Schlagwort: Glaube

„Doch ihr habt mir nicht gehorcht. Wie konntet ihr das tun?“

Aber ihr habt meiner Stimme nicht gehorcht. Was habt ihr da getan!
Elberfelder 1871 – Richter 2,2

Aber ihr hörtet (ja) nicht auf meine Stimme, als ihr dies tatet.
Septuaginta Deutsch – Richter 2:2

Ihr habt nicht getan, was ich von euch wollte. Warum Leute? Was war da los? Wie konntet ihr nur so draufkommen?
VolxBibel – Richter 2,2

Erinnerst du dich an Genesis – die ersten Kapitel? : „Wo bist du?“ „Wer hat dir gesagt…“ „Wo ist dein Bruder?“
Immer und immer wieder Fragen – von Seiten Jehovahs zu den Menschen! Wow!
Wenn wir den Vers 1 uns anschauen – stellt sich die Frage: WER spricht dort? Wenn wir den Vergleich mit den Worten Jehovahs in Kapitel 1 betrachten, wird schnell klar: diesmal spricht Jehovah nicht „indirekt“ über die „Kleidung des Hohenpriesters“ – also nicht durch Licht – sondern diesmal erscheint ER als Mensch – um mit Seinem Volk zu sprechen.

Aber wie wäre unsere Reaktion, wenn Jehovah uns fragt: „Wie konntest du das tun?“ ??? Haben wir uns angewöhnt mit „Erklärungen“ und „Entschuldigungen“ zu antworten? So wie Adam & Eva und Kain….
Wie reagierten die angesprochenen Menschen in Richter 2? Lesen wir Vers 4! „das Volk weinte“.
Und warum? Weil Jehovah in Vers 3 mitgeteilt hatte, dass ER Seinen Schutz wegnehmen würde.
Und Tränen als Antwort? Ist DAS nicht „Gottgewollte Traurigkeit“??

Die Vertreterversammlung des Volkes läßt die Botschaft Gottes nicht kalt: Das Volk … weinte. Es gibt sehr verschiedene Tränen: Selbstmitleid, daß es einem so schlecht geht, weil man den Helfer verprellt hat, gepaart mit Angst vor dem, was kommen mag. Dies sind ihre Tränen. Sie nützen nichts. Dagegen stehen die Bußtränen aus dem Bewußtsein heraus, Gott wehgetan zu haben, verbunden mit der Bitte um Vergebung. Diese Tränen bewegen das Herz Gottes zur Vergebung. Von Buße spüren wir hier nichts. Darum nahm das »Schicksal« seinen Lauf.

Wuppertaler Studienbibel

Wie sieht das bei uns aus? Selbstmitleid? Angst vor dem, was kommen wird? Gehen wir deshalb regelmäßig zum „Gottesdienst“? Oder wollen wir wirklich ein persönliches Verhältnis zu Jehovah???

Gotteshaus und Tempel ??

Und ich selbst ging in das Haus Schemajas, des Sohnes Delajas, des Sohnes Mehetabels, während er eingeschlossen war. Und er sagte dann: „Treffen wir uns nach Verabredung im Haus des [wahren] Gottes, innerhalb des Tempels, und laß uns die Türen des Tempels verschließen; denn sie kommen herein, um dich zu töten, ja bei Nacht kommen sie, um dich zu töten.“
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Neh 6,10

„Treffen wir uns im Gotteshaus, im Innern des Tempels, und schließen wir die Tempeltore zu!
Grünewald – übersetzt von Paul Riessler – Neh 6,10

Nehemias Gegner hielten jedoch an ihren bösen Plänen fest und versuchten als nächstes, die Glaubwürdigkeit Nehemias zu zerstören, indem sie ihn in den Tempel lockten. Sie warben Schemaja, einen Mann aus Nehemias Lager, an, um Nehemia eine Lösung vorzuschlagen. Er sollte sich als Prophet ausgeben und schloß sich absichtlich in seinem Haus ein, um eine Unpässlichkeit oder rituelle Verunreinigung vorzutäuschen und ließ Nehemia herbeibitten. Vielleicht wollte Schemaja eine dringliche Situation vortäuschen, um Nehemias Neugierde zu wecken.
Schemaja muß ein Mann gewesen sein, dem Nehemia vertraute, denn es erscheint kaum denkbar, daß sich Nehemia heimlich mit jemandem traf, dem er kein Vertrauen schenkte. Als Nehemia ankam, schlug Schemaja vor, daß sie sich im Innern des Tempels hinter verschlossenen Türen treffen sollten. Damit wollte er Nehemia vor angeblichen nächtlichen Anschlägen schützen.
Nehemia erkannte zwei Fehler in der angeblichen Prophezeiung Schemajas. Erstens konnte er sich nicht vorstellen, daß Gott Nehemia auffordern würde davonzulaufen, während sich der Wiederaufbau der Mauern gerade der Vollendung näherte. Zweitens würde kein echter Prophet jemanden zu etwas auffordern, was das Gesetz Gottes brechen würde. Nur Priester durften das Heiligtum betreten ( 4Mo 3,10; 18,7 ). Wenn Nehemia, der kein Priester war, den Tempel betrat, würde er ihn entweihen und sich selbst unter den Zorn Gottes bringen. Er wollte jedoch Gott nicht ungehorsam sein, nur um Sicherheit vor seinen Feinden zu suchen. Nehemia war davon überzeugt, daß Schemaja ein falscher Prophet war, der von Tobija und Sanballat bezahlt wurde, um ihn hereinzulegen. Wenn der Statthalter den Tempel betreten hätte und am Leben geblieben wäre, hätte das ganze Volk gewußt, daß er das Gesetz Gottes mißachtete. Wieder betete Nehemia, diesmal darum, daß Gott sich an seine Feinde erinnern (vgl. den Kommentar zu Neh 5,19 ) und sie für ihre bösen Absichten strafen möge. In diese Bitte schloß er auch die Prophetin Noadja ein, die nur hier genannt wird, und die ebenfalls, zusammen mit anderen falschen Propheten, versucht hatte, ihn abzuschrecken.

Walvoord Bibelkommentar

…Das Resultat der sektiererischen Enge, die dem entspricht, daß man sich im Haus Gottes einschließt (Neh 6,10), wird uns in Vers 13 gezeigt: „Darum war er gedungen, damit ich mich fürchten und also tun und mich versündigen sollte, und damit sie ein böses Gerücht hätten, auf daß sie mich verlästern könnten.“ Nehemia erkannte, daß nicht Gott es war, der Schemaja gesandt hatte, denn er sprach diese Weissagung wider ihn, um ihn zur Sünde zu verleiten. Um das, was einer sagt, anzunehmen, genügt es nicht, daß er zum Volk Gottes gehört, was er vorbringt, muß im Licht der Schrift geprüft werden. Der Apostel Johannes sagt: „Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf und grüßet ihn nicht“ (2 Johannes 1,10). Wenn wir uns nahe beim Herrn aufhalten und uns von Seinem Wort nähren, können wir erkennen, was vom Feind kommt. Dazu müssen wir das Wort lesen, damit wir „vermöge der Gewohnheit geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten sowohl als auch des Bösen“ (Heb 5,14). Es lehrt uns, alle Dinge an ihrem Platz zu lassen. Der Feind sucht entweder die Bedeutung der Worte Gottes abzuschwächen oder etwas hinzuzufügen, das uns angenehm ist. Dadurch will er, wie bei Nehemia, unserem Ruf schaden und Unehre auf den Namen des Herrn bringen. Wie haben wir leider die Wahrheit in Verruf gebracht, indem wir nicht konsequent bei ihr geblieben sind und die Einflüsterungen Satans nicht durchschaut haben! Wir reden nicht von dem Widerstand, den die Wahrheit immer erfährt, sondern von den Waffen, die wir diesem Widerstand durch unsere Inkonsequenz und unser Versagen an die Hand geben.

Samuel Prod’hom – Kennzeichen einer wahren Erweckung

Christliche Standhaftigkeit: Ich möchte dieses besondere Ereignis zum Anlass nehmen, euch zu zeigen, dass ich. Die Schlauheit, mit der unser großer Widersacher uns angreifen wird. Er wird uns vorschlagen,
1. unsere sozialen Pflichten zu vernachlässigen, um unser geistliches Wohlergehen zu fördern;
2. uns der Welt anzupassen, um sie zu beschwichtigen;
3. unangemessene Mittel einzusetzen, um einen wünschenswerten Zweck zu erreichen.
II. Die Entschlossenheit, mit der wir ihm widerstehen sollten. Wir sollten den Herrn immer vor Augen haben und dabei bedenken:
1. unsere Beziehung zu ihm;
2. unsere Verpflichtung ihm gegenüber;
3. unsere Erwartungen an ihn;
4. das Interesse, das Gott selbst an unserem gesamten Verhalten hat.

Gray – Biblical Encyclopedia and Museum

… Aber das war alles nur ein fadenscheiniger Trick. Schemaja war dafür bezahlt worden, diesen nächsten zerstörerischen Plan in die Wege zu leiten. Er sagte: „Lasst uns im Haus Gottes zusammenkommen, im Tempel, und lasst uns die Tempeltüren schließen, denn es kommen Männer, um dich zu töten – in der Nacht kommen sie, um dich zu töten“.
Dies war ein weiterer Versuch, Nehemias Charakter zu zerstören. Der Plan, dies mit der Begründung zu tun, er sei ein subversiver Revolutionär, war kläglich gescheitert. Der Statthalter hatte den Plan durchschaut, die Lüge aufgedeckt und sie mit der gebührenden Verachtung behandelt. Als sie ihn nicht als politischen Rebellen anklagen konnten, versuchten sie, ihn als religiösen Übertreter darzustellen. Nehemia war kein Priester, und nun schlug dieser falsche Prophet vor, er solle als Asyl suchendes Opfer in den Tempel gehen, Gottes Haus missbrauchen und gegen die Verbote des Tempels verstoßen, die allen anderen als den Priestern den Zugang zu den heiligen Stätten untersagten. Der Vorschlag des Propheten, die Tempeltüren zu schließen, deutet darauf hin, dass Schemaja beabsichtigte, den Statthalter entweder in einen Bereich zu locken, der ausschließlich den Priestern vorbehalten war, oder bei geschlossenen Türen zumindest zu sagen, dass Nehemia gegen die Heiligkeitsvorschriften verstoßen hatte. Ohne Zeugen würde Nehemias Verleugnung eines Prophetenworts nichts zählen.

