Schlagwort: Gott

Eine Kindheit im Tempel Salomos??

Aber Josabath, die Tochter des Königs, nahm Joas, den Sohn Ahasjas, und stahl ihn weg aus der Mitte der Königssöhne, die getötet wurden, und sie tat ihn und seine Amme in das Schlafgemach. Und so verbarg ihn Josabath, die Tochter des Königs Joram, das Weib Jojadas, des Priesters (denn sie war die Schwester Ahasjas) vor Athalja, so daß sie ihn nicht tötete. Und er war sechs Jahre bei ihnen im Hause Gottes versteckt. Athalja aber regierte über das Land.
Elberfelder Bibel 1905 – 2.Chronika 22,11–12

Und (2Chron 22,10) als Athalja, die Mutter Ahasjas, sah, daß ihr Sohn tot war, da machte sie sich auf und brachte allen königlichen Samen um. Aber Joseba, die Tochter des Königs Joram, die Schwester Ahasjas, nahm Joas, den Sohn Ahasjas, und stahl ihn weg aus der Mitte der Königssöhne, die getötet wurden, und tat ihn und seine Amme in das Schlafgemach; (O. die Bettzeugkammer) und so verbargen sie ihn vor Athalja, und er wurde nicht getötet. Und er war sechs Jahre bei ihr im Hause Jehovas versteckt. Athalja aber regierte über das Land
Elberfelder 1871 – 2.Könige 11,1–3

Josabath aber, die Tochter des Königs (Joram), nahm Joas, den Sohn Ahasjas, brachte ihn heimlich mitten aus den Königssöhnen, die getötet werden sollten, beiseite und tat ihn samt seiner Amme in den Bettenraum; so verbarg ihn Josabath, die Tochter des Königs Joram, das Weib des Priesters Jojada – sie war nämlich die Schwester Ahasjas – vor Athalja, sodass diese ihn nicht töten konnte. Und er war bei ihr im Tempel sechs Jahre lang versteckt, während Athalja über das Land herrschte.
Zürcher 1931 – 2.Chronik 22,11–12

Und wieder die Frage: WO wurde der Junge Joas über 6 Jahre versteckt?

Vor dem allgemeinen Gemetzel am Königshaus durch Athalja war es Joscheba gelungen, einen kleinen Sohn Ahasjas, Joas, zu retten. Zusammen mit seiner Amme wurde er für kurze Zeit in der „Bettenkammer“ versteckt, offenbar dem Ort, an dem die Matratzen und Decken des Palastes aufbewahrt wurden und der ein sehr bequemes Versteck bieten würde. Von dort brachte ihn seine Tante an einen noch sichereren Ort im Tempel, entweder in eine der zahlreichen Kammern, die dem Heiligtum angegliedert waren, oder, was am wahrscheinlichsten erscheint, in die von ihrem Mann und seiner Familie bewohnten Wohnungen innerhalb der heiligen Anlage oder in unmittelbarer Nähe dazu. So ging es sechs Jahre lang weiter, wobei Joas wahrscheinlich als eines der Kinder des Hohepriesters durchging. Während dieser Zeit muss die Plünderung des Hauses Jehovas und die Überführung seiner geweihten Gegenstände in den Dienst Baalims, die von den Söhnen Athaljas begonnen worden war (2. Chron. 24:7), ihr volles Ausmaß erreicht haben. Natürlich rief dies eine heftige Reaktion hervor, und zwar nicht nur bei denen, die die fremden Riten verabscheuten, sondern auch bei denen, die gegen die Herrschaft der fremden Königin waren, die alles ermordet hatte, was von der Familie Davids übrig geblieben war.

Alfred Edersheim – Geschichte der Bibel – altes Testament

Schutz (Vv. 2-3; 22:11-12). Jojada war der Hohepriester, und Joscheba, seine Frau, war eine Prinzessin, eine Tochter des Königs Joram und eine Schwester des Königs Ahasja, den Jehu erschlagen hatte. Damit war sie eine Tante des kleinen Joas. Dass aus dieser Familie eine so gottesfürchtige Frau hervorging, ist ein Wunder der Gnade Gottes. Da der Priester und die Prinzessin wussten, was Athalja vorhatte, entführten sie den einjährigen Joas aus der königlichen Kinderstube und versteckten ihn mit seiner Amme zunächst in einem Raum, in dem alte Bettwäsche aufbewahrt wurde, und dann in einem Raum im Tempel. Als er älter wurde, mischte er sich unter die anderen Kinder im Tempelbezirk und spielte mit ihnen, ohne dass er als Thronfolger erkannt wurde.1

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

etwas „eingeschränkt“ sieht es

Die Rettung eines davidischen Thronerbens ist Joscheba zu verdanken. Joscheba, übersetzt »Jahwe ist die Fülle«, war eine Tochter Jorams, was jedoch nicht bedeutet, dass sie auch eine Tochter Ataljas war. Als Tochter einer der anderen Frauen Jorams war sie die Halbschwester König Ahasjas, und Atalja war ihre »Stiefmutter«. So ist es am ehesten zu verstehen, dass sie alles daran setzte, einen ihrer Neffen, den gerade mal einjährigen Joasch, in Sicherheit zu bringen. Zusammen mit seiner Amme brachte sie ihn in die Bettenkammer. Das Versteck, das Atalja nicht entdecken konnte, war weder die Schlafkammer ihrer Amme noch die Bettenkammer des Tempels, in der die Schlafdecken für das Tempelpersonal lagerten, sondern es waren die Schlafräume des Hohenpriesters Jojada, dessen Frau Joscheba war. Hier war Joasch den Blicken der Baals-Dienerin Atalja entzogen. Nach sechs Jahren in Verborgenheit brachte Joscheba Joasch in den Tempel.

Wuppertaler Studienbibel

selbe Reihe, aber anderer Ausleger:

Die »Zeitbombe« bestand in der Person eines möglichen Thronfolgers, des damals etwa einjährigen Königssohnes Joasch. Bei der Liquidierungsaktion war der Säugling von seiner Tante, Ahasjas Schwester Joscheba, in Sicherheit gebracht und versteckt worden. Man mag historisch in Frage stellen, wie denn so etwas passiert sein könne, erinnere sich aber – um ein historisches Beispiel zu nennen – an die Ermordung der Romanows, der russischen Zarenfamilie, und die Verwirrung um die Zarentochter Anastasia, deren Schicksal nicht mehr zu klären war. In derart kritischen Situationen kann man den Überblick schon einmal verlieren, sodass am Ende doch ein männlicher Nachkomme Davids am Leben blieb.
Joscheba, eine Königstochter, war Ataljas Wüten vielleicht nur entgangen, weil sie mit dem Hohepriester Jojada verheiratet war.d Diese Tatsache erklärt auch, warum sie sowohl zum königlichen Palast als auch zu gewissen Bezirken des Tempels Zugang hatte. Ob Joscheba eine Schwester oder nur Halbschwester (nämlich von einer anderen Mutter) Ahasjas war, wie Keil z.St. mit wenig überzeugenden Gründen meint, muss offen bleiben. Auch dies könnte ein Grund für ihr Überleben gewesen sein, dass sie Ataljas leibliche Tochter, ihr aber innerlich entfremdet war.
Die genauen Umstände der Ermordung bzw. Errettung lässt der Text nicht mit Sicherheit erkennen. Vermutlich64 ereignete sich die grausige Tat im Schlafzimmer (bzw. in den Schlafzimmern) der Prinzen. Joscheba hätte Joasch dann samt seiner Amme von dort durch den ihr wohl vertrauten Palast in den benachbarten Tempel gebracht, wo allein er vor Atalja einigermaßen sicher sein durfte. Sechs Jahre lang (845–839?) konnte man ihn zusammen mit ihr (damit dürfte die Amme als Erzieherin gemeint sein) im großen Areal des Tempels verbergen, der damit im Sinne mancher Psalmen tatsächlich zu einem »Zufluchtsort«e für Joasch wurde. Solange konnte Atalja unangefochten regieren. Dann aber kam auch hier (wie bei Ahab und Isebel) das Ende und die Wende. Joasch war mit seinen nunmehr sieben Jahren immer noch ein Kind, aber er war nicht der erste König dieses Alters im alten Orient und auch nicht der letzte.

Wuppertaler Studienbibel

Er stahl ihn aus der Mitte der Fürsten. Raschi übersetzt, dass es im Tempel einen Raum über dem Allerheiligsten gab, der als Schlafgemach bezeichnet wurde und in dem sich Joasch versteckte.

The Complete Jewish Study Bible: Notes

Was war in den dreistöckigen Vorratskammern??
Ist unser Bild vom Tempel den Salomo erbaut hat wirklich richtig? Verstehen wir, wie groß dieser war, und welche Gebäude alles dazugehörten? Verstehen wir, dass der gesamte Gebäudekomplex „heilig“ war, und deshalb als „das Haus Gottes“ bezeichnet wurde??


„bêṯ hā ʾělō·hîmʹ“

Haus
3 בֵּית5 אֱלֹהִ֖ים4 הָ
bêṯʾělō·hîmʹ
1 Chr 9,27

Und sie übernachteten rings um das Haus Gottes her; denn ihnen lag die Wache ob, und sie waren über das Öffnen bestellt, und zwar Morgen für Morgen.
Elberfelder 1871 – 1 Chronik 9,27

Nur die vier obersten Wächter, auch sie Leviten, waren ständig im Dienst. Zu ihren Aufgaben gehörte die Aufsicht über die Vorratsräume und die Schatzkammern des Tempels.  Sie blieben auch über Nacht im Tempelbereich, denn sie mussten Wache halten und jeden Morgen die Tore aufschließen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Chronik 9,26–27

Denn die vier obersten Türhüter – es waren Leviten – versahen ständig den Dienst. Sie hatten auch die Aufsicht über die Kammern und Schätze des Tempels Gottes. Die Nacht über blieben sie in der Umgebung des Tempels Gottes; denn ihnen oblag die Wache und sie mußten allmorgendlich aufschließen.
Paderborner Bibel – 1 Chronik 9:26–27

Und weiter geht es um die Frage – „Wohnungen in der Nähe der Stiftshütte??“

In diesem 9. Kapitel werden weitere Leviten erwähnt. Es sind die Torhüter. Ihre Aufgaben sind sehr wichtig. Sie lassen sich in einen kurzen und bestimmten Befehl zusammenfassen, den der Herrin einem kleinen Gleichnis wiederholt: „Ein Mensch (der Meister), der… dem Türhüter einschärfte, dass er wache“ (Markus 13,34).
Wachen über die Gefäße und die Geräte, über die Opfer, über die Nahrung, über den Zugang zum Haus! Diesem Dienst entspricht im Neuen Testament der Dienst der Aufseher, Hirten oder Ältesten. Sie sind es besonders, die in den Versammlungen früher – und heute noch – für die Seelen Sorge tragen und die gesunde Lehre aufrechthalten müssen. Das ist eine Aufgabe des Vertrauens und der Ehre, über die sie dem Herrn bei seinem Kommen Rechenschaft abzulegen haben!

Jean Koechlin – Ährenlese im Alten Testament

In der vorhergehenden Liste (V. 14-16 ) wurden die Aufgaben der Leviten nicht näher genannt. Es wird sich vermutlich um Leviten gehandelt haben, die irgendwie mit dem Opferdienst zu tun hatten. In diesem Abschnitt (V. 17-27 ) ist von solchen Leviten die Rede, die Verantwortung dafür hatten, die Tore des Tempels bzw. Tempelbezirkes zur richtigen Zeit zu öffnen und zu schließen und darüber zu wachen, daß keine Eindringlinge unberechtigterweise hineinkamen. …
Die Gesamtzahl der levitischen Torhüter , die in Jerusalem und in den umherliegenden Dörfern wohnten, gibt der Verfasser von 1.Chronik mit 212 an. In Neh 11,19 werden 172 genannt, doch der Vers macht deutlich, daß nur die Familien Akkubs und Talmons gezählt wurden, während 1Chr 9,17 die Familien Schallums und Ahimans dazuzählt. Diese 212 Leviten waren wohl nur die Gruppe, aus der die Torhüter jeweils ausgewählt wurden, denn es wurden täglich nur 24 Torhüter benötigt ( 1Chr 26,17-18 ). Jeder Torhüter diente sieben Tage ( 1Chr 9,25 ) und wurde dann für eine bestimmte Zeit bis zum nächsten Dienst freigestellt.

Walvoord Bibelkommentar

Immer noch steht das Amt des Torhüters an erster Stelle. Vier Männer waren über die Torhüter gesetzt, und Schallum war ihr Haupt (V. 17.18). Sie hatten nach allen Windrichtungen hin über die Tore zu wachen (V. 24). 212 «Hüter der Schwelle» waren ihnen unterstellt, die zwar in ihren Dörfern lebten, aber «von sieben zu sieben Tagen, von einer Zeit zur anderen, mit jenen kommen mussten» (V. 25). «Sie und Ihre Söhne standen an den Toren des Hauses des HERRN, des Zelthauses, als Wachen» (V. 23). Die Vorsteher «übernachteten rings um das Haus Gottes her; denn ihnen oblag die Wache, und sie waren über das Öffnen bestellt, und zwar Morgen für Morgen» (V. 27).
Wir werden dem Gegenstand der Bewachung der Tore des Hauses Gottes nie genug Aufmerksamkeit entgegenbringen können, und zwar Tag und Nacht. Wie viel Unordnung und Verunreinigung wurden durch Leute und Dinge hereingebracht, die unsere Nachlässigkeit und unsere Duldsamkeit ungehindert eintreten liessen! Und umgekehrt, wie viele sind draussen gelassen worden, die doch der Herr aufgenommen hatte!

Halte fest 1972

Das Haus Gottes, der Tempel in Jerusalem, war wohl bewacht. Zur Ordnung des Dienstes, der darin getan wurde, gehörten auch die Abteilungen der Torhüter. Sie hatten sowohl über die Sicherheit des Hauses zu wachen als auch alles Unreine von ihm fernzuhalten. Ihr Dienst währte Tag und Nacht und erstreckte sich nach allen vier Himmelsrichtungen. Vielleicht waren diese Leviten weniger beliebt als ihre Brüder, die zu den Abteilungen der Sänger gehörten, denen der Dienst des Lobes oblag. Doch wäre dieser Dienst ohne den Dienst der Torhüter undenkbar gewesen.

