre Handgranaten werden zu Flaschenöffnern umfunktioniert. Es wird keinen Krieg mehr zwischen den Ländern geben, und die Bundeswehr wird abgeschafft. Es wird keine Armeen mehr geben.
VolxBibel – Jesaja 2:4

Was für eine Hoffnung – kein Krieg mehr! Nein, noch nicht einmal das Lernen von Krieg!

Verschiedene Kennzeichen des Friedensreiches
Nach dem Sündenfall Adams wurde die Erde verflucht. Nun aber wird der Fluch von der Erde weggenommen (Off 22,3) und die Schöpfung von der Knechtschaft des Verderbens frei gemacht (Röm 8,21). «Kuh und Bärin werden miteinander weiden … und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Und der Säugling wird spielen am Loch der Otter … Man wird weder Böses tun noch Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berg; denn die Erde wird voll Erkenntnis des Herrn sein, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken.» (Jes 11,1-9) – «Die Wüste und das dürre Land werden sich freuen, und die Steppe wird frohlocken und aufblühen wie eine Narzisse» (Jes 35,1).
Dann ist der Gottlose nicht mehr da, «aber die Sanftmütigen werden das Land besitzen und werden sich ergötzen an Fülle von Frieden» (Ps 37,10.11). – «Siehe, ein König wird regieren in Gerechtigkeit; und die Fürsten, sie werden nach Recht herrschen» (Jes 32,1). «werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen» (Jes 2,4; Micha 4,3). Viele Völker werden hingehen und sagen: «Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln auf seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und das Wort des HERRN von Jerusalem.» (Jes 2,3).
Satan ist tausend Jahre gebunden
Zu Beginn des Friedensreiches wird Satan gebunden und für tausend Jahre im Abgrund eingeschlossen sein, wie auch die Dämonen. Sie können die Menschen nicht mehr verführen (Off 20,2.3; Jes 24,21.22). Aber es wird im Lauf jener Jahrhunderte dennoch ungläubige Menschen geben, die durch ihr eigenes Herz zur Auflehnung verleitet werden. Doch wird jede offenbare Sünde sogleich mit dem Tod bestraft werden. «Jeden Morgen will ich alle Gottlosen des Landes vertilgen, um aus der Stadt des HERRN auszurotten alle, die Frevel tun» (Ps 101,7.8). Von den Kindern und Kindeskindern derer, die im Gericht der Lebendigen verschont wurden, werden sich viele dem Herrn mit Schmeichelei unterwerfen (Ps 66,3) und ihre Knie nur gezwungen vor Ihm beugen (Phil 2,10). …

Halte fest 1967

Nichts offenbart Gottes Sorge um den Frieden anschaulicher als seine Entscheidung, seinen geliebten Sohn zu senden, um „unsere Füße auf den Weg des Friedens zu führen“ (Lk 1,79; vgl. Jes 2,4). Von Anfang bis Ende war die Mission Jesu eine friedensstiftende. Lange vor seiner Geburt wurde ihm der Titel „Friedensfürst“ gegeben (Jes 9,6). Während seines Dienstes war er ständig dabei, Frieden zu predigen und zu geben (Johannes 14,27; Epheser 2,17). Als der oberste Friedensstifter opferte Jesus sein Leben, damit wir jetzt und in Ewigkeit Frieden mit Gott und untereinander erfahren können.

Es gibt drei Dimensionen des Friedens, den Gott uns durch Christus anbietet: Frieden mit Gott, Frieden untereinander und Frieden in uns selbst. Viele Menschen kümmern sich wenig um ihre Beziehungen zu Gott und anderen Menschen, aber sie wollen trotzdem Frieden in sich selbst. Wie Sie sehen werden, ist es unmöglich, echten inneren Frieden zu erfahren, wenn Sie nicht auch nach Frieden mit Gott und anderen streben.

Ken Sande – Der Friedensstifter – Ein biblischer Leitfaden zum Lösen von persönlichen Konflikten

