Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.
Elberfelder 1871 – Matthäus 4,17
Von da an verkündete Jesus seine Botschaft: »Ändert euer Leben! Gott wird jetzt seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden! (- Gott wird jetzt …: wörtlich Die Königsherrschaft der Himmel ist nahe herbeigekommen. -)«
Gute Nachricht Bibel 2000 – Matthäus 4:17
Von der Zeit an begann Jesus öffentlich zu verkündigen: „Bekehrt euch; denn die Königsherrschaft der Himmel steht unmittelbar bevor.“
Bruns – Mt 4,17
Von da an begann Jesus zu predigen: «Ändert euch von Grund auf! Kehrt um zu Gott! Denn die Herrschaft Gottes bricht jetzt an!»
Hoffnung für alle – 1996 – Mt 4:17
Von diesem Zeitpunkt an begann Jesus, öffentlich zu reden. Er forderte: »Ändert euer Leben von Grund auf! Gottes alles überragende Wirklichkeit steht unmittelbar vor der Tür!«
Das Buch – 2009 – Matthäus 4:17
4, 17 B: Das Himmelreich (Gottesreich).
A. Der Ausdruck βασιλεία τῶν οὐρανῶν bei Mt verhält sich zu βασιλεία τοῦ θεοῦ bei Mk u. Lk wie im Rabbin. מַלְכוּת שָׁמַיִם (aram. מַלְכוּתָא דִשְׁמַיָּא) zu מַלְכוּת יהוה, d. h. beide Ausdrücke besagen sachlich dasselbe. Wie in den Wendungen שם שמים Name Gottes, מורא שמים oder יראת שמים Gottesfurcht, חפצי שמים Angelegenheiten Gottes, מלאכת שמים Beschäftigung mit göttl. Dingen, בידי שמים durch Gott, כבוד שמים Ehre Gottes, מתנות שמים Gaben Gottes, מילי דשמיא göttliche Dinge — das Wort „Himmel“ metonymisch für „Gott“ steht: so ist auch in der Verbindung מלכות שמים „Himmel“ ein Ersatz des Gottesnamens.
B. Der Begriff מלכות שמים in der rabbin. Literatur.
Der Idee nach ist Gott als der Schöpfer der Welt zugleich ihr König.a In Wirklichkeit hat die Menschheit die Königsherrschaft מלכות Gottes von sich geworfen. Das geschah in den Tagen der Sündflut, als die Bosheit der Menschen groß ward auf Erden.b So mußte sich die Herrschaft Gottes auf den Himmel beschränken.c Ein Wandel zum Besseren hob mit Abraham an: indem der Patriarch den Namen des Einen Gottes seinen Zeitgenossen verkündigte, fand die Gottesherrschaft wieder Anerkennung unter den Menschen.c Fest gegründet aber wurde sie auf der Erde, als Israel am Roten Meer u. am Berge Sinai durch das Bekenntnis zu dem wahren Gott u. durch Übernahme seiner Tora sich dem „Joch der Herrschaft Gottes“ unterstellte.d In jener Zeit wurde Gott der König Israels.e Die Gottesherrschaft trat dann auch äußerlich sichtbar in die Erscheinung in der Weltherrschaft Israels. Salomo saß auf Gottes Thron.f Erst als die Israeliten sündigten, wurde die Herrschaft von ihnen genommen u. den Völkern der Welt gegeben.g Seitdem stehen die Gottesherrschaft u. die Herrschaft der Weltvölker als unversöhnliche Gegensätze einander gegenüber.h — Auf Grund vorstehender Gedankenreihe wird man den rabbin. Begriff der מלכות שמים zu definieren haben als die Herrschergewalt, die Gott durch die Offenbarung seines Namens u. seines Willens über seine Bekenner ausübt. — Daß es sich bei der מלכות שמים in der Tat zunächst um Bindung der Gewissen im Gehorsam gegen Gott handelt,i mit andren Worten, daß die מלכות שמים zu allererst ihre Stätte in den Herzen der Menschen hat, zeigen auch folgende Sätze. Der Mensch kann das Joch der Gottesherrschaft auf sich nehmen, er kann es aber auch von sich werfen.k Man nimmt es auf sich, indem man sich zum Monotheismus u. zur Tora bekennt.l Da diese beiden Stücke, das Bekenntnis zu dem Einen Gott u. der Gehorsam gegen die Tora, den Inhalt des Schemaʿ (Dt 6, 4–9; 11, 13–21; Nu 15, 37–41) bilden, so kann gesagt werden, daß der Israelit die Gottesherrschaft auf sich nimmt, so oft er das Schemaʿ betet.m Dieser Satz war in das allgemeine Bewußtsein so sehr übergegangen, daß die Wendung „die Gottesherrschaft auf sich nehmen“ geradezu als andrer Ausdruck für das Rezitieren des Schemaʿ gebraucht wurde.n Die Gottesherrschaft realisiert sich eben überall da, wo sichein Mensch bewußterweise dem Willen Gottes im Gehorsam unterstellt.
a. zB Henoch 9, 4 f: Du bist der Herr der Herren, der Gott der Götter u. der König der Könige; der Thron deiner Herrlichkeit besteht durch alle Geschlechter der Welt; dein Name ist heilig u. in aller Welt gepriesen. Denn du hast alles gemacht u. die Herrschaft über alles ist bei dir. — 84, 2 f.: Gepriesen bist du, o Herr, König, groß u mächtig in deiner Größe, Herr der ganzen Schöpfung des Himmels. König der Könige u. Gott der ganzen Welt! Deine Macht, Königsherrschaft u. Größe bleibt in alle Ewigkeit, u. deine Herrschaft durch alle Geschlechter; alle Himmel sind dein Thron in Ewigkeit u. die ganze Erde der Schemel deiner Füße immerdar. Denn du hast alles geschaffen u. regierst es; nichts ist dir zu schwer. — Ein oft verwandter Lobspruch in den Gebetsformeln lautet: Gepriesen seist du Jahve unser Gott, König der Welt! — Im ʿAlênugebet des Rab († 247), das dem Musaphgebet des Neujahrstages eingegliedert ist, heißt es: Wir beugen uns vor dem König aller Könige, dem Heiligen, gepriesen sei er! Denn er ist es, der den Himmel ausgespannt u. die Erde gegründet hat.
b. slav. Henoch 34, 1: „Sie (das Flutgeschlecht) haben abgeworfen meine Gebote u. mein Joch, u. haben erweckt (aufgestellt) unnützen Samen, Gott nicht fürchtend, u. mich nicht anbetend; sondern haben angefangen, eitle Götter anzubeten u. haben verlassen meine Einzigkeit.
c. SDt 32, 10 § 313 (134b): Bevor unser Vater Abraham in die Welt kam, war Gott gewissermaßen nur über den Himmel König, wie es heißt Gn 24, 7: „Jahve, der Gott des Himmels, welcher mich aus dem Hause meines Vaters u. dem Lande meiner Verwandtschaft weggenommen hat“ (also zur Zeit von Gn 12, 1 Gott nur Gott des Himmels). Aber nachdem unser Vater Abraham in die Welt gekommen war, machte er ihn zum König über Himmel u. Erde, s. Gn 24, 3: „Ich beschwöre dich bei Jahve, dem Gott des Himmels u. der Erde“ (zur Zeit von Gn 24 Gott auch Gott der Erde).