Halte fest 1985

Der Verf. wendet sich wieder seiner Gegenwart zu und beschreibt den Dienst im Heiligtum, wie er ihn als Augenzeuge erlebt hat. Vier Tore im Bezirk des neuen Tempels gab es. Die Obersten der Torhüter waren für die Einteilung der Wachen zuständig. Sie lebten immer in der Nähe des Tempels. Die Leviten, die in den Orten um Jerusalem herum wohnten, kamen mit den Abteilungen, denen sie zugeteilt waren, jeweils sieben Tage nach Jerusalem. Einige von ihnen wurden als Torhüter eingesetzt. Andere trugen Verantwortung für die Zellen, die seitlichen Kammern am Tempel, in denen die Opfergaben und Zehnten von Getreide, Wein und Öl, aber auch die Schätze des Hauses Gottes aufbewahrt wurden. Die Leviten schliefen auch während der sieben Tage in unmittelbarer Nähe des Tempels, während die Tore unter der Aufsicht der Obersten der Torhüter abends verschlossen und morgens wieder geöffnet wurden. – Es ist beeindruckend, wie ausführlich und mit welch liebevoller Aufmerksamkeit der Verf. der Chr den Dienst der Leviten und besonders das Amt der Torhüter beschreibt. Aus unserer Sicht handelt es sich um eine geringe, nachgeordnete Tätigkeit. In biblischer Sicht hat diese Aufgabe jedoch eine ihr eigene Würde, die aus den Worten Ps 84,11 spricht: »Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in der Gottlosen Hütten.«

Wuppertaler Studienbibel

Die Tempelpolizei
Der Tempel hatte eine eigene Polizei, deren Beamte größtenteils aus Leviten bestanden. Dies waren die Torwächter („sho’arim“; 1. Chron. 9:17, 24-27; 26:12-18), die Wächter, die den Eingang zum Tempelberg bewachten, und diejenigen, die für die Reinigung der Vorhöfe zuständig waren (Philo, ed. Cohn, iii. 210). Leviten waren an einundzwanzig Stellen im Tempelhof stationiert; an drei von ihnen hielten Priester nachts Wache. Ein Hauptmann patrouillierte mit einer Laterne, um zu sehen, dass die Wächter auf ihren Posten waren; und wenn einer schlafend angetroffen wurde, hatte der Hauptmann das Recht, ihn zu schlagen und seine Kleider in Brand zu stecken (Mid. i. 1, 2). Das Öffnen und Schließen der Tore, das als eine sehr schwierige Aufgabe angesehen wurde und nach Josephus („B. J.“ vi. 5, § 3; „Contra Ap.“ ii. 10) die Dienste von mindestens zwanzig Männern erforderte, gehörte ebenfalls zu den Aufgaben der Wächter; und ein spezieller Offizier wurde ernannt, um diese Arbeit zu beaufsichtigen (Sheḳ. v. 1; comp. Schürer, „Gesch.“ Eng. ed., Abteilung ii., i. 264-268; siehe TEMPEL).

The Jewish Encyclopedia

Für die polizeilichen Aufgaben, die einen sehr großen Beamtenstab erforderten, wurden meist Leviten eingesetzt. Die „Torwächter“ (שֹׁעֲרִים) gehörten in der Frühzeit, ja bis in die Zeit Esras und Nehemias hinein, noch nicht zur Ordnung der Leviten, sondern waren von etwas geringerem Rang; erst der Verfasser der Chronik rechnete auch diese Beamten zu den Leviten. Im Innenhof wurde die Aufgabe der Wache von den Priestern selbst wahrgenommen. Der Verfasser der Chronik und später Philo und die Mischna haben uns mehrere Einzelheiten über die Organisation der Abteilung, um die es hier geht, geliefert. Aus der erstgenannten Autorität erfahren wir, dass es insgesamt vierundzwanzig Wachen gab, die vier Oberhäuptern oder Hauptleuten unterstellt waren, und dass sie an der Ost-, West-, Nord- und Südseite des Tempels postiert waren (1. Chronik 26:12-18, auch 9:17, 24-27). Die Aussagen dieses Schriftstellers sind so zu verstehen, dass sie sich auf den Tempel Serubbabels beziehen. Die Fläche der Tempelvorhalle oder des so genannten äußeren Vorhofs wurde aber später, vor allem durch Herodes, sehr vergrößert, so dass sie nun ein großes Viereck bildete, dessen längere Seite diejenige war, die von Norden nach Süden verlief. Innerhalb dieses großen Vierecks befand sich wiederum ein länglicher viereckiger Raum, der von starken Mauern umschlossen war, wobei die längere Seite in diesem Fall von Westen nach Osten verlief; dies war der so genannte Innenhof oder „der Hof“ im eigentlichen Sinne des Wortes. Zu diesem Hof führte eine Treppe, und am Fuß dieser Treppe befand sich ein Geländer, das kein Nichtjude betreten durfte. Jeder Heide, der es wagte, diese Grenze zu überschreiten und den inneren Hof zu betreten, wurde mit dem Tod bestraft; und die römischen Behörden respektierten die Skrupel der Juden in dieser Angelegenheit so sehr, dass sie die Vollstreckung dieses Urteils sogar in den Fällen billigten, in denen römische Bürger die Täter waren. An diesem Geländer waren in bestimmten Abständen Tafeln angebracht, auf denen in griechischer und lateinischer Sprache das Verbot und die Strafe für dessen Übertretung vermerkt waren. Philo zufolge gab es zu seiner Zeit nicht nur an den Eingängen des inneren, sondern auch an den Toren des äußeren Hofes Wächter, zu deren Hauptaufgaben es gehörte, auf die strikte Einhaltung des betreffenden Verbots zu achten. Darüber hinaus gab es Wächter, die bei Tag und Nacht rundherum patrouillierten, um sicherzustellen, dass nirgendwo etwas Unschickliches geschah. Nach der Mischna gab es einundzwanzig Punkte, an denen die Leviten (nachts) Wache hielten, und drei, an denen die Priester dies taten. Die levitischen Wächter waren teils an den Toren und Ecken des äußeren Vorhofs (innerhalb desselben), teils an den Toren und Ecken des inneren Vorhofs (außerhalb desselben) stationiert, während die priesterlichen Wächter wiederum für den inneren Vorhof zuständig waren. Es war üblich, dass ein Hauptmann des Tempels nachts herumging, um zu sehen, dass die Wachen nicht auf ihren Posten schliefen. Dieser Hauptmann war unter der Bezeichnung אִישׁ הַר הַבַּיִת bekannt. Neben diesem Beamten wird auch gelegentlich ein אִישׁ הַבִּירָה erwähnt. Da nun die Mischna keine andere Bezeichnung für den gesamten Raum um den Tempel kennt – auch nicht in den Fällen, in denen er vom Innenhof zu unterscheiden ist – als den Ausdruck הַר הַבַּיִת, ist demnach unter dem איש הר הבית ein Hauptmann zu verstehen, der für den äußeren Vorhof zuständig war, und unter dem איש הבירה dagegen derjenige, der die Aufsicht über den Tempel selbst hatte. Denn das בִּירָה kann sich unmöglich auf das Kastell Antonia beziehen, da dieses einem römischen φρούραρχος unterstellt war, sondern nur auf den Tempel selbst. Die beiden jetzt erwähnten Arten von Beamten wären also identisch mit den סגנים oder στρατηγοί, auf die wir bereits Bezug genommen haben.

Schürer – A history of the Jewish people in the time of Jesus Christ, second division

Vertrauen – Wachstum – Nähe

– Und er sprach: Laß mich doch deine Herrlichkeit sehen!
Elberfeld 1905 – Ex 33,18

„Bitte, Gott, ich möchte einmal ein bisschen mehr von dir sehen! Ich möchte mal deine ganz krasse Seite erleben!“, sagte Mose dann.
VolxBibel – 2.Mose 33,18

Und er sprach: Lass mich doch sehen deinen Herrlichkeit (Ehrenglanz, Machtfülle).
offene Bibel – Exodus 33,18

Etwa 1 Jahr vorher hatte Mose am Dornbusch noch weg geschaut!
Exouds 3,6 heißt es: „Da verbarg Mose sein Angesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

Und nun – nachdem Mose auf dem Berg war – und dort Jehovah gesehen hatten –
Exodus 24:9-11
Und es stiegen hinauf Mose und Aaron, Nadab und Abihu, und siebzig von den Ältesten Israels; und sie sahen den Gott Israels; und unter seinen Füßen war es wie ein Werk von Saphirplatten und wie der Himmel selbst (Eig wie das Wesen des Himmels) an Klarheit. Und er streckte seine Hand nicht aus gegen die Edlen der Kinder Israel; und sie schauten Gott und aßen und tranken.
…Mose hatte nun ein ganz anderes „Bild“ von Jehovah – und vor allem war Mose nun vertrauter mit Jehovah.

Moses vertraute Gemeinschaft mit Gott wurde auch durch seine geistlichen Anliegen unter Beweis gestellt. Diese Verse können in drei Abschnitte eingeteilt werden, von denen jeder mit den Worten: Mose sprach eingeleitet wird (V. 12.15.18 ). Zuerst wollte Mose gerne vom Herrn erfahren, was er mit seinem Volk vorhabe. Gott hatte Mose zugesagt, das Volk zu führen, jedoch ohne die Gegenwart Gottes, davon war Mose betroffen. Gott kannte Mose mit Namen , d.h. Mose gehörte Gott an. So wollte Mose weiterhin Gottes Wege erfahren und die Gnade Gottes ( Wohlwollen ) erleben. Er legte für das Volk Fürbitte ein und erinnerte Gott daran, daß es sein Volk war (vgl. V. 13.16 ; 2Mo 32,11 ). Als Antwort darauf nahm Gott seine Drohung zurück, nicht mit ihnen hinaufzuziehen (vgl. 2Mo 33,3.5 ), und ihnen keine Ruhe zu schenken (V. 14 ).
Moses zweite Bitte galt der Bestätigung, daß der Herr tatsächlich mit seinem Volk ziehen würde (V. 15-17 ). Wenn die Gegenwart Gottes auf dessen Wanderung in das verheißene Land nicht dabei wäre, so würde das für dessen eigenes Ansehen und das Ansehen Gottes schwerwiegende Probleme aufwerfen. So gab Gott wieder der Bitte Moses nach und versicherte ihm, daß er Wohlgefallen vor ihm gefunden habe (V. 17 ; vgl. V. 16 ).
Drittens wollte Mose die Herrlichkeit Gottes sehen (V. 18 ). Diese Bitte wurde dadurch erfüllt, daß Gott Mose gestattete, ein deutlicheres Gesicht seiner Herrlichkeit zu sehen ( 2Mo 33,19-23 ). Indem Gott Mose seinen Namen verkündigte (V. 19 , sein offenbartes Wesen), gestattete er ihm, seine Güte (V. 19 ) und hinter ihm her zu sehen, jedoch nicht, sein Angesicht zu erkennen (vgl. 2Mo 3,6 und den Kommentar zu 2Mo 33,11; Joh 1,18 ). Dieser Abschnitt verdeutlicht, daß der Mensch Gott zwar wirklich kennen, ihn jedoch nie völlig erfassen kann.

Walvoord Bibelkommentar

Diese bemerkenswerte Passage sollte wegen ihrer vielen und weitreichenden Bedeutungen sorgfältig in euren Bibeln markiert werden. Das Wort „Herrlichkeit“ bedeutet „Pracht“. Der Herr weiß, dass Mose sich mehr Intimität mit ihm wünscht, als er bisher genossen hat. Dazu gehört auch ein Blick auf das Gesicht des Schöpfers aller Dinge. Während die Pracht von Gottes Person als Ganzes ohne menschliche Beschreibung wäre, wäre sein Gesicht für einen Menschen aus Fleisch und Blut unfassbar. Kein Mensch kann das sehen und leben. Ein interessanter Umstand, der in diesem Zusammenhang betrachtet werden sollte, ist der von Saulus auf der Straße nach Damaskus. Um ein Apostel zu sein, musste er Jesus nach seiner Auferstehung gesehen haben. Dazu war es notwendig, dass er sich Saulus sichtbar zeigte. Normalerweise hätte das seinen Tod zur Folge gehabt. Aber es wurde ein Wunder vollbracht, das es ihm ermöglichte, zu sehen und trotzdem zu leben. Dabei war es so tödlich, dass er drei Tage lang blind war und ein weiteres Wunder nötig war, um sein Augenlicht wiederherzustellen. Mose wäre getötet worden, hätte man ihm das Privileg gewährt, um das er gebeten hatte. Aber indem er sich in der Felsspalte versteckte, wurde er vor dem physischen Tod bewahrt. Dies ist die Grundlage für eines der bekanntesten Lieder. Es kommt ein Tod, der schrecklicher ist als der physische. Aber der große Felsen wurde gespalten, und von dort kam das Mittel, das die Menschen vor diesem endlosen Tod schützt. Deshalb singen wir: „Der Fels der Zeit hat sich für mich gespalten, ich will mich in dir verbergen.“

E.M. Zerr – Bücher des Pentateuch

Mose hat nicht nur an Gott gedacht, er schaute ihn. Unaufhörlich offenbarte sich Gott ihm, niemals verlor Mose ihn aus den Augen. Er sah Jesus als seinen Heiland und glaubte, daß des Heilandes Verdienste ihm zugerechnet werden. Dieser Glaube war für Mose keine bloße Annahme, sondern lebendige Wirklichkeit. Das ist Glaube, wie wir ihn benötigen, Glaube, der die Prüfung besteht. Wie oft geben wir Versuchungen nach, weil wir den Blick nicht auf Jesus gerichtet halten. Unser Glaube ist nicht beständig, weil wir uns gehenlassen und sündigen. Dann können wir nicht ausharren, als sähen wir den Unsichtbaren.
Lieber Bruder, suche täglich und stündlich Gemeinschaft mit Christus, dann wirst du nicht darüber zu klagen brauchen, daß es dir an Glauben gebricht. Versenke dich in Christus, betrachte sein Wesen und sprich von ihm. Je weniger du dich selbst erhöhst, desto mehr wirst du an Jesus finden, das du preisen kannst. Gott hat eine Aufgabe für dich. Sieh stets auf den Herrn. Geschwister., blickt immer mehr nach oben, um den Charakter Christi klarer zu erkennen. Als Mose bat: Ich bitte dich, “laß mich deine Herrlichkeit sehen”, hat der Herr ihn nicht zurückgewiesen, sondern seine Bitte erhört. Gott antwortete seinem Diener: “Ich will vor deinem Angesicht alle meine Güte vorübergehen lassen und will ausrufen des Herrn Namen vor dir.” 2 Mose 33,18.19. Wir halten uns von Gott fern, darum vermögen wir die Offenbarung seiner Macht nicht zu sehen.