Zwar war es der Zweck des Kommens des Herrn Jesus, Frieden auf die Erde zu bringen. Aber viele Menschen offenbarten dadurch, wie sie Ihn, den Friedefürsten, behandelten, ihre Feindschaft gegen Ihn und damit gegen Gott, der Ihn gesandt hatte. Auf Golgatha erreichten Haß und Feindschaft der Welt gegen Ihn ihren Höhepunkt. Der Sohn Gottes wurde von Seinen eigenen Geschöpfen getötet (jedenfalls, was ihre Verantwortung betraf). So wurde schon daran, wie Er behandelt wurde, offenbar, daß es noch keinen Frieden unter der Menschheit gab. Unmöglich können Sünder äußeren Frieden von Seiten Gottes erwarten, ehe sie nicht mit Ihm versöhnt sind und dadurch Frieden mit Gott besitzen.
Doch auf Golgatha hat Er durch das Blut Seines Kreuzes Frieden zwischen verlorenen Sündern und dem heiligen Gott gemacht, und dieser Frieden wird seitdem durch das Evangelium in der ganzen Welt verkündigt (Kol 1,20; Eph 2,14-17; Röm 5,1). Jeder Mensch, der diese Botschaft des Heils im Glauben annimmt, empfängt jetzt Frieden mit Gott. Er darf dadurch wissen, daß Gott keine Forderungen mehr an ihn hat, sondern daß er gerechtfertigt und mit Gott versöhnt ist.
Der Friede, den der Herr Jesus bei Seinem ersten Kommen auf die Erde gebracht hat, ist also ganz anderer Natur, als die alttestamentlichen Propheten vorausgesagt hatten. Er hat nicht den äußeren Frieden auf die Erde gebracht, sondern den Frieden mit Gott für die einzelnen Menschen, die an Ihn glauben.
Die Folge davon ist jedoch, daß jeder, der sich als Jünger oder Nachfolger Christi auf Seine Seite stellt, die Erfahrung machen muß, daß die Feindschaft der Welt sich auch gegen ihn richtet. Innerlich besitzt er zwar Frieden, aber äußerlich gibt es Widerstand und Verfolgung. Das ist die Erklärung für die Äußerung des Herrn: „Ich bin nicht gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert“. Das Schwert als Symbol des Streites ist also nicht der Zweck, sondern eine unausweichliche Konsequenz Seines ersten Kommens.
Wir sehen also, daß wir es in den erwähnten Schriftstellen mit zwei verschiedenen Arten von Frieden zu tun haben. Der äußere Frieden unter den Menschen und den Völkern dieser Erde, von dem die Propheten des Alten Testaments so viel gesprochen hatten, ist noch nicht gekommen. Wohl aber besitzt jetzt jeder, der an den Herrn Jesus glaubt, den inneren Frieden mit Gott.
Wenn der Herr Jesus allerdings zum zweiten Mal auf die Erde kommt, wird Er als Friedenskönig erscheinen. Dann werden die Weissagungen über Ihn in Erfüllung gehen, für die bei Seinem ersten Kommen wegen Seiner Verwerfung die Voraussetzung nicht bestand, auch hinsichtlich des Friedens. Dann werden die Schwerter zu Pflugmessern geschmiedet werden (Jes 2,4; Mich 4,3) und alle Völker in Frieden miteinander leben. Für Feinde Gottes wird es auf der Erde keinen dauerhaften, echten Frieden geben können.

Ermunterung und Ermahnung 1995

Zu DDR-Zeiten war dieses Symbol bekannt – und von der Führung „gehasst“:

die wenigsten wußten, dass das Bild in der Mitte des Stickers ein Bild von einer Bronzeskulptur war, die es wirklich gab! Wer von uns hätte auch jemals nach New-York fliegen können? Dort stand diese Figur – die die Worte der Bibel bildlich darstellten – und was ich erst durch den „Sputnik“ erfuhr: es war ein Geschenk der UdSSR an die UNO! Kann mich noch an die ersten Stunden auf der Abendschule erinnern, als der eine Lehrer sich über „Bibel und Glauben“ und „Friedensbewegung“ lustig machte und wir dann auf das Geschenk an die UNO kamen – und wie groß das Staunen war, dass „unser großer Bruder“ so eine Figur erstellt hatte 😉
Aber wie steht es mit uns? Reden wir auch nur über Frieden, sind aber eigentlich keine Friedensboten? Reden wir nur nach außen von Frieden, aber wenn jemand eine andere Meinung hat, dann „hauen wir ihm den Schädel ein“ – sprich „schließen wir diesen dann aus“??

Über wen sprechen wir mit anderen??

Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christum Jesum als Herrn, uns selbst aber als eure Knechte um Jesu willen. Denn der Gott, der aus Finsternis Licht leuchten hieß, ist es, der in unsere Herzen
Elberfelder 1871 – 2.Kor. 4,5–6

Denn ich verkünde nicht mich selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn. Ich selbst komme nur als euer Diener in Betracht, und das bin ich, weil ich Christus diene. Gott hat einst gesagt: »Licht strahle auf aus der Dunkelheit!« So hat er auch sein Licht in meinem Herzen aufleuchten lassen und mich zur Erkenntnis seiner Herrlichkeit geführt, der Herrlichkeit Gottes, wie sie aufgestrahlt ist in Jesus Christus.
Gute Nachricht Bibel – 2.Korinther 4,5–6

Bei unserer Verkündigung geht es schließlich nicht um uns, sondern um Jesus Christus, den Herrn; wir sind nur Diener – eure Diener, weil Jesus uns damit beauftragt hat. Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«, der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Kor. 4:5–6

Es dreht sich nicht um uns, wenn wir reden, sondern alleine um Jesus Christus, er ist der Chef! Wir wollen hiermit nur noch mal klarmachen, dass wir uns für euch echt den Arsch aufreißen, weil wir euch so mega lieb haben!
Gott hat das mal befohlen: „Im Dunkel soll es hell werden.“ So hat er es auch in unseren Gedanken hell gemacht. Deshalb können wir jetzt kapieren, wie toll und groß Gott ist und dass Jesus wirklich sein Sohn ist.
VolxBibel – 2.Korinther 4:5–6

