befreit um frei zu sein???

Jesus sprach nun zu den Juden, welche ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Worte bleibet, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Elberfelder 1871 – Joh 8,31–32

[Es] sagte also {der} Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn Ihr in meinem Wort bleibt, seid Ihr wirklich (wahrhaftig) meine Jünger und Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird Euch befreien (frei machen).
offene Bibel – Johannes 8,31–32

Jesus sagte einmal zu den Menschen: „Alle, die das, was ich sage, für sich als richtig akzeptieren und ihr Leben danach ausrichten, gehören wirklich zu meinen Leuten.
Erst dann werdet ihr kapieren, was wirklich wahr ist und was nicht. Und das wird euch die Möglichkeit geben, wirklich frei zu sein.“
VolxBibel – Johannes 8:31–32

Die Wahrheit wird euch frei machen. Zur Erkenntnis seines Evangeliums lockt der Herr nun auch damit, dass er auf die Frucht oder den Erfolg davon hinweist, auf das unvergleichlich hohe Gut der Freiheit. Daraus folgt, dass es nichts Besseres gibt, nichts, wonach man inniger verlangen muss, als die Erkenntnis des Evangeliums. Alle Menschen wissen und gestehen es: Sklaverei ist ein großes Unglück. Wenn das Evangelium uns nun aus der Sklaverei befreit, so folgt daraus, dass es ein kostbares Geschenk ist, das uns ein glückseliges Leben verschafft. Doch wollen wir nicht übersehen, an welcherlei Befreiung Christus denkt: an die, welche uns aus der Gewalt der drei Tyrannen Satan, Sünde und Tod erlöst. Wird uns das durchs Evangelium zuteil, so ist klar: von Natur sind wir alle Knechte der Sünde. Weiter gilt es zu beachten, wie die Befreiung zustande kommt. So lange wir uns von den eigenen Gedanken und Einfällen regieren lassen, sind wir der Sünde leibeigen. Wenn aber der Herr aus uns durch seinen Geist neue Menschen macht, dann schenkt er uns eben damit die Freiheit; aus den Stricken des Satans, in denen wir schmachteten, sind wir nun heraus und gehorchen willig der Gerechtigkeit. Aus dem Glauben kommt die Wiedergeburt. Daraus geht hervor: aus dem Evangelium kommt die Freiheit. So schlägt Christi Wort alle Träumereien von einem eigenen freien Willen nieder: nur Christus vermag uns zu befreien. Zu bemerken ist noch, dass diese Freiheit ihre Stufen hat, und zwar nach dem Maße des Glaubens; Paulus seufzte noch nach der völligen Freiheit, als er längst aus der Knechtschaft befreit war (Röm. 7, 24).

Jean Calvin – Das Johannes-Evangelium

Bin ich frei – nur weil ich die „Wahrheit kenne“ und „in der Wahrheit bin“? Was ist denn diese Freiheit, von der Jesus redet? Meinte Jesus wirklich die Freiheit, nicht mehr Angst vor bösen Geistern und dem Tod zu haben?

Freiheit. Die Befreiung aus Ägypten, dieses wichtigste Ereignis der Heilsgeschichte, wird zur Aufforderung an Israel, Unfreiheitsverhältnisse in seinem Bereich wenigstens von Zeit zu Zeit zu lösen (Dtn 15,12–15; ➛ Erlösung). Beim jährlichen ➛ Paschafest wurde der Befreiung von allerlei bösen Mächten gedacht (vgl. Ps 2,3); solche Feiern bestärkten die Hoffnung auf endzeitliche Erlösung (Jes 25,6–9). Freiheit, um frei von äußeren Zwängen sein Leben selbst gestalten zu können, nennt das AT als Ideal meist „Ruhe“ (z.B. Ps 95,11).
In der hell. Umwelt ist die Freiheit zu einem zentralen Thema weltanschaulicher Auseinandersetzungen geworden. Nach klassischem griech. Verständnis ist frei, wer Verfügungsgewalt über sich selbst hat. Aber wie sollte man dies verwirklichen angesichts der Gebrochenheit des Menschseins (Thema der Tragödien) und der Zwänge, die Welt und Gesellschaft bestimmen? Diese Frage wurde unterschiedlich beantwortet: Freiheit als innere Freiheit des Individuums, als Freiheit des Kynikers gegenüber den Konventionen, des stoischen Weisen, der seine Freiheit durch Unterwerfung unter den Welt-Logos gewinnt, oder als Weltverneinung und Gewinnung eines Wissens um die jenseits alles Materiellen liegende ewige Heimat der Seele (in der Gnosis).
Das NT schließt sich keiner dieser Antworten an, sondern bietet eine grundsätzlich andere Position. Ausgangspunkt ist dabei nicht der Mensch, sondern Gott: Freiheit ist nicht Unabhängigkeit, sondern die Aufhebung der Entfremdung des Menschen von Gott. Indem der Mensch zu Gott nein sagt, verfällt er der Macht der Sünde und gerät damit in einen Unheils- und Unfreiheitszustand. Davon hat Jesus, der einzig freie Mensch (weil er in Gemeinschaft mit Gott steht), befreit (Joh 8,31–36). So ist Freiheit v.a. Freiheit von der Sünde (Röm 6,15–23) und vom Gesetz (Röm 7,5 f). Die wirklich Freien sind also nur die Glaubenden; diese sind aus Unfreien zu „Söhnen“ Gottes gemacht worden (Gal 4,1–7), d.h. aber zugleich: zu verantwortlichen Teilhabern an Gottes Gaben, zu Mitvollstreckern seines Willens. Christliche Freiheit ist letztlich endzeitlich: Sie nimmt – als Möglichkeit und Aufgabe! – vorweg, was der gesamten Schöpfung vorherbestimmt und verheißen ist (Röm 8,18–30). ➛

Herders Neues Bibellexikon

Jeschua sagte zu den Juden, die glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaftig meine Jünger (Joh. 8:31). Während ihr Glaube sie rettete, würde das Bleiben in seinem Wort sie zu wahren Jüngern machen. Wenn sie die Wahrheit kennenlernten, würde sie sie befreien (Joh. 8:32). Als neue Gläubige waren sie jedoch noch nicht frei von der pharisäischen Lehre, wie ihre Reaktion zeigt: Wir sind Avrahams Same und waren noch nie jemandem untertan; wie sagt ihr: Ihr sollt frei werden? (Joh 8,33).[63] Dies spiegelt ihr Festhalten an der grundlegenden pharisäischen Überzeugung wider, dass ganz Israel an dem kommenden Zeitalter Anteil haben wird. Beim Studium einiger weniger Quellen wird jedoch deutlich, dass sie zu dieser Zeit tatsächlich in der Knechtschaft Roms waren. In „Der jüdische Krieg“ schreibt Josephus:
„Da wir vor langer Zeit, meine großzügigen Freunde, beschlossen haben, niemals den Römern zu dienen, noch irgendeinem anderen als Gott selbst, der allein der wahre und gerechte Herr der Menschheit ist, ist nun die Zeit gekommen, die uns verpflichtet, diesen Vorsatz in der Praxis wahr zu machen.“

An die weitere Zuhörerschaft gerichtet, sagte Jeschua, wenn diese Lehre wahr wäre, wären sie nicht versklavt, wie sie es waren, denn das Prinzip lautet: Jeder, der Sünde begeht, ist der Sünde Knecht (Joh. 8:34). Sie mussten befreit werden, indem sie den Glauben an den Messias ausübten (Joh. 8:35). Wenn sie glaubten, würde das Ergebnis Freiheit sein: Wenn nun der Sohn euch frei macht, so werdet ihr wirklich frei sein (Joh 8,36). Sie waren vom physischen Samen Abrahams, nicht von seinem geistlichen Samen, was sich in ihrem Wunsch zeigte, Jeschua zu töten (Joh 8,37) und in ihrem Versagen zu erkennen, dass er die Worte seines Vaters sprach, während sie die Worte ihres Vaters, Satans, sprachen (Joh 8,38).

Als Jeschua sagte, euer Vater, führte das zu dieser Antwort: Unser Vater ist Avraham (Joh 8,39a), worauf Jeschua erwiderte: Wenn ihr Avrahams Kinder wärt, würdet ihr die Werke Avrahams tun (Joh 8,39b). Was war Abrahams Hauptwerk? Er setzte seinen Glauben auf Gott: Und er glaubte an Jehova; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an (1Mo 15:6). Wahre Kinder Abrahams suchen ihre Errettung auf dieselbe Weise wie Abraham: aus Gnade durch Glauben, unabhängig von Werken. Abraham ging nicht davon aus, dass er kraft seiner Geburt automatisch Gerechtigkeit besaß. Sie versäumten es, die Werke Abrahams zu tun, was sich in ihrem Wunsch zeigte, ihn zu töten: Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die ich von Gott gehört habe; das hat Avraham nicht getan (Joh. 8:40). Ihr Wunsch, Jeschua zu töten, bewies ihre Gebundenheit an die Sünde. Hätten sie geglaubt, hätten sie entdeckt, dass Jeschua der wahre Erlöser von der Sünde war und ist: Wenn nun der Sohn euch frei macht, so seid ihr wirklich frei (Joh 8,36).

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Haben sie nicht die Wahrheit erkannt, wenn sie zum Glauben an Jesus kamen? Glauben an Jesus auf Grund seines Wortes gibt es nicht ohne Erkenntnis. Aber wir sahen schon bei 6,69, wie aus dem „Glauben“ eine neue, eine tiefere „Erkenntnis“ erwächst. „Die Wahrheit“ ist so unerschöpflich, so groß, so umfassend, dass es für ihre Erkenntnis beim Bleiben in Jesu Wort keine Grenzen gibt. Jesus meint mit „Erkenntnis der Wahrheit“ nicht das bloße Wissen von Tatbeständen und das Feststellen von Richtigkeiten, sondern meint die wesenhafte, lebendige Wahrheit, die uns zeigt, wer Gott wirklich ist und wer wir Menschen eigentlich sind. Sie zeigt uns, wie wir zum äonischen Leben kommen, welche herrlichen Ziele Gott mit der ganzen Schöpfung hat und wie Gott diese seine Ziele verwirklicht. Diese ganze Wahrheit ist nicht mit der eigenen Verstandeskraft zu erfassen, sondern wird vom Heiligen Geist (16,13) denen immer mehr erschlossen, die im Wort Jesu bleiben. Jesus wird es seinen Jüngern später sagen, dass er selber in Person diese Wahrheit „ist“ ( Joh 14,6). Durch das Bleiben in seinem Wort kommen sie daher mit der lebendigen Wahrheit Gottes in wesenhafte Verbindung.

Daß die „Wahrheit“, von der Jesus spricht, eine Wirklichkeit ist, die ihr ganzes Leben umgestaltet, das zeigt sich in der weiteren Verheißung, die Jesus an das Erkennen der Wahrheit knüpft. Er verspricht: „Und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Die freimachende Kraft der „Wahrheit“ erfahren wir auch sonst schon in unserm Leben. Sowohl Täuschung und Irrtum wie auch Lüge und Falschheit machen unsicher und unfrei. Jeder Mensch erlebt eine tiefe Befreiung, auch unter Schmerzen, wenn in seinem Leben die Wahrheit zum Durchbruch kommt und Irrtum und Lüge überwindet. Aber was wir in Anfängen bereits abgesehen von Gott an befreiender Kraft der Wahrheit erleben können, das erfüllt sich da, wo die ganze und letzte Wahrheit auch ganze und völlige Freiheit bringt. Wieder kann Paulus uns als das Bild dieser Freiheit vor Augen stehen. Er hat an sich selbst erlebt, wie Christus uns zur „Freiheit befreit“ und will darum auch die Gemeinde in dieser „Freiheit eines Christenmenschen“ sehen (Gal 5,1).