Ellen Gould White – Aus der Schatzkammer der Zeugnisse

Mose erhielt eine ganz besondere Offenbarung der Schechinah-Herrlichkeit als Antwort auf seine dramatische Bitte in 2 Mose 33:17-23: „Und Jehova sprach zu Mose: Ich will auch dies tun, was du geredet hast; denn du hast Gnade vor mir gefunden, und ich kenne dich mit Namen. Und er sprach: Zeige mir doch deine Herrlichkeit! Er sprach: Ich will alle meine Güte vor dir hergehen lassen und will den Namen des HERRN vor dir ausrufen; und ich will gnädig sein, wem ich gnädig sein will, und will Barmherzigkeit erweisen, wem ich Barmherzigkeit erweisen will. Und er sprach: Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn der Mensch kann mich nicht sehen und am Leben bleiben. Und der HERR sprach: Siehe, es ist eine Stätte bei mir, und du sollst auf dem Felsen stehen; und es soll geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorübergeht, daß ich dich in eine Felsspalte lege und dich mit meiner Hand bedecke, bis ich vorübergehe; und ich will meine Hand wegnehmen, und du sollst meinen Rücken sehen; aber mein Angesicht soll man nicht sehen.

In Vers 18 bat Mose ausdrücklich darum, Gottes Herrlichkeit zu sehen. In Vers 23 erklärte Gott, dass Mose die hinteren Teile sehen kann, aber nicht das Gesicht Gottes sehen kann. Dr. Dwight Pentecost ist der Meinung, dass das Wort mit „Nachglühen“ übersetzt werden sollte. Mit anderen Worten: Gott sagte zu Mose, dass er seinen vorübergehenden Glanz sehen wird, aber er wird Gott nicht so sehen, wie er wirklich ist. Obwohl das hebräische Wort eigentlich nicht „Nachglühen“ bedeutet, könnte der Grundgedanke richtig sein. Mose wird Gott nicht so sehen, wie er wirklich ist, aber er sah eine größere sichtbare Manifestation von Gottes Herrlichkeit als alle vorherigen Manifestationen. Das war Gottes Verheißung an Mose.

Die Erfüllung dieser Verheißung ist in 2 Mose 34:5-9 aufgezeichnet: „Und Jehova fuhr herab in der Wolke und stand bei ihm daselbst und verkündete den Namen Jehovas. Und Jehova ging vor ihm vorüber und verkündete: Jehova, Jehova, ein Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Güte und Wahrheit, der Güte bewahrt für Tausende, der Missetat und Übertretung und Sünde vergibt und den Schuldigen nicht freisprechen wird, der die Missetat der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern, am dritten und vierten Glied. Und Mose eilte und neigte sein Haupt zur Erde und betete an. Und er sprach: Habe ich nun Gnade vor dir gefunden, HERR, so laß den HERRN mitten unter uns gehen; denn es ist ein halsstarriges Volk, und vergib uns unsere Missetat und Sünde und nimm uns zu deinem Erbe.

Hier war eine weitere Offenbarung der Schechinah-Herrlichkeit Gottes, in der Mose der Name des Herrn selbst verkündet wurde. Mose sah eine neue Manifestation der Herrlichkeit Gottes, die bis dahin kein anderer Mensch gesehen hatte. In Vers 9, am Ende dieser Manifestation, bat Mose um das ständige Verweilen der Schechinah-Herrlichkeit in der Mitte des Volkes Israel. Es war eine Bitte, die Gott teilweise beantworten würde, als Er in der Stiftshütte Wohnung nahm, obwohl die Bitte des Mose um das ewige Bleiben zu diesem Zeitpunkt nicht erfüllt werden konnte.

Die Erfahrung von Mose, eine neue Sichtbarkeit von Gottes Herrlichkeit und eine größere Manifestation von Gottes Gegenwart zu sehen, ließ Mose nicht unberührt, wie Exodus 34,29-35 zeigt: Und es geschah, als Mose vom Berg Sinai herabstieg und die beiden Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand hatte, da wusste Mose nicht, dass die Haut seines Gesichts glänzte, weil er mit ihm redete. Und als Aaron und alle Kinder Israel Mose sahen, siehe, da glänzte die Haut seines Angesichts; und sie fürchteten sich, ihm nahe zu kommen. Und Mose rief ihnen zu, und Aaron und alle Obersten der Gemeinde kehrten zu ihm zurück; und Mose redete mit ihnen. Und danach kamen alle Kinder Israel zu ihm; und er gab ihnen alles, was der HERR mit ihm auf dem Berge Sinai geredet hatte, als Gebot. Und als Mose mit ihnen geredet hatte, legte er einen Schleier auf sein Angesicht. Als aber Mose hineinging vor Jehova, mit ihm zu reden, nahm er den Schleier ab, bis er herauskam; und er kam heraus und redete mit den Kindern Israel, was ihm geboten war. Und die Kinder Israel sahen das Angesicht Mose’s, daß die Haut seines Angesichts leuchtete; und Mose tat den Schleier wieder auf sein Angesicht, bis daß er hineinging, mit ihm zu reden.

Als das Gesicht von Mose leuchtete, war die Herrlichkeit der Schechinah auf seinem Gesicht sichtbar. Es war nicht die tatsächliche Herrlichkeit des Herrn, die sich auf Moses Gesicht manifestierte, sondern Moses reflektierte die Herrlichkeit, die er gerade gesehen hatte. Die Beziehung von Mose zur Schechinah war ähnlich wie die Beziehung des Mondes zur Sonne. Das Licht geht von der Sonne aus, und der Mond reflektiert einfach das Licht der Sonne. Auf die gleiche Weise reflektierte das Gesicht von Mose das Licht, das von der Schechinah-Herrlichkeit ausging. Die leuchtende Manifestation der Herrlichkeit Gottes durchdrang die Person des Mose und manifestierte sich im Leuchten seines Gesichtes. Nach der Verkündigung des Gesetzes verhüllte Mose dann sein Gesicht

Arnold Fruchtenbaum – Die Herrlichkeit der Schechinah in Geschichte und Prophezeiung

Mose hatte schon viel von den Wegen und Werken Gottes und von Seiner Liebe und Güte, Heiligkeit und Gnade kennengelernt. Jetzt wird er kühn und begehrt den vollen Glanz Seines Angesichts zu sehen. Aber das Angesicht, das mit ihm gehen und ihn und das Volk geleiten soll, kann sich ihm nicht zu erkennen geben. Soweit jedoch die Offenbarung Seiner Herrlichkeit dem schwachen Geschöpf gegenüber möglich ist, will Er sie ihm kundtun. Darum hören wir die gnadenvollen Worte: „Ich werde alle meine Güte vor deinem Angesicht vorübergehen lassen, und werde den Namen Jehovas vor dir ausrufen“ (2.Mose33:19).
In diesem Namen will Gott Seinen Charakter offenbaren, Seine Liebe, Heiligkeit und Barmherzigkeit, Geduld und Treue. In diesem Namen will Er auch fortan das Volk führen.
Er sprach zu Mose: „Du vermagst nicht mein Angesicht zu sehen, denn nicht kann ein Mensch mich sehen und leben“ (2.Mose33:20). Wenn das Auge des Menschen schon durch das längere Anschauen des Sonnenlichts geblendet und seine Sehkraft getötet wird, wie könnte er dann die Herrlichkeit Gottes aufnehmen und ertragen, ohne vernichtet zu werden! Der Mensch kann sich von Gottes Herrlichkeit keine Vorstellung machen, außer wenn er sie in Seinen Wegen und Werken sieht. Gott muß also erst vorübergezogen sein.
Gott will Mose die Bitte nicht abschlagen, ja, Er begehrt sogar, Seine Herrlichkeit zu offenbaren und findet einen Platz für Seinen Knecht in der Felsenkluft, wo Seine Herrlichkeit an ihm vorübergeht (2.Mose33: 22. 23). Wir können diese Herrlichkeit nur erkennen mit Augen, die der Heilige Geist geöffnet hat, und erst dann, wenn sie vorübergezogen ist.
Welches Geschöpf würde wohl etwas wie das Kreuz Christi in Vorschlag gebracht haben zur Offenbarung der Herrlichkeit Gottes? Stehen wir aber hinter dem Kreuze und schauen zurück nach Golgatha, welche Vollkommenheiten sehen wir da! Welch eine Heiligkeit der Sünde gegenüber, wenn der einzige Gerechte zum Fluch und von Gott verlassen wird! Und welch eine Liebe, die „den eingeborenen Sohn nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat“ (Rom. 8,32)! Ja, Gott ist Licht und Gott ist Liebe, so hat Er sich geoffenbart

Ermunterung und Ermahnung 1968

Wie ist mein Verhältnis zu Jehovah? Bleibe ich bei den „ersten Erkenntnissen“ stehen? Benötige ich weiterhin einen Pastor oder Ältesten der mir alles erklärt? Oder wächst mein Verhältnis immer und immer mehr – und wünsche ich, IHN noch näher zu kommen?

„er starke Gott, der Fülle-und Schwur-Gott, Jehova: Er ist erkennend und Israel, es soll erkennen“

Der Gott (El) der Götter, Jehova, der Gott (El) der Götter, Jehova, er weiß es, und Israel soll es wissen: wenn es aus Empörung, und wenn es aus Treulosigkeit gegen Jehova geschehen ist, -so mögest du uns nicht retten an diesem Tage!
Elberfelder 1871 – Josua 22,22

GottGottherr, ER! GottGottherr, ER! er weiß und Jissrael soll wissen: wars in Auflehnung, wars in Untreue wider IHN – so befreie uns nimmer an diesem Tag! 
Buber – Josua 22:22

„Göttlicher, Gott, Jehova, Göttlicher, Gott, Jehova, er weiß [es], und Israel, es wird [es] auch wissen. Ist es aus Rebellion und ist es aus Untreue gegen Jehovaso rette uns an diesem Tag nicht.
neue Welt-Übersetzung – Josua 22:22

«Gott der Götter, der Ewige, Gott der Götter, der Ewige, er weiß, und Jisraël wisse: Wenn in Aufruhr, wenn in Untreue gegen den Ewigen – so stehe uns heute nicht bei!
Neftali-Herz-Tur-Sinai – Josua 22,22

de Wette – Josua 22,22

Jahwe zu verlassen, um anderen Göttern zu dienen. Das heißt, sich des Verrats am Reich Gottes schuldig zu machen, den die Transjordanier in der Geschichte, an die sich dies nun anschließt, darauf reduziert hatten, dass sie am falschen Altar opferten (22,22-23). Hier geht es darum, sich gegen den drohenden Verrat zu wehren, bevor es überhaupt eine Gelegenheit gab, loyal zu sein! Der letzte Redakteur wollte niemandem eine Ausrede lassen, um zu sagen: „Ich habe es euch ja gesagt.“ Es war Zeit für einen neuen Bund.

Die AnkerYalebibel

Anstatt auf den übereilten Vorwurf wütend zu reagieren, wiesen sie lediglich in allem Ernst und aufrichtig die Anklage zurück, daß der Altar, den sie errichtet hatten, als Auflehnung gegen Gott zu verstehen sei. Indem sie sich auf Gott als Zeugen beriefen, schworen sie zweimal bei seinen drei Namen – El, Elohim, Jahwe ( der Allmächtige, Gott, der HERR ) – und bekräftigten, daß, wenn ihre Tat in Auflehnung gegen Gott und seine Gebote bezüglich des Gottesdienstes geschehen sei, sie sein Gericht verdienten.