Aber hier ist die gute Nachricht – Gottes unerschütterliche Liebe zu seinen Kindern wurde ein für alle Mal durch Jeschuas Leben, Tod und Auferstehung festgelegt. Wegen des einen, der den Segen Gottes verkörperte, hört Gottes Angesicht nie auf, auf seine Kinder zu scheinen – selbst wenn seine Kinder das Gefühl haben, dass sie im Dunkeln stehen. Mit den Worten des Paulus hat Gott „sein Licht in unseren Herzen leuchten lassen, das Licht der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes, das im Angesicht des Messias Jeschua leuchtet“ (2 Kor 4,6).
Das ist der Grund, warum am Abend von Jeschuas Rückkehr zu seinem Vater seine Anhänger in den Tempelhöfen jubelten, anstatt am Ölberg Trübsal zu blasen. Sie wussten, dass Gottes Angesicht über ihnen leuchtete, auch wenn Jeschua nicht mehr neben ihnen war.
Natürlich ist das leuchtende Antlitz Gottes keine Garantie dafür, dass unser Leben leichter wird. Nach der Überlieferung starben alle zwölf Talmidim Jeschuas bis auf zwei als Märtyrer. Was das leuchtende Gesicht Gottes jedoch garantiert, ist, dass nichts in der ganzen Schöpfung Gottes Gunst aus dem Leben seiner Kinder entfernen kann.

Was bedeutet das für Ihr tägliches Leben? Es bedeutet, dass Ihre Kinder vielleicht gegen Sie rebellieren und Ihre Abwasserkanäle unter Ihnen zerreißen. Ihr Haus mag um Sie herum einstürzen, und Ihr Geist mag in Ihnen aufschreien. Und doch wird Gottes Angesicht nie aufhören, über Ihnen zu leuchten. Sie können sich sein leuchtendes Gesicht nicht verdienen, und Sie können es nicht ausnutzen. Sie können es nur annehmen, indem Sie den empfangen, dessen Gesicht immer noch „wie die Sonne in voller Kraft“ (Offb 1,16) leuchtet.

Timothy P. Jones – Beten wie der Jude Jesus – Die antiken Wurzeln des neutestamentlichen Gebets wiederentdecken

Der Messias als die neue Manifestation der Gegenwart Gottes wird auch in späteren Schriften des Neuen Testaments gelehrt. Paulus schreibt in 2 Korinther 4,5-6: Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als Herrn, und uns selbst als eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott ist es, der gesagt hat: Licht soll aus der Finsternis leuchten, der in unsere Herzen geleuchtet hat, um das Licht der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi zu geben.
Diese Passage besagt, dass durch Jeschua Licht aus der Finsternis leuchtet, und das Licht ist das der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. Es ist also klar, dass sich die Herrlichkeit Gottes in der Person Jeschuas manifestiert hat, und er war tatsächlich eine neue Manifestation der Gegenwart Gottes.

Arnold Fruchtenbaum – Die Herrlichkeit der Schechinah in Geschichte und Prophezeiung

In diesem einen Vers finden wir, wie das schlechteste und das beste Thema für einen Prediger vereint sind. Das schlechteste Thema sind wir »selbst«, das beste ist Christus Jesus, der Herr.
Offensichtlich predigten die zum Judaismus neigenden Verkündiger viel über sich selbst. Paulus unterscheidet sich von dieser Gesellschaft. Er will nicht die Zeit der Menschen verschwenden, um über ein so unwürdiges Thema zu predigen. Sein Thema war »Christus Jesus«, der »Herr«. Er wollte Männer und Frauen an den Punkt bringen, wo sie bereitwillig ihre Knie vor Jesus Christus beugen und ihm die Ehre als dem Herrn ihres Lebens geben.
Der Apostel stellte sich und seine Mitarbeiter als »eure Sklaven um Jesu willen« vor. Damit gelang es ihm, mit seinen Mitarbeitern im Hintergrund zu bleiben. Sie waren nur Sklaven – bereit, auf jede Art zu helfen, die Menschen zum Herrn Jesus führen würde.
4,6 Paulus vergleicht hier die Bekehrung eines Sünders mit der Erschaffung des Lichtes zu Beginn der Schöpfung.
Gott befahl anfangs: »Aus Finsternis soll Licht leuchten!« Er sagte: »Es werde Licht! Und es wurde Licht« (1. Mose 1,3).
Nun sagt Paulus hier, dass derselbe »Gott«, der im Anfang befahl: »Aus Finsternis soll Licht leuchten! … in unseren Herzen aufgeleuchtet ist.« Das ist eine sehr schöne Aussage. Bei der ersten Schöpfung befahl Gott, dass das Licht scheinen solle. Doch in der neuen Schöpfung scheint »Gott« selbst in unsere Herzen hinein. Wie viel persönlicher ist das doch!
Die Ereignisse zu Beginn des 1. Buches Mose sind ein Bild für die neue Schöpfung. Gott schuf den Menschen ursprünglich im Zustand der Unschuld. Doch die Sünde kam in die Welt, und mit ihr große Finsternis.
Wenn das Evangelium gepredigt wird, dann bewegt der Geist Gottes das Herz des Menschen. In ähnlicher Weise schwebte er nach der Schöpfung über der Fläche der Tiefe