Wuppertaler Studienbibel

»Ihr werdet die Wahrheit erkennen.« Demnach er gibt sich die Erkenntnis aus dem Glauben und nicht umgekehrt (ebenso Joh 6,69)! Aber was ist »die Wahrheit«? Diese Frage wird Pilatus später in voller Schärfe stellen (Joh 18,38). Die »Wahrheit« ist nach dem Johannesevangelium der Gott, der in Jesus sichtbar erschienen ist (Joh 14,6.9). Darin sind Gottes Wille und Plan, die Tora und die Eschatologie (Erwartung und Hoffnung der Zukunft) eingeschlossen. Entscheidend ist hier, dass »die Wahrheit« Person geworden ist. Demnach verspricht Jesus dem beständigen und treuen Jünger, dass er ihn selbst (= den Gottessohn und Messias) und den Vater, der in ihm erschienen ist, mehr und mehr »erkennen« d. h. kennen lernen und praktisch erfahren wird. Diese »Wahrheit« lehnt die Mehrzahl der Juden ab. Infolgedessen mangelt ihnen die wahre Erkenntnis Gottes und seines Sohnes, des Messias. Lohnt es sich aber nicht für die Jünger, um dieser »Wahrheit« willen alles auf sich zu nehmen?

»Die Wahrheit wird euch frei machen«, nämlich frei von Sünde, Tod, Teufel und Verdammnis. Das vollbringt »die Wahrheit« in Person, nämlich Jesus, am Kreuz (vgl. Röm 6,18.22; 1Kor 7,22; 9,1.19; 2Kor 3,17; Gal 4,31; 5,13; 1Petr 2,16). Wie flach sind demgegenüber alle Formeln und Sprichwörter, die uns ein »Frei«-werden versprechen, wie flach auch alle Begriffe politischer »Freiheit«, die nur das neue Herren – und Sklaventum verschleiern!

Gerhard Maier – Edition C

Habe ich die Wahrheit – sprich wer und was Jesus wirklich ist, erkannt? Oder folge ich, wie die Zuhörer damals den religiösen Lehrern? Wem glaube ich – den religiösen Lehrern oder dem „größten Lehrer“?

„Ab jetzt wird Gott die Kontrolle über diese Welt übernehmen…“

Und der siebte Engel posaunte: und es geschahen laute Stimmen in dem Himmel, welche sprachen: Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen in die Zeitalter der Zeitalter.
Elberfelder 1871 – Offb 11,15

Und der siebente Bote posaunte.
Und es geschahen große, ‹laute› Stimmen in dem Himmel, die sagten: „Die Königreiche der Welt sind unseres Herrn und seines Gesalbten geworden, und er wird ‹als König› herrschen in ‹alle› Ewigkeit.
Jantzen & Jettel 2017 – Offb 11,15

Und der siebente Engel blies: Da wurden mächtige Stimmen im Himmel laut, die riefen: Die Königsherrschaft über die Welt ist unserm Herrn und seinem Christus zuteil geworden. Er wird als König herrschen durch alle Zeitalter hindurch.
Bruns 2013 – Offenbarung 11,15–16

Dann ließ der siebte Engel die Trompete erschallen.
Da erhoben sich im Himmel laute Stimmen.
Sie riefen:
»Jetzt gehört die Herrschaft über diese Welt
endgültig unserem Herrn und seinem Christus.
Er wird nun für immer ihr König sein.«
BasisBibel 2012 – Offb. 11:15

Als Letztes blies dann der siebte Engel in seine Posaune. Aus dem Himmel konnte man laute Stimmen hören, die sagten: „Ab jetzt wird Gott die Kontrolle über diese Welt übernehmen, und Christus wird für immer das Sagen haben.“
VolxBibel – Offenbarung 11:15

Nun ja, die einen meinen, dass Jehovah schon die Kontrolle übernommen hätte – die anderen, dass dieses Ereignis noch aussteht. Wer meint, dass ER schon die vollständige Kontrolle übernommen hätte, der sollte sich vielleicht fragen, ob er wirklich meint, dass es so ewig weiter gehen sollte? oder ob er sich vielleicht doch in der Zeit geirrt hat und dieses Ereignis noch aussteht!

Ein wichtiger Teil des jetzt im Fortgang der Entfaltung befindlichen Planes des großen Baumeisters muss noch unvollendet sein, sonst würde der neue Fürst und die neue Heilszeitordnung längst eingeführt worden sein. Warum es auf eine bestimmte Zeit hinausgeschoben worden ist, und ebenso die Art und Weise, wie die gegenwärtige Herrschaft des Bösen unter Satan auf die Herrschaft der Gerechtigkeit unter Christum übergehen soll, sind Fragen von hohem Interesse, die weiter unten genauer erörtert werden sollen. Für jetzt genüge es, zu sagen, dass die Reiche dieser Welt, die jetzt Satan untertan sind, zur geeigneten Zeit die Reiche unseres Herrn und seines Christus werden sollen (Offenbarung 11:15). Der Zusammenhang zeigt, dass der Übergang durch eine allgemeine Zeit der Drangsal bewirkt werden wird. Hierauf sich beziehend, sagt der Herr Jesus: „Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet, und alsdann wird er sein Haus berauben.“ (Mark. 3:27) Da werden wir also belehrt, dass Satan zuvor gebunden, unschädlich gemacht, abgesetzt werden muss, ehe Christi Regierung der Gerechtigkeit und des Frieden aufgerichtet werden kann. Daher wird auch das Binden Satans, des Starken, als das erste Werk der neuen Heilszeitordnung dargestellt.

Charles Taze Russell im Jahr 1886 – Der göttliche Plan der Zeitalter

Die große Posaune, durch diejenige vorgeschattet, die unter den Juden das Jubeljahr verkündete, die „siebente Posaune“ ist so wenig wie die sechs vorhergehenden (Offenbarung 11:15-18) in der Luft vernommen worden. Sie ertönt für solche, die Ohren haben zu hören, seit Oktober 1874 und wird bis zum Ende des Millennium ertönen. Mit dem Beginn dieser Posaune begann die Ernte dieses Zeitalters und das Einernten und die Trennung, die fortdauern muss, bis die „Auserwählten“, der „Weizen“, aus den gegenwärtigen Himmel (den Namenkirchen) heraus gesammelt sein wird, hin zu dem Herrn. Die „Engel“ (Boten) sind diejenigen, die die Botschaft von des Herrn Wort weitertragen, und welche die Trennung und die Sammlung seiner Auserwählten zu ihm hin bewirken.

Charles Taze Russell im Jahr 1897 – Der Krieg von Harmagedon

Nein Herr Russell – so schwach ist der Schöpfergott Jehovah nicht, dass ER über 150 Jahre braucht, um die Herrschaft anzutreten 😉 und Dinge auf der Erde zu verändern. ER der mit einem Wort Dinge erschafft – wird nicht Jahre benötigen um diese Erde zu übernehmen. Hier liegt Ihr Fehler, Herr Russel – hier hätten sie das Ruder rumreißen und den Denkfehler – ihren Denkfehler – eingestehen sollen, anstatt weiterhin an dem Gedanken zu basteln und weitere falsche Lehren einzuführen…

Und sie sprachen: Es ist die Königsherrschaft der Welt unseres Herrn und seines Gesalbten geworden. Im Mittelpunkt dessen, was geschehen ist, stand eine Königsherrschaft. Sie wird näher bezeichnet als die der Welt. In Mt 4,8 bietet der Teufel die „Königreiche der Welt“ an. Offb 17,18 besitzt die „Hure Babel“ die „Königsherrschaft über die Könige der Erde“. Hier aber ist etwas eingetreten, was diese Weltherrschaft in die Hände Gottes und Christi gebracht hat. Es kann sich nicht um ein innergeschichtliches Ereignis handeln, sondern nur um die endgültige Niederwerfung der bisherigen Besitzer durch das Kommen Christi zum Gericht.

„Gott ist König“ meinte nie etwas anderes, als dass er Großkönig sei. Er gehört nicht etwa in die Reihe der lokalen Stadt – oder Volksfürsten. Sie sind vielmehr die Unterkönige Gottes, des „Königs der Könige und Herrn der Herren“ der ganzen Erde (vgl. Offb 1,5; 17,14; 19,16 ). Diese seine universale Herrschaft wird gerade am Sinai, wo er sich ein einzelnes Volk aussucht, vorausgesetzt: „Die ganze Erde ist mein“ (2 Mo 19,5 ). Israel unterscheidet sich von den anderen Völkern nicht durch sein Eigentumsverhältnis zu Gott, sondern lediglich durch seine Priesterfunktion. Diese Weltweite der Herrschaft seines Gottes hat sich auch das ntst Israel beständig vor Augen zu halten. Unter diesem Gott geht es nie nur um die Gläubigen. Er blickt nicht etwa herzenswarm auf die Gemeinde und sternenkalt auf die sonstige Menschheit, auf ungerechte Verhältnisse, auf Verführung, Unterdrückung, Hunger und Sterben. Zum Reden vom Königsein Gottes gehört immer der Durchbruch zum Umfassenden, der Bezug auf die ganze Menschheit.

Zum anderen blieb den Propheten bewusst, dass dieses Königsein Gottes im Vollsinne etwas ist, was erst noch kommen muss. „Dein Reich komme!“ Es darf also nicht mit dem allgemeinen, gegenwärtigen Weltregiment Gottes verwechselt werden. So gewiss es bleibt, dass Gott zu keiner, auch nicht der dunkelsten Zeit abgetreten ist, so dass sein Thron leer stände, so gewiss muss eines doch erst noch kommen: seine Verherrlichung auf dem Thron. Das ist das Grundproblem der Gegenwart: die Nichtverherrlichung des Herrn aller Herren und die Verherrlichung der Nichtherren oder Unterherren, also dieses Knien an der falschen Stelle. Diese Nichtverherrlichung Gottes erschüttert seine Herrschaft zwar nicht (Ps 2,4 ), aber er will Antwort auf seine Herrlichkeit. Auch seine Gemeinde leidet darunter, dass der Herr und die Verherrlichung auseinandergerissen sind, zwei Größen, die doch zusammengehören. Diese Urspaltung zieht alle anderen Spaltungen in der Schöpfung nach sich, nämlich zwischen Mann und Frau, Vätern und Kindern, Volk und Volk, Ost und West, Nord und Süd, Mensch und Natur. Es kann darum nichts heil werden, wenn diese Urspaltung nicht behoben wird und Gott nicht seine Ehre bekommt. Eine Menschheit, die mit einem Munde Gott lobt (Rö 15,6 ), wird eine wiedervereinigte, heile, freie, gerechte und frohe Menschheit sein. In zwei der drei Hauptstellen über dieses Königwerden Gottes (K. 11 und 19) ist dies Ereignis deswegen mit dem Sturz Babels verknüpft. Babel ist ja die große Verführerin zur Nichtverherrlichung Gottes und zur Anbetung des Tieres.

Wuppertaler Studienbibel

(1) »Der siebente Engel posaunte« (Offb 11,15):
Die Lage der an Jesus Glaubenden scheint aussichtslos (Offb 13). Die widergöttlichen Mächte lehnen sich gegen Jesus Christus auf, geraten dann aber in einen schrecklichen Strudel (Offb 13; 16). Ein zum Feind übergelaufener Teil der Weltchristenheit triumphiert über die stille, scheinbar ohnmächtige Schar der wahrhaft Glaubenden und wird dann von den eigenen Freunden und Liebhabern erbarmungslos bekämpft und zunichte gemacht (Offb 17 und Offb 18).

