Schlagwort: Glauben

„langsam lesen“

Die Söhne Jissraels taten weiter das in SEINEN Augen Böse,
sie dienten den Baalen und den Aschtarten,
Göttern Arams, Göttern Sidons, Göttern Moabs,
Göttern der Söhne Ammons und Göttern der Philister,
IHN verließen sie, dienten ihm nicht.
Buber & Rosenzweig – Richter 10,6

Und die Kinder Israel taten wiederum, was böse war in den Augen Jehovas, und sie dienten den Baalim und den Astaroth, und den Göttern Syriens und den Göttern Zidons und den Göttern Moabs und den Göttern der Kinder Ammon und den Göttern der Philister; und sie verließen Jehova und dienten ihm nicht.
Elberfelder 1871 – Richter 10,6

Die Israeliten taten weiterhin das Böse vor dem Herrn und verehrten die Baals-Schanden und die Astarthen und die Götter Sidons und die Götter Moabs und die Götter der Ammoniter und die Götter der Andersstämmigen und verließen den Herrn und dienten ihm nicht.
Septuaginta Deutsch – Richter 10,6

Beim Aktivgottesdienst sind wir nun im Bibelbuch Richter. Das Kapitel fängt ja ziemlich „langweilig“ an – zwei Richter werden nur kurz mit Name und Dauer ihres Amtes genannt. Schnell weiter gelesen – oder? Nun wir besprachen gestern, dass du und ich schon froh sein können, wenn wir nur in ein paar Zeilen in Gottes Buch „notiert worden sein sollten“ – weil wir anders waren, als unsere Umwelt. Und genau das war es ja, was diese Männer auszeichnete. Und durch ihr „anders sein“ wurden ihre Namen in Gottes Wort der Bibel „verewigt“.
Und dann kommt ein Vers, den wir wirklich verstehen müssen, um dann alles weitere in Richter aber auch die Zeit der Könige zu verstehen: Gottes Volk nahm zum wiederholten Male die „falsche Anbetung“ auf! Und zwar „so richtig“!

Das Böse, wie Gott es beurteilt, könnte zwar mit den Geboten zwei bis zehn umschrieben werden, aber die Sünden aufzuzeigen, wäre oberflächlich. Denn es geht um eine viel tiefere Sünde, die dann zu den einzelnen Taten führt: der Abfall von Gott – sie dienten den Baalen und den Astarten. Israel hat das natürlich bestritten. Sie hätten nur das, was in allen Religionen gleich sei – Was denn? – übernommen. Warum solle man nicht aus dem Baalskult Gutes übernehmen? Was sei gegen einen Gottesdienst im Freien einzuwenden? Warum solle man nicht auch einmal mit den Angehörigen anderer Religionen gemeinsam einen Gottesdienst feiern und gemeinsam beten? Was unter dem modernen Stichwort »Ökumene der Religionen« gelehrt wird, kommt in die fatale Nähe dessen, was Israel damals tat, und was von Gott schärfstens verurteilt wurde. Nur sah weder damals noch heute der »Durchschnitts-Gläubige« das als Unrecht an. Was ist schon dabei?
Baale (s. 2,11) und Astarten (s. 2,13) haben nun einmal eine andere Ethik, die lustorientierte, nicht zuletzt in bezug auf das Sexualleben. Warum sollte man in Israel sich unnötige Beschränkungen auf erlegen? Man hat sicher damals wie heute Gottes Willen entsprechend den anderen Religionen umgedeutet – warum sollte man nur an einen männlichen Gott glauben? Kommt nicht im biblischen Glauben das Mütterliche zu kurz? Aber zu keiner Zeit will Israel, des Alten wie des Neuen Bundes, die Religions Vermischung wahrhaben oder als Unrecht erkennen.

Wuppertaler Studienbibel

Ja, bei diesem Vers müssen wir uns „leider“ mal anschauen, was diese Götter ausmachte, was diese Götter „wollten“, was „man tat, um diese zu feiern“ usw.
Da waren also ein paar Götter, die Unmoral und Sexorgien, Saufgelage und vieles mehr förderten, dann haben wir einige Götter, die das „Abschlachten“ bei „sportlichen Spielen“ förderten.
Wir haben oft den Gedanken gehört, dass wir in einer Zeit leben würden, wo so etwas neu wäre – aber Nein! – seit der Zeit nach der Sintflut hat sich nicht viel geändert: was damals in Tempeln stattfand, kam später ins Colosseum und ist heute in unserem Fernseher zu finden – aber die Art „sich zu unterhalten“ hat sich nicht wirklich verändert.
Und wie damals – so auch heute – „verkauft uns Jehovah in die Hand der Feinde“ (Vers 7) – was ja nicht mehr bedeutet, als dass Er Seinen Schutz wegnimmt, und wir das „Leid“ erfahren, dass wir uns „mühsam erarbeitet haben“ um nicht zu sagen „verdient haben“.

Gott duldet nicht, entehrt zu werden. Wer sich anderen Göttern zuwendet, der muß sehen, wohin er kommt. Gott verkaufte sie, wie man Sklaven verkauft, oder anders ausgedrückt: Gott läßt seinem Volk den Willen. Wenn sie sich den heidnischen Göttern anvertrauen, sollen sie auch erfahren, wohin das führt: in die Sklaverei anderer Völker.

Wuppertaler Studienbibel

Was passiert, wenn Jehovah Seinen Schutz wegnimmt, kennen wir bestimmt alle aus eigenen Erfahrungen? Wenn Probleme und Sorgen, Krankheit und Streß unseren Alltag „zerfressen“. Und wir sehen, in den kommenden Versen, wie Gottes Volk reagiert: es schreit zu Jehovah – genau wie wir es dann machen, wenn uns „das Wasser bis zum Hals steht“.
Aber warum wenden wir uns denn erst von Jehovah ab? Warum bleiben wir nicht gleich an seiner Hand??

Thema oder Auslegung?

Ich las in den vergangenen Tagen ein Buch über Gemeinde und was „gesunde Gemeinde“ ausmacht.
Der dort als wichtigster Punkt genannte Prüfungspunkt lautet:
Auslegungspredigt oder Themenpredigt.
Themenpredigt kennen wir ja alle – der Vortragsredner hat ein Thema und sucht sich dazu alle Bibelstellen aus Gottes Wort heraus. Oder bei religiösen Zeitschriften : Thema – und alles dreht sich um dieses Thema. Und ja, so kann man „alles biblisch“ erklären – denn die Bibelstellen werden so herausgesucht, dass es so scheint, als wären die Verse wirklich ein guter Grund, das Thema so und nicht anders zu sehen.
Auslegungspredigt ist da schon schwerer: man liest ein Kapitel – und legt es aus – und o! das kann Schwierigkeiten gereiten – und sogar das eigene Glaubensgebäude mächtig durcheinander bringen!

Auslegungspredigt ist die Predigt im Dienst am Wort Gottes. Sie setzt den Glauben an die Autorität der Bibel voraus – dass die Bibel tatsächlich Gottes Wort ist; doch sie ist noch viel mehr als das. Der Wille zur Auslegungspredigt ist der Wille, Gottes Wort zu hören – nicht bloß zu bejahen, dass es Gottes Wort ist, sondern sich auch tatsächlich diesem zu unterstellen. Den Propheten im Alten Testament und den Aposteln im Neuen Testament wurde nicht ein persönlicher Auftrag erteilt, hinzugehen und zu predigen, sondern ihnen wurde eine konkrete Botschaft mitgegeben. So haben auch heute christliche Prediger nur soweit die Autorität, von Gott zu sprechen, wie sie seine Botschaft predigen und seine Worte entfalten. So redegewandt manche Prediger auch sein mögen: Prediger haben nicht bloß den Auftrag, hinzugehen und zu predigen. Sie haben den ausdrücklichen Auftrag, hinzugehen und das Wort Gottes zu predigen. Das ist es, was den Predigern zu predigen geboten ist.
Viele Pastoren akzeptieren bereitwillig die Autorität des Wortes Gottes und bekennen ihren Glauben an die Irrtumslosigkeit der Bibel; doch wenn sie in der Praxis nicht regelmäßig Auslegungspredigten halten, dann bin ich überzeugt, dass sie nie mehr als das predigen werden, was sie zu Beginn der ganzen Übung schon wussten. Ein Prediger kann einen Bibeltext nehmen und die Gemeinde über ein Thema lehren, das wichtig ist, das aber gar nicht der Aussage des jeweiligen Bibeltextes entspricht. Sie selbst können in diesem Moment Ihre Bibel nehmen, die Augen schließen, sie auf einer beliebigen Seite aufschlagen, mit dem Finger auf einen Vers zeigen, die Augen öffnen, den Vers lesen und daraus großen Segen für Ihre Seele ziehen, aber Sie werden dadurch nicht unbedingt das erfahren, was Gott durch diesen Bibeltext eigentlich sagen wollte.

Wenn wir uns bewusst vornehmen, einen Bibeltext in seinem Kontext, in einer Auslegungspredigt zu verkündigen – das heißt, als Hauptaussage der Botschaft die Aussage des Bibeltextes zu nehmen –, dann sollten wir von Gott Dinge hören, mit denen wir nicht gerechnet hatten, als wir den Text zu studieren begannen. Gott überrascht uns manchmal. Und ist das nicht genau das, was es, angefangen mit unserer Bekehrung bis hin zur letzten Sache, die uns der Heilige Geist gerade gelehrt hat, heißt, Christ zu sein? Stellen Sie nicht immer wieder fest, dass Gott Sie herausfordert und Dinge sagt, über die Sie vor einem Jahr nie nachgedacht hätten, wenn er beginnt, die Wahrheit Ihres Herzens und die Wahrheit seines Wortes ans Licht zu bringen? Jemanden mit der geistlichen Leitung einer Gemeinde zu beauftragen, der nicht im praktischen Leben den festen Willen an den Tag legt, Gottes Wort zu hören und zu lehren, heißt, das Wachstum der Gemeinde zu hemmen und ihr im Wesentlichen nur gestatten, bis zur Ebene des Pastors zu wachsen. Die Gemeinde wird sich nach und nach eher dem Denken des Pastors annähern als den Gedanken Gottes. Doch was wir wollen, wonach uns als Christen verlangt, sind Worte Gottes. Wir wollen in unserer Seele hören und wissen, was er gesagt hat.

9 Merkmale einer gesunden Gemeinde – 3L Verlag

„So sorgte Gott dafür, … gerächt wurde“

Und so brachte Gott die Bosheit Abimelechs, die er an seinem Vater verübt hatte, indem er seine siebzig Brüder ermordete, auf ihn zurück.
Elberfelder 1871 – Richter 9,56

So vergalt Gott dem Abimelech das Böse, das er seinem Vater angetan hatte, als er seine siebzig Brüder tötete. Desgleichen alle bösen Taten der Männer von Sichem vergalt ihnen Gott auf ihren Kopf, und es kam über sie der Fluch Jotams, des Sohnes Jerubbaals.
Luther 2017 – Richter 9,56–57

Heimkehren ließ Gott die Bosheit Abimelechs, die er an seinem Vater tat, seine siebzig Brüder umzubringen, und all die Bosheit der Männer von Sichem ließ Gott auf ihr Haupt kehren.
Über sie kam die Verwünschung Jotams, des Sohns Jerubbaals.
Buber & Rosenzweig – Richter 9,56–57

Carma? Kommt alles auf mich zurück, was ich je gemacht habe??

Gestern im Aktivgottesdienst das 9.Kapitel im Bibelbuch Richter:

Der Erzähler berichtet hier von der göttlichen Vorhersehung hinter der Zerstörung Sichems und dem Tod Abimelechs: Gott vergalt die Bosheit, die Abimelech gegen Gideon und seine Familie verübt hatte; Gott ließ die Männer von Sichem für all ihre Bosheit bezahlen. So ging der Fluch Jotams, des Sohnes Gideons, in Erfüllung (vgl. V. 20 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Die letzten Verse beweisen die Wahrheit, dass Gott sich nicht spotten lässt: „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleisch Verderben ernten“ (Gal 6,7.8a). Abimelech und die Bürger von Sichem haben das erfahren. Es ist eine Warnung, die auch zu jedem von uns spricht.

Ger de Koning – Das Buch Richter

Das Gericht Gottes ist letztlich, daß die in Bewegung gesetzte Macht des Unrechts auf den Täter zurückfällt. Gott ist Herr der Geschichte und schaut nicht ohnmächtig den Brutalen zu. So muß auch auf Umwegen geschehen, was Gott will: die Vertreibung der Kanaaniter aus dem heiligen Land: Sichem geht als kanaanäische Stadt unter und wird als israelitische wieder auf gebaut.

Wuppertaler Studienbibel

Im Moment seines Todes ist Abimelech darauf bedacht, seinen Ruf zu retten, denn er glaubt, dass er entehrt würde, wenn man sagen könnte, dass eine Frau ihn getötet hat.

I. Das ANSEHEN BEI DEN MENSCHEN WIRD MANCHMAL HÖHER EINGESCHÄTZT ALS DIE UNSCHULD VOR GOTT. Abimelech ist besorgt um die Meinung der Welt, das Urteil Gottes ist ihm egal. Er kümmert sich darum, was man über ihn sagen wird, und nicht darum, was er wirklich ist. Er stirbt nach einem höchst gottlosen Leben, aber er denkt nicht an seine böse Natur und seine abscheulichen Untaten, sondern nur an seinen Ruhm. So sehen wir immer wieder Menschen, die viel mehr damit beschäftigt sind, einen schönen Schein zu wahren, als ein wahres Leben zu führen. Doch wie hohl ist dieses Streben! Nach unserem Tod ist es uns egal, was die Menschen sagen, aber alles hängt davon ab, was Gott tun wird. Der zukünftige Zustand eines Menschen hängt nicht vom Glanz des Ruhmes ab, den er in dieser Welt hinterlässt, sondern von der Art der Offenbarung, die über sein Leben in der anderen Welt gemacht wird. Ein Epitaph ist kein Pass in den Himmel.

II. Das ANSEHEN UNTER DEN MENSCHEN WIRD OFT DURCH EINEN FALSCHEN MAßSTAB BESTIMMT. Abimelech weiß, dass seine Missetaten im ganzen Land bekannt sind, aber er schert sich nicht um das Urteil der Menschen darüber, sondern um ihre Meinung über den Unfall, der seinen Tod verursacht hat. Er sieht keine Schande in Grausamkeit und Verrat, aber große Schande im Tod durch die Hand einer Frau. Der Ehrenkodex unterscheidet sich vom Kodex des göttlichen Gesetzes. Die öffentliche Meinung wird zu sehr von künstlichen Verdiensten und oberflächlichen Äußerlichkeiten geprägt. So wird Feigheit im Allgemeinen als schändlicher empfunden als Grausamkeit; dabei ist es mindestens genauso schlimm, nicht gerecht und großzügig zu sein, wie nicht mutig zu sein. Die Menschen denken im Allgemeinen mehr an männliche Vorzüge als an heilige Gnaden. Beide sind gut, aber die erste Verpflichtung liegt bei der christlichen. Zu den christlichen Pflichten, die die Menschen aus Rücksicht auf ihr weltliches Ansehen im Vergleich zu den niedrigeren Pflichten vernachlässigen, gehören: (1) Reinheit der Menschen, (2) Demut, (3) Vergebung von Verletzungen, (4) Nächstenliebe.

Bishof von Bath und Wells – Kanzelkommentar Richter

Sei dir sicher, dass deine Sünde dich finden wird. Wir leben unter der Herrschaft Gottes, und obwohl viele Dinge in der Welt geschehen, die uns nach der Theorie von Gottes gerechter Herrschaft über die Menschheit seltsam und unerklärlich erscheinen, müssen wir nur geduldig sein und unvoreingenommen auf das Ende der Dinge achten, um durch viele unfehlbare Beweise zu sehen, dass Gott denen, die reinen Herzens sind, wohlgesonnen ist, und dass das Ende der Gottlosen darin besteht, dass sie umkommen werden. Wir können es uns auch nicht leisten, die Beweise für Gottes gerechtes Urteil zu verlieren. Die unmittelbare Gegenwart füllt einen so großen Raum in unserem Blickfeld aus; gottlose Fröhlichkeit, erfolgreiche Bosheit, blühende Ungerechtigkeit, kühne Lästerung, die Triumphe der Sünde, die Belohnungen der Selbstsucht, die Straffreiheit böser Leiber zeigen sich so ostentativ in der Welt, dass die Schritte unseres Glaubens an Gott leicht entgleiten könnten, wenn wir uns nicht ständig die Lektionen vor Augen hielten, die uns die Vorsehung ebenso wie das Wort Gottes lehrt. Man kann mit Sicherheit behaupten, dass der gesamte Lauf dieser Welt dem unvoreingenommenen Beobachter immer wieder beweist, dass „der Weg der Übeltäter hart ist“ und dass „es keinen Frieden für die Gottlosen gibt“, während im Gegenteil „der Weg der Gerechten wie ein helles Licht ist, das immer mehr leuchtet bis zum vollkommenen Tag“. Es ist richtig, dass dieser Beweis von Zeit zu Zeit von rätselhaften Phänomenen anderer Art durchkreuzt und in seinem Fluss aufgehalten wird. Aber so wie die Ebbe oder Flut scheinbar durch einzelne Wellen unterbrochen wird, die ihren erwarteten Platz über- oder unterschreiten, und dennoch stetig zurück- oder vorrücken; oder wie die Temperatur des fortschreitenden Frühlings eine Zeit lang sinkt oder die des fortschreitenden Herbstes steigt, und dennoch ein sicherer Fortschritt in Richtung Sommerhitze oder Winterkälte gemacht wird, so ist es mit dem gerechten Gericht Gottes. Unter ihm schreiten die Gerechten trotz scheinbarer Ausnahmen und vorübergehender Umwege auf dem Weg des Friedens voran, und die Gottlosen ziehen eine gerechte Strafe auf sich. Richte deine Augen auf diese Wahrheiten und beobachte, wie sie sich im täglichen Leben der Menschen vor deinen Augen auswirken und wie sich der Werdegang der Nationen in der Geschichte abzeichnet. Sieh, wie die Sünden der Menschen immer wieder auf die unerwartetste Weise und zu den unerwartetsten Zeiten aufgedeckt werden. Beobachte, wie böse Taten, die damals ungestraft blieben, ja sogar scheinbar erfolgreich waren, vom Täter vergessen wurden und er dachte, sie seien für immer vergessen, dennoch zu ihm zurückkehren, ihm im Weg stehen, ihm ein Dorn im Auge sind, seine Hoffnungen zunichte machen, seine Pläne durchkreuzen, tödliche Folgen haben und einen dunklen Schatten auf sein Leben werfen.
…. Beobachte, wie es in der Natur der Sache liegt, dass die Bosheit dazu neigt, ihre eigenen Ziele zu vereiteln und Leid über diejenigen zu bringen, die Böses tun. Die erfolgreiche Lüge, wenn sie aufgedeckt wird, erzeugt Misstrauen und Verdacht bei allen, mit denen ein Mensch zu tun hat. Eine blutige Gewalttat erweckt Hass und Abscheu in den Herzen derer, die davon wissen. Der Akt skrupelloser Macht weckt Angst, Eifersucht und Groll in den Betrachtern. Das Unrecht der Frauen ruft Rächer unter den Männern auf den Plan. Der Geiz, der plündert und den Besitzern ihre Schätze entreißt, hinterlässt einen Stachel des Grolls; und wenn ein Mensch sich mit Misstrauen und Argwohn, mit Hass und Abscheu, mit Neid und Eifersucht, mit Missgunst und wütender Rache umgeben hat, wo bleibt dann noch Raum für den glücklichen Genuss eines ruhigen Besitzes? Seine Sünde findet ihn mitten in seinem Erfolg, und er erntet, was er gesät hat; so sehen wir in der Wirkung der Naturgesetze, die Recht und Unrecht bestimmen, das gerechte Urteil Gottes. Auf den wunderbaren Seiten der Heiligen Schrift werden diese natürlichen Lehren mit einer Klarheit und Eindringlichkeit veranschaulicht, die in keiner anderen menschlichen Schrift zu finden ist. Sie gipfeln in der Ankündigung des kommenden Tages des Gerichts, an dem Gott jeden Menschen nach seinen Werken belohnen wird. Die beobachteten Tendenzen von Gut und Böse werden dann voll bestätigt werden. Jedes Werk wird dann seinen angemessenen Lohn erhalten: Alle Ungleichheiten werden beseitigt, die vorübergehenden Ausnahmen werden verschwinden, das gerechte Verfahren wird in vollem Umfang gerechtfertigt sein. Vor dem vollen Gericht des Himmels und der Erde wird Gott sich als gerechter Richter erweisen, wenn alle Menschen vor dem Richterstuhl Christi stehen werden. Die Flut, die die Welt der Gottlosen ertränkte, die erste, die die Städte der Ebene verbrannte, das elende Ende des Tyrannen Abimelech, die Hunde, die das Blut Ahabs am Weinberg Naboths leckten, die Flammen, die den Tempel in Jerusalem verzehrten, und die Beispiele, die uns jeden Tag von Schande und Leid, die aus Sünde entstehen, vor Augen geführt werden, sind nichts anderes als prophetische Stimmen, auf die wir gut hören sollten und die die Ankündigung des großen und schrecklichen Tages im Wort Gottes bestätigen, an dem Gott die Geheimnisse der Menschen durch Jesus Christus richten und jeden Menschen nach seinen Werken belohnen wird.

Bishof von Bath und Wells – Kanzelkommentar Richter

Taberah

Und es geschah, als das Volk sich beklagte, daß es übel war in den Ohren Jehovas; und als Jehova es hörte, da erglühte sein Zorn, und ein Feuer Jehovas brannte unter ihnen und fraß am Ende des Lagers.
Und das Volk schrie zu Mose; und Mose betete zu Jehova, da legte sich das Feuer. Und man gab selbigem Orte den Namen Tabhera, (Brand) weil ein Feuer Jehovas unter ihnen gebrannt hatte.
Elberfelder 1871 – Numeri 11,1–3

DAS Volk aber murrte vor den Ohren des Herrn über Not. Als der Herr dies hörte, entbrannte sein Zorn, und das Feuer des Herrn loderte auf wider sie und verzehrte das Ende des Lagers. (a) 2Mo 16:2; 3Mo 10:2; 4Mo 16:35 Da schrie das Volk zu Mose, und Mose betete zum Herrn; da erlosch das Feuer. Daher nannte man jenen Ort Thabera, weil das Feuer des Herrn wider sie aufgelodert war. (1) d.i. Brandstätte.
Zürcher 1931 – 4.Mose 11,1–3

Und das Volk klagte über Not vor den Ohren Jehovas, und Jehova hörte es, und sein Zorn ergrimmte, und es brannte unter ihnen ein Feuer Jehovas, und fraß am Ende des Lagers.
Da schrie das Volk zu Mose, und Mose betete zu Jehova, da legte sich das Feuer.
Und man nannte den Namen des Ortes Tabeera (Feuersbrunst), weil ein Feuer Jehovas unter ihnen brannte.
de Wette Bibel – 4 Mose 11,1–3

Sind wir nicht manchmal genauso? Ständig unzufrieden mit dem was wir doch haben?!?
Ein großer Teil der jetzt auf der Erde lebenden Menschen haben viel viel weniger, als du und ich – und trotzdem sind wir unzufrieden??? Echt? Wie wird wohl Jehovah, der auch den Mangel der vielen sieht, auf unsere Wünsche reagieren??

in 4.Mose 11 wird uns die Rebellion des Volkes erzählt, kurz nachdem sie den Berg Sinai in das Gelobte Land verlassen hatten (Num. 11:1). Anstatt mit Freude ihr versprochenes Erbe vorwegzunehmen, wurden die Menschen jedoch unzufrieden und gelangweilt mit der Aussicht auf die vor ihnen gelegene Reise.

Der Sefat Emet bemerkte, dass sie kurz nachdem die Leute sich beim HERRN beschwert hatten, ein „starker Verlangen“ ( הִתְאַוּוּ תַּאֲוָה), was auf Hebräisch buchstäblich bedeutet, dass sie „nach einem Verlangen verlang Mose konnte den Wunsch des Volkes nach Nahrung und Wasser ertragen, aber als sie begannen, ihre Verlangen aktiv zu kultivieren, nach dem imaginären „freien Fisch“, den sie in Ägypten genossen (Num. 11:5), begann er zu erkennen, dass das Problem tiefer war, ein matt r des Herzens… Moses verstand, dass das, was das Volk wirklich wollte, unmöglich war, da es darum ging, zu verleugnen, wer es als Gottes erlöstes Volk war Es ging doch nicht darum, „Fleisch“ zu essen zu wollen, sondern eher nach dem Verbotenen zu hungern, begehren zu wollen usw.

Wünsche zu erschaffen, ein Gefühl der Entbehrung zu erzeugen und sich selbst als Opfer zu sehen, ist eine tödliche Krankheit des Geistes, eine Krankheit der Seele. Es ist ein „Brennen“ (d.h. Taberah: תַּבְעֵרָה), das den inneren Frieden zerstört (Num. 11:3). Möge Gott uns helfen zu verstehen und zu suchen, was wirklich wichtig ist; möge er uns von der Selbstzerstörung befreien; und möge er uns helfen, mit dem Manna zufrieden zu sein, das er liefert. Amen. Amen.

Hebräisch für Christen

Gegen Götzendienst berufen …

Und Gideon machte einen Leibrock daraus und setzte ihn in seine Stadt zu Ophra. Und ganz Israel trieb damit Abgötterei daselbst, und er geriet Gideon und seinem Hause zum Fall.
Luther 2001 – Richter 8,27

Gideon fertigte aus dem Gold eine Götzenstatue an und stellte sie in seiner Heimatstadt Ofra auf. Sie wurde ihm und seiner Familie zum Verhängnis. Ganz Israel betete die Statue an und brach damit dem Herrn die Treue.
Hoffnung für alle – 1996 – Richter 8,27

Gideon ließ dann daraus einen kostbaren Ephod -der «Ephod» ist nach 2 Mo. 28,6 das Schulterkleid des Priesters. Bisweilen wird aber damit auch ein Abbild Gottes (also ein Götzenbild) bez., das mit einem solchen Priestergewand bekleidet wurde. – anfertigen und stellte diesen in seinem Wohnort Ophra auf; und ganz Israel trieb dort Abgötterei mit ihm, so daß er für Gideon und sein Haus zum Fallstrick wurde. 
Hermann Menge Übersetzung – 1926 – Richter 8:27

Gideon – von Jehovah persönlich berufen den Baalsaltar in seiner Heimat zu zerstören – kommt auf eine wahnswitzige Idee…

Gideon nützt das Gold für ein Efod. Das ist sonst ein Behälter für die heiligen Loseu. Hier muß es ein Gußbild sein (17,5; 8,14.17f.20; Hos 3,4), wie wir es aus Hazor kennen (dort wurde ein bronzener sitzender Kriegsgott gefunden). Goliats Schwert lag hinter dem Efodv.
Was hatte sich Gideon dabei gedacht? Nahm er den Teil der Beute einschließlich des Anteils, der Gott gebührtw, um Gott ein Denkmal zu setzen, ganz wie es bei den Heiden üblich ist, ohne an das zweite Gebot nach biblischer Zählung zu denken und zu ahnen, daß Israel solch eine bildliche Darstellung Gottes mißbraucht?
Ganz Israel stellte sich bei diesem Gußbild Gott vor und identifizierte es mit Baal. So wurde die ganze Liebe, die nur für Gott da sein soll, auch auf den heidnischen Baal verschwendet, d.h. Israel hurte (vgl. 2Mo 31,1ff). Er, der einst angefangen hatte mit der Zerstörung des väterlichen Baalsheiligtums (6,25–32), macht jetzt das gleiche. Der vorbildlichste Richter ist doch nicht der wahre Retter. Gott selbst muß kommen, um zu retten.

Wuppertaler Studienbibel

Machte ein Efod daraus – Das Efod war ein heiliges Gewand, das der Hohepriester trug. Seine Form wird in 2. Mose 28,6-12 beschrieben, siehe Notizenund auch Hinweis und in Matt. 26:3. Es gibt keinen hinreichenden Grund für die Annahme, dass das Ephod hier ein Götzenbild oder eine Götterstatue bedeutet (wie Gesenius), und auch nicht, dass Gideon ein neues Heiligtum in Ophrah errichtete und neben dem Ephod ein Götzenbild und Teraphim anfertigte, wie es Micha tat, Kap. 7:4, 5. Gideon fertigte aus der Beute der Midianiter ein prächtiges Efod an, das wahrscheinlich in jeder Hinsicht dem Efod des Hohenpriesters glich, wie es in Exodus 28,6-12 beschrieben wird. Es war wahrscheinlich durch und durch mit goldenen Fäden gearbeitet oder gewebt und mit Edelsteinen geschmückt und hatte vielleicht auch einen Brustpanzer, der mit Ketten und Ringen befestigt war, wie das Efod des Hohenpriesters. Siehe 2. Mose 28,15-29. Es ist nicht notwendig, anzunehmen, dass das gesamte Gold für die Herstellung des Efods verwendet wurde; denn neben dem Betrag, der für das Kleidungsstück selbst erforderlich war, musste auch eine ausreichende Summe für die Bezahlung der Arbeit und den Kauf der Edelsteine bereitgestellt werden.

Was bezweckte Gideon mit der Anfertigung dieses kostspieligen Prunkstücks? In erster Linie wollte er seine Heimatstadt durch den Besitz dieses prächtigen Gewandes auszeichnen, das natürlich ein Wunder für das Volk sein und bewundernde Blicke auf sich ziehen würde. Außerdem wollte er auf diese Weise die Beute seines großen nationalen Sieges scheinbar einem religiösen Zweck weihen. Neben der Bundeslade gehörte das Obergewand des Hohenpriesters zu den heiligsten Dingen, die mit der Anbetung Israels verbunden waren. Aber wir dürfen nicht annehmen, dass Gideon beabsichtigte, den Götzendienst in Israel einzuführen oder dieses Efod als Gegenstand der Verehrung aufzustellen. Vieles spricht für Keils Vermutung, „dass Gideon selbst das Efod anlegte und es als Priester trug, wenn er den Willen des Herrn erforschen und lernen wollte. Es ist auch möglich, dass er dem Herrn auf dem Altar opferte, der in Ophrah errichtet wurde. Kap. 6:24. Der Keim seines Irrtums lag darin, dass das Hohepriestertum in den Augen des Volkes wohl wegen der Wertlosigkeit seiner Vertreter seinen Wert verloren hatte, so dass sie den Hohenpriester nicht mehr als einziges oder wichtigstes Medium der göttlichen Offenbarung ansahen; und deshalb konnte Gideon, dem der Herr sich direkt offenbart hatte, wie er es seit der Zeit Josuas keinem Richter oder Anführer des Volkes mehr getan hatte, annehmen, dass er nicht gegen das Gesetz verstieß, als er ein Efod anfertigen ließ, um den Willen des Herrn zu erfragen. Seine Sünde bestand also vor allem darin, dass er in die Vorrechte des aaronischen Priestertums eingriff, das Volk von dem einen rechtmäßigen Heiligtum abzog und damit nicht nur die theokratische Einheit Israels untergrub, sondern auch den Rückfall des Volkes in die Anbetung Baals nach seinem Tod begünstigte.“ Auch die später von Jerobeam eingeführte Kälberanbetung diente nicht dazu, den Götzendienst einzuführen, sondern erwies sich für Israel als Fallstrick. Anmerkung, 1 Könige 12:26. Er stellte es in seiner Stadt auf – Er behielt es dort als Trophäe seines Sieges und als ein Mittel, durch das er sich einbildete, den Herrn zu befragen. Ganz Israel ging dorthin – Sie wurden durch das schlechte Beispiel des großen Erlösers verführt. Derjenige, der die Anmut und Bescheidenheit hatte, Krone und Thron abzulehnen, verdirbt ein Volk durch sein schlechtes privates Beispiel. Er will nicht über das Volk herrschen, aber er dringt in das heilige Vorrecht der Priesterschaft ein. Eine Hure – eine Metapher, die sich auf das schändliche Verhalten einer treulosen Ehefrau bezieht, die, nachdem sie ihrem Ehemann Liebe und Treue geschworen hat, ihr Gelübde vergisst oder bricht und unerlaubten Geschlechtsverkehr mit anderen Männern hat. Mit diesem Bild stellen die heiligen Schriftsteller oft die Götzendienste Israels dar. Wurde zu einer Schlinge – eine Falle, die sie unvorbereitet traf. Sie hatten nichts Böses vor, aber durch vorsätzliche und offene Vernachlässigung des Gesetzes fielen sie in den Götzendienst wie in eine Schlinge.

D.Steele – Kommentar das alte Testament

Gideon nahm das Gold, das er erhielt, und machte einen Efod, den er in seiner Stadt Ofra aufstellte . Was auch immer Gideon damit bezweckte, das Volk betete jedenfalls diesen Efod an und er wurde Gideon und seiner Familie zum Fallstrick . Wie dieser Efod ausgesehen haben mag, ist nicht sicher. Es ist vielleicht nach dem kurzen Kleidungsstück, das der Hohepriester trug, benannt worden ( 2Mo 28,6-30;39,1-21; 3Mo 8,7-8 ). Doch anstatt als Kleidungsstück getragen zu werden, wurde Gideons goldener Efod offensichtlich aufgerichtet und zu einem Götzen gemacht. Er mag sich in irgendeiner Weise die Funktion des Priesters angemaßt und/oder einen gegensätzlichen Anbetungsort zur Stiftshütte begründet haben. Am Ende scheint Gideon doch zu der synkretistischen Gesellschaft zurückgekehrt zu sein, aus der ihn Gott herausgerufen hatte, um Israel zu befreien.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

In Vers 27 geht es um das Ephod: Und Gideon machte ein Efod daraus. Es gibt drei Möglichkeiten, worum es sich dabei gehandelt haben könnte.
Erstens könnte es sich um ein Gewand nach dem Muster des hochpriesterlichen Efods mit einem ungewöhnlichen Maß an Goldverzierungen gehandelt haben.
Zweitens könnte es sich um eine Nachbildung des hochpriesterlichen Gewandes aus reinem Gold gehandelt haben.
Drittens könnte es sich um ein freistehendes Bild handeln, das mit dem goldenen Efod umhüllt war.

Unabhängig davon, um welche dieser drei Möglichkeiten es sich handelte, ist eines klar: Zum ersten Mal im Buch der Richter war es ein Richter, der begann, den Götzendienst zu fördern. Außerdem führte Gideon ihn in seiner Stadt ein, sogar in Ophrah, mit zwei verheerenden Folgen. Erstens, so heißt es im Text, ging ganz Israel dort der Hure nach; Ophrah wurde zum Zentrum der Götzenanbetung. Zweitens wurde das Efod zu einer Falle für Gideon und sein Haus. Er wurde zu einer Falle, weil seine Sünde aus zwei Dingen bestand: Erstens nahm er die Rolle eines Priesters an, und zweitens errichtete er ein Zentrum der Anbetung außerhalb der Stiftshütte, die sich in Silo befand. Seine Sünde bestand darin, dass er sich in die Vorrechte des Aaronischen Priestertums einmischte und das Volk von dem einen auserwählten Heiligtum wegzog. Damit untergrub Gideon nicht nur die theokratische Einheit Israels, sondern lieferte auch den Anlass für den Rückfall in die Baalsanbetung nach seinem Tod. Gideon mag das Efod angelegt und als Priester getragen haben, als er den Willen Gottes erforschen und erfahren wollte, oder vielleicht, als er auf dem Altar opferte, der in Ophrah errichtet worden war (siehe 6,24). Das Efod wurde für Gideon aus den oben genannten Gründen zu einer Falle und für sein Haus, weil es letztlich dazu führte, dass alle seine Söhne bis auf zwei getötet wurden, von denen einer später im Kampf starb.

Arnold Fruchtenbaum – Richter

Auch ein guter Grund führt IMMER zur Trennung von Jehovah – wenn es nicht die direkte Anbetung zu Jehovah ist – und die persönliche Beziehung zu Jehovah pflegt. Jede kleine religiöse Anbetung, die auf Gegenstände oder Menschen anstatt auf Jehovah abzielen – führen immer von Jehovah weg.

mutiger Held oder Angsthase?

siehe, ich lege ein Wollvließ (Eig eine Woll-Schnur; so auch nachher) auf die Tenne; wenn Tau auf dem Vließe allein sein wird und auf dem ganzen Boden Trockenheit, so werde ich erkennen, daß du Israel durch meine Hand retten wirst, so wie du geredet hast. Und es geschah also. Und er stand am anderen Morgen früh auf, und er drückte das Vließ aus und preßte Tau aus dem Vließe, eine Schale voll Wasser.
Und Gideon sprach zu Gott: Dein Zorn entbrenne nicht wider mich! Und ich will nur noch diesmal reden. Laß mich es doch nur noch diesmal mit dem Vließe versuchen: Möge doch Trockenheit sein auf dem Vließe allein, und auf dem ganzen Boden sei Tau. Und Gott tat also in selbiger Nacht; und es war Trockenheit auf dem Vließe allein, und auf dem ganzen Boden war Tau.
Elberfelder 1871 – Richter 6,37–40

Inzwischen betete Gideon zu Gott: „Ich weiß, dass du versprochen hast, Israel durch mich zu befreien, aber ‹gib mir doch bitte noch eine Bestätigung dafür›!  Schau, ich lege jetzt frisch geschorene Wolle auf den Dreschplatz. Wenn die Schafwolle morgen früh nass sein wird und ringsum alles trocken, dann werde ich sicher sein, dass du Israel durch mich retten willst, wie du es gesagt hast.“ Als Gideon früh am nächsten Morgen aufstand und den Tau aus der Wolle ausdrückte, füllte das Wasser eine ganze Schale.  Doch Gideon betete noch einmal zu Gott: „Sei mir nicht böse, wenn ich dich noch ein einziges Mal um ein Zeichen bitte. Lass es mich doch noch einmal mit der Wolle versuchen und lass sie morgen früh trocken sein, aber ringsum alles nass vom Tau!“ Gott erfüllte ihm auch diese Bitte in der kommenden Nacht: Die Wolle blieb trocken und der ganze Boden war nass vom Tau.
Neue evangelistische Übersetzung 2019 – Richter 6,36–40

Und Gedeon sagte zu dem Gott: Wenn du durch meine Hand Israel rettest, so wie du gesagt hast – siehe, ich lege die frisch geschorene Wolle auf die Tenne, und wenn der Tau sich nur auf die Wolle legt und auf den ganzen Boden Trockenheit, dann werde ich erkennen, dass du durch meine Hand Israel rettest, wie du gesagt hast. Und so geschah es: Und Gedeon stand am nächsten Morgen auf und drückte die Wolle aus, und der Tau floss aus der Wolle, ein Wasserbecken voll. Und Gedeon sagte zu dem Gott: Dein Inneres gerate nicht in Zorn über mich, ich will nämlich noch einmal sprechen: denn ich will noch einmal einen Versuch mit der Wolle machen, und (dieses Mal) soll Trockenheit nur auf der Wolle sein, auf den ganzen Boden aber soll sich Tau legena. Und der Gott machte es so in jener Nacht, und Trockenheit war allein auf der Wolle, auf den ganzen Boden aber legte sich Tau.
Septuaginta Deutsch – Richter 6,36–40

The Bible and its Story, Volume 3: The History, Joshua to II Samuel – 1909

Zu Gideons Zeiten hatte Israel Gott so sehr vergessen, dass sich die ersten Bemühungen des jungen Helden um die Rettung des Landes nicht gegen die Midianiter, sondern gegen die Einwohner seiner eigenen Stadt Ophra richteten. Der Hauptaltar in Ophrah war nicht dem Herrn, sondern dem Baal geweiht, und Gideons Vater war sein Hüter. Da nahm Gideon zehn seiner treuen Diener und stürzte in der Nacht den Altar des Baal um. An seiner Stelle errichtete er einen Altar für Gott. Am nächsten Morgen wollten ihn die Bewohner der Stadt erschlagen, aber sein Vater wies darauf hin, dass Baal sich nicht einmal selbst geschützt hatte. So verlor das Volk eher den Glauben an Baal. Gideon wurde ein angesehener Mann im Land und wurde Jerubbaal, der Feind Baals, genannt.
Dann rief er das Volk auf, sich ihm gegen Midian anzuschließen. Als sie ihm jedoch zu Tausenden folgten, kamen ihm seine früheren Zweifel wieder, denn er wollte nicht alle diese Männer in den Tod führen. Also bat er Gott um ein weiteres Zeichen. Er ließ die ganze Nacht ein Schafsfell auf dem Boden liegen und bat zuerst darum, dass es nass sein möge, während die ganze Erde ringsum trocken war. In der nächsten Nacht bat er darum, dass es umgekehrt sein sollte. In beiden Nächten tat Gott, worum Gideon gebetet hatte. So kehrte der ängstliche Anführer zu seinem vollen Glauben zurück.

The Bible and its Story, Volume 3: The History, Joshua to II Samuel – 1909

War Gideon nun mutig oder ängstlich?
Die Ausleger sind sich da nicht wirklich einig – aber scheinbar war es für Jehovah egal! ER handelte und tat die Zeichen, die Gideon haben wollte! Und wie ist es heute bei dir und mir? Ob Jehovah auch auf deine und meine „Macken“ eingeht?

Gideons scheinbarer Mangel an Glauben, der sich in dem Ersuchen eines wunderhaften Zeichen Gottes ausdrückt (vgl. Mt 12,38; 1Kor 1,22-23 ), erscheint seltsam für einen Mann, der unter den Glaubenshelden aufgezählt wird ( Hebräer 11,32 ). Eigentlich hatte Gideon bereits bei seiner Berufung ein Zeichen Gottes erhalten ( Ri 6,17.21 ). Es ist jedenfalls erwähnenswert, daß Gideon die Wolle nicht benutzte, um Gottes Willen zu erforschen, denn den wußte er ja bereits durch göttliche Offenbarung (V. 14 ). Das Zeichen bezog sich auf eine Versicherung der Anwesenheit Gottes oder der Ermächtigung für die bevorstehende Aufgabe. Gott ging auf Gideons schwachen Glauben ein und benetzte die Wolle so stark mit Tau, daß dieser eine Schale voll Wasser auswrang . Vielleicht hatte Gideon Zweifel an der Einzigartigkeit dieses Vorkommnisses, da der umgebende Dreschboden auf natürliche Weise vor der Wolle trocknen konnte. Deshalb erbat er nun das Gegenteil: Laß dieses Mal die Wolle trocken und den Boden mit Tau bedeckt sein . Gott tat auch das geduldig, und Gideon war erneut davon überzeugt, seine Aufgabe fortzusetzen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Außer zu seinem eigenen Stamm, Manasse, sendet Gideon auch Boten zu anderen, nördlich gelegenen Stämmen. Auch sie schließen sich ihm an. Dann fragt Gideon Gott. Es ist bemerkenswert, wie sehr Gott allen Fragen Gideons mit Bezug auf seinen Auftrag entgegenkommt. Gott hat bereits sonnenklar mitgeteilt, was er von Gideon will (Verse 14–16). Als Gideon ein Zeichen erbat, hat Er das gegeben (Vers 17). Jetzt erbittet Gideon noch eine Bestätigung seines Auftrages, sogar zweimal. Er bekommt keinen Vorwurf zu hören, sondern Gott gibt ihm das, worum er bittet, auch zweimal.
Das „Auslegen eines Vlieses” ist beinahe sprichwörtlich geworden, wenn es darum geht, den Willen Gottes in einer bestimmten Angelegenheit zu erfahren. Es ist die Bitte um ein Zeichen zur Bestätigung der Erfüllung einer Aufgabe, die wir auf uns nehmen wollen. An und für sich ist es nicht verkehrt, wenn wir Sicherheit über das haben wollen, was wir für den Herrn tun wollen.
Über diese Bitte um ein Zeichen ist bereits etwas bei der Betrachtung von Vers 17 gesagt. Dazu kann im Zusammenhang mit dem „Vlies” folgendes hinzugefügt werden. Gott kann seinen Willen auch durch Umstände, in denen wir uns befinden oder in die wir kommen, deutlich machen oder bestätigen. Du wirst wahrscheinlich schon einmal von Joni gehört haben. Diese Frau ist als Folge eines Kopfsprungs in flaches Wasser, wodurch sie ihren Nacken gebrochen hat, völlig Invalide geworden. Sie wird von Gott aber noch immer auf eine besondere Weise gebraucht.
Nun brauchen sich unsere Umstände nicht so drastisch zu verändern. Es geht darum, anzudeuten, dass Dinge in unserem Leben geschehen können, durch die wir wissen: Dies ist es, was Gott von mir verlangt. Das werden übrigens niemals Dinge sein, die seinem Wort widersprechen. Wenn beispielsweise ein Gläubiger um einen Ehepartner bittet, und die Umstände scheinen ihm jemand auf seinen Weg zu bringen, doch dieser erweist sich als ein Ungläubiger, dann kann dies niemals die Leitung Gottes sein. Er verbietet nämlich in seinem Wort, dass ein Gläubiger einen Ungläubigen heiratet (2Kor 6,14).
Jetzt noch etwas über die geistliche Bedeutung des Vlieses mit Bezug auf den Boden und den Tau. Ein Zeichen „bezeichnet” etwas, gibt etwas wieder, stellt etwas vor, lässt etwas erkennen. Tau spricht von Erfrischung, Erquickung. Er ist die Frische eines neuen Tages. Tau wird im Alten Testament mehrere Male als ein Segen des Himmels für das Land Gottes beschrieben. Als Gideon beim ersten Zeichen um Tau auf dem Vlies und Trockenheit auf dem ganzen Boden bittet, scheint das eine Vorstellung des Segens Gottes für sein irdisches Volk Israel zu sein, während die Völker der Umgebung kein Teil daran haben. Israel hat durch die Verwerfung seines Messias den Segen jedoch verspielt, aber dieser wird für später aufbewahrt.
Das zweite Zeichen stellt das Gegenteil vor, denn jetzt bleibt das Vlies trocken und der ganze Boden wird durch den Tau nass. Dies will sagen, dass Gott nach der Verwerfung des Messias durch Israel sein Volk beiseitegesetzt und die Nationen zu segnen begonnen hat.
Beide „Zeichen” finden wir in dem Brief an die Römer wieder. Wir lesen dort im Blick auf Israel über „ihren Fall“, „ihren Verlust“, „ihre Verwerfung“. Diese Ausdrücke zeigen an, dass sie von Gott beiseitegesetzt worden sind. Durch „ihren Fall [ist] den Nationen das Heil geworden“ und dadurch ist die Rede von dem „Reichtum [der] Welt“, dem „Reichtum [der] Nationen“ und der „Versöhnung [der] Welt“ (Röm 11,11–15).
Doch damit ist Israel nicht endgültig verstoßen. Es kommt eine Zeit, die „ihre Vollzahl“ und „Annahme“ genannt wird. Dann wird Israel nachträglich den Segen empfangen. In beiden Zeichen ist deutlich, dass Gott es tut. Gideon trägt nichts dazu bei. Allein in Gottes Macht steht es, den Segen zu geben, sowohl Israel als auch den Nationen.
Der Ort, wo Gideon das Vlies niederlegt, ist auch von Bedeutung. Er wählt dafür die Tenne. Das erinnert an den Kelter, wo er zum ersten Mal dem HERRN begegnet ist und wo er seine Wertschätzung für Gottes Segen gezeigt hat (Vers 11). Er ist dort mit der Frucht des Landes beschäftigt gewesen. Von diesem Ort aus, der von dem Gericht spricht, das der Herr Jesus auf dem Kreuz erlitt, kommt alle Erquickung und Kraft, das uns aufgetragene Werk zu tun.
Wie gesagt, braucht Gideon nichts zu tun. Was er wohl tut, ist, früh aufzustehen, wodurch er sein Verlangen nach dem Ergebnis erkennen lässt. Die Weise, wie Gideon sich hier an den Herrn wendet, ähnelt der von Abraham in seiner Fürbitte für Sodom um Lots willen (1Mo 18,23–33; 19,29).

Ger de Koning – Das Buch Richter – Ausgelegt & angewandt – Der Verfall

Gideon bat eigentlich um zwei verschiedene Zeichen, wobei das erste Zeichen in den Versen 36 bis 38 erwähnt wird. Der Grund für die Bitte um diese Zeichen war Gideons Bedürfnis nach Sicherheit: Wenn du Israel durch meine Hand retten wirst, wie du es gesagt hast. Er war immer noch nicht der mächtige und tapfere Mann, als der er geweissagt worden war. Das erste Zeichen sollte folgendes sein: Siehe, ich will ein Wollvlies auf die Tenne legen; wenn nur auf dem Vlies Tau ist und es auf dem ganzen Boden trocken ist. Die Folge wäre dann: Dann werde ich wissen, dass du Israel durch meine Hand retten wirst, wie du es geredet hast. Der wundersame Charakter des Zeichens lag in der Tatsache, dass normalerweise die Feuchtigkeit des Vlieses in den Boden unter dem Vlies absorbiert wird. Das Vorhandensein von Tau zeigt, dass die Regenzeit beendet war und die Tauzeit begonnen hatte, wobei der April der Monat des Wechsels ist. Die Tatsache, dass Gideon Weizen dreschte, würde das Ereignis in den Monat Juni legen. Gideons Bitte wurde erfüllt: Und so war es auch. Denn er stand am nächsten Morgen früh auf und drückte das Vlies zusammen und wrang den Tau aus dem Vlies, eine Schale voll Wasser.
Das zweite Zeichen findet sich in den Versen 39 bis 40. Nachdem er versprochen hatte, nur dieses eine Mal zu reden, bat Gideon Gott um ein weiteres Zeichen der Bestätigung: „Lass mich den Versuch machen, ich bitte dich, nur dieses eine Mal mit dem Vlies. Gideon suchte in einer schweren Krise nach einer weiteren Bestätigung von Gott. Vielleicht kam ihm der Gedanke, dass die Tenne aus Felsgestein bestand und daher den Tau nicht aufgesogen hätte. Stattdessen bittet er nun um ein noch deutlicheres Zeichen: Nur auf dem Vlies soll es trocken sein, auf dem ganzen Boden aber soll Tau sein. Das Wunder bestand darin, dass unter normalen Umständen der Boden schneller austrocknete als die gesättigte Wolle. Auch diese Bitte wurde erfüllt: Und Gott tat es in dieser Nacht, denn es war trocken nur auf dem Vlies, und auf dem ganzen Erdboden war Tau.
Obwohl dieser Abschnitt oft zu diesem Zweck verwendet wird, ist er keine Ermutigung, Tests durchzuführen, um den Willen Gottes herauszufinden. Gläubige sagen oft, sie hätten „ein Vlies ausgelegt“, um herauszufinden, was der Wille Gottes in ihrer Entscheidungsfindung ist, aber das ist eine falsche Schlussfolgerung aus diesem Abschnitt. Gideon streckte das Vlies nicht aus, um Gottes Willen zu ermitteln, denn er wusste ihn bereits; Gott hatte ihm bereits gesagt, was er tun sollte. Dass Gideon das Vlies benutzte, war kein Zeichen seiner Geistlichkeit, sondern ein Zeichen für seinen sehr schwachen Glauben. Es war nicht das Zeichen eines reifen Gläubigen, sondern eines unreifen Gläubigen, der Schwierigkeiten hatte zu glauben, was Gott ihm bereits gesagt hatte.

Arnold Fruchtenbaum – Richter

Alles war bereit – und doch suchte Gideon noch etwas. Nicht aus Unglauben und auch nicht aus Glaubensschwäche bat Gideon den Herrn um ein Zeichen, oder vielmehr um ein Zeichen, ein Unterpfand seiner Gegenwart. Jene Stunden in der Geschichte der Helden Gottes, in denen am Vorabend einer großen Tat des erhabensten Glaubens der Geist mit dem Fleisch ringt, sind heilige Zeiten, auf die die oberflächliche Kritik eines oberflächlichen Bekenntnisses, das nie die Strapazen einer äußersten Prüfung ertragen hat, nicht ohne grobe Anmaßung angewendet werden kann. Wenn man in solchen Stunden sieht, wie die Seele in ihrer Qual ihre Last auf den Herrn wirft, spürt man, dass man auf heiligem Boden steht. Es ist wie ein stattliches Schiff in einem schrecklichen Sturm, bei dem jeder Balken und jedes Holz bis zum Äußersten belastet wird, das sich aber schließlich aufrichtet und sicher den Hafen erreicht. 13 Oder besser gesagt, es ist wie eine enge Nachfolge Jesu im Garten Gethsemane – mit seinen Qualen, seinem Gebet und seinem Sieg. Dem Wesen nach, wenn auch nicht den Umständen nach, war es derselbe Kampf wie der, der in der Nacht geführt wurde, als Jakob betete: „Ich lasse Dich nicht los, es sei denn, Du segnest mich“, und als viele Jahrhunderte später der Täufer seine Jünger aussandte, um Jesus zu fragen: „Bist Du es, oder warten wir auf einen anderen?“
Das „Zeichen“ hatte sich Gideon selbst ausgesucht, wurde ihm aber von Gott gnädig gewährt. Es war ein zweifaches. In der ersten Nacht sollte das Wollvlies, das auf dem Boden ausgebreitet war, voller Tau sein, aber der Boden rundherum sollte trocken sein. Daran konnte man allerdings noch zweifeln, denn ein Vlies zieht natürlich den Tau an. In der nächsten Nacht wurde das Zeichen daher umgekehrt, und das Vlies allein blieb trocken, während der Boden ringsum mit Tau benetzt war. Die symbolische Bedeutung des Zeichens ist klar. Israel war wie das Wollvlies, das sich über die weite Fläche der Völker ausbreitete. Aber während der ganze Boden ringsum trocken war, wurde Israel mit Tau erfüllt, als Symbol des göttlichen Segens. 14 Und das zweite Zeichen bedeutete, dass es ebenso von Gott war, als während Israels Abtrünnigkeit der Boden ringsum nass war und das Vlies der Herde Jehovas allein trocken blieb.

Alfred Edersheim – Geschichte der Bibel – altes Testament

richtig lesen – Richter 4

Es ist sooo wichtig, Bibelstellen nicht aus dem Zusammenhang zu reißen – und die Bibel richtig als Buch zu lesen!
Wir hatten vergangen Sonntag im „Aktivgottesdienst“ Richter 4 – und ich möchte heute hier mal ein Experiment mit dir, lieber Mitleser, unternehmen.
Also wenn wir Richter 4 lesen, gibt es mehrere Probleme:
– da ist zum einen der Eindruck, dass Barak ein „ängstlicher Mann“ gewesen sein müßte, weil er sich ja „hinter dem Rockzipfel“ einer Frau verstecken will.
– es scheint, als wäre eine Frau – Debora – eine Richterin, die die Führung in Israel inne hat.
– besonders der Schluß scheint ziemlich brutal: Jael scheint den Sisera nicht nur durch Täuschung und Betrug in ihr Zelt gelockt zu haben, sondern wird dann noch zur „brutalen Mörderin“ die „heimtückisch“ den schlafenden Sisera tötet.
– einige Ausleger gehen sogar davon aus, dass Jael den Sisera „verführt“, denn es heißt mehrfach, dass Jael den Sisera mit einer Decke zudeckt – dass könnte doch glatt eine sexuelle Handlung bedeuten??

Aber wir haben nicht nur Kapitel 4 gelesen, sondern auch gleich Kapitel 5 – „das Lied Deboras“! Und nun ergibt „alles“ ein ganz anderes Bild!
Wieso? Nun, im Kapitel 5 wird in dem Lied wird die Rettung durch Jehovah in den Mittelpunkt gerückt, und gezeigt, dass Gottes Volk in fast allen Punkten scheiterte. Es was tatsächlich ein Kampf, den Jehovah gegen die „Feinde seines Volkes“ führte. Und nun sehen wir auf einenmal viele neue Gesichtspunte, die im Kaitel 4 fehlen:

Whitebordmitschnitt 1

Hebräer 11:32 zeigt, Barak war ein Mann des Glaubens! — echt? Hat er sich nicht „versteckt“? Nun, die Septuaginta beschreibt WARUM Barak unbedingt Debora mit dabei haben will: „denn ich kenne den Tag nicht, an dem der Herr den Engel mit mir auf einen guten Weg führt.“ – Ach ja! Das ist der Grund! Und lesen wir in unser Bibel – da steht dann ein paar Verse später, dass Debora zu Barak sagt: „dies ist der Tag“. Ergibt einen ganz anderen Sinn??

Whiteboard 2

Was Josephus über den Krieg schreibt, ist meiner persönlichen Meinung sehr sehr wichtig. Denn er führt die Gedanken aus dem Lied der Debora weiter aus. Kannst du dir vorstellen, warum Sisera seinen Wagen verläßt und zu Fuß flieht? Kannst du dir im Geist vorstellen, wie er „nass wie ein Pudel“ bei Jael ankommt, und dort „mit einer Decke zugedeckt wird“ – weil er völlig durchgefroren und völlig durchnäßt vom Feld weggerannt war?
Auch hier ergibt ein wenig „schürfen“ ein gaaaanz anderes Bild! Es wird klar, warum der „große Krieger“ so fertig ist.
Aber schauen wir uns den letzten Teil des Kapitels 5 an – was wird über die „Mutter von Sisera“ gesagt? Viele Ausleger sind der Meinung, dass die „Mutter von Sisera“ ihre eigenen Geschlechtsgenossen verrät. Aber mit dem, was diese Frau hier über ihren Sohn sagt, macht Kapitel 4 auch ein ganz anderes Bild?

Whitebord 3

Hatte Jael vielleicht Angst, das nächste „Opfer“ von Sisera zu werden? Oder war es „nur“ die Loyalität gegenüber ihren Geschlechtsgenossen?
Ach, dass ist schon so lange her? Gerade vor ein paar Tagen „geisterte eine Nachricht“ durch die Zeitungen, der genau in diese Richtung zeigt, und deutlich macht: auch in unserer Zeit sind wir nicht besser, nicht „kuluturierter“ als in der Zeit der Richter:

NZZ

Wenn wir also nur das Kapitel 4 in Richter lesen – ergibt der Inhalt ein ganz anderes Bild, als wenn wir das dazugehörige Kapitel 5 ebenfalls lesen!
Und es zeigt, dass wir uns die Bibel nicht „schönlesen“ müssen, indem wir einfach behaupten – Barak habe Glauben gehabt, denn die Anwesenheit einer Frau zeige seinen Glauben…