d. ExR 23 (84c): „Damals sang Mose“ Ex 15, 1. Das meint auch Ps 93, 2: Festgegründet ist dein Thron seit dem „damals“ (Ex 15, 1, so der Midrasch). R. Berekhja (um 340) hat im Namen des R. Abbahu (um 300) gesagt: Obwohl du von Ewigkeit her warst, so stand doch dein Thron nicht fest; u. du bist in deiner Welt nicht eher bekannt geworden, als bis deine Kinder ein Lied sangen. Deshalb heißt es: Festgegründet ist dein Thron seit dem „damals“ (d. h. seit dem Lied am Meer Ex 15, 1 ff.). Gleich einem König, der einen siegreichen Krieg geführt hatte u. den (deshalb seine Legionen) zum Augustus machten. Man sprach zu ihm: Bevor du den Krieg geführt hattest, warst du König; nun aber haben wir dich zum Augustus gemacht. Was für ein Unterschied an Ehre (Würde) ist zwischen dem König u. dem Augustus? Der König steht auf einem Gemälde (לוּהַ wörtlich: „Tafel“, „Brett“), während der Augustus sitzt. So sprachen die Israeliten: Wahrlich, ehe du deine Welt schufst, warst du, u. nachdem du sie geschaffen, warst du derselbe; aber du standest gleichsam, vgl. Hab 3, 6: Er stand u. machte schwanken die Erde. Aber nachdem du am (Roten) Meer gestanden u. wir ein Lied vor dir gesungen haben mit „damals“, ist deine Herrschaft gefestigt u. dein Thron begründet. Das wollen die Worte besagen: Festgegründet ist dein Thron seit dem „damals“. ‖ SLv 18, 6 (337a): „Rede zu den Kindern Israel u. sage ihnen: Ich bin Jahve, euer Gott. Nach dem Tun des Landes Ägypten … sollt ihr nicht tun“ Lv 18, 2 f. R. Schimʿon b. Jochai (um 150) hat gesagt: Dort, Ex 20, 2, heißt es: „Ich bin Jahve, dein Gott.“ Ich bin Jahve, u. ihr habt meine Herrschaft auf euch genommen in Ägypten. (Gemeint sind die Worte im Meerlied Ex 15, 2. 18: „Dieser ist mein Gott“, „Jahve ist König für immer u. ewig!“) Sie sprachen zu ihm: Ja, ja! (Gott sprach:) Habt ihr meine Herrschaft auf euch genommen, so nehmt auch meine Befehle an: „Nicht sollst du einen andren Gott außer mir haben“ Ex 20, 3. Hier, Lv 18, 2, heißt es: „Ich bin Jahve euer Gott.“ Ich bin es, dessen Herrschaft ihr am Sinai angenommen habt. Sie sprachen zu ihm: Ja, ja! (Gott sprach:) Habt ihr meine Herrschaft angenommen, so nehmt auch meine Befehle an: „Nach dem Tun des Landes Ägypten … sollt ihr nicht tun.“ — Ähnlich Mekh Ex 20, 2 (74b). Hier geht folgendes Gleichnis vorauf: Gleich einem König von Fleisch u. Blut, der in eine Provinz (oder: Stadt) kam. Seine Diener sprachen zu ihm: Erlaß Befehle (Edikte) über sie! Er antwortete: Wenn sie meine Herrschaft angenommen (anerkannt) haben, werde ich ihnen Befehle geben; denn wenn sie meine Herrschaft nicht annehmen, so werden sie auch meine Befehle nicht annehmen. So sprach Gott zu Israel: „Ich bin Jahve dein Gott“; denn ihr habt meine Herrschaft in Ägypten angenommen. Sie sprachen zu ihm: So ist es! Und wie ihr meine Herrschaft angenommen habt, so nehmt meine Gebote an: „Nicht sollst du einen andern Gott außer mir haben“ Ex 20, 3. ‖ Mekh Ex 20 2 (73b): Weshalb sind die zehn Gebote nicht am Anfang der Tora gesagt worden? Man hat ein Gleichnis gesagt. Womit läßt sich dies vergleichen? Mit jemandem, der in eine Stadt (Provinz) kam u. zu den Leuten sagte: Ich will über euch als König herrschen. Sie antworteten: Hast du irgend etwas für uns getan, daß du als König über uns herrschen willst? Was tat er? Er baute ihnen eine Mauer, leitete ihnen Wasser in die Stadt u. führte für sie Kriege. Er sprach zu ihnen: Ich will über euch als König herrschen! Sie antworteten ihm: Ja, ja! So hat Gott die Israeliten aus Ägypten geführt, spaltete ihnen das Meer, ließ ihnen Manna herabkommen u. den Brunnen emporsteigen, brachte ihnen Wachteln (vom Meer) herüber u. führte für sie den Krieg mit ʿAmaleq. Dann sprach er zu ihnen: Ich will über euch als König herrschen. Sie antworteten ihm: Ja, ja! Rabbi (?) sagte: Es will den Ruhm Israels verkündigen: denn als sie alle am Berg Sinai standen, um die Tora zu empfangen, waren sie alle wie Ein Herz, die Gottesherrschaft mit Freuden anzunehmen. ‖ Midr Ps 20 § 3 (87b): „Ich will reden von der Wohltat“ Jes 63, 1 (so der Midrasch). Von welcher Wohltat? R. Pinechas (um 360) u. R. Elʿazar (um 270) u. R. Jochanan († 279). Der eine hat gesagt:… Der andre hat gesagt: Von der Wohltat, die ihr mir (Gott) erwiesen habt damit, daß ihr die Tora angenommen habt; denn wenn ihr sie nicht angenommen hättet, wo wäre meine Herrschaft!… In der Parallele Midr Ruth 1, 1 (122b) fehlt dieser Satz. ‖ Pesiq 16b: R. Abin (I. um 325, II. um 370) hat gesagt: Gleich einem König, der ein Purpurgewand hatte u. seinem Diener befahl: „Schüttle es aus, falte es zusammen u. gib acht darauf.“ Er sprach zu ihm: Mein Herr König, von allen Purpurgewändern, die dein sind, hast du mir nur in bezug auf dieses einen Befehl erteilt! Der König antwortete: Weil ich mit diesem bekleidet war in der Stunde, da ich zuerst König wurde. So hat auch Mose zu Gott gesagt: Herr der Welt, von den siebzig mächtigen Völkern, die du in der Welt hast, hast du mir nur in bezug auf Israel Befehle gegeben: „Sage zu den Kindern Israel“ usw. Er antwortete ihm: Weil ich über sie am Meer König geworden bin, als sie sprachen Ex 15, 18: „Jahve ist König für immer u. ewig.“ — Dasselbe LvR 2 (106c); hier die Schlußworte: Weil sie mich zuerst am Meer zum König gemacht haben. — Ebenso TanchB כי תשא § 4 (54a). Vgl. auch ExR 29 (88c): R. Tobijja b. Jiçchaq (ein Amoräer unbestimmter Zeit) hat gesagt: (Gott sprach:) Ich bin Jahve dein Gott; denn unter der Bedingung habe ich dich aus Ägyptenland herausgeführt, daß du meine Gottheit auf dich nimmst.
e. Gott als König Israels oft in Gebeten. Achtzehn-Gebet Nr. 11 palästin. Rezension: Sei König über uns, du allein. — Im Gebet ʿAlênu um 240): Er ist unser Gott, u. es gibt keinen andren mehr; fürwahr er ist unser König, u. keiner außer ihm. — Das Gebet Abînu malkênu hebt in seinen einzelnen Sätzen 44 mal mit den Worten an: Unser Vater, unser König. — Ebenso sagt R. ʿAqiba, † um 135, in einem Gebet um Regen: Unser Vater, unser König, wir haben keinen König außer dir; unser Vater, unser König, um deinetwillen erbarme dich über uns. Da fiel Regen nieder, Taʿan 25b.