(2) »Und es erhoben sich große Stimmen im Himmel«:
Gerade wo nun auf der Erde alles so schrecklich verworren und für die Sache Gottes aussichtslos erscheint, wird »im Himmel«, wo alles durchschaut und überblickt wird, bereits die große abschließende Feststellung getroffen – dies eben schließt die siebte, die »letzte« Posaune (1 Kor 15,52) auch mit ein:

(3) »Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden«:
a) Die Weltreiche sind zu Gottes Reich geworden. Was ist es um dieses »Reich Gottes«? (Vgl. auch das zu Offb 20,1ff.Gesagte).

aa) Weil Gott die Welt schuf, gehört sie ihm. Und er hat die schöne Provinz Erde im Ganzen seines Kosmos dem Menschen als »Oberpräsidenten« anvertraut (1 Mose 1,28). Doch der Mensch hat den Feind Gottes und der Menschen eingelassen, sich auf ihn eingelassen, sich ihm unterstellt, indem er ihm folgte (1 Mose 3). Seitdem ist der Feind »der Fürst dieser Welt« (Joh 12,31; 14,30; 16,11). Doch Gott hat uns Menschen nicht nach der erbarmungslosen Regel, wie man sich bettet, so liegt man, uns selbst überlassen. Nach seiner ewigen Weisheit hat er unsere Erlösung in die Wege geleitet. Und weil er das Recht keines Geschöpfes übergeht, auch nicht des Satans, hat er die Welt sozusagen von innen her zurückerobert.

bb) Gott hat dazu mit der Menschheitsgeschichte noch einmal neu begonnen, mit seinem neuen »Adam«, sozusagen mit der »Neuausgabe« Mensch (Röm 5,12-19). Dazu ist der ewige Sohn Gottes Fleisch, Mensch, geworden (Joh 1,14). Er hat dieselbe Prüfung noch einmal gemacht, in der der erste Adam durchgefallen ist (Mt 4,1-4 im Vergleich zu 1 Mose 3,1-6).

cc) Jesus war mit seinem Leben inmitten der Menschenwelt im Vollsinn »Reich Gottes«, Herrschaftsbereich, wo Gott ganz zu seinem Recht kam, wo ihm in ganzer Willigkeit gedient wurde. »Reich Gottes« ist nach der Schrift allein da, wo man Gott mit Willen dient. Jesus konnte zu den ihn umringenden Gegnern sagen: »Das Reich Gottes ist mitten unter euch« (Lk 17,21). Er selbst war der Anfang dieses neuartigen Reiches Gottes.

dd) Und nun hat seit Pfingsten der auferstandene und gegenwärtige Herr sich Menschen angegliedert, seine Gemeinde, Menschen, in denen Gott durch seinen Geist ganz zu seiner Herrschaft kommt. So schreibt Paulus für diese Weltzeit seit Pfingsten: »Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude durch den Heiligen Geist« (Röm 14,17). Die Arbeit für das Reich Gottes von Pfingsten bis zur Wiederkunft Jesu ist die Sammlung von noch verhüllten (Kol 3,3.4) Stützpunkten der großen kommenden guten Herrschaft Gottes in Jesus Christus auf dieser Erde. Diese Sammlung und Zubereitung der Gemeinde Jesu ist das zwar verborgene, aber beherrschende Thema dieser Weltzeit.

b) Inzwischen geht der Kampf in dieser Welt und nach Art dieser Welt weiter. Die Reiche der Großen dieser Welt kommen und gehen. Unter ihnen ist eine wilde Jagd nach Verwirklichung des »Reichs«, wie sie sich das denken, ihrer Weltherrschaft, im Gang. Dem Letzten, Größten, am meisten Dämonisierten von ihnen, dem Antichrist, wird es einen Augenblick gelingen, Weltherrschaft im wahren Sinn zu verwirklichen (Offb 13,8). Doch wenn die Seifenblase am schillerndsten ist, kommt sie zum Platzen. Und dann bricht der Tag an, an dem ganz am Tag ist: »Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.«

c) »Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden.« Das heißt: »Nun ist es so weit. Auch wenn es auf dieser Erde noch einige Augenblicke verhüllt ist. Wir in der himmlischen Welt sehen es schon.« Seit Karfreitag und Ostern ist der Feind entrechtet, nun wird er auch entmächtigt. Die Reiche der Welt sind dann, wenn Jesus kommt, »Seines Christus«, d. h. des Christus Gottes, »geworden« und nicht des »Christus des Feindes«, nicht des Antichrists. Jesus enthüllt dann sich, sein Werk, seine Leute, sein Reich (Kol 3,4).

d) »Er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit«,
wörtlich: »in die Äonen der Äonen hinein«, das heißt, für immer. »in die Äonen der Äonen hinein«, mit dem bestimmten Artikel »die«, hat in der Offenbarung immer die Bedeutung der auf jeden Fall absolut unbegrenzten Zeit (vgl. auch Offb 20,10; 22,5 und das zu diesen Schriftstellen Gesagte). Die Regierungszeit des Antichrists dagegen währt, von der Ewigkeit her gesehen, nur einen Augenblick; gleich wird alles überstanden sein. Dann ist Gott mit dem Plan seiner Liebe zu seinen Menschenkindern, mit seiner Heilsgeschichte, nach der schweren Katastrophe der Sünde zum Ziel gekommen. Durch den ewigen Sohn (Ps 2), durch seinen Gesalbten Christus Jesus, übt Gott die Herrschaft über diese Erde dann unmittelbar aus. »Es kann nicht Friede werden bis deine Liebe siegt und bis der Kreis der Erden zu deinen Füßen liegt« (Albert Knapp).

Gerhardt Maier – Edition C

glaubst du DAS oder ist es „nur geistig zu verstehen“?

Und (Vergl Micha 4) es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Jehovas feststehen auf dem Gipfel der Berge (d. h. hoch über allen Bergen) und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und laßt uns hinaufziehen zum Berge Jehovas, zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln in seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz (O. die Lehre) ausgehen, und das Wort Jehovas von Jerusalem; und er wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen vielen Völkern.
Elberfelder 1871 – Jes 2,2–4a

In der Endzeit wird es geschehen, daß der Tempelberg des HERRN festgegründet dasteht an der Spitze der Berge und über die (anderen) Höhen erhaben; dann werden alle Heidenvölker zu ihm strömen und zahlreiche Völkerschaften hinwallen und sagen: »Kommt, laßt uns zum Berge des HERRN hinaufziehen, zum Hause des Gottes Jakobs, damit er uns über seine Wege belehre und wir auf seinen Pfaden wandeln!« Denn von Zion wird Belehrung (oder: das Gesetz) ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Dann wird er zwischen den Völkern richten und vielen Völkerschaften Recht sprechen;
Menge 2003 – Jesaja 2,2–4

Und wird geschehen in den letzten Tagen, daß der Berg von Jehovahs Haus befestigt wird als Haupt der Berge, und erhaben über den Hügeln, und zu ihm alle Völkerschaften strömen werden. 5Mo 4,30; Ps 63,16.17; Mi 4,1f; Jer 3,17. Und viele Völker werden gehen und sprechen: Lasset uns gehen und hinaufziehen zum Berg Jehovahs, zum Haus des Gottes Jakobs, daß Er uns weise Seine Wege und wir wandeln in Seinen Pfaden, denn von Zion geht aus das Gesetz, und das Wort Jehovahs von Jerusalem. Jer 3,17; Ps 46,8; 50,2; 110,2; Lk 24,47; Joh 4,22; Mi 4,2.
Und richten wird Er zwischen den Völkerschaften und strafen viele Völker.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Jesaja 2:2–4

In den letzten Tagen von dieser Erde wird Folgendes passieren: Alle werden über den Berg reden, auf dem der Tempel von Gott steht. Er wird der heftigste von allen Bergen auf der Welt sein, und aus der ganzen Welt werden die Menschen zu ihm kommen. Viele Menschen aus der ganzen Welt werden mit Bussen und Reisegesellschaften dorthin fahren. Sie werden sagen: „Los, kommt, lasst uns einen Trip zum Berg von Gott machen! Kommt mit, wir fahren zu dem Haus, wo der Gott von diesen Leuten, die von Jakob abstammen, wohnt! Wir wollen von ihm lernen, was okay ist und was nicht. Wir wollen tun, was er uns sagt!“ Denn von diesem Berg, der Zion heißt, werden die heftigsten Ansagen herkommen, von Jerusalem aus wird man hören, was Gott zu sagen hat. Gott wird Gerichtsurteile sprechen über die Länder auf der Erde, er wird für alle Völker der Richter sein.
VolxBibel – Jes. 2:2–4

Wie jeder weiß, der schon einmal in Jerusalem war, ist der Berg Zion kein großer Berg. Er befindet sich auch nicht im geografischen Norden, sondern im südlichen Teil des Landes. Was ist also mit „den Höhen des Nordens“ gemeint?

Diese Beschreibung wäre den heidnischen Nachbarn Israels bekannt, besonders in Ugarit. Es ist tatsächlich aus ihrer Literatur entnommen. Die „Höhen des Nordens“ (ugaritisch: „die Höhen von Tsaphon“) ist der Ort, an dem Baal lebte und angeblich auf Geheiß des Hochgottes El und des göttlichen Rates den Kosmos regierte. 13 Der Psalmist stiehlt Baal den Ruhm und gibt ihn demjenigen zurück, dem er rechtmäßig gehört – Jahwe. Es ist ein theologischer und literarischer Schlag ins Gesicht, eine weitere Polemik.

Das erklärt, warum die Beschreibung in Bezug auf die tatsächliche Geographie Jerusalems seltsam klingt. Das ist der Grund, warum Jesaja und Micha Ausdrücke wie „der Berg des Hauses Jahwes“ verwendeten (Jes 2,2; Mich 4,1). Die Beschreibung soll eine theologische Aussage machen, nicht eine geographische. Der Zion ist das Zentrum des Kosmos, und Jahwe und sein Rat sind sein König und Verwalter, nicht Baal.

Der Tempel ist auch der Garten Eden, voll von üppiger Vegetation und Tieren. Die Beschreibung des Baus des Tempels in 1 Könige 6-7 ist in dieser Hinsicht eindeutig. 14 Blumen, Palmen, Kürbisse, Zypressen, Cherubim, Löwen und Granatäpfel schmücken den Tempel durch seine geschnitzten architektonischen Merkmale.

In Hesekiels Vision des neuen Tempels (Hes 40-48) sah er einen auf einem hohen Berg errichteten Tempel (40:2), dessen Vorhöfe mit Palmen geschmückt waren (40:31-34). Das Innere war mit weiteren Palmen und Cherubim geschmückt (41:17-20.). Hesekiels Tempelgarten war gut bewässert, wie Eden, denn aus ihm floss ein Fluss, der auf übernatürliche Weise alles andere belebte (47:1-12).

In der Theologie Israels waren Eden, die Stiftshütte, der Sinai und der Tempel gleichermaßen der Aufenthaltsort Jahwes und seines Rates. Die Israeliten, die die Stiftshütte und den Tempel besaßen, wurden ständig an die Tatsache erinnert, dass der Gott des kosmischen Berges und des kosmischen Gartens in ihrer Mitte wohnte, und wenn sie ihm gehorchten, würde Zion der Herrschaftsbereich Jahwes werden, der als der Ort dienen würde, an dem er die enterbten Völker, die in Babel verstoßen wurden, wieder zu sich zurückholen würde.

