Monat: Juli 2025

Versucht doch mal herauszufinden, was Gott eine Freude machen würde!

indem ihr prüfet, was dem Herrn wohlgefällig ist.
Elberfelder 1871 – Epheser 5,10

Deshalb überlegt ´bei dem, was ihr tut,` ob es dem Herrn gefällt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Epheser 5:10

Prüft in allem, was ihr tut, ob es auch Gottes Wille ist.
Hoffnung für alle – 1996 – Eph 5,10

Dabei wägt ihr ab, was für ihn, den Herrn, gut und akzeptabel ist.
Das Buch – 2009 – Eph 5:10

Wer hätte zur Zeit der Apostel wohl gedacht, dass wir heute nicht in die „heilige Schrift“ schauen, um die Antwort auf diese Frage („Macht es Gott Freude?“) zu finden, sondern stattdessen in „religiöse Zeitschriften“ und „religiöse Videos“ suchen?-
Aber unser Ziel sollte ja nicht sein, anderen Menschen zu gefallen, sondern aus Liebe zu Jehovah diese Frage zu beantworten! Also aus einer persönlichen Beziehung heraus, die Antwort zu finden.

Das Verhalten der Heiligen soll ihrem neuen Stand entsprechen. Als Kinder des Lichts, deren wahres Wesen das geistliche Licht ist, sollen sie auch dementsprechend leben (Röm 13,12). Der Einschub in Eph 5,9 macht deutlich, daß die Frucht des Lichts – lauter Güte und Gerechtigkeit (vgl. Phil 1,11) und Wahrheit – das Wesen Gottes im Leben des Gläubigen widerspiegelt. Die Sünder aber, die in der Finsternis leben, sind durch das Gegenteil dieser Frucht gekennzeichnet: durch Bosheit, Schlechtigkeit und Falschheit. In Vers 10 wird dann der Gedanke von Vers 8 b weiter ausgeführt: die Kinder des Lichts müssen prüfen (dokimazontes, „auf die Probe stellen“, „billigen“, „entdecken“; vgl. Röm 12,2), was dem Herrn wohlgefällig ist (vgl. 2Kor 5,9; Kol 1,10).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Nachdem Paulus mit seiner Beschreibung der »Frucht des Lichts« den Rahmen abgesteckt hat, der dem Lebenswandel der »Kinder des Lichts« gesetzt ist, fordert er nun dazu auf, von den genannten »Grundkomponenten« aus auch die Einzelheiten des Christenlebens zu beurteilen: »Prüft, was das dem Herrn Wohlgefällige ist.« Ähnlich formuliert er in Röm 12,2: »prüfen, was Gottes Willen ist«, und in Phil 1,10: »prüfen, was das ist, worauf es ankommt.« Nach Röm 12,2 ist Gottes Wille »das Gute, das Wohlgefällige und das Vollkommene«; dies entspricht wiederum der »Frucht des Lichts«, wobei »vollkommen« ebenfalls ausschließlich von Gott auszusagen ist, der diese Vollkommenheit durch das in Christus gewährte Heil dem Glaubenden zuwendet (vgl. Mt 5,48; Kol 4,12; Phil 3,15). Durch die Näherbestimmung »das dem Herrn Wohlgefällige« wird eigens hervorgehoben, was in den anderen Formulierungen bereits eingeschlossen ist: Das Gute, Wohlgefällige, Wesentliche, Wahre kann nicht allgemein bestimmt oder durch menschlichen Entscheid erhoben werden; vielmehr handelt es sich hierbei um Aussagen, die ihren Inhalt allein aus ihrem Bezug zu »dem Herrn« gewinnen: Was er tut, ist gut (vgl. Röm 8,28). Da die Glaubenden »des Herrn« sind, leben und sterben sie »dem Herrn« (Röm 14,8), ist ihre Existenz umfassend darauf ausgerichtet, so zu handeln, daß es dem Herrn entspricht. So geht es stets um dieselbe Form des Lebenswandels, ob sie nun würdig »der Berufung« (Eph 4,1), »des Evangeliums« (Phil 1,27), »Gottes« (1Thess 2,12) oder »des Herrn« (Kol 1,10) genannt wird.

E. Hahn – Wuppertaler Studienbibel

Bevor Paulus seinen Lesern die positive Aufgabe nennt, die sie in ihrer Absonderung der Welt gegenüber haben, weist er in V. 10 auf etwas Allgemeines hin. „Prüfet, was da sei wohlgefällig dem Herrn!“ Das ist die Regel, nach der schlechthin alles Glaubensleben gelebt werden muß. Es ist das tägliche Fragen: „Herr, was willst Du, daß ich tun soll?“ Dieser Wunsch, nach dem Wohlgefallen des Heilandes zu leben, steht als Motto über dem gesamten Leben der Gläubigen seit ihrer Bekehrung (Rö 12,1.2). Darum ist es des Gläubigen Bestreben, alles, was ihn hienieden auf Erden beschäftigt, diesem einen und alleinigen Ziele unterzuordnen, d. h. „er prüft alles, unterzieht alles dem Glaubensurteil, unterstellt alles dem Glaubenswillen“.

Ein Christenleben, das nicht eine solche geistliche „Prüfung“ als Motiv des Gesamtinhaltes seines „Wandelns mit dem Heiland“ gemacht hat, entbehrt des „Organs“, das überhaupt erst eine praktische Verwertung des köstlichen Glaubensschatzes ermöglicht.

Ausgehend von dieser Gesamthaltung einer geistlichen „Prüfung“, eines „Geistlich-gerichtet-seins“, welche jeder Gläubige besitzen muß, sagt der Apostel, „welche Aufgabe der Gemeinde und dem Gläubigen in ihrer Absonderung von der Welt zukommt“, und zwar in dreifacher Weise:
1) Nimmt man als Objekt des Prüfens in V. 10 den Gläubigen selber, sein eigenes Glauben, Denken, Handeln, seinen Wandel, dann soll dies uns gesagt werden: „Wenn wir stets in dem Streben nach einem gottwohlgefälligen Leben uns prüfen, üben wir eine bestimmte Wirkung auf die sündige, ungläubige Welt um uns herum aus!“ Ja, wir haben so die Pflicht eigener, geistiger Selbstkontrolle, um unsere Aufgaben an der Welt zu erfüllen. Durch nichts mehr wird das Christentum besser empfohlen als durch einen wirklich glaubensbedingten Wandel. Nichts zeigt der Welt deutlicher, daß sie auf falschem Wege ist, als wenn sie es mit gläubigen Menschen, die in einem wirklich lebendigen Glaubenswandel stehen, zu tun hat. So liegt die Aufgabe an der Welt zuerst in dem eigenen Heiligungsleben der Gläubigen begründet.
2) Nimmt man als Objekt des Prüfens in V. 10 die „Welt“, dann verlangt Gottes Wort von der Gemeinde und ihren Gliedern, daß sie sich unter dem Beweggrund einer solchen geistlichen Prüfung mit den Dingen der Welt beschäftigt. Das ist die Aufgabe der Gemeinde an ihrer Umwelt, daß sie an ihr prüft, was da sei wohlgefällig dem Herrn. Dies Prüfen kann darum mit Recht als Aufgabe angesehen werden, weil es Tat ist.
3) „Vielmehr stellt sie ans Licht als das, was sie sind.“ Die Aufgabe des Christen an der Welt ist damit noch nicht erledigt, daß er sie einer geistlichen Prüfung unterwirft. Diese Prüfung soll den eigentlichen Charakter der Welt herausstellen. Vor der Unbestechlichkeit eines geistlich geschulten Urteils, vor dem durchdringenden Blick des Glaubensauges sollen der Welt alle Verschleierungstaktik, A alle Verneblungsversuche unmöglich gemacht werden.

F.Rienecker – Wuppertaler Studienbibel

Entsprechend gilt jetzt: Lebt das aus, was ihr seid! »Lebt als Kinder des Lichts!« (V. 8 c). Wie das praktisch aussehen soll, wird zunächst positiv (V. 9-10) und dann negativ (V. 11-14) deutlich gemacht. a) Wo das Licht Gottes herrscht, da zeigt sich (V. 9) 1. »lauter Güte«, also gutes, rechtschaffenes Verhalten, 2. »lauter … Gerechtigkeit«, also völliges Gerechtgesprochensein von Gott und in der Folge ein Leben, das recht ist vor Gott, und 3. »lauter … Wahrheit«, also ein Leben, in dem die Geheimnisse der Sünde aufgedeckt sind, so dass man niemandem mehr etwas vorlügen muss, sondern echt und durchsichtig leben kann. Allerdings ist solch ein Lebensstil kein automatischer Dauerzustand. In solch einem Leben, in dem die »Frucht des Lichts« sichtbar wird, gilt es zugleich dauernd zu prüfen, »was dem Herrn wohlgefällig ist« (V. 10). Nur so wird der, der im Licht ist, im Licht bleiben. Ähnlich hat es Paulus in Röm 12,1-2 gesagt: Gebt euch Gott ganz hin, lasst euch von ihm verändern, damit ihr prüfen könnt, was das Gute, das Gott Wohlgefällige und das Vollkommene ist, das Gott will! Darum geht es einem Kind Gottes, das »im Licht« lebt. Es möchte das erkennen und tun, was Gott gefällt.