Brown – Die Botschaft von Nehemia: Gottes Diener in einer Zeit des Wandels

Die Bereitschaft Schemajas, Nehemia zu begleiten, könnte darauf hindeuten, dass er ein Priester mit Zugang zum Tempel war, aber auch ein sympathischer Freund, der Nehemia in dieser Zeit der großen Prüfung unterstützen wollte. Der Vorschlag, sich zum Schutz in den Tempel zu begeben, beruhte auf einer von zwei Annahmen:
(1) dass die Menschen die Hörner des Altars („der Altar des Asyls“ – siehe 2. Mose 21,13; 1. Könige 1,50-53; 8,64) ergreifen und so dem Tod entgehen konnten, wenn jemand sie töten wollte; oder
(2) dass nur die Priester bestimmte Bereiche des Tempelgebäudes betreten durften; so konnten seine Feinde nicht durch diese verschlossenen Türen eindringen und ihn finden.
Natürlich basierten beide Interpretationen auf der Annahme, dass Nehemias Feinde jüdische religiöse Bräuche respektieren würden, was eine unwahrscheinliche Annahme war. Ivry schlägt einen kühneren Plan vor, nämlich die Kontrolle über den Tempel zu übernehmen und ihn zu seiner Festung zu machen, aber das wäre ein extremer politischer und religiöser Fehler, der Nehemia nicht gefallen hätte. Schemajas Vorschlag war subtiler und scheinbar harmlos.

Cornerstone Biblical Commentary

Schließlich wird vermutet, er solle in einem geheimen Treffen überredet werden, eine bewaffnete Übernahme des Tempelbereichs vorzunehmen. Allen diesen Gedanken können gute Argumente entgegengesetzt werden. Deshalb wird man sich mit den wenigen Angaben, die der Text macht, begnügen müssen und einzig feststellen, dass Nehemia auf die Aufforderung einging und sich anhörte, was Schemaja ihm zu sagen hatte.
Er hörte eine Botschaft, die – im Stil vieler prophetischer Reden – in rhythmischer Form gehalten war. Es handelte sich um eine Warnung vor einem Attentatsversuch. Sollte Nehemia das alte Asylrecht in Anspruch nehmen, nach dem der Flüchtling am Fuße des Altars sicher war vor Übergriffena? Dem entspricht jedoch nicht die Angabe des Ortes, an den er bestellt wurde, denn der Altar stand nicht im Innern des Heiligtums, sondern im Vorhof.

Wuppertaler Studienbibel

Nehemia lehnte Schemajas Vorschlag ab, weil er gegen das Gesetz des Mose verstieß. Es war für einen Laien verboten, über den Brandopferaltar im Tempel hinauszugehen. „Wer sich dem Altar nähert, soll getötet werden“ (Num. 18:7, NKJV). Als König Usija versuchte, in den heiligen Bezirk einzudringen, wurde er von Gott mit Aussatz geplagt (2. Chronik 26:16-21). Nehemia wusste, dass Schemaja ein falscher Prophet war, denn die Botschaft, die er verkündete, stand im Widerspruch zum Wort Gottes (5. Mose 13:1-5 und 18:20-22). „Was sagt die Schrift?“ (Röm 4,3) muss der Prüfstein für jede Botschaft sein, auch wenn sie von jemandem kommt, der behauptet, einer der Diener Gottes zu sein. „Zum Gesetz und zum Zeugnis: Wenn sie nicht nach diesem Wort reden, so ist kein Licht in ihnen“ (Jes. 8:20).

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Wenn Nehemia diesem treulosen Rat gefolgt wäre, hätte er sein Vertrauen auf Gott aufgegeben, und in den Augen des Volkes wäre er feige und verachtenswert erschienen. Im Hinblick auf die wichtige Aufgabe, die er auf sich genommen hatte, und auf das Vertrauen in die Macht Gottes, das er erklärtermaßen besaß, wäre es für ihn völlig widersinnig gewesen, sich zu verbergen, als habe er Angst. Unruhe hätte sich unter dem Volk ausgebreitet, jeder hätte seine eigene Sicherheit gesucht, und die Stadt wäre ungeschützt geblieben, so daß sie ihren Feinden als Beute zugefallen wäre. Eine solche törichte Handlungsweise Nehemias hätte tatsächlich eine Aufgabe alles bisher Errungenen bedeutet. Nehemia brauchte nicht lange, um den wahren Charakter und das Ziel seines Beraters zu durchschauen.

Ellen Gould White – Propheten und Könige

Aber ist dir aufgefallen: es gibt zwei unterschiedliche Begriffe: da ist einmal das Haus Gottes – und dann den Tempel – mit seinen Türen. Die Juden der Zeit Nehemias hatten also zwei Begriffe um das Gebiet das nur die Priester für den direkten Dienst an Jehovah betreten durften – und das Gebiet, dass „weniger heilig“ war, zu unterscheiden! Welches der beiden Gebiete meinte Jesus später, wenn er vom „Haus meines Vaters“ sprach??

„bêṯ hā ʾělō·hîmʹ“

Haus
3 בֵּית5 אֱלֹהִ֖ים4 הָ
bêṯʾělō·hîmʹ
1 Chr 9,27

Und sie übernachteten rings um das Haus Gottes her; denn ihnen lag die Wache ob, und sie waren über das Öffnen bestellt, und zwar Morgen für Morgen.
Elberfelder 1871 – 1 Chronik 9,27

Nur die vier obersten Wächter, auch sie Leviten, waren ständig im Dienst. Zu ihren Aufgaben gehörte die Aufsicht über die Vorratsräume und die Schatzkammern des Tempels.  Sie blieben auch über Nacht im Tempelbereich, denn sie mussten Wache halten und jeden Morgen die Tore aufschließen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Chronik 9,26–27

Denn die vier obersten Türhüter – es waren Leviten – versahen ständig den Dienst. Sie hatten auch die Aufsicht über die Kammern und Schätze des Tempels Gottes. Die Nacht über blieben sie in der Umgebung des Tempels Gottes; denn ihnen oblag die Wache und sie mußten allmorgendlich aufschließen.
Paderborner Bibel – 1 Chronik 9:26–27

Und weiter geht es um die Frage – „Wohnungen in der Nähe der Stiftshütte??“

In diesem 9. Kapitel werden weitere Leviten erwähnt. Es sind die Torhüter. Ihre Aufgaben sind sehr wichtig. Sie lassen sich in einen kurzen und bestimmten Befehl zusammenfassen, den der Herrin einem kleinen Gleichnis wiederholt: „Ein Mensch (der Meister), der… dem Türhüter einschärfte, dass er wache“ (Markus 13,34).
Wachen über die Gefäße und die Geräte, über die Opfer, über die Nahrung, über den Zugang zum Haus! Diesem Dienst entspricht im Neuen Testament der Dienst der Aufseher, Hirten oder Ältesten. Sie sind es besonders, die in den Versammlungen früher – und heute noch – für die Seelen Sorge tragen und die gesunde Lehre aufrechthalten müssen. Das ist eine Aufgabe des Vertrauens und der Ehre, über die sie dem Herrn bei seinem Kommen Rechenschaft abzulegen haben!

Jean Koechlin – Ährenlese im Alten Testament

In der vorhergehenden Liste (V. 14-16 ) wurden die Aufgaben der Leviten nicht näher genannt. Es wird sich vermutlich um Leviten gehandelt haben, die irgendwie mit dem Opferdienst zu tun hatten. In diesem Abschnitt (V. 17-27 ) ist von solchen Leviten die Rede, die Verantwortung dafür hatten, die Tore des Tempels bzw. Tempelbezirkes zur richtigen Zeit zu öffnen und zu schließen und darüber zu wachen, daß keine Eindringlinge unberechtigterweise hineinkamen. …
Die Gesamtzahl der levitischen Torhüter , die in Jerusalem und in den umherliegenden Dörfern wohnten, gibt der Verfasser von 1.Chronik mit 212 an. In Neh 11,19 werden 172 genannt, doch der Vers macht deutlich, daß nur die Familien Akkubs und Talmons gezählt wurden, während 1Chr 9,17 die Familien Schallums und Ahimans dazuzählt. Diese 212 Leviten waren wohl nur die Gruppe, aus der die Torhüter jeweils ausgewählt wurden, denn es wurden täglich nur 24 Torhüter benötigt ( 1Chr 26,17-18 ). Jeder Torhüter diente sieben Tage ( 1Chr 9,25 ) und wurde dann für eine bestimmte Zeit bis zum nächsten Dienst freigestellt.

Walvoord Bibelkommentar

Immer noch steht das Amt des Torhüters an erster Stelle. Vier Männer waren über die Torhüter gesetzt, und Schallum war ihr Haupt (V. 17.18). Sie hatten nach allen Windrichtungen hin über die Tore zu wachen (V. 24). 212 «Hüter der Schwelle» waren ihnen unterstellt, die zwar in ihren Dörfern lebten, aber «von sieben zu sieben Tagen, von einer Zeit zur anderen, mit jenen kommen mussten» (V. 25). «Sie und Ihre Söhne standen an den Toren des Hauses des HERRN, des Zelthauses, als Wachen» (V. 23). Die Vorsteher «übernachteten rings um das Haus Gottes her; denn ihnen oblag die Wache, und sie waren über das Öffnen bestellt, und zwar Morgen für Morgen» (V. 27).
Wir werden dem Gegenstand der Bewachung der Tore des Hauses Gottes nie genug Aufmerksamkeit entgegenbringen können, und zwar Tag und Nacht. Wie viel Unordnung und Verunreinigung wurden durch Leute und Dinge hereingebracht, die unsere Nachlässigkeit und unsere Duldsamkeit ungehindert eintreten liessen! Und umgekehrt, wie viele sind draussen gelassen worden, die doch der Herr aufgenommen hatte!

Halte fest 1972

Das Haus Gottes, der Tempel in Jerusalem, war wohl bewacht. Zur Ordnung des Dienstes, der darin getan wurde, gehörten auch die Abteilungen der Torhüter. Sie hatten sowohl über die Sicherheit des Hauses zu wachen als auch alles Unreine von ihm fernzuhalten. Ihr Dienst währte Tag und Nacht und erstreckte sich nach allen vier Himmelsrichtungen. Vielleicht waren diese Leviten weniger beliebt als ihre Brüder, die zu den Abteilungen der Sänger gehörten, denen der Dienst des Lobes oblag. Doch wäre dieser Dienst ohne den Dienst der Torhüter undenkbar gewesen.