Michael S. Heiser – Das unsichtbare Reich

Es bleibt das Große im Gesamtbilde der prophetischen Verkündigung, dass nach jedem Abend der Geschichte dennoch ein neuer Morgen anbricht. Ein Morgen, der einen Tag einleitet, der in seinem Leben reicher, mit seinem Licht heller und in seinen Zielen der ersehnten Heilszukunft verwandter sein wird als der vorher untergegangene. Diese Fernschau, aus der immer neu eine weltüberwindende Hoffnung geboren wurde, hätte den Propheten nie werden können, wenn ihr Leben nicht im Umgang mit Gott gestanden hätte. Aus dem Werden der Geschichte, vom Boden ihres Volkes aus, oder aus den Machtbestrebungen der Weltmonarchien hätten sie nie [129] solche eschatologischen Heilserwartungen gewinnen können. Nur, wer Gott gesehen, sieht über alle Katastrophen hinweg eine Zukunft, die einmal unseres Gottes sein wird.

Wenn der Prophet das Haus Jahves als Stätte seiner machtvollen Gegenwart und zukünftigen Herrlichkeitsoffenbarung fest begründet auf einem Berge liegen sieht, so mag das Bild zwar beim Zionsberge Jerusalems anknüpfen, es kündet aber gewiss die zukünftige geistige Höhenlage im Völkerleben an. Bis zu dieser Zeit bleibt Gottes Offenbarungsstätte ein Wanderzelt. Weder ein bestimmtes Volk, noch irgendein großes Zeitalter der bisherigen Geschichte hat ihr eine feste Stätte gegeben. Als Israel-Juda erst auf hörte, sein Ohr an den Mund Gottes zu legen, da hörte auch sein Heiligtum auf, eine Offenbarungsstätte für die Zukunft zu sein. Seit Pfingsten zeltete alsdann die Gegenwart Gottes mit ihrer Heilsoffenbarung in der durch den Heiligen Geist gesammelten Christusgemeinde. Aber auch die Urgemeinden verloren mehr und mehr den Inhalt ihrer Botschaft, Christus, und wurden eine römische, christliche Weltinstitution, in der die Offenbarung wieder heimatlos werden musste. Da schuf sie sich in den Reformationskirchen ein neues Zelt, von dem aus die Kräfte der Welt Gottes sich den Völkern [130] mitteilen sollten. Wie wenig Raum hat jedoch heute wieder diese Gotteswelt mit ihrem Leben und Kräften in weitesten Schichten der gegenwärtigen Reformationskirchen und in den ihnen verwandten freikirchlichen Schwestergemeinden!
Noch fehlt Gott innerhalb der Völkerwelt der Berg, auf dem sein Offenbarungstempel eine festgegründete Heimat hat. Noch fehlt Gott das Volk, in dem Er uneingeschränkt das Heil seiner Gegenwart und den Frieden seiner Königsherrschaft entfalten kann. Noch zieht das Fleisch in seiner Macht Ihm in seinem Segnen und Regieren überall Grenzen, noch hat man nirgends dauernd Raum für Ihn und seinen Gesalbten. Noch schreiben Völker und Geschichte immer wieder über ihren Aufbau und über ihre Zukunft, über ihr Leben und über ihr Schaffen: „Nicht dieser!“

Die Weltwehen der Zukunft werden jedoch groß und die Katastrophen über alles vom Menschen im eigenen Geist Geschaffene schwer genug werden, dass die Völker Ausschau halten werden, ob es nicht irgendwo im Chaos der Geschichte eine Offenbarungsstätte gibt, von der aus die untergehende Welt eine neue Zukunft zu gewinnen vermag.
Diese sieht Jesaia in seiner prophetischen Fernschau. Er hört Völker zu Israel als dem Erstgeborenen Gottes 79 sprechen:

„Geht voran! Lasset uns hinauf zum Berge Jahves ziehen, zum Hause des Gottes Jakobs, damit Er uns unterrichte in seinen Wegen, denn auch wir möchten in seinen Pfaden wandeln.“

So werden einst nur müde Völker sprechen, die sich in ihrer Kraft ausgegeben und in ihren Zukunftsplänen erschöpft haben und nun keinen Ausweg mehr finden, um ihrem Leben eine neue, gerechtere und heilbringendere Zukunft zu geben.

Ist die Stunde des Menschen aber erst abgelaufen, dann beginnt Gottes Stunde mit ihrer Thora, d. h. mit ihrem Sprechen und mit der Aktivität ihrer Heilsoffenbarung. Aber mit dieser Stunde werden Umwälzungen im Geistesleben der Völker, in den Machtbestrebungen der Weltmonarchien und in der Gestaltung der Lebensordnungen jeder einzelnen Nation verbunden sein, wie sie die Geschichte bisher nicht gesehen hat.

Jacob Kroeker 1934 – Das lebendige Wort

Die Propheten machen es sehr deutlich, dass in der Mitte des Landes ein sehr hoher Berg wachsen wird, bis er der höchste Berg der Welt wird. Und irgendwo auf diesem höchsten Berg der Welt wird der Tempel des Millenniums errichtet werden.

Eine Stelle, die darüber spricht, ist Jesaja 2:2-4: „Und es wird geschehen in den letzten Tagen, dass der Berg des Hauses Jehovas auf dem Gipfel der Berge errichtet und über die Hügel erhöht wird; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, laßt uns hinaufgehen auf den Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, und er wird uns seine Wege lehren, und wir werden auf seinen Pfaden wandeln; denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Völkern und wird entscheiden über viele Völker; und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln schlagen; es wird nicht mehr Volk gegen Volk das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.

Jesaja sagt in Vers 2 deutlich, dass der Berg, auf dem das Haus Jehovas stehen wird, der höchste aller Berge und bei weitem der erhabenste sein wird, und dass alle Völker in ihrer Anbetung Jehovas auf ihn zugehen werden. In Vers 3 wird von diesem Berg das Gesetz für das Tausendjährige Königreich ausgehen. Und das wird zu einem weltweiten Frieden führen, weil die Differenzen zwischen den Völkern durch das Wort, das laut Vers 4 vom Berg des Hauses Jehovas kommt, beigelegt werden.

Später, in Jesaja 27,13, weist der Prophet darauf hin, dass dieser heilige Berg das Zentrum der weltweiten Anbetung Gottes durch alle Nationen werden wird: Und es wird geschehen an jenem Tag, dass eine große Posaune geblasen wird; und es werden kommen, die im Land Assyrien bereit waren, umzukommen, und die Verstoßenen im Land Ägypten; und sie werden Jehova auf dem heiligen Berg in Jerusalem anbeten.

In der Tat wird dieser große Berg des Hauses Jehovas ein Ort des Gebets für alle Menschen werden, Juden und Heiden gleichermaßen, wie es in Jesaja 56:6-8 heißt: Auch die Fremden, die sich Jehova anschließen, um ihm zu dienen und den Namen Jehovas zu lieben, um seine Diener zu sein, jeder, der den Sabbat hält und ihn nicht entweiht und meinen Bund festhält, auch sie will ich auf meinen heiligen Berg bringen und sie in meinem Haus des Gebets erfreuen; ihre Brandopfer und ihre Opfer sollen auf meinem Altar angenommen werden; denn mein Haus soll ein Haus des Gebets für alle Völker heißen. Der HERR Jehova, der die Ausgestoßenen Israels sammelt, spricht: Ich will noch andere zu ihm sammeln, außer den Seinen, die gesammelt sind.

Wenn die heidnischen Nationen dazu benutzt werden, das Volk Israel wieder zu sammeln, werden sie gemäß Jesaja 66:20 auf diesen Berg des Hauses Jehovas gebracht und wieder gesammelt: Und sie sollen alle deine Brüder aus allen Nationen als Opfergabe für Jehova bringen, auf Pferden und auf Wagen und auf Sänften und auf Maultieren und auf Dromedaren, zu meinem heiligen Berg Jerusalem, spricht Jehova, wie die Kinder Israel ihre Opfergabe in einem reinen Gefäß in das Haus Jehovas bringen.

Jesajas Zeitgenosse, der Prophet Micha, sprach auch über diesen großen Berg in Micha 4:1-4: Aber in den letzten Tagen wird es geschehen, dass der Berg des Hauses Jehovas auf dem Gipfel der Berge errichtet und über die Hügel erhöht wird, und Völker werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt her und laßt uns hinaufziehen auf den Berg des HERRN und zum Hause des Gottes Jakobs; der wird uns seine Wege lehren, und wir werden auf seinen Pfaden wandeln. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem; und er wird richten zwischen vielen Völkern und wird entscheiden über starke Nationen in der Ferne; und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln schlagen; es wird nicht mehr Volk gegen Volk das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. Sondern ein jeglicher wird sitzen unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und niemand wird sie schrecken; denn der Mund des HERRN Zebaoth hat’s geredet.
Diese Worte Michas sind natürlich den Worten Jesajas sehr ähnlich. In Vers 1 wird der Berg, auf dem das Haus Jehovas steht, über jeden Berg und Hügel erhaben sein. In Vers 2 wird das Gesetz Gottes von diesem Tempel ausgehen. Die Tatsache, dass das tausendjährige Gesetzessystem vom Tempel auf dem Berg Jehovas ausgeht, führt in Vers 3 zum Weltfrieden; nicht nur zwischen den Nationen, sondern auch zum persönlichen Frieden zwischen den einzelnen Menschen in Vers 4.
So stellen wir aus diesen Passagen fest, dass es für das Königreich eine große geographische Veränderung im Land Israel geben wird. Ein großer Berg, der höchste der Berge in der Welt, wird im Land Israel sein, und irgendwo auf dem Gipfel des Berges wird der jüdische Tempel stehen

Arnold Fruchtenbaum – Die vier Tempel der Bibel

Kann ich nur das glauben, was ich sehe ?

Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und geglaubt haben!
Elberfelder 1871 – Joh 20,29

Jesus sagte zu ihm: »Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Freuen dürfen sich alle, die mich nicht sehen und trotzdem glauben!«
Gute Nachricht Bibel 2000 – Joh 20,29

Thomas sagte zu ihm: »Mein Herr und mein Gott!« 29 Jesus erwiderte: »Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du.l Glücklich zu nennen sind die, die nicht sehen und trotzdem glauben.«
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Johannes 20,28–29

Jesus’ Reaktion war nur: „Tja, du glaubst das jetzt, weil du das mit deinen eigenen Augen sehen konntest. Gut drauf kommen die, die das nicht können, es aber trotzdem glauben!“
VolxBibel- Johannes 20:29

Meine Frau hat für den Hauskreis „Werbung bei FB“ geschaltet. Ein Willi E* schrieb als Reaktion: „Armselig an so einen Scheiß zu Glauben“. Nunja, wenn es nur Glauben wäre – aber wir sind davon überzeugt! Uns geht es ähnlich wie dem Apostel Thomas in dem obrigen Zitat. Er hatte gesehen, wie Jesus festgenommen wurde. Er hatte bis dahin geglaubt, dass Jesus der verheißene Messias wäre. Dann hatte er die Verurteilung und die Hinrichtung von weitem mitbekommen. Er hatte mitbekommen, wie Jesus mißhandelt wurde, und hatte davon gehört, dass man ihn kaum noch wiedererkennen konnte. Das Grab war REAL!
Und dann die Behauptungen von einigen Frauen, und später von den anderen Aposteln, sie hätten diesen Menschen gesehen – und zwar auferweckt! Wer sollte DAS glauben? Wie sollte jemand, der so zugerichtet war, wieder leben? Ja, spöter, in der Auferstehung der Toten … da, ja, vielleicht. Aber jetzt? Und dann DAS was du oben lesen kannst – in Johannes 20 aufgeschrieben: Jesus erscheint und spricht mit Thomas! Und nein, es ging nicht um die Frage, ob Thomas glaubte, ob Jesus der Messias sei, sondern ob Jesus schon jetzt auferstanden sei und welche Person ER wirklich war! Wäre Jesus mit seinen Peitschenwunden im Gesicht und am ganzen Körper erschienen – dann wäre Thomas wahrscheinlich nicht so verwirrt gewesen! Aber Jesus war „gesund und munter“ nur seine Hand- und Seitenwunden zeigten, dass ER es ist! Nun war Thomas überzeugt, ja er glaubte, dass Jesus auferweckt wurde UND dass er der „Engel des Herrn“, der „Engel Jehovahs“ des AT war! Was für eine Überraschung für Thomas.
Glaubst du das?
Wenn nein, hast du wahrscheinlich noch nie Erfahrungen mit IHM gemacht. Denn wenn du Erfahrungen mit IHM gemacht hast, kannst du nicht mehr „glauben“ wie es heute gemeint ist – dann bist du davon überzeugt, dass es IHN gibt, und dass ER REAL ist.