f. Midr Esther 1, 1 (83b): „Hundertsiebenundzwanzig Landschaften“ Esth 1, 1. R. Elʿazar (um 270) hat im Namen des R. Chanina (um 225) gesagt: Waren nicht zweihundertzweiundfünfzig Eparchieen in der Welt? Und über diese alle hat David geherrscht, s. 1 Chr 14, 17: „Der Name Davids ging aus in alle Lande u. Jahve legte Furcht vor ihm auf alle Völker.“ Salomo hat über sie alle geherrscht, s. 1 Kg 5, 1: „Salomo herrschte über alle Königreiche“ usw. Ahab herrschte über sie alle, s 1 Kg 18, 10: „So wahr Jahve dein Gott lebt, es gibt kein Volk u. Königtum, wohin nicht mein Herr geschickt hat, dich zu suchen; u. wenn sie dann sagten: ‚Hier ist er nicht‘, so ließ er das Königtum u. das Volk schwören, daß er dich nicht finden würde.“ Kann man auch an einem Ort schwören lassen, wenn man dort nicht herrscht?… ‖ TanchB וארא § 7 (11b): „Wer ist der König der Ehren?“ Ps 24, 10. Wer ist der König, der Ehre zuerteilt denen, die ihn fürchten? „Jahve Çebaoth, er ist der König der Ehren.“ Inwiefern? Auf dem Thron eines Königs von Fleisch u Blut darf man nicht sitzen, aber Gott setzte Salomo auf seinen Thron, s. 1 Chr 29, 23. (Gleicherweise ritt Elias auf Gottes Roß Nah 1, 3; Mose benützte Gottes Zepter Ex 4, 20; der Messias empfängt Gottes Krone Ps 21, 4; die Israeliten legen Gottes Gewand an Jes 51, 9 u. Ps 29, 11; Mose wurde mit Gottes Namen genannt Ex 7, 1.) Parallelstellen: Midr Ps 21 § 2 (89a) mit R. Simon, um 280, als Autor; ExR 8 (73a); NuR 14 (73c), hier Autor R. Abin (I. um 325; II. um 370); TanchB נשא § 34 (22b), R. Abin Autor. Vgl. Sanh 2, 5. ‖ Midr HL 1, 1 (80b): (1 Chr 29, 23:) „Salomo saß auf dem Thron Jahves.“ R. Jiçchaq (um 300) hat gesagt: Kann denn ein Mensch auf dem Thron Jahves sitzen, von dem es heißt Dt 4, 24: „Jahve dein Gott ist ein verzehrendes Feuer“ u. Dn 7, 9 f.: „Sein Thron waren Feuerflammen.… Ein Feuerstrom flutete vor ihm hin“? Und du sagst: Salomo saß auf dem Thron Jahves? Es ist so gemeint: Wie der Thron Gottes von einem Ende der Welt bis zum andren herrscht, so herrschte auch der Thron Salomos von dem einen Ende der Welt bis zum andren; wie der Thron Gottes ohne Zeugen u. ohne Verwarnung das Urteil fällt, so fällte auch der Thron Salomos das Urteil ohne Zeugen u. ohne Verwarnung.
g. Midr Esth 1, 2 (85a): R. Aibo (um 320) hat gesagt: Es heißt Ps 22, 29: „Jahve gehört das Königtum u. er herrscht über die Völker.“ Und du sagst: Achaschverosch saß auf dem Thron seines Königtums (Esth 1, 2)? (Der Midr bezieht das Suffix von מלכיתו auf Gott.) Es ist so gemeint: In der vergangenen Zeit war die Herrschaft bei Israel; als diese aber sündigten, wurde die Herrschaft von ihnen genommen u den Völkern der Welt gegeben, s. Ez 30, 12: „Ich verkaufe das Land in die Hand böser Leute.…“ Morgen, wenn die Israeliten Buße tun, nimmt er sie von den Völkern der Welt u. gibt sie an Israel zurück. Wann? „Es ziehen Befreier herauf auf den Berg Zion, zu richten das Gebirge Esaus (im Sinne des Midr = Rom), u. es fällt die Herrschaft Jahve zu“ (Obadja 21).
h. מלכות שמים u. מלכות הארץ werden einander gegenübergestellt GnR 9 (7b): R. Schimʿon b. Laqisch (um 250) hat gesagt: „Siehe, es war sehr gut“ (Gn 1, 31); damit ist die Gottesherrschaft gemeint. „Und“ siehe, es war sehr gut Gn 1, 31), damit ist מלכית הארץ die irdische Regierung (Herrschaft) gemeint. Ist denn aber die irdische Regierung sehr gut? Allerdings, denn sie bringt das Recht, τὸ δίκαιον, der Menschen zur Geltung, s. Jes 45, 12. — Ferner מלכות שמים u. מלכות הָיִשְׁעָה, die gottlose (d. h. römische) Regierung Pesiq 51a (s. die Stelle Nr. 2). — Aramäisch auch מַלכוּהָא דִרְקִיעָא u. מַלְכוּתָא דְאַרעא = Herrschaft des Firmaments (Himmels) u. Herrschaft der Erde. Berakh 58a: Rab Schēscheth (um 260) war blind. Alle Welt machte sich auf, das Angesicht des Königs zu begrüßen. Rab Schēscheth stand auf u. ging mit ihnen. Da traf ihn ein Sektierer, der zu ihm sprach: Krüge schafft man an den Fluß; was sollen da aber Scherben! (Was will ein Blinder da, wo es etwas zu sehn gibt!) Er antwortete ihm: Komm u. sieh, daß ich besser verstehe, als du. Der erste Trupp (der königl. Leibwache) zog vorüber; als Lärm entstand, sagte jener Sektierer zu ihm: Der König kommt! Rab Schēscheth erwiderte: Er kommt nicht! Der zweite Trupp zog vorüber; als Lärm entstand, sagte jener Sektierer zu ihm: Jetzt kommt der König! Er erwiderte: Der König kommt nicht! Der dritte Trupp zog vorüber; als Stille entstand, sprach Rab Schēscheth zu dem Sektierer: Wahrlich, jetzt kommt der König. Jener Sektierer antwortete: Woher weißt du das? Er sprach zu ihm: Weil die irdische Regierung der himmlischen Regierung gleicht, s. 1 Kg 19, 11 f. (nicht im Sturm u. Erdbeben u. Feuer kam Jahve, sondern im stillen Säuseln des Windes). — Ähnlich Rab Schela, um 220, Berakh 58a: Gepriesen sei der Barmherzige, der eine Regierung auf Erden gegeben hat, die der Regierung des Himmels gleicht, דיהב מלכותא בארעא כעין מלכותא דרקיעא. — Allgemeiner ist der Gegensatz im Munde des Rabban Jochanan b. Zakkai, † um 80, geformt. Er sagt von dem hebräischen Knecht, der dauernd Sklave bleiben will, pQid 1, 59d, 29: Er wirft das Joch der Gottesherrschaft von sich ab u. nimmt auf sich das Joch von Fleisch u. Blut. In der ältesten Quelle TBQ 7, 5 steht dafür: Er wirft das Joch des Himmels (= Gottes) von sich u. macht zum Herrscher über sich das Joch von Fleisch u. Blut. bQid 22b: Mir (Gott) sollen die Israeliten Knechte sein, aber nicht. Knechte für Knechte; u. dieser geht hin u. erwirbt sich selbst einen Herrn. — In der Mekh zu Ex 21, 6 (83b) fehlt eine solche Gegenüberstellung ganz.