Walvoord Bibelkommentar

Es ist eine große Befriedigung, wenn wir spüren, dass es ein Wesen gibt, das alles weiß. Nach einer großen Verwirrung, einer dunklen Stunde oder einer geheimnisvollen Heimsuchung, in der es keinen Anhaltspunkt für ein Ereignis zu geben schien, keine Deutung und keinen Funken Erleuchtung, ist es eine gesegnete Erleichterung, sowohl für den Geist als auch für die Seele, wenn wir spüren, dass jemand es verstehen kann, es gründlich durchforsten kann und zu gegebener Zeit die erleuchtete Seite zum Vorschein bringen und die geistigen Diamanten offenbaren wird, die so lange in Dunkelheit, Kummer und Trauer verborgen waren. Gott weiß – was? Den Sinn der Dinge – warum die Welt geschaffen wurde, warum wir geschaffen wurden, die Bedeutung der Ereignisse, die uns erwarten, welche Lehren sie vermitteln, welche Segnungen sie entfalten, welche Verheißungen sie enthalten und wie viel Kultur wir durch sie gewinnen werden. Kann es etwas Erfreulicheres geben als diese Tatsache, und ist daran etwas Seltsames? Seltsam, dass der Schöpfer mit dem vertraut ist, was er geschaffen hat, wunderbar, dass der Architekt alles von seinem Bauwerk versteht, eigenartig, dass der Schöpfer der Welt begreift, was er geschaffen hat? Wie verhält es sich in alltäglichen Angelegenheiten? Wäre es nicht wunderbar, wenn Mozart und Beethoven ihre eigene Musik nicht verstünden, wenn sie wie Fremde daneben stünden und nicht in der Lage wären, die Wissenschaft ihrer Melodie zu begreifen? oder wenn Powers vor einer seiner Statuen stumm wie ein Idiot stünde und nicht in der Lage wäre, zu erklären, wie sie zu ihrer wundersamen Schönheit geformt wurde? oder wenn Rubens eines seiner eigenen Bilder mit leerem Blick anstarrte und völlig unfähig wäre, die vorbereitenden Schritte nachzuvollziehen, die zu seiner Ausführung führten? Ist es dann nicht ganz natürlich, dass der große Musiker der Erde und des Himmels in der Lage ist, alle großen Chöre der Zeitalter zu erklären, dass der heilige Bildhauer aller Zeiten in der Lage ist, jede Einzelheit seines Werkes zu beschreiben, oder dass der große Maler beider Welten sich mit großer Weisheit an seinen eigenen herrlichen Bildern erfreut? Ich komme nun zu meiner zweiten Behauptung, die sich aus der ersten ergibt – wir wissen es nicht. Hier finden wir zwei Parteien in der Kirche. Die eine sagt: „Wir wissen nichts und können nie etwas wissen“, und die andere sagt: „Wir wissen etwas, aber dieses Etwas wird nicht viel ausmachen, bis Gott mehr Wissen offenbart.“ Ich gestehe, ich glaube nicht, dass wir uns selbst völlig auslöschen müssen, um Gott zu erhöhen. Wenn ich sage, dass der Mensch völlig unfähig ist, jemals erleuchtet zu werden, dass er keine Macht hat und unwiderruflich an die Sünde gebunden ist, ohne die Möglichkeit, ihr zu entkommen, dann können Sie mich zu Recht fragen: „Wer könnte ein solches Wesen geschaffen haben?“ Aber weil wir etwas tun können – ja, vieles – und weil wir etwas sind – ja, vieles -, folgt daraus nicht, dass wir alles tun können oder dass wir uns selbst genügen. Nein, niemals. Gott hat uns geschaffen, und deshalb sind wir keine Versager; und lassen Sie uns nicht einen Moment lang annehmen, dass Gott bei unserer Schöpfung einen Fehler gemacht hat, sondern weil wir geschaffen sind, sind wir abhängig, zerbrechlich, und wir müssen oft und immer zu unserem Schöpfer um Hilfe und Segen schauen. Wir sind von Geheimnissen umwittert. Aber ist es nicht etwas, dass wir durch die Gnade Gottes denken, reden, schreiben, gehen, leben können? und können wir von einem, der all diese Dinge tun kann, schlecht reden? Verbiete es, Vater! Mach uns demütig, aber lass uns nicht undankbar sein. Wenn wir die Geschichte und die historischen Ergebnisse betrachten, wird deutlich, dass es in allen vergangenen Zeitaltern einen Plan der Vorsehung gegeben hat. Wenn wir uns zu Römern, Griechen oder Hebräern machen und uns Tausende von Jahren zurückversetzen würden, könnten wir kaum verstehen, dass einige unserer größten Prüfungen sich als ein so großer Segen für die Nachwelt erweisen sollten. Wir könnten kaum glauben, dass unser Verfall sich für andere als Leben erweisen würde und dass jeder Schmerz, den wir sowohl als Nationen als auch als Einzelpersonen erlitten haben, dem großen, glorreichen und heiligen Plan der Vorsehung entsprach. Was in alten Zeiten als Unterwerfung, Invasion und Despotismus bezeichnet wurde, hat sich seither als Emanzipation erwiesen, während die damals angebotene Bluttaufe zur Erlösung der Zukunft geführt hat. Die Zeit erklärt vieles, was wir heute nicht verstehen, und die Ereignisse beweisen immer wieder, dass der Herrscher des Himmels und der Erde nie verwirrt ist, nie irrt und nie besiegt wird. Jeder von uns möge seine eigenen Erfahrungen zurückverfolgen und sehen, was wir tun und wohin wir gehen wollten, als Gott es uns nicht zuließ, als Gott uns zurückhielt und als Gott gegen uns zu arbeiten schien, und wie sieht der Rückblick im Vergleich zu unseren heutigen Erfahrungen aus? Hat Gott es nicht am besten gewusst? und ist nicht alles gut ausgegangen, und war es nicht gut für uns, dass vor Jahren eine zügelnde Hand auf unsere Vergnügungen, Begierden und Wünsche gelegt wurde? Und ist es nicht besser, dass wir von dem Weg, den wir zu gehen wünschten, abgewiesen wurden? Ich denke, einer der faszinierenden Reize der Biografie liegt darin, dass wir oft entdecken, wie scheinbar unbedeutende und triviale Dinge den gesamten Verlauf des Lebens eines Menschen verändern. … (Caleb D. Bradlee.)

Joseph S. Exell – Der Biblischer Illustrator

In Vers 22a brachten die transjordanischen Stämme ihren Glauben an den Gott Israels zum Ausdruck: Der Mächtige, Gott, Jehova, der Mächtige, Gott, Jehova, er weiß. Der hebräische Text lautet: El, Elohim, JHWH, El, Elohim, JHWH. Der Vorname El ist ein Singularwort für „Gott“, der Begriff Elohim ist ein Plural, und JHWH ist der Name Gottes. Wörtlich kann die wiederholte Phrase also übersetzt werden mit „Gott, Götter, Jehova; Gott, Götter, Jehova.“ Es ist eine klare Andeutung der Pluralität der Gottheit.

Da die Rabbiner diese Pluralität nicht lehren, müssen sie sich eine alternative Erklärung einfallen lassen. Die orthodoxe jüdische Bibelübersetzung von Isaac Leeser lautet wie folgt: „Gott, der Gott der Götter, der Herr, (Gott, der Gott der Götter, der Herr).“ Andere Rabbiner behandeln den Satz als „Allmächtiger, Gott, HASHEM.“ Wieder andere interpretieren ihn so, dass er bedeutet „‚HASHEM ist der höchste Gott aller Engel‘, denn El bedeutet der ‚Starke‘, Elohim ‚das höchste Wesen, das zu fürchten ist‘, und JHWH ist ‚der wahrhaftig Existierende, der Bundesgott‘.“ Raschi glaubte, dass Elohim „Mächtige“ bedeutet, und so ist der Satz „Gott der Mächtigen“. Dieser Rabbi glaubte auch, dass die Phrase wiederholt wurde, um zu bekräftigen, dass Gott der höchste Meister sowohl in dieser Welt als auch in der kommenden Welt ist: „Der allmächtige Gott ist Adonoy. Er ist Gott über alle göttlichen Wesen. Er ist Adonoy, der weiß, dass unsere Absicht keine Rebellion war usw. Indem sie diese Erklärung zweimal wiederholten, (erklärten sie), dass Er Gott in dieser Welt und in der zukünftigen Welt ist.“ Der Soncino-Kommentar merkt an:
Gott, Gott, der HERR. Besser: „der Mächtige, Gott, der Herr“; so wieder in Ps. L. I. . . . Die Titel sind zusammengeführt und die Phrase verdoppelt, um die Feierlichkeit der Äußerung zu erhöhen, die am besten als aus drei parallelen und unabhängigen Titeln bestehend verstanden wird. Der erste von ihnen (El) ist der allgemeinste, der dritte der speziellste, der zweite der gewöhnliche Name für die Gottheit bei den Hebräern .

Die Phrase El Elohim YHWH erscheint auch in Psalm 50:1, wo es heißt: Der Mächtige, Gott, Jehova, hat geredet, und hat die Erde genannt vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang. Nach Ansicht der Rabbiner haben die transjordanischen Stämme diese drei Namen in Josua 22:22 also zweimal ausgesprochen, „denn mit diesen Namen hat Gott die Welt erschaffen und die Tora gegeben. Er hat die Welt erschaffen, wie es heißt: Allmächtiger Gott, HASHEM hat gesprochen und die Erde herbeigerufen (Psalm 50,1), und er hat die Tora gegeben, wie es in den Zehn Geboten heißt: Denn ich, HASHEM, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott . . . Die Rabbiner schlossen daraus, dass die transjordanischen Stämme ihren Glauben an den einen Gott bekräftigten, der die Welt geschaffen und Israel sein Gesetz offenbart hatte.fest an die Offenbarung der Thora glaubten, die jede Anbetung außerhalb der Stiftshütte oder des Tempels verbot, waren ihre Absichten beim Bau des Altars missverstanden worden.

Arnold Fruchtenbaum – Das Buch Josua

Der Herr, Gott der Götter] Eher: Der Herr, der Gott der Götter; oder man kann die drei Namen getrennt betrachten, vgl. Ps. 50,1. Sie beginnen auf höchst feierliche Weise, indem sie Gott selbst anrufen, um die Unschuld ihrer Absichten zu bezeugen. Die Form, in der sie dies tun, ist die nachdrücklichste, die die Sprache ausdrücken kann. Im Hebräischen gibt es drei Hauptnamen für Gott: El, Elohim und Jehova. Hier werden alle drei zusammen verwendet und zweimal wiederholt, um die Ernsthaftigkeit ihrer Beteuerung zu unterstreichen. „El, Elohim, Jehova – El, Elohim, Jehova“. „Der stärkste Herr, Gott Israels“, Wyclif. Er weiß. Der Vers ist „mit einem traurigen Interesse behaftet, denn es ist derjenige, über den Welsh, der Pfarrer der Armee der Covenanters, vor der Schlacht von Bothwell Bridge predigte.“ Stanley’s Lectures, I.
wenn] Die Partikel „wenn“ wird hier als Formel für einen Eid verwendet. Die Apodosis folgt am Ende von Ver. 23, „wenn der Herr selbst es verlangt“.
rette uns nicht diesen Tag] „Wenn bi inwit of trespassynge this auter we han maad vp, keep he vs not, but punyshe now,“ Wyclif. Dies ist eine unmittelbar an Gott gerichtete Verwünschung. „Ein parenthetischer Satz, in dem das erregte Gefühl, das leidenschaftlich das Böse auf sich zieht, in die Anrufung des Allerhöchsten übergeht.“ Vgl. Mose 10,17; Hiob 10,7; 23,10. Die Worte sind fast gleichbedeutend mit unserer Form „So wahr mir Gott helfe“

Bischof von Worcester – Die Cambridge Bibel für Schulen und Colleges

Das Wort „Gott“ ist im Hebräischen das Plural-Substantiv Elohim. Wie bereits erwähnt, wird es fast immer mit einem singulären Verb verwendet, was der normalen hebräischen Grammatik zuwiderläuft. Die Regeln der hebräischen Grammatik verlangen, dass das Verb mit dem Substantiv sowohl im Geschlecht als auch in der Zahl übereinstimmen muss. Wenn das Plural-Substantiv Elohim für den wahren Gott verwendet wird, hat es manchmal ein Plural-Verb, was der hebräischen Grammatik entspricht. Mehrere Beispiele dafür wurden bereits als Beweis für die Pluralität der Gottheit angeführt. Aber die Tatsache, dass in der überwiegenden Mehrheit der Fälle der Plural Elohim mit einem Singular-Verb verwendet wird, betont die Einheit. Ein Beispiel ist 1 Mose 1,1: Am Anfang schuf Gott [Elohim, ein Plural-Substantiv] [ein hebräisches Verb im Singular]. Das Verb „schuf“ stimmt in der Anzahl nicht mit dem Substantiv Elohim überein und verstößt damit gegen die Regeln der normalen hebräischen Grammatik. Dieser Verstoß gegen die hebräische Grammatik zeigt die Einheit in der Gottheit.

c. Die Verwendung von Singular- und Pluralformen zusammen
Die Einheit der Gottheit wird auch in dem zusammengesetzten Namen El Elohim gesehen. El ist die Singularform von Gott, und Elohim ist die Pluralform; aber beide werden zusammen in einem Vers von demselben Gott verwendet.
Ein Beispiel ist 1 Mose 33,20: Und er errichtete dort einen Altar und nannte ihn El-Elohe-Israel. El ist Singular, aber Elohe ist der Konstruktionszustand von Elohim, der eine Pluralform ist. Wörtlich heißt es also: „Gott, die Götter Israels“. Die Tatsache, dass auf den Singular der Plural folgt und dass sich beide Wörter auf den einen wahren Gott beziehen, betont die Einheit.
Ein zweites Beispiel, in dem sowohl der Singular als auch der Plural zusammen verwendet werden, ist Josua 22:22: Der Mächtige, Gott, Jehova, der Mächtige, Gott, Jehova, er weiß, und Israel soll wissen, ob es im Aufruhr ist, oder ob es sich gegen Jehova versündigt.
Das hebräische Wort, das mit „Der Mächtige“ übersetzt wird, ist das Wort El, das in der Einzahl „Gott“ bedeutet. Das Wort, das mit „Gott“ übersetzt wird, ist Elohim, und, wie bereits erwähnt, ist es ein Plural-Nomen, das „Gott“ oder „Götter“ bedeutet. Das Wort, das mit Jehova übersetzt wird, ist der persönliche Name Gottes, YHVH. Hier wird Gott also El, Elohim, Jehova-Gott, Götter, Jehova genannt. Wiederum ist Jehova Gottes persönlicher Name; Elohim betont seine Vielheit; aber der Singular El betont seine Einheit. Die Einheit kann also in der Verwendung von El Elohim gesehen werden, wobei der Singular und der Plural zusammen für ein und denselben Gott verwendet werden

Arnold Fruchtenbaum – Was WIR über Gott wissen

Wer?

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Elberfelder 1871 – Joh 1,1

Johannes berichtet von Jesus
Jesus Christus – Gottes Wort an die Welt
Am Anfang war das ewige Wort Gottes: Christus.
Immer war er bei Gott und ihm in allem gleich.
Wörtlich: Am Anfang war das Wort, und das Wort war zu Gott hin(gewandt), und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang zu Gott hin(gewandt). Vgl. 1. Mose
Hoffnung für alle – 1996 – Johannes 1,1–2

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott; und ein ‚Gott‘ war das Wort. 2 Dies war im Anfang bei Gott.
Johannes Greber NT – 1936 – Johannes 1:1–2

IM Anfang (aller Dinge) war bereits das Wort – denn es ist vorzeitig und ewig (vgl. Joh 8,58; 17,5) – Joh 1,1; Offb 19,13; Joh 1,14.16.17; Offb 19,15; Ps 33,6; 119,105; Spr 8; 9; Ps 107,20; 147,15; Jes 55,10.11- ; das Wort war eng vereint mit Gott -Joh 6,46; 17,24-, ja göttliches Wesen hatte das Wort -vgl. Joh 20,28f.-.  
Dies war im Anfang eng vereint mit Gott.
Ludwig Albrecht – Joh 1:1–2

Haben wir nicht fast alle bei Johannes 1:1 den griechischen Begriff im Ohr? Aber was, wenn Johannes als gebürtiger Jude gar nicht vom griechischen Begriff sondern von seiner Muttersprache her gedacht hat???