MacDonald 2018 – Kommentar zum Neuen Testament

Nicht am Apostel, in seiner Person entscheiden sich Rettung und Verlorengehen. Er »predigt nicht sich selbst«, redet nicht von sich aus und aus sich. Es sind nicht seine Gedanken, Meinungen und Lehren. Wir sollten das sehr genau hören, denn damit wird alles Verstehen der biblischen Texte – auch unseres Briefes – der Ebene entnommen, dass sie von den Personen der Schreiber her aufgeschlüsselt werden könnten. Sie predigen nicht sich selbst, sondern Jesus Christus. Er ist Inhalt und Geber des Evangeliums. »Dass er der Herr ist«, das wird ausgerufen. Der Apostel ist »Knecht« (wörtlich: »Sklave«), zuerst des Christus (vgl. Mt 10,24ff.; Mt 20,26; Röm 1,1; Gal 1,10; Phil 1,1; Tit 1,1). Paulus setzt aber jetzt hinzu: »… eure Knechte um Jesu willen.« Wie sein Herr, den er ausruft, dient der Apostel der Gemeinde. Er will nicht ihr Herr sein, kann es auch gar nicht, denn Herr ist allein Christus. Der Apostel ist Diener, Sklave der Gemeinde in Korinth »um Jesu willen«, wie sein Herr und weil es sein Herr so ordnet (vgl. 1Kor 3,22; 9,19). Doch ist die Gemeinde nicht sein Herr; für beide, Apostel und Gemeinde, ist und bleibt allein Jesus Herr. Doch der Apostel dient nach seines Herrn Wort als Sklave und Knecht der Gemeinde des Herrn (vgl. bes. Mt 20,25-28). Jeder Vorwurf, der Apostel maße sich die Herrschaft über die Gemeinde an, muss vor diesem »Knechtsbewusstsein« verstummen.

So ist Paulus zum Knecht Jesu Christi geworden. Es war ein Schöpfer-, ein Neuschöpfungshandeln Gottes wie am ersten Schöpfungstag. Dort sprach Gott: »Aus der Finsternis erglänze das Licht« (so wörtlich; vgl. 1Mose 1,3). So sprach der Auferstandene sein Schöpferwort in das Leben des Saulus hinein (vgl. Apg 9,36.15-16). So wird es Christus -licht im Sein des Paulus; griechisch: »Der ist aufgeleuchtet in unseren Herzen.« Christus hat sich dem Paulus offenbart und zog mit seinem Lichtglanz in sein Herz ein, beschlagnahmte seine ganze Person. Darin liegt aber auch die Dienstbeauftragung: »… dass durch uns entstände die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi«, bekennt Paulus (griechisch kürzer: »… zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi«). Das ist das Licht der Neuschöpfung, der Wiedergeburt im Leben des Paulus: Er kann nun in und durch Christus die Herrlichkeit Gottes unverhüllt erkennen. Er, der mit allem Eifer dem Gott seiner Väter diente, durfte in Jesus Christus Gott erkennen, wie er ist, die Herrlichkeit seiner Gnade und Barmherzigkeit.

Mose musste sein Antlitz nach der Gottesbegegnung verhallen. Der Lichtglanz der Gotteserkenntnis im Leben des Paulus strahlt als sein Christuszeugnis weiter; so wird er zum Lichtträger und Lichtbringer. Das ist sein Amt als Apostel: das Christuslicht in der Dunkelheit der Welt anzuzünden.

Gerhardt Maier – Edition C

Und was predige ICH? Was ist das Thema über das ich spreche? Spreche ich über den Gott der Bibel? Spreche ich über den Vater und seinen Sohn? Oder predige ich eine Kirche oder eine Organisation? Falls ich eine Kirche oder Organisation predigen sollte, dann bin ich wohl in die Falle geraten und bin ein falsches Leuchtfeuer geworden…

Jehovah schützt …

Wer im Schirm (Eig im Verborgenen) des Höchsten sitzt, wird bleiben im Schatten des Allmächtigen. Ich sage von (O. zu) Jehova: Meine Zuflucht und meine Burg; mein Gott, auf ihn will ich vertrauen. (O. auf den ich vertraue). Denn er wird dich erretten von der Schlinge des Vogelstellers, von der verderblichen Pest.
Elberfelder 1871 – Psalm 91,1–3

Wer im Schutz des Höchsten lebt, der findet Ruhe im Schatten des Allmächtigen. Der spricht zu dem Herrn: Du bist meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, dem ich vertraue. Denn er wird dich vor allen Gefahren bewahren und dich in Todesnot beschützen.
Neues Leben – Bibel 2006 – Ps 91,1–3

Er bewahrt dich vor versteckten Gefahren und hält jede tödliche Krankheit von dir fern.
Hoffnung für Alle – Psalm 91:3

Setz auf den Chef und seine Versicherung!Dann ist der Schatten vom Allergrößten um dich herum. Du merkst, dass er deine Schutzmauer ist.Du sprichst: „Mein Gott, ich vertraue auf dich! Keine Bärenfalle kann dich jemals zermalmen,Bakterien und Viren können dich nicht befallen.
VolxBibel – Psalm 91:1–3