Nicht eigene sündige Bestrebungen beherrschen das Feld (vgl. als Kontrast 4,17ff.), sondern die Frage nach dem, was Gott will. b) Negativ gesprochen heißt das aber zugleich, gewisse Dinge nicht mehr zu tun, V. 11 a: »Und beteiligt euch nicht an den fruchtlosen Werken der Finsternis!« Der Kontrast zu V. 8.9 ist deutlich: Dort das Leben im Licht, hier die Werke der Finsternis; dort die Frucht, hier die Fruchtlosigkeit. Paulus nennt nicht noch einmal eigens Beispiele für solche Werke der Finsternis. In V. 3-4 hat er ja solche Verhaltensweisen beispielhaft schon angesprochen, die unter Christen »nicht einmal genannt werden«, also kein Thema sein sollen. Ähnlich heißt es hier in V. 12, dass für Christen das, was andere in der Heimlichkeit der Sünde tun, nicht einmal ein geeignetes Gesprächsthema ist (»davon auch nur zu reden ist schändlich«).

Gerhard Maier – Edition C

Nach dem eingeschobenen Vers 9 nimmt der Apostel die Aufforderung von V. 8 wieder auf, nämlich als Kinder des Lichts zu wandeln. »Indem ihr prüft« (dokimàzontes, part. präs.) bedeutet prüfen, untersuchen und nach gebührendem Abwägen entscheiden, »wohlgefällig« (euàrestos, ganz. wörtl. »was wohlgefällt«). Indem man als Kind des Lichts wandelt, werden alle Dinge geprüft, ob sie dem Herrn gefallen oder nicht.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Das geht gar nicht, dass wir nichts darüber erzählen, was Gott für gute Sachen gemacht hat!

denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.
Elberfelder 1871 – Apostelgeschichte 4,20

Es ist für uns einfach unmöglich, nicht von dem zu sprechen, was wir gesehen und gehört haben.«
Das Buch – 2009 – Apostelgeschichte 4:20

Denn es ist uns unmöglich, nicht zu reden von dem, was wir gesehen und gehört haben. (a) Lu 10:23.24; Apg 22:15; 1Kor 9:16; 1Jo 1:1-3
Zürcher 1931 – Apg 4,20

Wenn du das erlebt hättest, was die Apostel mit Jesus erlebt haben, könntest du dann schweigen?

19–20 berichten von der Antwort, die Petrus und Johannes jetzt gemeinsam geben. Sie beginnt mit einer Aufforderung an die Synedristen (κρίνατε, V 19b), selbst zu urteilen, ob man Gott oder ihnen eher gehorsam sein muß, einer Frage, die – weil die Lösung klar ist – zugleich den zweiten Teil der Apostel-Antwort begründet: Sie werden das Schweigegebot nicht befolgen (V 20). εἰ δίκαιόν ἐστιν ἐνώπιον τοῦ θεοῦ ist biblische Sprache und geht von einem Einverständnis darüber aus, daß man zu tun habe, was vor Gott „gerecht“ ist. Das Wort von der Pflicht, Gott mehr zu gehorchen als Menschen, steht in leicht abgewandelter Form auch 5,29b. Es hat Sachparallelen im Griechentum90 sowie im hellenistischen Judentum. Die entschiedene Weigerung der Apostel, das Predigtverbot zu akzeptieren (οὐ δυνάμεθα μὴ λαλεῖν, V 20), geht davon aus, daß die Predigt als Pflicht von Gott auferlegt ist. „Was wir gesehen und gehört haben“ ist auf die Augen- und Ohrenzeugenschaft des Wirkens Jesu bezogen und betrifft die Voraussetzung des Zeugenauftrages Jesu an die Apostel (1,21f). Das Zeugnis für den Auferstandenen bildet den Kern der apostolischen Predigt, wie gerade auch Apg 3,13–15 und 4,10–12 zeigten.

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Die Apostel erklären sofort offen, daß sie sich nicht an das Redeverbot halten werden! Sie denken weder an einen Kompromiß noch an heimliche Umgehung des Verbotes. Wieder wird der „Freimut“ sichtbar. Darum hat der Ungehorsam hier nichts Freches, nichts „Aufsässiges“ an sich. Die Apostel begründen ihn im Gehorsam gegen Gottes Auftrag und wenden sich an das eigene Urteil ihrer Obrigkeit. [19/20] Sie haben hier nicht Heiden vor sich, sondern die Leiter des erwählten Volkes Gottes. „Ob es recht ist vor Gott, auf euch zu hören mehr als auf Gott, beurteilt selbst“. Ob etwas „gerecht vor Gott“ sei oder nicht, das war ja die ständige Frage in Jerusalem. „Wir wenigstens“ – das sonst in der grie Sprache bei den Tätigkeitsworten allein durch die Wortform ausgedrückte „wir“ ist hier hervorhebend extra hinzu gesetzt – „sind nicht imstande, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.“ So steht es mit echten Zeugen Jesu. Sie müssen sich nicht zwingen, der Zeugenpflicht einigermaßen nachzukommen, sondern – wie kann doch der Heilige Geist formulieren! – sie sind gar nicht imstande, etwa nicht zu reden. Daran scheitert jedes „Redeverbot“.

Wuppertaler Studienbibel

Hier ist die mutige Entschlossenheit der Gefangenen, mit ihrer Arbeit fortzufahren, und ihre Verkündigung dieser Entschlossenheit (Vers 19–20). Petrus und Johannes antworteten gemeinsam: „Entscheidet ihr selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen [auf euch zu hören] als Gott! Denn es ist uns unmöglich, nicht von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben!“ Die Weisheit der Schlange hätte sie gelehrt zu schweigen. Doch die Kühnheit des Löwen sagte ihnen, sie sollten ihren Verfolgern auf diese Weise trotzen. Sie rechtfertigten sich mit zwei Dingen in ihrem Widerstand:
Das Gebot Gottes: „Ihr gebietet uns, das Evangelium nicht zu verkündigen; er hat uns geboten, es zu verkündigen; wem müssen wir nun gehorchen, Gott oder euch?“ Nichts kann unsinniger sein, als mehr auf schwache und fehlbare Menschen zu hören als auf einen Gott, der unendlich weise und heilig ist. „Die Sache ist so klar und selbstverständlich, dass wir es wagen werden, es euch selbst zu überlassen, darüber zu urteilen. Könnt ihr es vor Gott für recht halten, im Gehorsam gegenüber einer menschlichen Verfügung ein göttliches Gebot zu brechen?“
Die Überzeugung ihres Gewissens: Es war ihnen immer noch unmöglich, nicht von dem zu reden, was sie gesehen und gehört haben, das ist von Christi Lehre.
Sie spürten ihre Wirkung auf sich, was für eine wunderbare Veränderung sie in ihnen bewirkt hatte. Diejenigen, die die Macht der Lehre Christi gespürt haben, sind die, die ihre Botschaft am besten aussprechen.
Sie wussten von ihrer Wichtigkeit für andere. Sie sahen mit Sorge auf Seelen, die verloren gingen, und sie wussten, dass diese Seelen dem ewigen Verderben nicht entkommen konnten außer durch Jesus Christus. Deshalb wollten sie treu gegenüber ihnen sein, indem sie sie warnten. „Es sind Dinge, die wir gesehen und gehört haben und deren wir uns deshalb vollkommen sicher sind; wenn wir sie also nicht bekannt machen werden, wer wird es dann tun? Wer kann es?“

Der Neue Matthew Henry Kommentar

Nachdem sie die Apostel wieder in den Kreis der Anwesenden gerufen hatten, geboten sie ihnen, sich nicht „in dem Namen Jesu“ zu äußern noch darin zu lehren. Petrus und Johannes gaben kein solches Versprechen ab, indem sie nachdrücklich betonten, daß sie weitersagen müßten, was sie gesehen und gehört hatten. Mit anderen Worten, sie mußten treue Zeugen sein. Später schrieb Petrus als allgemeinen Grundsatz: „Unterwerfet euch aller menschlichen Einrichtung um des Herrn willen: es sei dem Könige als Oberherrn, oder den Statthaltern als denen, die von ihnen gesandt werden zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lobe derer, die Gutes tun“ (1 Petrus 2,13-14). Zu diesem Thema finden wir in Röm 13,1-5 auch die Worte des Paulus. Außerdem schrieb Petrus darüber, daß wir glückselig sind, wenn wir um der Gerechtigkeit willen leiden, da wir uns nicht vor dem Schrecken der Menschen fürchten brauchen (1 Petrus 3,14-15), bereit zur Verantwortung gegenüber jedem, der „Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Furcht“.
 Gewiß konnte in der vorliegenden Begebenheit keine Rede davon sein, den Forderungen des Synedriums zu entsprechen. Petrus erwiderte mit großer Freimütigkeit: „Ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören, als auf Gott, urteilet ihr“ (V.19). Der HERR hatte ihnen geboten, in die ganze Welt zu gehen und das Evangelium anfangend von Jerusalem zu predigen. Hier nun waren im Unglauben befindliche menschliche Herrscher, die ihnen geboten, dies nicht zu tun. Wenn eine untergeordnete Autorität (in diesem Fall das Synedrium) die Anweisungen einer höheren (in diesem Fall Gott) aufhebt, ist klar, was ein Christ tun muß. Das heißt nicht, daß wir Anlaß zu unnötigem Ärger geben sollten, wo immer wir können! Wenn die Genehmigung zur Abhaltung einer Freiluftversammlung an einem bestimmten Ort gebraucht wird, liegt es auf der Hand, diese einzuholen.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Die Verse 19-20 enthalten die entschlossene Antwort der Apostel auf die Anklage des Rates. Sie begannen mit einer rhetorischen Frage in Vers 19: „Ob es in den Augen Gottes recht ist, euch zu gehorchen und nicht Gott, das sollt ihr beurteilen. Mit anderen Worten: Was ist in den Augen Gottes das Richtige zu tun? Ist es in den Augen Gottes richtig, auf die Führer zu hören oder auf Gott? Als die geistlichen Führer Israels hätte die Antwort für sie offensichtlich sein müssen: Natürlich muss man immer Gott und nicht den Menschen gehorchen.