In einer Zeit, die so weit zurückliegt, wie der Mensch nur denken kann – im Anfang – war das Wort. Für den theologischen Terminus „Wort“ steht hier der ganz normale griechische Begriff logos, der einfach „Sprechen, Botschaft oder Wörter“ bedeutet. Er war sowohl in der griechischen Philosophie als auch in der jüdischen Weisheitsliteratur wohlbekannt. Wahrscheinlich wählte Johannes diesen Ausdruck, weil er seinen Lesern so vertraut war; doch er verlieh ihm eine ganz eigene Bedeutung, die gleich im Prolog entwickelt wird.
Das Wort war bei Gott, d. h., es hatte innerhalb der Trinität eine ganz besondere Beziehung ewiger Gemeinschaft mit Gott. „Bei“ ist die Übersetzung des griechischen pros, hier im Sinne von „Gemeinschaft haben mit“ (vgl. dieselbe Bedeutung von pros in Joh 1,2; 1Thes 3,4; 1Joh 1,2). Dann fügt Johannes hinzu: Gott war das Wort. Die Zeugen Jehovas schreiben: „das Wort war ein Gott“ – eine falsche Übersetzung, die – logisch zu Ende gedacht – zum Polytheismus führt. In anderen Bibelversionen steht „das Wort war göttlich“, wasjedoch ebenfalls nicht ganz eindeutig ist und zu einem falschen Verständnis von Jesus führen könnte. Richtig übersetzt kann dieser Vers dagegen die Lehre von der Trinität ganz entscheidend erhellen. Das Wort ist ewig; es steht in Beziehung zu Gott (dem Vater); und es ist Gott.
Johannes
Das Wort war schon immer bei Gott. Christi Existenz begann nicht irgendwann innerhalb der Zeit, genausowenig wie er erst zu irgendeinem Zeitpunkt in Beziehung zum Vater trat. Der Vater (Gott) und der Sohn (das Wort) sind seit Ewigkeit eine liebende Einheit. Sowohl Vater als auch Sohn sind Gott, und dennoch gibt es nicht zwei Götter.

Walvoord Bibelkommentar

Die Sätze sind schlichtes Griechisch und gleichzeitig von geheimnisvoller, unauslotbarer Tiefe. Sie sind knapp, rhythmisch und fast psalmartig poetisch, aber doch nicht so streng formgebunden, dass sie nicht auch ausführliche Erklärungen zuließen, wo es nötig Ist. Erst wenn man sie mit dem Evangelium und mit dem AT zusammenhält, gewinnen sie ihre volle Aussagekraft. Was ist nun ihr Inhalt?
»Im Anfang« steht sehr bewusst und präzise am Beginn des gesamten Evangeliums. Dieselben Worte stehen am Beginn der griechischen und hebräischen Bibel, in 1Mose 1,1. Sowohl dort als auch in Johannes 1,1 fehlt der Artikel, so dass man ganz wörtlich übersetzen müsste:
»In einem Anfang«. Wenn Johannes genauso formuliert wie 1Mose 1,1, dann gibt er damit ein Doppeltes zu erkennen:
a) Sein Evangelium ist ebenso »Heilige Schrift« wie das 1Mosebuch.
b) Wie es in 1Mose 1 um die Schöpfung ging, so geht es jetzt um die zweite, nämlich die in Jesus beginnende Neuschöpfung. Wir werden gleich sehen, wie eng der Zusammenhang zwischen Schöpfungsbericht und Johannes 1,1ff. ist.
Jetzt beachten wir ein Drittes:
Wenn Johannes mit denselben Worten beginnt wie die Bibel Israels, dann deutet er auf die unzertrennliche Verbindung von AT und NT hin. Dass Israel und die messianische Gemeinde des Neuen Bundes, dass AT und apostolische Lehre zusammengehören, ist auch im Johannesevangelium ein eherner Grundsatz.
Wir stoßen auf ein Viertes:
Mit dem Rückgriff auf den Anfang der Bibel in 1Mose 1 zeichnet Johannes sein Evangelium in eine Heilsgeschichte ein, die mit der ersten Schöpfung ihren Ausgang nahm und schließlich im ewigen Gottesreich zum Ziel kommen wird. Wer auf den »Anfang« hinweist, erinnert gleichzeitig an das »Ende« aller Dinge. So ist es nur konsequent, wenn derselbe Johannes später zum Seher der Offenbarung wird (vgl. auch 1Joh 1,1ff.). Wenn aber die Evangelisten heilsgeschichtlich denken, ergibt sich daraus für uns die Verpflichtung, heilsgeschichtlich auszulegen.
»Im Anfang«, sagt Johannes, »war das Wort.« Der Leser ist überrascht! Warum und wie ausgerechnet »das Wort«? In der berühmten Studierzimmer-Szene lässt Goethe den Faust darüber nachsinnen:
»Geschrieben steht:
Im Anfang war das Wort! … Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen. Ich muss es anders übersetzen …« Dreimal nimmt Faust einen Anlauf, um nach den Übersetzungen:
»Im Anfang war der Sinn« und »Im Anfang war die Kraft« schließlich »getrost« zu schreiben:
»Im Anfang war die Tat!«
Doch die Bibel beharrt dabei:
»Im Anfang war das Wort.« Ein erster Weg zum Verständnis bahnt sich an, wenn wir noch einmal 1Mose 1,1 aufschlagen:
»Im Anfang schuf«. Dieses »schuf« erklären aber die Bibel und das Judentum durchweg als »das Wort«, so z. B. in Psalm 33,6:
»Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht«, und in Hebräer 11,3:
»Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort gemacht ist.« Das stimmt mit dem Vorgang von 1Mose 1,3ff. völlig überein. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen:
a) Das Wort gehört auf die Seite Gottes und nicht zu den Geschöpfen; b) das Wort war schon vor der Schöpfung da.
Ein zweiter Weg zum Verständnis bahnt sich an, wenn wir die weitere Offenbarungsgeschichte betrachten. In Sprüche 8,22ff. erscheint die Weisheit Gottes als eine Art Person, die von sich sagt:
»Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.« Und in Sprüche 8,35 erklärt sie:
»Wer mich findet, der findet das Leben.« In Sirach 24,9 lesen wir von ihr:
»Von Ewigkeit, vom Anfang an schuf er mich, und bis in Ewigkeit werde ich nicht aufhören.« Wer ist diese Weisheit in Person? Das NT erklärt einstimmig:
Jesus Christus, der Gottessohn (vgl. Mt 13,54; Lk 2,40.52; 1Kor 1,24.30; Kol 2,3). Wie beim erschaffenden Wort ergeben sich zwei Konsequenzen:
a) Die Weisheit in Person gehört auf die Seite Gottes und nicht zu den Geschöpfen; b) Sie war schon vor der Schöpfung da.
Damit lässt sich Bilanz ziehen:
Mit dem »Wort« ist Jesus Christus gemeint. Er ist kein Geschöpf, sondern ewig – schon »im Anfang« existierend (»war«!). Er ist als »Wort« der Schöpfungsmittler (1Kor 8,6; Kol 1,16; Heb 1,2), und erscheint auch am Ende der Tage als »das Wort Gottes«! (Offb 19,13). Als den »Anfang der Schöpfung Gottes« bekennt ihn seine Gemeinde (Kol 1,15.18; 1Joh 2,13; Heb 1,2ff.; Offb 3,14).
Damit haben wir das Generalthema des Johannesevangeliums ausgemacht. Es heißt:
Jesus Christus – und nichts anderes. Mit ihm beginnt es (Joh 1,1), und mit ihm schließt es (Joh 20,30ff.; Joh 21,25), ihn bezeugt es als den einzigen Weg zum ewigen Leben (Joh 14,6).
Johannes stellt nun klar:
»Das Wort war bei Gott« – also in Gottes Gemeinschaft, nicht im Gewimmel der Geschöpfe. Es war so »bei Gott«, wie später der Menschensohn von Daniel 7,13. In dem »bei« steckt das Auf-Gott -hin -orientiert -Sein, bzw. das Ihm-zu-Diensten -Stehen. Eine aktive und willensmäßige Einheit von »Gott« und »Wort« ist hier angedeutet, die später in Johannes 10,30 mit aller Offenheit ausgesprochen wird (vgl. Spr 8,27.30). Dennoch sind »Wort« und »Gott« nicht dasselbe, sondern unterscheidbare Größen – ein Geheimnis, das sofort eine weitere Klarstellung erfordert:
»Das Wort war Gott.« Hier kommt es wieder auf jede Einzelheit an. Es heißt nicht:
»Das Wort war der Gott.« Denn das »Wort« ist nicht der ganze Gott. Es heißt auch nicht:
»(Der Gott) war das Wort.« Denn Gott als Vater und »das Wort« müssen unterschieden werden. Es war der Fehler der sog. Patripassianer, dass sie die These vertraten:
Pater»passus est« = »der Vater hat gelitten«. Nein! Der »Gottessohn« hat gelitten. Deshalb kann man christlich auch nicht von einem »gekreuzigten Gott« sprechen, sondern nur von einem »gekreuzigten Gottessohn«. Was heißt der Satz:
»Das Wort war Gott« aber dann? Dass Jesus als das Wort »Gott« ist! Dass er die volle Gottheit sein eigen nennt! Genau mit diesem, mit dem Bekenntnis der Gottheit Jesu, endet das Evangelium auch (Joh 20,28). Dieses Bekenntnis erfüllt die ganze Urkirche (vgl. Röm 9,5; 1Joh 5,20; Heb 1,1ff.; Phil 2,6; Kol 1,15ff.; Kol 2,9; Offb 1,17.18; 5,12ff.; Offb 21,23). Deshalb nennt sie Jesus ihren »Herrn« und betet sie zu ihm (1Kor 1,2). Dass Martin Luther in einem Weihnachtslied »den Sohn des Vaters, Gott von Art« (EKG 15, 5) besingt, ist von Johannes 1,1 her berechtigt. Ein Bekenntnis, das nicht von der Gottheit Jesu sprechen kann, ist nicht christlich.
Stehen jetzt aber nicht zwei »Götter« nebeneinander? Droht hier nicht die Gefahr des Ditheismus (Zwei-Götter-Glaubens)? Der Islam bejaht diese Frage und zieht seine Kraft aus der Ablehnung der Gottheit Jesu. So heißt es in der 5. Sure des Koran (5, 172):»Sagt aber nichts von einer Dreiheit (= dem dreieinigen Gott) … Es gibt nur einen einzigen Gott. Fern von ihm, dass er einen Sohn habe!« Und in einem moslemischen Flugblatt, das in der Bundesrepublik verteilt wurde, heißt es:
»Allah droht jedem mit Strafe, der Jesus einen Gott nennt.« Vers 2 will gerade ein solches Missverständnis verhüten, indem die zweite Satzhälfte wiederholt wird:
»Dieses (nämlich: das Wort) war im Anfang bei Gott.« Damit wird die Zuordnung und die Willenseinheit des Wortes = Jesu Christi im Blick auf den Vater unterstrichen. In Vers 18 wird das personale Geheimnis der Einheit von Vater und Sohn betont (vgl. Joh 10,30). Man kann sich dieses Geheimnis am Menschen selbst ein Stück weit veranschaulichen:

Edition C

Chronologisch geht die Aussage von Johannes 1,1 dem Text in 1 Mose 1,1 voraus. Johannes 1,1 sagt zwar auch Im Anfang, fährt jedoch fort: … war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Durch das Wort wurden die Himmel und die Erde geschaffen (Joh 1,3). Also erwähnen sowohl Genesis 1,1 als auch Johannes 1,1 den Ausdruck Im Anfang. Genesis 1,1 enthüllt nicht, wann dieser Anfang war; doch das Im Anfang aus Johannes 1,1 geht chronologisch dem Im Anfang des 1. Mosebuches voraus. Denn ganz offensichtlich existierte der Messias – das Logos, das Memra – vor der Erschaffung von Himmeln und Erde.

Arnold Fruchtenbaum – Das 1. Buch Mose

Der erste Abschnitt ist die Einleitung von Johannes zu seiner Biographie von Jesus, dem Messias. Das Thema des Johannes ist: Jeschua, der Messias, der Sohn Gottes. Der Abschnitt beginnt mit Vers 1: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Der griechische Begriff „logos“, den Johannes verwendet, wird mit dem englischen Begriff „word“ übersetzt. Weil Johannes den Begriff „logos“ verwendet, gehen viele Kommentare zum Johannesevangelium an dieser Stelle in eine ziemlich lange Abhandlung über, um zu erklären, was logos in der griechischen Philosophie bedeutet.
Am Ende sagen sie alle das Gleiche: dass der Logos in der griechischen Philosophie zwei Konzepte hatte; das Konzept der Vernunft und das Konzept der Rede. Sie behaupten dann, dass das, was Johannes zu tun versuchte, darin bestand, zu zeigen, wie Jesus die Ziele der griechischen Philosophie in beiden Bereichen, Vernunft und Sprache, erfüllte. Durch die „Vernunft“ war er die Idee Gottes und durch die „Sprache“ war er der Ausdruck Gottes selbst. Das ist alles schön und gut zu wissen, bis auf ein großes Problem: Johannes war von Beruf kein griechischer Philosoph, er war ein jüdischer Fischer. Was er wirklich im Sinn hatte, war nicht griechische Philosophie, sondern jüdische Theologie des ersten Jahrhunderts in Israel.
Die Rabbiner jener Zeit hatten ein Konzept, das als Memra bezeichnet wurde. Das Memra ist ein aramäischer Begriff, der „Wort“ bedeutet. Als Johannes sein Evangelium auf Griechisch schrieb, brauchte er einen griechischen Begriff, um den jüdischen Begriff memra zu übersetzen, und der einzige griechische Begriff, den er hatte, war logos. Aber Johannes meinte nicht den logos der griechischen Philosophie, sondern die memra der jüdischen Theologie. Die Schriften der Rabbiner jener Zeit lehrten, dass es sechs Dinge gab, die an der memra wahr waren.

A. Das Gleiche, aber von Gott unterschieden
Erstens war die Memra manchmal dasselbe wie Gott, aber manchmal war sie von Gott verschieden. Die Rabbiner haben nie versucht, das offensichtliche Paradoxon zu erklären: Wie war es möglich, dass die Memra einerseits dasselbe wie Gott ist, andererseits aber von Gott verschieden ist? Sie lehrten einfach beide Aussagen als wahr und beließen es dabei.
Das ist dasselbe, was Johannes in Vers 1 sagte. Indem er sagt, dass das Wort bei Gott war, bedeutet es, dass Jesus von Gott verschieden war. Indem er sagt, das Wort war Gott, bedeutet es, dass Jesus derselbe wie Gott war. Wie die Rabbiner hat Johannes an dieser Stelle nicht versucht, das offensichtliche Paradoxon zu erklären: Wie ist es möglich, dass das Wort dasselbe wie Gott ist und sich doch von Gott unterscheidet? Dies wird erst später im Evangelium im Sinne der Dreieinigkeit erklärt. Der Logos ist insofern von Gott verschieden, als er nicht Gott der Vater ist, noch ist er Gott der Heilige Geist. Aber er ist derselbe wie Gott, weil er die zweite Person dieser Dreieinheit ist; er ist Gott der Sohn und daher derselbe wie Gott. Nur in Begriffen der Dreieinheit kann das rabbinische Paradoxon der Memra in der jüdischen Theologie erklärt werden.