i. SLv 20, 26 (374a): R. Elʿazar b. ʿAzarja (um 100) sagte: Woher (ist es bewiesen), daß man nicht sagen soll: „Ich mag kein Schweinefleisch essen, ich mag keiner verbotenen Frau beiwohnen“, sondern: „Ich möchte es wohl; aber was soll ich tun, da es mein Vater im Himmel also über mich festgesetzt hat“? Weil es heißt (Lv 20, 26): „Und ich sonderte euch von den übrigen Völkern aus, daß ihr mir gehörtet.“ So wird man erfunden als einer, der sich von der Sünde trennt u. das Joch der Gottesherrschaft auf sich nimmt.
k. קִבֵּל מלכוח מים = die Gottesherrschaft auf sich nehmen; פָּרַק מ׳ ש׳ oder בִּטִּל מ׳ ש׳ = die Gottesherrschaft von sich werfen oder abtun. Beispiele s. in den vorstehenden u. nachfolgenden Zitaten.
l. TanchB לך לך § 6 (32a): Resch Laqisch (um 250) hat gesagt: Der Proselyt, der zum Judentum übertritt, ist beliebter (bei Gott), als die Israeliten, die am Berge Sinai standen; denn wenn diese nicht die Stimmen u. die Blitze u. die bebenden Berge u. den Ton der Posaunen wahrgenommen hätten, so würden sie die Tora nicht angenommen haben. Und dieser (der Proselyt) kommt, ohne irgend etwas davon wahrgenommen zu haben, u. gibt sich selbst an Gott hin u. nimmt die Gottesherrschaft auf sich. Gibt es einen, der beliebter wäre als dieser? — Die Gottesherrschaft auf sich nehmen ist hier soviel, wie die Tora annehmen; die Parallelstelle Tanch לך לך 17a liest deshalb auch im ersten Satze: „sie würden die Gottesherrschaft nicht auf sich genommen haben.“ — Während der Proselyt die „Gottesherrschaft auf sich nimmt“, indem er sich dem wahren Gott ergibt u. dessen Tora annimmt, werden die „heillosen Leute“ einer götzendienerischen Ortschaft (Dt 13, 14), die also Gott u. Gottes Gesetz verlassen, Sanh 111b geschildert als Leute, „die das Joch des Himmels (עול שמים = „Joch Gottes“ = „Joch der Gottesherrschaft“) von ihrem Halse abgeworfen haben“. ‖ SDt 32, 29 § 323 (138b): Wenn die Israeliten auf die Worte der Tora, die ihnen gegeben ist, achten, kann keine Nation u. keine Regierung (מלכות, Herrschaft) über sie Gewalt gewinnen. Und was sagt ihnen die Tora? Nehmt auf euch das Joch der Gottesherrschaft (statt עיל מלכית שמי „Joch der Herrschaft meines Namens“ wird zu lesen sein ע׳ מ׳ שמים, da das Suffixum der 1. Person in שמי in den Mund der redend eingeführten Tora nicht recht paßt) u. beugt einander nieder in Gottesfurcht u. geht miteinander um in Erweisung von Werken der Liebe.
m. Berakh 2, 2: R. Jehoschuaʿ b. Qarcha (um 150) hat gesagt: Warum geht (im Schemaʿ-Gebet) der Abschnitt „Höre Israel“, Dt 6, 4–9. dem Abschnitt: „Wenn ihr hören werdet“, Dt 11, 13–21, vorauf? Damit man zuerst das Joch der Gottesherrschaft auf sich nehme u. hinterher das Joch der Gebote. — Hier wird unter der Gottesherrschaft in erster Linie das Bekenntnis zu dem Einen Gott verstanden, wie es Dt 6, 4 zum Ausdruck kommt. — Das. 2, 5 wird von Rabban Gamliël (II., um 90) erzählt, daß er in der ersten Nacht nach seiner Verheiratung das Schemaʿ gelesen habe. „Da sprachen seine Schüler zu ihm: Hast du uns nicht gelehrt, unser Lehrer, daß ein Bräutigam in der ersten Nacht befreit ist vom Lesen des Schemaʿ? Er antwortete: Ich pflichte euch nicht bei, daß ich das Joch der Gottesherrschaft auch nur eine Stunde von mir abtun sollte.“ ‖ pBerakh 2, 4b, 70: R. Chijja (b. Abba, um 280) hat im Namen des R. Jochanan († 279) gesagt: Aus welchem Grunde hat man gesagt, daß der Mensch die Gebetsriemen anlegen u. dann das Schemaʿ rezitieren u. beten (das Achtzehn-Gebet) soll? Damit er zuerst (bevor er betet) die Gottesherrschaft völlig auf sich nehme. — In der bab. Gemara Berakh 14b lautet diese Tradition so: R. Jochanan hat gesagt: Wer die völlige Gottesherrschaft auf sich nehmen will, der verrichte seine Notdurft, wasche seine Hände u. lege die Gebetsriemen an; darauf rezitiere er das Schemaʿ u. bete (das Achtzehn-Gebet); das ist die völlige Gottesherrschaft. Vgl. auch pBrakh 2, 1 (4a, 63): R. Jirmeja (um 320) zog (das אֶהָד im 1. Verse des Schemaʿ Dt 6, 4 in der Aussprache) sehr lang. Da sagte R. Zeʿira (um 300) zu ihm: Du brauchst das nur so lange, wie nötig ist, um (in Gedanken) Gott als König anzuerkennen im Himmel u. auf Erden u. in den vier Weltrichtungen. ‖ Midr Ps 5 § 6 (27a): R. Jehuda (b. Simon, um 320) hat Ps 5, 2 f. auf die vier Weltreiche gedeutet: „Meine Worte höre“ auf Babel, „beachte mein Sinnen“ auf Medien, „achte auf die Stimme meines Geschreis“ auf Griechenland; „denn zu dir will ich beten“ auf Edom (= Rom). Und warum sagte er „mein König und mein Gott“ bei Edom? Es sprachen die Israeliten vor Gott: Wie viele Religionsverfolgungen u. harte Edikte haben sie (Rom) über uns verhängt, um dein Regiment מלכיתך u. deine Herrschaft אדניתך von uns zu beseitigen, u. wir haben sie nicht beseitigt; sondern täglich gehen wir in die Synagogen u. Lehrhäuser u. erkennen den Namen deiner Gottheit zweimal täglich als König an, indem wir sprechen: Höre, Israel, Jahve unser Gott ist Ein Jahve Dt 6, 4!