Der Psalmist zählte auf, wie Gott einen Gläubigen vor den verschiedenen furchteinflößenden Angriffen errettet: (1) Gott errettet aus der Schlinge des Vogelstellers (V. 3 a; vgl. Ps 124,7 ), ein Bild für die heimtückischen Angriffe auf sein Leben. (2) Gott errettet aus der todbringenden Pest ( Ps 91,3 b). (3) Gott bedeckt ihn mit seinen Flügeln (V. 4 a), ein Bild für Geborgenheit und Trost (vgl. Ps 17,8;36,8;57,2;61,5;63,8 ). (4) Gott bewahrt durch seine Treue ( Ps 91,4 b), die hier mit dem Bild von Schild und Brustwehr dargestellt wird.
Weil Gott so treu hilft, wird der, der auf den Herrn vertraut, nicht den Schrecken in der Nacht fürchten, nicht den Angriff am Tage, die Pest oder eine Plage (V. 5-6 ). Wenn auch Tausende durch ihre Niederlage hingestreckt werden, so geht der Gläubige daraus doch hervor, und er wird die Vernichtung der Gottlosen erleben (V. 7-8 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Aber leben wir, also du und ich „unter dem Schutz des Höchsten“? Oder ist nicht der einleitende Satz mehr „eine Wunschvorstellung“ – und deshalb die weiteren Verse nicht wirklich auf uns anwendbar?

Im Schutz von ‚Elyon … im Schatten von Schaddai. Raschi erklärt, dass derjenige, der unter den Flügeln der Sh’khinah (göttlichen Gegenwart) Schutz sucht, in seinem Schatten ruhen wird, denn Gott beschützt ihn. Mosche ruft alle auf, bei ‚Elyon, dem Allerhöchsten, Schutz zu suchen. Das hebräische Wort für „Schatten“ stellt eine Vogelmutter dar, die ihre Jungen unter ihren Flügeln beschützt (17:8; 36:8).

The Complete Jewish Study Bible: Notes

Im ersten Jahrhundert gab es mehrere Traditionen im Zusammenhang mit den Tzitzit, die sich auf den Messias bezogen. Eine davon besagte, dass diese geknoteten Fransen heilende Kräfte besaßen. Eine andere, die bis in spätere Zeiten überliefert ist, besagt, dass die Tzitzit als eine Art jüdischer Talisman oder Amulett dienten. Beide Traditionen hatten wahrscheinlich ihre Wurzeln in der Prophezeiung von Maleachi 4:2, wo es heißt, dass der Messias „mit Heilung in seinen Flügeln“ kommen wird. Sicherlich kannte die Frau mit dem Bluterguss diese Traditionen, was erklären würde, warum sie versuchte, die Ecke (die Flügel) des Gebetsmantels Jesu zu berühren. Dasselbe Wort, das in Numeri 15:38 für „Ecke“ verwendet wird, wird in Maleachi 4:2 für „Flügel“ benutzt. Mit diesem Verständnis im Hinterkopf könnte man sagen, dass ein alter Jude unter dem Gebetsmantel „an der verborgenen Stätte des Höchsten und unter seinen Flügeln“ wohnt (Psalm 91:1-4). Wenn man sich die Bedeutung dieses Konzepts für den hebräischen Geist des ersten Jahrhunderts vergegenwärtigt, wird klar, warum diese Frau sofort geheilt wurde. Sie drückte ihren Glauben an Jesus als die Sonne der Gerechtigkeit aus, die mit ihren Flügeln Heilung schenkt, und bekundete ihren Glauben an Gottes prophetisches Wort.

Yeshua: ein Leitfaden zum wahren Jesus und der ursprünglichen Kirche

Friedlich oder kämpfen?

Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, (Eig Blut und Fleisch) sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. Deshalb nehmet (O. ergreifet) die ganze Waffenrüstung Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet (O. überwältigt) habt, zu stehen vermöget.
Elberfelder 1871 – Eph 6,12–13

Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen, die über diese gottlose Welt herrschen und im Unsichtbaren ihr unheilvolles Wesen treiben. Darum nehmt all die Waffen, die Gott euch gibt! Nur gut gerüstet könnt ihr den Mächten des Bösen widerstehen, wenn es zum Kampf kommt. Nur so könnt ihr das Feld behaupten und den Sieg erringen.
Hoffnung für Alle 2015 – Eph. 6,12–13

Ihr habt ja nicht gegen Wesen von Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen überirdische Mächte und Gewalten, gegen die Geister der Finsternis, die in dieser Welt die Herrschaft führen und gegen Machenschaften der bösen Geister in den jenseitigen Sphären. Darum ziehet die volle Waffenrüstung Gottes an, damit ihr stark genug seid, am ‚Bösen-Geister-Tag‘ Widerstand zu leisten und alles daran setzt, um fest zu bleiben.
Johannes Greber 1936 -Eph 6,12–13