Das Jewish Annotated New Testament kommentiert dies wie folgt:
Hört lieber auf euch als auf Gott – ein ähnlicher Gedanke wird dem Pharisäer Gamaliel zugeschrieben (5.29). Hören, mit der zusätzlichen Bedeutung von gehorchen, wie im „Schma“-Gebet („Höre, o Israel“). In den jüdischen und griechischen philosophischen Traditionen wird der Gehorsam gegenüber Gott oft als wichtiger eingestuft als der Gehorsam gegenüber menschlichen Autoritäten (Plat, Apol. 29d; 2 Makk 7,2; 4 Makk 5,16-21; Ant. 17,158-59; 18,268).

Die Apostel legten dann dar, wie ihr Engagement aussehen sollte: Wir können nicht anders, als das, was wir gesehen und gehört haben, zu erzählen (V. 20). Gott hatte sie berufen, Zeugen zu sein, und das Zeugnis ist das Hauptthema der Apostelgeschichte. Deshalb würden sie auch weiterhin alles weitergeben, was sie von Jeschua von Nazareth gesehen und gehört hatten.

Die Apostel lehnten die Autorität des Sanhedrins eindeutig ab, weil die religiösen Führer ihre Autorität, zumindest in diesem Fall, missbraucht hatten. Sie versuchten, Männer zum Schweigen zu bringen, denen niemand anderes als Gott selbst befohlen hatte zu sprechen.

Arnold G. Fruchtenbaum – Ariel’s Bibelkommentar

Auf dir (Jesus) ruht mein uneingeschränktes Ja!

und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn herabstieg, und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an (W. in) dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Elberfelder 1871 – Lukas 3,22

und der Heilige Geist kam in sichtbarer Gestalt wie eine Taube auf ihn herab. Und aus dem Himmel sprach eine Stimme: »Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Freude.«
Neue Genfer Übersetzung – Lukas 3:22

und dass der heilige Geist in leiblicher Gestalt (körperlichem Aussehen) wie eine Taube (als Taube) auf ihn herabkam und dass eine Stimme aus dem Himmel erklang (geschah, sich ereignete): „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden (du hast mich erfreut).“
offene Bibel – Lk 3,22

Dabei kam der heilige Gottesgeist in körperlich sichtbarer Gestalt herunter, wie eine Taube. Gleichzeitig ertönte eine Stimme, die sagte: »Du bist es! Mein Sohn, ganz und gar geliebt! Auf dir ruht mein uneingeschränktes Ja!«
Das Buch – 2009 – Lk 3:22

Der Vers beinhaltet persönliche Worte des himmlischen Vaters an Jesus Christus! Und wenn wir uns die Worte anschauen, ist sehr interessant, dass der himmlische Vater nicht sagt „Du wirst mein Sohn werden!“ oder „ich werde dich lieben“ oder „ich werde mein Wohlgefallen an die haben“! – Jesus hatte also schon das Wohlgefallen seines himmlischen Vaters, obwohl Jesus sein Werk noch gar nicht begonnen hatte! Wie sehr unterscheidet sich also Gottes Blick, von unserer Einstellung, denn erwarten wir nicht immer zuerst Handlungen?


Die Anwesenheit des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube – ein Symbol des Friedens oder der Befreiung vom Gericht (1Mo 8,8-12) – bei Jesu Taufe war ein Zeichen, daß Jesus denen, die sich zu ihm bekehrten, die Rettung bringen würde. Die Stimme Gottes bestätigte Jesus mit Worten aus Ps 2,7 und Jes 42,1 .

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Alles ist hier auf die Stimme konzentriert. Immer wieder begegnet uns Lukas ja als ein Worttheologe.
Fast nebenbei erfahren wir, dass »auch Jesus getauft wurde« (V. 21). Lukas erzählt nicht extra wie Matthäus, Markus und Johannes, dass Jesus zur Bußbewegung am Jordan stieß. Für ihn war das ganz selbstverständlich.
Wichtiger ist schon, dass »Jesus« bei seiner Taufe »betete«. Das sagt sonst keiner der Evangelisten. Was der Inhalt des Gebets war, wissen wir nicht. Evtl. hat Jesus darin zum Ausdruck gebracht, dass er ganz den Willen des Vaters tun und alle Gerechtigkeit erfüllen wollte (vgl. Mt 3,15; 5,17ff.).
Jedenfalls erscheint das Folgende wie eine Antwort auf Jesu Gebet. »Da geschah es, dass der Himmel geöffnet wurde« – wie in Hes 1,1 ! Der Mensch kann den »Himmel« nicht »öffnen«. Das kann nur Gott. Wir stehen jetzt also vor dem Handeln Gottes des Vaters. In Hes 1,1ff. bedeutete das Sich öffnen des Himmels eine Berufung. Ähnlich ist es in Apg 10,11. Wozu wird dann Jesus berufen?
Das zweite Ereignis besteht darin, »dass der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herabkam« (V. 22). Lukas beschreibt alle diese Ereignisse – das Sich öffnen des Himmels, die Herabkunft des Geistes, die Botschaft der Stimme – als objektive Geschehnisse (»es geschah«). Allerdings brauchte man erleuchtete Augen, um sie wahrzunehmen. Augen, wie sie der Täufer (Joh 1,32) und Jesus (Mt 3,16; Mk 1,10) besaßen. Weil es sich um ein objektives Geschehnis handelt, wird diesen Augen der Heilige Geist »in leiblicher Gestalt« sichtbar. Das setzen auch die anderen Evangelisten voraus. Denn alle vier berichten, der Heilige Geist sei »wie eine Taube« gekommen (Mt 3,16; Mk 1,10; Joh 1,32). Dabei beachten wir, dass es nicht heißt: »als eine Taube«, sondern »wie«! Aber warum erinnert die leibhafte Gestalt des Geistes ausgerechnet an eine »Taube«? Antwort: Indem der Vater dem Geist diese Gestalt gab, erinnerte er Johannes und Jesus an 1Mose 1,2, wo der Geist in Parallele zu einem Vogel »brütend über den Wassern schwebte«. Die alten jüdischen Rabbinen haben dies schon mit einer Taube verglichen. Dass sie eine taubenähnliche Erscheinung sahen, gab also Johannes und Jesus die Gewissheit, dass es sich um den Heiligen Geist handelte. Hinzu kommt die Erinnerung an Noahs Taube (1Mose 8,8ff.), die ein Bote des Lebens war, und an die Taube von Hld 2,12, die von der jüdischen Auslegung auf den Heiligen Geist gedeutet wurde. All dies diente also der Gewissheit. Dass aber der Geist »auf ihn herabkam«, bedeutet die bleibende Ausrüstung mit dem messianischen Heiligen Geist. Hier erfüllt sich Jes 11,2.
Das dritte Ereignis besteht in der »Stimme«, die »aus dem Himmel kam«. Ohne Zweifel ist es Gottes »Stimme«. Der Inhalt des Gesagten ist atemberaubend: »Du bist mein Sohn« ist ein Zitat aus dem messianischen Psalm 2 (2,7). Es kennzeichnet die Sohnschaft und die Einzigartigkeit des Messias. »Der geliebte« im Zusammenhang mit dem »Sohn« ist ein Zitat aus 1Mose 22,2. Es kennzeichnet die einzigartige Hingabe des Sohnes durch den Vater entsprechend der Opferung Isaaks und sagt damit, dass Jesus den Opfertod sterben muss. »An dir habe ich Wohlgefallen« ist ein Zitat aus Jes 42,1 und kennzeichnet Jesus als den Gottesknecht, der auch die Heiden erlöst und nach Jes 53,10 sein Leben zum Schuldopfer gibt (vgl. Mt 12,17ff.). Gott selbst erinnert hier den Sohn an die göttlichen Worte in 1Mose 22; Ps 2 und Jes 42, die Jesus von seiner menschlichen Erziehung her wohlvertraut waren (vgl. Lk 2,42ff.).

Die Bedeutung dieses Vorgangs ist kaum auszuloten. Wir versuchen, das Wesentliche zusammenzustellen: a) Jesus wird hier zur öffentlichen Wirksamkeit berufen. b) Er wird zum Messias ausgerüstet. c) Er empfängt bleibend (Joh 1,32) den Heiligen Geist und damit die ständige Verbindung zum Vater. d) Er erhält die Bestätigung für die Berichte Marias und Josefs, dass er Gottes geliebter Sohn ist. e) Er erfährt, dass er sterben muss. Man kann geradezu von einem Auftrag zum Sühnetod sprechen. Seine Wirksamkeit mündet also in der Passion. f) Für ihn gelten ab jetzt sämtliche Verheißungen und Weissagungen, die sich auf den Messias beziehen.