n. Berakh 61b: Als man den R. ʿAqiba († um 135) zum Tode hinausführte, kam die Zeit des Schemaʿ-Rezitierens. Man kämmte sein Fleisch (d. h. man riß es ihm vom Leibe) mit eisernen Kämmen; er aber nahm die Gottesherrschaft auf sich (= sagte das Schemaʿ). Da sprachen seine Schüler zu ihm: Unser Lehrer, es ist genug! Er aber sprach: Mein lebelang habe ich mich wegen dieses Verses gesorgt „Liebe Jahve … von deiner ganzen Seele“, Dt 6, 5, d. h. auch wenn er die Seele (das Leben) nimmt. Ich dachte: Wann werde ich Gelegenheit haben, diesen Vers zu erfüllen? Und jetzt, da mir die Gelegenheit kommt, sollte ich ihn nicht erfüllen? Dann sprach er das אֶהָד „Einer“ lang gedehnt aus, bis seine Seele bei dem Wort אהד ausging. Da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: Heil dir, R. ʿAqiba, daß deine Seele bei dem Wort אהד ausgegangen ist! Die Dienstengel sprachen vor Gott: Ist das die Tora u. das ihr Lohn? Zu den von deiner Hand Getöteten, Jahve, hätte er gehören sollen, aber nicht zu den von der Welt Getöteten! (So deutet der Midr Ps 17, 14.) Gott antwortete: „Ihr Teil ist im (ewigen) Leben!“ Da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: Heil dir, R. ʿAqiba; denn du bist für das Leben der zukünftigen Welt bestimmt! ‖ pBerakh 2, 1 (4a, 59): R. Huna (um 350), R. Idi (um 325, so zu lesen statt R. אירי), Rab Joseph († 333), Rab Jehuda († 299) haben im Namen Schemuëls († 254) gesagt: Man muß im Stehen das Joch der Gottesherrschaft auf sich nehmen (= das Schemaʿ rezitieren). — Parallelstellen mit mannigfachen Abweichungen in der Angabe der Tradenten Tanch לך לך 15b; TanchB לך לך § 1 (29a). In DtR 2 (199b) sagt Rab Jehuda im Namen Rabs († 247): Wenn man das Schemaʿ zu lesen hat, während man gerade geht, so muß man die Gottesherrschaft stehend auf sich nehmen. ‖ pBerakh 2, 1 (4a, 64): Rab († 247) fragte R. Chijja den Älteren (um 200): Ich habe von Rabbi nicht gesehen, daß er das Joch der Gottesherrschaft auf sich genommen (= das Schemaʿ gelesen) hat. — Dasselbe Berakh 13b. — Weitere Beispiele finden sich pBerakh 4, 7b, 17.
Mit der oben gegebenen Erklärung ist der Begriff der מלכות שמים jedoch nicht erschöpft. In dem gegenwärtigen Äon wendet sich die Gottesherrschaft allerdings zuerst an Herz u. Gewissen der Menschen, so daß ihr Wirken ein verborgenes ist; aber auf diesen Äon folgt noch ein andrer: in der zukünftigen Welt wird die Gottesherrschaft auch äußerlich sichtbar in die Erscheinung treten. Israel empfindet es als eine Anomalie, daß gerade das Volk, welches allein Gottes Herrschaft auf sich genommen hat, von den die Gottesherrschaft ablehnenden Völkern der Welt geknechtet ist, u. daß der Gott, der allein der König der ganzen Welt ist, von den Weltmächten verachtet wird. Israels Glaube hält aber auch daran fest, daß diese Anomalie schwinden wird: es kommt die Zeit — u. daß sie bald komme, ist der immer wiederkehrende Gebetswunsch der jüdischen Gemeindea —, in der die Knechtschaft Israels aufhört u. Gott als der einzige Herrscher auch von den Heidenvölkern anerkannt wird. Dann ist Gott ganz König geworden u. die Gottesherrschaft tritt in Herrlichkeit hervor.b — So eignet, auf die Zukunft gesehen, dem Begriff der מ׳ ש׳ durchaus ein eschatologisches Moment. In diesem Sinn bedeutet dann die Gottesherrschaft das durch die Anerkennung seitens aller Welt zur vollen Verwirklichung gekommene Königtum Gottes über die gesamte Menschheit.c
Achtzehn-Gebet 11 (pal. Rez.): Führe zurück unsre Richter wie vordem u. unsre Berater wie im Anfang; sei König über uns, du allein. Gepriesen seist du, Jahve, der du das Recht liebst. — In der babyl. Rezension: Führe zurück unsre Richter wie vordem u. unsre Berater wie im Anfang; laß weichen von uns Kummer u. Klage u. sei König über uns eilends, du allein, in Erbarmen u. Gnade u. Recht. Gepriesen seist du Jahve, König, der Gnade u. Recht liebt. ‖ Das. 12: Die frevlerische Regierung (Rom) rotte aus u. zerbrich eilends in unsren Tagen! ‖ Der Anfang des Qaddisch des Gottesdienstes lautet: Es werde verherrlicht u. geheiligt sein großer Name in der Welt, die er nach seinem Wohlgefallen geschaffen hat; er richte auf seine Königsherrschaft u. lasse sprossen seine Erlösung u. bringe herbei seinen Messias u. erlöse sein Volk während eures Lebens u. in euren Tagen u. während des Lebens des ganzen Hauses Israel in Eile u. in naher Zeit; u. ihr sollt sagen: Amen! ‖ Im Neujahrs-Musaphgebet (Dalman, Worte Jesu 1, 306) heißt es: Darum lege Scheu vor dir, Jahve unser Gott, auf alle deine Werke u. deine Furcht auf alles, was du geschaffen hast. Es mögen dich fürchten alle Werke u. sich vor dir beugen alle Geschöpfe; u. alle mögen alle Ein Bund werden, deinen Willen mit ganzem Herzen zu tun, gleichwie wir, Jahve unser Gott, wissen, daß die Herrschaft vor dir ist, die Macht in deiner Hand u. die Stärke in deiner Rechten u. dein furchtbarer Name über allem, was du geschaffen hast.… Die übermütige Herrschaft (Rom) rotte aus u. zerbrich, u. herrsche als König, du Jahve unser Gott, eilends über alle deine Werke in Jerusalem, deiner Stadt, u. auf dem Berge Zion, der Wohnung deiner Herrlichkeit. — Das ʿAlênu-Gebet (angeblich von Rab, † 247) schließt mit dem Wort der Hoffnung: (Alle Bewohner des Erdkreises) werden das Joch deiner Herrschaft auf sich nehmen, u. du wirst als König über sie herrschen immer u. ewiglich; denn die Herrschaft ist dein u. ewiglich wirst du als König herrschen in Herrlichkeit.
b. Mekh Ex 17, 14 (64a): R. Eliʿezer (b. Hyrkanos, um 90; s. Bacher, Tann.2 1, 142) hat gesagt: Wann wird der Name dieser (gemeint ist ʿAmaleq = Rom) vertilgt werden? Wann der Götzendienst ausgerottet wird samt seinen Verehrern, u. wann Gott einzig ist in der Welt u. seine Herrschaft für alle Ewigkeiten, in jener Stunde wird Jahve ausziehen u. kämpfen mit diesen Heiden.… Dann wird Jahve König sein über die ganze Erde; an selbigem Tage wird Jahve Einer sein u. sein Name ein einziger, Sach 14, 3. 9. — Dasselbe Midr KL 3, 66 (73b). ‖ Mekh Ex 15, 18 (51b): „Jahve ist König (ימליך Fut.) für immer u. ewig“ Ex 15, 18. R. Jose der Galiläer (um 110) sagte: Wenn die Israeliten am Meer gesagt hätten: „Jahve ist König geworden (מלך) für immer u. ewig“, so würde keine Nation u. Zunge jemals über sie Gewalt bekommen haben; aber sie sprachen: „Jahve wird König sein für immer u. ewig“, nämlich in der Zukunft (= Messiaszeit). ‖ Midr Ps 99 § 1 (212a): „Jahve hat sein Königtum angetreten, es erbeben die Völker“ Ps 99, 1. R. Jehuda (b. Simon, um 320) hat im Namen des R. Schemuël (b. Nachman, um 260) gesagt: Solange die Israeliten im Exil sind, befindet sich die Gottesherrschaft nicht in Vollkommenheit u. die Völker der Welt sitzen in Wohlbehagen. Aber wenn Israel erlöst wird, ist die Gottesherrschaft vollkommen u. die Völker der Welt erbeben. ‖ TanchB תצא § 18 (23a): R. Levi (um 300) hat im Namen des R. Chama b. Chanina (um 260) gesagt: Solange der Same ʿAmaleqs (Rom) in der Welt ist, ist weder der Name noch der Thron Gottes vollständig (s. Ex 17, 16 יה statt יהוה u. כס statt כִּסֵּא Thron). Wenn aber der Same ʿAmaleqs aus der Welt vertilgt ist, dann ist der Thron u. der Name Gottes vollständig, s. Ps 9, 7: „Die Feinde, sie sind zu Ende gegangen, Trümmer für immer, u. ihre Städte hast du zerstört, zugrunde ging das Gedächtnis von ihnen.“ Was folgt darauf? (Vers 8:) „Jahve (der volle Name יהיה) thront in Ewigkeit, er hält seinen Thron (כסאו die volle Form mit א) zum Gericht bereit.“ — Parallelstellen: Pesiq 29a, mit verstümmeltem Text u. unrichtiger Autorangabe; Tanch כי תצא (23a), gleichfalls mit falscher Autorangabe; PesiqR 12 (51a).