Halte fest 1985

Der Verf. wendet sich wieder seiner Gegenwart zu und beschreibt den Dienst im Heiligtum, wie er ihn als Augenzeuge erlebt hat. Vier Tore im Bezirk des neuen Tempels gab es. Die Obersten der Torhüter waren für die Einteilung der Wachen zuständig. Sie lebten immer in der Nähe des Tempels. Die Leviten, die in den Orten um Jerusalem herum wohnten, kamen mit den Abteilungen, denen sie zugeteilt waren, jeweils sieben Tage nach Jerusalem. Einige von ihnen wurden als Torhüter eingesetzt. Andere trugen Verantwortung für die Zellen, die seitlichen Kammern am Tempel, in denen die Opfergaben und Zehnten von Getreide, Wein und Öl, aber auch die Schätze des Hauses Gottes aufbewahrt wurden. Die Leviten schliefen auch während der sieben Tage in unmittelbarer Nähe des Tempels, während die Tore unter der Aufsicht der Obersten der Torhüter abends verschlossen und morgens wieder geöffnet wurden. – Es ist beeindruckend, wie ausführlich und mit welch liebevoller Aufmerksamkeit der Verf. der Chr den Dienst der Leviten und besonders das Amt der Torhüter beschreibt. Aus unserer Sicht handelt es sich um eine geringe, nachgeordnete Tätigkeit. In biblischer Sicht hat diese Aufgabe jedoch eine ihr eigene Würde, die aus den Worten Ps 84,11 spricht: »Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in der Gottlosen Hütten.«

Wuppertaler Studienbibel

Die Tempelpolizei
Der Tempel hatte eine eigene Polizei, deren Beamte größtenteils aus Leviten bestanden. Dies waren die Torwächter („sho’arim“; 1. Chron. 9:17, 24-27; 26:12-18), die Wächter, die den Eingang zum Tempelberg bewachten, und diejenigen, die für die Reinigung der Vorhöfe zuständig waren (Philo, ed. Cohn, iii. 210). Leviten waren an einundzwanzig Stellen im Tempelhof stationiert; an drei von ihnen hielten Priester nachts Wache. Ein Hauptmann patrouillierte mit einer Laterne, um zu sehen, dass die Wächter auf ihren Posten waren; und wenn einer schlafend angetroffen wurde, hatte der Hauptmann das Recht, ihn zu schlagen und seine Kleider in Brand zu stecken (Mid. i. 1, 2). Das Öffnen und Schließen der Tore, das als eine sehr schwierige Aufgabe angesehen wurde und nach Josephus („B. J.“ vi. 5, § 3; „Contra Ap.“ ii. 10) die Dienste von mindestens zwanzig Männern erforderte, gehörte ebenfalls zu den Aufgaben der Wächter; und ein spezieller Offizier wurde ernannt, um diese Arbeit zu beaufsichtigen (Sheḳ. v. 1; comp. Schürer, „Gesch.“ Eng. ed., Abteilung ii., i. 264-268; siehe TEMPEL).

The Jewish Encyclopedia

Für die polizeilichen Aufgaben, die einen sehr großen Beamtenstab erforderten, wurden meist Leviten eingesetzt. Die „Torwächter“ (שֹׁעֲרִים) gehörten in der Frühzeit, ja bis in die Zeit Esras und Nehemias hinein, noch nicht zur Ordnung der Leviten, sondern waren von etwas geringerem Rang; erst der Verfasser der Chronik rechnete auch diese Beamten zu den Leviten. Im Innenhof wurde die Aufgabe der Wache von den Priestern selbst wahrgenommen. Der Verfasser der Chronik und später Philo und die Mischna haben uns mehrere Einzelheiten über die Organisation der Abteilung, um die es hier geht, geliefert. Aus der erstgenannten Autorität erfahren wir, dass es insgesamt vierundzwanzig Wachen gab, die vier Oberhäuptern oder Hauptleuten unterstellt waren, und dass sie an der Ost-, West-, Nord- und Südseite des Tempels postiert waren (1. Chronik 26:12-18, auch 9:17, 24-27). Die Aussagen dieses Schriftstellers sind so zu verstehen, dass sie sich auf den Tempel Serubbabels beziehen. Die Fläche der Tempelvorhalle oder des so genannten äußeren Vorhofs wurde aber später, vor allem durch Herodes, sehr vergrößert, so dass sie nun ein großes Viereck bildete, dessen längere Seite diejenige war, die von Norden nach Süden verlief. Innerhalb dieses großen Vierecks befand sich wiederum ein länglicher viereckiger Raum, der von starken Mauern umschlossen war, wobei die längere Seite in diesem Fall von Westen nach Osten verlief; dies war der so genannte Innenhof oder „der Hof“ im eigentlichen Sinne des Wortes. Zu diesem Hof führte eine Treppe, und am Fuß dieser Treppe befand sich ein Geländer, das kein Nichtjude betreten durfte. Jeder Heide, der es wagte, diese Grenze zu überschreiten und den inneren Hof zu betreten, wurde mit dem Tod bestraft; und die römischen Behörden respektierten die Skrupel der Juden in dieser Angelegenheit so sehr, dass sie die Vollstreckung dieses Urteils sogar in den Fällen billigten, in denen römische Bürger die Täter waren. An diesem Geländer waren in bestimmten Abständen Tafeln angebracht, auf denen in griechischer und lateinischer Sprache das Verbot und die Strafe für dessen Übertretung vermerkt waren. Philo zufolge gab es zu seiner Zeit nicht nur an den Eingängen des inneren, sondern auch an den Toren des äußeren Hofes Wächter, zu deren Hauptaufgaben es gehörte, auf die strikte Einhaltung des betreffenden Verbots zu achten. Darüber hinaus gab es Wächter, die bei Tag und Nacht rundherum patrouillierten, um sicherzustellen, dass nirgendwo etwas Unschickliches geschah. Nach der Mischna gab es einundzwanzig Punkte, an denen die Leviten (nachts) Wache hielten, und drei, an denen die Priester dies taten. Die levitischen Wächter waren teils an den Toren und Ecken des äußeren Vorhofs (innerhalb desselben), teils an den Toren und Ecken des inneren Vorhofs (außerhalb desselben) stationiert, während die priesterlichen Wächter wiederum für den inneren Vorhof zuständig waren. Es war üblich, dass ein Hauptmann des Tempels nachts herumging, um zu sehen, dass die Wachen nicht auf ihren Posten schliefen. Dieser Hauptmann war unter der Bezeichnung אִישׁ הַר הַבַּיִת bekannt. Neben diesem Beamten wird auch gelegentlich ein אִישׁ הַבִּירָה erwähnt. Da nun die Mischna keine andere Bezeichnung für den gesamten Raum um den Tempel kennt – auch nicht in den Fällen, in denen er vom Innenhof zu unterscheiden ist – als den Ausdruck הַר הַבַּיִת, ist demnach unter dem איש הר הבית ein Hauptmann zu verstehen, der für den äußeren Vorhof zuständig war, und unter dem איש הבירה dagegen derjenige, der die Aufsicht über den Tempel selbst hatte. Denn das בִּירָה kann sich unmöglich auf das Kastell Antonia beziehen, da dieses einem römischen φρούραρχος unterstellt war, sondern nur auf den Tempel selbst. Die beiden jetzt erwähnten Arten von Beamten wären also identisch mit den סגנים oder στρατηγοί, auf die wir bereits Bezug genommen haben.

Schürer – A history of the Jewish people in the time of Jesus Christ, second division

Bett im Heiligtum?

und die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel lag im Tempel Jehovas, woselbst die Lade Gottes war, da rief Jehova den Samuel. Und er sprach: Hier bin ich!
Elberfelder 1871 – 1.Samuel 3,3–4

Der alte Eli war inzwischen fast erblindet. Eines Nachts war er wie gewohnt zu Bett gegangen. Auch Samuel hatte sich hingelegt. Er schlief im Heiligtum in der Nähe der Bundeslade. Die Lampe im Heiligtum brannte noch.
Hoffnung für alle – 1996 – 1 Sam 3,2–3

Samuel schlief im Heiligtum, wo sich auch die Bundeslade befand. Die Lampe Gottes brannte noch,
Neue evangelistische Übersetzung 2019 – 1 Samuel 3:3

Ein weiterer Post – mit dem Thema, was am Heiligtum passierte. Die Frage, die wir beim lesen von 1.Samuel 3 sehen: wo war Eli und Samuel in jener Nacht? Scheinbar sehr sehr nahe am Heiligtum – denn das brennen der Kerzen im Heiligtum wird erwähnt. Ja – das Allerheiligste war „das Zimmer Jehovahs“.

Da Eli schon sehr alt war und sogar sein Augenlicht verloren hatte, beschloss der Herr, dass es an der Zeit war, den nächsten inspirierten Propheten einzuführen. Der Zeitpunkt für die Offenbarung wurde gewählt, als Eli in seinem Bett lag, aber gegen Ende der Nacht. Darauf deuten die Worte „ehe die Lampe Gottes erlosch“ hin. Dies lässt sich besser verstehen, wenn man Ex. 27:20, 21 und Lev. 24:2, 3 zu Rate zieht. Dort heißt es, dass der Leuchter in der Stiftshütte nur in der Nacht brennen durfte und am Morgen, wenn er ausgebrannt war, abgeschnitten werden musste. Die Offenbarung, die Samuel erhalten sollte, kam also, während die Lichter noch brannten, aber kurz vor dem Erlöschen. Warum der Herr gerade diese Stunde gewählt hat, ist nicht bekannt.

E.M. Zerr

Obwohl Samuel zum levitischen Dienst in Silo bestimmt worden war und eine Ausbildung in den Angelegenheiten des Herrn gemacht hatte, war er noch nicht durch die direkte Offenbarung Gottes angesprochen worden (V. 7 ). Schließlich kam für den Herrn die Zeit, sein Versprechen, Elis Priesterschaft zu beenden und einen anderen einzusetzen, zu erfüllen, so daß die göttliche Stille unterbrochen wurde. Während Samuel sich in der Stiftshütte niedergelegt hatte (die Bedeutung des hebräischen hLkAl , Tempel , V. 3 ) und die brennende Lampe beobachtete, hörte er die Stimme des HERRN , die er fälschlicherweise für die Elis hielt. Eli erkannte schließlich, daß der Junge vom Herrn angesprochen worden war. Deshalb wies er ihn an, sich allem zu unterwerfen, was auch immer der Herr ihm auftragen würde.