Gerhard Maier – Edition C

Der vorhergehende Vers endet mit dem geöffneten Himmel (Hes 1,1), und jetzt ließ sich „der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn herab“. Viele haben auf die Sanftheit und Reinheit der Taube hingewiesen. Ebenso wichtig ist sicher auch, daß die Taube für den lauteren Blick steht. Lauterkeit, Einfalt kennzeichnete das Leben des Herrn: „Ich tue allezeit das ihm Wohlgefällige“ (Joh 8,29). Das Öl des Speisopfers ist ein Bild auf das Leben, das stets vom Heiligen Geist geführt war; der Weihrauch ist ein Bild dafür, daß alles zur Verherrlichung Gottes getan wurde.
 Aber hatte Er den Heiligen Geist nicht in vollem Maß vor Seiner Taufe? Die Antwort ist ein eindeutiges Ja, denn „Gott gibt den Geist nicht nach Maß“ (Joh 3,34). Aber in der Taufe bewahrheitet sich Jes 42,1: „Siehe, mein Knecht … ich habe meinen Geist auf ihn gelegt.“ Über den Unterschied, daß der Heilige Geist immer in Ihm wohnte und auf Ihn kam in öffentlicher Manifestation während Seines vollkommenen Dienstes, gibt Dr. Heading die treffliche Erklärung: „Der Herr besaß den Geist allezeit in sich, hier aber kommt der Geist auf Ihn. Der Unterschied wird sichtbar in Verbindung mit dem Öl des Speisopfers, wo wir „Öl darauf“ und „gemengt mit Öl“ finden (3Mo 2,1-5). Öl im Inneren spricht von wesenhaftem, bedingungslosem Besitz, Öl von außen von Salbung zu besonderem Dienst“ (Luke’s Life of Christ, S. 44).
 Die Stimme des Vaters aus dem Himmel sagte (Wort für Wort übersetzt): „mein Sohn, mein geliebter, an Dir habe ich Wohlgefallen“. Sogleich werden unsere Gedanken in die Verborgenheit ewiger Liebe gelenkt, wo der Sohn von Ewigkeit her des Vaters Wonne war: „Du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt“ (Joh 17,24). Lk 3,22 ist einer der zahlreichen Verse, welche die ganze Trinität beinhalten. Wie verkehrt ist es, an Gott als den Ewigen Vater zu denken ohne auch an den Ewigen Sohn und den Heiligen Geist zu denken. Gott nannte nicht ein „es“ Seinen geliebten Sohn. „An Dir habe ich Wohlgefallen“ ist „ein ausgezeichnetes Beispiel für den zeitlosen Aorist“ genannt worden (W. Hendriksen). Zu keiner Zeit war das nicht wahr. Es ist unfaßbar, daß der Geist auch uns „Geliebte“ nennt (Röm 1,7; Eph 5,1). Es besteht aller Grund dafür, daß Er Seinen Sohn so nennt, es besteht keiner dafür, daß Er uns so bezeichnet. So weit wir aus den Evangelien Kenntnis haben, stand der Täufer nur bei dieser Gelegenheit dem Herrn von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Es war der größte Augenblick in seinem Leben (Joh 1,31). Man kann sagen, daß es der Sinn seines Lebens und Dienstes überhaupt war (3,4-6). Als Christus sich erniedrigte, um von Johannes getauft zu werden und so Seine Unterwürfigkeit unter Gottes Willen bezeugte, war der Augenblick gekommen, in dem es sich geziemte, daß der Himmel Ihm sein Wohlgefallen bekundete. Wir finden dieses Prinzip in der Schrift, daß überall dort, wo Christus und Sünde miteinander verbunden sind, Seine makellose Reinheit bezeugt wird (2Kor 5,21; 1 Petrus 2,22-25), denn keine Sünde konnte je Seine heilige Person antasten. Zu Beginn Seines öffentlichen Dienstes sprach der Vater vom Himmel, um Seine Liebe zu Seinem Sohn und Seine Wonne an Ihm zu bekunden; beim Beschließen Seines öffentlichen Dienstes hören wir wieder eine Stimme aus dem Himmel (Joh 12,28). Die Taube, die auf der Arche ruhte, war ein wunderschönes Bild vom Geist, der wie eine Taube auf Christus herabstieg; denn ebenso, wie die Taube in einer Welt des Todes, die der Flut folgte, keinen Ruheplatz finden konnte, so konnte der Geist auch hier nur auf Christus einen wahren Ruheplatz finden.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Während die Schechinah-Herrlichkeit eine sichtbare Manifestation Gottes ist, ist die Bat Kol hörbar. Was Gott der Vater bei der Taufe Jeschuas hörbar aus dem Himmel sprach, war: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe (Matthäus 3:17), womit er Jeschua als den Sohn identifizierte, der in Psalm 2:12 erwähnt wird: Küsset den Sohn, damit er nicht zornig werde und ihr auf dem Wege umkommt; denn sein Zorn wird bald entbrennen. Gesegnet sind alle, die zu ihm ihre Zuflucht nehmen. Dieser Sohn ist der messianische Sohn, Gott der Sohn. Es gab drei Mal während Jeschuas öffentlichem Wirken, als Gott der Vater hörbar aus dem Himmel sprach. Dies war das erste dieser drei Male.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Ihr gehört zum Glück zu Gott, meine Lieben!

Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie (d. i. die falschen Propheten (v 1)) überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist.
Elberfelder 1871 – 1.Johannes 4,4

Ihr jedoch stammt von Gott, liebe Kinder, und habt den falschen Propheten siegreich widerstanden; denn der, der in euch lebt, ist größer ´und stärker` als der, von dem die Welt beherrscht wird.
Neue Genfer Übersetzung – 1.Johannes 4:4

Ihr seid aus Gott, Kindlein, und habt sie – d.h. die falschen Propheten – überwunden, weil der, welcher in euch (wirksam) ist, stärker ist als der in der Welt – d.h. der Fürst dieser Welt. -. 
Hermann Menge Uebersetzung – 1949 – 1.Joh 4,4

Ihr habt euren Ursprung in Gott, liebe Kinder, und habt diese Mächte besiegt. Denn der, der in euch ist, ist größer als der, der in dieser Welt sein Unwesen treibt.
Das Buch – 2009 – 1.Joh 4:4

Es gibt heute zwei Geister in der Welt: Gottes Geist der Wahrheit, der durch das inspirierte Wort spricht, und Satans Geist des Irrtums, der Lügen lehrt (1. Tim. 4:1ff). Von Gott gesandte Lehrer werden von Gott sprechen, und Gottes Kinder werden sie erkennen. Satans Arbeiter werden aus weltlicher Weisheit sprechen und sich auf diese verlassen (1. Korinther 1,7-2,16). Die wahren Schafe erkennen die Stimme des Hirten (Johannes 10:1-5, 27-28). Wahre Schafe erkennen auch einander und lieben einander. Satan ist ein Spalter und Zerstörer; Christus vereinigt die Menschen in Liebe.

Die Welt glaubt nicht wirklich, dass Gott Liebe ist. Sie schauen auf die schrecklichen Verwüstungen der Sünde in der Welt und sagen: „Wie kann ein Gott der Liebe so etwas zulassen?“ Aber die Menschen brauchen nie an Gottes Liebe zu zweifeln: Er hat seine Liebe am Kreuz bewiesen. Christus starb, damit wir „durch“ ihn (1. Johannes 4,9), „für“ ihn (2. Korinther 5,15) und „mit“ ihm (1. Thessalonicher 5,9-10) leben können. Die Logik ist klar: „Wenn Gott uns so geliebt hat, sollen wir uns auch untereinander lieben. Wir sollten uns gegenseitig in demselben Maße und auf dieselbe Weise lieben, wie Gott uns liebt.
Das Kreuz ist ein Pluszeichen; es versöhnt die Sünder mit Gott und die Menschen untereinander. Wenn zwei Christen einander nicht lieben, haben sie ihre Augen vom Kreuz abgewendet.

Warren W. Wiersbe – Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament

Bis jetzt, so beruhigt der Schreiber seine Kinder (teknia; vgl. den Kommentar zu 1Joh 2,12), die Leser, haben sie diese Antichristen überwunden. Sie haben ihnen (den falschen Propheten) „durch den, der in ihnen ist“ (zweifellos eine weitere Anspielung auf den Heiligen Geist; vgl. 1Joh 3,24;4,2 ), widerstanden. Das feste Vertrauen auf Gott ist das Geheimnis aller Siege über Irrlehren und andere Fallstricke. Der Einwohnende – der Heilige Geist, der in jedem Gläubigen wohnt ( 1Joh 3,24;4,13; Röm 8,9) und deshalb der, „der in euch ist“, ist – ist größer als der, der in der Welt ist, d. h. als Satan (vgl. 1Joh 5,19), der „Fürst dieser Welt“ (Joh 12,31), der „Gott dieser Welt“ (2Kor 4,4) und der „Mächtige, der in der Luft herrscht“ (Eph 2,2).
Die Antichristen sind von der Welt und reden …, wie die Welt redet, deshalb hört die Welt auch auf sie. Man kann immer beobachten, daß von Satan inspirierte Gedanken einen besonderen Reiz für weltlich gesinnte Gemüter haben, doch Menschen, die von Gott (ek tou theou; vgl. 1Joh 4,4; V. 5, „von der Welt“; und 1Joh 3,12 ,“von dem Bösen“) sind, hören auf die Apostel. Die Pronomen am Eingang der Verse 4 – 6 – „ihr“, „sie“ und „wir“ – sind im Urtext betont und kennzeichnen offensichtlich drei verschiedene Gruppen: die Leser, die Antichristen und die Apostel. Jeder, der in die Kategorie der „von-Gott“-Kommenden gehört (d. h. der Menschen, die von Gott gelenkt und beeinflußt sind) und deshalb Gott erkennt, der hört auf die Stimme der Apostel. In der Geschichte der Kirche ist die apostolische Lehre immer das Medium gewesen, durch das der Heilige Geist der Wahrheit vom Geist des Irrtums unterschieden werden konnte. Das echte Christentum ist ein apostolisch geprägtes Christentum.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Dieses Wort des Trostes und der Ermutigung spricht der Apostel seinen »Kindern« auch ausdrücklich zu. Wie sollen sie in Furcht und Schrecken kommen, wenn doch gilt: »Ihr seid von Gott« (griechisch deutlicher: »aus Gott«)!? Sie leben aus seiner Kraft und Macht. Das ist ihr Stand, die Zusage an sie. Nicht aus eigener Kraft können wir der Verführung und Verfolgung standhalten, sondern nur deswegen, »weil wir aus Gott sind«, weil er unser Vater ist, der für seine Kinder sorgt, und weil Christus in seiner Kraft uns bewahrt. Deshalb haben wir die falschen Propheten »überwunden«, längst besiegt. Hier steht bewusst das Perfekt. Wer aus Gott ist, lebt aus dem Sieg Jesu Christi, denn er hat »die Welt besiegt« (vgl. Joh 16,33). Er, unser Herr, der in seinem Geist »in euch«, in uns ist, der ist »größer als der, der in der Welt ist«. »Die Welt« ist hier Macht und Einflussraum des Satans. Er steht hinter den Lügenpropheten, den Antichristen und Verführern. Er trägt durch sie seine Angriffe vor (vgl. zu 1Joh 4,1). Aber Christus ist »größer« (im Sinn von »mächtiger«), ja, er hat alle Macht. Die Großmacht Satan ist besiegt durch die Allmacht des Christus. Wir dürfen im Sieg leben.