Wir kämpfen ja nicht gegen Menschen, die ihre Muskeln und Fähigkeiten gegen uns einsetzen, sondern gegen übernatürliche Mächte, gegen böse Geister, linke Bazillen aus einer parallelen Dimension, gegen die dunkle Seite der Macht, die diese Welt beherrscht. Darum legt euch das gesamte Waffenarsenal zu, das Gott für euch bereitgestellt hat. Damit werdet ihr die linken Attacken der bösen Seite abwehren können, wenn es mal zu einem Kampf kommt.
VolxBibel – Epheser 6:12–13

Eph 6,13 ἀνα-λάβετε Aor. Imp. -λαμβάνω152 aufnehmen; ergreifen. δυνηθῆτε Aor. Konj. Pass. (ohne Pass.-Bdtg.) δύναμαι. ἀντι-στῆναι Wz.-Aor. Inf. ἀνθ-ἀνθ-ίσταμαι205 sich entgegenstellen; Widerstand leisten, widerstehen. ἅ-παντα = πάντα. κατ-εργασάμενοι Aor. Ptz. Med. -εργάζομαι92 vollenden, ausführen; bewältigen, besiegen; temp.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Das bedeutet sowohl in theologischer als auch in praktischer Hinsicht, dass geistliche Kampfführung im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen zwei Reichen verstanden werden muss: dem Reich Gottes und dem Reich Satans. Während des öffentlichen Wirkens Jesu sehen wir diese binäre Opposition. Jesus selbst artikulierte ihn: „Wenn ich durch den Geist Gottes Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes über euch gekommen“ (Mt 12,28). Es ist kein Zufall, dass die Austreibung von Dämonen aus Menschen und Orten den Anbruch des Reiches Gottes begleitet. Während das Reich Gottes wächst, schrumpft das Reich der Finsternis und verliert an Boden.

Jesus hat seinen Nachfolgern nie befohlen, sich mit geistigen Wesenheiten auseinanderzusetzen. Stattdessen gab er den Missionsbefehl. Ein geistliches Wesen mag vertrieben werden, aber das führt nicht unbedingt dazu, dass eine neue Seele in das Reich Gottes eintritt. Dieses letztere Ziel ist der Grund, warum Jesus sein Leben gab und von den Toten auferstand. Beim Werk Christi ging es nicht um Machtbegegnungen mit Dämonen. Es war viel umfassender und dauerhafter als das. Das Ziel war, den Kreis von Eden zu schließen – Gottes Wunsch zu erfüllen, eine menschliche Familie für immer bei ihm zu haben. Gefallene Geister zu bestrafen, erfüllt nicht Gottes ursprüngliches edenisches Ziel. Nur der Missionsbefehl erfüllt die Ziele, auf die Gott hingearbeitet hat, sowie die Besiegung und Bestrafung der rebellischen bösen Geister. Der Missionsbefehl ist also ein umfassender Plan für die geistliche Kriegsführung.

Eine sorgfältige Lektüre der beiden Hauptstellen, die zur Unterstützung der Machtbegegnung im geistlichen Kampf verwendet werden, bestätigt die vorhergehende Behauptung, dass es bei der geistlichen Kriegsführung nicht um die Konfrontation mit übernatürlichen Wesenheiten geht, sondern um die Förderung des Evangeliums durch engagierte Gläubige:

Seid schließlich stark in dem Herrn und in der Kraft seiner Macht. Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Anschläge des Teufels bestehen könnt. Denn wir ringen nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächtigen, gegen die Gewalten, gegen die kosmischen Mächte dieser gegenwärtigen Finsternis, gegen die geistlichen Mächte des Bösen in den himmlischen Örtern. Darum nehmt die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr in dem bösen Tag bestehen könnt, und nach allem, was ihr getan habt, fest steht. So steht nun, indem ihr den Gürtel der Wahrheit umschnallt und den Brustpanzer der Gerechtigkeit anlegt, und als Schuhe für eure Füße die Bereitschaft anlegt, die durch das Evangelium des Friedens gegeben ist. Nehmt unter allen Umständen den Schild des Glaubens auf, mit dem ihr alle flammenden Pfeile des Bösen auslöschen könnt; und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist, und betet allezeit im Geist, mit allem Gebet und Flehen. Zu diesem Zweck wacht mit aller Beharrlichkeit und fleht für alle Heiligen, auch für mich, damit mir Worte gegeben werden, meinen Mund kühn aufzutun, um das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden, für das ich ein Botschafter in Ketten bin, damit ich es kühn verkünde, wie ich es zu reden habe. (Eph 6,10-20)
In Paulus‘ Erklärung der geistlichen Kriegsführung an die Gemeinde in Ephesus empfiehlt er nirgends, dass Gläubige die übernatürlichen Herrscher und Mächte konfrontieren oder ermahnen sollen. Seine Liste der Waffen enthält keinen Exorzismus gegen die geistlichen Mächte des Bösen in den himmlischen Örtern. Stattdessen steht hier, was Paulus im geistlichen Kampf gegen die Mächte der Finsternis für wirksam hielt:
-Wahrheit           (V. 14)
-Rechtschaffenheit        (V. 14)
-das       Evangelium (V. 15)
-Glaube               (V. 16)
-Rettung             (V. 17)
-das       Wort Gottes (V. 17)
-Gebet                 (V. 18)
Beharrlichkeit   (V. 18)