B. Der Agent der Schöpfung
Die zweite Sache, die die Rabbiner über die Memra lehrten, war, dass die Memra auch das Mittel der Schöpfung war. Alles, was Gott erschaffen hat, hat Er mittels Seiner memra, mittels Seines Wortes, erschaffen; also würde ohne die memra nichts existieren, was jetzt existiert. In Vers 3 schreibt Johannes: Alle Dinge sind durch ihn gemacht, und ohne ihn ist nichts gemacht worden, was gemacht worden ist.
Was in der jüdischen Theologie für die Memra gilt, gilt auch für den Logos, von dem Johannes schrieb. Alles wurde durch ihn gemacht, und ohne ihn wurde nichts gemacht, was gemacht wurde, und so würde ohne ihn nichts existieren, was jetzt existiert: Er ist das Mittel der Schöpfung.

C. Das Mittel der Erlösung
Die dritte Sache, die die Rabbiner über die Memra lehrten, war, dass die Memra das Mittel der Erlösung war. Wann immer Gott in der Geschichte des Alten Testaments rettete, sei es eine physische Rettung wie der Auszug aus Ägypten oder eine geistliche Rettung, rettete Gott immer mittels seiner memra, mittels seines Wortes. In Johannes 1,12 sagt Johannes: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben: …
Wie bei der Memra der jüdischen Theologie, so beim Logos des Johannes: Er ist das Mittel des Heils. Denn diejenigen, die persönlich an seine Messiasschaft glauben und ihn aufnehmen, werden zu Kindern Gottes und erhalten von ihm, dem Vermittler des Heils, das geistige Heil.

D. Die sichtbare Manifestation der Anwesenheit Gottes
Die vierte Sache, die die Rabbiner über die Memra lehrten, war, dass die Memra das Mittel oder der Weg war, durch den Gott auf den Seiten des Alten Testaments sichtbar wurde. In der christlichen Theologie wird dieses Phänomen eine „Theophanie“ genannt. Eine Theophanie ist die sichtbare Manifestation Gottes, die in der Geschichte des Alten Testaments auftrat.
Die Rabbiner hatten einen anderen Begriff, Schechinah oder die Schechinah-Herrlichkeit; die Schechinah-Herrlichkeit ist die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes. Wann immer der unsichtbare Gott eine sichtbare Form annahm, wann immer die Allgegenwart Gottes lokalisiert wurde, war diese sichtbare, lokalisierte Gegenwart die Schechinah-Herrlichkeit. Während des größten Teils der alttestamentlichen Geschichte nahm die Schechinah-Herrlichkeit die Form eines Lichts oder Feuers oder einer Wolke oder einer Kombination dieser Dinge an. Laut den Rabbinern kam dies durch die Memra.

In Vers 14 schreibt Johannes: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns …
Das Wort, das in Vers 1 im Anfang bei Gott war – immer bei Gott war und immer Gott war -, nahm zu einem bestimmten Zeitpunkt in der menschlichen Geschichte sichtbare Gestalt an. Aber dieses Mal kam Er nicht in der Form eines Lichtes, Feuers oder einer Wolke, sondern Er kam in der Form von Fleisch. Er wurde Mensch, er wurde Mensch, und Jeschua war als Mensch die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes.

Johannes fährt fort: Er wohnte unter uns. Der von Johannes verwendete Begriff, der mit dem englischen Begriff „dwell“ übersetzt wird, ist nicht der normale griechische Begriff für „wohnen“. Vielmehr ist es ein griechischer Begriff, der eigentlich aus dem Hebräischen entlehnt wurde, skeinei. Als die Griechen in Kontakt mit der jüdischen Welt kamen, stießen sie auf den Begriff Schechinah und mochten, was er ausdrückte. Sie wollten ihn in ihre Sprache aufnehmen, denn in der griechischen Mythologie gab es Geschichten, in denen die Götter vom Olymp herabstiegen, eine Art sichtbare Gestalt annahmen und sich eine Zeit lang unter die Menschen mischten. Das Problem war, dass die griechische Sprache keinen „sch“-Laut hatte. Das Hebräische hat einen Buchstaben namens shin, mit dem der „sch“-Laut erzeugt wird. Im Englischen braucht man die Kombination von zwei Buchstaben, „s“ und „h“, um den „sh“-Laut zu erzeugen. Aber im Griechischen kann man keine Buchstaben kombinieren, um den „sh“-Laut zu erhalten. Die Griechen konnten ein hartes „s“ machen; sie konnten „sssss“ sagen, aber sie konnten nicht „schhhh“ sagen. Sie nahmen das hebräische Wort Schechinah, hellenisierten es und daraus wurde das griechische Wort skeinei; das ist der Begriff, den Johannes hier verwendet. Wörtlich bedeutet es nicht „wohnen“, sondern „tabernakeln“. Es hat seinen Ursprung in der Erzählung von Exodus 40, wo die Schechinah-Herrlichkeit in Form einer sichtbaren Wolke ihren Wohnsitz im Allerheiligsten der Stiftshütte aufnahm. Im Hebräischen ist mishkan die gleiche hebräische Wurzel wie Schechinah.
So „wohnte“ die Schechinah-Herrlichkeit für die nächsten Jahrhunderte beim Volk Israel, bis sie es in den Tagen von Hesekiel 8-11 verließ. Jetzt ist die Schechinah-Herrlichkeit in der Person von Jesus von Nazareth wieder erschienen. Noch einmal, für eine gewisse Zeit, „wohnte“ Er unter uns. Wie die Rabbiner brachte auch Johannes die Schechinah mit der Herrlichkeit Gottes in Verbindung; denn er fährt in Vers 14 fort: … (und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit wie die des eingeborenen Sohnes vom Vater), voller Gnade und Wahrheit.

Jeschua war diese neue Schechinah-Herrlichkeit: Er war die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes.

Die Tatsache, dass Jesus die Schechinah, das Licht der Herrlichkeit, war, wurde kurz in Johannes 1,4-10 entwickelt, als er schrieb: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis erkannte es nicht. Es kam ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeugte, damit alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er kam, damit er von dem Licht Zeugnis gebe. Da kam das wahre Licht, nämlich das Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn gemacht, und die Welt kannte ihn nicht.

Mit diesen Worten betonte Johannes, dass Jeschua dieses neue Schechinah-Herrlichkeitslicht ist. Er ist die Quelle des Lebens und Er ist die Quelle des Lichts für alle Menschen, weil Er der Schöpfer aller Menschen ist.

Arnold Fruchtenbaum – Die Geburt und das frühe Leben des Messias

War Jesus also „ein Gott“ wie einige wenige Bibelübersetzter schreiben? Oder war Jesus die Schechinah-Herrlichkeit des „AT“??

Angst und Liebe passen übrigens nicht zusammen

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.
Elberfelder 1871 – 1.Joh 4,18

Angst und Liebe passen übrigens nicht zusammen. Wo Liebe ist, gibt es keine Angst mehr, die Liebe vertreibt die Angst. Wer Angst hat, fürchtet sich ja vor einer Bestrafung. Wenn jemand Angst hat, ist das nur ein Zeichen, dass er die wirkliche Liebe noch gar nicht kennengelernt hat.
VolxBibel – 1.Johanes 4:18

Furcht ist nicht in der Liebe -d.h. verträgt sich nicht mit der Liebe-, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, weil die Furcht es mit Strafe zu tun hat -d.h. weil die Furcht um der zu erwartenden Strafe willen Pein verursacht.-; wer also Furcht empfindet, der ist in der Liebe noch nicht zur Vollendung gelangt.
Hermann Menge Uebersetzung – 1949 – 1.Johannes 4,18

In diesen Versen geht es um die göttliche Liebe, aber in der Anwendung auf unsere Beziehungen stellen wir fest, dass jede Angst verschwindet, wenn Liebe auf die richtige Art und Weise wirksam ist. Dann haben die Eheleute keine Angst voreinander und dann haben die Kinder keine Angst vor den Eltern.
Es ist ein Kennzeichen der Menschen ohne Gott, dass sie auch ohne natürliche Liebe sind (s. 2 Timotheus 3,2). Aber der Gläubige kann lieben, weil er selbst von Gott geliebt ist. Wollen wir neu darüber nachdenken, dass unsere Beziehungen durch echte Liebe gekennzeichnet sind. Dann wird auch Vertrauen vorhanden sein!

Bleib in mir 2018

Wenn ein Gläubiger mit Bangen auf den Richterstuhl Christi blickt, dann ist Gottes Liebe in ihm noch nicht vollkommen (vgl. 1Joh 2,5;4,12 ) geworden. Die gereifte Erfahrung der göttlichen Liebe (die durch die praktische Liebe untereinander erreicht wird) ist unvereinbar mit einer furchtsamen Haltung und vertreibt die Furcht aus den Herzen.
Die Wendung „denn die Furcht rechnet mit Strafe“ heißt wörtlich „auf die Furcht folgt die Strafe“. Furcht trägt ihre eigene Strafe in sich. Ironischerweise erlebt ein Gläubiger, der der Liebe ermangelt, gerade deshalb Strafe, weil er sich schuldig fühlt und sich davor fürchtet, vor seinen Richter zu treten. Eine solche Angst verhindert das Vollkommenwerden der Liebe (wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe). Ein Christ, der wahrhaft liebt, hat dagegen nichts zu fürchten und entrinnt damit auch der inneren Qual, die der Mangel an Liebe mit sich bringt. Trotzdem bleibt die Liebe der Gläubigen im wesentlichen eine „sekundäre“ Liebe, die aus einer anderen folgt.

Walvoord Bibelkommentar

Furcht ist nicht in der Liebe. Ein Blick auf das Gegenteil rückt die Vortrefflichkeit jenes Gutes in helles Licht. Der Apostel sagt, dass wir beständig gequält werden, bis Gott uns durch das Mittel seiner Liebe zu uns von jener elenden Qual befreit. Kurz, da es nichts Elenderes gibt, als durch beständige Unruhe gequält zu werden, so erreichen wir durch die Erkenntnis der Liebe Gottes gegen uns dies, dass wir furchtlos ruhen können. Daraus erhellt, was für eine einzigartige Wohltat Gottes es ist, uns seiner Liebe zu würdigen. Aus dieser Lehre zieht der Apostel hernach eine Mahnung; bevor er uns aber an unsere Pflicht mahnt, empfiehlt er uns jenes Geschenk Gottes, das uns durch den Glauben die Frucht nimmt. Ich weiß, dass diese ganze Stelle von vielen anders ausgelegt wird, aber mich geht nur das an, was der Apostel will, nicht was andere denken. Jene sagen, Furcht sei nicht in der Liebe, weil wir, wo wir willig Gott lieben, nicht durch Gewalt und Furcht zum Gehorsam gegen ihn gezwungen werden. Nach ihnen wird hier die knechtische Furcht der freiwilligen Verehrung entgegengesetzt. Daher stammt auch die Unterscheidung zwischen knechtischer und kindlicher Furcht. Es ist gewiss ein richtiger Gedanke, dass die Furcht vor Strafe uns nicht mehr drängt, wenn wir Gott als Vater aus freien Stücken lieben; aber das hat mit unserer Stelle nichts zu tun. Der Apostel lehrt nur: sobald die Liebe Gottes von uns durchschaut und durch den Glauben erkannt ist, so haben unsere Gewissen Frieden und werden nicht länger geängstigt. Man kann aber fragen, wann es eigentlich geschieht, dass völlige Liebe die Furcht austreibt. Wir sind ja nur mit einem gewissen Geschmack der göttlichen Liebe gegen uns begabt und werden niemals gänzlich von der Furcht befreit. Ich antworte: wenn auch die Furcht nicht völlig weicht, so wird sie doch, sobald wir zu Gott unsere Zuflucht nehmen wie zu einem ruhigen und von allen Schiffbrüchen und Unwettern freien Hafen, wirklich ausgetrieben, weil sie dem Glauben Platz macht. Also wird die Furcht nicht derartig beseitigt, dass sie unsere Seele überhaupt nicht mehr beunruhigt; vielmehr so wird sie ausgetrieben, dass sie uns nicht in Verwirrung bringt und unsern Frieden nicht dauernd stört, den wir durch den Glauben haben.
Die Furcht hat Pein. Auch hier preist der Apostel die Größe der Gnade, von der er redet. Denn da es eine elende Lage ist, beständig Pein zu dulden, so ist nichts wünschenswerter, als mit ruhigem Gewissen und gestilltem Herzen vor das Angesicht Gottes treten zu dürfen. Wenn andere sagen: die Sklaven fürchten sich, weil sie sich die Strafe und die Schläge vor Augen stellen, und sie tun ihre Pflicht nur gezwungen, so hat das, wie gesagt, mit der Meinung des Apostels nichts zu tun. Ebenso wenig passt es in den Zusammenhang, wenn man das nächste Satzglied folgendermaßen auslegt: wer sich fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe, weil er sich nicht freiwillig Gott unterwirft, ja sich viel lieber von ihm losmachen würde. Vielmehr erinnert der Apostel daran, dass es die Schuld des Unglaubens ist, wenn man sich fürchtet, das heißt, ein unruhiges Herz hat, während die wirklich erkannte Liebe Gottes die Herzen stillt.

Jean Calvin – 1.Johannesbrief

Die »vollkommene Liebe«, die in uns zum Ziel gekommene Liebe, in der wir »so sind, gleich wie er ist«, »treibt die Furcht aus« (wörtlich: »wirft« sie hinaus), nämlich aus unserem Herzen. Wir leben doch in der völligen Gemeinschaft mit dem Herrn, da sind die Fluchtgedanken weg. Welcher Liebende flieht denn vor der Geliebten? »Die Furcht rechnet mit Strafe«, muss mit Strafe rechnen, wegen des bösen Tuns. Die Furcht kann nur dort sein, wo ich zu Recht mit Strafe rechnen muss. Dann aber liegt Sünde vor. Dann aber sind wir »nicht vollkommen in der Liebe«. Darum konnte Christus seine Neuprägung noch nicht völlig an uns tun. Es gilt zwar: »Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang« (Ps 111,10), aber eben »Anfang«. Es gibt einen Fortgang, ein »Zum-Ziel-Kommen« der Liebe Gottes mit uns – und da ist die Furcht ausgetrieben. Wieder beachten wir, wie selbstverständlich, selbst – (= Christus) bewusst Johannes hier redet. Das ist nur die Konsequenz aus den Sätzen: »Wer aus Gott geboren ist, der tut keine Sünde« (1Joh 3,9) – wie sollte er sich dann vor Strafe fürchten müssen? »Gottes Kinder bleiben in ihm und können nicht sündigen« (1Joh 3,9) – wie sollte ich da vom Herrn wegfliehen?