Walvoord Bibelkommentar

Zu der von Ihm bestimmten Zeit offenbart sich der HERR Samuel. Das passiert in der Nacht. Eli und Samuel sind zu Bett gegangen. Es gibt jedoch einen kleinen Unterschied in der Weise, in der das von jedem von ihnen gesagt wird. Wir lesen von Eli, dass er „an seinem Ort lag“, während wir von Samuel lesen, dass er im Tempel „lag“. Bei dem, was wir von Eli wissen, ist es denkbar, dass er sein Bett liebt und dort viel Zeit verbringt. In ihm, dem schlafenden Hohenpriester, sehen wir ein Bild vom geistlichen Zustand des Volkes in diesen Tagen. Dieser Gedanke wird verstärkt durch die Erwähnung, dass er nicht mehr sehen kann. Eli ist nicht nur körperlich, sondern auch geistlich blind.
Von Samuel lesen wir, dass er sich schlafen gelegt hat. Dies ist ein Hinweis auf eine Aktivität nach einem Arbeitstag. Er brauchte es. Wenn er ins Bett geht, muss die Lampe Gottes bald ausgemacht werden. Die Lampe Gottes ist der Leuchter in der Stiftshütte. Es ist Nacht und die Lampe brennt noch schwach. Aber gerade, wenn die Nacht am dunkelsten ist, gibt es Hoffnung auf den Anbruch des Tages. Ein neuer Tag steht kurz davor anzubrechen, um neues und helles Licht zu geben durch diesen jungen Samuel, der fast erwachsen ist und in der Nähe der Bundeslade schläft.
Wenn die Menschen schlafen, schläft und schlummert der Heilige Israels nicht.

Ger de Koning

Ein aufmerksames Ohr (1 Sam. 3:1-9). Samuel war wahrscheinlich zwölf Jahre alt, als der Herr eines Nachts zu ihm sprach, als er im „Anbau“ der Stiftshütte lag, wo auch Eli schlief. Die „Lampe Gottes“ war der siebenarmige goldene Leuchter, der im Heiligtum vor dem Vorhang links neben dem goldenen Räucheraltar stand (Ex 25,31-40; 27,20-21; 37,17-24). Sie war die einzige Lichtquelle im Heiligtum, und die Priester waren angewiesen, sie immer brennen zu lassen (27,20) und die Dochte zu trimmen, wenn sie morgens und abends das Räucherwerk darbrachten (30,7-8). Die Lampe war ein Symbol für das Licht der Wahrheit Gottes, das der Welt durch sein Volk Israel geschenkt wurde. Leider brannte das Licht des Wortes Gottes in jenen Tagen nur schwach, und der Hohepriester Gottes konnte kaum sehen! Die Lade war da und enthielt das Gesetz Gottes (25,10-22; 37,1-9; Hebr. 9,1-5), aber das Volk Gottes hielt das Gesetz nicht in Ehren.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

„Und Samuel lag (schlief) im Tempel Jabve’s, woselbst die Lade Gottes war.“ הֵיכָל bed. hier nicht das Heilige der Stiftshütte im Unterschiede vom Allerheiligsten, wie 1 Kg. 6,5. 7,501, sondern die ganze Stiftshütte, das Zelt mit seinem Vorhofe als Palast des Gottkönigs, wie 1,9. Ps. 11,4. Samuel schlief weder im Heiligen neben dem Leuchter und Schaubrottische, noch im Allerheiligsten vor der Bundeslade, sondern im Vorhofe, wo Zellen für den Aufenthalt der diensttuenden Priester und Leviten erbaut waren, s. zu v. 15. Die Lade Gottes d.h. die Bundeslade ist erwähnt als der Thron der göttlichen Gegenwart, von wo der Ruf Gottes an Samuel herkam.

Keil – Biblischer Commentar über das Alte Testament

Wo schlief also Samuel und Eli? Im Heiligtum? In der Nähe des Heiligtums? Oder außerhalb der „Stiftshütte“?? Was sagt DEINE Bibel? Wo waren also zur Zeit Samuels „die Wohnungen“ der Priester?
Wir werden in den nächsten Tagen weitere Verse anschauen….

Auferstanden?!?!

Wenn aber Christus gepredigt wird, daß er aus den Toten auferweckt sei, (O. worden sei) wie sagen etliche unter euch, daß es keine Auferstehung der Toten gebe?
Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt; (O. auferweckt worden. Die griech. Zeitform bezeichnet eine geschehene und in ihrer Wirkung fortdauernde Tatsache. So auch v 12. 14. 16. 17. 20.)
wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist also auch unsere Predigt vergeblich, (Eig leer, hohl) aber auch euer Glaube vergeblich. (Eig leer, hohl)
Wir werden aber auch als falsche Zeugen Gottes erfunden, weil wir in Bezug auf Gott gezeugt haben, daß er den Christus auferweckt habe, den er nicht auferweckt hat, wenn wirklich Tote nicht auferweckt werden.
Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, so ist auch Christus nicht auferweckt.
Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube eitel; ihr seid noch in euren Sünden.
Also sind auch die, welche in Christo entschlafen sind, verloren gegangen.
Wenn wir allein in diesem Leben auf Christum Hoffnung haben, so sind wir die elendesten von allen (O. elender als alle) Menschen.
Elberfelder 1871 – 1 Kor 15,12–19

Auch wir werden auferstehen
Wenn also im Evangelium gesagt wird, daß Gott Christus von den Toten auferweckt hat, wie können da einige von euch behaupten: «Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht!»
Wissen diese Leute eigentlich, was sie damit sagen? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann kann ja auch Christus nicht auferstanden sein.
Wäre aber Christus nicht auferstanden, so hätte unsere ganze Predigt keinen Sinn, und euer Glaube wäre völlig wertlos.
Mit Recht könnte man uns dann vorwerfen, wir seien Lügner und keine Zeugen Gottes. Denn wir behaupten doch: Gott hat Christus auferweckt. Das kann ja gar nicht stimmen, wenn mit dem Tode alles aus ist! – Wörtlich: Weil wir bezeugt haben, daß er Christus auferweckt hat, den er nicht auferweckt hat, wenn doch die Toten nicht auferweckt werden –
Wie schon gesagt, wenn die Toten nicht auferstehen, dann ist auch Christus nicht auferstanden.
Wenn aber Christus nicht von den Toten auferweckt wurde, ist euer Glaube nichts als eine Illusion, und ihr seid auch von eurer Schuld nicht frei.
Ebenso wären auch alle verloren, die im Glauben an Christus gestorben sind.
Wenn der Glaube an Christus uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt, sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen.
1Kor 15,20 Tatsächlich aber ist Christus als erste -Wörtlich: als Erstling der Entschlafenen – von den Toten auferstanden.
Hoffnung für alle – 1996 – 1.Korinther 15,12–20

Wenn es nun so ist, wie alle übereinstimmend verkünden, dass er, der Messias, wieder vom Tod auferstanden ist, wie kann es dann sein, dass einige von euch sagen, dass es überhaupt keine Auferstehung der Toten gebe? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist ja demnach auch der Messias nicht wieder zum Leben auferweckt worden! Wenn nun der Messias nicht auferweckt wurde, dann ist unsere Botschaft in der Tat bedeutungslos und auch euer Glaube hat keinen wirklichen Inhalt. Und dann wären wir ja Leute, die falsche Aussagen über Gott machen! Denn wir würden dann behaupten, dass Gott den Messias wieder zum Leben erweckt habe, was er in Wirklichkeit gar nicht getan hätte! Doch den hätte er dann ja in Wirklichkeit nicht zum Leben auferweckt, wenn die Aussage stimmen würde, dass die Toten nicht auferweckt werden! Wenn also die Toten nicht wieder zum Leben erweckt werden, dann ist folglich auch der Messias nicht zum Leben erweckt worden! Und wenn der Messias nicht zum Leben auferweckt worden ist, dann ist euer gesamter Glaube ohne Bedeutung und ihr seid immer noch in eurer Lebensschuld gefangen! Dann sind folgerichtig auch die, die im Vertrauen auf den Messias gestorben sind, noch außerhalb der lebensschaffenden Beziehung zu Gott. Wirklich, wenn wir nur in diesem Leben unsere Hoffnung auf den Messias gesetzt haben, dann sind wir unter allen Menschen die, die am meisten zu bemitleiden sind!
Roland Werner – Das Buch – neues Testament und Psalmen – 2009 – 1.Korinther 15:12–19

Keines der vier Evangelien endet mit Kreuz und Grab. Alle setzen den Zielpunkt bei der Auferstehung Jesu.
Das Kreuz beendet die Schuld der Glaubenden. Die Auferstehung ist der Beginn des neuen Lebens, ja der neuen Schöpfung. Das Kreuz löst die Schuldfrage. Die Auferstehung ist der Anfang der Lösung der Machtfrage. Kreuz und Auferstehung stehen in einem ähnlichen Verhältnis zueinander wie die Rechtfertigung des Sünders und das neue Leben in der Heiligung. Mit der Auferstehung beginnt zugleich die Geschichte der Gemeinde, während der Kreuzestod Jesu den Neuen Bund stiftete, in dem sie leben kann. Das Kreuz ist der Wendepunkt der Menschheitsgeschichte, die Auferstehung der Anfangspunkt der neuen Menschheit und der neuen Schöpfung. Deshalb gehören zur Auferstehung der Morgen, das Licht, der Jubel. Zum Kreuz gehören die Finsternis, das Sterben, das verströmende Blut. Der Christ ist nach Röm 6 in beides getauft: in den Tod Jesu Christi und in das Auferstehungsleben Jesu Christi. Beides, Kreuz und Auferstehung, sind reale, den Leib erfassende Vorgänge.
Die Reihenfolge und die Gesamtheit der Ereignisse bei und nach der Auferstehung Jesu sind uns nicht vollständig erhalten. Sie können kaum mehr hergestellt werden. Nichts hat die Jünger so sehr erschüttert – nicht einmal der Tod Jesu! – wie die Auferstehung, ein für das Denken des Menschen fast undenkbares Geschehen. Nur auf eines kann man sich hier verlassen: dass das, was erzählt wird, stimmt. Das garantiert nicht nur der vorausgehende Unglaube der Jünger, der die Wirklichkeit der Auferstehung erst mühsam verarbeiten musste, sondern auch die Leitung der Evangelisten durch den Heiligen Geist.