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass es bei der geistlichen Kampfführung in Epheser 6 nicht um Machtkämpfe geht, sondern darum, beharrlichen Glauben an das Evangelium und das Wort Gottes zu haben und ein heiliges, betendes Leben als Nachfolger Jesu zu führen. Die gleiche Strategie ist in der anderen beliebten Bibelstelle für geistliche Kampfführung zu erkennen:
Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, führen wir nicht nach dem Fleisch den Krieg.. Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht vom Fleisch, sondern haben göttliche Kraft, Festungen zu zerstören. Wir zerstören Argumente und jede hochmütige Meinung, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen, um Christus zu gehorchen, wobei wir bereit sind, jeden Ungehorsam zu bestrafen, wenn euer Gehorsam vollkommen ist. (2 Kor 10,3-6)

Paulus‘ Beschreibung, wie er die Hochburgen der Finsternis bekämpft, beinhaltet weder Exorzismus noch Bemühungen, territoriale Geister zu vertreiben. Die Konfrontation mit übernatürlichen Mächten gehört nicht zu seiner persönlichen Strategie. Vielmehr zerstört erfolgreiche geistliche Kampfführung in diesem Abschnitt „Argumente und jede hochmütige Meinung, die gegen die Erkenntnis Gottes erhoben wird“ und „nimmt jeden Gedanken gefangen, um Christus zu gehorchen.“ Mit anderen Worten, geistliche Kampfführung bedeutet, ein treuer Jünger zu sein, der nicht „hin und her geworfen wird von den Wellen und umhergetragen von jedem Wind der Lehre, von menschlicher List, von Schlauheit in betrügerischen Machenschaften“ (Eph 4,14). Bei der geistlichen Kampfführung geht es darum, ein Leben im Gehorsam gegenüber Jesus zu führen, seinem gehorsamen Beispiel für die Sache von Gottes Vision für ein Reich auf Erden zu folgen.

Es ist zwar nicht spektakulär, aber das Festhalten an der Wahrheit und die engagierte Nachfolge ist das, was in der neutestamentlichen Theologie die geistliche Kriegsführung ausmacht. Um es unverblümt zu sagen: Das ist viel schwieriger, als einem Dämon im Namen Jesu Befehle entgegenzuschreien (oder, was häufiger vorkommt, in die Luft). Als Jünger müssen wir uns darauf vorbereiten, Dämonisierung in Form von falscher Lehre, Versuchung und sündigen Lebensmustern zu vermeiden. Paulus‘ Charakterisierung des geistlichen Kampfes als Festhalten am Evangelium und anderen biblischen Wahrheiten und als ein betendes, ausdauerndes Leben der Rechtschaffenheit sind klar und treffend. Gehorsame Jünger zu sein ist das, was uns zu tauglichen Soldaten für Christus macht. Die Mission eines jeden Christen ist es, den Missionsbefehl auszuführen, das Mittel, durch das das Reich Gottes wächst und das Reich der Finsternis zurückweicht.

Michael Heiser – Dämonen – Was die Bibel wirklich über die Mächte der Finsternis sagt

Manche Menschen im A.T. erfuhren, dass ihnen ein geistlicher Kampf bevorstand (vgl. 1.Mose 32,23-33; Dan 10,10-21 ), doch sowohl für Daniel als auch für Paulus bestand der Kampf im Gebet und in der Unterordnung unter Gott und seinen Willen, nicht in der Rüstung für einen direkten Angriff der feindlichen Mächte ( Dan 10,12-13.21 ). Manche heidnischen Gottheiten der damaligen Zeit wurden als »Herren der Welt« bezeichnet, was zur Ausbildung populärer Vorstellungen von guten und bösen Engelhierarchien beitrug; die Formulierung »die geistlichen Mächte der Bosheit« (Schlachter) ist ein griechischer Sprachbegriff für »böse Geister«, ein jüdischer und neutestamentlicher Ausdruck.
Eph 6:13 : Die Zeitangabe »an dem bösen Tag« könnte sich ganz allgemein auf eine Zeit des Gerichts oder der Prüfung beziehen (z.B. Am 6,3 ); nach Ansicht mancher Gelehrter ist damit jedoch speziell die Zeit der Trübsal gemeint, mit der die Juden unmittelbar vor dem Ende des Zeitalters rechneten (vgl. Dan 12,1 ) und die, wie Paulus auch an anderer Stelle sagt, bereits angebrochen ist (vgl. Röm 8,22-23 ). Zu der Wendung »das Feld behalten« siehe die Ausführungen zu 6,10-11 .