Gerhard Maier – Edition C

Die Verbreiter des Irrtums sind nicht aus Gott, aber die vielgeliebten Kinder des Johannes (dieser Ausdruck der Zuneigung kommt erneut vor) sind aus Gott. Die beiden Wendungen „jeder Geist, der Jesum Christum im Fleisch gekommen bekennt“ (V.2) und „jeder Geist, der nicht … bekennt“ (V.3) klassifizieren diejenigen, die in die Welt hinausgegangen waren – die von Gott oder vom Teufel gesandten Lehrer. Die Leser des Johannes hatten beiden zugehört und die Geister geprüft, das Zeugnis der erstgenannten angenommen und sich nicht von den letzteren verführen lassen. Daher sagt Johannes: „Ihr seid aus Gott“. Beachten wir: „Ihr“, die Leser des Johannes, „seid aus Gott“ (V.4), „wir“, Johannes und seine Mitarbeiter im Lehrdienst, „sind aus Gott“ (V.6) und „sie sind aus der Welt“ (V.5). Dabei ist „ihr“ und „wir“ hervorgehoben (vgl. Sperrdruck der Elberf). Sie hatten die falsche Lehre gehört, sie zurückgewiesen und sich nicht davon beeinflussen lassen, obwohl sie aus süßen Worten und schönen Reden bestand (Röm 16,18). Sie hatten „sie (diejenigen, in denen der Geist des Antichrists war) überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist“. Die Wendung läßt erkennen, daß der in der Welt Befindliche groß ist, weshalb wir nie die Macht des antichristlichen Geistes, des Geistes des Irrtums und des Widersachers unterschätzen sollten. Doch der in uns Wohnende ist größer. Diese Person ist der Geist Gottes, der „Geist der Wahrheit“ heißt und in 2,20.27 als die Salbung von dem Heiligen erwähnt wird. Es ist der uns durch den Herrn Jesus gegebene Geist Gottes, der als göttliches „Barometer“, als innerer Führer wirkt, um uns in die Wahrheit zu leiten und vor Irrtum zu bewahren. 2,27 sagt: „Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch“. Deshalb hatten sie durch das Wort Gottes (die Wahrheit) und den Geist der Wahrheit in ihren Herzen sowohl die falschen Lehrer als auch ihre Anhänger überwunden.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Und welchen Lehrern höre ich zu? Merke ich schnell, dass es bei einigen Lehrern wirklich um Gott geht – bei den meisten aber um „den Menschen“, um „Dinge, die ich tun soll“ und um „Dinge, die diese Lehrer erlebt haben“ – also eigentlich nicht Gott sondern der Mensch im Mittelpunkt steht? Und ist agape das Thema – oder sucht der „Lehrer“ nur die Missstände in anderen Gruppen, um seine eigene Gruppe zu loben? Wessen Geist scheint also wirklich zu herrschen?

einer, der sich an das treue Wort der Lehre hält

anhangend dem zuverlässigen Worte nach der Lehre, auf daß er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre (O. Belehrung) zu ermahnen, (O. ermuntern) als auch die Widersprechenden zu überführen.
Elberfelder 1871 – Titus 1,9

festhaltend an dem der Lehre entsprechenden, zuverlässigen Wort, damit er imstande sei, auf Grund der gesunden Lehre sowohl zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen. (a) 2Ti 4:2
Zürcher 1931 – Titus 1:9

Er muss an der vertrauenswürdigen Botschaft festhalten, wie sie ´von Anfang angelehrt worden ist; denn mit Hilfe dieser gesunden Lehre ist er imstande, ´die Gemeinde im Glauben zu stärken und die, die sich der Wahrheit widersetzen, zurechtzuweisen.
Neue Genfer Übersetzung – Tit 1,9

Auch muß er sich in Lehrfragen an das verläßliche Gotteswort halten, damit er imstande ist, in gesunder Unterweisung zu ermahnen und zugleich die Widerstrebenden zurechtzuweisen.
Bruns 2013 – Tit 1:9

Er muss festhalten an der zuverlässigen Gottesbotschaft, die der verbindlichen Lehre entspricht, sodass er in der Lage ist, die gesunde Lehre weiterzugeben und auch die von ihrer Gültigkeit zu überzeugen, die ihr widersprechen.
Das Buch – Titus 1,9

einer, der sich an das treue Wort der Lehre hält, damit er in der gesunden Lehre aufrufen ‹und Zuspruch geben› und auch die Widersprechenden zurechtweisen kann;
Jantzen & Jettel – Titus 1:9

Wo ist der Aufschrei der Ältesten, wenn in Vorträgen Politik für oder gegen eine Partei vorgetragen wird? Wo ist der Aufschrei, wenn biblische Wahrheiten verdreht werden? Wo ist der Aufschrei, wenn Kindesmissbrauch vertuscht wird? Ist es nicht die Verantwortung der „älteren Männer“ genau in solchen Momenten die biblischen Wahrheiten der Bibel zu verteidigen?
Oder sollte „das Dulden von Missständen“ nur deutlich zeigen, dass diese Gruppen und Organisationen bzw Kirchen nicht mehr oder noch nie den „Geist Gottes“ hatten, und deshalb es gar keine „mit heiligen Geist befähigten Männer“ in diesen Kreisen gibt????

Der Älteste muss einen nüchternen Glauben haben. Er muss an geistlich gesunder Lehre festhalten, die vom Herrn Jesus und den Aposteln gelehrt und für uns im NT festgehalten wurde. Nur dann wird er imstande sein, dafür zu sorgen, dass sich die Heiligen mit »gesunder Lehre« ausgewogen nähren können. Er wird diejenigen zum Schweigen zu bringen können, die gegen die Wahrheit reden.
Dies sind die Qualifikationen für geistliche Leiter in der Ortsgemeinde. Man sollte festhalten, dass nichts über die körperlichen Fähigkeiten, die Ausbildung, den sozialen Status oder den Geschäftserfolg eines Ältesten gesagt wird. Obwohl es manchmal behauptet wird, stimmt es nicht, dass dieselben Qualitäten, die einen Mann im Beruf erfolgreich sein lassen, ihn auch zur Leiterschaft in der Gemeinde befähigen.
Ein anderer Punkt sollte noch erwähnt werden. Wenn es hier um einen gottesfürchtigen Ältesten geht, wird nicht das Bild eines Menschen gezeichnet, der Vorträge organisiert, Finanzen verwaltet, Verträge für Gebäudesanierungen aufsetzt, und damit hat es sein Bewenden! Der wahre Älteste ist in erster Linie am geistlichen Leben der Gemeinde beteiligt, indem er lehrt, ermahnt, ermutigt, zurechtweist und korrigiert.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

In positiver Weise: Er muss (Vers 8) gastfreundlich sein. Solch eine Einstellung und eine solche Praxis, entsprechend den Möglichkeiten und Gelegenheiten, sind für solche stimmig, die Vorbilder in guten Werken sein sollten. „Das Gute liebend“; geistliche Leiter sollten darin beispielhaft sein, das Gute zu lieben. Besonnen, oder selbstbeherrscht oder weise, das ist eine notwendige Gnadengabe für einen geistlichen Leiter – sowohl für sein Verhalten und seinen Umgang im Dienst als auch im Privatleben. Gerecht, rechtschaffen in den Dingen, welche das bürgerliche Leben betreffen. Heilig in dem, was die Religion betrifft. Beherrscht, diszipliniert; der Ausdruck kommt von einem Wort, welches „Stärke“ bedeutet, und beschreibt jemanden, der Gewalt über seine Gelüste und Gefühle hat.
1.2 Was seine Lehre betrifft:
Hier ist seine Pflicht: „Einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht“, der sich in seinem eigenen Glauben und Bekenntnis und beim Lehren anderer fest an es hält. Geistliche Leiter müssen sich in ihrem Lehren und ihrem Leben fest an das zuverlässige Wort halten und es durch beides predigen.
Hier ist ihr Ziel: „damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen“ (die sich ihr widersetzen). Wie könnte er dies tun, wenn er unsicher oder unbeständig wäre und sich nicht an das zuverlässige Wort und die gesunde Lehre hält?