Gerhard Maier – Edition C – NT

Warum ist die Predigt von der Auferstehung des Messias wichtig? Sie ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens ist es ein wesentlicher Teil des Evangeliums (1 Korinther 15,4; 2 Timotheus 2,8). Das Evangelium enthält drei Punkte: Erstens, der Messias ist für unsere Sünden gestorben, wie es in der Schrift steht; zweitens, er wurde begraben; und drittens, er ist am dritten Tag auferstanden, wie es in der Schrift steht. Dies sind die drei Punkte des Evangeliums, und es gibt nicht mehr zum Evangelium als dies; dies ist das vollständige Evangelium. Alle Zusätze, die über diese drei Punkte hinausgehen, machen es zu einem falschen Evangelium. Weil die Auferstehung ein Teil des Evangeliums ist, ist sie etwas, das geglaubt, verkündet und gepredigt werden muss.
Der zweite Grund, warum die Auferstehung des Messias wichtig ist, ist, weil sie die Grundlage für die zukünftige Auferstehung des Gläubigen ist, gemäß 1. Paulus macht mehrere Punkte. Erstens: Wenn Jesus nicht von den Toten auferweckt wurde, dann ist unsere Verkündigung vergeblich (V. 14). Wenn der Messias tot blieb, dann geht die Erlösung nicht weiter als bis zum Grab selbst. Wenn er also nicht aus dem Grab auferstanden wäre, wäre unsere Verkündigung vergeblich und leer und würde uns ohne Hoffnung zurücklassen. Zweitens, wenn er nicht von den Toten auferstanden ist, ist unser Glaube eitel (V. 14, 17). Das heißt, es wäre ein leerer Glaube, ein Glaube, der keine ewigen Ergebnisse bringt. Er würde vorübergehende Ergebnisse in diesem Leben hervorbringen, aber mit dem Tod würde alles enden. Deshalb ist der Glaube vergeblich, wenn der Messias nicht von den Toten auferstanden ist. Drittens bezeugten die Apostel nicht nur seinen Tod, sondern auch seine Auferstehung (V. 15). Wenn ihr Zeugnis nicht wahr ist, dann sind sie falsche Zeugen. Viertens: Wenn er nicht von den Toten auferstanden ist, sind die Gläubigen noch in ihren Sünden (V. 17). Während Jesus durch seinen Tod die Sühne für die Sünde geleistet hat, hat er durch seine Auferstehung die Macht über die Sünde gegeben. Wir würden immer noch in unseren Sünden sein, wenn er nicht von den Toten auferstanden wäre. Um Vergebung für unsere Sünden zu erhalten, müssen wir an das Evangelium glauben, und die Auferstehung ist Teil des Evangeliums. Fünftens: Wenn er nicht auferstanden wäre, gäbe es keine Hoffnung für die, die bereits gestorben sind (V. 18). Wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, dann werden auch die Heiligen, die bereits gestorben sind, nicht auferstehen. Sechstens sind wir alle elende Menschen, weil wir unser Leben dem angepasst haben, was unwirklich ist (V. 19). In der Tat würden wir einen falschen Lebensstil leben, indem wir unser Leben in Übereinstimmung mit dem auferstandenen Messias anpassen, wenn die Auferstehung nicht wirklich stattgefunden hätte

I. Die Bedeutung der Auferstehung
Die Bedeutung der Auferstehung liegt in vier spezifischen Bereichen.
die Bedeutung für Christus
Der erste Bereich der Bedeutung ist in Bezug auf den Messias in viererlei Hinsicht: Erstens, die Auferstehung bewies, dass er der Sohn Gottes ist (Römer 1:4); zweitens, sie bestätigte die Wahrheit von allem, was er sagte (Matthäus 28,6); drittens bedeutet seine Auferstehung, dass er die Erstlingsfrucht der ersten Auferstehung ist (1 Korinther 15,20-23); viertens war die Auferstehung Jeschuas eine Erklärung des Vaters, dass der Messias alle Anforderungen des mosaischen Gesetzes erfüllt hat (Philipper 2,9).

die Bedeutung für alle Menschen
Die zweite Bedeutung der Auferstehung war für alle Menschen im Allgemeinen, insbesondere für die ungläubige Welt, in zweierlei Hinsicht: Erstens macht die Auferstehung Jeschuas die Auferstehung aller Menschen, sowohl der Gläubigen als auch der Ungläubigen, gewiss (1 Korinther 15,20-22); zweitens garantiert Seine Auferstehung das Gericht über alle Ungläubigen. Er ist derjenige, der die Ungläubigen richten wird, was er nicht tun könnte, wenn er nicht auferweckt worden wäre. So garantiert seine Auferstehung das Gericht über alle Menschen (Apostelgeschichte 10,40-42; 17,30-31).

die Bedeutung für alttestamentliche Heilige
Die dritte Bedeutung der Auferstehung Jesu war für die alttestamentlichen Heiligen, dass sie die Erfüllung des alttestamentlichen Versprechens bezüglich ihrer Rettung beinhaltete: die Entfernung ihrer Sünde und die Garantie ihrer zukünftigen Auferstehung (Apg 13:32-33). Die Auferstehung des Messias hatte also sogar eine Bedeutung für die Heiligen, die vor seinem eigenen Tod gestorben sind.

die Bedeutung für die Gläubigen
Die vierte Bedeutung der Auferstehung des Messias war für die Gläubigen aus, sieben Gründen. Erstens: Die Auferstehung Jeschuas beweist unsere Rechtfertigung (Römer 4,24-25). Das griechische Partizip, das Paulus in diesem Abschnitt verwendet, ist dia, was „wegen“ bedeutet. Die Grundlage der Rechtfertigung ist der Tod des Messias. Es heißt, dass er „wegen“ oder „aufgrund“ unserer vollbrachten Rechtfertigung auferweckt wurde. Weil unsere Rechtfertigung durch seinen Tod vollbracht wurde, wurde er aufgrund dieser Vollendung von den Toten auferweckt, um zu beweisen, dass wir durch unseren Glauben gerechtfertigt wurden.

Zweitens garantiert seine Auferstehung Kraft für den christlichen Dienst (Epheser 1,17-20). Gläubige können an der Auferstehungskraft teilhaben, um ihre Berufung zu erfüllen.

Drittens garantiert seine Auferstehung die individuelle Auferstehung des Gläubigen (Römer 8:11; 1 Korinther 6:14; 2 Korinther 4:14).

Viertens: Die Auferstehung Jesu bedeutet die Vergebung der Sünden des Gläubigen (1 Korinther 15,7).

Fünftens: Die Auferstehung Jeschuas bezeichnet den Messias als das Haupt der Gemeinde (Epheser 1,20-22).

Sechstens: Seine Auferstehung bedeutet, dass der Messias nun die Schlüssel des Todes hat, soweit es die Gläubigen betrifft (Hebräer 2,9-18). Satan hat nicht mehr die Autorität, einen Gläubigen in den Tod zu schicken. Der Messias hat die Schlüssel des Todes, weil er in Satans Domäne, das Reich des Todes, eingedrungen ist, ihm die Schlüssel weggenommen hat und durch seine Auferstehung „durch“ diesen Tod hindurchgegangen ist; und er hat immer noch die Schlüssel des Todes (Offenbarung 1,18).

Siebtens: Die Auferstehung Jesu bedeutet, dass es einen sympathischen Hohenpriester im Himmel gibt. Er ist im Himmel als Hoherpriester, weil er von den Toten auferweckt wurde (Hebräer 4,14-16).

Arnold Fruchtenbaum – Die Auferstehung des Messias

„Jesus ist auferstanden!
Andere Erklärungen tragen nicht“
Mit dem auferstandenen Jesus kann man heute rechnen: Davon ist Alexander Garth überzeugt – und er nennt gute Gründe, den biblischen Berichten zu glauben.
Herr Garth, warum ist es Ihnen wichtig zu zeigen, dass der christliche Glaube der Vernunft nicht widerspricht? Reicht es nicht, auf die eigene Erfahrung zu bauen?
Mit Vernunft verbindet man Logik und Überprüfbarkeit. Aber die Auferstehung ist in diesem Sinne weder logisch noch überprüfbar. Auch Erfahrung ist kein Kriterium für Wahrheit – diese Welt ist voller religiöser Spinner! Aber an die Berichte der Bibel von der Auferstehung sollte man schon vernünftig herangehen. Die Bibel ist für mich ein Glaubensbuch, das uns von Gott gegeben ist, aber auch ein historisches Dokument. Als solches kann man es untersuchen und dabei sehr interessante Dinge herausfinden. Zum Beispiel, wenn es um die Auferstehung geht.
Was genau haben Sie untersucht?
Ich habe mich gefragt: Könnte Jesus wirklich auferstanden sein? Was sagen die biblischen Berichte dazu? Sind auch andere Deutungen möglich? Dann bin ich diese Deutungen durchgegangen und habe festgestellt: Sie sind alle nicht stimmig! Man landet immer wieder bei der Frage: Was ist denn nun wirklich passiert? Historisch sicher können wir nur eines sagen: Es gibt die, wie ich das ausdrücke, „vermaledeite Lücke“.
Was verstehen Sie darunter?
Am Karfreitag waren die Jünger durch den Tod von Jesus zutiefst frustriert. Sie hatten alles auf eine Karte gesetzt, und diese Karte hatte sich als Lusche erwiesen. Ihr Herr und Meister, an den sie geglaubt haben, von dem sie gedacht haben,dass mit ihm eine strahlende Zukunft beginnt, ist einen grausamen Verbrechertod gestorben. Deshalb haben sie sich in ihr altes Leben verkrümelt. Sie hatten vor, im Grau der Geschichte zu verschwinden.
Und dann, drei Tage später, findet man die gleichen Jünger, wie sie positiv und todesmutig bezeugen, dass Jesus Christus lebt. Da muss man sich doch fragen: Was ist in der Zwischenzeit passiert? Dabei bin ich immer wieder auf die Auferstehung gestoßen: Es muss etwas von Gott her passiert sein, denn alle anderen Erklärungsversuche tragen nicht, sie erweisen sich als reines Fantasieprodukt.