Wenn Furcht in uns ist, dann zeigt das Sünde in unserem Leben an. Dann aber sollen wir nicht wegziehen vom Herrn, sondern hinziehen zu ihm, denn er ist doch unser »Fürsprecher«. Wo wir wegfliehen in das Versteck wie Adam (vgl. 1Mose 3,8) nach seiner Sünde, da geht die Gottesgemeinschaft verloren und die Liebe kann in uns nicht zu ihrem Ziel kommen. Christus will die Furcht aus unserem Herzen austreiben und Raum schaffen für die Liebe. Dann hat er auch die Furcht vor dem Tag des Gerichts ausgetrieben, wo wir mit unserer Sünde zu Jesus hinziehen und seine Versöhnung immer neu empfangen.

Edition C

Berechtigte Furcht vor Krankheit und Tod? Nun, wir können darauf vertrauen, dass Jehovah all unsere Schritte in Seiner Hand hat. Es kann nichts passieren, was Seinem Willen widerspricht! Also warum Angst haben, dass irgendetwas geschehen könnte, was Seinem Willen widerspricht!
Wir schauen nicht auf die Krisen um uns herum – sondern schauen auf Gott und Sein Wort!

ist es Liebe, wenn ich gegen andere kämpfe?

Die Liebe ist langmütig, ist gütig; die Liebe neidet nicht; (O. ist nicht eifersüchtig) die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, sie gebärdet sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihrige, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu, (O. denkt nichts Böses) sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, sie erträgt alles, (O. deckt alles zu) sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Die Liebe vergeht nimmer;
Elberfelder 1871 – 1 Kor 13,4–8a

Die Liebe ist geduldig und gütig.
Die Liebe eifert nicht für den eigenen Standpunkt,
sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf.
Die Liebe nimmt sich keine Freiheiten heraus,
sie sucht nicht den eigenen Vorteil.
Sie lässt sich nicht zum Zorn reizen
und trägt das Böse nicht nach.
Sie ist nicht schadenfroh,
wenn anderen Unrecht geschieht,
sondern freut sich mit,
wenn jemand das Rechte tut.
Die Liebe gibt nie jemand auf,
in jeder Lage vertraut und hofft sie für andere;
alles erträgt sie mit großer Geduld.
Niemals wird die Liebe vergehen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Korinther 13,4–8

Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht neidisch oder überheblich, stolz oder anstößig. Die Liebe ist nicht selbstsüchtig. Sie lässt sich nicht reizen, und wenn man ihr Böses tut, trägt sie es nicht nach. Sie freut sich niemals über Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich immer an der Wahrheit. Die Liebe erträgt alles, verliert nie den Glauben, bewahrt stets die Hoffnung und bleibt bestehen, was auch geschieht. Die Liebe wird niemals aufhören,
Neues Leben Bibel – 1.Korinther 13:4–8

Liebe ist entspannt, sie mag Menschen, sie ist nett zu Leuten. Neid ist für sie ein Fremdwort, sie sieht nicht von oben auf andere runter, angeben hat sie nicht nötig und sie markiert auch nie den dicken Macker. Liebe will Leute nie fertigmachen, und sie will auch nicht das fetteste Stück vom Kuchen haben. Die Liebe lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, und sie verzeiht, wenn man link zu ihr war. Sie hat keinen Bock drauf, wenn jemand abgelinkt und ungerecht behandelt wird. Sie feiert, wenn die Wahrheit siegt und alles korrekt zugeht. Die Liebe ist nicht totzukriegen, sie hört nie auf zu vertrauen, sie verliert nie die Hoffnung, sie übersteht jede Krise.
VolxBibel – 1.Kor. 13:4–7

Vor wenigen Tagen behauptete ein Staatsoberhaupt eines großen Landes, dass Soldaten die in ein anderes Land einmarschieren, dies „aus Liebe“ zu tun würden – und zitierte die Worte Jesu, dass jemand seine Liebe beweise, wenn er seine Seele für andere Menschen hergebe. Deshalb schau doch einmal in deine Bibel und schau dir an, wie die Bibel in 1.Korither 13 die Liebe definiert!

Auch Selbstaufopferung kann auf Selbstsucht beruhen (vgl. Mt 6,2), ja sogar das letztmögliche Opfer, die Selbsttötung (vgl. Dan 3,17-18; apokryph: 2. Makk 7,5; Strabo, Geographie 15. 1. 73), ist ohne die Liebe wertlos.
1Kor 13,4
An dieser Stelle wechselt Paulus von der ersten in die dritte Person; statt seiner wird nun die personifizierte Liebe Subjekt. Manche Exegeten sehen in den Versen 4-6 eine Anspielung auf die Früchte des Geistes (Gal 5,22); andere Verstehen sie als eine Beschreibung Christi selbst. Wie die beiden Seiten einer Münze sind beide Möglichkeiten denkbar; beide Deutungen brächten eine Lösung für viele Probleme, mit denen die Korinther zu kämpfen haben. Die Liebe, die Paulus hier (zunächst in negativen, dann in positiven Eigenschaften) beschreibt, bildet den „Weg“. Die Liebe ist langmütig … freundlich … eifert nicht …. treibt nicht Mutwillen und bläht sich nicht auf.
Geduld (makrothymia) ist die Fähigkeit, Unrecht zu erleiden, ohne Vergeltung zu üben. Die korinthische Gemeinde hat viele Glieder, denen Unrecht zugefügt worden ist (z. B. in Prozessen, 1Kor 6,8 ,oder den Armen bei den gemeinsamen Mahlzeiten, 1Kor 11,21-22). Die Antwort der Liebe auf dieses Unrecht besteht in Freundlichkeit und Güte. Auch Neid und Prahlerei, als zwei Pole desselben Problems, scheinen in der Gemeinde im Überfluß vorhanden zu sein (z. B. in den Spaltungen, 1Kor 1,10; 3,3.21; und in bezug auf die Gaben, 1Kor 12,14-25 ). Doch die Korinther besitzen kein Monopol für den Stolz, auch wenn es manchmal den Anscheinhat. Das Verb physioO steht im Neuen Testament insgesamt nur siebenmal, sechsmal davon in diesem Brief (vgl. 1Kor 4,6.18-19; 1Kor 5,2; 1Kor 8,1).
1Kor 13,5
Dann beschreibt Paulus die Liebe viermal in negativer Formulierung: „Sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu.“ Die Ungehörigkeit zeigte sich am Verhalten der korinthischen Frauen im Gottesdienst ( 1Kor 11,2-16 ), beim Abendmahl ( 1Kor 11,17-22 ) und ganz allgemein bei der Ordnung des Gottesdienstes ( 1Kor 14,26-33 ). Die Selbstsucht trat in erster Linie beim Essen von Götzenopferfleisch zutage ( 1Kor 8,9; 10,23-24 ). Menschen, die sich nicht erbittern lassen, führen gewöhnlich keine Prozesse (wie in 1Kor 6,1-11 ). Die Liebe spricht nicht über das ihr zugefügte Unrecht, obwohl es in Korinth dafür mehr als genug Gelegenheit gab (z. B. 1Kor 6,8; 1Kor 7,5; 1Kor 8,11).
1Kor 13,6
Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit (z. B. den Inzest; 1Kor 5,1-2.8), sie freut sich aber an der Wahrheit (1Kor 5,8).
1Kor 13,7
Die Liebe erträgt alles (vgl. 1Kor 8,13), sie glaubt alles (vgl. 1Kor 15,11), sie hofft alles (vgl. 1Kor 9,10.23), sie duldet alles (hypomenei, „bleibt beständig angesichts widriger Umstände“; vgl. 1Kor 9,19-22 ).
1Kor 13,8
Nachdem er so beredt die überragende Bedeutung (V. 1-3) und Vollkommenheit (V. 4-7) der Liebe herausgearbeitet hat, unterstreicht Paulus zusätzlich ihre Dauer (V. 8-13). Die Liebe hört niemals auf; positiv gesagt: sie währt ewig. Das

Walvoord Bibelkommentar

»Die Liebe ist« – dann folgen fünfzehn Verben, Tätigkeitswörter. Es geht also um die Ausprägungen der Liebe, um das Verhalten dessen, der von der Gottesliebe entzündet ist. So wie jetzt beschrieben begegnet er Brüdern und Nächsten. Die geistgewirkte Liebe wird zuerst in ihren Ausprägungen in der täglichen Begegnung mit den Mitmenschen gelebt. Deshalb entfaltet der Apostel hier keine Theorie der Liebe, sondern zählt – sicher mit Blick auf die Nöte in Korinth – konkrete Schritte der Liebe auf. Das Wesen solcher Liebe liegt in ihrem Tun.
»Die Liebe ist langmütig«: der vom Gottesgeist zur Liebe Entzündete begegnet dem andern geduldig (eigentlich: »mit langer Kraft«). Solche Liebe lässt den anderen weder fallen noch links liegen, sondern trägt ihn in werbender Geduld. Liebe orientiert sich nicht an den natürlichen Gesetzen von Sympathie und Antipathie, vielmehr an der Tragkraft des Erbarmens, wie Gott selbst Langmut an uns übt (vgl. Jon 4,2; Röm 2,4; auch 2Kor 6,6; Gal 6,2; Kol 1,11; 2Tim 3,10). Und solche Liebe hat der Herr selbst geübt, gegenüber Petrus und Judas etwa (vgl. Lk 22,21-31ff.). Langmut aber, begleitet von einer Leidensmiene, schreckt ab, denn »die Liebe ist freundlich«. Solche Liebe begegnet dem andern in gewinnender Güte; sie kann ertragen und schweigen, ohne bitter zu werden. Das Vorbild Jesu eröffnet die Tiefe solcher Güte und Freundlichkeit, zum Beispiel die Fußwaschung der Jünger, bei der Jesus wortlos und ohne Vorwurf, Bitterkeit oder Leidensmiene den Rangstreit der Jünger in Langmut und Güte beendet (vgl. Joh 13,1-30).
Nach diesen zwei Grundlinien folgen acht Verneinungen, die zeigen, wie die Liebe nicht ist, was sie nicht tut; den Korinthern wird ihr Tun und Verhalten aufgedeckt. »Die Liebe eifert nicht«: sie ist nicht eifersüchtig und neidet dem anderen nicht das Seine. Aus der bitteren Wurzel der neidenden Eifersucht erwachsen doch Spaltungen und Streitigkeiten, damals in Korinth bis heute (vgl. 1Kor 3,3; auch Röm 13,13; 2Kor 12,20; Gal 5,20; Jak 3,14).
Der Herr lebt das vor, denn er sucht nicht seine Ehre, sondern in allem die Ehre seines Vaters (vgl. Joh 5,41; 8,50ff.; Joh 9,24; 11,4; auch Gal 5,26; Phil 1,11; 2,3.11). Die Liebe »treibt nicht Mutwillen« (wörtlich: »prahlen«), spielt sich nicht auf; dies ist ergänzt durch »sie blähet sich nicht«. Solche Liebe stellt sich nicht in den Vordergrund und »bläst sich nicht auf«, wie das in Korinth der Fall war (vgl. 1Kor 4,6; 8,1). Liebe ist demütig – so hat es der Herr selbst vorgelebt: »von Herzen demütig« (Mt 11,28-30).

Die Liebe ist »nicht unschicklich«; so müsste das »stellt sich nicht ungebärdig« eigentlich wiedergegeben werden. Die geistgewirkte Liebe strahlt einen geistlichen Herzenstakt aus (es steht wohl die »Keuschheit« aus Gal 5,22 dahinter, die stille freundliche Zurückhaltung, die den anderen nicht überfällt und beschämt). Solche Liebe »sucht nicht das Ihre«, wie etwa die Starken in Korinth ihre Freiheit ohne Rücksicht auf den schwachen Bruder leben (vgl. 1Kor 8,7ff.); es ist die göttliche Liebe, die Rettung und Heil der Menschen will, wie der Herr gekommen ist, »zu suchen und selig zu machen, was verloren ist« (Lk 19,10). Eine Liebe ist sie, die sich »nicht erbittern lässt« (wörtlich: die sich nicht »aufreizen lässt« zum Zorn); es ist die Liebe, die der Herr lebte bis zum Kreuz, »welcher nicht wiederschalt, da er gescholten ward, nicht drohte, da er litt« (1Petr 2,23). Dieses Tun der Liebe wird ergänzt durch »sie rechnet das Böse nicht zu«.
Darum kann der Herr am Kreuz bitten: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« (Lk 23,34), und Stephanus unter dem Steinhagel ruft: »Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht« (Apg 7,59). Besser als alle theoretischen Erklärungen zeigen der Herr und seine Zeugen die Wirklichkeit solcher gelebten Liebe. Denn auch das gilt von Jesus, was von der Liebe gesagt ist: »Sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit.« Der Herr leidet unter dem Unrecht -Tun Israels. Es treibt ihn zu Tränen, wenn er auf dem Ölberg klagt: »Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich dich versammeln wollen … und du hast nicht gewollt« (Mt 23,37). Alle Spielarten menschlicher Schadenfreude, fanatischer Freude über verdiente Strafe oder selbstsichere Freude über verdientes Unglück sind der geistgewirkten Liebe fern. Vielmehr »freuet sie sich aber der Wahrheit«. Es ist die Freude, wenn Wahrheit geschieht, wo ein Mensch sein Leben aufdecken lässt und umkehrt zum Weg des Lebens; die Freude, die im Himmel ist, wenn ein »Sünder Buße tut« (Lk 15,7), wie der Herr es sagt; die Freude, die der gute Hirte hat, wenn er das eine verlorene Schaf gefunden hat oder wenn der verlorene Groschen wiedergefunden wird (vgl. Lk 15,1-10).