c. Ps Sal 5, 18 f.: Die den Herrn fürchten, dürfen sich des Segens freuen, u. deine Güte komme über Israel ἐν τῇ βασιλείᾳ σου! Gepriesen sei des Herrn Majestät, denn er ist unser König! — 17, 3: Wir hoffen auf Gott, unsren Heiland; denn die Macht unsres Gottes währt ewig mit Erbarmen, u. ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ ἡμῶν besteht ewig über die Völker durch Gericht. ‖ Orac. Sib. 3, 46 ff.: Aber wenn Rom auch über Ägypten herrschen wird, zu Einem Ziel lenkend (?), dann wird sich das größte Königtum des unsterblichen Königs den Menschen zeigen, βασιλεία μεγίστη ἀθανάτου βασιλῆος ἐπʼ ἀνθρώποισι φανεῖται. — 3, 767:Dann wird er eine Königsherrschaft errichten für alle Zeiten über alle Menschen, καὶ τότε δʼ ἐξεγερεῖ βασιλήϊον εἰς αἰῶνας πάντας ἐπʼ ἀνθρώπους, er, der das heilige Gesetz einst den Frommen gab. ‖ Assumptio Mosis 10, 1: Dann wird sein Regiment über all seine Kreatur erscheinen; dann wird der Teufel ein Ende haben u. die Traurigkeit mit ihm hinweggenommen werden. — Auch Weish 10, 10: Gott zeigte dem Jakob die Gottesherrschaft ἔδειξεν αὐτῷ βασιλείαν θεοῦ dürfte hierher gehören. ‖ Targ Jes 40, 9: Saget den Städten des Hauses Juda: Offenbar geworden (erschienen) ist die Königsherrschaft מלכותא eures Gottes. | 52, 7: Der da spricht zur Gemeinde Zion: Offenbar geworden ist die Königsherrschaft deines Gottes. | Targ Micha 4, 7: Offenbaren wird sich das Königtum Jahves über ihnen auf dem Berge Zion von nun an bis in Ewigkeit. | Targ Obadja 21: Es werden Befreier hinaufziehen auf den Berg Zion, um die große Stadt Esaus (d. h. Rom) zu richten, u. offenbaren wird sich die Königsherrschaft Jahves über allen Bewohnern der Erde, u. die Königsherrschaft Jahves wird sein in alle Ewigkeiten. | Targ Sach 14, 9: Offenbaren wird sich die Königsherrschaft Jahves über allen Bewohnern der Erde; in jener Zeit wird man Jahve dienen Schulter an Schulter, weil sein Name fest (anerkannt) ist in der Welt u. kein Gott ist außer ihm. — Ähnlich lauten zwei Gebetswünsche im Traktat Sopherim, 14 § 12: Es möge sich offenbaren u. erscheinen sein Königtum über uns in Eile u. in naher Zeit; 19 §7: Offenbare die Herrlichkeit deiner Königsherrschaft über uns.
Aus den Midraschim gehören hierher Pesiq 51a: „Es hebt an mein Lieber u. spricht zu mir“ HL 2, 10. R. ʿAzarja (um 380) hat gesagt: Dieses Anheben u. Sprechen geschieht nur durch Elias (den Vorläufer des Messias) u. durch den König, den Messias. Was spricht er zu mir? „Mach dich auf, meine Freundin.… Denn sieh, der Winter ist vergangen“ (HL 2, 10 f.); damit ist die frevlerische Regierung (Rom) gemeint, die die Menschen verführt (סתיו „Winter“ gedeutet nach הסית „verführen“), s. Dt 13, 7: „Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, verführt …: Wir wollen hingehen u. andre Götter verehren“usw. (der Bruder = Esau bedeutet hier das christliche Rom). „Der Regen ist vorbei, ist vorüber“ HL 2, 11, damit ist die Knechtschaft (Israels) gemeint. „Die Blumen sind erschienen auf dem Lande“ 2, 12, R. Elʿazar (um 270) hat gesagt: Das sind die vier Schmiede (vgl. Sach 2, 3), nämlich Elias, der König der Messias, Melchisedek (der Hohepriester der messian. Zeit) u. der Kriegsgesalbte (= Messias b. Joseph, der kriegerische Vorläufer des Messias b. David). „Die Zeit הזמיר ist herangekommen“ 2, 12, d. h. gekommen ist die Zeit der Vorhaut, daß sie beschnitten werde (שתזמר); gekommen ist die Zeit der Gottlosen, daß sie zerbrochen werden, s. Jes 14, 5: „Zerbrochen hat Jahve den Stecken der Gottlosen, den Stab der Herrscher.“ Gekommen ist die Zeit der frevlerischen Regierung (Roms), daß sie vertilgt werde aus der Welt; gekommen ist die Zeit der Gottesherrschaft, daß sie sich offenbare, wie es heißt Sach 14, 9: „Es wird Jahve König sein über die ganze Erde.“ — Parallelstellen: Midr HL zu 2, 13 (100b); PesiqR 15 (74b). ‖ PesiqR 34 (159a): Gott wird allen Gerechten aus den einzelnen Generationen (nach der Auferstehung) verkünden: Ihr Gerechten der Welt, obgleich Worte des Dankes mir euch gegenüber obliegen, daß ihr auf meine Tora geharrt habt u. nicht auf mein Königtum, so besteht doch der Schwur vor mir, daß ich es jedem, der auf mein Königtum geharrt hat, zum Gufen bezeugen werde, s. Zeph 3, 8: Darum so harret meiner, ist Jahves Spruch, auf den Tag, da ich aufstehe als Zeuge (der Midr vokalisiert לְעֵד statt לְעַד).
Der synoptische Begriff der βασιλεία τῶν οὐρανῶν, bezw. τοῦ θεοῦ, verglichen mit dem rabbin. Begriff der מלכות שמים.