Welche Erklärungsversuche gibt es denn?
Die älteste Hypothese lautet: Die Jünger konnten sich mit dem Tod ihres Meisters nicht abfinden. Sie wollten den Behörden eins auswischen und gleichzeitig groß rauskommen. Deshalb sagten sie: Wir inszenieren eine Auferstehung! Wie macht man das? Indem man die Leiche klaut und versteckt. In der religiös aufgeheizten Stimmung der damaligen Zeit würde es bestimmt Leute geben, die dann an die Auferstehung glauben. Das klingt erst mal ganz plausibel. Es macht aber gar keinen Sinn, weil die Jünger bereit sind, für die Überzeugung, dass Jesus lebt, in den Tod zu gehen. Für eine Lüge riskiert man nicht sein Leben! Es dauerte auch nicht lange, da gab es den ersten Toten unter den Christen: Stephanus ist gesteinigt worden wegen der Botschaft von der Auferstehung Jesu.

Welche anderen Erklärungen führen in eine Sackgasse?
….

LebensLust Ostern Special 2020

erkannt?

Jesus sagt ihnen: „Auf zum Frühstücken!“ Niemand jedoch hatte den Mut, ihn auszufragen: „Bist du es selbst?“, weil sie sich sicher waren, dass es sich um den Herrn handelt. Jesus kommt dazu, nimmt das Brot und gibt es an sie weiter und in derselben Weise den Fisch. Damit ist Jesus schon das dritte Mal für seine Schüler sichtbar geworden, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Joh 21,12–14

Jesus spricht zu ihnen: Kommt her, frühstücket. Keiner aber von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? da sie wußten, daß es der Herr sei. Jesus kommt und nimmt das Brot und gibt es ihnen, und gleicherweise den Fisch. Dies ist schon das dritte Mal, daß Jesus sich den Jüngern offenbarte, nachdem er aus den Toten auferweckt war.
Elberfelder 1871 – Johannes 21,12–14

„Kommt endlich! Und guten Appetit!“ Keiner von den Freunden traute sich zu fragen: „Wer bist du eigentlich?“, aber unausgesprochen war jedem klar: Es war ihr Jesus!
VolxBibel – Johannes 21:12

Wie sah Er aus? Wie sah Er nach seiner Auferstehung aus?
Haben seine Apostel Jesus erkannt?

Die Jünger hörten die Einladung zum Frühstück und sammelten sich um das Kohlenfeuer, um an den guten Gaben teilzuhaben, die der Herr ihnen bereitet hatte. Petrus muss seinen eigenen Gedanken nachgehangen haben, als er das Kohlenfeuer erblickte. Erinnerte er sich an das Kohlenfeuer, an dem er sich wärmte, als er den Herrn verleugnet hatte? Die Jünger waren angesichts der Gegenwart des Herrn in seltsamer Weise von Ehrfurcht erfüllt. Sie waren sich auch des Ernstes dieser Situation bewusst. Da stand er in seinem Auferstehungsleib. Es gab so viele Fragen, die sie ihm gerne gestellt hätten. Doch sie wagten es nicht. »Sie wussten, dass es der Herr war«, selbst wenn sie spürten, dass ein gewisses Geheimnis seine Person umgab.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Natürlich sollen wir schwer arbeiten. Natürlich sollen wir auch organisiert sein. Natürlich gibt es keine Ausrede für Faulheit, Schlamperei und Halbherzigkeit im Reich Gottes. Wir tun das Werk Gottes und müssen es auch mit aller unserer Kraft tun. Aber lassen Sie uns nicht diesen Unsinn glauben, es würde alles nur von uns abhängen, als wäre der arme alte Jesus nicht in der Lage, auch nur einen Finger zu krümmen, wenn wir das nicht für ihn tun. Wir würden in der Tat wahrscheinlich wesentlich wirkungsvoller arbeiten, wenn wir erst einmal diese an Paranoia grenzende Vorstellung ablegen würden. Jesus bleibt der Souverän. Gott sei Dank!
Noch einmal läuft uns hier ein Schauer über den Rücken, ähnlich wie in dem Moment, als Jesus durch die verschlossenen Türen des Obergemachs eintrat. „Keiner seiner Jünger getraute sich, ihn zu fragen: ‚Wer bist du?‘ Sie wussten, dass es der Meister war“ (Vers 12). Das ist eine sehr seltsame Ausdrucksweise. Sie passt zu all den anderen außergewöhnlichen, seltsamen Dingen, die in den Auferstehungsberichten gesagt werden. Sie wussten, dass er es war … und doch wollten sie ihn fragen, waren aber zu ängstlich.
Warum wollten sie ihn fragen? Sie waren zwei oder drei Jahre lang Tag und Nacht mit ihm zusammen gewesen und wollten ihn nun fragen, wer er denn sei? Da könnte ich ja ebenso gut eines Morgens meine eigene Frau aufwecken und sie fragen, wer sie denn sei. Wenn sie ihn bis jetzt nicht kannten, würden sie ihn wohl nie kennen.
Allerdings gilt: Dieser Satz ergibt nur dann Sinn, wenn Jesus gleichzeitig derselbe ist und doch auch irgendwie anders. Keine Quelle erwähnt, was er anhatte. Keine Quelle beschreibt sein Gesicht. Irgendwie war er durch den Tod hindurch in eine seltsame neue Welt gegangen, in der bisher noch niemals jemand gewesen war und seitdem auch niemand gewesen ist – auch wenn uns hoch und heilig versprochen wird, dass wir letztendlich dort bei ihm sein werden. Sein Leib war nicht länger dem Verfall oder Tod unterworfen. Wie mag das gewesen sein?

Wright – Das Neue Testament für heuteWright – Das Neue Testament für heute

„Jesus sagt zu ihnen: Kommt, haltet das Frühmahl!“ Das hier für das Mahl verwendete Wort bezeichnet das „Frühstück“. Vielleicht sollen wir ruhig übersetzen „Kommt her, frühstückt“, um alle falsche Feierlichkeit von der Szene fernzuhalten. Die Boten im Neuen Testament haben durchgängig die einfache Umgangssprache gebraucht. Die Einfachheit, die Herzlichkeit und Freiheit des Evangeliums wird dadurch spürbar. Auch der Auferstandene, der nicht in Lichtherrlichkeit, sondern als einfacher Mensch erscheint, kann mit seinen Jüngern so natürlich und menschlich reden und sie zum Frühstück rufen.
Gerade von da aus wird es verständlich, daß der Erzähler an dieser Stelle hinzufügt: „Keiner wagte von den Jüngern, ihn auszufragen: Wer bist du? Sie wußten ja, daß es der Herr ist.“ Wie schlicht sich Jesus auch gab, die Jünger sind gewiß, daß es der Herr ist. Darum erschien es ihnen als ein „Wagnis“, als eine Dreistigkeit, wenn sie ihn noch einmal „ausfragen“ würden, um eine besondere Bestätigung ihres Wissens aus seinem eigenen Mund zu hören.

Wuppertaler Studienbibel

.„Kommet her, frühstücket“ war die freie Einladung des Herrn an Seine Jünger, ihre körperlichen und geistlichen Bedürfnisse bei Ihm zu stillen. Andere mögen essen und trinken, bis die Flut sie hinwegrafft (Mt 24,38), indem sie sagen: „Lasset uns essen und trinken, denn morgen sterben wir“ (1Kor 15,32). Aber die Vorsorge des Herrn führt zu Leben, sei es das Manna vom Himmel, oder seien es die Fische und Brote wie im vorliegenden Fall. An anderer Stelle hatte der Herr bereits ähnliche Einladungen gegeben: „Kommet her zu mir“ (Mt 11,28); „Kommet und sehet!“ (Joh 1,39); „Komm hier herauf“ (Offb 4,1). Auf der anderen Seite finden sich auch Einladungen, die von Tod und Gericht sprechen, wie: „Kommet her, versammelt euch zu dem großen Mahle Gottes“ (Offb 19,17); „Auf! versammelt mir alle Tiere des Feldes, bringet sie zum Fraße herbei!“ (Jer 12,9); „Versammelt euch und kommet“ (Hes 39,17).
 Nicht einer der Jünger wagte zu fragen: „Wer bist du?“, da sie wußten, daß es der Herr war. Es ist bemerkenswert, daß Johannes die Notwendigkeit empfand, daß man diese Frage hätte stellen sollen, wiewohl er auch sagte, daß alle wußten, daß es der Herr war. Aber diese Bemerkung zeigt, daß in den Aposteln noch ein großer Mangel an Vertrauen in den Herrn war, auch wenn sie Ihn erkannten. Das zeigte sich auch in Mk 9,32 ,wo es von den Aposteln heißt: „Sie […] fürchteten sich, ihn zu fragen“ über Seine Aussagen, die Seinen bevorstehenden Tod und die Auferstehung betrafen.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Als Jesus die Jünger einlud, mit ihm zu essen, fragte ihn niemand, wer er war, denn sie wußten, daß es der Herr war. Die Tatsache, daß sowohl Maria (Joh 20,14) als auch die Jünger auf der Straße nach Emmaus (Lk 24,13-35) ihn nicht sofort erkannt hatten, scheint darauf hinzudeuten, daß sein Aussehen sich nach seiner Auferstehung verändert hatte. Dennoch waren sich die Jünger sicher, daß es Jesus war. Die gemeinsame Mahlzeit mit ihrem auferstandenen Herrn hinterließ einen unauslöschlichen Eindruck bei ihnen. Noch Jahre später sprach Petrus in seiner Predigt von sich selbst als verläßlichem Zeugen, der mit Jesus nach seiner Auferstehung aß und trank (Apg 10,41). Das dritte Mal. bezog sich auf das dritte Erscheinen vor den Aposteln, von dem Johannes berichtet (vgl. Joh 20,19.26).
Johannes

Walvoord Bibelkommentar

Nun kommt es zu einem eigenartigen Vorgang: »Keiner von den Jüngern wagte es, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr« (V. 12). Auch vor der Kreuzigung war der Eindruck, den Jesus auf andere machte, teilweise so stark, dass es »niemand wagte, ihn zu fragen« (Mt 22,46; Joh 4,27). Jetzt kommt die Scheu vor dem göttlichen Wunder der Auferstehung hinzu. Auch nach Lk 24,30ff.haben die Emmausjünger Jesus nicht befragt. Im Frühlicht jenes Morgens am See Genezareth ist alles klar. Unpassende Worte wären peinlich. »Denn sie wussten: Es ist der Herr.« Und noch einmal wird hier der Grundton aller johanneischen Auferstehungsberichte deutlich: »Es ist der Herr«! (Vgl. Joh 20,18.20.25.28; 21,7). Wenn in den apostolischen Briefen und Berichten vom »Herrn« die Rede ist, dann steht diese Auferstehungserfahrung dahinter. Im Übrigen handelt es sich um ein zeitloses »ist«. Jesus wird ja immer und ewig »der Herr« sein. Allerdings einer, der sich nicht vom Vater löst, sondern dem Vater untertan bleibt (1 Kor 15,28).