In Johannes 20:26 heißt es: Und nach acht Tagen waren wieder seine Jünger drinnen, und Thomas mit ihnen.
Eine ganze Woche war zwischen der fünften und sechsten Erscheinung des auferstandenen Messias vergangen. Weil Thomas sich weigerte zu glauben, waren sie eine Woche später immer noch in Jerusalem; sie waren immer noch nicht nach Galiläa gewandert, wie es ihnen bei drei Gelegenheiten befohlen worden war.
Plötzlich erschien Jeschua und sprach direkt zu Thomas. Johannes 20:27 berichtet: … Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände; und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite; und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.
Schließlich hatte Thomas den auferstandenen Messias gesehen. Hat er geglaubt? Ja, in der Tat!
In Johannes 20,28 antwortet Thomas mit den Worten: … Mein Herr und mein Gott.
Er erkannte Jesus nicht nur als seinen Herrn und Messias, sondern auch als seinen Gott. Thomas erkannte deutlich, dass der Messias sowohl Gott als auch Mensch sein sollte. Er wurde ein fester Gläubiger, weil er den auferstandenen Messias gesehen hatte. Oft glauben Menschen, dass die Jünger einen viel größeren Segen hatten, weil sie tatsächlich sehen konnten, was geschehen war. Aber das ist einfach nicht wahr.
Jeschua selbst sagte in Johannes 20:29: … Weil ihr mich gesehen habt, habt ihr geglaubt; selig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben.
Der weitaus größere Segen ist es, auf der Grundlage des geschriebenen Wortes Gottes zu glauben, als auf der Grundlage persönlicher Erfahrung. Diejenigen, die den auferstandenen Messias nicht gesehen haben, aber trotzdem glauben, haben den größeren Segen.
Die Aussage des Thomas zu Jesus: „Mein Herr und mein Gott“, erreicht den Höhepunkt im Johannesevangelium. Johannes‘ Thema in seinem gesamten Evangelium war: Jesus, der Messias, der Sohn Gottes. Er betonte die Gottheit des Messias. Thomas‘ Bekenntnis „Mein Herr und mein Gott“ passt genau in das Thema des Johannes, und so wird der Höhepunkt erreicht.
So zieht Johannes seine Schlussfolgerung in Johannes 20,30-31: „Viele andere Zeichen aber tat Jesus vor den Augen der Jünger, die nicht geschrieben sind in diesem Buch; diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend das Leben habt in seinem Namen.
Mit dem Bekenntnis des Thomas hatte Johannes seine Schlussfolgerung erreicht. Die Aussage von Thomas illustriert den Zweck des Johannesevangeliums: zu zeigen, dass Jeschua tatsächlich der Sohn Gottes ist.

Arnold Fruchtenbaum – Die Auferstehung des Messias

Übers Wasser gehen

Er aber sprach: Komm! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er und sprach: Herr, rette micha! Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihna und spricht zu ihm: Kleingläubigerb, warum zweifeltest duc? Und als sie in das Boot gestiegen waren, legte sich der Winda.
Elberfelder Übersetzung, revidierte Fassung_1985 – Mt 14,29–32

Er sagte: „Komm!“
Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging über die Wasser, um zu Jesus hinzukommen.
Als er aber den starken Wind ansah, fürchtete er sich, und als er anfing zu sinken, schrie er mit den Worten: „Herr, rette mich!“
Sogleich streckte Jesus die Hand aus und fasste ihn.
Und er sagt zu ihm: „Kleingläubiger, zu was2665 zweifeltest du?“
Und als sie in das Schiff gestiegen waren, legte sich der Wind. 33 Aber die im Schiff kamen und huldigten ihm.
Und sie sagten: „Wahrlich, du bist Gottes Sohn!“
Jantzen Jettel 2017 – Matthäus 14,29–33

Jesus sagte:
»Komm!«
Da stieg Petrus aus dem Boot,
ging über das Wasser
und kam zu Jesus.
Aber auf einmal merkte er,
wie stark der Wind war
und bekam Angst.
Er begann zu sinken
und schrie:
»Herr, rette mich!«
Sofort streckte Jesus ihm die Hand entgegen
und hielt ihn fest.
Er sagte zu Petrus:
»Du hast zu wenig Vertrauen.
Warum hast du gezweifelt?«
Dann stiegen sie ins Boot –
und der Wind legte sich.
Und die Jünger* im Boot warfen sich vor Jesus nieder.
Sie sagten:
»Du bist wirklich der Sohn Gottes!«
BasisBibel – Matthäus 14:29–33

Wem vertraue ich? Und wohin schaue ich?
Dieser Bibelvers war schon zwei Mal in der Vergangenheit ausgewählt: einmal die Frage nach der Furcht und Panik aber auch die Frage nach dem Gehorsam, einfach zu kommen und zu gehen.

Jeschua ging nicht auf das Boot zu, sondern in eine Richtung, in der er an ihnen vorbeigegangen wäre (Mk. 6:48). Die Lektion, die sie lernen mussten, als er scheinbar vorbeiging, war, dass sie ihn um Hilfe anrufen müssen. Meier zieht eine Parallele zwischen Jeschuas Vorbeigehen an seinen Jüngern und Berichten in den hebräischen Schriften, in denen es heißt, dass Gottes Gegenwart in einer Theophanie an jemandem vorbeigegangen sei (z.B. Ex 33,22). Er kommt zu dem Schluss, dass Jeschua sich seinen Jüngern „in seiner ganzen göttlichen Majestät und Macht offenbarte, indem er seine Herrschaft über die widerspenstigen Kräfte von Wind, Meer und Wellen demonstrierte. Er handelt ihnen gegenüber so, wie Jahwe oder die personifizierte göttliche Weisheit Jahwes im AT handelt.“

Zu sehen, wie Jeschua sich dem Boot näherte, tröstete die Jünger nicht, sondern erschreckte sie (Joh. 6,19). Sie glaubten, sie sähen eine Erscheinung; als sie ihn aber auf dem Meer wandeln sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien; denn sie sahen ihn alle und erschraken (Mk. 6,49-50). Matthäus fügt hinzu: Sie erschraken und sprachen: Es ist ein Gespenst; und sie schrien vor Furcht (Mt. 14,26). Lachs merkt an: „Ein Beispiel für ein ‚Gespenst‘ im MT ist der Geist Samuels, der von der Hexe von En-Dor von den Toten auferweckt wurde. Das Sehen seltsamer Phänomene auf dem Wasser wird an mehreren Stellen in der rabbinischen Literatur berichtet.“[ 1152 ] Vielleicht waren die Jünger ängstlich, weil sie diese sich nähernde Gestalt für den Todesengel hielten.

An diesem Punkt tröstete Jeschua sie: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht (Mk. 6,50). Im Neuen Testament wird das griechische Wort für „guten Mutes sein“, tharseó, nur in Bezug auf Jeschua verwendet. Als die Apostel erkannten, dass es Jeschua war, der auf dem Wasser auf sie zuging, legte sich ihre Angst: Sie waren daher bereit, ihn in das Boot aufzunehmen (Joh 6,21).

Matthäus fügte den Bericht über Petrus hinzu, der darum bat, auf dem Wasser auf Jeschua zugehen zu dürfen (Mt. 14,28). Jeschua forderte ihn auf, dies zu tun, und sagte: „Komm“ (Mt. 14,29). In der Tat stieg Petrus im Glauben aus dem Boot und ging auf dem Wasser, um zu seinem Messias zu gehen. Jeschua erlaubte, dass dieses Wunder zu Petrus‘ Gunsten geschah, und solange der Apostel seine Augen auf Ihn gerichtet hielt, konnte er auf dem Wasser gehen. Irgendwann jedoch wandte der Jünger seine Augen vom Herrn ab und schaute auf den Wind: Als er aber den Wind sah, fürchtete er sich und begann zu sinken (Mt. 14:30a). Petrus wartete nicht, bis er gesunken war, bevor er um Hilfe rief. Als er zu sinken begann, rief er: Herr, rette mich (Mt. 14,30b), und Jeschua rettete ihn, indem er seine Hand ergriff (Mt. 14,31a). Die Lektion, die Petrus daraus lernen musste, war, dass er nicht nur im Glauben beginnen, sondern auch im Glauben weitergehen muss. Jeschua betonte diesen Punkt, als er sagte: „O du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? (Mt. 14:31b). Außerdem beinhaltete die Lektion den Grundsatz, dass Gehorsam gegenüber Jeschuas Befehl nicht automatisch alle Hindernisse beseitigt. Jeschua befahl Petrus zu kommen, aber das war keine Garantie dafür, dass der Wind aufhören würde. Der Wind wehte immer noch, und das war es, was Petrus so ängstlich werden ließ. Wenn ein Mensch Hindernisse erlebt, ist er nicht unbedingt außerhalb von Gottes Willen oder interpretiert seinen Befehl falsch. Er muss weiterhin Gehorsam üben und Gott erlauben, die Hindernisse zu seiner Zeit zu beseitigen. Erst als Jeschua in das Boot stieg, hörten die Winde auf (Mt. 14:32; Mk. 6:51). Jochanan fügte hinzu: Und alsbald war das Boot an dem Land, wohin sie fuhren (Joh 6,21). Sie hatten sich in der Mitte des Sees abgemüht, und plötzlich waren sie am Ufer; Jeschua brachte sie in Sicherheit. Sie würden an diesem Tag nicht mehr rudern müssen.