In der Predigt des Täufers Mt 3, 2: μετανοεῖτε· ἤγγικεν γὰρ ἡ βασιλεία τῶν οὐρανῶν schließt sich der Begriff der „Gottesherrschaft“ eng an die eschatologische Fassung der מלכות ש׳ im Rabbin. an. Das Charakteristische bei Joh. liegt in der energischen Betonung, daß der Anbruch der vollkommenen Gottesherrschaft nicht bloß für die Völkerwelt, sondern auch für Israel ein Tag des Zornes sein werde Mt 3, 7. — Ebensowenig unterscheidet sich in der Frage der Pharisäer Lk 17, 20: Wann kommt die Gottesherrschaft? die βασιλεία τοῦ θεοῦ von der eschatologisch gewerteten מלכות ש׳ bei den Rabbinen. — Anders verhält es sich mit der Eulogie eines der Tischgenossen Jesu Lk 14, 15. Hier trägt der Ausdruck „Gottesherrschaft“ so völlig das Gepräge, das er durch Jesus empfangen hat, daß er dem Redenden wohl von dem Evangelisten in den Mund gelegt sein dürfte; in Wirklichkeit wird sich jener einer andren Wendung bedient haben; s. unter 2, a.
Daß Jesus den Ausdruck „Gottesherrschaft“ nicht selbst gebildet, sondern in der religiösen Sprache seines Volkes vorgefunden hat, bedarf angesichts der unter B gebrachten rabbin. Zitate u. der neutestl. Stellen in Nr. 1 keines weiteren Beweises. Aber ebenso gewiß ist es, daß Jesus den Begriff der „Gottesherrschaft“ vertieft, erweitert u. mit neuem Inhalt erfüllt hat.
a. In Jesu Worten tritt die „Gottesherrschaft“ in erster Linie gebend, nicht fordernd an den Menschen heran. Nicht darauf liegt der Nachdruck, daß die G. für Gott etwas suche, sondern daß sie die Beseligung des Menschen bezwecke. Die βασιλεία τῶν οὐρανῶν erscheint deshalb in Jesu Mund vor allem als eine Gabe Gottes an den Menschen, als ein messian. Heilsgut, ja als das Heilsgut schlechthin. — Im Vordergrunde des rabbin. Begriffs der מלכות ש׳ steht der Gedanke an das, was der Mensch der „Gottesherrschaft“ schuldig ist, nämlich Anerkennung, Unterwerfung, Gehorsam. Und wenn mit der vollen Entfaltung der G. im eschatologischen Sinn auch die Heilszeit mit all ihren Gütern u. Segnungen anhebt, so liegt doch dies beseligende Moment nicht in dem Begriff der מלכות ש׳ selbst. Das Heil ist die Folge der Gottesherrschaft, aber nicht die G. selbst. Es ist daher nur folgerichtig, daß der Ausdruck „G.“ im Rabbin. nirgends als zus.fassende Bezeichnung der endgeschichtl. Heilsgüter verwendet wird. Wo man eine solche Bezeichnung nötig hatte, bediente man sich andrer Wendungen, bes. des Ausdrucks הָעוֹלָם הַבָּא = zukünftige Welt, aram. עָלְמָא דְאָתֵי. Dieser Ausdruck wird auch im Munde des Tischgenossen Jesu Lk 14, 15 vorauszusetzen sein (Dalman 1, 92). — Die מלכות שמים im jüd. Sprachgebrauch u. die βασιλεία τῶν οὐ., bezw. τοῦ θεοῦ in Jesu Mund verhalten sich zueinander wie Gesetz u. Evangelium.
b. Die „Gottesherrschaft“, als die Summe aller messian. Heilsgüter, ist in Jesu Reden ausschließlich ein eschatologischer Begriff. Das will nicht sagen, daß die G. nur der Zukunft angehört u. erst von der Zukunft zu erwarten ist; vielmehr kann u. soll das Heilsgut der βασιλεία τῶν οὐ., da die endgeschichtl. Heilszeit mit Jesu Kommen bereits angebrochen ist, schon in der Gegenwart von jedermann in Empfang genommen werden. Das schließt jedoch wiederum nicht aus, daß die G. auch noch ihre Zukunft hat: der Anfang der endgeschichtl. Heilszeit ist nicht ihr Ende; zwischen Anfang u. Ende liegt für die G. die Zeit ihrer geschichtl. Entwicklung. Auf dem Wege dieser geschichtl. Entwicklung wird die G. durch innerliche Überwindung aller widergöttlichen Mächte des gegenwärtigen Weltbestandes auf Grund einer abschließenden Gottestat, der Wiederkunft Christi, das Ziel ihrer Zukunft erreichen, nämlich ihre Offenbarung in Herrlichkeit. So ist mit der Idee der von Jesu gebrachten u. verkündigten „Gottesherrschaft“ unauflöslich der Weltmissionsgedanke verknüpft. — Der rabbin. Begriff der מלכות שמים ist gleichfalls, aber nicht ausschließlich ein eschatologischer Begriff. Neben dem endgeschichtl. Moment liegt in ihm ein zeitgeschichtl. Moment; letzteres kommt bei der gegenwärtigen Gottesherrschaft in Israel in Betracht; ersteres tritt in die Erscheinung bei der Heraufführung der messian. Heilszeit u. der damit anhebenden vollkommenen Gottesherrschaft über die ganze Welt. Beide, die gegenwärtige u. die zukünftige G., unterscheiden sich ihrem eigentlichen Wesen nach in nichts voneinander. Die G. selbst ist unwandelbar; sie fordert auch immer, sowohl in diesem wie in jenem Äon, von den Menschen das Gleiche, nämlich Anerkennung u. Unterwerfung. Nur der Kreis derer, die dieser Forderung genügen, verändert sich: jetzt leistet lediglich Israel Gehorsam, dereinst die gesamte Menschheit. Fragt man, wie sich die Synagoge den Übergang der gegenwärtigen Gottesherrschaft in die zukünftige G. gedacht hat, so hat es in dem hellenistischen Diaspora-Judentum an Stimmen nicht gefehlt, die dahin gingen, daß die Vortrefflichkeit des jüdischen Gesetzes die Völker allmählich, wie von selbst, zum monotheistischen Gottesglauben Israels hinüberziehen werde, so daß dann alle Welt den Einen Gott werde suchen u. anbeten, s. zB Philo, Vita Mosis 2, 7 (Mang. 2, 141); Orac. Sib. 3, 710 ff. Hier liegt der Gedanke an eine geschichtl. Entwicklung als Verbindungslinie zwischen Gegenwart u. Zukunft vor. Das hellenistische Judentum glaubte noch an seine Weltmission. Dagegen tritt in der rabbin. Literatur des Mutterlandes nirgends der Gedanke hervor, daß die im gegenwärtigen Äon innerhalb des Volkes Israel zur Anerkennung gelangte מלכות ש׳ dereinst die Völker innerlich so überwinden werde, daß die מלכות ש׳ im eschatologischen Sinn als das selbstverständliche Ergebnis der geschichtl. Entwicklung zu erwarten sei. Im Gegenteil, dieser Gedanke liegt dem Rabbinismus so fern, daß allgemein die Ansicht herrscht, daß der endgeschichtl. Gottesherrschaft nur durch die Vernichtung der Weltreiche freie Bahn gemacht werden könne. Das palästinische Judentum der nachchristl. Zeit hatte den Glauben an seine Weltmission verloren. Für eine Vergleichung der Gottesherrschaft mit dem Sauerteig, wie sie sich Mt 13, 33 bei Jesus findet, ließen die rabbin. Vorstellungen von der מ׳ ש׳ keinen Raum.