Der Neue Matthew Henry Kommentar

»Er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiß ist« (V. 9 a): Einerseits soll sich ein solcher Mitchrist »enthalten«, manches loslassen, andererseits aber um so mehr sich halten an das Wort, mit dem uns Gott ins Vertrauen gezogen hat über das, was er getan hat, tut und tun wird, um uns zu retten, und an das Wort davon, wie wir daraufhin recht den Weg gehen können, den Weg des Glaubensgehorsams, der Jesusnachfolge bis zum herrlichen Ziel, »durch Leiden zur Herrlichkeit« (Apg 14,22). Dazu gehört auch, daß gerade ein solcher Christ, der für andere zum Dienst berufen ist, auch in besonderer Weise in diesem Wort, so wie es uns von den Aposteln (Apg 2,42) übermittelt ist, lebt, in seinen Bahnen denkt und geht und ihm uneingeschränkt Vertrauen entgegenbringt, also dem Herrn selbst, der uns dieses Wort gegeben hat.
Noch einmal, wie bereits V. 2, betont Paulus die Gewißheit, die Zuverlässigkeit dieses Wortes: Wir können uns darauf verlassen, daß Gott tatsächlich das in der Vergangenheit zu unserem Heil getan hat – insbesondere mit Kreuz und Auferstehung Jesu –, was zu unserem und aller Welt Heil nötig ist. Wir können uns darauf verlassen, daß Gott das jetzt an uns tut, wovon das uns heute verkündigte, unsere Gegenwart betreffende Wort sagt. Auch da gilt: »Wenn er spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da« (Ps 33,9); Gottes Wort ist Tat. Und wir können uns weiter darauf verlassen, daß er all das in der Zukunft noch tun wird, was er verheißen hat und was einen neuen heilsgeschichtlichen Schritt betrifft, zumal bereits in der Vergangenheit alle Voraussetzungen dafür geschaffen sind, vor allem mit Jesu Sieg in Gethsemane, auf Golgatha und an Ostern (vgl. Offb 5). » Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß« (Ps 33,4).

Nicht nur darum geht es, daß wir selbst von diesem Wort leben, sondern daß wir es weitersagen und dazu mithelfen, daß auch andere von diesem Wort leben können. Das gilt insbesondere für die, die Aufträge und Dienste in der Gemeinde haben. Dazu auch sollen sie sich an das Wort halten, damit sie die Kraft haben, »zu ermahnen mit der heilsamen Lehre und zurechtzuweisen, die widersprechen« (vgl. V. 9b). Durch das Leben im Wort werden wir dazu befähigt, es auch in der rechten Weise weiterzusagen. Und gerade dadurch, daß wir selbst dem Wort gehorsam sein wollen und uns von ihm erziehen lassen, wird uns durch Gottes Gnade die innere Vollmacht geschenkt, es auch andern auszurichten. – Von zweierlei redet hier Paulus:
a) Vom »Ermahnen mit der heilsamen Lehre«. Das Urtextwort für »ermahnen« bedeutet »zurufen«, »herbeirufen«, »einladen«, »trösten«, »Seelsorge üben«, »aufmuntern«; in diesem Sinn wurde das Wort auch für die Anfeuerungsrufe im Sportstadion gebraucht. Kurz: Es ist nötig, so miteinander zu reden, daß wir doch ja zusammen auf dem Weg bleiben zu dem herrlichen Ziel und uns auf dem Weg die Heilbehandlung durch unseren Heiland Jesus Christus, durch seinen heiligen, heilenden und heiligenden Geist, gefallen und uns von ihm Aufträge geben lassen, damit wir in Ewigkeit miteinander bei unserem Herrn das wahre Leben haben. Und nötig ist auch, daß wir solchen, die noch ganz draußen sind, hereinhelfen in die Gemeinschaft mit unserem Herrn, auf die Spur seiner Nachfolge und in die Gemeinschaft seiner Gemeinde.
b) Auch dazu befähigt uns Gottes Wort, durch das wir ja immer zugleich unter dem wunderbaren Einfluß seines Geistes stehen (Joh 6,63), daß wir diejenigen »zurechtweisen, die widersprechen«. Das Urtextwort bedeutet auch, daß wir die »überführen«, die widersprechen. Diese gibt es überall, auch in den Gemeinden, die Gottes Wort, Gnade und Anspruch gegenüber Widerspruch anmelden: Nein, auf Gnade und Barmherzigkeit Gottes wollen sie nicht angewiesen sein; sie möchten viel lieber sagen können, daß sie Heil und Seligkeit selbst verdient und »geschafft« haben. Auch wollen sie Gott und seinem Gebot nicht Gehorsam leisten, sondern ihre eigenen Herren bleiben, sich selbst ihre »Tafeln bauen« und selbst das Maß aller Dinge sein. Letztlich wollen sie sich selbst, nach eigener Fantasie, ihre »Religion« zusammenstellen, sozusagen sich aus der bunten Wiese der Religionen und Weltanschauungen einiges herauspflücken und nach ihrem Geschmack einen »Strauß« winden. Nach ihrem Bild wollen sie sich einen »Gott« schaffen, der überall den Menschen bestätigt und ihn auf seinen selbstgewählten Wegen segnet und segnet. Wort und Geist des lebendigen Gottes haben es in sich, das Wort, das wie »ein Hammer« ist, »der Felsen zerschmeißt« (Jer 23,29), den Menschen von seiner Eigenmacht, seinem törichten Denken und seinen falschen Wegen zu »überführen«. Dazu sind Verkündiger und Seelsorger nötig, die selbst in Gottes Wort leben, sich selber nach Gottes Wort richten und sich von ihm korrigieren lassen, die Gott in ihrem Leben recht geben. Gott tut durch solche Leute mehr, als ihnen bewußt ist und für sie in Erscheinung tritt. Solche leidensbereite Zeugen Jesu sind insbesondere in der Zeit des endgeschichtlichen Abfalls unentbehrlich (vgl. 2 Thes 2,3; Offb 11).

Edition C Bibelkommentar Neues Testament

Der letzte Teil von V. 7 und der gesamte V. 8 können als Einschub angesehen werden. Daher ist es möglich, den vorliegenden Vers mit dem ersten Teil von V. 7 zu verbinden, was wie folgt lautet: „als Gottes Verwalter … anhangend dem zuverlässigen Worte“. Sein Verwalteramt schließt das „Festhalten am (antecho) zuverlässigen Wort“ (rev. Elberf.) ein. Diese Wiedergabe läßt richtigerweise die Vorstellung von trotziger Gegnerschaft erkennen, eine Tatsache, die in der nichtrevidierten Elberfelder nicht zum Vorschein kommt.
Der Älteste darf mit der Heiligen Schrift kein falsches Spiel treiben, da sie absolut glaubwürdig sowie verläßlich und nicht unzuverlässig wie die falschen Lehren der Irrlehrer ist. Das zuverlässige Wort ist die einzige Autorität und das letzte Berufungsgericht bei jeder Streitfrage; daß es in voller Übereinstimmung mit der von den Aposteln gegebenen Lehre ist, wird durch die Erläuterung „nach der Lehre“ (kata ten didachen), wörtlich „das der Lehre entspricht“, angezeigt. Der Älteste muß durch lehrmäßige Festigkeit gekennzeichnet sein. Er ist dafür verantwortlich, fest am Wort Gottes als der eigenen Anleitung zu bleiben, ohne ihm etwas hinzuzufügen oder etwas daran zu schmälern, damit er fähig ist,

die Gläubigen in der gesunden Lehre (eine mögliche Wiedergabe) zu ermahnen;

die Widersprechenden zu überführen.
Hier erkennen wir die besondere Verantwortung, die Älteste in der Lehre haben. Folglich müssen sie „lehrfähig“ (1.Tim. 3,2) sein. Die Betonung liegt auf gesunder (hygiaino) Lehre. Das Wort bedeutet „gesund sein“ (unser deutsches Wort „Hygiene“ ist davon abgeleitet) und soll sich von der widerwärtigen, unpraktischen Lehre der falschen Lehrer abheben. Es ist möglich, um den Erwerb gesunder Kost zur körperlichen Ernährung sehr besorgt zu sein und sich dennoch weniger Sorgen um gesunde geistliche Nahrung für die Seele zu machen. Gläubige müssen ständig ermuntert (Parakater) werden. Muß der Älteste die Heiligen ermahnen, dann nimmt er sie zu sich in die Gemeinschaft und verlangt von ihnen nicht, geistliches Gebiet zu betreten, auf dem er sich selbst nicht befindet.
Außerdem muß der Älteste in der Lage sein, mit Gegnern der Wahrheit umzugehen, die hier als Widersprechende (vom Verb antilege) oder Widerredner erwähnt werden, d. h. diejenigen, die gegen die gesunde Lehre sprechen. Er soll auf keinen Fall ihr Handeln stillschweigend dulden, sondern sie vielmehr überzeugen (elencho) oder überführen. Das Wort bedeutet mehr als „tadeln“, es läßt eine Darlegung des Beweises erkennen, so daß die Argumente der Gegner widerlegt werden, sich als unbegründet erweisen und die früheren Widersprechenden beschämt werden. Welch eine Vollmacht liegt in dem zuverlässigen Wort!

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

    Missverständnisse ??

    Habe in der letzten Nacht einen „aktuellen Vortrag“ einer „Endzeitkonferenz“ gehört, und mir fällt auf, dass manche Redner einfach die Fehler bei anderen suchen, oder einfach nur einen „Feind gefunden haben“ – oder ist das ein Missverständnis?