Edition C

Würden wir IHN erkennen?

Da hab ich gesagt: Gott, zeig mir, wie lang ich noch zu leben habe

Mein Herz brannte in meinem Innern, bei meinem Nachsinnen entzündete sich Feuer; ich sprach mit meiner Zunge: Tue mir kund, Jehova, mein Ende, und das Maß meiner Tage, welches es ist, daß ich wisse, wie vergänglich ich bin! Siehe, Handbreiten gleich hast du meine Tage gemacht, und meine Lebensdauer ist wie nichts vor dir; ja, eitel Hauch ist jeder Mensch, der dasteht. (O. feststeht)
Elberfelder 1871 – Ps 39,4–6

Mein Herz war heiß in meinem Inneren. In meinem Sinnen brannte das Feuer, und ich redete mit meiner Zunge: Ps 119,53; Jer 20,9.
Tue mir, Jehovah, kund mein Ende und meiner Tage Maß, was es ist, laß mich erkennen, wie vergänglich ich bin. Ps 90,12; Hi 14,5.
Siehe, spannenlang gabst Du meine Tage, und meine Lebenszeit (Zeitlichkeit) ist wie nichts vor Dir. Ein bloßer (alle) Hauch (Nichtigkeit) ist jeder Mensch hingestellt. Selah. Ps 44,4; 62,10; 90,5; 2Pe 3,8.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Psalm 39,4–6

Ich verstummte und schwieg von Allem, aber mein Schmerz war empört; es brannte mein Herz in meinem Busen; in meinem Drange entzündete sich Feuer: da redete ich mit meiner Zunge.
Lehre mich, Jehova, kennen mein Ende, und welches meiner Tage Maß! Erkenn‘ ich doch, wie hinfällig ich bin. Siehe Handbreiten machtest du meine Tage, und meine Lebensdauer ist wie nichts vor dir; ja, gar vergänglich ist jeglicher Mensch, wie fest er stehe! (Pause.)
de Wette Bibel – Psalm 39:3–6

Angst vor dem Tod? David hatte eher Angst, zu sterben, bevor er alle seine Schritte mit Jehovah geklärt hätte. Aber David scheint klar gewesen zu sein: wann ein Anbeter des Schöpfers stirbt: entscheidet nur der Schöpfer!

David erkannte an, daß sein Leben nur von kurzer Dauer war (V. 2-7 ). Erstens beschloß er, mit seinen Worten nicht zu sündigen. Er schwieg still in der Gegenwart seiner Feinde, aber als er seine Empfindungen unterdrückte, verschlimmerte das nur sein Leiden.
Zweitens suchte er Trost für seine Enttäuschung, indem er sich der Bestimmung des Herrn für sein Leben unterwarf. Er betete, daß der Herr ihm die Kürze des Lebens klarmachen möge (vgl. Ps 90,10.12 ). Dieses Gebet entstand aus dem Bewußtsein heraus, daß das Leben nur von kurzer Dauer ist – wie eine Handbreit und ein Hauch (vgl. Hi 7,7; Ps 39,12;62,10;144,4 ). Alle Mühe mit dem Aufhäufen seiner Besitztümer ist vergeblich, denn das Leben ist kurz.

Walvoord Bibelkommentar

Leben
Altes Testament: Die Bibel ist vor allem am menschlichen L. interessiert. Der Mensch, von Gott geschaffen, wird zum lebendigen Wesen, indem ihm Gott seinen Lebensodem einhaucht ( 1.Mo 2,7 ). Das unterscheidet ihn von allen anderen Lebewesen ( Ps 8,6 ). Doch bereits durch den Sündenfall ( 1.Mo 3 ) wird die Lebensqualität des Menschen erheblich beeinträchtigt: er muß sterben ( 1.Mo 2,17 ). Das menschliche L. vergeht nun wie der Tau am Morgen oder wie das Gras, das verdorrt ( Ps 39,4; 90,5 ). Ein langes L. ist zwar ein Zeichen für den Segen Gottes ( 5.Mo 5,16 ), doch im Tod wird der Mensch wieder zu Staub ( 1.Mo 3,19 ). Die Hoffnung auf die Überwindung des Todes liegt nur in Gott begründet. Er ist der lebendige Gott, was ihn von den machtlosen Götzen unterscheidet ( Jes 46,5 .). Er ist die Quelle des L. ( Jer 17,13 ), der die Menschen vom Tod errettet und sie täglich auf dem rechten Weg führt ( Ps 16,10 ). Der lebendige Gott herrscht über den Tod, indem er heilt ( 2.Kön 17,20 ), indem er Tote auferweckt ( 1.Kön 17,20 ), indem er in einer kinderlosen Frau L. heranwachsen läßt ( 1.Sam 1,19; 2,6 ).
L. ist deshalb eine Leihgabe Gottes, und wahres L. besteht in einem auf Gott gerichteten Verhalten ( Ps 73,23 ). Obwohl nicht immer offenkundig, führt Gerechtigkeit zum L. ( Spr 11,19 ). In einzelnen Aussagen des AT bricht die Hoffnung durch, daß Gott die Menschen vom Tod befreien wird (z.B. Hiob 19,26; Ps 16,8 ). Der Messias wird auch die Auferstehung bringen ( Jes 26,19 ).
Neues Testament: Wie im AT wird L. als ein vergängliches, von Gott abhängiges Gut beschrieben ( Mt 4,4; 10,28 ). Klarer als im AT wird zwischen natürlichem L., das unter das Gericht fällt ( Lk 12,20 ), und ewigem L. unterschieden, das in der leiblichen Auferstehung den Tod überwindet ( 1.Kor 15 ). Jesus Christus ließ sein L. und wurde auferweckt, um für alle die tödliche Bedrohung der Hölle (Scheol) zu beseitigen ( Joh 10,17; Apg 2,31 ). Wer sich ihm anvertraut, wird zum ewigen L. auferstehen ( Mk 8,35 ). Das L. nach der Auferstehung wird oft einfach als „Leben“ bezeichnet ( Apg 5,20; Röm 5,17 ). Es bringt volle Genüge ( Joh 10,10 ), ist unvergänglich ( 2.Tim 1,10 ) und heilig ( Röm 6,22 ). Wer Jesus Christus nachfolgt, wird dieses L. ererben ( Mk 10,29 ), denn Jesus ist das L. selbst ( Joh 14,6 ), der Urheber alles L. ( Apg 3,15 ). Jesus Christus erhält L. ( Joh 6,35 ) und ist durch seine Auferstehung zum Richter alles L. bestätigt ( Mk 14,62; Joh 11,25 ).
Ewiges L. wird dem Glaubenden geschenkt ( Apg 11,18; Joh 3,16 ). Der Mensch kann über dieses L. nicht verfügen ( Mk 10,17.30 ). Glaube oder Unglaube entscheiden deshalb darüber, ob ein Mensch bereits jetzt in seiner Beziehung zu Gott „lebendig“ oder „tot“ ist ( Eph 2,1 ). Bei den Synoptikern wird das L. immer als zukünftiges Erbe in Verbindung mit dem kommenden Reich Gottes gesehen (z.B. Mt 25,46 ). Auch Johannes und die Briefe des Paulus unterstreichen diese Auffassung (z.B. Joh 5,28; 2.Kor 5,4 ), weisen aber daraufhin, daß das ewige L. bereits als gegenwärtiger Besitz des Glaubenden angesehen werden darf ( 1.Joh 3,14; Eph 2,5 ).
Der Heilige Geist ist das „Unterpfand“ oder Angeld, die „erste Rate“ zukünftigen L. ( 2.Kor 5,5 ). Dies zeigt sich in der Erneuerung des L.s und der Veränderung des Verhaltens; aber der Körper muß noch durch das Tor des körperlichen Todes hindurch, den Jesus bei seinem zweiten Kommen endgültig abschaffen wird ( 1.Kor 15,51 ). In der Auferstehung wird der Glaubende einen neuen Leib erhalten ( Phil 3,21 ) und in der Gegenwart des Herrn Jesus leben ( Joh 14,3 ), wo er Gott von Angesicht zu Angesicht schauen darf ( 1.Kor 13,12 ).