Jesus weist der Gottesherrschaft als Stätte ihres Wirkens das menschliche Herz an, Lk 17, 20 f. In diesem Punkt begegnet sich seine Anschauung mit der der Rabbinen; vgl. oben B, 1. Weit auseinander aber gehen die beiderseitigen Meinungen, ob mit dieser nach innen gerichteten G. sich die römische Fremdherrschaft über Israel vereinbaren lasse. Jesus sieht in der politischen Fremdherrschaft kein Hindernis für die G. (Mt 22, 15 ff. u. Parall.). An die innere Freiheit, die die G. bringt, reicht keine äußere Tyrannei heran. Dagegen gilt es der rabbin. Anschauung für ausgemacht, daß die מ׳ ש׳ unvollkommen sei, solange Israel von der Weltmacht geknechtet werde; erst wenn Israel von äußerem Druck frei geworden, sei die vollkommene G. möglich; vgl. Midr Ps 99 § 1 u. TanchB תצא § 18 oben S. 179. Die מ׳ ש׳ im Sinn des Rabbinismus bleibt ein national-jüdisches Gebilde. Ein von der rabbin. Gedankenwelt beherrschter Messias würde nie das Wort gesprochen haben: Mein Reich ist nicht von dieser Welt Joh 18, 36.
Die „Gottesherrschaft“ erscheint in den Aussprüchen Jesu nicht bloß als ein Gut u. eine Gabe, sondern auch als eine Organisation, u. zwar als eine Organisation, die die Welt umspannt Mt 13, 38, in die die Menschen eintreten Mt 5, 20, in der die Menschen für Gott wirken Mt 20, 1 ff., in der es unter den Menschen Rangstufen gibt Mt 5, 19; 18, 1 usw. So gewinnt der Ausdruck βασιλεία τῶν οὐ. oder τοῦ θεοῦ die Bedeutung „Himmelreich“ oder „Gottesreich“. Im Rabbin. findet sich keine Stelle, in der מ׳ ש׳ oder מ׳ יהוה mit „Reich (= Herrschaftsgebiet) Gottes“ übersetzt werden müßte. Die Übersetzung „Gottesherrschaft“ oder „Königtum“ Gottes trifft überall, wie die oben beigebrachten Zitate zeigen, den richtigen Sinn. Wir haben hier ein Beispiel, wie der neue Wein sich selbst die neuen Schläuche schafft; der Inhalt der Worte Jesu prägt Vorgefundene Begriffe um.
Die „Gottesherrschaft“, bezw. das „Gottesreich“ hat zentrale Bedeutung für Jesu Predigt. Daher kommt es, daß Jesus hin u. wieder das absolute βασιλεία gebraucht, wo man βασιλεία τῶν οὐρανῶν oder τοῦ θεοῦ erwartet, s. Mt 8, 12; 13, 19 38; 24, 14; 25, 34; Lk 12, 32. Die „Herrschaft“ oder das „Reich“ schlechthin ist ihm eben Gottes Herrschaft oder Reich. — In der rabbin. Gedankenwelt nimmt die מ׳ ש׳ bei weitem nicht eine solche zentrale Stellung ein; gegenüber dem ungemein häufigen Gebrauch bei Jesu findet sich der Ausdruck „Gottesherrschaft“ in der weitschichtigen rabbin. Literatur verhältnismäßig nur selten. Damit wird es zus.hangen, daß im Rabbin. מלכות fast nie absolut gesagt wird für מלכות שמים oder מ׳ יהוה. Das absolute מלכות bedeutet im rabbin. Sprachgebrauch durchaus die irdische (heidnische) Obrigkeit, die weltliche Regierung. Soṭa 9, 17 wird zu den Vorzeichen des Messias gerechnet: „Die Regierung wendet sich der Ketzerei (dem Christentum) zu“ המלכות תהפך למינות. | Aboth 3, 2 sagt R. Chananja, der Priestervorsteher, um 70: Bete für das Wohl der Regierung, הוי מתפלל בשלומה של מלכות. | Das. 3. 5 redet R. Nechonja b. Ha-qana, um 70, von dem Joch der Obrigkeit (Fremdherrschaft) עול מלכות. | BB 4a sagt Herodes I.: Ich fürchte mich vor der Regierung, ממלכותא, d. h. vor Rom. | — Zeb 102a: אימת מלכות = Furcht vor der Regierung (R. Jannai, um 225). — Die auf Befehl Roms Hingerichteten, die Märtyrer, werden הרוּגֵי מלכות genannt Pes 50a u. ö. — Giṭṭin 14b werden Leute erwähnt, die der Regierung nahe stehen, d. h. zu den römischen Machthabern Beziehungen unterhalten, בני אדם הללו קרובין למלכותהן; ebenso wird BQ 83a von der Familie des Rabban Gamliël II., um 90, gesagt, daß sie der (römischen) Regierung nahe gestanden habe; die gleiche Bemerkung findet sich Sanh 43a über Jesum: קרוב למלכות הוה. — BQ 113a: Die Rechtsordnung (das Gesetz) der (heidnischen) Obrigkeit gilt als Rechtsordnung דינא דמלכותא דינא, Schemuël, † 254. — pBerakh 3, 6a, 64 u. pNazir 7, 56a, 39 bedeutet גדולי מלכות „die Großen der Regierung“; pBerakh 9, 13c, 45 הפסק מלבות „die Unterbrechung der Regierung“. Weitere Beispiele s. pTerum 8, 46b, 44; bBerakh 48b; Schab 30a; BB 3b; Sanh 102b; GnR 32 (19b). — Die בְּנֵי מַלְכוּתָא Targ Qoh 5, 8 sind daher „Untertanen der Regierung“, aber nicht, wie die υἱοὶ τῆς βασιλείας Mt 8, 12; 13, 38 in Jesu Mund, „Kinder des Gottesreiches“. — Allenfalls könnte man ein Beispiel für das absolut gebrauchte מלכות im Sinne von „Gottesherrschaft“ in Berakh 12a finden: Rab († 247) hat gesagt: Ein Lobspruch, in welchem sich nicht die Erwähnung des göttl. Namens findet, ist kein Lobspruch.… R. Jochanan († 279) hat gesagt: Ein Lobspruch, in welchem sich nicht מלכות findet, ist kein Lobspruch. — Aber hier ist mit מלכות weniger die Gottesherrschaft, als vielmehr der Ausdruck מֶלֶךְ König gemeint. Wie Rab keinen Lobspruch als vollgültig anerkennt, in dem sich nicht der Gottesname findet, so R. Jochanan keinen, in welchem Gott nicht als „König“ bezeichnet wird. Die offizielle Form des Lobspruchs war daher: „Gepriesen seist du Jahve unser Gott, König der Welt“ בָּרוּךְ אַתָּה י׳׳י אֱלֹהֵינוּ מֶלֶךְ הָעוֹלָם. — Ähnlich verhält es sich mit dem absolut gebrauchten מַלְכִיּוֹת (Plur. von מלכית), zB RH 4, 5, s. die Stelle bei Mt 4, 12 S. 158 γ. Man bezeichnete damit Schriftverse, in denen die Königsherrschaft Gottes erwähnt wird. Nachdem der Ausdruck so zum terminus technicus geworden war, der ein Mißverständnis oder eine Verwechslung mit den heidnischen Regierungen ausschloß, konnte er gegebenenfalls auch absolut gebraucht werden. Aber diese Ausnahmefälle heben doch die allgemeine Regel nicht auf, daß mit מלכות schlechthin die weltliche (heidnische) Obrigkeit gemeint ist.
Strack_Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch
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