    Ein Beispiel, auf das ich hier eingehen will: es gibt wohl ein lateinisches Kirchenlied, indem das Wort Lucifer vorkommt. Und anstatt auch dieses Wort zu übersetzen, wird die Übersetzung so „hingedreht“ als wenn es in diesem Lied um den biblischen Teufel und Satan gehen würde.
    Aber schauen wir uns mal genauer an, wer oder was Lucifer ist.

    Im laufe der letzten Jahre gab es auch hier in diesem Blog Artikel, wo Luzifer mit dem Teufel und Satan der Bibel gleichgesetzt wurde … (Siehe dazu Suchanfrage) und ich denke, dies ist auch okay, da wir im deutschen eben den Begriff Luzifer für den Teufel verwenden.
    Aber schauen wir uns zwei Erklärungen an:

    Morgenstern. Dass der Stern Venus auch den Israeliten wie anderen Völkern früh durch seinen besonderen Glanz aufgefallen sei, ist nicht zu bezweifeln. Ausdrücklich erwähnt ist er im Alten Testament nur Jes. 14, 12 (wörtlich: der Helle, Sohn der Morgenröte), zur Bezeichnung des Königs von Babel im Glanz seiner Herrschaft. Die Beziehung dieser Stelle auf den Satan, woher dieser dann Luzifer heißt, ist nicht biblisch.
    Hiob 38, 7 steht die Mehrzahl und sind die Sterne überhaupt gemeint, die den Schöpfungsmorgen begrüßen; Vers Hiob 38, 32 bedeutet das Wort, das Luther mit Morgenstern übersetzt, wahrscheinlich den Tierkreis. Offb. 22, 16 nennt sich der Herr Jesus als der, welcher den ewigen Tag heraufführt, den hellen Morgenstern; Offb. 2, 28 wird den Überwindern die Teilnahme an jenem Tag verheißen; ähnlich 2Petr. 1, 19: das prophetische Wort ist ein Licht, das uns im Dunkel dieser Welt leuchtet, die volle Erkenntnis der göttlichen Gnade und Wahrheit bringt erst die Vollendungszeit.

    Calwer Bibellexikon

    lucifer, fera, ferum (lux u. fero), Licht bringend, I) eig.: A) adi.: 1) im allg.: lampas, Acc. tr. fr.: equi, die Pferde der Luna, Ov.: pars lunae, der erleuchtet ist, Lucr.: oculorum semitae, orbes, Chalcid. – 2) prägn. = ans Licht bringend, manus, der Lucina, Ov.: Diana Lucifera, Cic. – B) subst., Lucifer, feri, m., der Planet Venus od. Morgenstern, Cic. u.a.: stella Lucifer interdiu, noctu Hesperus ita circumeunt etc., Varro r. r. 3, 5, 17: nach der Sage ein Sohn der Aurora u. Vater des Ceyx, Ov. met. 11, 271: dah. Lucifero genitus, von Ceyx, ibid. 346. – meton., der Tag, omnis Luc., Ov.: tot Luciferi, Ov.: exsiliente Lucifero, Amm. – II) übtr., licht-, heilbringend, Prud. psych. 625.

    Georges – Lateinisch-deutsches Handwörterbuch

    dann schauen wir uns einmal eine lateinische Bibel an:

    et quasi meridianus fulgor consurget tibi ad vesperam et cum te consumptum putaveris orieris ut lucifer
    Biblia Sacra iuxta Vulgatam versionem – Ijob 11,17

    Et quasi meridianus fulgor consurget tibi ad vesperam,
    et, cum te caligine tectum putaveris, orieris ut lucifer.
    Nova Vulgata Bibliorum Sacrorum – Ijob 11:17

    und heller als der Mittag wird dein Leben erstehen; mag es finster sein-wie der Morgen wird es werden.
    Elberfelder 1871 – Hiob 11,17

    Quomodo cecidisti de caelo, lucifer,
    fili aurorae?
    Deiectus es in terram, qui deiciebas gentes,
    Nova Vulgata Bibliorum Sacrorum Editio 1986 – Jes 14,12

    quomodo cecidisti de caelo lucifer qui mane oriebaris corruisti in terram qui vulnerabas gentes
    Biblia Sacra iuxta Vulgatam versionem – Jes 14:12

    Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! zur Erde gefällt, Überwältiger der Nationen!
    Elberfelder 1871 – Jesaja 14,12

    et habemus firmiorem propheticum sermonem cui bene facitis adtendentes quasi lucernae lucenti in caliginoso loco donec dies inlucescat et lucifer oriatur in cordibus vestris
    Biblia Sacra iuxta Vulgatam versionem – 2. Petr 1,19

    Et habemus firmiorem propheticum sermonem, cui bene facitis attendentes quasi lucernae lucenti in caliginoso loco, donec dies illucescat, et lucifer oriatur in cordibus vestris,
    Nova Vulgata Bibliorum Sacrorum Editio 1986 – 2. Petr 1:19

    Und so besitzen wir das prophetische Wort befestigt, (W. haben wir… befestigter) auf welches zu achten ihr wohl tut, als auf eine Lampe, welche an einem dunklen Orte leuchtet, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen;
    Elberfelder 1871 – 2.Petrus 1,19

    Was wenn also katholische Gläubige in ihrem Gesang, – wie es ja aus dem Text deutlich hervorgeht!!! – den Morgenstern aus 2.Petrus 1,19 besingen? Warum verurteilen dann andere Christen diese Gesänge, nur weil sie diese nicht verstehen (verstehen wollen??) Warum kann ich nicht einfach den christlichen Glauben der anderen akzeptieren, anstatt diese „anzuklagen“ und zu „verleumden“?? ( Den Job hat nämlich jemand schon übernommen: Offenbarung 12:10 )

    Ihr stürzt mich ins Unglück

    Da sprach Jakob zu Simeon und zu Levi: Ihr habt mich in Trübsal gebracht, indem ihr mich stinkend machet unter den Bewohnern des Landes, unter den Kanaanitern und unter den Perisitern. Ich aber bin ein zählbares Häuflein, und sie werden sich wider mich versammeln und mich schlagen, und ich werde vertilgt werden, ich und mein Haus
    Elberfelder 1871 – Genesis 34,30

    Aber Jaakob sprach zu Schimon und zu Lewi:
    Ihr zerrüttet mich,
    da ihr mich stinkend gemacht habt beim Insassen des Landes, bei dem Kanaaniter und bei dem Prisiter!
    Ich bin nur zählige Leute,
    rotten die sich zusammen wider mich, werden sie mich schlagen,
    und ich werde vertilgt, ich und mein Haus.
    Buber & Rosenzweig – Genesis 34:30

    Da sprach Jaʿakow zu Schimʿon und zu Levi: Ihr habt mich betrübt, dass ihr mich berüchtigt machet bei den Einwohnern des Landes, bei dem Kenaʿani und Perissi; denn ich bin ein geringer Haufe, sie aber werden sich versammeln wider mich und mich schlagen, und ich werde getilgt werden, ich und mein Haus.
    Die Philippson-Bibel – 1.Mose 34,30

    Da sagte Jakob zu Simeon und Levi: „Ihr stürzt mich ins Unglück, denn ihr habt mich bei den Bewohnern des Landes verhasst gemacht, bei den Kanaanitern und Perisitern. Ich habe doch nur eine zählbare Mannschaft. Wenn sie sich gegen mich zusammentun, werden sie mich besiegen, dann bringen sie mich und meine Familie um.“
    NeÜ bibel.heute – Stand 2024 – 1.Mose 34:30

    Die Ausführung der Verschwörung selbst war grausam. Simeon und Levi (und ohne Zweifel ihre Angehörigen) ermordeten alle männlichen Kanaaniter, als sie von der Beschneidung her Schmerzen hatten und durch die Wundheilung noch schwach waren. Dann retteten die Brüder Dina und plünderten die Stadt und die Felder wegen des Besitzes der Sichemiten: Herden, Besitztümer, Frauen und Kinder. Das alles entfachte Jakobs Angst, denn diese Tat konnte für ihn und seine Familie ernsthafte Folgen haben. Aber die Brüder antworteten einfach: Hätte Sichem unsere Schwester wie eine Hure behandeln sollen?
    Später wurde das Volk Israel belehrt, die Verunreinigung mit den Kanaanitern zu vermeiden. Israels »Außenpolitik« war, sie völlig zu vernichten, bevor sie die Israeliten verunreinigen konnten ( 5Mo 20,16-18 ).
    In dieser Erzählung ist das Empfinden Simeons und Levis zwar richtig, aber aufgrund ihrer ungezügelten Leidenschaft wurden sie später bei der Segnung Jakobs übergangen ( 1Mo 49,5-7 ). Darüberhinaus sollte ein hinterhältiger Bund den Heiden nicht verlockend in Aussicht gestellt werden. Dennoch benutzte Gott bei Gelegenheit einen Simeon, einen Levi und einen Jehu ( 2Kö 10,11-14.17-31 ) als seine Werkzeuge des Gerichtes.

    Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

    Der Appell Jakobs ist wirksam. Die „fremden Götter, die unter ihnen sind, werden weggetan“ (Vers 4). Es handelte sich dabei wahrscheinlich um Götzen oder Teraphim, Werkzeuge eines abgewandelten Götzendienstes: Der wahre Gott wurde nicht völlig verleugnet, aber es wurden falsche Götter mit ihm in Verbindung gebracht oder falsche Methoden der Anbetung praktiziert, denn das scheint die Art von Religion gewesen zu sein, die in Syrien, im Haus von Laban, vorherrschte. Aber was auch immer sie waren, sie wurden alle zusammen mit den Schmuckstücken, die mehr oder weniger mit ihrem Gebrauch verbunden waren, vorbehaltlos an Jakob übergeben und von ihm unter einer Eiche in Sichem in der Erde vergraben, nicht um später ans Licht gebracht zu werden und zum Anlass für das Heidentum im Reich der zehn Stämme zu werden, wie manche behaupten, sondern um für immer verborgen und verloren zu sein (Vers 4).
    Es ist sicher vollbracht. Dass es so sein würde, ist fast mehr, als man für möglich gehalten hätte. Menschlich gesehen war es viel wahrscheinlicher, dass das eintreten würde, was Jakob befürchtet hatte (34:30), nämlich dass alle benachbarten Stämme der Kanaaniter und Perisiter, die die kleine Schar, die Jakob anführte, zahlenmäßig um ein Vielfaches übertrafen, sich zusammenschließen würden, um sie zu verfolgen und zu vernichten. Dass es anders kam, war allein die Schuld des Herrn. „Der Schrecken Gottes lastete auf den Städten, die um sie herum lagen, und sie verfolgten die Söhne Jakobs nicht. Und Jakob kam nach Lus, das im Lande Kanaan liegt, das ist Beth-El, er und alles Volk, das bei ihm war. Und er baute dort einen Altar und nannte die Stätte El-Beth-El“ (Vers 6, 7).

    Robert S. Candlish – Das Buch Genesis – eine Reihe von Diskursen

    Zu einer Zeit, als die Männer in Sichem zu große Schmerzen hatten, um sich zu verteidigen, versammelten Simeon und Levi, zwei von Dina’s Vollbrüdern, einige Männer aus Jakobs Lager und griffen die Sichemiter an, töteten Hamor und seinen Sohn und alle Männer in der Stadt. Dann plünderten sie die Stadt und nahmen die Frauen und Kinder gefangen. Das war eine böse Tat, und als Jakob davon hörte, war er zornig und erschrocken. Aber da er zu Lebzeiten seinen Teil an Intrigen begangen und seinen Vater getäuscht hatte, konnte er seine Söhne nicht zurechtweisen, ohne sich selbst zu belasten.

    Simeon und Levi gingen sicherlich zu weit, als sie die Kanaaniter abschlachteten und ihre Stadt plünderten, um ihre Schwester zu rächen, und Jakob hat das nie vergessen (49,5-7). Durch ihren Betrug und ihre rücksichtslose Zerstörung zerstörten sie Jakobs Zeugnis vor den Bewohnern des Landes. Was nützte es Jakob, einen Altar zu bauen und den wahren Gott vor seinen heidnischen Nachbarn anzubeten, wenn seine Kinder sich wie Heiden verhielten? Aber es ist traurig zu sehen, dass Jakobs größte Sorge nicht die Rechtfertigung der Reinheit oder gar sein Zeugnis im Land war, sondern seine eigene Sicherheit. Wären Jakob und seine Familie in Bethel gewesen, wo sie hingehörten, wäre es vielleicht nicht zu dieser Tragödie gekommen.

    Aber getreu seiner Verheißung (28:15) war Gott noch nicht fertig mit Jakob. Es gab noch Herzschmerz und Freude, aber der Gott Jakobs würde sich durch all das hindurch als treu erweisen.

    Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series

    Als Ergebnis von Jakobs Zustimmung und Hamors Einverständnis wurden alle männlichen Sichemiten beschnitten (V. 24). Bei Erwachsenen kann die Beschneidung einen Mann für eine Woche außer Gefecht setzen. Am dritten Tag, als alle Männer am meisten behindert waren und sich kaum noch fortbewegen konnten, töteten Simeon und Levi alle männlichen Einwohner Sichems, nahmen Dina und gingen fort (V. 25-27). Nicht nur das, sie nahmen auch all ihr Vieh, ihren Reichtum und ihre Frauen, jung und alt (Vv. 28-29).

    Die Reaktion von Jakob war eine des Entsetzens. Erstens sagt er zu ihnen: Ihr habt mich im ganzen Land stinken lassen; ihr habt meinen Ruf beschmutzt. Zweitens: Was soll andere davon abhalten, da wir weniger sind als die Kanaaniter und Perisiter, darauf zu warten, uns zu vernichten?

    Jakob nahm an, dass andere mit der gleichen moralischen Empörung reagieren würden wie er. Das war eine zu große Annahme; es geschah nichts, weil eine solche Tat bei einem bösen Volk eher Bewunderung als Zorn hervorrufen würde.

    Die Antwort von Levi und Simeon war: „Sollte er mit unserer Schwester wie mit einer Hure umgehen?“ (v. 31). Die Familiengesetze hatten ihre Übel, und dies war ein Aspekt dieses Übels, weil seine Lehre von der Gerechtigkeit eng und ungerecht war. Jakob erholte sich nie von seiner moralischen Empörung und seinem Entsetzen über diese Episode. Auf seinem Sterbebett bezieht er sich darauf und verflucht den Zorn der beiden Söhne (1 Mose 49,4-7). Er brannte immer noch vor Scham über diesen Vorfall. Es war der Weg Kanaans, nicht der Israels.

    Jakob hatte seine Söhne zu sich gerufen, als er von der Vergewaltigung erfuhr, aber der Familienrat war kein Bundesrat. Die Familie ist Gottes grundlegende Regierungseinheit, aber die Familie ist nicht mehr immun gegen den Sündenfall und die menschliche Verderbtheit als jeder Mensch oder jede Institution. Als Bundesmann sah Jakob, Israel, ein Fürst bei Gott, nun seine Söhne als Bundesbrecher.

    Jakobs Angst vor der kanaanitischen Rache wurde jedoch nicht wahr. Die Arbeitskraftressourcen von Isaak, Esau und Jakob waren so groß, dass es nur wenige wagen würden, sie anzugreifen. Levi und Simeon waren sich dessen offenbar stärker bewusst, weil sie als Sünder pragmatisch dachten, während ihr Vater moralisch dachte.

    Rousas John Rushdoony – Kommentare zum Pentateuch

    Ver. 30. UND JAKOB SPRACH ZU SIMEON UND LEVI usw.] Aus Kap. 35:5 sehen wir, dass Jakobs Befürchtungen begründet waren und dass er und seine Familie nur durch Gottes Eingreifen vor den Folgen des grausamen und hinterhältigen Verhaltens von Simeon und Levi bewahrt wurden. Es ist zu beachten, dass wir aus dem Schweigen der heiligen Erzählung zu diesem Thema nicht schließen dürfen, dass Jakob oder der heilige Schreiber die Transaktion guthießen. In Kap. 49,5-7 sehen wir an der Art, wie Jakob darüber spricht, wie sehr er sich das Fehlverhalten seines Sohnes zu Herzen genommen hat. Und der Fluch, den der prophetische Geist damals über seine Lippen brachte, zeigt, wie derjenige darüber dachte, durch dessen Inspiration das Buch Genesis geschrieben wurde.

    Henry Charles Groves – Ein Kommentar zum Buch Genesis

    Ihr habt betrübt, vom Ausdruck trübes Wasser (Berach. 25b); mein Gemüt ist jetzt nicht mehr heiter; die Agada sagt, der Krug war klar, und ihr habt ihn getrübt; es war eine Überlieferung in der Hand der Kenaanim, dass sie durch die Hand der Söhne Jaakobs fallen würden; nur sagten sie, (Exod. 23, 30) bis du fruchtbar sein wirst und das Land einnimmst; darum hatten sie geschwiegen (Ber. rab.). Gering an Zahl, wenig Männer.

    Raschi – Kommentar zur Tora

    Jakob greift nun zum ersten Mal ein und beschimpft Simeon und Levi dafür, dass sie durch ihr Handeln das Überleben der gesamten Sippe leichtsinnig aufs Spiel gesetzt haben. Es gibt keinen Hinweis darauf, wie Jakob zu dem größeren moralischen Problem steht, dass unschuldige Menschen für die Verbrechen einiger weniger bestraft werden. Auf seinem Sterbebett tadelt Jakob Simeon und Levi für ihre Gewalttaten und Grausamkeiten: „Simeon und Levi sind ein Paar; / Ihre Waffen sind Werkzeuge der Gesetzlosigkeit. / Meine Person soll nicht in ihren Rat einbezogen werden, / mein Wesen soll nicht in ihrer Versammlung zählen. / Denn wenn sie zornig sind, erschlagen sie Menschen, / und wenn sie sich freuen, verstümmeln sie Ochsen. / Verflucht sei ihr grimmiger Zorn, / und ihr unerbittlicher Zorn. / Ich will sie in Jakob teilen und in Israel zerstreuen.“ (1. Mose 49,5-7) Es ist wahrscheinlich, dass sich der Text auf den Angriff auf die Stadt Sichem und auf die Ausschreitungen der beiden Brüder bezieht, die in der vorliegenden Erzählung nicht erwähnt werden.

    brachte Unruhe Der hebräische Ausdruck, wörtlich eine Auslassung für „das Wasser trüben“, wird im übertragenen Sinne für „den Frieden stören, Unruhe stiften“ verwendet.
    Ellipsis für „meinen Atem zum Stinken bringen“.

    die Perisiter Siehe Kommentar zu 13:7. Nach Josua 11:3 und 17:15 bewohnte dieses Volk das zentrale Hügelland, d.h. die Gegend von Sichem.

    Die beiden Brüder haben das letzte Wort. Wie im Buch Jona liefert die abschließende rhetorische Frage ein unwiderstehliches Argument. Die Frauen Israels dürfen nicht als Objekte des Missbrauchs betrachtet werden. Sie können nicht ungestraft entehrt werden.

    Der JPS Tora-Kommentar – Genesis