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Die tiefere Begründung für diesen Aufruf zum Kampf bietet V. 12: »Denn unser Kampf geht nicht gegen Fleisch und Blut«, d. h. nicht gegen Menschen als schwache, hinfällige Geschöpfe, »sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister in den Himmeln.« Das Wort »Kampf« meint nicht die offensive Kriegsführung, sondern mehr das hautnahe Ringen mit einem Gegner. Paulus hat in seinem Dienst immer wieder die Widerstände und Anfechtungen des Teufels zu spüren bekommen (2Kor 12,7; 1Thess 2,18; 1Tim 5,15). Er rechnet ganz real mit der Wirklichkeit des Teufels und seiner dunklen Mächte, die etwas ganz anderes sind als »Fleisch und Blut«. Nein, biblisch gesehen wird man diese Mächte nicht umdeuten können auf irgendetwas Innerweltliches bzw. auf menschliche oder gesellschaftliche Widerstände, wie das manche Ausleger versuchen, die meinen, Paulus würde hier mythologisch denken. Der Teufel und seine dunklen Mächte sind für den Apostel eine Realität. Sie sind als »Mächte« und »Gewalten« unendlich stärker als der schwache Mensch, sind als »Weltbeherrscher dieser Finsternis« mit einem Einfluss ausgestattet, der sich über die ganze von der Sünde bestimmte Welt erstreckt, sind als »böse Geister« das Gegenstück zu den guten Engeln Gottes und sind als Wesen, die »in den Himmeln« ihren Ort haben, jenseitige Mächte und damit eben nicht nur eine altertümliche Umschreibung für das innerweltlich Böse. Im Kolosserbrief werden diese Mächte zum Teil auch »Elemente der Welt« genannt (Kol 2,8; vgl. außerbiblisch das sog. Testament Salomos 8, 2 u. 18, 2 wo die »Elemente« als »Weltbeherrscher der Finsternis« und »Weltherrscher der Finsternis dieses Äons« bezeichnet werden). Gegen diese Mächte gilt es zu kämpfen.

Ihr Einfluss wird nicht einfach hingenommen, vor ihrer Macht nicht ängstlich kapituliert. Nein, »unser Kampf« geht gegen diese Mächte! Woher nimmt Paulus diesen Mut? Nochmals sei an V. 10.11 erinnert. Gestärkt »durch den Herrn und durch die Macht seiner Stärke« und geschützt durch »die Waffenrüstung Gottes« geht der Christ, der selbst ja auch nur »Fleisch und Blut« – und das heißt: ein schwacher Mensch – ist, in diesen Kampf. Ihm sind im Glauben die Augen für die Realitäten geöffnet, die Paulus schon in Eph 1,19-22 geschildert hat: nämlich für das Übermaß der Größe der Kraft Gottes, die in Christus wirksam wurde, als er ihn von den Toten auferweckte und zur Rechten Gottes einsetzte, hoch über allen Mächten und Gewalten und Kräften und Herrschaften, und diesem Herrn alles unterworfen hat. Von diesem Siegesboden aus erfolgt der Kampf. Aber – und auch das ist zu beachten – trotz dieses in Eph 1 schon proklamierten Sieges ist der tägliche Kampf für den Christen immer noch zu führen! Eins hebt da das andere nicht auf.

»Deshalb«, weil ihr es mit solch starken bösen Mächten zu tun habt, »nehmt die Waffenrüstung Gottes« (V. 13 a). Bildhaft wird der Schutz, den Gott seinen Kindern für den geistlichen Kampf gibt, als eine Waffenrüstung geschildert (vgl. 1Thess 5,8; Röm 13,12 b; 2Kor 6,7). Das hier gebrauchte Wort für »Waffenrüstung« (wörtl.: Vollwappnung) bezeichnet sonst die Ausrüstung des voll bewaffneten Fußsoldaten. Dan Paulus im Folgenden vornehmlich defensive Ausrüstungsgegenstände nennt, könnte man auch erwägen, ob ihm hier die Arenakämpfer vor Augen standen, die sich im Zirkus gegen wilde Tiere oder hochgerüstete Gladiatoren zu verteidigen hatten. Am einfachsten ist vielleicht sich vorzustellen, dass Paulus von seiner Gefängniszelle aus die römischen Wachsoldaten im Blickfeld hatte, die diese Ausrüstung trugen; und er beginnt nun das, was er da sieht, auf die Ausrüstung zu übertragen, die der Christ von Gott für den geistlichen Kampf erhält. Ziel dieser »geistlichen Aufrüstung« ist, dass sie, die schwachen Menschen, diesen weltbeherrschenden finsteren Mächten »widerstehen« und siegreich »standhalten« können (V. 13 b). Dieser Widerstand und dieses Durchstehen des Kampfes bis zum Sieg ist nötig »an dem bösen Tag«. Was ist damit gemeint? Die letzte böse Zeit vor dem Wiederkommen Christi? Vom Zusammenhang des Eph her weist nichts auf diese spezielle Bedeutung hin. Nach 5,16 sind jetzt schon »die Tage böse«. Die Endzeit hat längst begonnen. Innerhalb dieser »bösen Tage« ist »der böse Tag« wohl immer der, an dem der Christ den Betrügereien (V. 11) des Teufels ausgesetzt ist und ihnen widerstehen muss. Kosmisch gesehen ist jetzt nicht Friedenszeit; und der Tag des Kampfes ist nicht auf irgendeinen fernen Tag verschoben. Nein, jetzt gilt es für die Christen, die Waffen aufzunehmen und jederzeit zum Widerstand bereit zu sein, ob der Angriff nun heute oder in der Zukunft erfolgt.

Edition C