Sie mussten lernen, sich in jeder Situation auf den Messias zu verlassen. Diese Lektion hätten sie schon bei der Speisung der Fünftausend lernen sollen, worauf Markus hinweist: „Und sie entsetzten sich sehr über sich selbst; denn sie verstanden nichts von den Broten, sondern ihr Herz war verstockt“ (Mk. 6,51-52). Ihr Versagen, diese Lektion zu lernen, erklärte, warum sie im Boot so ängstlich waren. Matthäus berichtet: Und die im Boot waren, beteten ihn an und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn (Mt. 14,33). Hier ist ein Beispiel für gute Theologie, aber schlechte Anwendung. Die Jünger wussten eindeutig, dass er der Sohn Gottes war (gute Theologie); aber sie hatten nicht gelernt, sich auf ihn zu verlassen (schlechte Anwendung). Sie wurden ängstlich in einer Situation, in der sie dem Herrn hätten vertrauen sollen. Geistliches Leben ohne gute Theologie ist unmöglich. Auf der anderen Seite führt eine gute Theologie ohne gute Anwendung zu geistlicher Leere. Der Gläubige muss gute Theologie auf das tägliche Leben anwenden.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Sobald die Jünger diese wundersame Tatsache begriffen hatten, war Petrus außer sich vor Freude. Als ob er es noch immer nicht glauben konnte, rief er aus: »Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm!« (Matthäus 14,28.29a EÜ)
Den Blick auf Jesus gerichtet, ging Petrus sicher über die Wasseroberfläche. Als er aber selbstzufrieden auf seine Gefährten im Boot zurückschaute, verlor er den Erlöser aus den Augen. Der Wind tobte. Die Wellen schlugen an ihm hoch und türmten sich zwischen ihm und Jesus auf. Da überkam ihn große Angst. Für einen Augenblick verlor er Christus aus den Augen, und sein Glaube geriet ins Wanken. Petrus begann zu sinken. Aber während ihn die Wogen mit dem Tod bedrohten, wandte Petrus seinen Blick weg von den tobenden Wassern. Er schaute auf Jesus und flehte: »Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?« (Matthäus 14,30b.31 EÜ)
Sie schritten Seite an Seite – Petrus an der Hand seines Herrn – zum Boot und stiegen ein. Petrus aber war ganz kleinlaut geworden und schwieg. Er hatte keinen Grund, vor seinen Gefährten zu prahlen, weil er wegen seines Unglaubens und seiner Überheblichkeit beinahe das Leben verloren hätte. Sobald er seinen Blick von Jesus abgewandt hatte, verlor er den Halt unter seinen Füßen und versank in den Fluten.
Wie oft gleichen wir doch Petrus, wenn Schwierigkeiten auf uns zukommen! Anstatt unseren Blick fest auf den Erlöser gerichtet zu halten, schauen wir auf die Fluten. Unsere Füße gleiten aus, und die »stolzen Wellen« (Hiob 38,11) schlagen über uns zusammen. Jesus hatte Petrus nicht aufgefordert, zu ihm zu kommen, damit er untergehe. Er fordert auch uns nicht auf, ihm nachzufolgen, um uns dann im Stich zu lassen. »Fürchte dich nicht«, sagt er, »denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland.« (Jesaja 43,1b–3a)
Jesus kannte den Charakter seiner Jünger. Er wusste, wie schwer ihr Glaube noch geprüft werden sollte. Durch diesen Vorfall auf dem See erhoffte sich Jesus, dass Petrus seine eigenen Schwächen erkennt. Er wollte ihm zeigen, dass seine Sicherheit immer von der göttlichen Macht abhängig ist. Inmitten von Stürmen der Versuchung konnte er nur sicher gehen, wenn er sich frei von überheblichem Selbstvertrauen ganz auf den Erlöser verließ. Gerade da, wo sich Petrus stark fühlte, war er schwach. Erst als er seine eigene Schwäche erkannte, wurde ihm bewusst, wie sehr er auf Christus angewiesen war. Hätte er aus diesem Erlebnis auf dem See gelernt, was Jesus ihm sagen wollte, hätte er in der großen Prüfung, die ihm noch bevorstand, nicht versagt.
Tag für Tag unterweist Gott seine Kinder. Durch die Dinge des täglichen Lebens bereitet er sie darauf vor, größere Aufgaben zu übernehmen – Aufgaben, zu denen er sie in seiner Vorsehung bestimmt hat. Der Ausgang dieser täglichen Prüfungen entscheidet über ihren Sieg oder ihre Niederlage in großen Lebenskrisen.
Wer nicht einsieht, dass er ständig auf Gott angewiesen ist, wird von der Versuchung überwältigt werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt mögen wir denken, dass wir sicher stehen und nie fallen werden. Wir mögen vertrauensvoll sagen: »Ich weiß, an wen ich glaube, nichts kann meinen Glauben an Gott und sein Wort erschüttern!« Aber Satan bemüht sich ständig, aus unseren ererbten und anerzogenen Charakterzügen Vorteile zu ziehen und uns gegenüber den eigenen Bedürfnissen und Fehlern blind zu machen. Wir sind nur dann auf einem sicheren Weg, wenn wir unsere Schwachheit erkennen und unverwandt auf Jesus schauen.
Kaum hatte Jesus im Boot Platz genommen, hörte der Sturm auf. »Und sogleich war das Boot am Land, wohin sie fahren wollten.« (Johannes 6,21b) Auf die Nacht des Schreckens folgte das Licht der Dämmerung. Die Jünger und andere, die mit ihnen im Boot gewesen waren, fielen Jesus dankbar zu Füßen und sprachen: »Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!« (Matthäus 14,33)

Ellen White – Der Sieg der Liebe: Das Leben von Jesus Christus

Nur bei Matthäus finden wir diesen Bericht über Petrus. Offenbar bewahren alle Apostel und Evangelisten Zurückhaltung bei Ereignissen, in denen ein bestimmter Jünger im Mittelpunkt steht bzw. herausgehoben ist. Deshalb nennt sich z. B. Johannes nur selten direkt. Vermutlich schreibt Matthäus deshalb über Petrus, weil er als der Lehrer unter den Evangelisten hier wieder den großen und den kleinen Glauben darlegen konnte. »Da begann Petrus zu sprechen und sagte zu ihm«: Das Wort, das im Luthertext durch »antwortete ihm« wiedergegeben ist, drückt in der Ursprache Jesu eigentlich den Beginn des Sprechens aus. Deshalb übersetzen wir mit »begann zu sprechen«. Was Petrus sagt, bestätigt das Wunder. Er hat durch die Erkenntnis des wunderbaren Handelns Jesu so viel Mut gefasst, dass er nun meint, dasselbe tun zu können: »Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, über das Wasser zu dir zu kommen.« In diesem Wort liegt eine Wahrheit, die wir nicht überlesen sollten. Diese Wahrheit steckt in dem »dann befiehl mir». Petrus springt nicht einfach ins Wasser. Er will es nur auf Jesu Wort hin tun (vgl. Lk 5,5). Deshalb konnte er auch tatsächlich »über das Wasser kommen«. Wenn wir ein sicheres Wort Jesu haben, können wir alles tun.

Und Jesus befiehlt, was Petrus wünscht: »Komm!« Warum? Jesus gehört nicht zu denen, die leicht beeinflussbar sind. Gerade nach dem langen und innigen Gespräch mit dem Vater lebt (Mt 14, 23) und handelt Jesus ganz in der Einheit mit dem Vater. Er wusste also, was mit Petrus geschehen würde. Aber er will Petrus etwas zeigen, was dieser offenbar nur durch praktische Erfahrung begreifen kann. Und zugleich prägt er den Jüngern etwas unauslöschlich ein. Jesus ist nicht nur ein unübertrefflicher Seelsorger, sondern auch ein unübertrefflicher Pädagoge. »Petrus stieg über die Bootswand hinab«: Wie entschlossen ist dieser Mann! Er fing nicht nur an zu sprechen, sondern er fing auch an zu handeln. Petrus warf tatsächlich auf Jesu Wort hin das Netz nochmals aus (Lk 5,5). Er ist’s, der bereit war, für Jesus zu sterben (Lk 22,33). Er folgte Jesus nach in des Hohenpriesters Palast, er zog in Gethsemane das Schwert (Joh 18,10-15ff.). Er muss während der Jahre mit Jesus ein leidenschaftlicher und schneller Mann gewesen sein. Die frühesten Bildnisse in Rom aber zeigen ihn milder und stiller. Dieser Petrus hat ja bitter lernen müssen, dass es mit unserer menschlichen Kraft nichts ist. Er steht nicht nur als Sprecher der Jünger vor uns, sondern auch als Verleugner Jesu, als der gescholtene Missionar, als Flüchtling, als knapp dem Tode Entronnener (Gal 2,11ff.); Apg 12,3ff.).

In diesen lebenslangen Lerngang des Petrus gehört auch das hier beschriebene Ereignis hinein. Alles fängt gut an: er »ging auf dem Wasser und kam zu Jesus«. Doch das Ende sieht anders aus. Warum? »Als er aber den Wind sah, packte ihn die Furcht.« Solange er auf Jesus hört, kann er über die Elemente schreiten, ist er Sturm und Wellen überlegen. Solange er auf Jesus sieht, hat er Glauben und Kraft. In dem Moment aber, wo der Wind ihm Jesu Bild verwischt, »begann er zu sinken«. Ist das nicht ein Urbild unseres Lebens? Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen, sagt David in Ps 18,30 . Als aber die Kundschafter Israels die Riesen sahen, da verzagte ihr Herz (4 Mose 13,27ff.). Solange wir in Jesu gegründet sind, können wir den Stürmen des Lebens trotzen. Aber wenn unser Blick fasziniert ist durch andere Mächte, dann werden wir schwankend und verlieren den Boden unter den Füßen. So ist es Petrus gegangen: Dan »packte ihn die Furcht« an Stelle des Vertrauens. Und doch bleibt dieser Petrus in einem vorbildlich: »Während er zu sinken begann, schrie er: Herr, rette mich!« So viel können wir auch: Während des Sinkens zum Herrn schreien. Dan wird blitzartig klar, dass eigene Kunst und Kraft überhaupt nichts fertig bringt. Petrus beißt auch nicht in Einbildung und Trotz die Zähne aufeinander, um es selbst zu schaffen. Nein, er sieht die Situation völlig klar: »Herr, rette mich!« Übrigens ist dieses Wort doppelsinnig. Es gilt ja auch in Bezug auf das Versinken in Sünde, nicht bloß auf das Versinken in Schwachheit.

»Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus und ergriff ihn.« Schon einmal (Mt 14, 27) begegnete uns das »sofort« des helfenden Messias. Für Jesus ist es nur ein Griff, um endgültig zu helfen. So mächtig zieht uns Jesus heute noch aus Schwachheit und Sünde heraus. Aber er muss Petrus eine Frage stellen: »Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?« Schon zum dritten Mal begegnet uns der Begriff »Kleingläubiger«. Wir werden ihm noch öfter begegnen (vgl. Mt 6,30; 18,26; 14,31; 16,8; 17,20 ; sodann Mt 28,17). Zu Mt 6,30 ist er näher erklärt. Hier bezieht sich Jesus darauf, dass Petrus die Elemente für wichtiger hält als ihn, den Herrn. Das erhellt auch, was mit dem »zweifeln« gemeint ist. Wenn ein Jünger an der Macht und Gegenwart Jesu zweifelt, ist das sicherlich Sünde. Die Sünde ist geringer, wenn ein noch Ungläubiger erst zögernd zum Glauben findet. Wo sich aber Zweifel an der eigenen Selbstgerechtigkeit oder Zweifel an sog. Wahrheiten regt, die nicht von Gott stammen, da ist der Zweifel begrüßenswert und hilfreich. In dieser Hinsicht kann der Zweifel auch fruchtbar für die Forschung sein. Doch wie gesagt – hier meint es Jesus im Blick auf den Vertrauensmangel. Wie oft hat der Herr in unserem Leben schon Grund gehabt zu dieser Frage: »Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?« »Und als sie in das Boot stiegen, legte sich der Wind«, erzählt Matthäus knapp. Hier bedurfte es nicht einmal eines ausdrücklichen Wortes Jesu. Seine Gegenwart und sein Wille allein schaffen Rettung aus der Not und Ruhe für die Elemente.

Gerhard Maier – Edition C

Und wie viele Schritte hätte ich geschafft?

Würde ER uns überraschen?

Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. (Eig schnell, eilends) -Amen; komm, Herr Jesus!
Elberfelder 1871 – Offb. 22,20

Es spricht der, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt: ‚Ja; ich komme eilends.‘ “„Amen! Komm, Herr Jesus.“
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Offenbarung 22,20

Es spricht, Der solches zeugt: Ja, Ich komme schnell, Amen! Ja, komm, Herr Jesus! Offb 22,12; Joh 21,25; 2Tim 4,8; Röm 16,20.24.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Offenbarung 22,20

Lehrreich ist die Betrachtung der Schlußworte der Evangelien. Matthäus schließt mit der Auferstehung, Markus mit der Himmelfahrt, Lukas mit der Verheißung des Geistes, Johannes mit der Mitteilung des Geistes und der Verheißung des Wiederkommens. „Ja, ich komme bald!“ ist das letzte Wort Jesu an die Menschen (Offenbarung 22,20)

Carl August Flügge – Bibelarbeiten aus Der Bibelforscher

In den letzten Zeiten wird die Verführung des Teufels besonders stark sein, auch mit verführerischen Zeichen und Wundern. Jesus prophezeite eine Zeit der großen Trübsal auf der Erde, wie sie nie vorher stattfand und nie nachher stattfinden wird (Mt 24,21). Diese Zeit wird in der Offenbarung des Johannes beschrieben (Off 7,14). Die verheißene Erweckung für Israel wird vielleicht zu dieser Zeit stattfinden (Röm 11,25-27; Off 7,1-8; 14,1-5). Viele Menschen werden in der letzten Zeit gerettet werden, auch wenn sie mit ihrem Leben bezahlen müssen, wenn sie den Forderungen der gottlosen Mächte widerstehen (Off 7,9-14).
In der letzten Zeit wird Jesus persönlich zur Erde wiederkommen, begleitet von einer Armee der Heiligen (Off 19,11-14). Alle Feinde werden besiegt und Jesus wird sein Reich einrichten. Zuerst wird er eintausend Jahre herrschen; dann wird der Teufel ein letztes Mal versuchen, Jesus zu zerstören. Der Teufel und seine Nachfolger werden entscheidend und endgültig niedergeschlagen. Dann werden alle ungläubigen Menschen gerichtet werden, deren Namen nicht im Buch des Lammes geschrieben stehen (Off 20,7-15). Gott wird alle Tränen der Gläubigen abwischen (Off 21,4) und sie werden mit großer Freude in dem neuen Himmel und auf der neuen Erde leben. Gott und das Lamm werden in aller Ewigkeit herrschen (Off 21,1-5). „Jesus spricht: ‚Ja, ich komme bald.‘ – Amen, ja, komm Herr Jesus!“ (Off 22,20)

ERF – Bibelkunde Neues Testament Teil II

Die zweite Bestätigung bezeugt die Wahrhaftigkeit all dessen, was Johannes geschrieben hat, indem sie besagt, dass er bald wiederkommen wird, um alle Prophezeiungen, die in diesem Buch enthalten sind, zu erfüllen. Der Begriff „bald“ bezieht sich auf die Wiederkunft des Messias bei der Entrückung aus Gottes Sicht. Gott ist nicht an die Zeit gebunden, wie wir sie kennen, und die Vergangenheit und die Zukunft sind für Ihn genauso lebendig wie die Gegenwart. Für den Gläubigen betont der Begriff die Unmittelbarkeit, was bedeutet, dass Er in jedem Moment kommen könnte. Obwohl seit dieser Bestätigung fast zweitausend Jahre vergangen sind, sollen die Heiligen dennoch immer bereit sein und auf das Erscheinen des Sohnes Gottes warten.

Arnold Fruchtenbaum – Die Fußstapfen des Messias : eine Studie über die Abfolge der prophetischen Ereignisse

Die Wiederkunft Jesu wird nicht in einem mystischen „Innewohnen“ im Herzen derer, die an Jesus glauben, oder in einem weitergehenden Einfluss auf die Menschheit bestehen. Das erste Kommen Jesu war von Seiner Geburt bis zu Seinem Tod ein buchstäbliches. Dasselbe wird auf das zweite Kommen Jesu zutreffen. Apg 1,11 ist sehr deutlich: „Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel“ sagten die Engel, als Jesus sichtbar und körperlich in den Himmel zurück ging. Bei Seiner Wiederkunft wird es sich nicht um einen anderen Jesus oder um einen geistlichen Jesus, oder um einen unsichtbaren Jesus handeln. Es wird derselbe Jesus sein, der persönlich auf diese Erde zurückkommen wird. Die Kinder Gottes freuen sich darüber, die Ungläubigen zittern. Im letzten Gebet der Bibel heißt es: „Komm, Herr Jesus!‘ (Offb 22,20).

Warum muss Jesus Christus zur Erde zurückkehren? Jesus kommt wieder um die alttestamentlichen Prophezeiungen über einen Messias, der auf der Erde herrscht, zu erfüllen. Als Jesus auf der Erde lebte, waren viele Zeitgenossen Jesu verwundert, dass Er den Römern nicht die Macht aus den Händen nahm und ein messianisches Reich errichtete. Die Propheten schrieben, dass Er von Jerusalem aus herrschen wird (Jes 24,23), dass Er die Feinde Israels demütigen wird (Ps 47,4), dass Israel herrschen wird (Sach 8,23), dass Er die ganze Welt Seiner Autorität unterwerfen wird (Ps 2,6-8; 110,1-3), und dass Er den Thron Seines Reiches auf ewig begründen wird (2Sam 7,13). Die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu erkannten nicht, dass das Alte Testament zwei Kommen des Messias, nicht nur eines, prophezeite. Zuerst, so wird im Alten Testament prophezeit, wird Er als leidender Gottesknecht kommen, der für die Sünden Seines Volkes sterben muss. Später wird Er dann als Herrscher und König kommen.

Jean Gibson – Training im Christentum

Es spricht, der dies alles bezeugt: Ja, ich komme bald. Durch das verstärkende Ja durchschlägt er jedes Wenn und Aber. Strahlend steht die Verheißung im Raum. Er kommt gewisslich.

Bei dem, was Johannes antwortet, mag er erwartet haben, dass es die ganze Gemeinde mitspricht: Amen, komm, Herr Jesus. Die hebr Bekräftigung Amen deckt sich ihrem Sinne nach mit dem Ja, das hier der Herr spricht. Beide Bekräftigungsformeln finden sich 1,7 |574| nebeneinander, und zwar im Munde des Johannes. Hier treten sie auseinander und verteilen sich auf den Herrn und die antwortende Gemeinde. Sie bringen einen Gleichklang in Wort und Antwort, ein Ineinanderfließen und inniges Sichverschränken: Ja, ich komme – ja, komme du!

Nicht nur das hebr Amen hatte in der Urchristenheit formelhaften Klang. Auch das folgende Sätzchen „Komm, Herr Jesu!“ gehörte in der Form des aramäischen Maranatha in die gottesdienstliche Sprache – 1 Ko 16,22; Phil 4,5; Didache 10,6. – . Die Bitte wiegt schwer. Sie verrät in den genannten Stellen durchweg den Charakter eines Drohwortes gegen verfälschtes und selbstgemachtes Christentum. Sie ist Herbeirufung des Richters und erbittet praktisch mit dem Vergehen dieser Welt auch das Ende des geschichtlich gewordenen Christentums. Wer so betet, betet darum zu einem gut Teil auch gegen sich selbst; denn was bleibt, wenn der Herr kommt? Diese Frage will einschließlich des in ihr enthaltenen Selbstgerichtes ermessen sein. Darum spricht sich das Ja zum Maranatha nicht so leicht. Allein die Kraft des Heiligen Geistes kann es in uns wirken (s. z. V. 17).

Wuppertaler Studienbibel

Und bin ich HEUTE bereit, falls ER heute kommen würde? Oder glaube ich, was ich früher gelernt habe, dass noch bestimmte Dinge passieren mü´ßte – und verschiebe deshalb Sein Kommen auf überübermorgen?

Neugeborne?

die ihr nicht wiedergeboren (O. wiedergezeugt) seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes;
1 Petrus 1,23 (Elberfelder 1871)

Ihr seid doch als neue Menschen wiedergeboren worden, aber diesmal nicht gezeugt durch den Samen von sterblichen Menschen, sondern durch das Wort Gottes, das lebt und für immer bestehen bleibt.
Gute Nachricht Bibel 2000 – 1.Petrus 1:23

als Neugeborne, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige und ewige Wort Gottes.
van Ess 1858 – 1 Petr 1,23

Ihr habt ja einen kompletten Neustart hingelegt, ihr seid wie neugeboren! Und diese neue Geburt hatte ja nichts mit dem Samen von eurem Vater zu tun. Der Same kam durch Worte, die Gott in euer Leben gesprochen hat, Worte, die immer gelten, die lebendig sind und lebendig bleiben.
VolxBibel – 1.Petrus 1,23

und schon wieder das Thema „Wiedergeburt“ – und wohl jeder hat sein eigenes Bild, was die Bibel damit meinen könnte.
Wie kann es sein, dass Petrus hier von unvergänglichem Samen spricht? Würde dass heißen, dass wir doch nicht sterben? Oder nur ein Teil? Oder ist diese Sicht, die Petrus beschreibt, die Sicht eines unsichtbaren Schöpfers, der „über Raum und Zeit“ steht, und deshalb einen ganz anderen Blick auf uns hat, als wir mit unseren Vorstellungen?

ἀρτιγέννητος*
(→ νεόφυτος)

Neugeboren, selten, doch nachgewiesen bei Luc Alex 13; Longus 1, 9; 2, 4.
Im NT in der Verbindung αρτιγέννητα βρέφη 1 Pt 2, 2, eine übliche Wendung, wie Luc Dial Marit 12, 1: βρέφος αὐτῆς ἀρτιγέννητον beweist. Über die hinter der Wendung stehende Wiedergeburtsvorstellung des 1 Pt → ἀναγεννάω, über die Vergleichung des eben übergetretenen Proselyten mit einem neugeborenen 25 Kinde → γεννάω 664, 28ff. Ob die Leser eben erst bekehrt sind oder der Brief bzw 1, 3–4, 11 gar eine Taufansprache ist1, bleibt fraglich. Denn im Blick auf das ewige Wort Gottes (vgl 1, 23–25) sind alle Menschen ebengeborene.

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament 1933

Wiedergeburt. In Joh 3,3 erklärt Jesus dem Nikodemus, der nachts zu ihm kommt: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen“; er meint damit Geburt aus dem Geist (und „von oben“). Vorstellungen von Wiedergeburt gab es schon bei den Pythagoreërn, Stoikern und verschiedenen Mysterienreligionen. Das AT (und daher auch Qumran) denken an eine Wiederherstellung des Volkes Israel (eine Erneuerung von Grund auf). Mt 19,28 verheißt für die Zeit, „wenn die Welt neu geschaffen wird“, den Aposteln die zwölf Throne. Man spricht in der Übernahme des hier verwendeten griech. Vokabels von Palingenese (= Wiedergeburt).
Ähnlich klingt das zweimalige paulinische Wort von der „Neuschöpfung“ (2 Kor 5,17; Gal 6,15). Der Mensch muss also durch Glaube und Taufe in eine neue Existenz hineingenommen werden; dies vermag nicht das „Fleisch“ (der irdische Mensch), sondern nur Gottes neues Wirken im Geist (1 Petr 1,3.23). Diese Wiedergeburt beinhaltet die Fähigkeit, aber auch die Verpflichtung zu einem praktischen Leben aus dem Geist und in geschwisterlicher Liebe. ms

Herders Neues Bibellexikon – 2008

Geboren, aus Gott geboren, von neuem geboren
• Siehe auch Bekehren, Bekehrung; Gezeugt; Kinder Christi; Natürlicher Mensch; Söhne und Töchter Gottes; Taufe, taufen
Eine mächtige Wandlung im Herzen, durch den Geist des Herrn verursacht, sodass der Mensch kein Verlangen mehr hat, Böses zu tun, sondern nach dem zu trachten, was von Gott ist.