Brunnen Bibel-Lexikon

Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe. Dies Bild lässt uns die ganze Größe des Schmerzes ersehen: der innerlich zusammengepresste Schmerz erhitzte sich dadurch mehr und mehr, bis die ungeheure Glut zuletzt übermächtig hervorbrach. Hieraus können wir eine wichtige Mahnung entnehmen, nämlich dass je mehr jemand sich anschickt, Gott gehorsam zu sein und mit ganzem Eifer danach trachtet, ruhig zu werden, er umso heftiger gequält wird. Dann wendet Satan alle seine Kraft an, ihn zu bekämpfen, während er die Gefühllosen nicht belästigt. Wenn daher die Leidenschaften in uns glühen, so müssen wir an diesen Kampf Davids denken, damit wir nicht den Mut verlieren, und vor allem damit unsere Schwachheit uns nicht zur Verzweiflung treibe. Die trockenen und heißen Ausdünstungen, welche die Sonne im Sommer erzeugt, würden ohne Geräusch nach oben steigen, wenn sie mitten in der Luft keinen Widerstand finden würden. Da aber die Wolken ihnen im Wege sind, so entsteht durch den Zusammenstoß mit ihnen der Donner. Dasselbe ist bei den Frommen der Fall, die nach dem Himmel streben. Würden sie ihr Herz auf eitle Gedanken richten, so würde der Durchgang ihnen offen stehen. Jetzt aber, da sie bestrebt sind, sich Gott hinzugeben, bereitet das Fleisch ihnen Hindernisse. Wir müssen also wissen, dass wir jedes Mal, wenn das Fleisch seine Angriffe gegen uns richtet, durch dieselbe Versuchung geprüft werden, die David so viel zu tun machte. Am Schlusse des Verses gesteht er, dass er sich durch die Größe des Übels habe überwinden lassen und in törichte und unüberlegte Worte ausgebrochen sei. Er hält uns in seiner Person einen Spiegel der menschlichen Schwäche vor Augen, damit wir uns vor der Gefahr warnen lassen und lernen, ängstlich unter dem Schatten der Flügel Gottes Zuflucht zu suchen. Dass David sagt: ich rede „mit meiner Zunge“, ist keine überflüssige Wendung, sondern ein genaueres Bekenntnis seiner Schuld. Er will damit nämlich sagen, dass er in ein lautes Rufen ausbrach.
V. 5. Lass mich wissen mein Ende. Hier lässt David sich offenbar neue Ausschreitungen zuschulden kommen: denn er hadert mit Gott. Dies wird uns vollends deutlich werden, wenn wir diese Sätze im unmittelbaren Anschluss an das Vorige lesen. Bald nachher trägt ja David wieder heilige und wohlgesetzte Bitten vor. Jetzt aber zeigt er sich darüber aufgebracht, dass er, da er doch ein vergänglicher und hinfälliger Mensch ist, nicht milder behandelt wird. Die Reden Hiobs sind voll derartiger Klagen. Er sagt also nicht ohne Ärger und Widerwillen: Da du, Herr, mich so hart behandelst, so lass mich wenigstens wissen, wie viel Zeit zum Leben du mir vorgeschrieben hast. Aber mein Leben ist ja nur ein Augenblick. Was soll daher diese Härte? Weshalb sammelst du eine so gewaltige Menge von Leiden auf mein Haupt, als hätte ich noch viele hundert Jahre zu leben? Was nützt es mir geboren zu sein, wenn ich die kurze Zeit meines Lebens unter fortwährenden Leiden elend hinbringe? In dieser Gedankenrichtung bewegt sich auch noch der folgende Vers: Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir. Es ist dieses die Breite von vier Fingern und bedeutet ein sehr geringes Maß. Es ist, als wollte David sagen, dass das Leben des Menschen plötzlich vorüberfliege, und dass sein Ende fast mit dem Anfang zusammentreffe. Daraus schließt er dann, dass alle Sterblichen vor Gott nur Eitelkeit sind. Doch wir haben noch nach dem genaueren Verständnis des vorangehenden Satzes zu fragen: Ich möchte doch erfahren, wie bald ich aufhören muss. Das ist nicht eine ernstliche Bitte, Gott möge ihm die Kürze seines Lebens zeigen, als wäre ihm dieselbe unbekannt, sondern eine Art von Spott. David will etwa sagen: Würde man die Zahl der Jahre, die mir noch übrig sind, zusammennehmen, so würden sie kaum ein Ersatz sein für die Leiden, die ich tragen muss.
V. 6. Mein Leben d. h. meine Lebensdauer ist wie nichts vor dir. Wenn David nunmehr den Herrn selbst als Zeugen seiner Gebrechlichkeit aufruft, so will er ihn damit umso mehr zum Mitleid bewegen: weiß er doch am besten, wie flüchtig das Menschenleben dahineilt. Gar nichts sind die Menschen; in ihrem ganzen Geschlecht findet sich nur eitle Vergänglichkeit. Und das gilt, während sie so sicher leben, wörtlich „wenn sie stehen“, also in der Blüte ihrer Kraft, wo sie etwas gelten zu können glauben. Ist es nun auch die Traurigkeit, welche dem David diese Klagen auspresst, so wollen wir uns doch einprägen, dass die Menschen erst dann merken, dass sie nichts sind, wenn Unglück auf ihnen lastet. Denn das Glück berauscht sie so, dass sie ihr Los vergessen und in ihrer Trunkenheit träumen, sie könnten immer auf Erden bleiben. Diese Erkenntnis unserer Vergänglichkeit ist uns allerdings sehr nützlich. Doch müssen wir uns hüten, dass wir uns nicht durch sündhaften Lebensüberdruss zur inneren Auflehnung treiben lassen. Wahr und weise verkündigt David, dass der Mensch selbst dann, wenn er am meisten auf seiner Höhe zu stehen scheint, doch weiter nichts ist als eine Blase, aus Eitelkeit gebildet. Er versündigt sich nur darin, dass er dieses als Ursache nimmt, um mit Gott zu hadern. Das Missfallen an unserer elenden Lage muss vielmehr von solcher Art sein, dass es uns zu Boden drückt, damit wir dann in demütiger Bitte unsere Augen zu Gottes Erbarmen erheben. Das tut auch David bald nachher, indem er sich selbst verbessert. Er bleibt nicht bei diesem wirren Jammer stehen, sondern erhebt sich im Gefühl des Glaubens zum himmlischen Troste.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Laß mich wissen, Jahwe, mein Ende – weiß David nicht wie jeder andere Mensch, daß es mit seinem Leben einmal ein Ende haben wird? Oder will er etwa seine genaue Todesstunde wissen? Wie kommt David eigentlich auf diese Frage und was will er von Gott wissen? Angesichts der Erschütterung seiner Existenz durch seine Feinde und seine persönliche Sünde ist David mit der Tatsache des Todes konfrontiert worden, das heißt mit der Vergeblichkeit und den unendlichen Mühen dieses Lebens. Sehr schnell kann er jetzt abgleiten in einen grundsätzlichen Pessimismus und in eine Traurigkeit, die letztlich gotteslästerlich ist. Darum bittet David, der von Gott berufene Beter vieler Generationen von Gottesmenschen, um eine geistliche Schau bezüglich seiner persönlichen Begrenztheit. Wohlgemerkt, es geht ihm um eine geistliche Tiefenschau, die nur Gott allein schenken kann. Wird er diese bekommen, dann werden ihn fremde und eigene Nöte nicht unbegrenzt überfluten. Anders gesagt: Wer die Begrenztheit des menschlichen Lebens nicht bloß aus der Beobachtung, sondern als göttliche Offenbarung empfängt, wird gerade dadurch eine neue Lebenskraft erfahren. Das steht hinter dem Satz: ich will erkennen, wie hinfällig ich bind.165 So will David das Maß (seiner) Tage aus Gottes Mund erläutert bekommen.
[6/7] Man kann hinter V. 6 u. 7 durchaus eine in das Herz Davids hineingesprochene Antwort Gottes erkennen. Das einleitende Siehe scheint darauf Bezug zu nehmen. Gott sagt dem Beter David, obwohl er dieses alles schon vorher »wußte«, daß seine Lebenstage nur (einige) Handbreiten (lang) dauern werden. Was hat denn David dadurch Neues gehört? Er hat aus Gottes Mund erfahren, daß sein Leben eine Grenze hat und deshalb werden seine Nöte auch eine Grenze haben. Wenn Gott selbst in seiner unendlichen Größe vor David tritt, wird David als Teil der geschöpflichen Welt seine Endlichkeit beglückt wahrnehmen. Es ist alles nur Hauch, alle Menschen, sagt Gott ihm. »Erst dem, der die Vergänglichkeit und Nichtigkeit allen menschlichen Wesens vor Gott erkannt hat, öffnet sich auch der Blick für das wahre Wesen Gottes und für den einzigen Trost und Halt, den er bei ihm findet, wenn sich die menschlichen Stützen als brüchig erwiesen haben« (Weiser). Wenn das stimmt, ist auch das Anhäufen von Besitz ein sinnloses Unterfangen. Wer seine Endlichkeit aufs neue aus Gottes Hand nimmt, kann auch die Erde schonen und muß sie nicht mehr ausbeuten! Gerade dann, wenn der Mensch erkannt hat, wie sehr geliebt er ist, kann er auf der anderen Seite die Wahrheit annehmen, daß er nur ein Schattenbild ist.

Wuppertaler Studienbibel


Wenn wir feststellen, dass wir unsere wahren Gefühle verbergen und uns körperlichen und emotionalen Schmerz zufügen, dann ist es an der Zeit, mit dem Herrn zu sprechen und seine Hilfe zu suchen. David wusste, dass das Leben kurz war und die Tage schnell vergehen würden; er wusste auch, dass er gebrechlich war und eines Tages sterben würde. Er begann, seine Tage zu messen (90,12; 119,84), und sah, dass sie nur eine Handbreit (vier Finger) betrugen und sein Alter in den Augen Gottes nichts war. (Siehe 90:1-11.) „Wahrlich, jeder Mensch in seinem besten Zustand [in seiner Kraft] ist ganz und gar eitel“ (V. 5) klingt wie eine Aussage aus Prediger von Davids Sohn Salomo, und er wiederholt diesen Gedanken in Vers 11. Das hebräische Wort, das mit „Eitelkeit“ übersetzt wird, bedeutet „ein Hauch, Leere“ (siehe 62,9; 144,4; Hiob 14,2; Prediger 6,12). Einer meiner Hebräisch-Professoren beschrieb „Eitelkeit“ als „das, was übrig bleibt, wenn man eine Seifenblase zerbricht“. In Vers 6verglich er das Leben mit einer „leeren Show“, in der sich Schattenmenschen tummeln und versuchen, reich zu werden. Geschäftig für was? Reichtum wofür? Jahre später stellte Salomo dieselben Fragen (Prediger 2:18-19), und Jesus betonte dieselbe Wahrheit in Lukas 12:16-21. Wenn du die Länge des Lebens misst, wirst du vielleicht verzagt, aber wenn du dich umschaust und die Tiefe des Lebens misst, bist du entsetzt. Das Leben ist schnell, das Leben ist kurz, und für die meisten Menschen ist das Leben sinnlos. Im modernen Vokabular leben die Menschen für das Bild und nicht für die Realität.
Dies ist der zentrale Vers des Psalms und der Wendepunkt in Davids Erfahrung. „Wenn das Leben kurz ist und so schnell vergeht“, fragt David, „worauf warte ich dann noch? Wenn die Welt nur ein Schattenbild ist, dann will ich mich dem Herrn hingeben, der die Grundlage für alles Wirkliche und Bleibende ist.“ Heute würden wir sagen: „Die Wirklichkeit ist von Christus“ (Kol 2,17, NIV). Die Hauptsache ist nicht, wie lange wir leben, sondern wie wir leben. Das Leben wird nicht daran gemessen, wie reich wir an materiellem Wohlstand sind, sondern ob wir Werte haben, die Bestand haben. Leben wir mit den Werten der Ewigkeit im Blick? „Wer den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit“ (1. Johannes 2,17, NKJV). Indem er sich im Glauben dem Herrn zuwandte, gelangte David von der Hoffnungslosigkeit zur Hoffnung und von der Lähmung zum Handeln. Die nächsten Verse beschreiben, was er tat, um den Wandel herbeizuführen.

Warren W. Wiersbe – Be Commentary Series

Wenn das Leben also kurz ist, und in Gottes Hand liegt – warum nutzen wir es dann nicht, um IHN zu preisen, über IHN zu reden, und mit IHN zu reden (zu beten)?