Das viermalige »alles« fasst die Verse 4-6 zusammen. Die Liebe »verträgt alles«. Das Griechische lässt zwei Auslegungen zu, nämlich »bedecken« (im Sinne von »schweigen«) und »ertragen« (im Sinne von »aushalten«). Beides klingt zusammen in der Begegnung des Auferstandenen am See Tiberias mit dem versagt habenden Petrus. Er »hält ihn aus«, er verstößt ihn nicht, und er zieht sein Versagen nicht wieder in alle Öffentlichkeit. Der Herr schweigt darüber, aber mit seiner dreimaligen Frage nach des Petrus Liebe setzt er einen Neuanfang (vgl. Joh 21,15-19). Die Schuld und das Versagen des anderen »bedecken« wird immer mit dem Hinweis auf die Vergebung verbunden sein; das Schweigen vor anderen über solche Sünde ist verbunden mit dem Reden gegenüber dem Sünder. Dann hält die Liebe den anderen aus, wenn sie ihn unermüdlich auf den Herrn hinweist, der den Neuanfang schenken will und schenkt.
Das unterstreicht: Die Liebe »glaubet alles«. Damit ist nicht eine oberflächliche Leichtgläubigkeit oder gar der Glaube an »das Gute im Menschen« gemeint, sondern alles erwartender und erbittender Glaube im biblischen Sinn: Ein Gott -Vertrauen, das Gott beim Wort nimmt, seinen Zusagen und Verheißungen glaubt und von dorther für jeden Menschen die Möglichkeit der Rettung erglaubt. Wieder ist es letztlich der Glaube, den der Herr hatte, als er in der dunkelsten Stunde seines Lebens, am Kreuz, betete: »Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände« (Lk 23,46). Solche Liebe »hoffet alles«; sie setzt alle Hoffnung auf Gottes Handeln zur Vollendung im Blick auf sich selbst und die Verheißung der himmlischen Güter, im Blick auf den anderen, den Gott zum ewigen Leben erwecken kann, und im Blick auf diese ganze Welt und Zeit, die Gott in dem neuen Himmel und der neuen Erde vollenden wird. Es ist die Hoffnung, die Jesus vorgelebt hat, als er bei seinem Ringen im Garten Gethsemane bat: »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe« (Lk 22,42). Und schließlich: Die Liebe »duldet alles«. Es ist eine Liebe, die standhält und aushält, die – so wörtlich – »darunter bleibt«. Das ist etwas anderes als das »Vertragen«, denn jetzt ist ein Aktives mitgesetzt, etwa im Sinne von »etwas auf sich nehmen und dadurch übernehmen und verwandeln«. Wieder soll dies das Handeln unseres Herrn verdeutlichen. Er nimmt das Leiden auf sich, übernimmt es als Gottes Heilswille, und so wird es verwandelt in die Kraft der Auferstehung. Das »Dulden« meint hier also nicht nur passives Ertragen, sondern den Segen des Leidens und der Heimsuchung zu gewinnen. Letztlich ist solches Dulden das durchgerungene, freudige Ja zu Gottes Wegen mit uns.
….
Diese Verse sind keine Theorie über die Liebe – Setze den Namen Jesu Christi ein, und du erkennst Wesen und Praxis der Liebe, wie es uns die Bibel bezeugt – Er ist Liebe.
a) Was die Liebe tut
Es sind Verben, Tätigkeitswörter – Geistgewirkte Liebe erschöpft sich nicht im Gefühl, sie handelt – Liebe ist deshalb die Zusammenfassung der Gebote: »Du sollst lieben …«, ist Aufmunterung zum Tun – Liebe handelt langmütig und freundlich – Solche geistgewirkte Liebe hat große Kraft, lange Kraft – Sie wendet sich in unermüdlicher Treue dem Bruder und Nächsten zu – Das ist ihre Grundbewegung: Auf den anderen zu, weg von sich selbst – Alle anderen Ausprägungen geschehen in dieser Zielbewegung der Langmut – So hat es Jesus selbst gelebt – Er lebt ganz auf uns zu, wollte nichts für sich – Beispiel seiner Langmut: Petrus, ja selbst Judas – die Liebe freundlich – Nicht mit Leidensmiene; das würde solche Zuwendung unerträglich machen – Liebe in gewinnende Güte, wie der Herr den Jüngern die Füße wusch – Diese zwei Tat -Weisen bestimmen grundsätzlich die geistgewirkte Liebe: Auf den anderen hin, in Güte und Freundlichkeit.
b) Was die Liebe nicht tut
Von daher ist dem, der zu solcher Liebe erweckt ist, vieles, was sonst jeder tut, nicht möglich – Die Liebe zerstört nicht die Gemeinde in neidender Eifersucht, wie das in Korinth geschah – Sonst regiert doch wieder die alte Art, die natürliche Liebe, der Egoismus, d. h.: »Jeder ist sich selbst der Nächste« – Sonst kommt es zum gewohnten Prahlen, zum Sich -Aufspielen und Sich -selbst -in -den -Vordergrund-Stellen – Wie viel Verderben richtet es in der Gemeinde an, wo solche Eigensucht herrscht! – Liebe ist demütig – Sie begegnet dem andern mit geistlichem Herzenstakt, der ihn nicht überfällt oder bloßstellt – Sie sucht wirklich den anderen und nicht sich selbst – Liebe lässt sich nicht zum Zorn reizen und ist allezeit bereit, zu vergeben, und das Böse, etwa erlittenes Unrecht, zu vergessen, aus dem Gedächtnis zu streichen – Solche Liebe hat das Ziel, dass Menschen die Wahrheit, also den Herrn finden und mit ihm neu anfangen – Jede Freude am Unglück und dem Versagen des anderen ist ihr deshalb fremd.
c) Dass die Liebe alles tut
Im »alles« wird die umfassende Lebensprägung des Jüngers Jesu Christi festgehalten – Solche Liebe erfasst und gestaltet nicht nur Teil-(»Sonntags«-) bereiche des Lebens, sondern durchwirkt alles – Sie verträgt alles im doppelten Sinn: Liebe bedeckt mit Schweigen die Sünde des anderen vor anderen, redet aber deutlich mit dem Sünder – Wie Jesus mit Petrus am See neu beginnt, so weist die Liebe immer wieder auf den Neubeginn hin und wagt ihn mit dem anderen – So erträgt sie den anderen, dass sie ihn nie aufgibt, sondern unermüdlich um ihn ringt, besonders in anhaltender Fürbitte – Sie glaubt deshalb alles; in alles erwartendem und alles erbittendem Glauben an Gottes Handeln, auf den sie alle Hoffnung für sich, den Bruder, ja die ganze Welt setzt – So ist es duldende Liebe, die Gottes Wege annimmt, übernimmt und darin den Segen gewinnt – So lebt es der Herr durch das ganze Geschehen seines Leidens und Sterbens.

Gerhardt Maier – Edition C

Paulus gibt an, woran man es merkt, ob die Liebe unser Verhalten regiert oder ob sie uns fehlt. Sie bändigt und beherrscht den Zorn. Wenn wir sie haben, so können wir vergeben und es tragen, wenn andere uns verletzen. Sie selbst verletzt die anderen nicht, sondern gewährt ihnen freundlich und hilfreich gern, was sie erfreut.

Eifersucht und Liebe sind für den natürlichen Willen nahe beieinander; denn die Liebe verwandelt sich, wenn sie sich von den selbstsüchtigen Trieben nicht befreien kann, leicht in Eifersucht; wir wollen das, was wir lieben, vollständig und allein für uns besitzen und bekämpfen mit Leidenschaft jede Gefahr, die uns im Besitz dessen, was wir lieben, stört. Wo die Eifersucht aufkommt, hat ein eigensüchtiger Wille die Liebe verdrängt; dann kämpfen wir für unseren eigenen Genuss und Besitz und wollen die anderen uns unterwerfen und knechten sie. Auch ein übermütiges Gebaren hängt sich zwar leicht an die Liebe, ist ihr aber in Wahrheit fremd. So suchen wir wieder nur unsere eigene Befriedigung, wir bringen das Wohlgefühl zum Ausdruck, das uns selbst erfüllt, und steigern es dadurch. Ein ähnlicher Vorgang findet statt, wenn unsere Kraft uns stolz oder eitel macht. Dann beugen wir wieder den Blick auf uns selbst zurück und bewundern uns um der Größe dessentwillen, was wir für uns erlangt haben. Wenn aber die Liebe unverletzt bleibt und die selbstischen Triebe überwindet, so wird dies dadurch offenbar, dass wir von aller Hoffart frei werden; denn ihre selbstlose Art verträgt sich nicht damit, dass wir uns selbst bewundern. Sie verwehrt uns auch, Anstand und Sittsamkeit zu verletzen. Weil sie den anderen nicht weh tun, sondern wohltun will, meidet sie mit hellem Blick alles, was der Würde der anderen Eintrag tut. All dies hat darin seinen Grund, dass, wer die Liebe hat, nicht die eigene Befriedigung sucht. Ein Begehren, das uns irgendeinen Besitz oder Genuss für uns selbst begehren lässt , ist noch nicht Liebe. Ihr Ziel ist nicht, dass wir erreichen, was wir für uns wünschen, sondern, dass wir den anderen geben, was ihnen dient.

Kommt uns die Sünde der anderen in den Weg, dann zeigt sich wieder deutlich, ob wir die Liebe haben oder nicht. Erregt das Vergehen der anderen gegen uns in uns den heißen Unwillen, der sich mit Worten und Werken gegen sie kehrt, oder sparen wir das Böse, das sie uns taten, in unserem Gedächtnis auf, damit es, wenn die Gelegenheit kommt, unser Verhalten gegen sie bestimme, so ist das nicht Liebe, auch nicht Liebe Gottes und seines heiligen Rechts. Freilich macht uns die Liebe Gottes die Grenze unverletzlich, die das, was recht ist, vom Unrecht trennt. Am Unrecht kann sich die Liebe nicht freuen, weil sie den Schaden vor Augen hat, den sich der Täter des Unrechts selbst bereitet. Aber sie wird dadurch, dass sie vom Willen Gottes nicht lässt , nie zum Verderber der Menschen. Der natürliche Wille führt uns leicht dazu, dass die Liebe sich mit leerem Schein verbindet. Sie kann auf diesen nicht verzichten, solange sie mit Selbstsucht verwoben ist; solange macht sie blind und verdeckt sich die Wirklichkeit durch Einbildung. Daran geht sie selbst unter. Die echte Liebe hat ihr Merkmal daran, dass sie mit der Wahrheit im Bunde ist; sie freut sich immer, wenn die Wahrheit ans Licht kommt, und sie tut nichts wider sie, sondern alles für sie. Die Liebe will ja wirklich den Menschen helfen und Gemeinschaft mit ihnen gewinnen; das verhindert der Schein; einzig die Wahrheit führt die Liebe zu ihrem Ziel.

Dass unsere Liebe zur Lüge und zum Schein sich flüchtet, hat seinen Grund oft in unserer Weichlichkeit, die nicht leiden mag. Wir fürchten uns vor der Wirklichkeit und wollen nicht sehen, was die anderen sind und tun, weil wir die Sorge haben, daran gehe unsere Liebe unter; so Schweres ertrage sie nicht. Aber diese Weichlichkeit pflanzt uns nicht die Liebe, sondern nur unsere schlechte Eigensucht ein. Die Liebe kann leiden, und sie will es, wenn sie muss. Paulus hat die Zuversicht, dass sie alles aushalten kann und vor keinem Druck des Leidens und vor keiner Gewalt des Schmerzes erliegt. Sie steigt immer wieder über den Schmerz empor und gewährt uns neue Leidensfähigkeit. Denn sie lässt das Vertrauen nicht fallen, sondern glaubt mit einer unerschöpflichen Zuversicht, die keine Grenzen hat. Hätten wir es nur mit den Menschen zu tun, so gäbe es natürlich keine Liebe, die alles zu glauben vermöchte: über jede Schuld hinweg, weil sie für sie die Vergebung hat, und über jede Not hinweg, weil sie für sie die Hilfe kommen sieht. Das vermag die Liebe nur dadurch, dass sie an die allmächtige Gnade Gottes glaubt. Sonst müsste ihr Vertrauen da enden, wo die menschliche Kraft endet, und wenn sie dennoch alles glauben wollte, so wäre ihr Glaube eine Torheit. Nun aber, da sie ihren Glauben auf Gott stellen darf, hat sie recht, wenn sie auch im Verkehr mit den Menschen eine Zuversicht erzeugt, die keine Grenzen hat. Sie lässt den Glauben nicht fahren, weil sie die Hoffnung nicht preisgibt, sondern von der schweren Gegenwart hinweg auf das sieht, was die Gnade Gottes uns in der Zukunft bereiten wird. Sie flüchtet sich aber nicht mit selbstsüchtigem Sinn zur Hoffnung, nur dazu, um sich mit ihr zu erheitern und zu trösten; vielmehr liegt es ihr ernsthaft daran, dass die Hilfe Gottes denen widerfahre, für die sie sorgt und um die sie sich müht. Darum hofft sie nicht nur, sondern sie trägt und duldet; und wie sie unsere Hoffnung von jeder Schranke befreit, so macht sie auch die Geduld vollkommen und erzeugt jene Tragkraft, die sich unter jede Last beugt, ohne dass sie unter ihr zerbricht. Wenn die Leidensscheu uns weichlich macht oder unser Glaube im Blick auf die anderen zerbricht oder unsere Hoffnung für sie versinkt oder die Geduld uns ausgeht, so dass wir die Gemeinschaft mit ihnen fliehen um der Last willen, die sie uns auferlegt, dann ist auch die Liebe geschwunden. Ist sie uns gegeben, so ist sie die Quelle, aus der uns in allen Verhältnissen und für alle Anliegen der Glaube und die Hoffnung und die Geduld zuströmen.

Wir zwar können sie töten und auch dann, wenn Gott sie uns angeboten hat, sie wieder wegwerfen. Aber nur so kann sie vergehen, nie so, dass sie widerlegt würde und am Gang der Dinge scheiterte, nie so, dass wir sie verlieren müssten, obgleich wir sie haben möchten. Sie ist das, was uns bleibt; denn sie hat Gott für sich und steht mit seinem Willen in Übereinstimmung. Mit ihr empfangen wir das, was die Art und das Merkmal des ewigen Lebens ist. Dadurch ist die Liebe über alles erhöht, was wir uns durch unser Denken anzueignen vermögen; denn in unserer Erkenntnis besitzen wir nichts, was unvergänglich wäre. Das sagte Paulus denen, die aus dem Wort Jesu eine Weisheit und aus ihrem Christenstand nur Gedanken zu machen geneigt waren.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament