Und mit Christus werden alle wieder lebendig gemacht, die mit ihm eine echte Beziehung haben.

Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden.
Elberfelder 1871 – 1.Korinther 15,22

Genauso, wie wir alle sterben müssen, weil wir von Adam abstammen, werden wir alle lebendig gemacht werden, weil wir zu Christus gehören.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Korinther 15:22

Genauso wie alle Menschen durch Adam vom Tod erfasst worden sind, so werden auch alle durch den Messias wieder zum Leben erweckt werden.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – 1.Kor 15,22

Die Verse 23 und 24 hatten wir ja schon.

ὥσ-περ gleichwie, wie. ἐν in hier = durch Adam verursacht, durch die Verbindung mit Adam (vgl. B I5d). Ἀδάμ indekl., Adam, Stammvater der Menschheit. ζῳο-ποιηθήσονται Fut. Pass. -ποιέω lebendig machen.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Von den beiden Stellvertretern, Adam und Christus, kommt Paulus nun auf die, die mit ihnen verbunden sind. Paulus vergleicht beide Personen. Ὥσπερ („wie“) leitet den Vergleich ein und οὕτως („so“) bezieht diesen auf Christus. Das Verb ἀποθνῄσκουσιν („sie sterben“) ist Präsens und zeigt das gegenwärtige Sterben aller Menschen. Das Verb ζῳοποιηθήσονται („sie werden lebendig gemacht werden“) zeigt ein zukünftiges Ereignis an, wobei alle in Christo leben werden, wenn der Herr kommt, dabei ist ἐν τῷ χριστῷ („in Christo“) restriktiv, d.h. nur die in ihm sind, d.h. die Christen, werden lebendig gemacht werden, die anderen werden zum ewigen Tod auferstehen und nicht zum Leben. Dies zeigt auch der nächste Vers.

Peter Streitenberger – 1.Korinther

»Adam« und »Christus« werden als Oberhäupter dargestellt. Als solche handelten sie stellvertretend für andere Menschen, und alle, die mit ihnen verbunden sind, werden von ihren Handlungen betroffen. »Alle«, die von »Adam« abstammen, »sterben«. Auf diese Weise »werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden«. Dieser Vers ist manchmal als Beweis für die Lehre einer allgemeinen Erlösung herangezogen worden. Man argumentierte, dass dieselben, die in Adam sterben, in Christus lebendig gemacht werden und dereinst erlöst werden. Doch das ist nicht die Aussage dieses Verses. Die Schlüsselwörter sind »in Adam« und »in Christus«. »Alle«, die »in Adam« sind, »sterben«. Alle, die »in Christus« sind, werden »lebendig gemacht«, d. h. nur an den Herrn Jesus Christus Gläubige werden aus den Toten auferweckt, um mit ihm in Ewigkeit Gemeinschaft zu haben. Mit dem hier befindlichen Ausdruck (»alle«, die »lebendig gemacht werden«) werden in Vers 23 diejenigen definiert, die bei Christi Wiederkunft ihm gehören. Er umfasst nicht die Feinde Christi, denn sie werden »unter seine Füße gelegt« werden (V. 25). Wären sie darin eingeschlossen, wäre dies, wie jemand einmal gesagt hat, eine seltsame Beschreibung des Himmels.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

In 15,21.22 erklärt Paulus, wie er sich den Zusammenhang der Auferweckung Christi und der der Toten vorstellt. Er greift auf die biblisch und nachbiblisch verbreitete Vorstellung von Adam als kollektivem Körper der Menschheit zurück. So wie der kollektive Adam den Tod in die Welt bringt (vgl. Röm 5,12), so bringt der kollektive Körper des auferweckten Messias das Leben für alle, für die ganze Menschheit und die Erde. Was meint Paulus hier mit dem Tod, den Adam in das Leben aller Menschen bringt? Das erläutert später 15,45.46. Es ist der Tod, wie er zu jedem lebenden Wesen (psyche zosa 15,45) gehört. Paulus kann das Wort Tod aber auch in einem weiteren Sinn benutzen. Da ist jedes lebende Wesen von einer Macht des Todes bedroht, die weit über das Sterben, wie es zu allem Lebendigen gehört, hinausgeht. Dieser Tod ist eine zerstörerische Macht, die Gott entgegensteht und die als letzter Feind von Gott entmachtet wird (15,26). Dieser Tod ist ein anderer Name für die Sündenmacht. Adam bringt Tod in diesem doppelten Sinn: das Sterben der Lebewesen und ihre Versklavung durch den Tod.
Dass auch von einem weiteren Menschen / anthropos gesagt wird, er sei wie Adam kollektiver Körper, wie ein Raum, in (en) dem Menschen leben, findet sich so nicht in der biblischen Schöpfungsgeschichte. Eine zweite Adamsgestalt findet sich in nachbiblischen Adamserzählungen, auch in Sophia / Weisheitserzählungen gibt es Vergleichbares.
Der Mensch, der Messias ist Schöpfung Gottes wie Adam und verkörpert das Lebendigwerden aller Menschen. Dass Christus so betont anthropos / Mensch genannt wird (15,21.47), verweist auf die Schöpfungsgeschichte (s. nur Gen 1,26.27; 2,7; 1 Kor 15,45).

Schottroff – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Und nun zeigt Paulus, wer diese beiden „Menschen“ sind, von denen solche gewaltigen Wirkungen ausgehen. „Denn wie in dem Adam alle sterben, so werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden.“ Der eine Mensch ist „der Adam“, also der, der ausdrücklich „Adam = Mensch“ heißt. Der Artikel zeigt, daß hier nicht ein einzelner Mensch gemeint ist, der nur gerade diesen Namen trägt, sondern das wirksame Haupt der Menschheit, durch das sie als ganze mit dem unentrinnbaren Sterben beladen worden ist. Paulus formuliert darum, daß „in dem Adam alle sterben“. Ihm steht gegenüber „der Christus“. Auch er ist Glied der Menschheit; aber wie sein Christustitel zeigt, ist er vollends das bestimmende und schaffende Haupt, welches das Leben in die sterbende Menschheit trägt. „In dem Christus werden alle lebendig gemacht werden.“ Auf die Frage nach der Schuld Adams und der entsprechenden Schuldtilgung durch Christus als Voraussetzung der Lebensverleihung geht Paulus hier nicht wie in Rö 5, 12–21 ein. Er bleibt streng bei dem Thema, das ihm jetzt durch die Leugnung der Auferstehung in Korinth gestellt ist. Und auch darauf fällt jetzt nicht sein Blick, daß die Abhängigkeit der Menschheit von „dem Adam“ und von „dem Christus“ eine wesenhaft verschiedene ist und das Wort „alle“ dementsprechend in den beiden Satzhälften, trotz seiner äußeren Gleichheit, einen verschiedenen Inhalt hat. „In dem Adam“ sterben tatsächlich „alle“ Menschen ausnahmslos, denn sie sind von Natur ausnahmslos alle „in dem Adam“, Adamssöhne, „Fleisch“. „In dem Christus“ ist freilich auch für „alle“ ausnahmslos die Möglichkeit geschenkt, zum Leben zu gelangen. Aber tatsächlich sind keineswegs „alle“ Menschen „in dem Christus“. Nur die alle sind es, die zum Glauben an Christus kamen und ein Eigentum Jesu wurden. Nur sie werden im eigentlichen Sinn „in dem Christus lebendig gemacht werden“. In dem Wort „lebendig gemacht werden“ ist jener Ausdruck für „Leben“ („zoe“) enthalten, der im NT auch ohne ein hinzugefügtes „ewig“ in sich selbst schon das eigentliche, echte, dem Tode nicht verfallende Leben bezeichnen kann. Auch die „Verlorenen“ müssen nach ihrem leiblichen Tod „fortleben“, aber dieses Leben „draußen“ (Offb 22, 15) in der „Finsternis“ (Mt 8, 12; 22, 13; 25, 30), „fern von dem Angesicht des Herrn und von seiner heiligen Macht“ (2 Th 1, 9) ist gerade nicht wirkliches „Leben“, sondern ewiger Tod.

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

Die Todesgewalt beherrscht »in Adam alle«, »weil sie alle gesündigt haben« (Röm 5,12; vgl. auch 1 Mo 6,5ff.; 8,21; Hi 14,4; Ps 14,3; Mt 15,19; Röm 3,23). Der Mensch ist von Natur Sünder, er ist »Fleisch«. »In Adam« bezeichnet die Verderbnis des menschlichen Herzens; die Adamsnatur ist seit Adam menschliches Sein. »In Christus« ist die Wende der Äonen, »in dem Christus« (es steht – wie bei Adam – betont der Artikel), ist die neue Natur erschienen, und diese erfaßt alle in der Auferstehung der Toten. Doch nicht so, daß alle gerettet würden, aber alle werden auferstehen, die einen zum ewigen Leben, die nämlich hier und jetzt »in Christus« leben, die anderen zum zweiten Tod (vgl. Offb 2,11; 20,6.14). Wie Adam Haupt des Todesgeschickes wurde, so ist der Christus Haupt der Neuschöpfung. Solchen umfassenden Ewigkeitshorizont reißt die Auferstehung Jesu Christi auf. Wer sie leugnet, der leugnet die Macht Jesu Christi.

Edition C Bibelkommentar

Wir wollen nun die Anwesenheit des Artikels vor jedem Namen beachten: „dem Adam“, „dem Christus“ (Elberf, griechischer Grundtext). Das zeigt den entsprechenden Vorrang an: Adam in Bezug auf die alte Schöpfung, Christus in Bezug auf die neue. Betont wird die Gemeinsamkeit jeder Rasse mit dem jeweiligen Haupt. Man beachte auch die veränderte Präposition: In V.21 war es dia, was die Vermittlung bezeichnet, hier ist es en, was die Verbindung ausdrückt. Das erste „alle“ bezieht sich auf alle Menschen, die in Verbindung mit Adam stehen, das zweite nur auf die Gläubigen, die jetzt als „in Christus“ gesehen werden. Einige haben versucht, es als beides umfassend zu betrachten, was einen Universalismus andeuten würde. Es muß aber beachtet werden, daß der Ausdruck „lebendig gemacht“ niemals auf Ungläubige angewendet wird. Siehe Joh 5,21;6,63; Röm 8,11; 1Kor 15,45 .Es ist wahr, daß Christus alle Menschen (Joh 5,28-29) zu unterschiedlichen Zeiten auferwecken wird, aber in diesem Abschnitt geht es nur um Gläubige, solche, die „in Christus“ sind.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Hier geht Paulus auf die biblische Lehre von den „zwei Adams“ ein. (Er verwendet dieses Argument auch in Röm. 5.) Durch die Sünde des ersten Adams kam der Tod in die Welt; aber durch den letzten Adam (Christus) ist der Tod besiegt worden. Christus ist die Erstlingsfrucht, das heißt, er ist der Erste einer großen Ernte, die noch kommen wird. Christus ist Gottes „letzter Adam“, und er wird das Unrecht, das der erste Adam in diese Welt gebracht hat, rückgängig machen. Wenn Christus kommt, werden die Toten in Christus auferweckt (V. 23 und 1. Thess. 4:13-18). Jesus wird schließlich alle Dinge unter seine Füße legen, auch den Tod. Mit anderen Worten: Wer die Auferstehung der Toten leugnet, leugnet das zukünftige Reich Christi. Wenn Gläubige „tot und weg“ sind, dann ist Gottes Verheißung für die Zukunft null und nichtig.

Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament

Auch wenn Pessach (Passah) oft die Sfirat HaOmer in den Schatten stellt, hat dieser Feiertag im Neuen Testament eine große Bedeutung und wird mehrfach erwähnt. 1. Korinther 15,20–23 zeigt die entscheidende Verbindung zwischen der Sfirat HaOmer und dem Wirken des Messias. Als Sha’ul die Gläubigen über die Lehre von der Auferstehung unterrichtet, stellt er eine erstaunliche Verbindung zu diesem biblischen Feiertag her:
Tatsache ist aber, dass der Messias von den Toten auferweckt wurde, als Erstling der Verstorbenen. Denn wie durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so ist auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten gekommen. Denn wie in Verbindung mit Adam alle sterben, so werden in Verbindung mit dem Messias alle lebendig gemacht werden. Aber jeder in seiner eigenen Ordnung: Der Messias ist der Erstling; dann die, die dem Messias angehören, bei seiner Wiederkunft.

Obwohl viele diese Passage als Kommentar zur Reihenfolge der Auferstehung lesen, bezieht sich Sha’ul tatsächlich fachlich auf den heiligen Tag von Sfirat HaOmer. Es geht nicht nur darum, dass
Jeschua als Erster leiblich aus dem Grab auferstanden ist, sondern dass er dadurch die direkte Erfüllung des Festes der Erstlingsfrüchte ist! Das ergibt vollkommen Sinn, wenn wir über die Details dieses Tages nachdenken.

Rubin – The Complete Jewish Study Bible: Notes

Die ersten Erstlingsfrüchte deuteten darauf hin, dass es noch spätere Ernten geben würde, denn wenn die Gerste – die früheste landwirtschaftliche Ernte – nur spärlich ausfiel, wäre es unwahrscheinlich, dass es später eine reichliche Ernte geben würde. Wenn die frühen Regenfälle nicht genug Wasser für das Wachstum der Gerste lieferten, wäre der Boden zu trocken, als dass andere Feldfrüchte wachsen könnten. In gewisser Weise war das Ernten der Erstfrüchte und das Darbringen als Opfer an Gott so etwas wie eine Anzahlung auf die noch kommenden guten Ernten.

Paulus muss das im Sinn gehabt haben, als er seine Gedanken zur Auferstehung fortsetzte:
Denn wie der Tod durch einen Menschen gekommen ist, so ist auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen gekommen. Denn so wie in Verbindung mit Adam alle sterben, so werden in Verbindung mit dem Messias alle lebendig gemacht werden. Aber jeder in seiner eigenen Reihenfolge: Der Messias ist die Erstlingsfrucht; dann diejenigen, die dem Messias gehören, zum Zeitpunkt seines Kommens; dann der Höhepunkt, wenn er das Reich an Gott den Vater übergibt … Es wird nur einen Augenblick dauern, einen Wimpernschlag, beim letzten Schofar [Widderhorn]. Denn das Schofar wird erschallen, und die Toten werden auferstehen, um ewig zu leben, und auch wir werden verwandelt werden … dann wird sich diese Stelle im Tanach erfüllen: „Der Tod ist verschlungen vom Sieg“ (1. Korinther 15,21–24, 52, 54).

Die endgültige Ernte ist die Auferstehung der gesamten Menschheit, „die einen“, wie Daniel schrieb, „zum ewigen Leben, die anderen zur Schande und ewigen Verachtung“ (12,2). Diejenigen, die ihr Vertrauen auf den Retter Israels, Jeschua, den Messias, gesetzt haben, werden zum ewigen Leben auferweckt werden, denn es steht geschrieben: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen und einzigartigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben hat, anstatt gänzlich vernichtet zu werden“ (Johannes 3,16). Doch das ewige Leben beginnt mit den Erstlingen der Auferstehung. Wenn wir nicht an die historische Tatsache glauben, dass Jeschua buchstäblich von den Toten auferstanden ist, wie können wir dann erwarten, an den Segnungen teilzuhaben, die aus der späteren Auferstehung hervorgehen?

Wenn wir während der Passahzeit über die Auferstehung des Messias nachdenken, können wir – wie die Juden zu Jeschuas Zeiten – mit dem Psalmisten bekräftigen: „Die Erde hat ihre Früchte hervorgebracht; Gott, unser eigener Gott, segnet uns.“ Jeschua, die „Erstlingsfrucht der Auferstehung“, ebnet den Weg für die spätere Auferstehung und das ewige Leben – den größten Segen, den man überhaupt haben kann.

Rubin – Der auferstandene Messias: Erstlingsfrucht der Auferstehung