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Schriftenführer

In diesem Abschnitt werden Menschen, deren Leben von Schlechtigkeit geprägt ist, als „Kinder des Teufels“ bezeichnet, ein Gegensatz zu den geistlichen „Kindern Gottes“. Dies ist eine geistliche Abstammung, da die Kinder Gottes „Gottes Samen“ in sich wohnen haben, ein Hinweis auf den Heiligen Geist. Petrus greift denselben Gedanken in 1 Petrus 1,23 auf, wo er die Wiedergeborenen (wörtlich: „von oben“) als nicht als sterbliche Nachkommen oder Samen, sondern als „unvergänglichen Samen“ durch das Wort Gottes beschreibt. Die Sprache deutet also auf die geistige Nachfolge Jahwes oder auf das Beispiel des ursprünglichen Rebellen, des Nachasch, hin.

Michael S. Heiser – Das unsichtbare Reich

Nun haben ja einige Leser hier früher gelernt, dass es nur eine „kleine Gruppe von wiedergeborenen“ gibt. Das würde ja dann bedeuten, dass die „große Volksmenge“ weiterhin Kinder des Rebellen wären, wenn nur die „144000“ zu Kindern Jehovas werden – oder?

Wiedergeburt ist aber auch die Frucht des schöpferisch en Wortes. Oder ist es eine Wiederholung wenn es im 3. Verse heißt: „Wiedergeboren durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“, und andererseits der Apostel hier in Vers 23 die Wiedergeburt zurückführt auf das lebendige, ewige Gotteswort?
Diese Zurückführung der Wiedergeburt einerseits auf die Tatsache „der Auferstehung Jesu Christi“ und andererseits auf „das lebendige Gotteswort“ ist weder eine Wiederholung noch ein innerlicher Widerspruch. Petrus zeigt vielmehr, in welch eine Lebenssphäre wir durch das lebendige Gotteswort, das sich in uns als eine schöpferische Gottestat auswirkte, hineinversetzt worden sind, nämlich in die Lebenssphäre des Auferstandenen. Wie klar bezeugt der Apostel Paulus besonders im Epheser- und Kolosserbrief immer wieder, dass dieser Christus, der zwar gekreuzigt, aber auferstanden ist, hinfort gesetzt worden ist zum Haupt seiner Gemeinde.
Oder sollte das Leben des Hauptes in einer anderen Geistes- und Lebenssphäre liegen als das Leben der Glieder? Sollte nicht vielmehr die Kraft, die sich in dem Auferstandenen auswirkt, auch das Leben derer sein, die sich mit Ihm der Welt gekreuzigt, aber auch mit Ihm auferweckt wissen für dasselbe Leben? Das Christus leben des Auferstandenen ist auch der Anbruch des neuen Lebens in den Christusjüngern.
Wenn das wahr ist, dass die Tat des Erbarmens in unserer Wiedergeburt immer wieder der Tiefe des Falles und der Ohnmacht unseres Zustandes entsprach, was will uns das sagen? Nun nichts anderes, als was wir im Liede bekennen: „Da wir zu Ihm nicht konnten kommen, kam Er zu uns von oben her.“ Wir wurden von Gott gefunden in der Ohnmacht, in der wir uns befanden. Gott stieg durch sein Wort hinab in unsere Gebundenheit, in der auch wir lebten. Dort hat uns sein ewiges Erbarmen ausgesucht und zu uns gesprochen. Denn Gott suchte einst einen Kain als Mörder. Er fand einen David als Ehebrecher. Er begegnete einem Judas und sprach zu ihm: „Verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuss?“ Er trat einem fanatischen Pharisäer von Tarsus in den Weg und rief ihm ins Gewissen: „Saul, Saul, was verfolgst du mich ?“ Er fragte einen Petrus: „Hast du mich lieber, denn mich diese haben?“ Das war das Erbarmen, das hinabstieg in die Ohnmacht der Betreffenden, um sie aus ihrem Fall zurück in die Gemeinschaft mit Gott zu führen.
Und wenn Gott zu uns sprach, dann sprach Er in der Sprache, in der wir Ihn verstehen konnten. Nur ein Satz, eine Erklärung, eine Anregung und es fiel auch uns gleich einem Saul von Tarsus wie Schuppen von unseren Augen, dass wir Ergriffene von Jesus Christus geworden seien.

Jakob Kroeker – ER sprach zu mir

Nachdenken
Christen werden durch das Wort neu geboren (1 Petrus 1,23). Man denkt bei „Gottes Wort“ automatisch an die Bibel. Petrus aber hat kein geschriebenes Wort im Blick, sondern ein verkündigtes (1 Petrus 1,25). Dieses Wort ist wie ein Same ins Herz gefallen und aufgegangen. Welch ein Wunder: Aus einem kleinen Samenkorn wächst eine ganze, große Pflanze. Welch ein Wunder: Aus einem verkündigten Wort (das natürlich in der Bibel seine wichtigste Quelle hat), wächst ein ganzes, großes Leben. Alles ist bereits im Samen angelegt. Es wartet nur darauf, voll entfaltet zu werden. Dazu gehört auch die Fähigkeit zur Liebe (1 Petrus 1,22). Diese muss ich nicht selbst entwickeln, ich darf sie entfalten. Und meine Liebe ist das sicherste Zeichen dafür, dass der Same „aufgegangen“ ist (vgl. 1 Johannes 3,14; 1 Johannes 4,7-12).
Christen erhalten das Leben aus dem Wort. Und sie entfalten das Leben mit dem Wort. Ein Baby „weiß“, dass es Milch braucht und verlangt entsprechend energisch danach. So sollen auch Christen sich nach dem ausstrecken, was Leben fördert. (1 Petrus 2,2). Dazu kann es nötig sein, sich dem zu entziehen, was Leben zerstört: betrügen, boshaft sein, … (1 Petrus 2,1).
Gottes Wort bleibt in Ewigkeit (1 Petrus 1,25). Auch die Liebe bleibt in Ewigkeit (vgl. 1 Korinther 13,13). Wer also die Liebe in seinem Leben „kultiviert“ (V. 22), hat Zukunft!
Weiterdenken
„Es ist so eingerichtet, dass die Muttermilch nicht von selbst in den Mund des Säuglings fließt, dass das Kind sie vielmehr saugen muss. Das ist’s, was ein Mensch im Gebet für seine geistliche Nahrung tut.“ (Saddhu Sundar Sin

ERF – 1.Petrus

In den Versen 22-23 spricht Petrus das Gebot der Liebe aus: liebt einander aus [glühendem, innbrünstigem] Herzen. Das griechische Wort für Liebe lautet agape; das ist Liebe, die vom Willen des Menschen hervorgebracht wird. Es soll eine gegenseitige Liebe sein: Liebt einander. Die Quelle dieser Liebe: Sie sollte aus dem Herzen kommen. Die Intensität dieser Liebe: Sie sollte glühend sein. Diese Art der Liebe soll im höchstmöglichen Maße praktiziert werden. Petrus zeigt die Grundlage für dieses Gebot der Liebe auf und weist auf vier Aspekte hin. Der erste Aspekt: ihre gereinigten . . . Seelen. Das befasst sich mit moralischer Reinigung. Sie ist weder zeremoniell noch äußerlich; es handelt sich um eine moralische Reinigung. Ihre Seelen sind gereinigt worden. Der zweite Aspekt ist der Gehorsam gegen die Wahrheit. Das ist der Bereich, in welchem die Reinigung wirkt. Es handelt sich hier um eine erneute Bestätigung von Aussagen, die Petrus bereits in den Versen 2 und 14 gemacht hat. Hier ist nicht das Mittel zur Reinigung angesprochen; das Wort bezieht sich vielmehr auf die menschliche Haltung, die dem Geist die Reinigung ermöglicht – Gehorsam gegen die Wahrheit. Im Griechischen steht vor dem Wort Wahrheit der bestimmte Artikel. Es ist die Wahrheit; das Evangelium. Der Gehorsam ist hier nicht der Werksgehorsam. Es ist der Gehorsam des Glaubens. Der dritte Aspekt: zur ungeheuchelten Bruderliebe. Gemeint ist das Ergebnis, welches die Reinigung in den Herzen hervorbringt. Das griechische Wort lautet philadelphia – ein Wort, das nur für Liebe zwischen Gläubigen im Neuen Testament gebraucht wird. Diese Liebe sollte ungeheuchelt sein; das bedeutet soviel wie »ohne Verstellung«. Aufgrund der philadelphia, der Bruderliebe, sollten Gläubige auch die agape-Liebe besitzen. Der vierte Aspekt: ihr seid wiedergeboren . . . durch das lebendige und bleibende Wort Gottes. Mit anderen Worten: Das erste Mal wurden die Gläubigen aus vergänglichem Samen geboren – dem Samen Adams. Dieser Same des natürlichen Lebens ist dem Verfall und Tod unterworfen. Das ist die natürliche, menschliche Geburt. Doch aufgrund ihrer Wiedergeburt bei der Annahme des Messias wurden diese Gläubigen das zweite Mal geboren – aus unvergänglichem [Samen]; dieser ist das Wort Gottes. Dieses Wort Gottes unterliegt weder Verfall noch Tod. Es ist von derselben Wesensart wie das Erbteil in Vers 4; es ist unvergänglich und kann nicht verblassen; es kann nicht entarten. Hier geht es um eine übernatürliche und göttliche Geburt; eine Wiedergeburt. Das Mittel der Wiedergeburt ist das lebendige und bleibende Wort Gottes. Mit dem Wort lebendig meint Petrus aktives, Besitz ergreifendes Leben. Mit dem Wort bleibend meint er permanent, unwandelbar. Das Wort ist für alle Zeiten relevant. Der griechische Begriff für Wort ist Logos; dieser Begriff betont die Gesamtheit und Ganzheit des Wortes – sowohl in gesprochener als auch in geschriebener Form. Das griechische Wort für Samen lautet hier Sporas. Diese Form wird hier, sonst jedoch nirgends gebraucht. Weil die Gläubigen durch das Wort Gottes wiedergeboren sind, lieben sie.

In den Versen 24-25a liefert uns Petrus den Beweis für diese Wahrheit. Diese Verse enthalten ein Zitat aus Jesaja 40,6-8. In Vers 25 ist der griechische Begriff für Wort nicht Logos, sondern Rhema; das bezeichnet das gesprochene Wort oder die Verkündigung des Evangeliums. Das Zitat aus Jesaja beweist, dass das Wort Gottes lebt und bleibt. Weil die menschliche Existenz – dazu gehört auch die menschliche Herrlichkeit – vergänglich ist wie das Gras, vergeht auch alles, was ein Mensch geschaffen hat; doch das Wort Gottes ist nicht vergänglich.

Arnold Fruchtenbaum – Die Petrusbriefe und Judas

Es scheint gefährlich zu sein, eine Theologie aus ein oder zwei Versen der Bibel zusammenzubasteln. Wir müssen beim lesen der Bibel unbedingt dass ganze Buch im Zusammenhang sehen – und erkennen, dass Petrus und die anderen Schreiber des NT zu 99 % Juden waren und aus dem Blickwinkel des AT schrieben! Und nein – es gibt keine zwei Gruppen, die Jehova dienen – jedenfalls nicht, welche die wiedergeboren und andere die nicht wiedergeboren wären! Die einzigen zwei Gruppen die Jehovah dienen sind die, die Jesus beschrieb: von denen in jener Hürde und die anderen die damals noch nicht in dieser Schafhürde waren: und er meinte damit die Juden und die Nichtjuden als zwei getrennte Gruppen, die er vereinen wollte.